zurück

Uruguay (IFMSA-Uruguay)

Innere - SCOPE (Famulaturaustausch)
von Johanna , Essen

Motivation

Ich habe mich für eine Famulatur in Uruguay entschieden, da ich gerne mein Spanisch verbessern wollte, südamerikanische Lebensfreude erleben wollte und Uruguay für südamerikanische Verhältnisse ein sehr sicheres Land ist. Auch ist es recht klein, etwa halb so groß wie Deutschland. Dies ermöglicht an den freien Wochenenden möglichst viel vom Land zu sehen.

Vorbereitung

Ich habe mir hauptsächlich Berichte von anderen Studenten im Internet durchgelesen. Diese waren sehr hilfreich und gaben mir viele Tipps. Ein Vorbereitungsseminar habe ich im Vorhinein nicht besucht.

Visum

Für Uruguay benötigt man für die 4 Wochen Praktikum kein Visum. Erst ab einem Aufenthalt von über 90 Tagen muss ein Visum beantragt werden.

Gesundheit

Ich habe für den Zeitraum eine Auslandskrankenversicherung abgeschlossen. Dann empfiehlt es sich, neben den Standardimpfungen gegen Gelbfieber geimpft zu sein. Nicht speziell für Uruguay, jedoch für die Iguazu Wasserfälle, die man unbedingt im Anschluss besuchen sollte.

Sicherheit

In Südamerika sollte man generell mehr auf sich auf passen, als man es aus Europa kennt. Wie zum Beispiel sollte man seine Taschen und Wertsachen im Blick behalten und abends nicht alleine durch die Straßen laufen. Jedoch fühlt man sich in Uruguay recht sicher. Montevideo ist für eine Großstadt recht ruhig.

Geld

Die Währung in Uruguay ist der Peso. Es werden aber bei höheren Summen der US Dollar Preis angegeben und es kann oft auch mit Dollarn bezahlt werden. Es empfiehlt sich mit der Kreditkarte zu bezahlen oder mit dieser am Geldautomaten Geld abzuheben. Dies ist sicherer, als in einer Wechselstube Geld zu wechseln.
Die Lebenshaltungskosten sind etwas höher als in Deutschland. Daher empfiehlt es sich auf den Wochenmärkten einkaufen zu gehen.

Sprache

In Uruguay spricht man das "Rio-de-la-Plata" Spanisch. Einige Wörter werden anders ausgesprochen und die Grammatik ändert sich etwas. Es klingt erst sehr anders, aber nach ca. einer Woche hat man sich schon ganz gut rein gehört. Gutes Englisch sprechen nicht so viele Menschen.
Ich habe vor meinen Austausch einige Spanisch Kurse der Uni besucht bis zum B1 Level. Dies ist ausreichend, aber je mehr man kann, desto einfacher ist es natürlich zu kommunizieren.

Verkehrsbindungen

Die meisten Flugverbindungen von Europa aus gehen über Madrid. Da meine Zusage erst sehr spät kam, hatte ich den Flug vorher auf gut Glück gebucht, da er schon sehr teuer war und ich einen weiteren Preisanstieg befürchtete.
Der öffentliche Nahverkehr wird komplett mit Bussen abgedeckt. Sehr zu empfehlen ist die App „Moovit“. Die hilft einem bei den unzähligen Buslinien, den richtigen Bus zu erwischen. Eine Busfahrt kostet 36 Pesos, was in etwa einem Euro entspricht.

Kommunikation

Es ist sinnvoll sich direkt zu Beginn eine Sim Karte zu zulegen, dann hat man jederzeit Internet zur Verfügung. Es gibt aber auch in jedem Café, Restaurant oder Geschäft kostenloses Wlan. In Uruguay wird viel mehr als bei uns über Whatsapp geregelt. Zum Beispiel Tischreservierungen oder Ticketverkauf.

Unterkunft

Die IFMSA stellt einem ein Bett in einem Studentenwohnheim. Da mein Freund gleichzeitig ein Praktikum in Montevideo gemacht hat, hatten wir uns eine gemeinsame Wohnung gemietet. Die hatten wir über AirBnB gebucht und hatten großes Glück, da wir im Haus einer sehr netten uruguayischen Familie wohnten.

Literatur

Sehr zu empfehlen ist die Seite https://www.guruguay.com/. Dort gibt es viele nette Tipps. Von der Autorin der Seite gibt es auch zwei englischsprachige Reiseführer. Dann gibt es auch einen Lonely Planet Reiseführer zusammen mit Argentinien.

Mitzunehmen

Für das Praktikum sollte ich einen Kittel mitbringen. Dann ist ein Stethoskop noch sinnvoll. Über meine kleine Desinfektionflasche war ich auch recht froh, da die dort nur ein Alkoholgel zum desinfizieren benutzen, was recht klebrig ist.
Wenn man in den Wintermonaten dort ist, ist auch eine Wärmflasche praktisch, da es nachts recht frisch wird.

Reise und Ankunft

Ich kam am Samstagmorgen an und direkt Montags begann das Praktikum. Direkt am Samstag Nachmittag gab es ein social program. Ich traf eine Medizinstudentin, die mich zu einer free walking tour begleitete. Sie half mir dann noch eine Sim Karte zu besorgen und erklärte mir alles weitere.

Tätigkeitsbeschreibung und fachliche Eindrücke

Ich wurde von der IFMSA in das Hospital Maciel eingeteilt, welches in der Ciudad Vieja liegt und somit fast direkt am Hafen. Dort war ich für vier Wochen auf einer Station der Inneren Medizin. Das Krankenhaus ist eins der ältesten Krankenhäuser Uruguays und beeindruckt sehr durch seine Architektur. Man fühlt sich dort ins 19. Jahrhundert zurück versetzt. Es ist für ein öffentliches Krankenhaus recht gut ausgestattet. Im Allgemeinen kann man sagen, dass Uruguay die beste Gesundheitsversorgung in Südamerika hat, da sie für alle zugänglich ist.
Auf der Station gab es Betten für 12 Patienten, die die meiste Zeit auch voll besetzt waren. Es waren einige Patienten dort, die entweder auf der Straße oder in sehr einfachen Verhältnissen leben. Das mag an der Lokalisation des Krankenhauses liegen, da die Ciudad vieja zu den ärmeren Stadtteilen zählt.
Die häufigsten Gründe der stationären Aufnahmen, waren exzazerbierte COPD (in Spanisch „EPOC“) und Atemwegsinfektion. Das mag auch daran liegen, dass ich im August in der Winterzeit dort war. Einige Patienten hatten Infektionskrankheiten, wie Hepatitis C und B oder Syphillis.
Mir hat sehr gut gefallen, dass hier die Angehörigen der Pflege einiges an Arbeit abnehmen und das für sie selbstverständlich ist. Wenn der Patient keine Angehörigen hat, wird dieser von einem Sozialdienst ganztägig betreut. Aber auch die Patienten und Angehörigen vom Nachbarbett haben immer ein Auge auf ihren Nachbarn.
Die Ärzte nehmen sich insgesamt sehr viel Zeit für die Anamnese und körperliche Untersuchung. Die Dokumentation, welche hauptsächlich handschriftlich durchgeführt, nimmt dann die meiste Zeit der Ärzte in Anspruch. Das war für mich dann leider etwas uninteressant, da für die Dokumentation mein Spanisch nicht ausreichte. Die Arbeitszeiten auf der Station sind für Ärzte von Montags bis Samstags von 8 bis 14 Uhr. Zusätzlich muss einmal die Woche ein 24 Stunden Dienst in der Notaufnahme abgeleistet werden. Nachmittags, Nachts und Sonntag ist dann nur noch ein Arzt für viele Stationen verantwortlich. Leider reicht das Gehalt nicht aus, und deswegen haben sehr viele Ärzte einen Zweit- oder sogar Drittjob in der Uni, einer Privatklinik oder in einer Praxis.
Die PJler auf Station werden hier „Internos“ genannt und diese müssen auch von Montags bis Samstags auf der Station arbeiten und ein Mal die Woche einen 24 Stunden Dienst ableisten.
Das Medizinstudium geht hier 7 Jahre und ist bis jetzt für alle zugänglich ohne Zulassungseinschränkungen und ist frei von Studiengebühren.
Generell kann man sagen, dass die hierarchischen Strukturen im Krankenhaus viel weniger ausgeprägt sind. Der Umgangston ist sehr nett und freundschaftlich. Alle begrüßen sich mit einem Wangenkuss und der Mate Becher wird auch mit allen geteilt, das Volksgetränk Nummer 1 in Uruguay.
Mit der Pflege und den Medizinstudenten hatte ich mich sehr gut verstanden. Die Stationsärzte waren sehr gestresst und hatten eigentlich keine Zeit mich viel mit einzubinden. Das war etwas schade. Einen verantwortlichen Tutor hatte ich in dieser Zeit nicht getroffen.

Land und Leute

Egal an welchem Ort und zur welchen Uhrzeit, überall sieht man die Urugayos mit einer Thermoskanne unter dem Arm geklemmt und in der Hand ihren Mate Becher. Es gibt sogar extra passende Taschen, in denen genau die Thermoskanne, eine Teedose und der Matebecher rein passt. Der recht bittere Tee wird überall verkauft und man wird oft gefragt, ob man diesen auch so gerne trinkt. Die Matebecher sind entweder aus einem Kürbis, Keramik, Glas oder Holz hergestellt.
Das Essen besteht aus vielen Fleischgerichten und durch den italienischen Einfluss der Einwanderer gibt es auch viel Pizza und Pasta. Jeden Monat am 29. ist "día del ñoqui". Dann gibt es in allen Restaurants und Supermärkten frisch gemachte leckere Gnocchis. Das Obst und Gemüse schmeckt in Uruguay viel besser und intensiver, als man es aus Deutschland kennt. Das Fleisch schmeckt auch sehr gut und kommt zu großer Wahrscheinlichkeit nicht aus einer Massentierhaltung, sondern von den rießigen Rinderherden in der grünen Pampa. Man sagt das pro Einwohner Uruguays ca. 3,5 Rinder kommen.
Die Uruguayer sind im Allgemeinen sehr freundlich und offen. Auch wenn man mal ein nicht so perfektes Spanisch spricht, sind sie sehr geduldig.
In Montevideo gibt es viele Möglichkeiten, nach dem Krankenhaus noch etwas zu unternehmen. Es gibt viele schöne Stadtstrände, interessante Museen, Cafés, Bars und ein sehr schönes großes Theater namens Teatro solis. Die Tickets sind recht günstig, daher sollte man sich eine Vorstellung dort unbedingt anschauen. Abends und am Wochenende spielt sich das Leben hauptsächlich am Rambla ab. Der 5 km langen Strandpromenade der Stadt. Dort trifft man sich zum Mate trinken, spazieren, joggen oder Inliner fahren. Tango und Fussball spielen auch eine große Rolle in der Kultur Uruguays. Daher sollte man sich eine Tanzstunde und ein Fußballspiel nicht entgehen lassen.
Im Anschluss an das Praktikum war ich noch in Buenos Aires und bei den Iguazu Wasserfällen. Wenn man nur wenig Zeit hat, kann man dort direkt hin fliegen. Dieses Naturspektakel zu sehen, ist wirklich sehr lohnenswert und man sollte sich die Zeit nehmen, die Wasserfälle von der argentinischen und der brasilianischen Seite zu sehen. Nach den vier Wochen Praktikum in der Stadt, tat der Ausflug mitten ins Grüne sehr gut.
Buenos Aires kommt einem nach der Zeit im ruhigen, kleinen Montevideo sehr groß und hektisch vor. Es ist eine sehr interessante Stadt und ist von Montevideo sogar mit der Fähre erreichbar. Von dort bin ich dann auch zurück nach Deutschland geflogen.

Fazit

Uruguay hat mir sehr gut gefallen und ich würde gerne mal wieder kommen um noch mehr vom Land kennenzulernen. Das Praktikum hat mir auch gefallen. Durch die mangelnde Betreuung im Krankenhaus und durch wenige eigene Aufgaben, habe ich jedoch nicht viel an medizinischem Wissen dazu gewonnen. Dafür aber einen Einblick in ein komplett unterschiedliches Gesundheitssystem gewonnen, meine Spanischkenntnisse verbessert und viele interessante Menschen kennengelernt. Vor allem Menschen, die sehr viel weniger besitzen als wir Deutschen, oder sogar auf der Straße leben und doch so freundlich, dankbar und lebensfroh sind.

zurück