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Korea (South) (KMSA)

Innere - SCOPE (Famulaturaustausch)
von Chiara, Berlin

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Motivation

Meine Motivation für einen Auslandsaufenthalt bestand aus den üblichen Beweggründen: Ich wollte gerne über den Tellerrand hinausschauen, meine eigene Kultur und Studienumgebung in einen internationalen Kontext setzen können und Medizinstudenten aus anderen Ländern kennenlernen. Mein Zielkontinent war Asien, da ich bis zu meinem Austausch noch nie auf diesem Kontinent war. Neben einer kulturellen Horizonterweiterung wollte ich zudem einen Wissenszuwachs auf medizinischem Gebiet generieren, weshalb ich mich für ein technologisch versiertes Land mit einer modernen Gesundheitsversorgung entschied: Südkorea.

Vorbereitung

In Südkorea muss man im Krankenhaus vor allem eins sein: schick gekleidet. Also ging ich zur Vorbereitung erstmal shoppen. Stoffhosen, Blusen und ein Paar Ballerinas wurden erworben, was aber nicht heißt, dass man seinen Kittel zuhause lassen kann. Zu beachten ist, dass es je nach Fußgröße möglicherweise schwer sein könnte passende Schuhe vor Ort zu kaufen.
Ansonsten bietet es sich an die Chat-App Kakao Talk und die Karten App Naver schon einmal runterzuladen. WhatsApp ist sehr unüblich in Korea und alle bekannten Kartendienste einschließlich Google Maps sind nicht zu gebrauchen.
Vorbereitungskurse oder Ähnliches habe ich nicht besucht.

Visum

Ein Visum ist nicht notwendig. Gemäß den Informationen auf der Webseite des Auswärtigen Amtes habe ich zuerst geglaubt, vor Ort ein Visum beantragen zu müssen. Dies hat sich im Immigration Office in Daejeon allerdings als falsch herausgestellt: Unbezahlte Praktika sind erst ab einer Dauer von mehr als 90 Tagen visapflichtig.

Gesundheit

Ich habe mich gegen japanische Enzephalitis impfen lassen. Ansonsten ist Mückenschutzspray eine gute Investition, aber auch nicht zwingend notwendig. Weitere Untersuchungen oder Vorkehrungen habe ich nicht getroffen.

Sicherheit

Südkorea ist praktisch ein sehr sicheres Land, theoretisch ist jedoch eine Gefahr durch die Nachbarschaft zu Nordkorea gegeben. Dass hier eine reelle Gefahr wittert, fällt einem vor allem in den U-Bahn Stationen in Seoul auf, da hier Gasmasken und Notpakete sichtbar aufbewahrt werden.
Ansonsten habe ich mich auf der Straße, in öffentlichen Verkehrsmitteln, ob tagsüber oder nachts, in Korea immer sicher gefühlt.

Geld

In Südkorea wird mit Won bezahlt. Andere Währungen werden nicht akzeptiert.
Es ist auf jeden Fall ratsam immer einige zehntausend Won (10-50 Euro) an Bargeld bei sich zu tragen, da internationale Kreditkarten oftmals nicht funktionieren. Das schwankt von Laden zu Laden und Kreditkarte zu Kreditkarte. Auch viele Geldautomaten funktionieren nicht mit internationalen Kreditkarten, was mit der Zeit schon etwas nervig werden kann. Trotzdem sollte man auf jeden Fall mindestens eine internationale Kreditkarte (Master Card oder Visa) bei sich tragen, da es wiederum ebenso Läden gibt, die nur Kartenzahlung akzeptieren. FYI: Koreaner zahlen fast alles mit ihren kontaktlosen Kreditkarten.
Die Preise sind im Schnitt ca. 20% günstiger als in Deutschland.

Sprache

Im Gastland wird Koreanisch gesprochen. Ich habe mich nicht auf die Sprache vorbereitet und das war soweit auch ok. Die wichtigsten zwei bis drei Redewendungen kriegt man schnell mit. Sollten einem zur Vorbereitung ein paar Tage zur Verfügung stehen, bietet es sich an einen Hangul Kurs (z.B. auf youtube) zu machen, damit man die Sprache wenigstens lesen kann. Natürlich heißt Lesen nicht Verstehen, aber es ist schon einmal ein Schritt in die richtige Richtung, um den Alltag zu vereinfachen. Ansonsten hilft Google Translate vielerorts weiter.

Verkehrsbindungen

Ich bin mit dem Flugzeug nach Incheon International Airport angereist. Meinen Direktflug mit Lufthansa habe ich ca. drei Monate bzw. den Rückflug 4 Monate im Voraus gebucht und insgesamt etwas mehr als 750€ ausgegeben. Von Incheon bin ich direkt, ohne umsteigen zu müssen, mit dem Bus nach Daejeon gekommen.
Daejeon ist verkehrstechnisch gut angebunden. Mit dem KTX dauert es etwas unter einer Stunde bis Seoul und gut zwei Stunden nach Busan. Preislich sind die Hochgeschwindigkeitszüge sehr moderat. Die Strecke Daejeon-Seoul liegt beispielsweise bei 17-18€. Auch die Buchung ist sehr bequem online durchführbar und bei Bedarf gegen eine geringe Gebühr wieder stornierbar. Alternativ gibt es noch zwei günstigere Zugvarianten und natürlich auch Busse. Alle Verkehrsverbindungen sind zuverlässig und verkehren regelmäßig.

Kommunikation

Ich habe mir am Flughafen in Seoul eine Touristen SIM Karte mit unbegrenztem Datenvolumen für einen Zeitraum von 30 Tagen gekauft. Diese SIM Karte ist meines Wissens nach exklusiv am Flughafen erhältlich, also sollte man sich vorher im Klaren sein, ob man das Geld investieren möchte. Die SIM Karte hat ca. 70€ gekostet und ich würde eine starke Kaufempfehlung aussprechen. Das liegt vor allem daran, dass es keine guten offline Karten für Korea gibt und man oft in Situationen kommt, in denen Passanten schlecht oder kein Englisch sprechen können. Sollte man jedoch in einer größeren Gruppe unterwegs sein, genügt es, wenn eine(r) in der Gruppe mobiles Internet hat.
Im Wohnheim gab es WLAN, sowie in allen Cafés, am Flughafen, im KTX etc.

Unterkunft

Ich habe im Wohnheim in einem geteilten Zimmer gewohnt. Das Zimmer habe ich mir mit einer anderen SCOPE Austauschstudentin geteilt. Ich musste mich hierbei um nichts kümmern und wurde am ersten Abend von meinen CPs direkt in mein Zimmer gebracht.
Das Wohnheim war auf dem Krankenhaus Gelände gelegen und somit habe ich nur zwei Minuten zu meiner Famulatur Stelle gebraucht.
Es gab jedoch auch ein paar „Besonderheiten“: Die Gemeinschaftsküche war sehr unappetitlich und hatte keine Kochfelder, sondern nur Mikrowellen, es gab einen Heiß- und Kaltwasserspender mit dem bei Bedarf eine schnelle Mahlzeit „gekocht“ werden konnte, Geschirr, d.h. Schüssel, Besteck und Tasse muss man sich kaufen oder mitbringen und das Gemeinschaftsbad war auch nicht gerade hygienisch, aber für einen Monat gar kein Problem. Bezogen auf mein Zimmer kann ich sagen, dass die Klimaanlage sehr gut funktioniert hat, das Zimmer zu Beginn allerdings sehr schmutzig war, was eine anfängliche Grundreinigung zur Folge hatte.
Aber alles kein Problem, ist schließlich Teil des Abenteuers!
Insgesamt war ich sehr dankbar eine so gut gelegene Unterkunft derart problemlos und ohne Bürokratie zur Verfügung gestellt bekommen zu haben.

Literatur

Ich habe mir den DuMont Reiseführer für Südkorea gekauft. Ich fand ihn recht gut und meistens auf neustem Stand. Meine Kaufalternative wäre der Lonely Planet gewesen, dessen aktuelle Auflage allerdings nicht allzu gut bewertet ist. Im Februar 2019 soll jedoch eine überarbeitete Version erscheinen. Welcher Reiseführer dann die bessere Wahl sein wird, ist noch nicht abzusehen.

Mitzunehmen

Abgesehen von meinem Stethoskop hat sich alles, was ich mitgenommen habe als nützlich herausgestellt.
Im Alltag überaus praktisch waren der Löffel und die Tupperboxen, in denen ich Frühstück und das ein oder andere schnelle Ramen zubereiten konnte. Darüber hinaus haben sich das Schweizer Taschenmesser, Flip Flops für die Dusche, Wanderschuhe für die Nationalparks, mein Ipad für kleine Recherchen und so manch andere Kleinigkeit als praktisch erwiesen. Am Dankbarsten war ich vor Ort über die große Packung Blasenpflaster, da ich einfach nicht gewöhnt bin stundenlang in weniger bequemen Schuhen zu stehen.
Was ich mir im Nachhinein noch zusätzlich mitgenommen hätte, wäre 1kg Haferflocken gewesen. Ich habe mir in Korea für 8€ pro 500gramm Haferflocken gegönnt und damit das 20fache des deutschen Preises bezahlt.

Reise und Ankunft

Die Anreise lief problemlos! Ich bin von Frankfurt direkt nach Seoul geflogen und von Seoul mit dem Bus weiter nach Daejeon gefahren. Dort haben mich dann meine beiden CPs wie verabredet abgeholt. Wir sind dann gemeinsam mit dem Taxi zum Wohnheim gefahren. Nachdem ich meinen Backpack abgestellt habe, wurde ich auch schon gleich auf eine Willkommens-Limo vor dem Krankenhaus Späti eingeladen. Ein wirklich schöner Start in den Austausch.
Da ich abends ankam, hatte ich so richtig nur einen Tag bevor es im Krankenhaus losgehen sollte. An diesem Tag habe ich mich in meiner Umgebung orientiert, erste Einkäufe getätigt, meine CPs etwas besser kennengelernt und mein Zimmer grundgereinigt. Abends meldete sich dann eine bereits in der Klinik aktive Studentin über Kakaotalk bei mir, um mich bezüglich der Details für den nächsten Tag zu informieren (meine CPs waren noch in der Vorklinik). Wir verabredeten Treffpunkt und -zeit für den nächsten Morgen, wo ich dann eine viertelstündige Einführung in das studentische Klinikleben erhalten sollte. Anschließend wurde ich von ihr pünktlich um 9:00 Uhr meinem Professor vorgestellt.
Außerdem habe ich an diesem Tag noch meinen Fingerabdruck im System speichern lassen, da dieser als Zugang zum Wohnheim fungierte.

Tätigkeitsbeschreibung und fachliche Eindrücke

Ich war auf der kardiologischen Station tätig.
Zunächst hatten die Ärzte leichte Berührungsängste und waren etwas überfragt, was ich denn tun könnte. So wurde mir am ersten Tag ein Assistenzarzt an die Hand gegeben, der mit mir eine umfassende Krankenhaustour machte (was mich zwar leicht überforderte, aber auch ziemlich interessant war). Beispielsweise konnte ich hier sehen, dass auf Station jedem Bett ein zweites tiefergestelltes Bett zugeordnet war. Dieses war dem pflegenden Familienmitglied zugedacht oder andernfalls dem privat bezahlten Pflegedienst. Außerdem konnte ich einen Blick in die medizinische Bibliothek werfen, die aus vielen aneinandergereihten Lernséparées bestand. Mittags wurde ich an diesem ersten Tag zum Mittagessen von meinem Chef eingeladen. Obwohl das interkoreanische Verhältnis extrem hierarchisch ist, stand ich glücklicherweise abseits dieser Hierarchien, sodass ich problemlos mit meinen Professoren „plaudern“ konnte. Lustiger fun fact des ersten Tages: Geschuldet der Tatsache, dass ich Veganerin bin, aßen alle vier Personen am Tisch auch vegan – der Chef bestellt schließlich für alle das Essen und ich war der „Ehrengast“. Dennoch haben sie sich den ein oder anderen Stäbchenscherz nicht verkneifen können.
Abgesehen von zwei Tagen im EKG und zwei Tagen auf der Rettungsstelle habe ich fortan zwischen der Angiographie und der Echokardiographie rotiert. In der Echokardiographie habe ich zumeist eine Echokardiographeurin (Ausbildungsberuf in Südkorea) begleitet und bekam anschließend an jede Untersuchung den Fall vom kardiologischen Oberarzt auf Englisch zusammengefasst. In der Angiographie konnte ich bei diversen Eingriffen zuschauen und habe diese dann vom Oberarzt (Professor) im Rahmen von Minipräsentationen auf Englisch erklärt bekommen.
Insgesamt hatte ich großes Glück mit der Englisch Sprachkompetenz meiner Professoren. Ihr fachliches Vokabular war makellos, einzig bei der Aussprache hatten sie ab und an ein paar Schwierigkeiten. Fach- und Assistenzärzte hatten jedoch allgemein Schwierigkeiten sich mit mir zu verständigen, wobei alle stets sehr bemüht waren.
Sowohl im Arbeitsalltag als auch in der medizinischen Ausbildung spielt Disziplin in Südkorea eine große Rolle. Ein Arzt hat Anspruch auf 10 Tage Urlaub im Jahr und die Semesterferien von Studierenden summieren sich auf ca. vier Wochen im Jahr auf. Bereits zu Beginn eines Semesters müssen die Studierenden für Prüfungen lernen und der Leistungsdruck ist im Vergleich zu Deutschland hoch. Die individuelle Arbeitswoche im Krankenhaus besteht zumeist aus 6 Tagen, was Freizeit auf ein Minimum zusammenschrumpfen lässt.

Land und Leute

Ich habe fast alles gemeinsam mit den anderen Austauschstudenten aus Daejeon gemacht. Gleich zu Beginn des Monats haben wir die Wochenenden durchgeplant und zusätzliche Tagestrips angedacht.
Am ersten Wochenende waren wir in Seoul und haben eine sehr knackige Version des „Pflicht-Touristen-Programmes“ absolviert.
Weitere Ausflüge waren das NSP in Jeonju, woran wir noch einen Ausflug nach Suncheon Bay, was ein traumhaft schönes Wattgebiet und Vogelreservoir ist, angehängt haben, ein Wochenende in Busan und zwei Tage auf Jeju Island. Ein weiteres Highlight war der Temple Stay, den wir gemeinsam mit unseren CPs absolvierten. Hier konnten wir Buddhismus hautnah in einem aktiven buddhistischen Tempel kennenlernen. Das einzigen Dinge, die dabei zu kurz kamen waren Schlaf und Entspannung.
Als Tagesausflüge waren wir einen Tag im Gyeryongsan Nationalpark wandern und einen Tag in der DMZ (Demilitarisierte Zone).
Weitere nachmittags und abends Beschäftigungen waren ein Ausflug zum Gyejoksan Mountain Red Clay Trail, wo wir eine Barfuß Bergwanderungen auf einem Ton Weg bestreiten konnten, die Yuseon Spa, wo wir eine traditionell koreanische Sauna erlebten, diverse klassisch koreanische Restaurantbesuche, einen Korean beauty day, mehrere spektakuläre Karaokeabende in typisch koreanischen Norabangs (Privaträume zum Karaokesingen ausschließlich mit deinen Freunden) und ein Besuch im Naherholungsgebiet Sky Garden, wo wir ein beeindruckendes komplett veganes koreanisches Büffet vorfanden.
Wenn ich zurück blicke kann ich kaum glauben, wieviel wir, zusätzlich zu unserer Arbeit im Krankenhaus, erlebt haben. Besonders kostbar schätze ich die gemeinsamen Abende, Erlebnisse und Restaurantbesuche mit unseren CPs ein. In einem Monat sind aus diesen fremden Menschen Freunde geworden. Die Uni hat dies, wo sie nur konnte, forciert. Wir wurden nicht nur zu einem Welcoming und Farewell Dinner in sehr gute Restaurants eingeladen, sondern zusätzlich einmal pro Woche von unseren CPs zum Essen ausgeführt, bekamen den Temple Stay geschenkt und ein beachtliches Taschengeld ausgehändigt.
Was wir bei den gemeinsam verbrachten Abenden von unseren CPs erklärt bekamen, waren die strengen Hierarchien und Verhaltensregeln, mit denen sie aufwuchsen. Beispielsweise sind Ältere mit respektvollen Namen anzureden, ihre Getränke mit zwei Händen einzuschenken und wenn man selbst trinkt, sollte man seinen Mund von ihnen abwenden.
So höflich und korrekt das Verhalten unter Personen ist, die einander offiziell bekannt gemacht worden sind, so unhöflich kamen mir oftmals Koreaner in Durchschnittssituationen vor. Vom Anrempeln in der Bahn, auf den Fuß treten in Fluren bis hin zum Wegschieben in Restaurants, nie gab es eine ausformulierte Entschuldigung. Aber das ist nunmal auch Teil der Kultur.
An sich freuen sich Koreaner aber sehr über Interesse an ihrem Land und Besuch von Touristen aus aller Welt. In mehreren Museen gab es ausgewiesene ehrenamtliche Museumsführer für die wenigen internationalen Touristen und englische Touren waren stets gratis.
Einer meiner koreanischen Freunde hat sich bei unserer Verabschiedung bei mir dafür bedankt, dass wir ihm gezeigt hätten, wieviel Besonderes sein Land zu bieten hat und dass es ihm davor gar nicht bewusst war, wie reich seine Kultur eigentlich ist.

Fazit

Ich habe nach nur einem Monat einen Teil meines Herzens in Südkorea zurücklassen müssen. Es ist ein wunderschönes Land mit großem kulturellem Reichtum, die Leute sind überaus freundlich und hilfsbereit und der rapide wirtschaftliche Aufstieg Südkoreas ist mehr als beeindruckend. Trotz alledem ist Südkorea aus meiner Perspektive noch immer ein Geheimtipp: Das Land ist bislang von touristischen Heerschaaren verschont geblieben, was einem die Gelegenheit gibt Korea auf eigene Faust erkunden zu können und authentisch zu erleben.
Aus den genannten Gründen würde ich Südkorea jederzeit wieder als Ziel meines Austausches wählen. Allerdings könnte ich mir nicht vorstellen in Korea zu arbeiten. Das liegt vor allem an den extrem langen Arbeitszeiten und hierarchischen Strukturen. Zudem ist die Sprache eine schier unüberwindbare Hürde (und man mit Englisch schlichtweg nicht weit kommt).
Es war eine sehr besondere Zeit und ich bin überaus dankbar Südkorea im Rahmen meines SCOPE Austausches kennengelernt haben zu dürfen. Ich freue mich jetzt schon auf meinen nächsten Besuch in diesem beeindruckenden Land!

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