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Ecuador (IFMSA-Ecuador)

Innere - SCOPE (Famulaturaustausch)
von Anika, Köln

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Motivation

Der Vorteil an einer Famulatur im Ausland ist, dass man nicht nur etwas über Medizin lernen kann, sondern auch über andere Kulturen, Sprachen und Gesundheitssysteme. Tatsächlich reflektiert man sogar mehr über sein eigenes Land, wenn man einen Vergleich zu einem anderen System hat. All diese Aspekte eines Landes kann man viel besser mitbekommen und erfahren, wenn man für eine Zeit dort wohnt und Kontakt zu seinen Bewohnern bekommt. Ich wollte schon sehr lange einmal nach Südamerika. Da ich seit meiner Kindheit Spanisch spreche, hat mich dieser Teil der Welt sehr gereizt. Ein bestimmtes Land hatte ich mir nicht ausgesucht. Als ich bei der Länderauswahl auf ein Video über Ecuador stieß, dass die unglaubliche Vielfalt des Landes hervorhob, war ich sofort Feuer und Flamme und wählte dies als mein Favorit.

An Erwartungen hatte ich tatsächlich wenig konkretes. Ich wollte nur eine Interessante Famulatur haben und eine tolle Erfahrung sammeln. Außerdem wollte ich etwas über einen Teil der Welt kennen lernen, von dem ich bisher wenig wusste.

Vorbereitung

Durch eine Freundin, die mit der bvmd unterwegs war, habe ich erfahren, dass es diese Möglichkeiten für mich gibt und einen kleinen Einblick bekommen, wie ich mich bewerben und vorbereiten kann. Durch die Vermittlung zu einem Famulaturplatz im Ausland und Kontaktpersonen sowie Unterbringung vor Ort, war der Auslandsaufenthalt über so große Distanz viel einfacher zu Verwirklichen. Auf der Internetseite sind alle Schritte zu Bewerbung, Fahrtkostenzuschuss etc. gut erklärt und nachvollziehbar.
Für Ecuador speziell habe ich im Vorhinein wenige Vorbereitungen getroffen. Ich habe mit einigen Freunden gesprochen, die bereits in Ecuador oder generell in Südamerika waren, um mir Reise-Ideen, grobe Verhaltensregeln und jede Art von Erfahrung anzuhören. Außerdem hatte ich vor meiner Reise Kontakt zu meiner Gastgeberin, bei der ich wohnen würde. Sie war Medizinstudentin in Cuenca und gleichzeitig LEO von Cuenca, weshalb sie mir helfen konnte, wenn Fragen aufkamen.

Ich habe an keinen speziellen Kursen oder Vorbereitungsseminaren teilgenommen.

Visum

Als EU Bürger brauchte ich für meinen Aufenthalt in Ecuador (ich war insgesamt 42 Tage dort) kein Visum und es gab keine Probleme. In einem Erfahrungsbericht stand, dass man evtl. ein Visum für die Länder braucht, in denen man umsteigt. Ich hatte nur einen Halt in Amsterdam (EU, kein Visum) und einen in Panama. Dort wurde laut auswärtigem Amt nur ein Rück- bzw. Weiterflugticket verlangt sowie der Nachweis, dass man genug Geld besitzt um sich den Aufenthalt finanzieren zu können. Letzteres hat niemand kontrolliert.

Gesundheit

Vor Reiseantritt habe ich eine Impfberatung konsultiert und mich gegen Gelbfieber und Meningokokken impfen lassen. Der Hepatitis Impfstatus sollte sowieso vorhanden sein. Außerdem habe ich Tabletten zur Malariaprophylaxe mitgenommen. Diese waren nicht Notwendig, aber mein Bruder hatte welche übrig von einer Reise nach Afrika. Cuenca liegt in den Bergen, weshalb es dort quasi keine Mücken gibt. Sollte man jedoch ein wenig reisen wollen, ist es sinnvoll sich vor Mücken durch die üblichen Maßnahmen zu schützen. Besonders bei Ausflügen in den östlichen Teil von Ecuador.

Sonnenschutz ist besonders wichtig. In höheren Gebieten merkt man manchmal kaum, dass die Sonne stark scheint, da es insgesamt ein wenig kühler ist.

Die ersten Tage in Höheren Gebieten könnten schwierig sein, wenn man nicht daran gewöhnt ist. Ich persönlich hatte keine besonderen Schwierigkeiten, doch Übelkeit und Kopfschmerzen können auftreten. Es hilft sich vorher Tipps diesbezüglich zu informieren, besonders, falls man Ausflüge zum Bergsteigen plant.

Ich war nicht mit einer Reiseapotheke ausgestattet, doch wer einen empfindlichen Magen hat, sollte sich vielleicht wappnen. Insgesamt gilt die Regel: je höher das Gebiet, desto eher ist das Wasser aus der Leitung trinkbar. Prinzipiell wird gewarnt, dass man kein Leitungswasser trinken soll, rohes Fleisch vermeiden, bei Obst „Cook it, peel it or leave it“, vorsichtig mit Milchprodukten etc. In Cuenca selbst haben wir fast immer Wasser aus der Leitung getrunken, in Küstenregionen jedoch streng gemieden. Insgesamt habe ich diese üblichen Regeln nicht 100% befolgt, war jedoch insgesamt ein bisschen vorsichtig. Ich hatte keine größeren Probleme.

Sicherheit

Vor meinem Aufenthalt in Ecuador hatte ich größere Bedenken bezüglich der Sicherheit. Vor allem Raubüberfälle scheint es häufiger zu geben, als in Europa. Zur Vorbereitung habe ich mir ein altes, unbenutztes Handy besorgt, welches zur Not geklaut werden konnte.
Besonders über Städte wie Guayaquil und Quito wurde uns einiges berichtet über Taschendiebstähle oder mit Messern bewaffnete Raubüberfälle. Aus Sicherheitsgründen haben wir zu fünft für einen Tagesausflug nach Guayaquil ein Taxi für 6 Stunden gemietet, welches uns von einem Ort zum nächsten gebracht und unsere Rucksäcke aufbewahrt hat. In Quito galten die üblichen Maßnahmen wie in vielen großen Städten: nicht mit zu viel Bargeld das Haus verlassen, Rucksäcke und Wertsachen gut im Auge behalten, kleine dunkle Gassen meiden, in Gruppen unterwegs sein, nachts besser ein Taxi nehmen anstatt zu gehen.

Innerhalb von Cuenca fühlte ich mich deutlich sicherer. Tagsüber konnte ich immer ohne Bedenken allein durch die Straßen oder den Fluss entlang gehen. Dennoch habe ich auch hier nachts ein Taxi genommen anstatt zu Fuß zu gehen.
Auf längeren Busfahrten wurde uns nur in Quito gesagt, dass wir unsere Rucksäcke auf dem Schoß haben sollten anstatt sie oben in die Gepäckablagen zu legen. Bei anderen Fahrten war dies kein Problem.
Die meiste Zeit meines Aufenthaltes habe ich mich ziemlich sicher gefühlt und weder mir noch einer der anderen Mädchen, die in Cuenca Famulatur gemacht haben, ist etwas passiert oder geklaut worden. In Cuenca selbst scheint die Lage auch deutlich sicherer zu sein, als in anderen Städten. Dennoch schadet ein gesundes Maß an Vorsicht nicht.
National gesehen ist Ecuador momentan stabil. Dennoch habe ich einen kurzen Blick investiert um mich zu informieren, wo ich im Zweifelsfall die deutsche Botschaft finden kann. Dies schadet auch nicht, sollte man seinen Reisepass verlieren. Am besten lässt man diesen auch sicher zu Hause und nimmt nur eine Kopie mit sich und vielleicht einen Personalausweis.

Geld

Seit 2000 bezahlt man in Ecuador mit US Dollar. Im Kleingeld findet man jedoch noch einige Münzen der ehemaligen Währung, welche außerhalb Ecuadors wertlos sind. Es ist sinnvoll immer Bargeld und auch Kleingeld dabei zu haben da Wechselgeld in kleineren Läden oder einem Taxi durchaus ein Problem sein kann. Sicherheitshalber hatte ich mir vor Reisebeginn bereits ein bisschen Bargeld besorgt um keine Probleme bei der Weiterreise zu haben. Später habe ich problemlos Bargeld mit meiner Kreditkarte abgehoben.
Die Lebenshaltungskosten waren im Vergleich zu Deutschland geringer. Für 2,5$ bekommt man in der Kantine von Krankenhaus oder kleineren, familiär gehaltenen Restaurants ein Mittagessen. Allerdings gibt es auch viele Restaurants, die „europäische Preise“ haben. Wer Geld sparen möchte, kocht selber (oder wird im Idealfall von seiner Gastfamilie versorgt) und kauft die Zutaten, vor allem frisches Obst und Gemüse, auf dem Markt an Stelle des Supermarkts. Wer viel reisen möchte, sollte extra Geld einplanen, da man für bestimmte Aktivitäten oft extra zahlen muss.

Sprache

Die Landessprache in Ecuador ist Spanisch. Die meisten Einheimischen sprechen deutlich und verständlich, wobei dies auch ein wenig von der Region abhängig ist. So wird in der Nähe der Küste eher schnell gesprochen und vielleicht der eine oder andere Buchstabe verschluckt wohingegen Bewohner Cuencas eher in einer Art lieblichen Singsang sprechen. Da ich seit meiner Kindheit Spanisch spreche, habe ich bezüglich der Sprache keine weiteren Vorkehrungen getroffen.
Das Spanisch ähnelt größtenteils dem Spanisch, dass auch in Spanien gesprochen wird. Es gibt ein paar Vokabeln, die sich unterscheiden (z.B. sagt man dort „carro“ anstatt „coche“). Der einzige Ausdruck, der etwas schockiert entgegen genommen wurde, war „culo“ (Po), welchen man dort lieber als „trasero“ bezeichnen sollte. Des Weiteren gibt es die Form des „Ihr“ („vosotros“) dort nicht. Wenn man eine Gruppe anspricht, wird diese immer gesiezt. Man wird trotzdem verstanden, wenn man dies nicht beachtet.
Auf Englisch habe ich mich nur mit anderen Incommings unterhalten, die kein Spanisch konnten. Von ihnen habe ich gehört, dass dies im Rahmen des Praktikums durchaus problematisch war, da Englisch scheinbar nicht so weit verbreitet ist, wie beispielsweise in Deutschland.
Es gibt ein paar Einheimische, die ältere Sprachen wie Kichwa sprechen (wobei sich das Kichwa der Berge von dem des Dschungels unterscheidet). Allerdings sprechen sie auch fließend Spanisch.

Verkehrsbindungen

Nach Ecuador kommt man mit dem Flugzeug. Für meinen Flug von Ende Juli bis Anfang September habe ich knapp unter 1200€ bezahlt. Ich habe die Preise über einen längeren Zeitraum verfolgt und sie schwankten immer grob um diesen Preis. (Je billiger, desto länger die Reisedauer). Gerüchteweise gibt es günstigere Flüge, vielleicht braucht man dafür viel Glück oder eine andere Reisesaison.
Um nach Cuenca zu kommen, kann man entweder bis nach Cuenca fliegen, oder bis nach Quito oder Guayaquil fliegen und von dort einen Bus nehmen. Ich wählte einen Flug bis Guayaquil und von dort aus den Bus.
Innerhalb der Stadt kann man, wenn man nicht zu Fuß gehen will, entweder mit Taxis oder mit dem Bus fahren. Das Reisen mit einem Taxi ist etwas teurer (bei weitem nicht so teuer wie in Deutschland) und vor allem bei Nacht sehr günstig. Mit der App „Easy Taxi“, kann man sich ein Taxi direkt vor die Haustür bestellen. Irritierend ist, dass es in den meisten Fahrzeugen nur für den Fahrer und Beifahrersitz einen Anschnallgurt gibt, der funktioniert. Fast immer wird ein Taximeter benutzt. Sollte der Fahrer dies nicht von alleine anschalten kann man darauf bestehen oder vorher einen Preis verhandeln.
Busse innerhalb von Cuenca sind relativ abenteuerlich, aber günstig. Die Fahrt kostest nur 30 Centavos (in Quito zurzeit noch 25). An den Haltestellen gibt es keine Information darüber welcher Bus wann vorbeifährt und wohin er fährt. Die jeweilige Linie erkennt man in Form eines Schildes in der Windschutzscheibe des vorbeifahrenden Busses, welchen man durch einen eindeutigen Wink mit dem Arm anhalten und schnell betreten muss. Möchte man Aussteigen, begibt man sich rechtzeitig zum Ende des Busses, denn dort ist (fast immer) der einzige Halteknopf angebracht.
Momentan wird eine Straßenbahn in Cuenca gebaut. Wann diese fertig sein wird, steht noch nicht fest.
Möchte man innerhalb des Landes verreisen so ist die günstigste Möglichkeit ebenfalls der Bus. Oft sind diese Reisebusse tatsächlich auch bequem und verfügen über WLAN. Große Taschen werden unten im Frachtraum verstaut, Rucksäcke kann man mit hoch nehmen. Sollte man schlafen wollen ist es jedoch ratsam Ohrstöpsel und eine Schlafmaske mitzunehmen, da oft sehr laute Filme abgespielt werden.
Außerdem kann man fliegen, was teurer aber schneller ist oder einen Platz in einem Kleinbus (sogenannte „buseta“) buchen. Im Gegensatz zu den Busen haben diese weniger Halt und fahren direkter und fahren nicht vom Busterminal aus, sondern haben andere Standorte.

Kommunikation

Für die Kommunikation innerhalb des Landes habe ich mir direkt am Flughafen eine Simkarte für mein Handy geholt. Insgesamt kommt man deutlich günstiger weg, wenn man diese nicht im Flughafen sondern in einem Laden kauft. Man kann für ein Guthaben eine bestimmte Anzahl an Datenvolumen erwerben. Dieses hält entweder 30 Tage oder bis es aufgebraucht ist. Guthaben aufladen kann man bei den drei häufigsten Anbietern in vielen kleinen Läden.
In der Wohnung meiner Gaststudentin konnte ich das WLAN kostenlos nutzen. Außerdem bieten viele Cafes und die größeren Reisebusse kostenloses WLAN. Sollte man sich von den Städten entfernen und für mehrere Tage durch Berge oder den Dschungel wandern, ist man für diesen Zeitraum von der Außenwelt abgeschnitten. Es gibt dort keinen bis kaum Handyempfang, geschweige denn Internet.
Ich habe keinen Blog oder ähnliches betrieben. Allerdings habe ich alle Fotos über Google Drive hochgeladen um sie mit den Menschen zu teilen, mit denen ich Ausflüge unternommen habe. Mit „den Lieben daheim“ habe ich hauptsächlich über Whatsapp kommuniziert und hin und wieder bei gutem Empfang über Facetime oder Skype gesprochen.

Unterkunft

In Ecuador wird normalerweise eine Unterkunft vom AEMPPI gestellt. Leider gab es in Cuenca nicht genügend Gastfamilien für die 5 Incomings im August. Deshalb wohnten ich und ein Mädchen aus Spanien zusammen in der Wohnung der LEO. Sie hatte am Tag meiner Anreise ihre letzte Klausur für das Semester und war anschließend sehr viel unterwegs und kaum mehr zu Hause. Es war eine Wohnung mit zwei Schlafzimmern, einem Raum, der sowohl als Wohnzimmer und auch als Küche diente und einem Bad. Der Vorteil war, dass man kommen und gehen konnte, wann man wollte, da wir eigene Schlüssel bekommen hatten und sehr selbstständig unsere Zeit einteilen konnten. Der Nachteil war, dass wir uns selbst versorgen mussten, da wir keine Gastfamilie hatten, die für uns gekocht hat.
Die Wohnung selbst wurde nachts sehr kalt. Es gab eine große Fensterfront, ohne Doppeltverglasung und keine Heizung. Trotz der vielen Fenster schien nie Sonne in die Wohnung zu fallen. Mit ein bisschen dickerer Kleidung und einer zusätzlichen Decke, lies sich dieses Problem gut lösen. Es gab keine Waschmaschine sondern eine Art Waschbecken mit kaltem Wasser. Ich arrangierte mich mit einer Freundin um bei ihr zu Hause zu waschen. Es gab einen Gasherd und eine Mikrowelle in der Küche.

Literatur

Ich habe mir den Lonely Planet über Ecuador gekauft. Dieser ist überaus hilfreich und verfügt über kleine Karten der wichtigsten Städte. Ich kann ihn nur empfehlen. Leider hat sich in den letzten Jahren beispielsweise politisch einiges im Land verändert, was in der Ausgabe von Dezember 2015 noch nicht erfasst wird. Ansonsten habe ich Erfahrungsberichte auf der Webseite der bvmd, die Reiseempfehlungen des Auswärtigen Amtes und die Informationen auf der IFSMA Webseite überflogen

Mitzunehmen

Ecuador hat sehr vielfältiges Klima, was das Kofferpacken erschwert. Es empfiehlt sich auf jeden Fall sowohl Badesachen und mindestens eine kurze Hose, als auch Handschuh, Schal und Mütze so wie einen Satz warme Klamotten mitzunehmen. Je nachdem, ob man die meiste Zeit an der Küste oder in den höheren Gegenden ist, sollte die Häufigkeit der Kleidung sich verteilen. In Cuenca ist es eher frisch. Wenn die Sonne scheint, kann es tagsüber angenehm warm sein, doch spätestens nachts kühlt es immer ab. Ebenso sollte man ein Paar bequeme, feste Schuhe für eventuelle Wanderungen mitnehmen und ein Paar Strand- oder Wasserschuhe, die nass werden können.
Ich würde empfehlen Dinge wie Shampoo, Duschgel und Sonnencreme mitzubringen, da dies in Ecuador relativ teuer ist. Es schadet auch nicht eine kleine Tube Seife für Handwäsche einzupacken für alle Fälle. Ist aber kein Muss.
Tatsächlich habe ich bei einem Ausflug in den Nationalpark Cajas ein Paar (dünne) Handschuhe sehr vermisst, die ich mir später gekauft habe. Ich hatte zwei unterschiedliche Jacken mit. Eine (winddicht und Wasserabweisend, aber nicht zu dick) hätte gereicht, wenn man entsprechend dicke Pullover hat.
Wir haben sind für ein Wochenende in den Dschungel gefahren. Dafür benötigt man eine lange, aber bequeme Hose, die keine Jeanshose ist. Ich hatte nur eine sehr dicke Jogginghose mit, die ich eigentlich nur für den Flug und lange Reisen im Bus tragen wollte. Bei einer Wanderung durch den Fluss, war dies sehr unpraktisch.

Kurz: man braucht ein bisschen was von allem.

Reise und Ankunft

Meine Ankunft in Guayaquil war abends gegen 9 Uhr. Ein Freund meiner Gaststudentin, ist zufällig am gleichen Tag nach Cuenca gefahren, weshalb er mich netterweise vom Flughafen abgeholt und bis nach Cuenca begleitet hat. Dies war unglaublich hilfreich, denn das Busterminal in Guayaquil ist riesig und sehr chaotisch. Er begleitete mich bis zum Haus von meiner Gaststudentin. Dadurch lief meine Anreise deutlich einfacher ab, als gedacht.
Zwischen Anreise und Praktikumsbeginn hat ich 5 Tage Zeit, in denen ich mir eine Busfahrkarte organisierte, die Stadt kennenlernte und den einen oder anderen Tagesausflug mit meinem Host und Freunden von ihr Unternahm. Sie geleitete mich am ersten Praktikumstag zum Krankenhaus und stellte mich meinem Tutor vor, welcher mir das Krankenhaus zeigte und mich wiederum den anderen Ärzten auf Station vorstellte.

Tätigkeitsbeschreibung und fachliche Eindrücke

Der allererste Tag bestand hauptsächlich darin, das Krankenhaus kennen zu lernen. Ich war eigentlich dem Bereich der Infektiologie zugeteilt. Mein Tutor ging nach der Hälfte der Zeit in Urlaub und überließ mich der Aufsicht eines anderen Arztes (Innere Medizin). Unter ihm hatte ich einen sehr geregelten Tagesablauf: Visite der Infektiologie, Visite der Inneren Medizin, Sprechstunde, Lehrvisite. Meine Aufgaben bestanden zu 90% der Zeit aus zugucken und mitdenken. Wenn eine körperliche Untersuchung anstand, durfte ich hin und wieder abhören oder assistieren, doch an praktischen Aufgaben gab es sehr wenig zu tun. Dafür wurde viel Theorie abgefragt, besonders in der Lehrvisite. In der zweiten Woche stellte mein Tutor mich in der Notaufnahme vor, wo ich ein paar Nachmittage nach meinem Praktikum freiwillig hinging. Dort konnte ich Blut abnehmen, beim Katheter legen assistieren und sogar zwei Stiche nähen. Ich hätte gerne mehr Zeit dort verbracht und ein bisschen mehr praktisch gemacht.
Ich hatte viel Kontakt zu Ärzten, Assistenzärzten und PJlern. Das Pflegepersonal schien sich eher im Hintergrund zu halten. Von den PJlern habe ich einiges über die medizinische Ausbildung in Ecuador erfahren. Das gesamte letzte Jahr ihres Studiums rotieren sie durch alle Fachrichtungen und müssen unglaublich viel und unglaublich lange arbeiten. Nach ihrem Abschluss gibt es noch ein weiteres Jahr des Praktikums, welches in den ländlichen Gebieten absolviert wird. Besonders interessant soll der Dschungel sein.
Sprachprobleme traten nur hin und wieder auf, wenn es um eine bestimmte medizinische Bezeichnung ging (Abkürzungen beispielsweise haben andere Reihenfolgen. So ist AIDS = SIDA, das muss man einfach wissen). Doch ich hatte jederzeit die Möglichkeit nachzufragen und mir wurde alles so gut es ging erklärt, wenn ich etwas nicht verstanden habe.
Insgesamt wurde ich sehr offen und herzlich aufgenommen. Es schien faszinierend zu sein, dass ich nicht nur Spanisch, sondern auch Englisch und Deutsch sprechen kann.
Der Krankenhausalltag ähnelt sehr dem in Deutschland. Allerdings fiel mir auf, dass es oft an Material fehlt. Die erste Woche war das Händedesinfektionsmittel ausgegangen und die Lieferung hatte Verspätung wodurch es zu einer Knappheit im ganzen Krankenhaus kam. Handschuhe wurden in irgendeiner Schublade versteckt und mussten explizit erbeten werden. Anstelle eines Stauschlauches nimmt man einfach einen Handschuh. Sterile Flächenabdeckungen bestehen aus dickem, grünen Stoff, der wieder verwendet wird. Der Mangel an Materialen oder auch Medikamenten wurde darauf zurück geführt, dass mein Praktikum in einem Krankenhaus stattfand, das für Krankenversicherte Patienten ist. Kürzlich scheint es eine Änderung im Gesundheitssystem gegeben zu haben, wodurch Familie (Frau, Kinder, Geschwister??) kostenlos mit versichert werden können, wodurch die Anzahl der Patienten mit Versicherung deutlich gestiegen war, die Einnahmen jedoch nicht.
Besonders fasziniert war ich von dem Umgang mit Patientendaten. Alles wird in ein System hochgeladen (bunte schrift auf schwarzem Untergrund, welches durch bestimmte Zahlencodes bedient wird), aber zuvor in Word vorgeschrieben. Alles auf dem privaten Laptop. Mit dem Erfolg, dass alle Assistenzärzte und PJler ihren Laptop überall mit hinnehmen, egal ob Patientenzimmer, Arbeitsbereich oder mit nach Hause. Das Programm funktioniert nur im Krankenhaus selbst, doch alles Vorgeschriebene bleibt auf dem Laptop. Außerdem gibt es keine Diensttelefone oder ähnliches. Alles läuft über das private Smartphone, sei es einen Doktor auf Station zu bitten oder ein Foto einer Wunde für spätere Besprechungen zu machen.
Möchte man mit einer anderen Abteilung in Kontakt treten (z.B. mit der Intensivstation), so verfasst der PJler eine sogenannte „Interconsulta“, einen Bericht über den Zustand des Patienten, den Grund der Kontaktaufnahme und der Bitte um Bearbeitung. Diese muss in Papierformat und im System eingereicht werden. Erst, wenn ein Arzt der entsprechenden Abteilung Zeit hat, sich darum zu kümmern, wird dieser Anlass bearbeitet. Hierbei kann es sich um die Evaluation einer Therapie, einem Antrag auf Verlegung oder vieles mehr handeln.
Studenten dürfen viel mehr machen, als in Deutschland, denn ihnen wird teilweise ohne Aufsicht ein Patient in der Notaufnahme überlassen. Dennoch ist die Arbeit sehr hart und die Schichten gehen teilweise über 30 Stunden. Darunter leiden ein bisschen die Empathie zum Patienten und ein mitfühlender Umgang. Teilweise hatte ich das Gefühl, dass der Patient bei seiner Behandlung kaum ein Wort mitzureden hat, was ich sehr schwierig fand.

Land und Leute

Ecuador ist ein unglaublich vielfältiges Land. Es wird, bei genug Interesse ein Social Program vom AEMPPI organisiert. An diesem Programm habe ich mich 2 Wochenenden beteiligt. Ein Wochenende ging in die Berge und wir haben Baños und den Chimborazo besichtigt, ein Wochenende an die Küste, wo Strand und Wale beobachten auf dem Programm stand. Diese organisierten Wochenenden waren vor allem schön, weil man andere Incommings aus der ganzen Welt kennenlernen konnte. Außerdem war Unterkunft und Essen im Preis mit inbegriffen. Das dritte Wochenende hätte in Cuenca stattfinden sollen, also haben wir (die 5 Mädchen, die in Cuenca Praktikum gemacht haben) uns eine geführte Tour für den Osten Ecuadors, in den Dschungel gebucht. Dies war noch einmal eine ganz andere Landschaft und wir haben sehr interessante Wanderungen gemacht. In den letzten Tagen vor der Heimreise, haben wir noch ein paar Tage Quito (Hauptstadt) und Umgebung besichtigt und sind zum Quilotoa Lake gefahren. Rund um Cuenca haben wir ein paar Tagesausflüge zum Beispiel in den Nationalpark Cajas oder zu den Inka-Ruinen Ingapirca unternommen. Es lohnt sich wirklich, sich ein paar Tage mehr Zeit zu nehmen um ein bisschen vom Land zu sehen. Ecuador hat wunderschöne und vielfältige Landschaften. Je nach Zone ändert sich das Klima sehr stark, was vorbereiten ein bisschen schwieriger macht.
Wenn man genug Zeit und Geld mitbringt, sollen die Galapagos Inseln sehr schön sein. Bei mir war dies leider nicht möglich.
Mit meiner Gastgeberin bin ich gut klargekommen. In den ersten Tagen haben wir uns ihr Zimmer geteilt. Der Tag meiner Ankunft war der Tag ihrer letzten Klausur. Deshalb konnte sie sich anschließend ein bisschen um mich kümmern und sie stellte mir ein paar ihrer Freundinnen vor. Später war sie jedoch kaum bis gar nicht mehr da, da sie ihren Bruder in Quito oder ihre Mutter in Loja besuchte und später selbst einen Austausch machte. Es war ein bisschen schade, dass ich keiner Gastfamilie zugeteilt wurde.
Eine Freundin meiner Gastgeberin war später eine wiederkehrende Ansprechpartnerin und von großer Hilfe. Sie half mir bei vielen Dingen und wir trafen uns oft nach meinem Praktikum in der Stadt um zu Mittag zu essen oder einen Kaffee zu trinken.
Insgesamt habe ich die Ecuadorianer sehr liebevoll und gastfreundlich erlebt. Pünkltichkeit hingegen ist ein dehnbarer Begriff. Ebenso werden Verabredungen und Pläne oft spontan verschoben, abgesagt oder geändert.
Mein Doktor verwies mich an eine Bekannte von ihm, die in Latacunga wohnt. Ich und eine Italienerin wollten den Quilotoa besuchen und eine Nacht in Latacunga bleiben. Wir wurden in das Haus der Bekannten eingeladen und gut versorgt. Es gab nur eine kleine Schwierigkeit, da ich nicht am morgen unserer Ankunft unser Erscheinen bestätigt hatte. Wir hatten das letzte mal 2 Tage zuvor gesprochen und ich hatte angekündigt, dass wir ab 4 Uhr nachmittags versuchen würden einen Bus zu bekommen und dann Bescheid geben würden, wann wir genau ankommen. Doch, da ich am selben Tag morgens mich nicht gemeldet hatte, dachte die Dame zunächst wir würden nicht mehr kommen. Diese Situation war für mich etwas schwer nachzuvollziehen.

Fazit

Ecuador ist ein sehr schönes Land mit tollen Leuten. Ich könnte mir gut vorstellen dort wieder hin zu reisen. Auf Dauer würde ich ungern in Ecuador arbeiten wollen, da die Bezahlung schlecht ist und es kaum einen ambulanten Bereich der Medizin gibt. Allerdings fänd ich es sehr interessant eine Weile im Osten Ecuadors zu arbeiten, in den ländlicheren und ab gelegeneren Gebieten. Ich wäre icht abgeneigt erneut ins Ausland zu gehen, vielleicht ein anderes Land, um andere Erfahrungen zu sammeln.

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