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China (IFMSA-China)

Pädiatrie - SCOPE (Famulaturaustausch)
von Benedict , München

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Motivation

Ich bin immer schon sehr gerne gereist und habe schon einmal ein Jahr in China während der Schule verbracht. Ich wollte gerne zurück um noch einmal mehr Zeit in diesem spannenden Land zu verbringen und auch um das Gesundheitssystem dort kennen zu lernen und zu sehen, wie ein Krankenhaus in einem Land mit so einer riesigen Einwohnerzahl mit organisatorischen Problemen im Krankenhaus umgeht.

Vorbereitung

Ich war wie erwähnt während der Schule schon einmal für ein Jahr in China und konnte dementsprechend die Sprache einigermaßen sprechen. Ich möchte direkt hier erwähnen, dass es ohne Sprachkenntnisse meine Meinung nach nicht möglich ist dort einen fachlich produktiven Austausch zu führen, ein Eindruck den auch viele der anderen Austauschstudenten hatten. Wenn ihr Chinesisch sprecht, dann bereitet euch am besten auch sprachlich auf den Fachbereich vor, den ihr gerne sehen wollt, beziehungsweise lernt medizinische Fachbegriffe auf Chinesisch.

Visum

Das Visum hat bei mir nur eine Woche gedauert. Allerdings hatte ich einige Schwierigkeiten es zu bekommen, da ich nach meinem Austausch gerne noch länger bleiben wollte um zu reisen und alte Freunde zu besuchen. Das wollte mir die Botschaft aber mit meinem Einladungsschreiben für die Famulatur aber nicht bewilligen und hat mir anstelle der der beantragten 50 Tage nur 31 (Famulaturzeit) + 8 (warum auch immer 8) aus Nettigkeit gegeben. Ich musste deshalb einen Flug umbuchen.
Mein Tipp: kümmert euch frühzeitig, da ihr immer wieder wegen Formalien abgelehnt werden könnt und bewerbt euch direkt auf ein Touristenvisum anstelle den umständlichen weg über Studienaustausch etc zu gehen. Das ist anscheinend meistens Stressfreier

Gesundheit

Ich habe von vorherigen Reisen alle nötigen Impfungen (z.B Hep A) gehabt. Für meine Reise nach China habe ich keine besonderen gesundheitlichen Vorbereitungen mehr getroffen. Ich weiß von einigen Leuten, dass sie Probleme mit dem Essen hatten, deswegen ist eine Packung Immodium, Buscopan o.ä. vielleicht ganz hilfreich.

Sicherheit

China ist ein sehr sicheres Land. Man muss sich weder nachts noch in abgelegen Gebieten meiner Meinung nach Sorgen machen, besonders als Europäer nicht. In manchen kleineren Städten gibt es viele Straßenhunde. Wer damit ein Problem hat kann sich aber Hundabwehrspray etc in China einfach besorgen, wenn er in so eine STadt reisen möchte.

Geld

In China zahlt man mit Yuan. Andere Währungen werden nicht akzeptiert und die Wechselkurse sind an Wechselstuben meist schlecht. Das einfachste ist meiner Meinung nach eine Visakarte um am Geldautomaten Geld abzuheben. Ich benutze DKB und muss damit im Ausland nicht einmal Gebühren zahlen. ATM's gibt es in jeder großen Stadt in ausreichenden Mengen. Die Communications Bank , Bank of China und Construction und Development Bank sind meiner Erfahrung nach die verlässlichsten für ausländische Karten.

Sprache

Chinesisch ist die einzige Sprache die wirklich überall gesprochen wird. Ohne wird es gerade im Austausch meiner Meinung nach sehr schwierig. Sprachniveau B1 sollte man wahrscheinlich am besten haben und spezielle Fachbegriffe sich schon einmal angeschaut haben, um wirklich etwas mitnehmen zu können.
Englisch sprechen zwar viele der besser ausgebildeten Chinesen, aber für sie ist es genauso schwierig sich über fachliche Themen mit euch auf Englisch zu unterhalten. Meistens gibt es zumindest einen Arzt der Englisch mehr oder weniger gut beherrscht und bereit ist euch vieles zu erklären, aber ohne Chinesisch werdet ihr nicht mit Patienten oder dem Team reden können und nicht am normalen Stationsleben teilnehmen können.

Verkehrsbindungen

Es gibt in den großen Städten ein gut funktionierendes Bus und U-Bahn System. Die sind beide sehr günstig und man kommt mehr oder weniger überall hin. Leider fahren sie meist nur bis 10 oder maximal 11 Uhr. Danach kommt man mit dem Taxi aber auch für unsere Verhältnisse günstig von A nach B

Kommunikation

In China benutzt man WeChat, das ist meiner Meinung nach Pflicht um dort vor Ort zu kommunizieren. Wer weiter Whatsapp, Facebook etc benutzen möchte sollte sich vorher um einen VPN ( umgeht Chinas Netzblockade ) kümmern, da es schwierig ist sobald man einmal nur noch Chinesisches Telefonnetz bzw WLan benutzt.

Unterkunft

Ich habe von IFMSA vor Ort ein Zimmer im Dorm kostenlos zur Verfügung gestellt bekommen. Die Unterkunft war in Ordnung, es gab aber viele Insekten und keine Bettzeug, das musste ich also kaufen. Dafür gabs einen Kühlschrank und eine Klimaanlage

Literatur

Ich habe mich nicht besonders auf meinen Aufenthalt vorbereitet, da ich schon einmal für ein Jahr dort gelebt habe und dementsprechend das Land schon relativ gut kenne. Wer mehr wissen möchte sollte sich einfach mal bei sich in der Bücherei umschauen. Wer viel über China weiß sammelt dort vor Ort auf jeden Fall Pluspunkte.

Mitzunehmen

Kittel, Stethoskop, Platz im Koffer um eventuell (viele) Geschenke oder Einkäufe zurück zu transportieren.
Man kann vor Ort alles bekommen, was man für den Alltag braucht, allerdings sind viele Europäischen Lebensmittel dort sehr teuer. Wer also Käse oder Müsli schnell vermisst sollte welchen einpacken.

Reise und Ankunft

Ich wurde am Bahnhof von meiner Kontaktperson abgeholt, die Reise nach SuZhou von Shanghai aus habe ich selber organisiert. Ich bin erst einen Tag vor Beginn angekommen, das war aber auch in Ordnung. Meine Kontaktperson ist mit mir am ersten Tag zum Krankenhaus gefahren und wir haben uns meiner Betreuerin vorgestellt. Ich empfehle euch schnell eine Chinesische SIM-Karte zu kaufen.

Tätigkeitsbeschreibung und fachliche Eindrücke

Ich habe mich aus Deutschland auf einen Platz in der Pädiatrie beworben. Nachdem ich angekommen bin habe ich festgestellt, dass es keine Pädiatrie in dem Sinne gibt, sondern ein pädiatrisches Krankenhaus mit jeder einzelnen Fachrichtung. Meine Betreuerin hat vorgeschlagen eine Rotation durch verschieden Abteilungen zu machen, damit ich viel sehen kann. Da ich keine speziellen Präferenzen hatte habe ich zugestimmt und war somit jeden Tag auf einer anderen Station: der Intensivstation, der Endokrinologie, Neonatologie, Urologie und Hämatologie. Das empfinde ich im nachhinein ein bisschen als Problem, da man so nie wirklich Teil einer Stationsroutine wird sondern immer Besucher bleibt. Legt euch also lieber fest.
China ist in sofern interessant, als das man durch die riesige Anzahl an Patienten auch statistisch sehr seltene Krankheiten dort wahrscheinlich sehen wird. Auf der Intensivstation gab es viele Tumore, die man in Deutschland mit einer Inzidenz von 1 : 3.000.000 wahrscheinlich selten in seinem Krankanhaus sehen wird. Ein Kind mit einer Langerhans-Zell-Histiozytose ist mir besonders in Erinnerung geblieben. Wenn an einem Nachmittag aber 80 Patienten in der Poliklinik visitiert werden müssen, dann ist für jeden eben auch nur 2 Minuten Zeit, die Untersuchungen und Gespräche laufen dort sehr schnell und standardisiert ab.
Das Krankenhaus in SuZhou ist sehr groß und hat in China auch einen guten Ruf, das heißt die Behandlungen entsprechen meiner Meinung nach mehr oder weniger den amerikanischen oder deutschen Standards, technisches Equipment steht zur Verfügung genau so wie Medikamente oder OP-Kapazitäten.
Morgens gibt es Visiten, die finden auf Chinesisch. Meistens redet der Chef- oder Oberarzt mit den Patienten und fragt evtl seine Ärzte nach einem Ergebnis. Der Rest des Stationsteams läuft mehr oder weniger mit und macht Notizen. Nach der Visite macht der Großteil der Ärzte bürokratische Aufgaben, wie Dokumentationen oder Anordnungen. Zugänge, Magensonden und andere kleineren Invasiven Eingriffe sind Aufgabe der Schwestern, die eigentliche Pflege müssen größtenteils die Angehörigen übernehmen. Klassische Famulantenaufgaben a la Verbandswechsel, Zugänge etc sind also nicht ärztliche Aufgabe, aber die Schwestern zeigen euch bestimm alles wenn ihr sie nett fragt. Mir ist aufgefallen, dass Chinesische Ärzte sehr lange warten, bis sie irgendwelche aktive Verantwortung für Patienten erhalten oder eine Untersuchung oder einen Eingriff selber vornehmen dürfen. Die meisten Entscheidungen fällt der Chef. Chinesische Studenten sind großteils für Dinge wie 120 EKG's pro Tag schreiben oder Laborberichte einkleben abgestellt und laufen bei der Visite mit. Das heißt aber auch, dass es China keine Vorstellung von einer klassischen Famulatur kennt, sie werden euch nicht von sich aus praktische Dinge beibringen oder Aufgaben übergeben, da das bei chinesischen Studenten auch oft nicht passiert. Als Ausländer bleiben einem dafür Dinge wie Laborberichte einkleben erspart. Ich hatte häufig nach den morgendlichen Visiten nichts mehr zu tun und bin gegen 12 nach Hause gegangen. Trotzdem kann ich nicht behaupten fachlich viel gelernt zu haben.
Die größte Hindernis war die Sprachbarriere. Mit meinem eigentlich recht guten Chinesisch hatte ich trotzdem keine Chance am Alltag teilzunehmen. Das hat sich zum Ende hin gebessert, da ich viele neue Begriffe gelernt habe, aber um Details einer Behandlung zu verstehen hat es bis zum Ende trotzdem nicht gerreicht.

Land und Leute

China ist unglaublich interessant. SuZhou hat als Stadt nicht allzuviel zu bieten, aber auch hier kann man schon einen Eindruck vom Reich der Mitte bekommen.
Da ich schon einmal Zeit in China verbracht habe habe ich nicht besonders viel Zeit in Tempeln oder ähnlichem verbracht, auch wenn ich glaube dass genau das für Leute, die vielleicht zum ersten Mal dort sind sehr interessant sein könnte. Aber die krassen Unterschiede zwischen dem alten und neuen modernen China so eng auf eng beieinander zu sehen ist schon bemerkenswert. Dort wo vor 10 Jahren noch Äcker und Wiesen waren ragen nun riesige Business Districts in die Höhe. Städte wie SuZhou, die von der Regierung bewusst besonders entwickelt werden ziehen Menschen aus dem Umland aber auch von weiter weg an, so das man einen Schmelztiegel verschiedener Chinesischer Regionalitäten und Menschen bekommt. Generell hat man aber trotzdem in den Stadtzentren nicht wirklich den Eindruck von einer großen Armut, sondern eher, dass alle Leute es mit viel Arbeit und Fleiß schon über die Runden schaffen.
Das Austausch Programm bietet im Sommer mehrer Cultural Trips u.a. nach Beijing oder Shanghai an. Daran habe ich nciht teilgenommen, da ich selber dorthin gereist bin. Von SuZhou aus waren wir einen Tag in einer alten Stadt in der Nähe, TongLi, die sich aber meiner Meinung nach nicht sehr von SuZhou abgehoben hat, und durch die krasse Kommerzialisierung als Touristensehenswürdigkeit eher ein bisschen wie Disneyland angefühlt hat.
Die Chinesen an sich sind sehr freundlich und häufig interessiert, für nicht-Sprecher aber stellt die Sprachbarriere trotzdem ein konstantes Problem dar, da viele Chinesen sehr schüchtern mit ihrem Englisch sind und man so nicht so sehr an sie heran kommt.
Meine Kontaktperson war großartig und hat sich viel Zeit für mich genommen und hat versucht mir alles was es in SuZhou so zu sehen gibt zu zeigen. Wir waren häufig Essen oder in Cafes, ihr Englisch war perfekt und wir haben uns über den Monat wirklich sehr gut angefreundet. Ähnliche Sachen habe ich auch von vielen anderen Austauschstudenten gehört, auch wenn nicht alle so viel Zeit mitbringen konnten.
Das Essen in China ist fantastisch, vom Streetfood über kleine Cafeterias bis hin zu teuren Restaurants bietet es eine unglaubliche Abwechslung die das Essen in Deutschland echt alt aussehen lässt. Die Küche in SuZhou ist besonders für ihren etwas süßeren Geschmack bekannt. Wer bestimmte Sachen nicht mag sollte sich trotzdem nicht abschrecken lassen alles zu probieren, auch ich wurde dieses Mal wieder einige Male überrascht, wie gerne ich Sachen mochte, die ich auf den ersten Blick oder vom Namen her wahrscheinlich nie angerührt hätte.
Ich habe versucht dieses Mal viel Zeit mit den Leuten zu reden und weniger an touristischen Orten zu verbringen. Das kann ich jedem nur empfehlen, denn die Geschichten von Wanderarbeitern, die in den Fakemarkets arbeiten, Restaurant Entrepreneuren aus Guangxi oder Medizinstudenten und Wissenschaftlern erzählen die Geschichte des modernen China. Auch über viele politisch eher heikle Dinge wie die Überwachung oder die Art wie mit der Geschichte Mao ZeDongs umgegangen wird habe ich mit vielen Leuten geredet. Keiner hat mich komplett abgewiesen und ich denke, wenn man einigermaßen sensibel vorgeht kann man echt viel erfahren und herausfinden.
Wenn ich im Nachhinein etwas anders hätte machen wollen, dann vielleicht mehr Geld mitzunehmen und einige weitere Reisen in die Berge oder Nationalparks machen zu können. Das war in meinem Budget leider nicht drin und das wäre etwas, dass ich gerne gemacht hätte.

Fazit

Wenn ich die Famulatur als Reise betrachte war es sehr schön, da ich neue Freunde gefunden, viele neue Eindrücke gewonnen, ein besseres Verständnis vom Land und der Sprache bekommen habe.
Von meiner fachlichen Ausbildung her hat sich die Zeit für mich aber nicht gelohnt, was meiner Meinung nach hauptsächlich am Sprachproblem liegt und ich werde mir die Pädiatrie noch einmal in einem anderen Krankenhaus in Deutschland oder im Englisch sprachigen Ausland anschauen

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