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Indonesia (CIMSA-ISMKI)

Pädiatrie - SCOPE (Famulaturaustausch)
von Franziska, Bochum

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Motivation

Für mich stand schon seit Beginn des Studiums fest, dass ich gerne die Möglichkeit wahrnehmen möchte eine Famulatur im Ausland zu machen. Durch die Möglichkeit die Famulatur mit dem Besuch von Freunden in Jakarta zu verbinden, fiel die Entscheidung letztendlich auf Indonesien, Surabaya. Ich war schon zuvor in Indonesien, allerdings nur zum Reisen und habe mich gefreut Land und Leute jetzt nochmal ein bisschen besser kennenzulernen.

Vorbereitung

Die Vorbereitung lief recht unkompliziert zunächst mit der bvmd und dann der IFMSA. Ich konnte auch meine Fachrichtung noch problemlos kurzfristig ändern und alle waren sehr hilfsbereit. Ich habe nicht an einem Outgoing-Program teilgenommen mich aber durch ein bisschen Internet-Recherche trotzdem gut auf meinen Aufenthalt vorbereitet gefühlt.

Visum

Ich habe bei Einreise zunächst das Visa on Arrival bekommen. Dieses kann man dann vor Ort nochmals für einen Monat verlängern lassen. Allerdings war das in Surabaya etwas aufwendiger als erwartet. Ich musste dreimal im Immigration Office vorstellig werden. Zunächst zur Beantragung, dann nochmal für Fotos und Fingerabdrücke und zum Schluss zur Abholung meines Passes. Die Verlängerung kostet ca. 25 Euro. Ich war vor meiner Abreise leider nicht lange in Deutschland und habe mich daher für diesen Weg entschieden. Im Nachhinein denke ich, dass es vielleicht weniger aufwendig wäre sich direkt ein längeres Visum in Deutschland zu besorgen.

Gesundheit

Standardimpfungen sind natürlich auch in Indonesien zu empfehlen. Ich musste meinen Hep-A Schutz nochmal auffrischen lassen und vielleicht wäre Tollwut auch eine sinnvolle Idee. Vor allem wenn es danach noch auf Reisen gehen soll.
Allgemein sollte man sich in Indonesien mit Mücken-Spray eindecken, gerade im Hinblick auf Dengue-Fieber. In Surabaya selber wurde ich nicht allzu häufig gestochen, aber wenn man die Stadt verlässt, sollte man es mit dem Insekten-Schutz ein bisschen genauer nehmen.

Sicherheit

Ich habe mich die ganze Zeit eigentlich sehr sicher gefühlt, obwohl mir häufig gesagt wurde, dass ich bei Dunkelheit nicht alleine unterwegs sein soll. Man sollte schon darauf achten mit den offiziellen Taxis und Motorrädern unterwegs zu sein. Da empfiehlt sich in Surabaya die App Go-Jek mit der man einfach per Handy Taxi oder Moped bestellen und die Fahrer danach auch direkt bewerten kann.

Geld

Gezahlt wird in Rupiah (1 Euro = 17.000 Rp) Man kann fast überall mit Kreditkarte bezahlen und Geld abheben war auch nie ein Problem, wenn auch häufig max. 1.250.000 Rupiah.
Grundsätzlich ist in Indonesien fast alles günstiger. Im Krankenhaus konnte man gut für ca. 15.000 Rupiah Mittag essen, also für weniger als 1 Euro.

Sprache

Ich habe mir vor der Anreise einige Wörter in Bahasa angeeignet. Die Studierenden vor Ort sprechen alle gut Englisch und auch viele der Lehrenden. Zunächst hieß es, dass z.B. der Morning Report und andere Seminare in Englisch stattfinden werden, allerdings wechselte die Sprache dann meist doch innerhalb weniger Minuten zum Indonesischen und ich konnte leider nicht immer folgen.

Verkehrsbindungen

In Surabaya nutzt fast jeder Go-Jek oder die App Crab um von A nach B zu kommen. Man kann sich ein Moped bestellen oder ein Taxi und der Preis wird einem vorher auf dem Handy angezeigt, sodass man auch als Ausländer nicht so einfach über den Tisch gezogen werden kann.
Ich konnte zum Glück von meinem Haus zum Krankenhaus laufen, sodass ich dort nicht auf Verkehrsmittel angewiesen war.

Kommunikation

Ich habe mir eine indonesische Sim-Karte besorgt und mein Guthaben mit MyTelkomsel aufgeladen, das hatte mir eine Freundin empfohlen. Man kann mit der App einfach sein Guthaben je nach Bedarf aufladen und der Anbieter ist auch ziemlich günstig. Fast jeder nutzt WhatsApp oder Instagram um zu kommunizieren.

Unterkunft

Ich war in einem sogenannten Kos untergebracht, ganz in der Nähe des Campus und des Krankenhauses. Dort hat eine sehr nette und hilfsbereite Familie einige Zimmer im Haus an Studenten vermietet. Ich hatte eine eigenes Zimmer mit Bad und ganz wichtig Klimaanlage. Das Wasser war zwar kalt, aber bei den Temperaturen muss man nun auch wirklich nicht warm duschen. Die Küche durfte ich theoretisch mit nutzen, incl. Kühlschrank.

Literatur

Ich hatte meinen Indonesien Lonely-Planet dabei. Ansonsten kann ich zum Reisen die App Traveloka empfehlen. Die benutzen die Indonesier selbst auch und man kann einfach Flüge, Züge und Hotels buchen.
Ich hatte mir auch noch ein bisschen was zum Lesen für die Pädiatrie eingepackt, was ganz gut für freie Stunden im Krankenhaus war.

Mitzunehmen

Luftige Klamotten. Im Krankenhaus gab es einen Dress-Code, der beinhaltete Oberteile mit Kragen, lange Hosen (keine Jeans) und natürlich feste Schuhe. Kittel und Stethoskop sollte man auch dabei haben.
Ich muss sagen ich hatte wenig Probleme mit Mücken, aber generell ist natürlich Insektenspray zu empfehlen, gerade auch wegen Dengue-Fieber.
Ansonsten natürlich alles was man für jeden andere Reise in ein tropisches Land auch einpacken würde.

Reise und Ankunft

Ich bin mit Thai-Airways über Bangkok nach Jakarta geflogen und dann von dort weiter mit Garuda nach Surabaya. Ist gibt sehr viele günstige Airlines die Inlandsflüge in Indonesien anbieten. Mir wurde immer von Lion-Air abgeraten und es gab auch genug günstige Alternativen.
Am Flughafen wurde ich von meinem LEO abgeholt und sicher zu meiner Unterkunft begleitet.

Tätigkeitsbeschreibung und fachliche Eindrücke

Ich war in der Pädiatrie im Dr. Soetomo Hospital in Surabaya. Das Krankenhaus ist das größte in Ost-Java und dementsprechend sehr groß. Viele Patienten kommen von weit her. Gerade Fälle, die in kleineren Krankenhäusern auf dem Land nicht behandelt werden können sammeln sich somit dort.
Die Patienten werden in verschiedene Klassen unterteilt, je nach Versicherungs-Status. Die Studierenden sind eigentlich nur in dem Haus unterwegs in dem die Patienten mit einem niedrigen Versicherungsstatus behandelt werden, dementsprechend sieht man dort meist die niedrige soziale Schicht der Gesellschaft.
An meinem ersten Tag durfte ich mir für jede meiner 4 Wochen eine Abteilung der Pädiatrie aussuchen. Ich habe mich für Tropenmedizin, Gastroenterologie, Pulmologie/Allergien und Neonatologie entschieden.
Ein normaler Tag begann gegen 7.30. Spätestens dann mussten alle Studierenden die Anwesenheitsliste unterschrieben haben. Anschließend fand der Morning-Report mit allen Studierenden der Rotation Pädiatrie statt.
Im Anschluss ging es dann in die Kleingruppen. Es gab immer einen Verantwortlichen in jeder Gruppe der mit dem verantwortlichen Arzt die Aufgaben für die Wochen abgeklärt hatte. Allerdings hatte ich den Eindruck, dass die Studierenden da den Ärzten viel hinterherrennen müssen. Viele Diskussionen oder Vereinbarungen wurden kurzfristig per Whatsapp von den Ärzten abgesagt, sodass es manchmal keine richtigen Aufgaben für unsere Gruppen gab.
Dennoch: In allen Bereichen waren die Ärzte immer sehr freundlich und interessiert.
Für die Studierenden vor Ort ist die Rotation in der Pädiatrie eine durchaus stressige Zeit. Sie müssen zusätzlich zu dem normalen Unterricht Nachtschichten in den jeweiligen Abteilungen machen (ohne Entlohnung versteht sich) und müssen trotz Nachtschicht normal am Lehrplan des nächsten Tages teilnehmen. Diese Nachtschichten sind teilweise 2* die Woche. Im Morning-Report stellen die Studierenden dann die Fälle aus der Notaufnahme am nächsten morgen vor.

Aufgrund des Tatsache, dass auch viele des Assistenzärzte sehr überlastet waren, blieb immer wenig Zeit für tatsächlichen Unterricht. Daher mussten wir uns häufig selbst Aufgaben suchen oder wir sind in die Bibliothek gegangen.
Außerdem fanden die Seminare oder Präsentationen des Studierenden häufig auf Bahasa statt, sodass ich dann nur wenig bis gar nichts verstanden habe. Es hat mir zwar immer jemand grob übersetzt worum es geht, aber inhaltlich war das dann häufig ein bisschen zu viel zum übersetzen.
Es haben sich aber immer alle viel Mühe gegeben mir interessante Fälle zu zeigen.

Land und Leute

Die Menschen in Indonesien sind super freundlich und das Land ist zum Reisen einfach super. Auch im Krankenhaus haben sich alle sehr lieb um mich gekümmert.
Die Organisation von SCOPE vor Ort lies etwas zu wünschen übrig. Ich war zu dem Zeitpunkt die einzige international Studierende und die einheimischen Studierenden hatte alle viel zu tun mit ihren Klausuren, was ich gut verstehen kann. Allerdings wäre vielleicht ein Hinweis vorher schön gewesen, dass es keine anderen internationalen Studierenden gibt und das Social program nicht besonders viel bieten wird. Möglicherweise hätte ich mich dann doch für eine andere Stadt entschieden.

Außerdem muss man sagen, dass Surabaya eine riesige Stadt ist mit viel Verkehr und Lärm. Eine typische asiatische Großstadt einfach. Spazieren gehen ist in großen Indonesischen Städten so gut wie nicht möglich und man ist fast immer auf ein Taxi oder Moped angewiesen. Die Attraktionen und das Freizeitprogramm beschränken sich im Grunde auf die Malls, von denen gibt es allerdings so einige. Ansonsten hat Surabaya touristisch nicht allzu viel zu bieten. Wir waren mal am Hafen und in der Moschee und haben die anderen Sehenswürdigkeiten abgeklappert.

Indonesien ist das Land mit der weltweit größten Anzahl an Muslimen. Dementsprechend ist das alltägliche Leben natürlich stark vom Islam geprägt.
Auf unseren Ausflügen haben wir häufig Pausen gemacht zum Beten und auch im Krankenhaus war das natürlich Teil des ganz normalen Ablaufs. Für mich war es spannend zu sehen, wie stark Religion das alltägliche Leben mit beeinflussen kann, besonders, da Religion in Deutschland ja nicht so präsent ist im alltäglichen Leben.

Die indonesische Küche ist wirklich vielseitig und lecker. Wenn auch häufig sehr sehr scharf. Man kann überall günstig was zu essen bekommen und mit der Zeit gewöhnt man sich natürlich auch an die Schärfe. Ein traditionelles Essen aus Surabaya ist Gado-Gado, ein indonesischer Salat mit Erdnusssoße. Wer zwischendurch mal etwas westliche Küche genießen will, wird in jeder der ca. 1000 Malls natürlich auch fündig.

Wie bereits erwähnt war ich etwas enttäuscht von der Betreuung und Tatsache, dass ich die einzige international Studierende in dem Monat in Surabaya war.
Trotzdem habe ich mit einigen Leuten ein paar schöne Ausflüge gemacht z.B. nach Malang, Jakarta, Yogyakarta, Mt. Ijen und Mt. Bromo. Meine geplante Reise im Anschluss musste ich aus familiären Gründen leider abbrechen, aber auch die Komodo-Inseln, Bali, Lombok sind nicht weit und innerhalb weniger Flugstunden einfach zu erreichen.

Fazit

Ich kann jedem nur empfehlen eine Auslandsfamulatur zu machen. Selbst wenn ich fachlich vielleicht nicht so viel gelernt habe habe ich doch einen Einblick in ein ganz anderes Gesundheitssystem bekommen und Krankheitsbilder gesehen, die wir hier gar nicht oder nur selten zu Gesicht bekommen.
Der Austausch hat mir viele neue Eindrücke beschert und ich durfte tolle Menschen kennenlernen.

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