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Czech Republic (IFMSA-Czeck Republic)

Anästhesie - SCOPE (Famulaturaustausch)
von Caroline , Frankfurt

Motivation

An einer Famulatur im Ausland hat mich vor allem der Aspekt der unterschiedlichen Gesundheitssysteme interessiert. Ich wollte rausfinden ob und was wir in Deutschland besser machen können, sowohl strukturell in den Krankenhäusern als auch im Umgang mit den Patienten.

Vorbereitung

Im Vergleich zu anderen Ländern war die Vorbereitung recht einfach. Man sollte aber nicht zu spät anfangen: Hat man erstmal den ersten Schritt der Bewerbung geschafft und wurde für Tschechien angenommen, muss man wählen für welche Städte und für welche Fachbereiche man sich bewirbt. Für jeden der Fachbereiche muss man außerdem ein Motivationsschreiben verfassen.
Wichtige Dokumente: Englisch Sprachtest, Students record (quasi ein Zeugnis des bisherigen Studienverlaufs) und den Reccomendation letter, die Mühlen der Uni mahlen langsamer je schneller man die Dokumente braucht, das also frühzeitig angehen.

Visum

Als Europäer brauchte ich glücklicherweise kein Visum, vorher die Gültigkeit des Ausweises zu prüfen ist allerdings ratsam.

Gesundheit

Für Tschechien braucht man folgende Unterlagen: HepB-Antikörper Titer, Tbc Test oder Röntgenthorax und einen HIV Test. Alles sollte nicht älter als drei Monate sein. Ich bin dafür zu meinem Hausarzt gegangen, nachdem ich von der Betriebsarztpraxis abgelehnt wurde.

Als Versicherung habe ich mich für die deutsche Ärztefinanz entschieden, dort gibt es ein dreiteiliges Paket mit wahlweise Haftpflicht, Unfallversicherung und Auslandskrankenversicherung recht günstig für 1-3 Monate je nach Wunsch. Nur die Auslandskrankenversicherung wurde erwartet, um auf der sicheren Seite zu sein habe ich mich für alle entschieden und so insgesamt 21,90EUR für einen Monat gezahlt.

Sicherheit

Wie oben erwähnt habe ich zur eigenen Absicherung auch eine Haftpflicht und Unfallversicherung abgeschlossen. Generell ist Tschechien und auch Prag sehr sicher. In unserer Gruppe ist keinem was passiert, in großen Menschenmassen wurde uns geraten Rucksäcke und Taschen vorne zu tragen da an Touristenattraktionen auch gerne Taschendiebe lauern.
Da ich mir nicht sicher war mit wem ich mir das Zimmer teile oder wie die Sicherheit im Wohnheim ist, hatte ich noch ein Vorhängeschloss (Snowboardschloss) für meinen Schrank dabei. Das wäre im Nachhinein nicht nötig gewesen, hat mich aber am Anfang sehr beruhigt.

Geld

In Tschechien zahlt man mit Tschechischen Kronen (im Moment: 1EUR = ca. 25CZK). Man kann oft auch mit Euros zahlen, allerdings sind die Umrechnungen dann schlechter und man zahlt deutlich mehr. Sowohl bar als auch mit Karte zahlen ist kein Problem in Prag, es empfiehlt sich sowohl beim Abheben am Automaten (ich konnte bei der Commerzbank kostenlos abheben, das sollte man aber vorher nachschauen), als auch beim Zahlen mit Karte in Kronen zu zahlen/abzuheben. Die direkten Umrechnungen gehen in der Regel von 1EUR= 22CZK aus, man zahlt also wieder einmal deutlich mehr.

Es gibt Wechselstuben, da sollte man sich allerdings vorher von den Einheimischen beraten lassen, welche die besten Tarife haben.

In Prag sind die Preise sehr unterschiedlich, wenn man sucht findet man Schnäppchen , aber einige Dinge werden auch sehr teuer verkauft, vor allem in der Innenstadt wo viele Touristen sind. Günstig zum Einkaufen sind Lidl und Penny (haben auch sonntags geöffnet wie fast alles in Prag). Wenn man essen gehen will empfehle ich Dhaba Beas (indisch und vegetarisch, ab 1h vor Ladenschluss bekommt man 40% Rabat), das Lokal (eine tschechische Kette überall in Prag verteilt) und Barfüd Burger. Es gibt allerdings auch viele andere kleine Läden, einfach Fragen oder selber durch die Straßen laufen und entdecken.

Grundsätzlich überteuert sind übrigens die Mini Markets, einzige Ausnahme ist Žabka.

Sprache

In Tschechien wird natürlich Tschechisch gesprochen. Die ältere Generation (ab ca. 40) kann vorwiegen Deutsch oder Russisch als zweite Sprache, die jüngeren dann sehr gut Englisch. Ein bisschen Tschechisch zu können wäre definitiv hilfreich gewesen im Krankenhaus, vor allem wenn man versucht rauszufinden wer welche Sprache außer Tschechisch kann, denn wie oben erwähnt können die älteren nicht so gut bis gar nicht Englisch sprechen (mir wurde erzählt das Englisch lernen lange Zeit verboten war, habe es allerdings nicht nachgeprüft).

Das eigenen Englisch Level sollte schon im oberen Bereich sein damit man sich im Alltag und im Krankenhaus gut verständigen kann.

Ein paar Tschechische Begriffe sollte man auch lernen, alleine weil alle deutlich freundlicher werden, wenn man sie mit „Dobrý den“ (guten Tag) begrüßt (Tschechien freuen sich wirklich sehr wenn man sich dabei auch nur die kleinste Mühe gibt).

Verkehrsbindungen

Um nach Prag zu kommen habe ich ein Ticket bei der deutsch Bahn gebucht: Frankfurt-Nürnberg mit dem ICE und von dort mit dem IC Bus nach Prag, das Ganze hat ca. 6h gedauert (allerdings auch mit langer Umsteigezeit in Nürnberg) und hat mich ungefähr 25€ gekostet. Man kann auch komplett mit Bus oder Bahn oder dem Flugzeug anreisen.

In Prag gibt es die Metro, Trams und Busse, diese fahren alle super regelmäßig! Auch die Verkehrs App IDOS ist echt zu empfehlen. Bei Ankunft hilft einem ein Einheimischer sich ein Monatsticket für Studenten zu kaufen (260CZK und damit günstiger als ein Erwachsenen 3 Tages Ticket: 310CZK) von eurem CP bekommt ihr dafür auch eine Karte die bestätigt das ihr Student seid.

Auch reisen aus Prag ist recht günstig mit dem Busunternehmen RegioJet oder der Tschechischen Nationalbahn.

Kommunikation

In Prag konnte ich mich mit den jungen Leuten immer sehr gut auf Englisch unterhalten, die älteren können oft besser Deutsch, es lohnt sich also das auch mal zu versuchen. Wenn man dann zusätzlich noch ein paar tschechische Begriffe kann sind eigentlich alle glücklich.

Mit den anderen Austauschstudenten haben wir meist über eine Whatsapp-Gruppe kommuniziert. Ich konnte einfach meinen normalen Handy Vertrag weiter nutzen, da Tschechien ja auch in der EU liegt, und hatte somit fürs Handy keine extra Kosten.

Unterkunft

Alle IFMSA Studenten waren im Studentenwohnheim Jednota, direkt beim Hauptbahnhof im Stadtzentrum (Neustadt) untergebracht. Das Wohnheim ist über Sommer auch ein Hostel, sodass man auch immer einige Fremde im Flur getroffen hat. Wir waren immer in Zwei- oder Dreibettzimmern untergebracht, Jungs und Mädels getrennt. Es gab einen gemeinsamen Raum für Toiletten, eine Küche und getrennte Duschräume pro Stockwerk. Geschirr und Besteck wurden von IFMSA gestellt, man sollte es allerdings lieber mit ins Zimmer nehmen, sonst verschwindet es. Insgesamt haben die Meisten die Küche leider sehr dreckig hinterlassen. Auch Töpfe und Pfannen waren gewöhnungsbedürftig, sodass die Wenigsten intensiv selber gekocht haben. Kühlschränke waren, nach Zimmern aufgeteilt, im Flur. Bei mir ist glücklicherweise nichts daraus geklaut worden, bei anderen leider schon. Bettzeug wurde gestellt und es gab Waschmaschinen und Trockner im Erdgeschoss, die man gegen ein paar Kronen (die Bezahlung hing sehr von der Person am Eingang ab, idr 24 CZK/h) benutzen konnte.

Literatur

Ich habe mir für die Reise ein Pocket Anästhesie Buch und ein Deutsch/Tschechisch Wörterbuch gekauft. So konnte ich, wenn es gerade nichts zu tun gab, ein bisschen lesen beziehungsweise lernen oder nachschlagen.

Mitzunehmen

In anderen Ländern wurde wohl empfohlen ein Gastgeschenk für den Arzt mitzubringen. Ich hatte nur eine Packung Süßigkeiten dabei um sie danach der Station zu geben (Die meisten anderen hatten allerdings wirklich ein Gastgeschenk dabei).

Empfehlenswert:
- Waschmittel von zuhause mitbringen (hatte einfach etwas in eine kleine Dose abgefüllt)
- Schneidebrett, kleines scharfes Messer, Dose zur Essensaufbewahrung und alles was ihr sonst so in der Küche dringend brauch (Besteck/Geschirr, Pfanne/Töpfe sind da, nicht immer sauber und oft mit deutlichen Gebrauchsspuren (die Pfanne hatte zB kein Teflon mehr am Boden)). Ich habe vor Ort noch folgendes gekauft: Backpapier, Spülmittel, Schwamm, Küchenhandtuch (alles was man in der Küche lässt kommt irgendwann weg, weshalb uns empfohlen wurde alles Geschirr immer mit ins Zimmer zu nehmen)
- Jutebeutel um alles was man beim Duschen braucht aufzubewahren: es gibt keine Ablagefläche aber dafür Haken zum aufhängen
- Weiße Sachen (incl. Socken) wird gesagt, ist in der Anästhesie nicht so wichtig, da man sowohl für die ICU als auch den OP Kleidung gestellt bekommt. Ein bisschen was mit zubringen schadet nichts aber ihr werdet die mitgebrachte Kleidung fast nicht tragen. Einen Kittel brauchte ich NICHT.

Reise und Ankunft

Ich bin mit ICE und IC Bus gereist und wurde an der Busstation abgeholt und zum Wohnheim gebracht. Auf dem Weg haben wir noch mein Public Transport Ticket erstellt und vor Ort wurde beim Check-in geholfen (die Leute am Empfang konnten bei uns nur Tschechisch).
Mein Praktikum begann am nächsten Tag, dafür wurde ich beim Wohnheim von meiner Kontaktperson abgeholt und auf Station gebracht. Als Pfand für den Spindschlüssel musste man 300CZK hinterlegen.

Tätigkeitsbeschreibung und fachliche Eindrücke

Ich war in der Anästhesie im Motol-Hospital. Am ersten Tag wurde ich dem Chefarzt vorgestellt (er kann Englisch), der mich gefragt hat was ich bei Ihnen lernen will. Nach einem kurzen Gespräch haben wir uns geeinigt das ich die ersten 2,5 Wochen auf der Intensivstation bin und dann in den OP wechseln. Nach der Frühbesprechung hat er mich dann dem Oberarzt der Intensivstation vorgestellt der mich mitgenommen hat und mit meinem Mentor, einem Assistenzarzt im 6. Jahr namens Pavel, der auch deutsch sprechen konnte, bekannt gemacht hat.

Pavel habe ich dann den Rest der Zeit fast täglich begleitet. So sieht ein typischer Tag aus: 7:15Uhr Beginn der Frühbesprechung auf der ICU (geht ca. 1,5 Stunden, leider immer komplett auf Tschechisch, manchmal findet man jemanden der einem übersetzt). Danach geht jeder Arzt zu seinem Patienten, die Aufteilung passiert am Ende der Frühbesprechung, jeder sollte jeden Patienten kennen. Ein Arzt hat maximal zwei Patienten, oft auch nur einen (insgesamt hat die Intensivstation 22 Betten, die sind aber meistens nicht komplett belegt, da Wert auf eine 1:1 Betreuung des Patienten durch die Pflege gelegt wird). Jeder Arzt untersucht seine Patienten, redet mit der Pflege über Anstehendes oder Besonderheiten und schreibt dann die Visite am PC und füllt Anforderungen für Bildgebung oder weiterführende Untersuchungen aus. Ab 10:00 Uhr kommen die Chirurgen und beurteilen ihre Patienten. Einmal pro Woche gibt es auch noch eine „große“ Visite mit den Chefärzten. Während die Ärzte an ihren PCs sitzen kann man selber leider nicht viel machen, manchmal gibt es Fäden zu ziehen, aber das meiste was wir in Deutschland als Studenten machen (Blutabnehmen, BGAs anfertigen...) wird hier von der Pflege erledigt. Spannend wird es, wenn man in den Schockraum oder zu einer Reanimation gerufen wird. Ich durfte immer mit den Ärzten mitlaufen, allerdings kann man auch dort nicht viel helfen, weil meist nur tschechisch gesprochen wird. Besonders viel zu tun gibt es, wenn eine Neuaufnahme kommt: Je nach Wachheitsgrad und Angaben muss ein kompletter körperlicher und neurologischer Status erhoben, sowie arterielle Zugänge gelegt und alle Maschinen angeschlossen werden.

Der Tagesablauf für den OP ist nicht ganz so klar: um 7:15 ist die Frühbesprechung der Anästhesisten und ab 8/8:30 beginnen die OPs. Ich hatte leider keinen Einteilungsplan vom Chefarzt bekommen (er war dann im Urlaub) und die Oberärzte sprachen alle kein Englisch, sodass ich mir immer wieder einen neuen Arzt suchen musst mit dem ich mit gehen konnte. Im OP gibt es immer einen Anästhesisten und eine Anästhesie-Schwester, die beiden sind den ganzen Tag zusammen in einem Raum und machen alles von der Einleitung bis zur Ausschleusung aus dem OP. Je nach Team durfte ich hier echt viel machen: Zugänge legen, Maskenbeatmen, Larynxmaske einführen, Intubieren... während der OPs kann man auch sehr gut zuschauen und wird auch teilweise von den Anästhesisten auf andere Räume verwiesen, wo gerade spannende Sachen zu sehen sind.

Land und Leute

Außerhalb des Krankenhauses habe ich sehr viel von Prag erkundet.
Natürlich war ich bei allen Hauptattraktionen: dem Schloss samt Kathedrale, hier ist es schon sehr voll aber nichts im Vergleich zur Karlsbrücke (besonders empfehlenswert zu Sonnenaufgang, dann kann man nämlich tatsächlich auch die Brücke sehen auf der man steht). Die Altstadt ist auch sehr überfüllt, aber wenn man ein bisschen die Seitenstraßen erkundet, findet man auch hier wunderbare Kirchen, Theater und Läden. Das angrenzende Judenviertel ist auch sehr empfehlenswert, es gibt ein Ticket mit dem man Eintritt zu allen Attraktionen hat, das ist recht teuer, lohnt sich aber, weil es 7 Tage gültig ist (jede Attraktion nur einmal), man sich also Zeit nehmen kann. Ich fand besonders die Spanische Synagoge und die Holocaust-Gedenkhallen toll, aber auch die Alt-Neu Synagoge und der alte jüdische Friedhof lohnen sich. In der Neustadt ist es Etwas leerer, aber auch hier gibt es viel zu entdecken, wenn man sich die Zeit nimmt: versteckte Gärten und Shopping-Passagen oder auch das Upsidedown-horse.
Da Prag auf und zwischen Hügeln gebaut ist, gibt es auch viele Aussichtplätze der berühmteste ist der Petrin-Tower, ein keiner nachgebauter Eifelturm auf einem Berg, ich finde den Blick vom Metronom allerdings schöner (und der ist auch noch kostenlos).
Aber auch einiges abseits der Hauptattraktionen ist sehenswert: die verschiedenen Parks (vor allem Stromovka), das Nationaldenkmal und Vyšehrad, eine zweite Festungsanlage mit tollen Blick und einem sehr alten Friedhof. Die meisten staatlichen Museen sind übrigens für alle unter 26 kostenlos.
In Prag werden auch „Free Guided Tours“ angeboten, die sind auf jeden Fall empfehlenswert falls man sich ein wenig für die Geschichte der Stadt interessiert (und man findet eventuell noch den ein oder anderen versteckten Schatz).

An den Wochenenden habe ich nur Tagesausflüge unternommen: z.B. nach Karlovy vary (auf deutsch Karlsbad) einem Kurort 2h westlich von Prag, Velká Amerika dem „Grand Canyon“ von Tschechien und im nahe gelegene Karlsstejn, ein berühmtes Schloss samt Dorf am Fuße des Berges, oder Kutna hora mit dem berühmten Ossarium und dem Dom der heiligen Barbara. Andere waren noch in Krumlau, Budapest oder Wien.

In Prag gibt es viele Möglichkeiten günstig zu trinken (vor allem Bier, das ist im Laden teilweise günstiger als Wasser) und zu Essen. Ich mochte vor allem das Gulasch und verschiedene Backwaren (vor allem: české koláče, einem „Mohntaler“). Insgesamt kann man in Prag fast alles finden was man sucht.

Die Menschen in Prag sind alle super nett, nur manche werden ein wenig schüchtern, wenn es ums Englisch reden geht.

Fazit

Ich würde auf jeden Fall wieder einen Auslandsaufenthalt machen (Bewerbung läuft sogar schon), allerdings nur noch in Ländern wo ich die Landessprache wenigstens ein bisschen kann. Mir ist erst in Prag aufgefallen, wie wichtig doch die Frühbesprechungen sind um zu verstehen was auf der Station so vor sich geht.
Prag und Tschechien zu bereisen war toll und ich würde jeder Zeit wiederkommen. Auch einige Freundschaften werden hoffentlich bestehen bleiben. Es war toll andere Leute aus anderen Kulturen kennen zu lernen und zu erfahren wie Medizin in ihrem Land funktioniert. Vielen Dank an die BVMD und IFMSA für diese Möglichkeit!

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