zurück

Mexico (IFMSA-Mexico)

Gynäkologie - SCOPE (Famulaturaustausch)
von Lisa, Hannover

Array

Motivation

Ich wollte unbedingt im spanischsprachigen Ausland meine Sprachkenntnisse verbessern. Nach zwei vorherigen Reisen in Südamerika hatte ich mich bereits in diesen Kontinent verliebt und habe mir jetzt gedacht, dass Mexico und Zentralamerika unbedingt entdeckt werden müssen. An Mexico hat mich insbesondere das Gesundheitssystem eines Schwellenlandes interessiert, außerdem hatte ich bereits gehört, wie wundervoll das Land, die Menschen und die Kultur sein sollen.

Vorbereitung

Ca. ein Jahr vorher habe ich einen Englischsprachtest über den DAAD absolviert. Einen Spanischnachweis hatte ich von einer Sommersprachschule, die ich im Sommer vorher absolviert habe. Im Laufe des Jahres habe ich dann noch mehr oder weniger regelmäßig einen Sprachkurs an meiner Uni besucht sowie mit einer Freundin, die eine Famulatur in Guatemala geplant hat, zusammengesetzt und wir haben insbesondere versucht Medizin-Spanisch zu lernen. Als ich dann die Zusage für Mexico hatte, habe ich mich mit zwei Freunden zusammengesetzt, die einige Zeit in Mexico gelebt haben und mir Tipps gegeben haben, für welche drei Städte ich mich bewerben soll. Parallel habe ich begonnen immer mal im Lonely Planet Reiseführer zu lesen. Die Flüge habe ich nach Zusage des Landes gebucht, da alle Städte, die ich ausgewählt habe, gut von Mexico City zu erreichen sind und ich Sorge hatte, dass die Flüge zu teuer würden. Dies habe ich nicht bereut. Als ich dann die Kontaktdaten und meine Stadt erfahren habe, habe ich ein paar E-Mails geschrieben und mich über Puebla informiert. Da mein Ansprechpartner mir allerdings nur wenig geantwortet hat, habe ich allerdings leider nicht viel erfahren, lediglich, dass ich weiße Arbeitskleidung, einen Kittel, ein Stethoskop und weiße Schuhe mitbringen muss. Außerdem habe ich noch mit einer Freundin telefoniert, die einige Monate vor mir in Mexico war, ebenfalls über die bvmd und sie hat mir jegliche Aufregung oder Sorgen genommen und dafür gesorgt, dass die Vorfreude immer größer wurde, da sie so von ihrem Aufenthalt geschwärmt hat.

Visum

Als deutsche Staatsbürgerin brauchte ich kein Visum für Mexico, man erhält bei Einreise ganz einfach einen 90 Tage Stempel. Außerdem erhält man einen kleinen Zettel, den man unbedingt für die Ausreise benötigt, also verliert diesen bloß nicht. Während des Austausches ist mir durch die Erfahrungen mit anderen Studentinnen, zum Beispiel aus der Türkei und aus Ägypten, noch einmal bewusst geworden, welche ein Privileg wir als Deutsche bzw. Europäer eigentlich haben bezüglich unserer Reisefreiheit und dass wir dafür sehr dankbar sein sollten!

Gesundheit

Ca. drei Monate vor Abflug habe ich einen Termin in der reisemedizinischen Sprechstunde meiner Universität vereinbart. Einige Impfungen hatte ich bereits (Gelbfieber, Hep. A/B), andere mussten nur aufgefrischt werden (Typhus, Tollwut), eine brauchte ich neu (Meningokokken C, W, Y, A) : Zum Glück hat die Techniker Krankenkasse die Kosten hierfür komplett übernommen. Hepatitis sollte denke ich für alle im Krankenhaus tätigen selbstverständlich sein. Gelbfieber hatte ich bereits von einer vorherigen Reise, für Mexico braucht man es nicht unbedingt, aber vielleicht wollt ihr ja noch rumreisen. Meningokokken wurden mir empfohlen, da die Durchseuchung in der Bevölkerung vor Ort höher ist als hier. Tollwut habe ich auffrischen lassen, da ich danach noch durch Dschungel reisen wollte und man ja nie weiß, was für Tiere einem so begegnen.
Bezüglich Zika, Dengue und Co: Insektenschutzmittel mitnehmen, ich bevorzuge Mittel mit DEET. Auch Malariaprophylaxe hatte ich im Gepäck, auch wenn Mexico selbst kein Hochrisikogebiet ist.

Sicherheit

Ich habe eine Auslandskrankenvericherung und eine Auslandsfamulaturversicherung über die AXA über die apoBank abgeschlossen, was für Studierende kostenlos ist.
Bezüglich der Sicherheitslage in Mexiko habe ich mir die Internetseite des Auswärtigen Amtes durchgelesen. Dort gab es Warnungen für einige Teile Mexikos, von diesen Regionen hatten mir meine Freunde aber im Vorfeld eh schon abgeraten. Im Allgemeinen gelten ein paar Sicherheitsregeln, beispielsweise im Dunkeln nicht auf der Straße rum zu laufen sondern dann lieber ein Uber (siehe auch Verkehrsbindungen) zu nehmen. Wenn man sich daran hält, dann passiert einem in der Regel auch nichts. Auch sollte man vielleicht im öffentlichen Bus nicht sein neustes IPhone präsentieren. Aber sowas mache ich in größeren Städten in Europa auch nicht. Generell habe ich mich sehr sicher gefühlt und ermutige euch definitiv euch nicht von Sicherheitsbedenken die Chance nehmen zu lassen dieses tolle Land und diese Region kennen zu lernen.

Geld

Der mexikanische Peso hat während meiner Zeit vor Ort einen Aufschwung erfahren, was es für mich minimal teurer gemacht hat. Dennoch ist Mexico ein sehr günstiges Land für uns. Insbesondere Essen und Trinken sind wirklich sehr erschwinglich. Auch das Rumreisen ist deutlich günstiger als in Deutschland. Gerechnet habe ich grob immer alles geteilt durch 20, das kam so mehr oder weniger hin. Geld habe ich abgehoben, da mir mit meiner VISA-Karte der apoBank im Nachhinein die Gebühren für das Abheben erstattet wurden. Ich konnte an jedem Automaten Geld abheben und hatte überhaupt keine Probleme damit. Versucht über eure Uni/euer Krankenhaus einen mexikanischen Studierendenausweis für den Zeitraum zu erhalten, dann gibt es in Bussen, an Sehenswürdigkeiten, in Museen usw. noch deutliche Vergünstigungen.

Sprache

Mein Sprachniveau im Vorfeld war ein solides A2-Niveau, natürlich habe ich mir da große Gedanken gemacht, ob das ausreichend ist. Die Studierenden mit denen ich Kontakt hatte, konnten meist Englisch sprechen, haben sich aber in Gruppen viel auf Spanisch unterhalten. Das war anstrengend für mich und insbesondere zu Beginn des Aufenthaltes habe ich dadurch nicht immer komplett an den Gesprächen teilhaben können, aber dennoch hat es mir sehr dabei geholfen in die Sprache reinzukommen. Im Krankenhaus sprach mein zuständiger Arzt kaum Englisch, aber er gab sich sehr viel Mühe die Dinge für mich langsam und häufiger zu wiederholen. Bei den Visiten habe ich allerdings bis zum Schluss echt wenig verstanden, da hatte ich erwartet, dass die lateinischen Medizinbegriffe und dadurch der Kontext einfacher zu verstehen wären. Bei OPs und während Sprechstunden ging das deutlich besser. Und generell wurde es von Woche zu Woche besser. Ich bin stolz mich durchgerungen zu haben, die Famulatur im spanischsprachigen Ausland zu absolvieren und habe definitiv viel gelernt, also traut euch.

Verkehrsbindungen

Wie schon beschrieben, habe ich meinen Flug relativ früh gebucht, da er mitten in den europäischen aber auch amerikanischen Sommerferien lag und ich Angst hatte, dass er noch teurer werden würde. Ich hatte mich gegen günstigere Varianten mit Zwischenstopps in den USA und/oder Ankunft mitten in der Nacht entschieden, sondern bin mit Lufthansa direkt von Frankfurt nach Mexico City geflogen, sicherlich ein Komfort, für den man etwas mehr bezahlen muss, mit dem ich mich aber wohler gefühlt habe. Je nachdem wo in Mexico man sein Praktikum absolviert lohnt es sich ggf. nach Flügen nach Cancun zu schauen und dann entweder einen Bus zu buchen oder nach Inlandsflügen zu gucken.
Das Reisen im Bus ist in Mexico sehr üblich und auch sehr komfortabel. Via Internet kann man die meisten Verbindungen auch schon im Vorfeld herausfinden und sogar Tickets buchen oder man geht einfach zum Busbahnhof.
Zum Krankenhaus bin ich mit dem öffentlichen Kleinbus gekommen, der nur 6 Pesos (knapp 0,30€) kostet. Das Bussystem habe ich nie verstanden, aber mir wurde zu Beginn gezeigt welchen Bus ich nehmen muss und das habe ich dann auch gemacht. Alternativ fragt man die Busfahrer ob sie zum gewünschten Ziel fahren.
Insbesondere am Abend ist Uber DAS Fortbewegungsmittel in Mexico. Es handelt sich hierbei um eine Art Privattaxi, wo ihr per App Abhol- und Zielstandort eingebt, euch der Preis angezeigt wird und ihr dann bargeldlos über die App bezahlt. Auch könnt ihr euch die Bewertungen eurer Fahrer angucken und erkennt sie am Nummernschild und der Automarke. Ich würde euch empfehlen die App schon im Vorfeld herunterzuladen und ein Zahlungsmittel (Kreditkarte oder paypal) zu hinterlegen, dann könnt ihr direkt nach Ankunft in Mexico losfahren, falls das nötig sein sollte.

Kommunikation

Ich habe mir Tag nach meiner Ankunft eine TELCEL Simkarte (zwischen 20 und 50 Pesos (1-2,50€); Achtung am Flughafen/Busbahnhöfen ggf. deutlich teurer!) gekauft. Dazu bucht man sich dann seinen gewünschten Tarif, die Angebote variieren da von Laufzeit über Inklusivdaten. Das coole ist, dass mobile Netzwerke (Facebook, Insta aber auch Whatsapp) meist inklusive sind und nicht von den Daten abgehen. Ich habe für einen Monat ca. 200 Pesos (10€) bezahlt und bin damit gut hingekommen. Dies lag sicher aber auch daran, dass Wlan in Mexico deutlich verbreiteter ist als in Deutschland und fast in jedem Cafe und auch an öffentlichen Plätzen vorhanden ist.

Unterkunft

Ich war in einer WG untergebracht. Die Mitbewohner*innen waren super cool, die Wohnung allerdings war sehr dreckig und dunkel. Die Küche war quasi nicht ausgestattet, so dass ich dort so gut wie nie gekocht habe, was für mich erstmal eine ganz schöne Umstellung war. Heißes Wasser zum Duschen gab es (wenn rechtzeitig neues Gas besorgt wurde ;-) ). Was allerdings wirklich gewöhnungsbedürftig war, war die Tatsache, dass ich ab der zweiten Woche mit einer weiteren Austauschstudentin nicht nur das Zimmer, sondern auch das Bett teilen musste. Auch nach Kontakt mit dem LEO hat sich daran den Rest des Monats nichts mehr geändert. Alles in allem ist es aber so, dass es in jedem Monat anders aussieht und es auch Studentinnen gab, die ein eigenes Apartment hatten oder bei Familien anderer IFMSA-Aktiver untergebracht waren.

Literatur

Ich liebe die Reiseführer von Lonely Planet und somit war dies meine Literatur Nummer 1, sowohl zur Vorbereitung als auch vor Ort. Auch die Geschichts- und Kulturseiten finde ich dort immer sehr gut geschrieben, sodass ich den dann wirklich durchgelesen habe. Außerdem hatte ich noch das Kitteltaschenbuch „Spanisch im klinischen Alltag“ von Sabine Müllauer dabei, in welches ich aber eher selten reingeschaut habe.

Mitzunehmen

Ich hatte viel zu viel dabei! ;-) Reduziert euch, was braucht man wirklich an Outfits? Mich hat das insbesondere deshalb genervt, weil ich nach der Famulatur noch rumgereist bin und ich gerne mit einem leichteren Rucksack gereist wäre. Zweimal Krankenhausoutfits reichen denke ich, plus ggf. eine OP-Option (andere Farbe als weiß), falls ihr in der Chirurgie seid. Es gibt an jeder Ecke Wäschereien, die super günstig und schnell sind, da könnt ihr also easy waschen. Das einzige was im Verhältnis recht teuer vor Ort ist sind Kosmetika (Shampoo, Sonnencreme, ...) da würde ich was aus Deutschland einpacken.
Da es aber sicherlich eine NFDP (National Food and Drink Party) geben wird, überlegt euch im Vorfeld, was sich anbietet mitzunehmen und was ihr kochen wollt. Haribo/Katjes eignen sich gut, Bier oder vielleicht der Gin aus eurer Heimatstadt, ich fand es insbesondere etwas schwierig was „typisch deutsches“ vegetarisch zuzubereiten, also falls ihr wie ich kein Fleisch esst, macht euch da ggf. schon im Vorfeld Gedanken zu.

Reise und Ankunft

Mein Flug war super, ich bin am Samstag vor Famulaturbeginn angereist, das hat aber ausgereicht, da der Jetlag in diese Richtung ja meist nicht so schlimm ist. Vom Flughafen in Mexico City fuhr ein Direktbus nach Puebla, was super unkompliziert war, das Ticket habe ich auch erst vor Ort gekauft. Ich bin mit Estrella Roja gefahren, die haben einen eigenen Terminal in Puebla, da solltet ihr euren Kontaktpersonen also Bescheid sagen, dass ihr dort und nicht am CAPU, dem zentralen Busbahnhof ankommt. In Puebla wurde ich dann von meinem LEO und meinem Mitbewohner abgeholt. Da an dem Abend Ausgangssperre herrschte wegen der anstehenden Präsidentenwahl, waren die Straßen ganz schön leer und es gab kaum Möglichkeiten Essen zu gehen, aber mein Mitbewohner hatte noch Reis und Tortillas, das hat dann auch gereicht. Ich wurde also sehr nett empfangen und es hat alles super geklappt.

Tätigkeitsbeschreibung und fachliche Eindrücke

An meinem ersten Tag wurde ich von meinem LEO zum Krankenhaus gebracht, im Sekretariat, wo ich mich jeden Morgen anmelden musste, vorgestellt und einem Tutor zugeteilt. Als erstes wurden Handynummern ausgetauscht, da sehr viel der Kommunikation über WhatsApp lief und man so zum Beispiel auch immer fragen konnte, wo was los ist und wo man hingehen kann. Sein Handy während der Arbeit rauszuholen ist nicht ungewöhnlich und wird auch in der Chefarzt-Visite toleriert, was für mich erstmal etwas irritierend war, da ich das als unhöflich empfunden habe und zwar gar nicht mal dem Chefarzt gegenüber, sondern vor allem den Patientinnen!
Da an dem Tag, als ich anfing, Fußball-WM lief und Mexico spielte, wurde ich erstmal großzügig frühstücken geschickt, womit ich mir auch Zeit gelassen habe, nur um festzustellen, dass alle Ärzt*innen Fernsehen guckten statt zu arbeiten. Für die zweite Halbzeit des Spiels habe ich mich dann dazu gesetzt. Dieser erste Eindruck, dass es alle nicht allzu eilig hatten, hat sich im gesamten Monat immer wieder bestätigt: Es gab zwar immer was zu tun, aber es wurde sich nicht zu sehr gestresst. Bei den 36-Stunden-Schichten, die die Ärzt*innen und auch Student*innen dort absolvieren, vermutlich auch die einzige Möglichkeit die Facharztausbildung zu überstehen.
In Mexico gibt es öffentliche Krankenhäuser für Patient*innen mit der staatlichen „Grund-Krankenversicherung“, dann gibt es private Häuser, in denen man selbst zahlt und außerdem gibt es noch das „ISSSTE“-System, wozu auch mein Haus zählte: „Instituto de Seguridad y Servicios Sociales de los Trabajadores del Estado“, das Kranken- und Sozialversicherungssystem für alle Staatsbediensteten, also beispielweise Lehrer*innen, Verwaltungsmitarbeiter*innen usw. Nichtsdestotrotz ist dieses ISSSTE-System unterfinanziert und ich habe das auch in der alltäglichen Arbeit mitbekommen. Auf Station zum Beispiel mussten sich die Patientinnen Toilettenpapier und Getränke mitbringen. Im OP gab es häufiger mal nicht das gewünschte Nahtmaterial, und es wurde deutlich mehr wiederverwendet, als das hier der Fall ist.
Was mich daran betroffen gemacht hat, waren natürlich die unmittelbaren Folgen für die Patientinnen. Die Aussage, dass bei einem Kaiserschnitt (und in Mexico werden sehr viele Kaiserschnitte durchgeführt, je nach Quelle findet man Zahlen bis 50%, in dem Monat in dem ich da war, habe ich lediglich zwei normale Geburten gesehen, aber bestimmt 20 Kaiserschnitte) der Längsschnitt über den Bauch günstiger sei, sei der Grund, dass dieser Schnitt und nicht der Pfannenstiehl-Schnitt in der Bikinizone gewählt würde. Ich kann diese Aussage nicht überprüfen, aber meiner Meinung nach benötige ich genau dasselbe Material für den Eingriff.
Was für mich auch ein großer Unterschied zu Deutschland war, war, dass die Patientinnen nur sehr wenig Autonomie besaßen. Es gab nur wenig Privatsphäre, während der Geburt sind die Frauen allein, es gibt keine Hebammen im Krankenhaus (in Mexico gibt es gar keine staatliche Ausbildung zur Hebamme sondern die Hebammen auf Dörfern sind eher Heilerinnen, die dazu berufen sind), den Männern ist es nicht gestattet bei ihrer Frau zu sein.
Insbesondere vor dem Hintergrund, dass die Frauen in meinem Krankenhaus im Durchschnitt sehr gebildet waren, viele von Ihnen studiert haben und voll berufstätig sind, hat es mich gewundert, wie wenig Rechte sie im Krankenhaus plötzlich hatten und dass es keinerlei Beschwerden ihrerseits dagegen gab. Ich hatte erwartet, dass es einen deutlichen Unterschied zwischen reichen Frauen in Privatkliniken und armen, häufig indigenen Frauen im öffentlichen Häusern geben würde, aber dass die Frauen so wenig selbstbestimmt ihre Kinder zur Welt bringen und das auch nicht hinterfragen, hat mich doch sehr gewundert.
Den Muttermund tasten, Blut abnehmen, Haken halten und nähen sowie die Auskultation der kindlichen Herztöne mittels Ultraschallsonde waren meine typischen Tagesaufgaben. Die bei uns klassische sonographische Kontrolluntersuchung der Schwangeren gehört in Mexico nicht zum Standard und wurde im Krankenhaus nur einmal, kurz vor Geburt durchgeführt.

Außer der Geburtshilfe war ich häufig bei Operationen an den der Gebärmutter dabei, meist wurden diese entfernt. Entweder vaginal oder mittels Laparotomie – laparoskopische Eingriffe gab es in meinem Krankenhaus nicht. Ich durfte dabei Haken halten oder nähen, also nicht viel mehr als man es in Deutschland als Studentin darf. Generell habe ich sehr viel mehr Senkungen der Gebärmutter gesehen, als in Deutschland, was sicherlich daran liegt, dass die Frauen im Durchschnitt mehr Kinder gebären: 1970 waren es 6,83, 2015 noch 2,21 (im Vergleich zu Deutschland: 2,03 / 1,5) und es keine Rückbildungskurse in dem Ausmaß gibt wie bei uns.

Ein weiterer Tätigkeitsbereich war das Zuschauen in der Sprechstunde, beim Consultorio – die „Oberärzte“ hatten meist an einem bestimmten Wochentag Sprechstunde, die sie statt Praxis bzw. zusätzlich zu einer Praxis ausgeführt haben. Dort wurden viele Kolposkopien durchgeführt, das hatte ich so zahlreich in Deutschland noch nicht so oft gesehen, daher konnte ich hier wirklich was Neues lernen und durfte auch teilweise Spekulumeinstellungen vornehmen. Anamnestisch muss ich allerdings gestehen, habe ich hier immer nur sehr wenig verstanden, das hat mich bis zum Schluss am meisten frustriert.

Die Beziehungen zu den Professoren und Ärzten ist sehr locker und fast freundschaftlich, was ich als sehr positiv wahrgenommen habe. Sie haben mich auch zu sich eingeladen und waren wirklich sehr interessiert an Deutschland, den Arbeitsbedingungen für Ärzt*innen bei uns und den Aufbau unseres Studiums.

Generell habe ich fachlich nicht super viel gelernt, durfte nicht viel mehr selbst machen als in Deutschland, aber habe unfassbar viel mitgenommen, was ich sicher immer wieder erinnern werde. Außerdem ist mir noch einmal bewusst geworden, was wir für viele Vorteile in unserem Gesundheitssystem genießen.

Land und Leute

Mexico war kein Land, was ich immer auf meiner „bucket list“ hatte, aber als ich mich dafür entschieden habe mich dort zu bewerben und dann die Zusage hatte und begonnen habe mich mit dem Land zu beschäftigen, habe ich mich schon im Vorfeld verliebt: Alte Maya-Kultur, bis heute indigenes Leben, große Städte, kleine Dörfer, Pazifik, Surfen, Karibik, Schnorcheln, Dschungel, Tiere, leckeres Essen und Trinken....
Außerdem war es toll, mit meinen Freund*innen zu reden, die bereits dort waren und das Land für mich schon im Vorfeld viel lebhafter machten.
Ich hatte das große Glück während des Monats der Famulatur schon viele tolle Menschen kennen zu lernen und mit diesen viele Landesteile zu bereisen: Studis aus Puebla, aus anderen mexikanischen Städten (das IFMSA Netzwerk in Mexico ist sehr viel größer als die bvmd und es gibt sehr sehr viele Veranstaltungen zu den verschiedensten Bereichen des Austausches) aber auch andere Austauschstudis aus Ägypten, der Türkei, Großbritannien, Frankreich, Andorra, Tschechien, Griechenland, Italien, Canada und Brasilien. Das social program was für jedes Wochenende organisiert: Erst in Puebla, dann in Mexico Stadt und in Toluca und Umgebung. Unter der Woche habe sich die Puebla-Studis und ihr Freundeskreis um uns gekümmert, viel mit uns unternommen und uns viel von ihrer Stadt und der Umgebung gezeigt, ich habe tolle Stadtführungen bekommen und viel über die Geschichte der Stadt und des Landes gelernt.
Außerdem hatte ich das große Glück nach der Famulatur noch Zeit zu haben einige Wochen durch das Land zu reisen und würde das jeder*m empfehlen, wenn es möglich ist! Wie oben schon beschrieben ist das Rumreisen super easy und auch günstig: Ich war mit meinem Freund in Oaxaca, an der Pazifikküste, in San Cristobal und Palenque, in Merida, Chichen Itza, auf der Isla Holbox, in Cancun und in Bacalar.
Das Essen war unfassbar lecker und besonders. Und es war auch für mich als Vegetarierin kein Problem durchzukommen und dennoch Elotes, Molotes, Chiles en Nogada, Mole Poblano, Tacos, Churros usw.... zu probieren. Um Tequila kommt man ebenfalls kaum drum rum, bei Mezcal habe ich mich aber erfolgreich wehren können.
Die Mexikaner*innen generell sind unfassbar freundlich, offen, interessiert und feierwütig - es war eine Ehre so viele Menschen kennen lernen zu dürfen! Es war wirklich so, dass sich die meisten gefreut haben, wenn man auch nur ein bisschen Spanisch gesprochen hat und so ist man wirklich mit vielen Menschen in Kontakt gekommen.

Fazit

Der Monat Famulatur war ein ganz besonderer für mich und ich würde es jederzeit wieder machen! Es war genau richtig für mich ins spanischsprachige Ausland zu gehen, auch wenn ich sicherlich noch mehr mitgenommen hätte, wenn meine Sprachkenntnisse besser gewesen wären.

zurück