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Ecuador (IFMSA-Ecuador)

Innere - SCOPE (Famulaturaustausch)
von Isabella, Halle

Motivation

Es war schon seit langem mein Traum eine Famulatur im Ausland zu machen. Ein Auslandsaufenthalt ist immer etwas ganz anderes, als eine Famulatur zu Hause und so erhoffte ich mir eine Menge neuer Erfahrungen. Ich hatte schon vorher eine Famulatur über die bvmd organisiert, die mir so gut gefallen hat, dass ich diese Erfahrung sehr gerne wiederholen wollte. Südamerika hatte ich mir ausgesucht, da ich mein Spanisch verbessern wollte. Dass die Wahl dabei auf Ecuador fiel, war eher zufällig. Ich wusste vorher nichts über das Land, aber je mehr ich erfahren sollte, desto besser sollte es mir gefallen.

Vorbereitung

Ich wusste im Vorfeld nichts über Ecuador. Daher gehörte es zu einer Vorbereitung ein bisschen über das Land zu recherchieren. Der Ablauf der Bewerbung bei der bvmd war mir von meinem vorherigen Austausch bereits geläufig. Die Organisation hat super geklappt. Über das IFMSA-Portal mussten dann nur noch einige Dokumente hochgeladen werden und dann hieß es warten.

Visum

Für Ecuador benötigt man kein Visum. Man kann sich als Tourist bis zu 90 Tage im Land aufhalten und bekommt einfach bei Einreise einen Stempel in den Pass. Das Einzige, was man jetzt beachten muss, ist, dass bei Einreise neuerdings ein Nachweis der Auslandskrankenversicherung für den Aufenthalt gefordert wird. Allerdings hat das bei mir keinen interessiert. Aber besser man hat einen, als dass man an der Grenze abgewiesen wird.

Gesundheit

Ich habe mich vor der Reise im Internet beim Tropeninstitut informiert, welche Impfungen man machen lassen sollte vor der Reise. Ich habe mich dann für eine Gelbfieberimpfung und die Impfung gegen Tollwut entschieden. Ob ich das wirklich gebraucht hätte, weiß ich nicht, aber ich wollte lieber auf Nummer sicher gehen. Malaria kommt in Ecuador zum Glück nicht vor, also muss man sich deswegen keine Sorgen machen.

Sicherheit

Ich hatte vor meiner Reise einige Bedenken, was die Sicherheit betraf. Wenn man sich die Informationen auf der Seite des Auswärtigen Amts durchliest, hört sich das alles auch ganz furchtbar an. Vor allem sollte man auf Taschendiebe achten. Mir persönlich wurde nichts gestohlen, aber ich habe viele Reisende getroffen, denen das Handy geklaut wurde. Insbesondere in Bussen und in den Großstädten sollte man entsprechend gut auf seine Wertsachen aufpassen. Ansonsten sollte man nicht alleine im Dunkeln unterwegs sein, da nachts die Straßen unsicherer werden. Das betrifft aber vor allem die Zeit nach 22 Uhr, zu der man sich immer ein Taxi nehmen sollte. Tagsüber kann man in den meisten Vierteln zu Fuß herumlaufen, aber es gibt z.B. auch in Quito einige Bereiche, die man eher meiden sollte. Die Einheimischen warnen einen auch davor.

Geld

In Ecuador wird der US-Dollar als Zahlungsmittel genutzt. Geld abheben geht an den vielen Geldautomaten problemlos. Ich hatte mir aber trotzdem für den Anfang ein bisschen Geld aus Deutschland mitgenommen. In Ecuador wird eigentlich überall bar gezahlt. Kreditkarten werden im Prinzip nur in den großen Supermärkten akzeptiert.

Sprache

Die Landessprache in Ecuador ist Spanisch. Diese sollte man auch einigermaßen beherrschen, denn sonst wird es wirklich schwierig im Land klarzukommen. Es gibt eigentlich kaum jemanden, der Englisch spricht. Das Spanisch ist etwas anders, als das in Spanien Gesprochene, aber insgesamt sehr gut zu verstehen, im Vergleich zum Rest von Südamerika.

Verkehrsbindungen

Das Hauptverkehrsmittel in Ecuador sind Busse. In jeder Stadt gibt es ein Busterminal, von dem aus überregionale Busse in andere Städte fahren. Die größeren Städte werden dabei mehrmals täglich angefahren. Die Busse sind sehr günstig. Man bezahlt ungefähr 1-2$ pro Stunde Fahrzeit. Innerhalb der Städte gibt es ebenfalls Busse, die für gewöhnlich 30 Cent kosten. Die Kunst ist nur herauszufinden, wann und wo diese hinfahren. Pläne gibt es nämlich keine. Es gibt Haltestellen, allerdings kann man den Bus auch überall anders heranwinken und ein- und aussteigen. In Quito gibt es zusätzlich noch drei andere Busse- Metrobus, Trolebus und Ecovia-, die auf festen Routen mit festen Haltestellen verkehren. Die Busse sind relativ sicher, solange man gut auf seine Wertsachen achtet. Wenn man mit Gepäck unterwegs ist, sollte man allerdings lieber ein Taxi nehmen. Diese sind im Vergleich zu Deutschland sehr billig.

Kommunikation

Ich hatte in meiner Unterkunft WLAN, weshalb die Kommunikation kein Problem war. Sehr vieles wird in Ecuador per Whatsapp geregelt. Daher habe ich mir an meinem zweiten Tag eine hiesige Simkarte von tuenti besorgt. Man kann 5 oder 10 Dollar aufladen und mit einem entsprechenden Tarif einen Monat im Internet surfen.

Unterkunft

Während meines Austausches habe ich bei einer Gastfamilie gewohnt. Diese war von der Austauschorganisation in Ecuador organisiert worden. Ich habe mit einer Medizinstudentin aus Manta und ihrer Familie in einem Haus gelebt. Dort hatte ich mein eigenes Zimmer. Die Gastfamilie war sehr nett und ich habe mich sehr wohl gefühlt. Es wurde auch immer für mich gekocht, sodass ich rundum versorgt war.

Literatur

Ich habe mir einen Reiseführer für Ecuador besorgt. Außerdem hatte ich noch ein Buch mit medizinischen Wörtern auf Spanisch. Das hat mir im Krankenhausalltag ganz gut geholfen. Außerdem findet man im Internet einige Seiten (z.B: latinbus.com) auf denen Buslinien aufgeführt sind. Diese Informationen sind aber mehr zur Orientierung. Am besten findet man das am jeweiligen Busterminal heraus.

Mitzunehmen

Ich hatte eine Menge Sachen für das Krankenhaus mitgenommen, weil ich mir nicht sicher war, was dort an Kleidung gefordert ist. Die dortige Organisatorin meinte zu mir, ich solle unbedingt einen blauen Kasack haben, weil das Vorschrift für Studenten sei. Letztlich hat aber der normale weiße Kittel gereicht.
Wichtig mitzunehmen ist Sonnencreme. Die Sonne am Äquator ist sehr stark und Sonnencreme hier zu kaufen ist sehr teuer. Ansonsten hatte ich noch Insektenspray mit, welches sich vor allem während meines Amazonasausflugs bewährt hat. In Manta war das eher nicht nötig, aber je nach Jahreszeit gibt es auch dort sehr viele Moskitos.
Ansonsten sollte man neben den persönlichen Sachen an den Steckdosenadapter denken. Die Steckdosen entsprechen denen in den USA. Manchmal passen aber auch die deutschen Stecker.

Reise und Ankunft

Die Anreise war in meinem Fall etwas kompliziert. Dies hatte allerdings nichts mit der Organisation zu tun, sondern war der Fluggesellschaft geschuldet. Ich hatte für meine Hinreise einen Flug von Berlin über Amsterdam nach Quito gebucht. Von dort sollte es dann mit dem Bus nach Manta gehen. Kurz vor Abreise wurde mir aber mitgeteilt, dass mein Flug storniert worden sei. Daher konnte ich erst einen Tag später über Madrid nach Quito fliegen. Um rechtzeitig da zu sein, habe ich dann kurzfristig einen Flug von Quito nach Manta gebucht. Ich hatte schon vorher Kontakt mit meiner Gastfamilie, weshalb ich dieser alles rechtzeitig mitteilen konnte. Am Flughafen wurde ich auch von meiner Austauschpartnerin und ihrem Vater in Empfang genommen.
Eigentlich sollte es gleich am nächsten Tag mit dem Praktikum losgehen. Es stellte sich aber heraus, dass noch einiges zu organisieren war, weshalb es erst Dienstag losging und ich Montag frei hatte. So war mir zum Beispiel bis zu meiner Ankunft nicht ganz klar, in welchem Krankenhaus und in welchem Fachgebiet ich arbeiten würde. Das durfte ich mir bei Ankunft aussuchen. Außerdem gab es wohl noch einige Formalitäten zu regeln, was aber alles meine Gaststudentin für mich übernommen hat. Sie ist auch am ersten Tag mit mir zum Krankenhaus gekommen und hat mich dem verantwortlichen Arzt vorgestellt. Außerdem hat sie mich die ersten Tage abgeholt um sicherzugehen, dass ich weiß, welche Busse ich nach Hause nehmen muss.
Den ersten Tag in Ecuador hatte ich frei. Den habe ich genutzt um mit meiner Gastfamilie die Innenstadt von Manta anzuschauen.

Tätigkeitsbeschreibung und fachliche Eindrücke

Ich war während der gesamten Famulatur im Bereich der Infektiologie tätig. Diese hatte im Krankenhaus eine eigene Station zur Isolation der Patienten, war aber ansonsten der Inneren zugeordnet. Ich war am ersten Tag Dr. Morales, einem Facharzt für Infektiologie, vorgestellt worden, den ich den ganzen Monat über begleiten sollte. Der Tag begann für mich immer um acht auf Station. Dort machten wir zunächst die Visite. Jeder Facharzt hatte dabei bestimmte Patienten auf Station, die er sehen musste. Wir haben also nicht die ganze Station betreut, sondern nur einzelne Patienten auf der Infektionsstation sowie auch auf anderen Stationen. Dr. Morales hat mir zu jedem Patienten immer das Krankheitsbild und den Grund für den Krankenhausaufenthalt erklärt. Nach der Visite mussten die Anordnungen dann in der Papierakte festgehalten werden. Später war dies dann meine Aufgabe und wurde nur noch abschließend vom Arzt kontrolliert. Nach der Visite hatten wir erstmal Pause bis sog. Interconsultas kamen. Dies sind Konsilanforderungen anderer Fachrichtungen. So waren wir oft in der Notaufnahme um dort einen Patienten mit zu betreuen. Montag bis Mittwoch hatte Dr. Morales nachmittags eine Ambulanzsprechstunde. Dort haben wir vor allem Patienten mit HIV betreut, die zu ihren Kontrollterminen kamen.
Leider gab es für mich nicht viel Praktisches zu tun. Ich durfte ab und zu die Patienten untersuchen und die Akten schreiben. Trotzdem habe ich viel gelernt, da Dr. Morales mir zwischendurch jeden Tag etwas Theorie erklärt hat. So haben wir die ganzen Patienten und Krankheiten, die ich im Laufe des Tages gesehen habe, nachbesprochen.
Mit den anderen Studenten hatte ich nichts zu tun. Da zu dem Zeitpunkt Ferien waren, waren nur die Internados, also PJler, anwesend. Diese hatten allerdings ihre spezifischen Aufgaben und waren sehr beschäftigt. Generell ist die Aufgabenverteilung streng festgelegt. So haben Studenten und Assistenzärzte sehr viel zu tun, während die Fachärzte eher weniger arbeiten. So war zumindest mein Eindruck.
Die Verständigung im Krankenhaus klappte auf Spanisch ganz gut, sodass ich das Meiste verstanden habe. Auch hier sprach allerdings keiner englisch.
Das Gesundheitssystem in Ecuador teilt sich in ein privates und ein öffentliches System, wobei der Unterschied wohl eher in den Wartezeiten, als in der Qualität der Behandlung liegt. Ich war in einem öffentlichen Krankenhaus in Manta tätig. Dieses war während des Erdbebens 2016 stark beschädigt worden. Daher war vieles noch improvisiert bzw. funktionierte nicht. So gab es im Krankenhaus kein CT-Gerät mehr und die Patienten mussten nach außerhalb. Generell war jegliche Diagnostik, selbst Laboruntersuchungen mit langer Wartezeit verbunden und man musste manchmal mehrere Tage auf Laborergebnisse warten. Medikamente waren auch nicht immer alle verfügbar. Dr. Morales erklärte mir z.B. bei der Behandlung eines HIV Patienten mit Tuberkulose, dass nach Leitlinie ein Antibiotikum indiziert wäre, welches aber in Ecuador nicht verfügbar sei. Daher musste die Therapie entsprechend angepasst werden. Zusätzlich gilt es auch immer eine Menge bürokratischer Hürden zu überwinden und Begründungen zu schreiben für die Notwendigkeit der Verordnung bestimmter Medikamente.

Land und Leute

Während meines Aufenthaltes habe ich vor allem am Wochenende Ausflüge unternommen. Dabei habe ich 2 Wochenenden am social program teilgenommen. Dies wurde von der Gastgeberorganisation veranstaltet. Dabei konnten wir im Vorfeld für verschiedene Ausflüge abstimmen. Letztlich wurden dann jeweils ein Wochenende in Banos, Manta und Cuenca angeboten. Da mein Austausch erst Mitte August begann, konnte ich nur an den letzten teilnehmen. Das Wochenende in Manta begann mit einem Ausflug nach Puerto Lopez. Diese kleine Stadt liegt etwa 1,5 Stunden südlich von Manta und ist bekannt für ihren schönen Strand und die vorbeiziehenden Wale. Nach einem kurzen Aufenthalt am Strand von Los Frailes ging es dann zusammen mit den anderen Incomings auf eine whale watching Tour. Sonntags haben wir die Stadt Manta besichtigt. Das ganze Wochenende war sehr gut organisiert- von Transport, über das Essen bis hin zur Unterkunft für die Studenten aus anderen Städten- war für alles gesorgt. Es war sehr spannend, die anderen internationalen Studenten kennenzulernen. Die meisten waren in Quito zum Praktikum, einige aber auch in anderen Städten in Ecuador.
Das zweite Wochenende habe ich in Cuenca verbracht. Hier habe ich einige der Studenten vom letzten Wochenende wieder getroffen. Einige waren aber auch schon abgereist. Gemeinsam haben wir die Kolonialstadt Cuenca angeschaut, die zu Recht als eine der schönsten Städte Ecuadors gilt und den Titel Weltkulturerbe trägt. Außerdem haben wir eine kleine Wanderung zu den Lagunen im Las Cajas Nationalpark gemacht. Für Action war beim Canopy am Sonntag gesorgt. Insgesamt hat mir das zweite Wochenende sogar noch besser gefallen als das erste, da die Gruppe kleiner war. Dadurch lassen sich manche Dinge leichter organisieren und alles geht schneller. Zusätzlich hatten sich uns noch einige Studenten aus Cuenca angeschlossen, die mit dem Organisator befreundet waren. So habe ich auch dieses Wochenende eine Menge neuer Menschen kennengelernt.
In Manta habe ich vor allem den Strand besucht. Nicht nur in der Stadt selbst, sondern auch in der Umgebung gibt es wunderschöne einsame Strände. Gemeinsam mit meiner Gastfamilie habe ich die Umgebung erkundet und mir wurden sehr viele schöne Orte gezeigt.
Während meines ganzen Aufenthaltes habe ich sehr viele offene und freundliche Menschen getroffen. Die Ecuadorianer sind sehr herzlich und es ist leicht mit ihnen ins Gespräch zu kommen. Sehr viele interessierten sich dafür, wo ich herkomme und wie das Leben im Vergleich zu Ecuador so ist.
Das Land ist wesentlich ärmer im Vergleich zu Deutschland. Hauptsächlich lebt man vom Export- insbesondere von Bananen, Kakao und Erdöl. Die Einheimischen bezeichnen sich selbst als Dritte-Welt-Land. So krass war mein Eindruck allerdings nicht.
Insgesamt läuft der Alltag chaotischer und spontaner ab als in Deutschland. Pünktlichkeit gehört übrigens zu den völlig unbekannten Phänomenen in Ecuador.

Fazit

Mein Aufenthalt in Ecuador hat mir sehr gut gefallen und ich kann das Land nur jedem weiterempfehlen, der ähnliches plant. Mein Eindruck war, dass es noch relativ unbekannt ist, im Vergleich zu seinen Nachbarn, dabei aber so viel zu bieten hat. Ich habe diesen Austausch sehr genossen und dabei eine Menge Neues gelernt. Ich habe viele Menschen getroffen, die mich mit ihrer Herzlichkeit beeindruckt haben.

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