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Indonesia (CIMSA-ISMKI)

Tropenmedizin - SCOPE (Famulaturaustausch)
von Joanna, Frankfurt

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Motivation

Ich habe mich für den Famulaturaustausch beworben, da ich gerne eine neue Kultur kennen lernen wollte und auch fachlich dazu lernen wollte.

Vorbereitung

Die einzige Schwierigkeit die sich ergeben hat war das beantragen des Visums. Da sich in meiner Card of Acceptance ein kleiner Fehler eingeschlichen hat, musste ich warten bis er ausgebessert wurde. Dann waren aber die Feiertage zum Ende des Ramadans und ich musste 1 1/2 Wochen warten bis das Konsulat wieder geöffnet hat. Da es ein paar Wochen dauert bis das Visum bearbeitet wird wurde es knapp mit der Zeit vor meiner Ausreise, aber ich konnte das Visum dann einen Tag vor meinem Abflug abholen. Man sollte sich also im Internet über die indonesischen Feiertage informieren.

Visum

Ich habe bei dem Indonesischen Konsulat in Frankfurt ein Visum für kulturelle und soziale Zwecke für 50 Euro beantragt. Da das Konsulat wegen des Ende des Ramadans fast 2 Wochen geschlossen hatte und ich bereits 3 Wochen vor Praktikumsbeginn nach Indonesien geflogen bin, wurde es etwas knapp mit dem beantragen des Visums, aber es hat alles noch rechtzeitig geklappt.

Gesundheit

Ich habe eine Auslandskrankenversicherung abgeschlossen und war in der reisemedizinischen Impfambulanz der Uni und habe mich dort beraten lassen. Da ich durch andere Auslandsaufenthalte bereits gegen Hepatitis A und Tollwut geimpft wurde, musste ich keine weiteren Impfungen durchführen lassen. Ich habe Malaria Standby-Medikation mitgenommen da ich unter anderem in Gebiete mit mittlerem Malaria-Risiko bereist habe. In Indonesien herrscht aber ein höheres Risiko an Dengue-Fieber zu erkranken, deswegen sollte man immer Moskitospray verwenden (am besten mit 50% DEET)

Sicherheit

Ich habe mich zu keiner Zeit während meines zweimonatigen Indonesienaufenthalts unsicher gefühlt. Meine Mitfamulanten und ich haben öfters und auch alleine Grab (funktioniert wie Uber) und go-jek (App für Motorradtaxis) benutzt und haben nur gute Erfahrungen gemacht.

Geld

In Indonesien Bezahlt man mit indonesischen Rupiah. Die Währung kann anfangs ziemlich verwirrend sein, da es sehr hohe Geldbeträge sind. In den meisten Läden kann man mit Kreditkarte zahlen, trotzdem ist es wichtig immer Kleingeld zu haben, um den öffentlichen Nahverkehr und an Straßenständen bezahlen zu können. Ich könnte mit der Kreditkarte an fast jedem ATM Geld abheben. Die Preise für Essen und Transport sind auf jeden Fall deutlich billiger als in Deutschland.

Sprache

Die Landessprache ist indonesisch. Die Studenten im Krankenhaus und die Ärzte können auch meistens Englisch sprechen, da sie meistens englischsprachige Lehrbücher verwenden. Trotzdem ist die Aussprache manchmal schwierig zu verstehen. Es wäre sehr nützlich gewesen Indonesisch zu sprechen, da im Klinikalltag alles auf Indonesisch geregelt wird und oftmals keine Zeit zum übersetzen bleibt.Wenn man in Indonesien reisen möchte ist es fast unumgänglich Inlandsflüge zu nehmen, da das Land sehr groß und auf mehrere Inseln verteilt ist. Der öffentliche Nahverkehr in Reise- oder Minibussen ist ziemlich billig, dauert aber meistens lange und teilweise (je nach Insel) sind die Straße in keinem guten Zustand. Wir haben außerdem die apps Grab und Go-jek benutzt, die auf jeden Fall zu empfehlen sind.

Verkehrsbindungen

Wenn man in Indonesien reisen möchte ist es fast unumgänglich Inlandsflüge zu nehmen, da das Land sehr groß und auf mehrere Inseln verteilt ist. Der öffentliche Nahverkehr in Reise- oder Minibussen ist ziemlich billig, dauert aber meistens lange und teilweise (je nach Insel) sind die Straße in keinem guten Zustand. Wir haben außerdem die apps Grab und Go-jek benutzt, die auf jeden Fall zu empfehlen sind.

Kommunikation

Ich habe mir eine indonesische Sim-Karte mit mobilem Internet gekauft (10GB für ca. 5 Euro). Außerdem habe ich eine Übersetzungsapp auf meinem Handy benutzt um mich auch ohne viel Indonesisch durchzuschlagen.

Unterkunft

Die Empfangsorganisation hat uns Zimmer in einem Studentenwohnheim organisiert. Wir hatten jeweils ein eigenes Zimmer mit Bett, Schrank, Schreibtisch und Klimaanlage mit eigenem Bad. Auf jedem Stockwerk gab es eine kleine Gemeinschaftsküche.

Literatur

Für die Vorbereitung auf die Famulatur habe ich die Erfahrungsberichte auf der bvmd Seite gelesen. Auf indojunkies.de habe ich mich über meine Reiseziele informiert, außerdem habe ich den Stefan Loose Reiseführer gelesen.

Mitzunehmen

Man sollte neben einer Reiseapotheke auf jeden Fall genügend Moskitospray mitnehmen. Man sollte auch darauf achten genügen angemessene Kleidung mitzunehmen (lange Hosen und T-shirts die die Schultern verdecken). Vermisst habe ich am meisten einen Hüttenschlafsack, wenn das Hostelbett doch nicht so ganz sauber ist.

Reise und Ankunft

Ich bin einen Tag vor Praktikumsbeginn in Jakarta gelandet und wurde von Mitgliedern der Gastorganisation am Flughafen abgeholt. Abends gab es ein Dinner mit dem Dekan der medizinischen Universität, dort habe ich auch meine Kontaktperson getroffen.

Tätigkeitsbeschreibung und fachliche Eindrücke

Leider hat mir das Praktikum im Krankenhaus nicht gut gefallen. Ich war mit einer anderen Famulantin eigentlich in der Tropenmedizin eingeteilt. Wir waren jedoch jeden Tag mit einem Facharzt für Innere Medizin in der Poliklinik für die staatlich Versicherten. Die Poliklinik kann man sich vorstellen wie eine Hausarztpraxis, d.h. die Patienten kamen mit Beschwerden wie Schilddrüsenüberfunktion, DM Typ 2 und Arthrose. Wir Famulanten durften leider nur zuschauen und nie selbst irgendetwas machen mit der Begründung wir wären „preclinical students“. Wenn man kein Indonesisch spricht und der Arzt nicht ins Englische übersetzt versteht man bei der Anamnese (die 90% der Arbeit ausmacht) natürlich nichts. Die Famulatur gestaltet sich recht eintönig wenn man 8h neben dem Arzt steht und einer fremden Sprache zuhört. Wir haben ab der zweiten Woche versucht die Abteilung zu wechseln, da zwei andere Famulaten in der Kardiologie sehr zufrieden mit ihrem zugeteilten Arzt waren, doch leider hat sich bis zum Ende nichts ergeben.
Ein typischer Tag sah wie folgt aus: Von unserer Unterkunft aus nahmen wir einen Minibus zum Krankenhaus um kamen dort um 8 Uhr an. Dort gingen wir in die Bibliothek um uns in eine Liste einzutragen. Dort haben wir gewartet bis die Studenten, die unserem Arzt zugeteilt waren uns in Whatsapp schreiben, dass wir in die Poliklinik kommen sollen. Das hat meistens so bis 10 Uhr gedauert, währenddessen haben wir gefrühstückt und rumgesessen. Wenn dann die Nachricht der Studenten kam, gingen wir hoch in die Poliklinik. Die Studenten schauen sich die Patienten zuerst alleine an, später (so gegen 11 oder halb 12) kommt der Arzt dazu und schaut sich die Patienten nochmal an. Nach dem Mittagessen ging es dann entweder nochmal in die Poliklinik oder zur Visite auf die Station bis uns der Arzt gegen 16 Uhr uns Famulanten nach Hause geschickt hat. Die Ausbildung in Indonesien ist anders gegliedert als in Deutschland, so arbeiten die Studenten schon früher uns sehr lang im klinischen Alltag.
Autoritäten und Hirarchien sind im Krankenhaus (und der indonesischen Kultur) sehr wichtig und stark ausgeprägt. Die Studenten müssen ihrem zugeteilten Arzt den ganzen Tag folgen: Sie müssen ihm hinterherlaufen sogar abends bis zu seinem Fahrrad außerhalb des Krankenhauses, dort warten sie bis er weggefahren ist und erst dann dürfen auch sie nach Hause gehen. Einmal haben wir den Arzt verloren, als er während einer Konferenz wortlos aufgestanden und davon gegangen ist. Panik ist unter den Studenten ausgebrochen und sie haben erzählt, dass das schonmal passiert ist und sie bis 11 Uhr nachts im Krankenhaus bleiben mussten um ihn zu suchen, da sie nicht wussten ob sie nach Hause gehen dürfen.

Land und Leute

Wir haben während der Famulatur jedes Wochenende Ausflüge unternommen. Wir waren auf den 1000 islands vor Jakarta, in Bogor und Yogyakarta. In meinem Urlaub vor und nach der Famulatur war ich auf verschiedenen Inseln:
Auf Kalimantan kann man Halbwilde Orang Utans der Aufzuchtstationen als folge der sich ausbreitenden Palmölplantagen sehen. Auf Flores ist das Leben ganz anders als auf den großen Inseln, die meisten Menschen leben als zum größten Teil als Selbstversorger von der Landwirtschaft, die Infrastruktur ist sehr schlecht aber es zeigt sich trotzdem ein Anstieg der Touristen in den letzten Jahre. Auf Bali trifft man den geballten Massentourismus und trotzdem ist die einzigartige balinesische Kultur allgegenwärtig präsent. Sumatra besticht mit wunderbaren Kraterseen, wenig Touristen und Regenwald mit wilden Orang Utans. Jeder Ort hat mir sehr gut gefallen und die Menschen in Indonesien sind immer sehr hilfsbereicht und freundlich. Wenn man in nicht so ganz touristischen Gegenden unterwegs ist, ist man schnell selbst die Attraktion und auch wenn viele Indonesier kein Englisch wird man von jedem(!) dem man begegnet mit „Hello Miss“ (oder auch mal „Hello Mister“) begrüßt. Essensstände findet man an fast jeder Straßenecke: Das Essen in Indonesien ist lecker, billig und meistens ziemlich scharf aber leider auch echt ungesund da sehr viele Sachen fritiert werden und in den Getränken zu viel Zucker ist. Es kann schon mal passieren, dass man sich mal den Magen verdirbt wenn wenn man nicht nur in Restaurants, sondern auch an Straßenständen isst. Aber meiner Meinung nach ist es das absolut wert. Um auch mal gesünder zu essen haben wir auch öfters mal koreanisch (Korean BBQ!) und chinesisch gegessen.
Da ich vor und nach der Famulatur noch insgesamt einen Monat in Indonesien gereist bin, kann ich sagen dass es sich echt lohnt neben der Famulatur auch noch lohnt Zeit zum reisen einzuplanen und auch nicht nur Bali zu besuchen!
Man sollte sich auf jeden Fall der kulturellen Unterschiede bewusst sein. Indonesier kritisieren nicht direkt und auch wenn es sehr anstrengend sein kann, wenn man nicht direkt sagen kann was Sache ist, sollte man zurückhaltend sein. Es würde von Indonesiern als sehr unhöflich, wenn nicht als Beleidigung aufgefasst werden. Es ist auch wichtig sich angemessen zu kleiden aus Respekt vor der Kultur und Religion und um nicht noch mehr aufzufallen. Auch trotz des warmen Wetters sollte man lange Hosen oder Röcke und T-shirts die die Schultern bedecken anziehen.

Fazit

Leider war die Famulatur an sich sehr enttäuschend, auch wenn alles Andere (die Menschen, das Land, die Kontaktorganisation) sehr toll war. Ich würde sehr gerne nochmal nach Indonesien reisen, weil es dort einfach so viel zu sehen gibt, dann aber nur für einen Urlaub und nicht für ein Praktikum.

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