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Portugal (PorMSIC)

Innere - SCOPE (Famulaturaustausch)
von Timo, Wuppertal

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Motivation

Meiner Meinung nach ist eine Famulatur im Ausland einfach eine tolle Gelegenheit, ein bisschen die Welt kennen zu lernen. Klingt ganz schön abgegriffen, aber wenn man an einem Ort lebt und auch arbeitet, ist das noch mal ein anders und intensiveres Erlebnis als ein normaler Urlaub. Das heißt zum Beispiel, man findet Orte in der Stadt, die einem erst gar nicht aufgefallen sind und die dann aber zu Lieblingsecken werden. Zum Teil auch einfach deswegen, weil man da so viel Zeit verbringt... Man knüpft auch viel eher Freundschaften mit Locals, kann vielleicht die Vorteile der fremden Lebensweise verstehen und dann auch selber auskosten. Die Erfahrung hatte ich schon bei einer anderen Auslandsfamulatur gemacht und wollte das in Portugal wiederholen.
Und natürlich die Sprache lernen! Vor gut zwei Jahren habe ich angefangen Sprachkurse an der Uni zu belegen, um später einmal einen Erasmus-Aufenthalt machen zu können. Portugiesisch war auch dabei, aber nur ein Einsteigerkurs... Mit der Austausch-Famulatur wollte ich mich hierdrin verbessern.

Vorbereitung

Sehr überschaubar, abgesehen vom Sprachkurs... Selbst mit Einsteiger-Sprachkenntnissen macht man die Portugiesen jedoch sehr glücklich! Man kann viel Lob einheimsen (auch für besonders schlechte Sätze) und hat dann auch direkt einen guten Draht zu den Leuten. Das hat sich also gelohnt! So gut sprechen zu können, dass man die Leute wirklich versteht und sich auch gut unterhalten kann, ist natürlich nochmal etwas anderes und wäre z.B. im Wohnheim und vor allem im Krankenhaus Gold wert gewesen! Also: lernt Portugiesisch! :)
Für die Bewerbung habe ich bei Fragen Hilfe vom bvmd via Facebook-Chat erhalten. Alles in allem sehr unkompliziert. Ab einem Monat vor Anreise-Beginn lohnt es sich mal regelmäßig die Emails zu checken, um keine Nachrichten fürs Sozialprogramm oder Einladungen zu Facebook/Whatsapp Gruppen zu verpassen. Über Facebook lief der Hauptteil der Organisation für Wochenenden, Nachtleben oder sonstige Ausflüge, genauso wie andere praktische Erinnerungen.

Visum

Als Europäer brauchte ich natürlich kein Visum beantragen.

Gesundheit

Meine Reiseapotheke war sehr spartanisch: eigentlich nur Sonnencreme. Vor meiner letzten Famulatur hatte ich meinen Impfstatus bereits für Deutschland auf den neuesten STIKO-Stand gebracht, das reichte dann auch für Portugal aus (aber Achtung: Varizellen nicht vergessen! Als zweifache Lebendimpfung nimmt sie Zeit in Anspruch, sofern man nicht bereits immunisiert ist. Für den Fall mal den Titer vom Hausarzt bestimmten lassen.)

Sicherheit

Die Sicherheitslage in Coimbra ist sehr gut. Mir wurde im Monat weder tagsüber, noch nachts beim Feiern irgendetwas geklaut. Genausowenig ist es vorgekommen, dass man blöd angemacht worden ist. Da wo viele Menschen zusammenkommen (also zum Beispiel an Bahnhöfen oder Touristen-Attraktionen), habe ich automatisch etwas mehr auf meine Wertgegenstände geachtet.

Geld

Portugal ist günstig. Ein Kaffee mit Pastel de Nata kommt meist um die 1,80€. Obst und Gemüse sind sehr gut und nicht teuer. Im Nachtleben zahlt man oft für ein kleines 0,33L Bier nur 1€ und die Clubs in Coimbra verlangen überwiegend keinen Eintritt. Eine gute Flasche Wein gibt es im Supermarkt für 2-3€ (also ich fand sie jedenfalls immer gut ;) ). Wenn mal ein gemeinsames Abendessen im Restaurant anstand, gab es für 10€ reichlich zu essen und so viel Sangria, wie man wollte... Die organisierten Wochenenden nach Lissabon und Porto haben jeweils knapp über 100€ gekostet. Zugfahrten sind günstig, einmal zum Strand und zurück (von Coimbra aus gut 2h Fahrt insgesamt) waren 5,50€. Busfahrten machen da keine Ausnahme und auch ein Taxi kann man sich mit 1-2 Mitfahrern gut leisten. Für Wellenreiten war die Tagesleihe von Neopren und Board zusammen 35€ und auch andere Sport-Aktivitäten wie Klettern oder Canyoning bewegten sich in dem Bereich. Für die Unterkunft, WLAN und eine warme Mahlzeit pro Tag habe ich gar nichts gezahlt.

Sprache

Die jungen Portugiesen und auch der Großteil der älteren Leute sprechen gut Englisch. Vor einiger Zeit war Englisch in den Schulen allerdings nicht nicht erste Fremdsprache, sondern Französisch. Alles in allem war es trotz meines bescheidenen Portugiesisch nie ein großes Problem sich zu verständigen. Die Parallelen der Sprache zu Spanisch und Französisch haben mir beim selber Sprechen enorm geholfen, beim Hörverstehen war ich wiederum oft aufgeschmissen. Zum Teil kommt das daher, dass mir das Verstehen im Vergleich zum Sprechen generell (also z.B. auch im Spanischen) schwerer fällt. Andererseits ist die portugiesische Aussprache auch nicht sehr einfach, da viele Vokale verschluckt werden... Um das mal zu verdeutlichen: wenn wir in Deutschland "Chris-tia-no Ro-nal-do" sagen würden, hört es sich auf Portugiesisch an wie "Christscheno Renald". Mir kam es so vor, als wäre das im brasilianischen Portugiesisch etwas einfacher, was aber auch daran liegen kann, dass der brasilianische Akzent in meinem Uni-Kurs gesprochen wurde.
Wie bereits erwähnt freuen sich die Portugiesen meist sehr, wenn man Versuche unternimmt ihre Sprache zu sprechen. Sie sehen entspannt über Fehler hinweg und helfen gerne nach, falls es mal an einer Vokabel hakt oder so. Ein paar Basics hat man am Monatsende auf jeden Fall drauf: Hallo = Óla; Guten Morgen = Bom dia; Guten Mittag/Abend = Boa tarde; Gute Nacht = Boa noite; Danke = Obrigado wenn man männlich ist / Obrigada wenn man weiblich ist; Entschuldigung = Disculpe für "Sie" / Disculpa für "Du"; Foi fixe = Das war cool.
Die genaue Aussprache ist manchmal eine Sache für sich. Besonders die nasalen Laute sind kein Zuckerschlecken, witzigerweise aber manchmal Sinn-entscheidend... So kommt es vor, dass man im Supermarkt ein pão = Brot bestellt und aber leider pao = Schwanz sagt. Ist aber auch nicht weiter tragisch. Passiert den Besten...

Verkehrsbindungen

Für die An- und Abreise bin ich jeweils nach Lissabon, bzw. von Porto aus geflogen. Von Lissabon habe ich um nach Coimbra zu kommen einen ICE von St. Apolonia in Lissabon nach Coimbra-B genommen. Man kann das Ticket vorher im Internet buchen (einfach "comboios portugal" googlen), bekommt dann fürs Frühbuchen Rabatt, genauso wie wenn man unter 25 Jahre alt ist: Preis 15€, Dauer ca. 2h, kein Umsteigen. Das Metro-Netz in Lissabon ist sehr übersichtlich. Auch ohne Internet, war der Weg vom Flughafen zum Bahnhof mit der "LInha Azul" super easy. Um die Metro nutzen zu können, muss man sich vor Ort am Automaten lediglich eine Karte ziehen, die man dann mit Geld aufladen kann. In Coimbra angekommen hat mich meine Kontaktperson dann schließlich noch mit dem Auto abgeholt und zum Studentenwohnheim gefahren - super entspannt.
Während des Monats in Coimbra bin ich viel zu Fuß gelaufen, weil die meisten Wege sehr kurz waren und die Stadt immer eine schöne Kulisse zum umherlatschen bietet. Vom Wohnheim zu den zwei Bahnhöfen (Coimbra A und B) sind das dann allerdings ca. 20min was einem je nach dem auch mal dazu verleitet sich mit ein paar anderen Leuten ein Taxi für die Strecke zu gönnen. Für den Fall, dass man a) geizig und b) ein notorischer Zuspät-Kommer ist, kann man aber auch in Flipflops den Berg runter joggen, um den Zug zum Strand noch zu bekommen. Hab ich mehrmals gemacht, geht auch!
Die Züge zum Strand nach Figueira da Foz waren immer pünktlich und nie voll. Fernbusse nach Porto und Lissabon gibt es ebenfalls. Auch ein Trip an die Algarve mit dem Zug ist für ca. 30€ drin.
Für meine Abreise habe ich mich am Vortag völlig verkatert in einem Anflug von Wehleidigkeit dazu hinreißen lassen, mir für 30€ einen Shuttle von Coimbra nach Porto zu gönnen. Die Variante mit Taxi, Zug und Metro wäre wahrscheinlich 10€ günstiger und unwesentlich komplizierter gewesen. Kann man sich halt überlegen, ob die 10€ einem den Luxus wert sind, nicht sein Gepäck schleppen und umsteigen zu müssen. Die Fahrt im kleinen Shuttle-Bus jedenfalls war letztendlich sehr entspannt: ich wurde vom Wohnheim aufgesammelt und es gab sogar WLAN. Außer mir fuhren nur zwei Omis mit. Das sagt ja auch schon mal einiges...

Kommunikation

Habe ich mich nicht großartig drum gekümmert um ehrlich zu sein. Im Wohnheim und an der Uni gab es das "eduroam"-WLAN, gut für WhatsApp. Sonst habe ich es, als der Monat dann um war, immerhin noch geschafft, einige Postkarten zu versenden.

Unterkunft

Die "residencia universitaria" in der Rua Dr. Antonio Jose de Almeida war eine sehr gute Bleibe für den Monat. Das Zimmer dort haben uns die Portugiesischen Austauschskoordinatoren besorgt und wir mussten nichts zahlen. In meiner Etage waren wir zum Schluss 22 Jungs, außer mir noch ein Bosnier vom Austausch und sonst nur Portugiesen, Brasilianer und so weiter. Sehr gut fürs Portugiesisch lernen! Anfang September waren auch noch nicht alle Studenten da, sodass man 1-2 Wochen Zeit hatte sich in Ruhe einzuleben und schon mal ein paar Mitbewohner kennenzulernen. Das Zimmer teilt man sich zu zweit, hat Schreibtisch, Schrank und Bett und war für mich ohnehin nur zum Schlafen da - also vollkommen okay! Das Bad hat man sich dann zu viert geteilt und war auch in Ordnung. Die Küche war schön! Die Portugiesen aus unserer Etage waren so nett und haben uns ihr Besteck, Teller und sonstiges mitbenutzen lassen. Außerdem gab es Waschmaschine, Trockner, Fernseher und WLAN. Die Lage des Wohnheims ist optimal: ca. 10 Minuten jeweils zum Krankenhaus, zu den Bars und zu einem Park zu Fuß, zum Supermarkt noch weniger. Nachts muss man theoretisch das Wohnheim nicht einmal verlassen um Leute zum Feiern zu finden. Generell habe ich mich mit meinen Mitbewohnern von Anfang an gut verstanden, hatte gute Gespräche und einen schönen Abschlussabend zusammen (siehe Kater am Abreise-Vortag).

Literatur

Fehlanzeige! Man sieht also, es geht ganz ohne Vorbereitung und Lesen ;) Aber im Ernst: es ist nicht unbedingt nötig, aber man kann sich schon vorher informieren - vor allem um sein Reise-Erlebnis zu optimieren. Das heißt z.B. überlegt euch ob ihr einen Abstecher machen wollt an die Algarve, nach Madeira oder zu den Azoren. Oder überlegt euch schon mal, was euch besonders in Lissabon und Porto interessieren könnte.

Mitzunehmen

Fürs Krankenhaus: Kittel, Stethoskop und Schuhe reichten.
Für Strand: Badehose natürlich, fürs Surfen am besten Neopren (sonst Leihgebühr 10€).
Generell ist das September-Klima in Coimbra so, dass es so gut wie nie geregnet hat, morgens und nachts mal Pulli und lange Hosen ganz angenehm waren und es zur Mittagszeit manchmal für alles zu heiß war... Am Strand in Figueira da Foz ist es etwas kühler.

Reise und Ankunft

Nach meiner Landung in Lissabon habe ich eine Nacht in einem Airbnb in der Nähe vom Bahnhof St. Apolonia übernachtet. So konnte ich noch einmal die Altstadt sehen und war spontan sogar noch feiern im Bartô, einer sehr coolen Bar mit guter Musik. Hat mir so sehr gut gefallen! Meinen Platz im Wohnheim hatte ich ab Sonntag vor Beginn der Famulatur, habe dann an dem Tag wie beschrieben zunächst den Zug genommen und wurde von meiner Kontaktperson in Coimbra abgeholt. Sie hatte mir vorher per Mail geschrieben und alles abgesprochen. Für den ersten Praktikumstag hat mich meine Kontaktperson zum Krankenhaus und dann noch bis auf Station gebracht. Dort hat sie mir dann den Arzt vorgestellt der mich für den Monat betreuen sollte und los ging's.
Mit den anderen Austausch-Studenten bin ich auch sehr einfach und schnell nach meiner Ankunft in kontakt gekommen und so haben wir ab dem ersten Tag schon nachmittags/abends/nachts Sachen miteinander unternommen.

Tätigkeitsbeschreibung und fachliche Eindrücke

Zu den formalen Anforderungen: Anwesenheitspflicht 80%, Beginn zwischen 8 und 9 Uhr und tägliche Stundenzahl ca. 5h. Ich habe in der Kardiologie des CHUC famuliert. Mein Kontakt-Arzt war nett, hatte Verständnis für Tage, an denen ich durch die Vornacht gerne kürzertreten wollte, und war vor allem immer sehr darum bemüht, dass ich wusste, wo ich hingehen und etwas lernen konnte. Den ersten Tag habe ich noch mit ihm in der Ambulanz verbracht. Zwar konnte ich wegen der Sprachbarriere dem Arzt-Patienten-Gespräch schlecht folgen, aber meist habe ich von ihm im Nachhinein eine kurze Zusammenfassung auf Englisch bekommen und konnte die körperlich Untersuchung (Auskultieren von Lunge und Herz) üben.
Den Großteil meiner Zeit danach war ich aber im Herzkatheter. Hier wurden in zwei OP-Sälen sowohl Erwachsene als auch pädiatrische Fälle behandelt. Zudem ist die Kardiologie des CHUC ein überregionales Zentrum, sodass ich in dem Monat ein großes Spektrum an Krankheiten und deren Diagnostik und Therapie durch den Herzkatheter gesehen habe. Neben den typischen KHK-Fällen gab es z.B. ein Broken-Heart-Syndrome und auch bei den pädiatrischen Patienten waren mehrere spannende Fälle dabei. Interessanterweise kamen sogar Kinder aus Guinea oder Mozambique als Patienten nach Coimbra, da es zwischen diesen Staaten und Portugal ein Abkommen zur medizinischen Behandlung gibt.
Das Team im Katheter-Labor war sehr herzlich und hat mir bei Fragen auf Portugiesisch und Englisch weiterhelfen können. Mein Kontakt-Arzt konnte sehr gut Englisch und kannte sich, soweit ich das beurteilen kann, auch sehr gut aus auf seinem Gebiet. Da er die meiste Zeit ebenfalls im Herzkatheter gearbeitet hat, bot sich mir mehrmals die Chance etwas zu fragen und so dazuzulernen. Auch von den Kinderkardiologen, die einmal die Woche einen Katheter-Saal belegen, gab es einen netten Arzt mit sehr guten Englisch-Kenntnissen. Nichtsdestotrotz macht sich die Sprachbarriere mal wieder bemerkbar - vor allem während der Intervention, wenn sich das Personal über den Fall berät oder etwas kommentiert. Oftmals stand ich in solchen Momenten dabei und habe weder verstanden was gesprochen wurde, noch was gerade mit dem Patienten passierte. Wenn Zeit war, wurde mir aber alles im Nachhinein erklärt. Abgesehen davon hatte ich das Gefühl, das ich zum Ende des Monats einen guten Durchblick vom Herz-Katheter hatte. Am letzten Tag durfte ich beim Katheterisieren assistieren, zuvor habe ich nur beobachten können.
Zum Trainieren von Blutabnahme und PVK-Legen bin ich leider nur selten gekommen. In Portugal wird diese Tätigkeit komplett von den Schwestern übernommen. Mein Kontakt-Arzt hatte mich in der ersten Woche relativ schnell auf der kardiologischen Station den Schwestern vorgestellt und so hieß es zunächst, ich könne ganz einfach zur stationären Routine-Blutabnahme um 6:00 Uhr morgens kommen. Als ich das dann später tat, wusste aber keiner so wirklich von mir und ich wurde gebeten, das ganze noch einmal mit der Oberschwester und einem Arzt abzusprechen. Dafür habe ich dann noch mal ein Paar Tage gebraucht, aber schließlich stand der Deal, dass ich an zwei Tagen der Woche geplante Blutabnahmen in der Ambulanz unter Aufsicht einer Schwester durchführen konnte. Der Vorteil hiervon war auf jeden Fall, dass die Schwestern immer dabei waren und helfen konnten. Falls ihr auch Blut abnehmen wollt, würde ich euch empfehlen, das vorher mit eurer Kontaktperson zu besprechen. Die kann das der Station dann weitergeben und die können sich dann schon mal etwas überlegen. So verschwendet ihr dann keine Zeit mit der Orga.
Generell ist mir aufgefallen, dass die Portugiesen kein großes Problem mit Körperkontakt haben, sondern sehr herzlich im Umgang miteinander sind. So war es z.B. vollkommen normal, dass sich das Personal mal ab und zu gegenseitig massiert hat. Als Tipp für die Blutabnahme am Patienten hat mir dann eine Schwester auch erklärt, dass sie zunächst immer Vertrauen zum Patienten aufbaut, indem sie sich mit ihm unterhält und den Arm dabei schon mal berührt. Durch das Streicheln haben sich die Patienten entspannt und die Venen wurden besser durchblutet. Nach dieser Erklärung habe ich dann auch verstanden, warum sie mein Vorgehen zuvor eher "brutal" fand. Die Bewertung kam für mich ziemlich unerwartet, da es ja soweit ganz gut geklappt hatte, Blut in den Behältern, wo es hingehörte, und der Patient auch noch gelebt hat ;) Das Problem war nur, dass ich mich halt voll darauf fokussiert habe, auch ja die Vene zu treffen und an sowas, wie ein Vertrauensverhältnis zum Patienten aufzubauen gar nicht gedacht habe... In der Folge hat aber auch das immer besser geklappt.
Die Betreuung bei den Blutabnahmen war also gut - besser als sie bei der meist stressigen Morgenrunde der Schwestern wohl gewesen wäre. Außerdem war die Tageszeit mit 8 Uhr Beginn deutlich angenehmer. Der Nachteil war nur, dass am Tag nur ca. neun Patienten zu dieser ambulanten Blutentnahme eingeplant waren und diese neun dann auch zwischen 8 und 14 Uhr irgendwann kommen konnten. Daher gab es zwischenzeitlich auch mal gar nichts zu tun, und wenn mir das Warten auf neue Patienten zu lange wurde, bin ich wieder zum Herzkatheter zurückgegangen.

Land und Leute

Ein typischer Tag in Coimbra sah folgendermaßen aus. Nachdem ich vom Krankenhaus zurück zum Wohnheim gekommen bin, gab es erst mal eine kleine Siesta - sehr portugiesisch ;) Tatsächlich ist es um die Mittagszeit oftmals eine Bullenhitze draußen. So ab 3-4 Uhr geht es dann besser mal einen Fuß vor die Tür zu setzen und die Stadt zu erkunden. Coimbra hat sich im Verlauf des Septembers ziemlich verändert. Der Grund: die Uni fing in der dritten Septemberwoche an und massenweise Studenten strömen in die Stadt und in die Straßen. Dass Coimbra eine der ältesten und traditionsreichsten Unis Portugals hat - man kommt gar nicht umhin, das zu bemerken, selbst wenn man's nicht wüsste! Erst mal trägt ein großer Anteil der vielen Studenten die Uni-Uniform (sieht aus wie bei Harry Potter). Dann findet jeden Tag überall und immer der Praxe statt: quasi eine never ending Erst-Ralley. Die Erstis in Coimbra patrouillieren in Gruppen durch die Straßen, tragen alle das T-Shirt ihrer Fakultät und werden von den älteren Semestern dazu motiviert, unentwegt ihren Schlachtruf zu brüllen. Soweit ganz interessant und irgendwie witzig. Ab und zu sieht man aber auch, wie die Erstis irgendwelche bescheuerten Aufgaben machen müssen. Erinnerte an Aufnahme-Rituale, wovon ich eher nicht so viel halte... Auch bei den Portugiesen wird diese Schattenseite der Ersti-Wochen zum Teil kontrovers gesehen. Als Reaktion darauf haben - so wie ich das verstanden habe - andere Studenten-Verbindungen (sog. "republicas") es sich zur Aufgabe gemacht, ein alternatives Willkommensprogramm für Erstis zu organisieren. Jetzt auch noch Verbindungen! Immerhin sind die portugiesischen Verbindungen generell eher links, schon mal angenehmer als rechts! Ich muss leider trotzdem sagen, dass ich es nicht geschafft habe, mich während des Monats vernünftig über "republicas" zu informieren und was alles so dahintersteckt. Vielleicht ist es ja gar nicht mal so wild... Jedenfalls war ich immer leicht skeptisch und habe daher auch nicht das volle Angebot an Parties und Abendessen wahrgenommen. Checkt das also mal vorher aus und macht es unterUmständen besser als ich!
Republicas und Praxe hin oder her, interessant ist es allemal! Und vor allem ist immer was los, vor allem nachts! Die Medizin-Studenten veranstalten so gut wie jeden Abend die ein oder andere Party. Dort wird man auch ziemlich oft angesprochen und kann nach dem üblichen Small Talk ("wo kommst du her?", "schmeckt deutsches Bier besser als portugiesisches?" oder "Wuppertal? Ist das nicht die schönste Stadt Deutschlands?") überraschend einfach zu guten Gesprächen und guten Freunden kommen.

Fazit

Bei der Arbeit im Krankenhaus fand ich unterm Strich sehr angenehm, dass ich mir die Arbeit nach meinen Interessen und auch nach meiner Motivation selbständig aussuchen konnte. Auch die Freundlichkeit der Leute war ein großer Pluspunkt. Fachlich hätte mich eine Famulatur in Deutschland wahrscheinlich aber aufgrund der Sprache und den längeren Arbeitszeiten mehr nach vorn gebracht.
Sozial und kulturell war der Monat ein Traum! Ich habe mehr als einen Grund, noch einmal wiederzukommen!

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