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China (IFMSA-China)

TCM - SCOPE (Famulaturaustausch)
Anonym

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Motivation

Meine Motivation, eine Famulatur in China zu absolvieren war es, eine neue Kultur kennen zu lernen, mehr über das Gesundheitssystem zu erfahren und zu sehen, wie die traditionelle Medizin dort praktiziert wird.

Vorbereitung

Eine besondere Vorbereitung für den Austausch gab es bei mir eigentlich nicht.
Ich hatte mich vorher mit allen möglichen Apps eingedeckt, da der Google Playstore in China blockiert ist und man sich dort ohne VPN nichts mehr herunter laden kann.
Abgesehen von VPN Apps fand ich Maps.Me und einen guten Übersetzer besonders hilfreich.
Wer gerne noch ein bisschen Chinesisch lernen möchte und einen langen Flug überbrücken möchte, dem würde ich auch die App "HelloChinese" sehr empfehlen.

Visum

Das Visum zu bekommen hat sich als schwieriger gestaltet als ich vorher angenommen hatte. Ich hatte eine Visumagentur kontaktiert und versucht mit dem Einladungsschreiben der IFMSA ein Typ F Visum zu beantragen. Leider wurde ständig etwas am Schreiben bemängelt, sodass ich den Antrag 6 Mal einreichen musste und unzählige Telefonate führen musste, bevor mein Antrag akzeptiert wurde.
Um Zeit und Nerven zu sparen würde ich beim nächsten Mal deswegen eher ein Touristen Visum beantragen.

Gesundheit

Ich hatte nur eine normale kleine Reiseapotheke mit Durchfallmedikamenten etc. dabei und auch keine besonderen Impfungen vorher machen lassen. Im Endeffekt habe ich aber nichts davon gebraucht. Falls man sich aber durch die Klimaanlagen doch mal eine Erkältung einfängt oder Magenprobleme vom Essen bekommt, kann man sich dort in den Apotheken auch günstig mit Medikamenten eindecken.

Sicherheit

China ist ein unglaublich sicheres Land und auch nachts konnte ich problemlos draußen rumlaufen ohne mich unwohl zu fühlen. Das einzig "unsichere" ist der Verkehr, da es für die Mofas keine richtigen Verkehrsregeln gibt und diese auch gerne mal auf dem Bürgersteig fahren. Man gewöhnt sich allerdings sehr schnell daran und muss sich im Grunde keine Sorgen um Sicherheit oder Kriminalität machen.

Geld

Die chinesische Währung ist Yuan (RMB) und Kreditkarten werden selten akzeptiert.
Die meisten Chinesen benutzen Apps als Zahlungsmittel, was allerdings nur funktioniert wenn man auch eine chinesische Bankkarte besitzt. Alternativ kann man sich auch Geld über die App schicken lassen, sodass es dem elektronischen Geldbeutel gutgeschrieben wird und den Chinesen das Geld Bar zurück geben, da einige Restaurants und Geschäfte nur die App als Zahlungsmittel akzeptieren.
Die meiste Zeit hatte ich also Bar oder über die App gezahlt.

Sprache

Vor der Abreise hatte ich leider keine Zeit mehr einen Sprachkurs zu besuchen, weshalb sich meine Vorbereitung auf ein paar Lektionen bei "HelloChinese" während des Fluges beschränkte. Die meisten Studenten können zumindest in Grundzügen Englisch, sodass man sich einigermaßen verständigen kann und außerhalb der Uni konnte ich mich durch die Übersetzer App am Handy verständigen. Gerade für Speisekarten in Restaurants war die Gold wert! Insgesamt sind Chinesen wahnsinnig hilfsbereite und nette Menschen und selbst wenn man die Sprache nicht kann, versuchen sie einem irgendwie weiter zu helfen.

Verkehrsbindungen

Da die Buspläne ausschließlich auf chinesisch waren, hab ich die meiste Zeit nur die Metro genutzt. Die Metroschilder sind alle auf englisch und man findet sich super leicht zurecht, sodass man sich da eigentlich keine Sorgen machen muss. Für Städtetrips an den Wochenenden habe ich online Tickets für den Hochgeschwindigkeitszug gebucht, der wirklich sehr günstig und komfortabel ist. Man sollte nur immer genug Zeit einplanen falls man den Zug nehmen möchte, da die Bahnhöfe in China eher so wie Flughäfen in Deutschland sind, was Größe und Kontrollen angeht.

Kommunikation

In China wird meistens WeChat genutzt, was in etwa die selben Funktionen wie WhatsApp hat.
Wer trotzdem noch Whatsapp benutzen möchte, um mit Freunden und Familie schreiben und telefonieren zu können, sollte sich vorher auf jeden Fall eine gute VPN App zulegen (am besten sogar mehrere).

Unterkunft

Ich war im Wohnheim für internationale Studierende untergebracht und hatte mir das Zimmer mit einem anderen Mädchen geteilt. Die Betten dort hatten keine richtigen Matratzen, sondern eher dickere Decken als Unterlage, sodass man quasi direkt auf dem Holz des Lattenrosts lag. Sobald man sich daran gewöhnt hatte oder Decken als Matratzenersatz gestapelt hat, war das Apartment aber eigentlich ganz gemütlich. Eine Küche oder irgendwelche Utensilien zum Kochen gab es im Wohnheim nicht, da die meisten chinesischen Studenten ohnehin in der Mensa essen gehen und da sich die Mensa direkt vor dem Wohnheim befand, hat mich das auch nicht weiter gestört.

Literatur

Ich hatte mir keine Bücher mitgenommen und es auch überhaupt nicht bereut. Die meiste Zeit ist man sowieso unterwegs, sodass man eigentlich kaum Zeit hat zu lesen und falls ich doch mal Zeit und Lust hatte, hab ich in die TCM Bücher geschaut, die mir die Ärztin im Krankenhaus mitgegeben hatte.

Mitzunehmen

Im September ist es noch unglaublich warm in China, sodass man auf jeden Fall genug luftige und kurze Klamotten einpacken sollte. Ich hatte viel zu viele warme Sachen eingepackt und glaube ein Pulli und eine lange Hose wären genug gewesen. Falls man irgendwas vergessen sollte, kann man sich die Dinge auch einfach günstig in China kaufen, sodass man sich wenig Sorgen machen sollte zu wenig einzupacken.

Reise und Ankunft

Meine Anreise verlief leider ziemlich chaotisch. Vom Pudong International Airport hatte ich die Metro genommen um zum Bahnhof in Shanghai zu fahren und dort den Hochgeschwindigkeitszug nach Suzhou zu nehmen. Sowohl der Flughafen, als auch der Bahnhof in Shanghai sind riesig und nicht unbedingt übersichtlich ausgeschildert, sodass ich sehr lange gebraucht habe, um die richtige Metro und dann am Bahnhof den richtigen Zug zu finden. Ich hatte mein Zugticket vorher schon online gebucht, da sie vor Ort häufig ausgebucht sind und daher auch noch Zeitdruck, da ich rechtzeitig am richtigen Gleis sein musste.
Ich würde unbedingt empfehlen sich den ganzen Stress zu ersparen und einfach den Long Distance Bus zu nehmen der vom Shanghai Airport direkt nach Suzhou fährt. Das ganze dauert in etwa gleich lang und ist wesentlich einfacher als sich durch Metro und Züge zu kämpfen.

Tätigkeitsbeschreibung und fachliche Eindrücke

Ich war im First Affiliated Hospital of Soochow in der Abteilung für Traditionelle Chinesische Medizin.
Die ersten beiden Wochen meiner Famulatur war ich auf der ambulanten Station für Akupuktur und die letzten beiden Wochen auf einer Station für kombiniert traditionelle und westliche Medizin.
Ich war jeden Morgen um 8 im Krankenhaus, wobei die Ärztin meistens schon da war und schon einige Patienten behandelt hat. Sie hat mir anfangs sehr ausführlich die Grundzüge von Akupunktur erklärt, wie das Meridian System funktioniert, was für die Differentialdiagnostik wichtig ist und wie sie einen Behandlungsplan erstellt. Ich hatte den Eindruck dass viele der Patienten chronische Leiden hatten und jede Woche mehrmals zur Behandlung in die Abteilung kamen. Da die Patienten meistens nur Chinesisch sprechen konnten, hatte die Ärztin mir nach der Anamnese eine kurze Zusammenfassung auf Englisch gegeben, die Differentialdiagnose und den Behandlungsplan erklärt. Falls wir mal etwas weniger Patienten hatten und es sehr ruhig war, konnte ich mich an den Schreibtisch setzen und in den englischen TCM Büchern lesen, die die Ärztin mir mitgegeben hat.
An den meisten Tagen durfte ich um die Mittagszeit nach Hause gehen, da nachmittags wenig los war und die meisten Museen und chinesischen Gärten nur bis 17Uhr geöffnet waren.
In den letzten beiden Wochen war ich dann auf der Station für kombiniert traditionelle und chinesische Medizin bei einem anderen Arzt, der sehr gut Englisch sprechen konnte und mir in den ersten Tagen in kurzen Unterrichtseinheiten die TCM Theorien erläutert hat und kurze Vorträge dazu gehalten hat. Auf diese Unterrichtseinheiten aufbauend haben wir uns dann Patienten angeschaut und sind die einzelnen Theorien noch einmal durchgegangen, sodass ich genau verstehen konnte wie die einzelnen Krankheitsbilder behandelt werden und wie die Differentialdiagnostik nach den alten TCM Theorien funktioniert. An einem der Tage sind wir auch in die Apotheke für Traditionelle Medizin gegangen und mir wurden verschiedene Kräuter gezeigt und wie man die Medikamente aus den Mischungen herstellt.

Ich hatte den Eindruck, dass die traditionelle Medizin häufiger von der älteren Generation genutzt wurde und häufig nur zusätzlich zur westlichen Behandlungen angewandt wurde, also keinen sehr großen Stellenwert in der medizinischen Versorgung der Patienten hat. Es war allerdings eine tolle Erfahrung und unglaublich interessant zu sehen, wie ein Teil der alten Theorien und der alten Kultur noch am Leben erhalten und genutzt wird.

Land und Leute

Insgesamt sind Chinesen alle unglaublich nette und hilfsbereite Menschen und man lernt schnell neue Leute kennen. Da das Semester im September begonnen hat und meine CP den ganzen Tag in der Uni war und viel lernen musste, war ich die meiste Zeit mit der anderen CP und Leuten, die wir im Krankenhaus oder in den Wohnheimen kennen gelernt haben, unterwegs.
Unter der Woche haben wir uns meisten Sehenswürdigkeiten bzw. Orte in Suzhou angeschaut und am Wochenende die Städte im Umkreis besucht.
Suzhou ist eine unglaublich schöne Stadt ( das "Venedig von China") und es gibt dort super viel zu entdecken. Die Museen in China sind alle kostenlos und die anderen touristischen Sehenswürdigkeiten und chinesischen Gärten bieten Studentenrabatt an, sodass man sich sehr günstig eine ganze Menge anschauen kann. Man sollte allerdings bedenken, dass die meisten Gärten und Museen gegen 17 Uhr schließen und ab 16 Uhr keine Besucher mehr einlassen.
Besonders beeindruckend fand ich die Kontraste in der Stadt. Auf der einen Seite hat man den tranditionellen Teil Chinas mit der Shantang Jie und Pinyang Road und auf der anderen Seite die moderne Skyline mit Wolkenkratzern und der riesigen Mall.

Außer dem klassischen Touristenorten und TripAdvisor Empfehlungen kann ich auch das Panmen Gate in Suzhou sehr empfehlen, das eine Anlage mit Garten, Tempel, Pagode und altem Stadttor ist. Tagsüber waren dort kaum Besucher, sodass man in Ruhe das ganze Gelände erkunden konnte und nachts war alles mit Lichterketten und Leuchtinstallationen beleuchtet.
Die Hochgeschwindigkeitszüge in China sind sehr günstig und komforabel, sodass es sich anbietet auch Städte in der Umgebung zu Erkunden.
Am ersten Wochenende haben wir dann einen Ausflug nach Hangzhou gemacht und uns dort den See und die Universität angeschaut, am zweiten nach Shanghai und am dritten bin ich mit meiner CP zusammen nach Tongli gefahren, einer der Wasserstädte in China. Eigentlich wäre ich gerne noch ein paar Tage zu den Yellow Mountains gefahren, allerdings haben wir uns nicht rechtzeitig um die Zugtickets gekümmert, sodass diese schon ausgebucht waren. Ich würde empfehlen vorher schon zu planen, welche Städte man sich gerne anschauen möchte und dann über Trip.com die Tickets für den Hochgeschwindigkeitszug zu buchen. In Hangzhou wäre ich ebenfalls gerne einen Tag länger geblieben, da die Stadt, genau so wie Suzhou, unglaublich schön ist und viel zu bieten hat. In Shanghai war ich insgesamt zwei Tage, was ich dafür auch ausreichend fand.

Fazit

Es war eine wahnsinnig schöne Erfahrung und eine einmalige Chance die chinesische Kultur so zu erleben und ein Teil davon zu sein. Ich kann euch China und Suzhou absolut empfehlen und bin froh hier gewesen zu sein!

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