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Taiwan (FMS Taiwan)

Innere - SCOPE (Famulaturaustausch)
von Nastasja, Lübeck

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Motivation

Ich wollte das ganze Studium lang ins Ausland, jedoch habe ich zuvor immer die Deadlines verpasst oder war anderweitig beschäftigt. Ich wollte eigentlich nach Lateinamerika, jedoch habe ich mich zu spät für eine Auslandsfamulatur entschieden und konnte auf die schnelle kein B2 Zertifikat auftreiben. Somit musste es ein Land sein, für das Englisch reicht. Taiwan stand für mich ganz oben auf der Liste, da es ein sicheres, modernes Land ist.

Vorbereitung

Die Vorbereitung war soweit problemlos. Meine CP hat sich sehr früh bei mir gemeldet, sodass ich mir den Fahrtkostenzuschuss sichern konnte.
ABER: Auf der Seite der IFMSA Taiwan steht, dass man lediglich einen TBC-Test und den Hbs Titer bestimmen muss, und beides direkt hochladen muss.
Im Nachhinein durften die Tests nicht älter als 3 Monate sein und es gaben um die 15 dazu. Von mir wurden Titer für alle möglichen Dinge verlangt (MMR, Varizellen, Hbs etc.) Dazu gehörte eine komplette Blutuntersuchung (BB,Krea,Glukose,Leberwerte,Urin ETC.). Das Ganze ist hier in Deutschland sehr kostspielig, sodass ich die Tests im Ausland hab machen lassen. Für Studenten mit Ersparnissen ist die sicher kein Hindernis, wenn ihr aber wie ich ein begrenztes Budget habt, geht zuvor ganz sicher, welche Test auf euch zukommen werden. Ich habe von anderen Incomings von anderen Unis gehört, dass sie nur den TBC und Hbs Test vorweisen mussten. Es kann also auch an meiner Hosting Uni gelegen haben.

Visum

Deutsche Staatsbürger dürfen sich 90 Tage ohne Visum in Taiwan aufhalten. Eine Aus- und Einreise in dem Zeitraum ist kein Problem.

Gesundheit

Ich habe mir eine kleine Reiseapotheke angelegt, die ich nie benutzt habe. Ich brauchte für Taiwan keine weiteren Impfungen, da ich jedoch im Anschluss für 2 Wochen nach Vietnam gefahren bin, habe ich mich gegen Tollwut impfen lassen.

Sicherheit

Taiwan ist ein sehr sicheres Land, dies war einer der Gründe für eine Famulatur dort. Ich wollte mich dort auch nach der Arbeit sicher auf den Straßen bewegen können. Die Kriminalitätsrate in Taiwan ist sehr gering. Ich habe mich dort sicherer gefühlt als in Lübeck.

Geld

In Taiwan bezahlt man mit Taiwan Dollar (NTD). Ich habe mir regelmäßig Geld an einer der zahlreichen ATMs geholt. Vor Reiseantritt habe ich mir kein Geld besorgt.
Das Essen auf der Straße ist sehr preiswert. Man kann dort gut für 1,5€ essen. Das Essen im Supermarkt empfand ich als teuer (mehr als 1€ für einen kleinen Joghurt, der bei uns 20ct kosten würde). Public Transportation ist auch sehr preiswert. Ansonsten sind die Preise in etwa wie in Deutschland.

Sprache

Die Mehrheit der Taiwanesen spricht Mandarin. Einige sprechen zudem auch Taiwanesisch. Ich habe keinen Sprachkurs besucht. Die Ärzte im Krankenhaus sprechen alle sehr gut Englisch, da sie ihre Arztbriefe etc. auf Englisch dokumentieren.

Verkehrsbindungen

Public Transportation in Taiwan ist fabelhaft. Ich habe mir direkt am Flughafen eine Easycard gekauft und die Monatskarte aktiviert. Damit konnte ich den ganzen Monat in Taipei umherfahren. Man kann die EasyCard auch zum Zahlen in vielen Läden nutzen. Selbst außerhalb von Taipei kann man sie für fast alle Busse nutzen.
Um Taiwan zu bereisen gibt es quasi drei Optionen: 1.High Speed Rail Way ,2. Normaler Zug 3.Bus. So kommt man schnell und günstig rum.

Kommunikation

Ich habe mir am Flughafen eine Simkarte mit unlimited data gekauft (ca.25€). Das war auf jedenfall eine lohnende Investition. Ansonsten gibt es aber auch an jeder Ecke Wlan. Zudem hatten wir in unserem Hostel Wlan.

Unterkunft

Wir wurden in einem Hostel untergebracht, da das Studentenwohnheim zur Zeit renoviert wurde. Ein Teil von uns wohnte in 2er Zimmern im Hauptgebäude, der Rest (inklusive mir) in einem 4-Bett Zimmer in einem anderen Gebäude. Wir hatten in dem Zimmer einen Kühlschrank und AC, viel mehr brauchten wir nicht.

Literatur

Ich habe so gut wie keine Recherchearbeit geleistet, da mir die Zeit dazu fehlte. Während meines Aufenthaltes habe ich mir ein englisch sprachiges Buch (Pocket Medicine, Massachusetts General Hospital Handbook of Internal Medicine) gekauft, was ich sehr empfehlen kann. Jeder taiwanesische Medizinstudent hat dieses Buch in seiner Kitteltasche.

Mitzunehmen

Da ich im Anschluss noch 16 Tage durch Vietnam gereist bin, habe ich nur sehr wenig mitgenommen. Vor allem im Vergleich zu den anderen Incomings (die alle mit riesigen Koffer ankamen :D). Trotzdem habe ich nicht das Gefühl gehabt etwas zu vermissen. Zu Empfehlen sind Mückenspray und Sonnencreme. Und gute Schuhe zum Erklimmen der zahlreichen Berge.

Reise und Ankunft

Ich wurde am Flughafen von einer unserer Kontaktpersonen empfangen. Sie hat mir direkt dabei geholfen mein Geld zu wechseln, eine Simkarte zu kaufen und sie hat mich mit einer EasyCard ausgestattet. Wir haben dann noch auch eine weitere Incoming gewartet und sind dann direkt ins Hostel. Nach einer kurzen Pause hat sie uns herumgeführt. Am nächsten Tag ging es dann direkt mit dem Praktikum los.

Tätigkeitsbeschreibung und fachliche Eindrücke

Wenn man den Austausch über die TMU macht, wird das Praktikum gesplittet. Ich war zwei Wochen in der Notaufnahme im Wan Fang Hospital und zwei Wochen in der Kardiologie im TMU Hospital. Ich persönlich fand das ideal, weil ich so zwei Krankenhäuser und zwei Fachbereiche kennenlernen durfte.
Das Praktikum in Taiwan ist rein observativ (mit wenigen Ausnahmen).

Im Allgemeinen kann ich sagen, dass die Ärzte dort stets bemüht waren uns etwas beizubringen. Da die Behandlung im Krankenhaus in Taiwan sehr günstig ist, ist dies die erste Anlaufstelle für alle Patienten, sodass manche Leute mit Dingen in die Notaufnahme kommen, die in Deutschland eher vom Hausarzt behandelt werden (Schnupfen etc.)

In der Notaufnahme des Wan Fang Hospitals war ich zusammen mit zwei weiteren Incomings eingeteilt. Selbst machen durften wir am Patienten nichts, jedoch sind die Ärzte alles mit uns durchgegangen und haben uns gefragt, wie wir weiter verfahren, was für Tests wird anordnen wollen, welche Medikamente wir geben möchten etc. und haben das dann auch so getan. Wir hatten auch zwei Sonographie Teachings was eine nette Abwechslung war. Wir hatten das Glück, dass zu der Zeit ein Gastdozent aus den USA da war und einige Teachings für die taiwanesischen Studenten und Assistenzärzte angeboten hat, die wir dann auch besuchen durften. Das besondere an der TMU ist, dass jeder von uns jeden Tag eine Kontaktperson an die Seite gestellt bekommen hat, die alle Patientengespräche für uns übersetzt hat. Das hat uns alle enorm überrascht und wird so wohl nur von der TMU gemacht. Aus diesem Grund hatten wir keinerlei Sprachbarrieren. Die Arbeitstage in der Notaufnahme waren recht lang (bis 16Uhr), was einerseits daran lag, dass unsere Ärzte sehr motiviert waren uns etwas beizubringen und wir andererseits deswegen nicht eher gehen wollten. Die anderen Incomings in den anderen Fachbereichen waren immer vor 12Uhr raus.

Die zweite Hälfte des Praktikums habe ich dann in der Kardiologie des TMU Hospitals verbracht. Hier war ich die einzige Incoming. Meine Kontaktperson konnte ich am zweiten Tag Heim schicken, da die Ärzte dort exzellent Englisch gesprochen haben und die Dinge selbst im Herzkatherlabor auf Englisch erklärt haben, sobald ich den Raum betrat. Hier habe ich einen Rotationsplan erhalten und konnte mir so alle Bereiche der Kardiologie anschauen. Offiziell ging das Praktikum von 8 bis 16 Uhr, jedoch war ich nie so lange da. Ich habe in keiner anderen Famulatur so viel gelernt wie hier und solch ein großartiges Team gehabt.

Land und Leute

Das Social Program der TMU ist einfach fabelhaft. Nicht nur, dass unsere Kontaktpersonen den ganzen Vormittag mit uns im Krankenhaus verbracht haben, sie haben uns zudem am Nachmittag/Abend die Stadt gezeigt, sind mit uns Essen gegangen, haben Spiele- und Kochabende organisiert , waren mit uns Wandern etc. etc. Keine andere Uni in Taiwan hat so ein großartiges Social Program und so eine gute Betreuung gehabt wie wir. Wir konnten unsere Kontaktpersonen jederzeit erreichen und alles Fragen. Das hat uns wirklich alle umgehauen, da dies die einzige unifreie Zeit des Jahres für die Studenten ist, und sie trotzdem so viel Energie in das Social Program investiert haben! Die anderen Universitäten in Taipei handhaben dies anders, die Incomings der Militärschule hatten z.B gar kein Social Program, zudem hatten ihre Kontaktpersonen regulär Uni und somit wenig Zeit.

Am ersten Wochenende bin ich zusammen mit anderen Incoming von einer anderen Uni zum Sun Moon Lake gefahren. Dies ist ein sehr touristischer Ort, die Aussicht von der Ci Pagoda ist jedoch ein Muss! Im Anschluss haben wir noch einen Tag in Taichung verbracht. Am Wochenende darauf fand das „United Social Program“ statt. Hier sind wir gemeinsame mit anderen Universitäten Taiwans für ein Wochenende in den Norden Taiwans gefahren und haben eine Nacht in Jiufen verbracht. Dieser Trip wurde bereits lange im Vorraus via Facebook angekündigt. Am dritten Wochenende hatte unsere Uni einen Weekend Trip organisiert, in den Süden Taiwans. Wir sind zuerst nach Tainan und dann nach Chiayi und von da aus zum Alishan Nationalpark gefahren. Dieser Park war einfach klasse! Zudem waren die norddeutschen Temperaturen dort eine nette Abwechslung zu der üblichen feuchten Hitze Taiwans. Am letzten Wochenende habe ich eine Freundin in Hong Kong besucht. Die anderen Incomings sind an diesem Wochenende an die Ostküste Taiwans gefahren. Die Region ist vor allem unter taiwanesischen Touristen sehr beliebt und soll wunderschön sein.

Wie man sieht, war jedes Wochenende verplant! Unsere Kontaktpersonen haben uns dabei geholfen das Beste aus unserer Zeit in Taiwan zu holen.

Fazit

Meine Erwartungen wurden definitiv erfüllt und sogar übertroffen! Hätte ich noch Zeit bis zum Examen, so würde ich noch einen Auslandsaufenthalt wagen. Taiwan ist mir in diesen 31 Tagen sehr ans Herz gewachsen. Die Ärzte haben mich sehr motiviert, ich habe mir dort sogar ein Buch gekauft und abends Fachliteratur gelesen, weil die Ärzte solch gute Lehre betrieben haben! In Deutschland hatten die Ärzte meist nie Zeit für uns Famulanten (jedenfalls ist dies so bei uns in Lübeck).

Kleiner Tip an alle Jazz Liebhaber: verbringt unbedingt einen Abend in der Sapporo Bar, dort ist jeden Dienstag Jam Session! Ich war dort jeden Dienstag

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