zurück

Greece (HelMSIC)

Chirurgie - SCOPE (Famulaturaustausch)
von Julia, Gießen

Motivation

Eine Famulatur im Ausland bietet die Möglichkeit, ein anderes Gesundheitssystem kennenzulernen. Beworben habe ich mich für europäische Länder, da diese einen gewissen medizinischen Standard haben, aber dennoch viele Unterschiede zu Deutschland. Erwartet habe ich, auch verschiedene medizinische Herangehensweisen der ausländischen Ärzte zu beobachten.

Vorbereitung

Von der bvmd habe ich während einer Univeranstaltung erfahren. Dort stellte die LEO die Möglichkeit vor, eine Famulatur im Ausland zu machen. Schwierigkeiten waren, das sowohl meine erste Landespräferenz als auch mein gewünschter Monat nicht verfügbar waren. Ich musste eine extra Englischprüfung ablegen, da mein Abiturzeugnis leider nicht anerkannt wurde.

Visum

Ein Visum musste ich für Griechenland nicht beantragen, da es ein europäisches Land ist.

Gesundheit

Ich musste mir beim Hausarzt ein sehr ausführliches Formular ausfüllen lassen und mich auf Basis dessen extra gegen Meningokokken C impfen lassen. Auf dem Formular stand, dass diese Impfung in den letzten 2 Jahren erfolgt sein sollte, meine Alte reichte also nicht mehr. Manche Krankenkassen erstatten Reiseimpfungen, einfach nachfragen!

Sicherheit

Ich habe zusätzlich zu meiner normalen europäischen Reiseversicherung eine mit mehr Leistungen für den einen Monat beantragt, sie aber nicht gebraucht. Eine Haftpflichtversicherung (privat und beruflich) sollte man auch abklären, da gibt es für Medizinstudenten an verschiedenen Stellen kostenlose Angebote in Deutschland mit weltweitem Versicherungsschutz. Die Sicherheitslage in Griechenland war super, ich hatte keine Probleme während des Aufenthaltes. Wie die Griechen selbst sagen, ist Alexandroupolis eine sichere Stadt. Wie es für die anderen griechischen Städte aussieht, kann ich leider nicht sagen.

Geld

In Griechenland gibt es wie bekannt den Euro, abheben am besten mit kostenloser Kreditkarte vor Ort. Wenn es nicht um den Gyros für 2 Euro geht, wird aber auch überall die Karte zur Zahlung akzeptiert.
Die Lebenshaltungskosten sind nicht teurer als in Deutschland.

Sprache

Ich konnte vorher überhaupt kein griechisch und habe ein paar Wörter gelernt, für mehr hat es aber nicht gereicht. Unterhalten wird sich auf Englisch mit den Studenten gut, mit den Ärzten teilweise meiner Erfahrung nach etwas schwieriger oder gar nicht.

Verkehrsbindungen

Am besten kommt man nach Griechenland mit dem Flugzeug. Nach Alexandroupolis fliegen in der Regel keine Direktflüge, sondern vorher nach Athen oder Thessaloniki. Von Thessaloniki gibt es einen Fernbus, der in ca. vier Stunden für 30 Euro nach Alexandroupolis fährt.
In der Stadt selbst gibt es eine gute Verbindung zum Krankenhaus mit lokalen Bussen, ca 20 min Fahrtdauer.

Kommunikation

Nachdem die Roaming Gebühren EU-weit abgeschafft wurden, kann man einfach seine eigene Simkarte in Griechenland benutzen. Wer das nicht möchte, kann für ca 10 Euro gute Angebote für einen Monat finden. Außerdem gibt es (fast) überall Wlan.

Unterkunft

Ich habe eine voll ausgestattete Wohnung von einem Medizinstudenten gestellt bekommen. Ich hatte sehr viel Glück, da sie super zentral und groß war. Dass ich die Wohung für mich alleine hatte ist eher die Ausnahme. Die meisten Incomings leben zusammen mit ihrem Host, was für den sozialen Kontakt aber super ist!

Literatur

Geholfen hat mir ein einfaches Pocket Reisewörterbuch mit deutsch griechisch, da dort das Alphabet, die wichtigsten Wörter, aber auch situationsbezogene Sätze enthalten waren, z.B. beim Arzt. Ansonsten ist ein Reiseführer für die Region auch nicht verkehrt.

Mitzunehmen

Ich musste Scrubs mitbringen sowie einen weißen Kittel. In meinem Krankenhaus haben die griechischen Studenten entweder Scrubs in sämtlichen Farben, oder der Großteil Alltagskleidung sowie darüber einen weißen Kittel getragen. Von Deutschland bin ich gewöhnt, nur Srcubs zu tragen, deswegen habe ich das auch fortgeführt, vor allem für mein eigenes hygienisches Gewissen. Stethoskop ist ebenfalls Pflicht.

Reise und Ankunft

Ich habe die Zeit genutzt, um vor und nach der Famulatur das Land zu erkunden. In Alexandroupolis wurde ich von meiner Kontaktperson vom Flughafen abgeholt, was super war. Am ersten Tag wurde jeder von seiner Kontaktperson ins Krankenhaus begleitet, gemeinsam haben wir die Station gesucht und auf den Professor gewartet. In der Stadt angekommen, heißt es erstmal die anderen Incomings kennenlernen!

Tätigkeitsbeschreibung und fachliche Eindrücke

Am ersten Tag habe ich mich erstmal allen vorgestellt, vor allem den ca 20 griechischen Studenten auf Station. Kontakt mit dem Pflegepersonal hatte ich eher wenig, mit den Ärzten meist in der Gruppe mit anderen Studenten. Jeden morgen sollte man sich um den in der Gruppe zugewiesenen Patienten kümmern. Das bedeutet Anamnese falls unbekannter Patient, Vitalparameter, körperliche Untersuchung, und vor allem Kommunikation mit dem Patienten. Je nachdem ob der Patient englisch konnte oder nicht, habe ich meistens nur untersucht und nicht gesprochen. Blutentnahmen wurden in der Gruppe verteilt, und die neuesten Blutergebnisse vom Ergebnis im Computer in einen Ordner per Hand übertragen. Danach kam (es gibt keinen richtigen Stationsplan, vor allem nicht in der Sommerpause) irgendwann die Visite, also ca 30 weiße Kittel im Patientenzimmer. Dabei mussten die für den Patienten zuständigen Studenten Rückfragen der Ärzte beantworten. Je nachdem welchen Patienten man hat, geht man zu seinen Untersuchungen oder OPs mit. Viele Studenten gehen tagsüber in der Klausurenphase in einen Lernraum oder entspannen in der Cafeteria, wenn es nichts (wie oft) zu tun gibt. Es gab viele Sprachprobleme, da die Visite immer nur auf griechisch war, und ich dadurch nicht viel verstehen konnte. So musste mir immer jemand von den griechischen Studenten übersetzen.
Allgemein gilt: wenn man nachfragt, bei einer Untersuchung o.Ä. mitzugehen, wird das meistens bejaht. Es ist also das, was man daraus macht. So durfte ich bei verschiedenen OPs zuschauen und bei einer ambulanten sogar assistieren. Wenn man wie ich aber schon von vorherigen Famulaturen gewöhnt ist, sehr selbstständig zu arbeiten und viele Patienten am Tag zu behandeln, wird hier enttäuscht sein. Viele Ärzte sind nicht sehr motiviert zu unterrichten. Deswegen habe ich mich vor Ort eher darauf konzentriert, die Unterschiede in Arbeitsweise und Ausstattung zu beobachten (und gleichzeitig den Blick auf das Meer genossen), als den Anspruch zu haben, wirklich medizinisch etwas zu lernen. Wer unbedingt viel neues praktisches Wissen erlangen möchte, sollte in Deutschland eine Famulatur machen. Wer aber auch an Land und Leuten interessiert ist, dem kann ich den Aufenthalt empfehlen! Es gab auch immer wieder Überraschungsmomente, da schon einige Griechen (Patienten sowie Ärzte) früher in Deutschland für ein paar Jahre lebten und sich deswegen auf Deutsch unterhalten konnten. In diesen Momenten habe ich mich sehr gefreut, auch ein paar Worte mit den Patienten wechseln zu können.
Wie in allen Krankenhäusern verläuft man sich auch in griechischen besonders zu Beginn noch gut. Von daher lohnt es sich, das griechische Alphabet lesen zu lernen, um sich etwas besser im Gebäude zurecht zu finden.
Mittags haben wir jeden Tag essen in der Mitarbeiterkantine bekommen. Mir persönlich hat es geschmeckt, dass muss aber jeder vor Ort selbst entscheiden … Zumindestens spart man sich so das Kochen und kann schneller zum Strand

Land und Leute

Ich habe die Griechen als ein sehr freundliches Volk erlebt. Mein Gastgeber war unglaublich freundlich und zuvorkommend, und hat es mir sehr einfach gemacht, mich wohl zu fühlen. Bei Fragen konnte ich immer ihn oder meine Kontaktperson kontaktieren, und hatte so immer einen Ansprechpartner. Unternommen habe ich fast immer etwas mit den anderen Incomings. Es verging kein Tag, an dem man nicht etwas nach dem Krankenhaus geplant hat. Egal ob Strand, Essen, (Spiele)Bars,… Der griechische LEO sowie die anderen Helmsic Mitglieder haben sich viel Mühe gegeben, Programm zu organisieren und uns etwas zu bieten. An den Wochenenden haben wir verschiedene Orte im Norden Griechenlands erkundet, welche sehr sehenswert waren. Wahrscheinlich kommt es sehr auf die Stadt an, aber Alexandroupolis war sehr behütet und so klein, dass man immer jemand Bekanntem auf der Straße über den Weg läuft. Was jeder unbedingt probieren muss, ist das griechische Essen in allen Variationen. Vegetarisch ist kein Problem, nur als Veganer muss man etwas mehr suchen (manche Griechen überbacken alles mit Käse, oder verstecken ihn da, wo man ihn nicht erwartet!).
Besonders die jüngere Generation ist auch sehr interessiert daran, ausländische Studenten kennenzulernen und bindet einen direkt mit in ihre Gespräche ein.
Ich kann empfehlen, vor oder nach der Famulatur noch ein paar Tage in Griechenland zu bleiben, um sich noch andere Regionen oder zu mindestens Athen anzuschauen, welches die Griechen sehr mögen.
Ein Monat bietet einem viel mehr Raum als nur 10 Tage Urlaub, um die echten Griechen kennenzulernen, und nicht in Touristen zu schwimmen. Alexandroupolis war nicht meine erste Wahl in Griechenland, aber ich bin sehr positiv überrascht von der Stadt. Ob sie Architekturpreise gewinnen kann sei mal dahin gestellt, aber sie ist sehr übersichtlich und fast alles ist erlaufbar. Es gibt einen Strand direkt in Stadtnähe, wo man einfach hinlaufen kann. Dort lässt sich nicht das typisch touristische Leben wie auf allen Inseln entdecken, sondern die Griechen in ihrer Freizeit.
Ausflüge wurden vom griechischen LEO in meinem Monat organisiert nach Xanthi, Samothraki und Thessaloniki. Alle kann ich empfehlen. Besonders interessant war es, diese unterschiedlichen Orte zu entdecken. Denn Samothraki ist eine Insel, auf der wir in der Natur gecampt haben, und Thessaloniki die zweit größte Stadt Griechenlands. Empfehlen kann ich auch Kavala, diese Stadt ist auf halbem Weg nach Thessaloniki und ein sehr schöner Urlaubsort.

Fazit

Nicht aus medizinischer Lernsicht, aber vor allem aus kultureller und sozialer Sicht hat sich die Famulatur sehr in Alexandroupolis gelohnt. Ich hatte eine sehr schöne, ereignisreiche Zeit dort, konnte den entspannten griechischen Lebensstil kennen und schätzen lernen. Außerdem habe ich wunderbare Menschen getroffen, sowohl griechisch als auch andere ausländische Studenten. Erst wenn man einmal in einem anderen Land in einem Krankenhaus gearbeitet hat, weiß man, wie hoch unsere deutschen Standards in den strahlend weißen OP-Sälen sind.
Es war auch eine interessante Erfahrung, so sehr auf englisch angewiesen zu sein, da ich die Landessprache nicht sprechen konnte. In Zukunft werde ich ebenfalls für ausländische Mediziner in Deutschland mehr Verständnis haben. Vielen Dank an alle beteiligten! Die gesamte Bewerbung war rückblickend sehr aufwendig, dafür bekommt man aber einen Famulaturplatz, eine Wohnung und super Anschluss vor Ort. Viel Spaß bei eurer Famulatur

zurück