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Peru (IFMSA-Peru)

Notfallmedizin - SCOPE (Famulaturaustausch)
Anonym

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Motivation

Da ich vor 2 Jahren ein ERASMUS-Jahr in Valencia, Spanien gemacht hatte und zuvor noch nie in Südamerika gewesen war, reizte es mich sehr, meine Spanischkenntnisse in einem mir bis dahin unbekannten Teil der Welt anzuwenden. Peru schien mir nach Durchlesen einiger Berichte und nach Websuchen ein recht sicheres und spannendes südamerikanisches Land.

Vorbereitung

Da ich vor 2 Jahren ein ERASMUS-Jahr in Valencia, Spanien gemacht hatte und zuvor noch nie in Südamerika gewesen war, reizte es mich sehr, meine Spanischkenntnisse in einem mir bis dahin unbekannten Teil der Welt anzuwenden. Peru schien mir nach Durchlesen einiger Berichte und nach Websuchen ein recht sicheres und spannendes südamerikanisches Land.

Visum

Man braucht für Peru als ausländischer Famulant kein Visum.

Gesundheit

Über meine Eltern bin ich auch im Ausland versichert, das musste ich nicht extra beantragen; ich würde mich aber darüber informieren, obwohl ich keinen kenne, der irgendwie ins Krankenhaus musste oder so, aber man weiß ja nie!
Ich habe an Medikamenten nichts selber mitgenommen außer ein paar Ibuprofen-Tabletten. Je nachdem was man für Touren vorhat ist es bestimmt nicht schlecht, ein paar Metoclopramid oder Vomex-Tabletten gegen Übelkeit mitzunehmen (bei der Höhe und den Straßenverhältnissen kann einem auf der Autofahrt schon mal übel werden). Ich hab einmal was gebraucht, das hatte dann jemand dabei. Gegen Höhenkrankheit hilft die Einnahme von Acetazolamid ein paar Stunden vorher!
Ich musste mich wie gesagt gegen Gelbfieber und Grippe impfen lassen. Da ich in der Notfallmedizin famuliert habe, habe ich mich zusätzlich gegen die dortigen Meningokokken (anderer Stamm als bei uns in Europa!) und Typhus impfen lassen. Ich habe ein Mückenspray mit 50% DEET mitgenommen, habe es aber nicht gebraucht. Wenn man einen Besuch im Amazonas-Gebiet vorhat, sollte man das aber auf jeden Fall dabei haben.

Sicherheit

Ich habe keine zusätzlichen Versicherungen o.ä. abgeschlossen. Durch MLP habe ich eine kostenlose Haftpflichtversicherung solange ich studiere, falls ein Patient durch mich zu Schaden kommen sollte. Ich weiß gar nicht ob man sowas braucht, aber ich hatte sie.
Ich wusste, dass Peru auch mal gefährlich sein kann, aber ich habe mich nie bedroht gefühlt. Ich war meistens sowieso in einer Gruppe/mit mindestens einem Peruaner unterwegs und abends wäre ich nicht alleine rausgegangen, aber alles sehr machbar wenn man einfach ein bisschen aufpasst.

Geld

In Peru zahlt man in Soles, dabei sind 4 Soles ungefähr einen Euro wert. Importprodukte sind im Vergleich zu Lokalprodukten natürlich teuer, aber sonst ist das Leben in Peru nicht teuer. Ich hatte die Kreditkarte von der DKB dabei: als Aktivkunde (im 1. Jahr alle, ab dem 2., wenn man eine bestimmte Summe monatlich aufs Konto bekommt) kann man kostenlos im Ausland zahlen und abheben, wenn man mehr als 50 Euro auf einmal abhebt. Damit ging alles wunderbar. Aber aufgepasst: manche Automaten erheben ihre eigenen Gebühren, dafür kann die DKB nichts. Die Automaten der Nationalbanken und BCP verlangen keine eigene Gebühr. Ich hab eigentlich einfach ab und zu abgehoben und fast alles bar bezahlt, da es dort selten Zahlungsmöglichkeiten mit Karte gibt.

Sprache

Da ich halb-Italienerin bin und ein Jahr in Spanien studiert habe, hatte ich mit der Sprache überhaupt keine Probleme. Ich habe mich auch nicht nochmal speziell vorbereitet oder so.
Die meisten Peruaner können sehr schlecht Englisch. Es gab ein paar aus anderen Ländern in unserer Gruppe, die wenig Spanisch konnten und sich in der Famulatur und sonst auch in Peru ziemlich schwer getan haben, da sie auf andere angewiesen waren. Ich denke, dadurch nimmt man weniger vom Austausch mit und würde deswegen empfehlen, zumindest sichere Grundkenntnisse zu beherrschen. Die Peruaner sprechen aber nicht sehr schnell und eigentlich sehr deutlich, also nur Mut!

Verkehrsbindungen

Ich habe über STA travel meine Flüge nach Lima und zurück gebucht, da sie Studententarife haben. Innerhalb Perus, zb von Lima nach Trujillo, von Trujillo nach Cusco und von Cusco nach Lima habe ich die Flüge selber gebucht, weil es günstiger ist, diese separat vom internationalen Flug zu buchen. Außerdem wusste ich noch nicht so genau, ob ich am Ende etwas würde reisen können. Selbst wenn man spontan innerperuanische Flüge bucht sind diese ziemlich günstig im Vergleich mit Europa. Ich war auch ein Wochenende in Huaraz, da sind wir mit dem Nachtbus hingefahren, das war ziemlich günstig und ist auch eine von den Peruanern genutzte Möglichkeit zu reisen. Es gibt auch sehr billige Anbieter, die sind aber wohl nicht so sicher. Cruz del Sur und moviltours sind etwas teurer, aber komfortabel und bequem.
Innerhalb von Trujillo kann man mit Bussen für 80 cent (als Student; umgerechnet sind das 20 Euro-Cent) wunderbar fahren, ansonsten sind wir abends aber auch viel Taxi gefahren; da kostet die Fahrt 6-8 Soles, also 1,5-2 Euro insgesamt.

Kommunikation

Ich habe mir eine peruanische Sim bei Claro für 15 Soles geholt, damit hatte ich drei Tage normales Internet und den Rest des Monats nicht, aber WhatsApp ging den ganzen Monat (das wird da irgendwie extra gerechnet und gehört zu jedem Basispaket dazu weil es von allen benutzt wird). Ich würde aber empfehlen, eine SIM für 30 Soles zu nehmen, dann hat man auch den ganzen Monat lang normales Internet. Zu Hause hatten wir WLAN. Dadurch war ich eigentlich immer ganz gut erreichbar.
Dank Skype, WhatsApp etc ist es ja heutzutage sehr einfach über die ganze Welt zu kommunizieren.

Unterkunft

Ich habe wie alle anderen bei einer Gastfamilie gewohnt. Bei mir bestand die Gastfamilie nur aus einer Medizinstudentin, mit der ich mich aber hervorragend verstanden habe und die ich sehr vermisse. Außer mir hat dort noch eine weitere sehr nette Austauschstudentin gewohnt. Wir haben uns prima verstanden. Ich bin Vegetarierin, was in Peru sehr unüblich ist, und außer Haus musste man etwas kreativ beim Bestellen von Essen sein, aber meine Gastschwester hat vegetarisch für mich gekocht. Die andere Studentin und ich haben auch ab und zu mal gekocht, aber vorwiegend hat sich unsere Gastschwester fast schon mütterlich um uns gekümmert (sie ist ein paar Jahre älter als wir).

Literatur

Ehrlich gestanden habe ich mich gar nicht besonders großartig vorher vorbereitet, nur ein bisschen im Internet gesurft, aber ich dachte, dass ich dann auch vor Ort genügend Informationen und v.a. Auch von den Locals bekommen würde und so war es auch. Hätte ich mehr Zeit zum Reisen gehabt, hätte ich mich vielleicht auch noch mehr informiert, aber leider hatte ich nicht so viel Zeit, da ich in Deutschland wieder ins Labor musste.

Mitzunehmen

Mitgenommen habe ich sowohl wärmere als auch weniger warme Klamotten. Je nachdem, wohin man reist kann es nämlich recht kalt werden. Für die Trekkingtouren hatte ich Wanderschuhe mit. Eine Sache, die mir aufgefallen ist, ist dass die modernen Peruanerinnen kaum Röcke oder Kleider tragen, eigentlich haben sie immer Hosen an. Ich hätte also ein Paar Hosen mehr mitbringen können und dafür weniger Kleider. Im Lazarte-Hospital darf man eigentlich keine Jeans und keine Sneaker tragen, ich hätte also ein Paar semi-formelle Schuhe und ein Paar Hosen die keine Jeans sind mehr mitnehmen können. Ging aber auch so alles. Kauft euch unbedingt in Cusco einen Alpaca-Pulli, das ist eine schöne Erinnerung und kostet nicht viel! Mein Stethoskop, einen Kittel, eine Packung Einmal-Handschuhe und Desinfektionsmittel habe ich aus Deutschland auch mitgenommen. Die Handschuhe hätte ich nicht gebraucht, aber das kommt auf das Krankenhaus drauf an. Über das Desinfektionsmittel habe ich mich sehr gefreut, das gibt´s dort nicht überall und ich hatte mein Fläschchen einfach immer in der Kitteltasche. Auch sonst war es praktisch, weil man in Peru selten eine Toilette mit Klopapier und Seife findet (also auch immer Taschentücher mitnehmen!).

Reise und Ankunft

Meine Kontaktperson hatte mir vorher gesagt, dass sie mich abholen und zu meiner Gastfamilie bringen würde. So war es auch und es verlief alles reibungslos. Am gleichen Nachmittag kauften wir zusammen schon die SIM-Karte und trafen uns dann mit den anderen bereits eingetroffenen Austauschstudenten und Kontakt-/Gastgeber-Peruanern.
Am nächsten Tag holte er mich auch ab, um mit mir zum Krankenhaus zu gehen und mich den Ärzten vorstellen.

Tätigkeitsbeschreibung und fachliche Eindrücke

Ich war vorwiegend im Schockraum, aber wir durften uns einmal auch die Intensivstation anschauen. Außerdem habe ich gefragt, ob ich ein paar Tage in die Kinder-Notaufnahme gehen durfte. Das war kein Problem und auch sehr interessant, das würde ich bei einer Notfallmedizin-Famulatur auch empfehlen.
Ich musste jeden Tag nur von 8 bis 12 Uhr da sein, je nachdem ob gerade etwas spannendes passierte blieb ich ab und zu auch mal länger. Ich weiß nicht, ob es Zufall war, aber irgendwie ist während meines Monats dort nicht so viel Aufregendes passiert. Wir mussten nur einmal reanimieren. Als Student durfte man alle Patienten befragen und untersuchen, allerdings gab es wie gesagt nicht soo viel zu tun. Deswegen haben wir uns auch viel mit den Ärzten und Pflegern unterhalten. Es war spannend, ein neues Gesundheitssystem kennenzulernen. In Peru müssen diejenigen, die eine Festanstellung haben, in eine Krankenkasse eintreten und werden dann in Krankenhäusern wie dem Lazarte behandelt, wo es eigentlich recht gute Behandlungs- und diagnostische Möglichkeiten gab (es gab z.B. kein MRT, aber ein CT). Wer sich keine Krankenkasse leisten kann wird im öffentlichen (staatlichen) Krankenhaus behandelt. Dort fehlt es laut meinen Freunden, die dort famuliert haben, wirklich an vielem, und man sieht z.T. auch krassere Fälle. Wer sehr reich ist und es sich leisten kann lässt sich in privaten Kliniken behandeln, die sind auf dem europäischen Standard.
Generell ist mir aufgefallen, dass Diabetes Typ 2 dort eine regelrechte Volkskrankheit ist (bei der Verbreitung von Softdrinks und fritiertem Essen wundert mich das aber ehrlich gesagt auch nicht).
Das Verständnis von Hygiene ist auch ein bisschen anders als in Deutschland.
Ich hatte das Gefühl, dass die Ärzte dort kreativer sein müssen als bei uns, weil sie weniger Ressourcen haben, und dass sie ein engeres Verhältnis zu ihren Patienten haben. Außerdem müssen sie sich viel weniger mit Bürokratie rumärgern, allerdings wird dadurch manches in Deutschland vielleicht auch gewissenhafter erledigt. Was mich überrascht und beeindruckt hat, ist, wie selbstverständlich die Medizinstudenten und Assistenzärzte ihre Zeit dem Studium und später der Arbeit opfern. Z.t. haben die Studenten auch spätabends und am Wochenende noch Kurse, und als PJler hat man gar keinen Urlaub. Ich sprach mit einer Assistenzärztin im 3. Jahr, die meinte, dass sie sich ihren Urlaub des Jahrs davor aufgespart hatte, bald ein Kind bekommen würde und dann 2 Monate “in Urlaub” gehen würde, da es keinen Mutterschutz gibt und sie sonst die Zeit hätte nachholen müssen, die sie durch die Geburt “verlieren” würde.

Land und Leute

Für Peru wird im Juli und August ein social program angeboten und ich würde empfehlen, in einem dieser Monate dorthin zu gehen, da dann auch die dortigen Medizinstudenten Ferien haben. Unser social program war toll, von kulturellem Programm über Surfen über Essen zu gemeinsamem Feiern war wirklich was für jeden dabei und wir hatten fast jeden Tag was zusammen zu tun. Dadurch entstand eine tolle Gruppe aus Peruanern und Ausländern und ich werde dieses Jahr bestimmt ein paar Leute in Europa besuchen. Ein paar der Peruaner werden demnächst auch in Europa Famulatur machen und ich hoffe, wenigstens von ein paar besucht zu werden oder sie besuchen zu können!
Die Peruaner sind ein sehr offenes und herzliches Volk. Deswegen würde ich gerne nochmal zurück. Außerdem ist das Land riesig und es gibt dort sehr viel zu entdecken. Leider hatte ich sehr wenig Zeit zum Reisen. Wenn es dir möglich ist, häng also noch ein bisschen Zeit an, es lohnt sich definitiv!
2 Wochenenden habe ich in Trujillo verbracht, ein Wochenende lud uns einer der Peruaner nach Pacasmayo ein, einem kleinen Örtchen am Pazifik 2 Stunden nördlich von Trujillo. Dort wohnt nämlich ein Teil seiner Familie und wir genossen das Wochenende sehr: viel in der Sonne chillen, im Pazifik baden, den Ort erkunden und das Essen genießen.
Am Wochenende darauf waren wir in Huaraz, einer Bergregion in den Anden, wo wir uns den Pastoruri-Gletscher, die Laguna de Parón (manche auch die Laguna 69) und ein paar Bergdörfer und einen Wasserfall anguckten. Es war sehr schön dort. Man sollte allerdings die Höhe nicht unterschätzen, mir ging es am ersten Tag nicht sehr gut. Aber man gewöhnt sich dran und Mate de Coca hilft auf jeden Fall.
Am Ende der Famulatur bin ich mit ein paar Freunden, die ich bei der Famulatur kennengelernt habe, nach Cusco geflogen (es gab seit neuestem einen Direktflug von Trujillo nach Cusco!). Dort haben wir in einem Hostel gewohnt und waren in Machu Picchu, dem Inka-Tal und der Montaña de Colores. Ich hätte gerne noch einen Tag mehr in Cusco verbracht und mir Arequipa und Puno/den Titicaca-See anschauen wollen, aber leider musste ich zurück. Aber man muss sich ja auch was fürs nächste Mal aufbewahren :)
An meinem letzten Tag bin ich früh nach Lima geflogen und habe mich dort mit einer Freundin getroffen, die jetzt für 2 Jahre in Peru lebt (allerdings wohnt sie nicht in Lima, sie ist dann extra gekommen). Zusammen haben wir die Nachbarschaften Barranco und Miraflores erkundet, die auch sehr hübsch sind. Ansonsten ist Lima nicht besonders schön.

Fazit

Ich habe eigentlich vor Reisen eigentlich wenig Erwartungen oder Vorstellungen, da es erfahrungsgemäß eh immer anders kommt als man denkt. Ich denke immer, dass alles gut gehen wird und eine schöne Erfahrung werden wird und so war es bisher immer - nicht anders in Peru. Es ist wirklich ein sehr vielfältiges Land und ich würde gerne zurück und empfehle jedem, der Spanisch kann, einen Austausch dort, denn durch einen Austausch lernt man ein Land doch anders und vielleicht auch besser kennen als ein bloßer Tourist. Ich glaube nicht, dass ich langfristig in Peru arbeiten wollen würde, jedoch könnte ich mir vorstellen, dort eine Zeit auch als Ärztin zu verbringen. Ich würde aber auch gern noch mehr südamerikanische Länder kennenlernen, da die Zeit in Peru so schön war und ich auf Gemeinsamkeiten und Unterschiede neugierig bin.
Vielen Dank der BVMD, dass sie solche Austausche ermöglicht, ich fühle mich durch die Erfahrung sehr bereichert und hoffe, dass auch meine Gastschwester und die Peruaner mit denen ich Kontakt hatte davon profitieren konnten.

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