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Thailand (IFMSA-Thailand)

Gynäkologie - SCOPE (Famulaturaustausch)
von Josephin, Leipzig

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Motivation

Da dies meine letzte Famulatur sein sollte und auch mein Studium sich dem Ende zuneigte, wollte ich unbedingt noch einmal ins Ausland, bevor Staatsexamen und PJ auf mich zukommen. Außerdem wollte ich schon immer einmal nach Südostasien und vor allem nach Thailand, sodass sich das Schöne und Nützliche gut miteinander verbinden ließ. Des Weiteren wollte ich gern in ein Land, dessen Kultur und auch Gesundheitssystem sich von dem von Deutschland doch recht unterscheiden. Von Thailand hatte ich schon so viel Gutes gehört, sodass meine Wahl letztendlich darauf fiel.

Vorbereitung

Über einen Infoabend der bvmd-Lokalvertretung meiner Uni kam ich auf die Idee eine Auslandsfamulatur zu machen. Ich recherchierte im Internet über die verschiedenen Optionen und mir wurde schnell klar, dass ich die Famulatur gern über die BvmD machen möchte. Auf den Seiten der verschiedenen Länder informierte ich mich über die jeweiligen Anforderungen und begann damit den Letter of Motivation zu schreiben. Nachdem ich noch kurzfristig einen Sprachtest machen konnte, waren die restlichen Dokumente schnell zusammen gesucht und die Bewerbung abgeschickt.
Nachdem ich die Zusage bekommen hatte, verging dank Prüfungsstress etwas Zeit bis ich mich mit den wichtigen Dingen wie Visum und Impfungen beschäftigte. Kurz vor Abflug las ich viele der Erfahrungsberichte und empfang diese als sehr hilfreich.

Visum

Für die Famulatur musste ich ein Non-Immigrant Visa des Subtyps ED beantragen. Dafür musste man das Visumsformular ausfüllen und vor Ort zusammen mit einem Passbild, dem Reisepass, dem Invitation letter (den bekam ich von der Partnerorganisation gemeinsam mit der Card of Acceptance zugeschickt) und diversen anderen Dokumenten vorzeigen. Es gibt verschiedene Botschaften, zu denen man gehen kann. Weil sie am nächsten lag, wählte ich die in Berlin. Ohne Termin oder Wartezeit übergab ich meine Dokumente inkl. Visumsgebühr von 60€ für ein Single Entry-Visa (150€ für multiple entry) an die nette Dame am Schalter. Sie meinte es könne sein, dass ich noch ein offizielles Schreiben von der Klinik bräuchte, aber letztendlich konnte ich auch ohne dieses zwei Tage später meinen Reisepass inklusive Visum wieder abholen. Man kann seine Unterlagen auch postalisch einreichen, aber das dauert laut Website mindestens vier Wochen und die hatte ich leider nicht mehr.

Gesundheit

Ungefähr 3 Monate vor Abflug ging ich zu meinem Hausarzt zur reisemedizinischen Beratung. Ich hatte mich auch schon im Internet auf diversen Seiten (CRM, auswärtiges Amt) über empfohlene Impfungen informiert. Da ich nicht nur in Bangkok bleiben wollte, sondern auch den Norden und Süden bereisen wollte, empfahl mir meine Ärztin nicht nur die typischen Reiseimpfungen Typhus, Tollwut und Japanische Enzephalitis, sondern auch noch Meningokokken. Die eigentlichen Impfungen zogen sich dann über einen Zeitraum von einem Monat und glücklicherweise übernahm meine Krankenkasse einen Großteil der Kosten.
In den Aufnahmebedingungen der Klinik stand noch, dass neben der Grundimmunisierung (Tetanus, Hep. A/B etc.) auch noch eine Influenzaimpfung erforderlich wäre. Diese hatte ich nicht und zu dem Zeitpunkt gab es auch keine Möglichkeit in Deutschland eine zu bekommen und so flog ich ohne. Geprüft hat das vor Ort keiner. Eine Freundin war jedoch in der Pädiatrie und sie musste sich tatsächlich vor Ort noch gegen Influenza impfen lassen.
Des Weiteren hatte ich eine kleine Reiseapotheke dabei. Unter anderem Ibuprofen, Buscopan, Loperamid, Desinfektionsmittel und NoBite-Spray waren darin enthalten. Moskitospray kann man aber am einfachsten vor Ort kaufen und sich beraten lassen, welches am wirksamsten ist. Eine Malariaprophylaxe hatte ich nicht genommen und auch keine Stand by-Medikation dabei. Bangkok an sich gilt als malariafrei, im Norden und Süden Thailands sind aber immer wieder Fälle zu verzeichnen. Vor Ort wurde mir dann gesagt, dass eher Dengue-Fieber die größere Gefahr (in der Stadt) darstelle, aber davon merkten wir nichts.

Sicherheit

Vor, nach und auch während meiner Famulatur reiste ich viel umher und fühlte mich zu jeder Zeit sehr sicher. Selbst als Frau hatte ich kein mulmiges Gefühl abends allein durch die Stadt zu laufen oder mit öffentlichen Verkehrsmitteln zu fahren.
Die letzten Tage vor meinem Heimflug verbrachte ich auf der Insel Koh Tao mit einer Freundin, von der uns erzählt wurde, dass sie auch als Todesinsel bekannt sei weil in den letzten Jahren dort mehrere Touristen ums Leben gekommen seien. Uns war etwas mulmig, als wir auf der Insel ankamen aber nach ein paar Minuten war der Unmut verflogen. Wir fühlten uns zu keiner Zeit irgendeiner Gefahr ausgesetzt und die Insel war eine der schönsten, die ich je gesehen habe.

Geld

Die thailändische Währung ist der Baht. Zu der Zeit, als ich dort war, betrug der Kurs ca. 1€ = 39Baht. Ich hatte in Deutschland circa. 100€ in Baht getauscht und einige Euro in bar dabei, welche ich vor Ort zu eindeutig besseren Konditionen getauscht habe. Am Flughafen Geld zu wechseln ist aber nicht zu empfehlen, da dort der Kurs bei weitem schlechter ist als bei den vielen Tauschstellen in der Stadt. Die meisten der anderen Studenten haben kaum Geld getauscht, sondern direkt vor Ort Geld abgehoben. Dabei sollte man beachten, dass einem bei jedem Abheben 220 Baht (ca. 5,50€) berechnet werden, sodass man lieber einmal eine größere Menge abheben sollte, als ständig viele kleinere. Ansonsten ist Thailand sehr günstig. Unterkünfte, öffentliche Verkehrsmittel, Essen, ja selbst Taxi fahren. In der Kantine der Klinik bekam man für umgerechnet einen Euro ein Mittagessen. Man sollte nur daran denken, dass man eigentlich überall bar zahlt und abgesehen von größeren Einkaufszentren oder Restaurants kaum Kartenzahlung angeboten wird.

Sprache

Die Landessprache ist thailändisch, aber in der Klinik und auch in den Touristenregionen kommt man mit Englisch ganz gut zurecht. Ich habe versucht etwas thailändisch zu lernen, aber das ist gar nicht so einfach. Hallo und Danke sollten aber auf jeden Fall zum Wortschatz gehören und die Thailänder freuen sich sehr, wenn man diese Worte kennt.

Verkehrsbindungen

Die Verkehrsanbindung in Thailand ist echt klasse! Ob nun innerhalb von Bangkok oder innerhalb des Landes selbst.
Die Lage der Klinik war sehr zentral, was wir im Nachhinein sehr zu schätzen wussten. Zu Fuß konnte man sehr schnell den Campus der Universität, diverse Shopping Malls und natürlich Lumphini Park erreichen. Ein paar Gehminuten entfernt konnte man in die BTS und die Metro einsteigen und auch Bushaltestellen gab es zur Genüge. Auch der große Flughafen ließ sich durch den Airportlink super schnell, einfach und günstig erreichen.
Wenn wir in einer größeren Gruppe unterwegs waren, bot es sich oft an eher ein Taxi zu nehmen. Dabei immer darauf bestehen, dass der Fahrer das Taximeter anschaltet. Aufgrund des Verkehrschaos innerhalb der Stadt, kommt es aber täglich zu Staus. Tuk Tuk fahren macht auch Spaß, vor allem wenn es sehr heiß ist und der Fahrtwind gut tut, ist aber oft vor allem für Touristen sehr teuer und eher unverhältnismäßig. Außerdem empfand ich es innerhalb der Stadt aufgrund des Smogs und der Autoabgase nicht besonders empfehlenswert. Ein (Motor)Bike Taxi habe ich in Bangkok nie genommen aufgrund der Fahrweise.
Was ich auch gut fand, waren die Expressboote, die man sich wie eine Art Wassertaxi vorstellen muss. Dadurch entgeht man dem chaotischen Verkehr auf den Straßen, aber es ist natürlich auf die Orte am Fluss beschränkt.
Wenn man genügend Zeit mitbringt, kann man auch das Bussystem in Bangkok nutzen. Eine Fahrt in einem nicht klimatisierten Bus kostet gerade einmal 6,50Baht! Die Busse halten sich jedoch nicht wirklich an einen Zeitplan und auch die richtige Haltestelle zu finden, an der man aussteigen muss, ist nicht immer einfach. Wenn man aber keinen Termin hat und genügend Zeit mitbringt, ist es auf jeden Fall ein Abenteuer wert. Innerhalb des Campus der Chulalongkorn University kann man auch die kostenlosen rosa Shuttle-Busse nutzen. Bus Nr. 3 hält auf dem Campus der Medizinischen Fakultät, bzw. vor der Klinik.
Aber nicht nur innerhalb Bangkoks, sondern auch innerhalb Thailands kommt man super einfach und vor allem super günstig von A nach B. Beispielsweise kann man selbst kurzfristige günstig Inlandsflüge buchen oder einen Zug nehmen. Fernbusse, Minivans usw. fahren an verschiedenen Bahnhöfen Bangkoks ab und lassen sich meist direkt vor Ort buchen. Um auf die Inseln im Süden zu kommen, bietet es sich an ein Kombiticket für Bus und Fähre im Voraus (z.B. online) zu buchen. Im Internet wird man mit etwas Recherche schnell fündig.

Kommunikation

Ja also die Sache mit der Verständigung. Die meisten Ärzte in der Klinik sprechen Englisch, wobei es da große Unterschiede gibt, wie gut. Vor allem die Aussprache fällt einigen schwer, aber die meisten bemühen sich wirklich sehr. Ein Großteil der medizinischen Fachbegriffe lernen die Thailänder auf Englisch. Auch die Studenten sind zumeist sehr gut im Englischen. Bei den Schwestern und Patienten ist es da schon schwieriger weil sie zum Großteil kein bisschen Englisch sprechen. Auch bei der Essensbestellung oder im Bus musste man eher auf Zeigen und Kommunikation mit Händen und Füßen ausweichen. Trotz der Sprachbarriere kommt man aber überall ans Ziel und kriegt meist noch ein Lächeln dazu.
Vor Ort kaufte ich mir von dtac eine Simkarte, mit der ich für die Zeit in Thailand super günstig mobiles Internet und auch ein paar Freiminuten hatte. Die meisten der anderen Mädels hatten eine Simkarte von true, welche etwas günstiger war als meine. Von den meisten Mobilfunkanbietern gibt es Pakete für Touristen, die man für verschiedene Zeiträume buchen kann.
Außerdem haben selbst in jeder Kleinstadt oder Provinz die meisten Cafés und Restaurants WLAN und auch in der Klinik und im Studentenwohnheim gab es (recht schnelles) Internet.

Unterkunft

Gemeinsam mit den anderen Austauschstudenten war ich im Studentenwohnheim keine drei Gehminuten von der Klinik untergebracht. Das wurde im Voraus vom LEO organisiert. Es gibt ein Wohnheim für die Jungs und eines für die Mädchen. Ich hatte mein Zimmer im 13. Stock mit einer atemberaubenden Aussicht auf Bangkok, an der ich mich nie sattsehen konnte. Mit zwei anderen Mädels teilte ich ein Viermannzimmer und war sehr zufrieden. Die Zimmer waren sauber und geräumig, die Betten groß und bequem und jeder hatte seinen eigenen Schreibtisch, Schrank und Kommode. Bettwäsche bekamen wir gestellt. Handtücher muss man selbst mitbringen. Dank Klimaanlage und Ventilator war es auch immer angenehm kühl. Duschen und Toiletten waren zur Gemeinschaftsnutzung, aber wirklich tadellos sauber und in Ordnung. Toilettenpapier musste sich jeder jedoch selbst besorgen. Es gab auch einen Gemeinschaftsraum mit Kühlschrank, Mikrowelle und Sitzgelegenheiten, leider aber keine Küche.
Der Eingang zum Wohnheim war mit einem Fingerabdrucksensor ausgestattet und um auf die jeweilige Etage zu kommen, hatte jeder seine eigene Etagen-Schlüsselkarte.

Literatur

Für die Famulatur selbst hatte ich keine konkrete Literatur dabei, sondern mein Ipad mit der Amboss-Bibliothek. Das war vollkommen ausreichend.
Vor der Reise hatte ich mir einen Lonely Planet Reiseführer ausgeliehen, den ich aber letztendlich nicht mitnahm, weil er mir zu schwer war. Ich hatte zuvor aber gründlich darin gelesen. Vor Ort habe ich dann vor allem im Internet und auf Reiseforen recherchiert, Einheimische gefragt und mir von anderen Reisenden Tipps geben lassen.

Mitzunehmen

Ich habe versucht mich auf das Nötigste zu beschränken und nahm einen großen Rucksack anstelle eines Koffers mit. In der Klinik sollte ich einen knielangen, dunklen Rock tragen, eine weiße Bluse und Lederschuhe tragen, sowie einen Kittel. Ein Stethoskop stand ebenfalls auf der Liste, habe ich aber nicht gebraucht. Ansonsten hatte ich sommerliche Klamotten dabei, Sportsachen und eine lange Hose für Tempel, sowie einen Pulli und ein Tuch für das Flugzeug. Mit Sonnencreme hatte ich mich daheim eingedeckt, sowie Moskitospray und einem Moskitonetz.

Reise und Ankunft

Meinen Flug buchte ich erst circa einen Monat zuvor und trotzdem fand ich den Preis recht fair. Für 620€ flog ich mit Lufthansa knapp 11h direkt von Frankfurt nach Bangkok. Ich landete bereits eine Woche vor Beginn meines Praktikums in Thailand, sodass ich mein Wohnheimzimmer noch nicht beziehen konnte. Mit dem Airportlink fuhr ich bis zur Endstation Phaya Thai (45 Baht) und stieg da in einen Bus in Richtung meines Hostels ein, der gerade einmal 6,50Baht kostete.
Bei der Heimreise nahm ich die Metro von der Klinik bis Ratchaprarop, wo ich dann in den Airportlink zum Flughafen umstieg. Das Ganze dauerte ungefähr 50min und kostete insgesamt nur 60Baht.
Meine Kontaktstudenten trafen sich vor Beginn der Famulatur mit mir und zeigten mir den Campus, checkten mich im Wohnheim ein und beantworteten alle meine Fragen.

Tätigkeitsbeschreibung und fachliche Eindrücke

An meinem ersten Famulaturtag brachten mich meine beiden Kontaktstudenten zum Sekretariat der Gynäkologie, wo ich meinen Stundenplan bekam. Ich war für die vier Wochen dem „green Team“ zugeteilt. In der Gyn/Geburtshilfe gibt es nämlich eine Art Rotationssytem und fünf Teams, bestehend aus Oberärzten, Professoren, Assistenzärzten und Studenten, die im Wechsel die verschiedenen Kliniken betreuen. Jede Woche hatte ich den gleichen Plan. Montags stand immer OP auf dem Programm, dienstags Kreißsaal, mittwochs Ambulanz, donnerstags war ich in der Family Planning Clinic und freitags in der Schwangerenvorsorge. Durch das Rotieren wurde es nie langweilig und trotzdem arbeitete man immer mit den gleichen Ärzten zusammen, was mir gut gefiel.
Vom medizinischen Standard her war ich positiv überrascht. Vor allem im OP konnte ich kaum Unterschiede erkennen. Fachlich hatte ich den Eindruck waren die Ärzte auf einem sehr hohen Level und selbst die Assistenzärzte im ersten Jahr waren bereits super ausgebildet und konnten eigenständig arbeiten. Im OP konnte ich einige Operationen sehen, die ich in Deutschland wohl nicht zu Gesicht bekommen hätte. Von außergewöhnlichen Tumoroperationen, bis selbst kreirten Operationsmethoden zu einem Kaiserschnitt bei einem Fetofetalen Transfusionssyndrom.
Im Kreißsaal war ich doch recht überrascht, dass die werdenden Mütter ihre Lebensgefährten nicht mitbringen durften und es keine Hebammen, sondern nur eine Menge Schwestern und viele Ärzte gab. Allgemein war der Personalschlüssel sehr hoch und überall waren sehr viele Studenten anwesend.
Auch die Ambulanz empfand ich als sehr anders. In Thailand gibt es kaum niedergelassene Ärzte, sodass ein Großteil der Krankenversorgung im Krankenhaus stattfindet. Zum OPD – dem Out-patient Department kam also eine riesige Menge an Patientinnen, zum Teil nur zum ganz normalen Check-up. In 16 Arztzimmern wurden parallel die Patienten abgearbeitet und auch die Studenten im vierten und sechsten Studienjahr wurden aktiv mit einbezogen. Allgemein hatte ich das Gefühl, dass die Studenten einen hohen Anteil praktischer Ausbildung genießen und sehr viele Stunden in der Klinik verbringen und zum Teil sogar eigene Patienten betreuen (natürlich immer unter Beobachtung von Ärzten). Was mir auch immer öfter auffiel, waren kulturelle Unterschiede. So fand ich es zum Beispiel seltsam, dass bei der Untersuchung auf dem gynäkologischen Stuhl ein Vorhang vor das Gesicht der Frau gezogen wurde. Mir wurde das so erklärt, als sei ihnen die Prozedur unangenehm und sie wollen ihr Gesicht vor Scham verstecken. Auch bei Operationen oder kleineren Eingriffen, wie der Implantation eines Hormonstäbchens in den Arm bekamen die Frauen ein Tuch über die Augen gelegt.
In der Family Planning Clinic ging es, eher anders als der Name erwarten lässt, vor allem um Verhütung. Viele der Patientinnen kamen zur Einlage/Entfernung eines IUD oder eines Hormonstäbchens. In der Schwangerenvorsorgeabteilung wurden dann vor allem der Fundusstand und die Herztöne des Kindes gemessen und Gespräche geführt, aber kaum Ultraschall angewendet.
Außerdem gab es zweimal wöchentlich eine „Grand Round“, die eher eine Art Besprechung war, in der die Assistenzärzte den Oberärzten Patienten vorstellten, bei denen sie einen Rat zur Betreuung, bzw. Versorgung benötigten. Leider war das Ganze immer auf Thai und nur wenn ich Glück hatte, fand sich jemand, der für mich übersetzte. Des Weiteren gab es einmal wöchentlich eine Konferenz, bei der ein interessanter Fall vor dem gesamten Gynäkologenteam vorgestellt wurde. Ebenfalls leider nur auf Thai aber dank englischer Folien und netter Sitznachbarn konnte ich zumindest nachvollziehen, um was es ging. Einmal die Woche hatte ich eine Unterrichtsstunde mit dem Medizinstudenten aus dem vierten Semester, die ganze zehn Wochen Gyn/Geburtshilfe-UaK haben. In der Stunde besprachen wir gemeinsam mit einem der Oberärzte einen Fall. Die gleiche Studentengruppe traf ich fast täglich in den verschiedenen Bereichen wieder und sie halfen mir sehr, indem sie mir Dinge übersetzten oder auf Englisch erklärten. Allesamt waren super hilfsbereit und vor allem fleißig.
Normalerweise begann mein Tag meist um 9 und endete in der Regel schon zwischen um 12 und um 1. Ich hatte aber die Möglichkeit am Nachmittag an einigen der Spezialsprechstunden teilzunehmen, welche ich auch das ein oder andere Mal in Anspruch nahm.
Als Austauschstudentin war ich aber vor allem ein Besucher und schaute meist nur zu. Gegen Ende durfte ich auch einige Patientinnen untersuchen und natürlich so viele Fragen stellen, wie ich mochte. Das ganze Team war sehr hilfsbereit und erklärte mir viel. Insgesamt stand meiner Meinung nach aber eher der kulturelle Austausch im Vordergrund und nicht das Fachliche.

Land und Leute

Vor meiner Ankunft hatte ich schon sehr viel Positives über Thailand gehört und kann das alles eigentlich nur bestätigen.
Auch abseits von der Klinik gab es sehr viel zu entdecken. Da ich bereits eine Woche vor Famulaturbeginn ankam, nutzte ich die Zeit um den Norden Thailands zu erkunden. Ein paar Wochen zuvor hatte ich einen günstigen Flug nach Chiang Mai gebucht und verliebte mich sofort in die kleine Stadt. Von dort fuhr ich auch in das Bergdorf Pai, das mich genauso faszinierte.
Bangkok ist natürlich auch ein Abenteuer für sich. Selbst nach vier Wochen in der verrückten Stadt hatte ich nicht das Gefühl mich auszukennen oder annähernd alles gesehen zu haben. An das Verkehrschaos, den Lärm, den Smog und die vielen Menschen muss man sich gewöhnen, aber an jeder Ecke gibt es so viel zu entdecken! Von tollen Tempeln, süßen Märkten, tollen Essensständen und Coffeeshops über Chinatown bis hin zu Floading Markets gibt es unendlich viel zu sehen. Was mir besonders gut gefiel, war eine geführte Fahrradtour (Co van Kessel Bikes) durch Bangkok, auf der man den typischen Touristenregionen entflieht und das „wahre Bangkok“ entdeckt.
Absolutes Muss ist meiner Meinung nach der Besuch einer Rooftopbar. Wir entschieden uns für die Vertigo Moon Bar auf dem Banyan Tree Hotel, welche nur 2km von der Klinik entfernt war. Kurz vor Sonnenuntergang kamen wir an und der Ausblick war einfach traumhaft. Getränke sind natürlich unfassbar teuer aber man bezahlt eben für die Aussicht. Ein weiteres Mal gingen wir zu einer kleineren Rooftop Bar, der Eagle Nest Bar, von wo aus man einen tollen Blick auf den Tempel Wat Arun hat, der nach Sonnenaufgang erleuchtet. Absolute Empfehlung! Zeitiges Erscheinen und der Blick auf einen möglichen Dresscode lohnen sich.
Die meisten Wochenenden nutzen wir, um die Gegend um Bangkok herum zu erkunden. Beispielsweise fuhren wir nach Ayutthaya, der ehemaligen Hauptstadt, die tolle Tempel(ruinen) zu bieten hat. Auch Kanchanaburi und der Erawan Nationalpark sind tolle Ziele für einen Wochenendausflug und mit dem Zug, Bus oder Minivan leicht zu erreichen und bieten eine schöne Abwechslung vom hektischen Stadtleben.
Nach Ende meiner Famulatur hatte ich noch eine knappe Woche Zeit und fuhr in Richtung Süden auf die beiden Inseln Koh Tao und Koh Phangan und genoss die letzten Sonnenstrahlen, bevor es wieder nach Deutschland zurück ging.
Die Thailänder habe ich als sehr herzlich kennen gelernt, die, wenn man ihnen nett begegnet, sehr hilfsbereit und freundlich sind und einem immer ein Lächeln schenken. Als Tourist muss man aber immer darauf achten, nicht über´s Ohr gehauen zu werden.
Das Essen fand ich super. An jeder Ecke bekam man Streetfood und auch in der Kantine der Klinik war das Essen recht gut und vor allem günstig. Zur Abwechslung aßen wir ein paar Mal bei Sizzler, einer amerikanischen Kette, an der All you can eat Salad Bar, die nicht nur köstliche Salate, sondern auch frische Suppen, Obst und Desserts zu bieten hat – und das alles für nicht einmal 4€. Sehr empfehlenswert!
Ansonsten spielt das Königshaus eine sehr große Rolle bei den Thailändern. Überall sieht man große Banner mit dem Bild des Königs und zu bestimmten Zeiten wird die Hymne auf den Straßen, bzw. öffentlichen Plätzen gespielt. So auch im Kino vor Beginn des Films! Im Krankenhaus gibt es sogar eine eigene Etage für das Königshaus und als ich vor Ort war, war die Königin auch einige Tage stationär, was man durch verstärkte Sicherheitsauflagen bemerkte.

Fazit

Alles in Allem war die Zeit wirklich wunderschön und durch die anderen Austauschstudent(inn)en, die liebe Betreuung durch das Ärzteteam und meine Kontaktstudenten und natürlich auch durch meine Reisen wird mir der Aufenthalt in Thailand für immer in guter Erinnerung bleiben. Die Klinik war (zum Großteil) sehr modern, das Wohnheim super, die Lage sehr zentral und die Famulatur hat wirklich viel Spaß gemacht. Es war auf jeden Fall eine tolle Erfahrung und ich kann es nur jedem empfehlen, der überlegt ans Chulalongkorn Hospital zu gehen.

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