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Latvia (LaMSA)

Anästhesie - SCOPE (Famulaturaustausch)
von Theresa, Apolda

Motivation

Ich habe mich für eine Famulatur im Ausland entschieden, weil ich es eine super Möglichkeit fand meinen Horizont in so vielen Hinsichten zu erweitern. Einerseits den Alltag in einem anderen Krankenhaus, aber auch das Zusammenleben mit Leuten aus aller Welt in einem für uns alle fremden Land, haben mich gereizt, mich für einen Monat im Ausland zu bewerben.
Lettland stand auf Platz 2 meiner Wunschliste, aber ich bin unglaublich froh, dass ich den Platz in diesem Land bekommen habe. Ich denke, ich hatte Lettland auf meiner Wunschliste, weil ich von den baltischen Staaten so gar keine Ahnung hatte und es mich interessierte, ein Land zu bereisen, was vielleicht nicht den typischen Ruf eines Urlaubsparadieses hat und im Nachhinein habe ich es keine Sekunde bereut!

Vorbereitung

Ich habe weder einen Vorbereitungskurs belegt, noch einen Reiseführer über Lettland gekauft. Einen Tag bevor ich nach Riga geflogen bin, habe ich meine letzte Klausur geschrieben, weshalb sich meine Vorbereitung auf ein Minimum beschränkt hat. Ich habe eigentlich nur mit meiner Contact Person geschrieben, an welchem Tag ich ankommen kann und wer mich vom Flughafen abholt. Ansonsten habe ich einfach die Flüge gebucht, meinen Koffer gepackt und los gings!

Visum

Ich musste für Lettland kein Visum beantragen und auch kein Geld wechseln, weil die Letten praktischerweise auch mit Euro bezahlen.

Gesundheit

Ich habe keine prophylaktischen Untersuchungen machen müssen. Ich glaube, wenn man sich für die Unfallchirurgie entschieden hat, dann musste man einen Nachweis für eine FSME-Impfung nachweisen, bevor man die Famulatur antreten konnte.

Sicherheit

Ich habe mich zu jedem Zeitpunkt absolut sicher gefühlt, egal ob in Riga oder auf einem unserer Ausflüge nach Litauen oder Estland, es gab nie Grund zu Bedenken. Ich war allerdings auch nie alleine unterwegs, aber das ist man auch einfach selten bei so vielen Leuten.

Geld

In Lettland wird mit dem Euro bezahlt und man kann so gut wie überall mit Karte bezahlen, außer in manchen kleineren Restaurants. Die Preise für Essen und Trinken während des Monats waren im Vergleich zu Deutschland auf jeden Fall billiger, wir waren oft auswärts essen und auch im Supermarkt kann man sich günstig selbst versorgen.

Sprache

Im Krankenhaus und auch im Alltag haben die Menschen lettisch und auch russisch gesprochen. Die Ärzte konnten größtenteils gut Englisch, zu Patienten hatte ich eher keinen Kontakt. Ich hatte das Glück, mit einem anderen russisch sprechenden Austauschstudenten auf einer Station zu sein und so konnte er mir manchmal übersetzen, was zum Beispiel die Krankenschwestern oder Patienten gesagt haben. Ich denke, man kommt mit dem erforderlichen B1-Englisch Level sehr gut durch den Monat und auch untereinander spricht man kein perfektes Englisch, wir sind ja alle keine Muttersprachler und es wurde mit der Zeit auch zunehmend einfacher, sich auf Englisch auszudrücken.

Verkehrsbindungen

Ich bin mit Ryanair von Berlin aus geflogen und in Riga waren wir vor allem mit Bussen und Taxis unterwegs. In allen baltischen Staaten konnte man über die App Taxify zu allen Tages- und Nachtzeiten sehr günstig von A nach B fahren. Eine Monatskarte für die Busse in Riga hat 50€ gekostet (hat sich aber gelohnt) und die Busse nach Litauen und Estland haben ungefähr 15-20€ pro Fahrt gekostet.

Kommunikation

Wir hatten in unserem Wohnheim kostenloses WLAN, wenn man aus Europa kommt, kann man das Internet ja aber auch ganz einfach wie in Deutschland mit dem Handy überall nutzen. Auch mit meinem Netzempfang hatte ich nie Probleme.

Unterkunft

Wir haben in einem Wohnheim eine ganze Etage bewohnt und hatten Zweier- bis Viererzimmer mit Betten, Schränken, Tisch und Stühlen. Die Zimmeraufteilung war willkürlich, sodass man gleich mit Allen ins Gespräch kam. Es hatten dann immer ungefähr 4-6 Studenten ein gemeinsames Bad, was auch absolut ausreichte. Die Küche haben wir alle zusammen genutzt, man hatte also immer jemanden zum quatschen beim Essen.

Literatur

Ich habe keine Bücher oder Internetseiten vorher gelesen. Vielleicht ist es ratsam, sich einen Reiseführer zu kaufen, um einen Überblick über die Sehenswürdigkeiten zu bekommen, oder ein paar medizinische Vokabeln auf Englisch zu lernen, aber dafür ist auch vor Ort genügend Zeit.

Mitzunehmen

Ich habe neben Klamotten für jede Wetterlage meinen Kittel, mein Stethoskop und Schuhe fürs Krankenhaus mitgenommen. Da ich in der Anästhesie die ganze Zeit im OP war, habe ich nichts davon gebraucht, aber einen Kittel würde ich zur Sicherheit immer mitnehmen. Extra Schuhe fürs Krankenhaus waren wirklich überflüssig.
Ansonsten muss man sich mit Geschirr ausstatten, weil in der Küche nur ein paar Töpfe und Pfannen vorhanden sind, aber das war wirklich eine günstige Investition im Supermarkt, muss man also auch nicht unbedingt von zuhause mitnehmen.
Vergesst auf jeden Fall nicht, irgendeine Spezialität aus Deutschland für die International Food Party mitzunehmen!

Reise und Ankunft

Die Anreise verlief problemlos mit dem Flugzeug und dann wurde ich von einem Mädchen der lettischen Austauschorganisation mit dem Auto abgeholt und sie hat mich zum Wohnheim gebracht und gleich mein Zimmer gezeigt. Ich kam am Samstag in Lettland an und Montag ging das Praktikum los, ich denke, es ist ganz gut, wenn man zwischendurch noch einen Tag Ruhe hat um anzukommen und durchzuatmen.
Am ersten Tag wurden wir von einer Medizinstudentin aus Lettland ins Krankenhaus begleitet und sie ist mit uns alle Formalia durchgegangen und hat uns zur Station gebracht. Ich habe mich also überhaupt nicht verloren gefühlt, weil sie uns sehr freundlich unseren betreuenden Ärzten vorgestellt hat.

Tätigkeitsbeschreibung und fachliche Eindrücke

Ich war zusammen mit einem tschechischen Jungen auf der Anästhesie des Riga East Hospitals. Wir hatten eine Professorin als unsere betreuende Ärztin, die selbst extrem viel mit der Organisation von Veranstaltungen und der Lehre zu tun hatte, sodass wir sie leider nur ungefähr 1x pro Woche gesehen haben. Das war insofern schade, als dass wir nicht wirklich viel Praktisches erlernen konnten, weil sich die meiste Zeit niemand für uns verantwortlich gefühlt hat und wir uns immer einen neuen Betreuer suchen mussten.
Unser Tag begann 8:30 und endete ca. 13 Uhr. Wir haben uns meistens einfach erkundigt, wo gerade welche OP stattfindet und haben dann gefragt, ob wir zuschauen können und mit der Zeit haben wir immer mehr Anästhesisten kennen gelernt, die uns gerne etwas beigebracht haben, sodass wir keinen Grund hatten, uns über unsere eigentlich betreuende Ärztin zu beschweren oder die Fachrichtung zu wechseln. Wir waren meistens in der Beobachterposition, durften dann aber auch mal eine Maskenbeatmung durchführen oder eine Larynxmaske legen. Ich war erstaunt darüber, wie viele Assistenzärzte gleichzeitig mit uns im OP standen, zum Teil waren es vier Assistenzärzte, wir zwei Studenten, eine Anästhesieschwester und der leitende Anästhesist, es konnte also manchmal ziemlich voll werden, aber wir hatten auch immer die Möglichkeit, mal auf die andere Seite des Tuches zu den Chirurgen zu schauen und haben so wirklich viele spannende OPs gesehen. Die Ärzte waren auch wirklich immer nett zu uns und waren auch daran interessiert, dass wir möglichst viel von Riga sehen und uns Zeit für das Erkunden der Stadt bleibt, was uns natürlich sehr gefreut hat.
Die hygienischen Umstände im Krankenhaus waren ziemlich gegensätzlich zu denen in Deutschland, aber man gewöhnt sich schnell daran und der OP-Trakt im East Hospital ist erst zwei Jahre alt und somit extrem modern. Wir haben mit den Ärzten immer englisch geredet, ich denke, es lohnt sich, wenn man ein paar medizinische Vokabeln drauf hat, damit man nicht immer erst alles nachschauen muss, aber auch die Ärzte sprechen kein perfektes Englisch, also muss man sich im Voraus deswegen nicht verrückt machen.
Insgesamt hat es mir in der Anästhesie gut gefallen, unsere Betreuerin war zwar nicht wirklich präsent für uns, aber das haben wir auch den lettischen Studenten von der Austauschorganisation mitgeteilt, die das beim nächsten Austauschprogramm berücksichtigen wollen.
Die Zeit im Krankenhaus ist auch immer das, was man selbst daraus macht und wenn man sich interessiert zeigt, dann wird man auch immer Anklang bei den Ärzten finden.

Land und Leute

Wir haben in unserer Freizeit extrem viel unternommen und Riga ist mit Abstand eine meiner liebsten Städte überhaupt geworden, denn in einem Monat lernt man die Stadt wirklich kennen und lieben. Wir waren in zahlreichen Museen, am Strand, im Park, in Cafes, abends in Bars und Clubs und es gab immer was zu erleben, aber es war auch nie ein Problem, sich einfach mal auszuklinken und im Wohnheim zu entspannen, wenn man mal keine Lust hatte. Riga ist eine einzigartige Stadt, voll mit wunderschönen Jugendstilhäusern, Bars und Restaurants in der großen Altstadt, wo jeden Abend überall Livemusik zu hören ist, aber auch mit einer spannenden Jugendkultur, die sich eher in den randständigeren Bezirken weiter ab vom Touristentrubel abspielt mit Craft Beer Bars, wo man ein Bier mit typisch lettischem Knoblauchbrot genießen kann und tollen Clubs, die man als solche gar nicht von außen erkennen würde und die mit viel Liebe zum Detail aufgebaut wurden. Es ist also wirklich für jeden etwas dabei. Wir haben jeden Abend entweder zusammen im Wohnheim oder in der Stadt verbracht, an den Wochenenden haben wir Trips nach Vilnius und Tallinn gemacht und von Tallinn aus auch einen Tag nach Helsinki, was zwar etwas anstrengend, aber wirklich empfehlenswert ist. Ich habe mit ein paar Freunden dann auch noch einen weiteren Ausflug nach Pärnu in Estland gemacht, was uns allen auch sehr gut gefallen hat. Wenn man nicht so weit weg fahren möchte, dann kann man auch von Riga aus schöne Trips ins Umland machen, zum Beispiel nach Sigulda, um dort eine Fahrradtour zu machen oder nach Jurmala, um einen Tag am Strand zu verbringen. Auch das Social Program von der lettischen Organisation war gut gestaltet, das Highlight war natürlich die International Food Party (bringt unbedingt was von zuhause mit, ich habe es leider vergessen und musste dann mühsam alle Zutaten im Supermarkt zusammen suchen), aber auch der Besuch im KGB Museum war sehr beeindruckend. Auch das lettische Essen war sehr lecker und vor allem günstig, wir waren häufig bei Lido, einem Buffetrestaurant mit typisch lettischem Essen und in unserem Wohnheim gab es im Erdgeschoss eine Kantine, die auch jeden Tag ein günstiges Mittagsmenü im Angebot hatte. Die Menschen in Lettland waren manchmal etwas reserviert, aber alles in allem immer hilfsbereit und nett.
Ich habe mich wirklich in allen meinen Entscheidungen und Plänen immer sehr frei gefühlt, man kann alles unternehmen, was man möchte und wird immer jemanden finden, der sich gerne anschließt und wenn man mal alleine sein möchte, ist auch das kein Problem.

Fazit

Ich bin wirklich unglaublich froh, dass ich diese Zeit in Lettland mit genau diesen Menschen erleben durfte. Es war einer der besten Monate meines Lebens und ich kann es nur Jedem ans Herz legen, einen Monat ins Ausland zu gehen. Es war auch mein erster Auslandsaufenthalt und ich habe es keine Sekunde bereut. Man lernt wirklich Freunde fürs Leben kennen, egal in welches Land man reist, und man lernt die Stadt und seine Bewohner nicht wie ein Tourist, sondern innerhalb eines Monats wie ein Einheimischer kennen. Ich habe Lettland wirklich lieben gelernt und werde definitiv wieder hinreisen und auch schon bald ein paar Freunde aus dem Monat treffen. Es war wirklich ein unvergessliches Erlebnis!

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