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Italy (SISM)

Dermatologie - SCOPE (Famulaturaustausch)
von Theresa, Heidelberg

Motivation

Ich wollte nochmal ein Praktikum in der Dermatologie machen, außerdem interessiere ich mich schon immer sehr für Italien, es ist eines meiner Lieblingsländer, und ich wollte gerne italienisch üben.

Vorbereitung

Zur Vorbereitung habe ich mit der App Babbel Italienisch geübt, außerdem habe ich an der Uni einen Italienischkurs gemacht. Ich habe mich übers Internet über mein Krankenhaus und die Abteilung Dermatologie informiert und mit Amboss Derma ein bisschen aufgefrischt.

Visum

Als EU-Bürgerin benötigte ich für Italien kein Visum und keinen Reisepass.

Gesundheit

Für das Krankenhaus in Trieste musste ich keine Impfungen durchführen lassen, es wurden auch keine Tests auf Infektionskrankheiten (Tb etc...) verlangt. Ansonsten verweise ich auf den Impfkalender des Robert-Koch-Instituts ;)
Ich hatte Paracetamol dabei, und natürlich an Sonnenschutz denken ;)

Sicherheit

Ich habe keine zusätzlichen Versicherungen abgeschlossen. Trieste ist wie eine Kleinstadt in Deutschland: Es ist sicher dort, man muss sich keine Sorgen machen nachts alleine rumzulaufen. Natürlich ist es niemals irgendwo 100% sicher.

Geld

In Italien zahlt man selbstverständlich mit Euro, ich hatte ca. 300 Euro dabei und habe ansonsten ganz normal mit meiner EC-Karte oder Kreditkarte bezahlt oder am Geldautomat Geld abgehoben. Die Preise in Trieste waren sehr ähnlich wie bei mir in Heidelberg, allerdings habe ich natürlich mehr Geld ausgegeben als sonst, für Essengehen, Eintritte und Ausflüge zum Beispiel.

Sprache

In Trieste sprechen sehr viele Leute ziemlich gut englisch. Ich würde sagen alle Ärzte in der Dermatologie konnten gut englisch, und auch die allermeisten Leute in Läden und auf der Straße.
Ich habe mit der App Babbel italienisch geübt und einen Sprachkurs gemacht, mit ca. B1 konnte ich im Krankenhaus die Gespräche zwischen Arzt und Patient ganz gut verstehen.

Verkehrsbindungen

Es gibt einen Flughafen in Trieste, Ryanair fliegt nach Treviso, Bergamo und Rijeka. Flixbus fährt über München nach Trieste, mit dem Zug ist es etwas komplizierter, geht aber auch über Villach oder Venedig. Ich bin mit Ryanair nach Treviso geflogen und auf dem Rückweg habe ich den Flixbus genommen, das war beides ziemlich günstig (ca. 50 Euro).
In Trieste ist Fahrradfahren weniger angesagt, wir sind eigentlich immer Bus gefahren. Das Busnetz ist gut ausgebaut, das Monatsticket ist mit 35 Euro günstig. Die Busse sind recht zuverlässig und sicher.

Kommunikation

Durch Abschaffung der Roaming-Gebühren kann man in Italien wie zuhause mobile Daten nutzen und telefonieren. In unserer Unterkunft hatten wir gutes und zuverlässiges WLAN. Ich habe über WhatsApp und das normale Mobilfunknetz mit Leuten in Deutschland telefoniert, über WhatsApp Bilder verschickt, auf Instagram Bilder hochgeladen, ganz normal eben.

Unterkunft

Die italienischen LEOs von SISM haben unsere Unterkunft organsiert, wir waren 11 Studenten in insgesamt 3 Wohnungen, haben also jeweils in WGs mit nur Austauschstudenten gewohnt. Die Wohnung war gut mit allem was man braucht, Küche mit Geschirr, Waschmaschine etc. Wir haben jeweils zu zweit in einem Zimmer gewohnt, etwas gewöhnungsbedürftig, hat aber gut funktioniert. Die Wohnung war etwas außerhalb, aber gut angebunden.

Literatur

Ich habe Amboss und die duale Reihe Dermatologie benutzt, kann ich beides empfehlen. Für Trieste als Stadt oder Ausflüge in die Umgebung habe ich gegooglet und die üblichen Internetseiten wie TripAdvisor, AirBnB, Booking, Rome2Rio... benutzt.

Mitzunehmen

Natürlich Kittel und Stethoskop, Badesachen und Sonnenschutz für den Strand, evt. Sport-/Wanderschuhe (es gibt Möglichkeiten in der Umgebung), Führerschein (um evt. Auto zu mieten), Kleidung zum weggehen, etwas zu essen oder trinken aus Deutschland für die anderen... Ich habe nicht speziell etwas unnötiges mitgenommen oder etwas vermisst.

Reise und Ankunft

Die Anreise lief glatt, ich wurde von einem der LEOs mit dem Auto am Bahnhof in Trieste abgeholt. Eine andere LEO hat mich dann Montagmorgen am Krankenhaus getroffen und ist mit mir zur Chefärztin der Dermatoloie gegangen. Ich bin am Sonntagmittag angekommen und habe dann am Montagmorgen mein Praktikum begonnen. Was ich erledigen musste: Busfahrkarte kaufen (in Zeitschriften- oder Tabakladen), Lebensmittel kaufen.

Tätigkeitsbeschreibung und fachliche Eindrücke

Mein Praktikum war im Krankenhaus Maggiore im Stadtzentrum von Trieste, in der Abteilung Dermatologie. Die Chefin der Abteilung, Prof. Zalaudek, ist Österreicherin, spricht also deutsch. Die Fachärzte heißen "strutturato", diese haben meist morgens und nachmittags Ambulanzen besetzt. Morgens war normalerweise eine Allgemeinambulanz, hier kamen meist Patienten mit V.a. Basaliom oder Melanom oder einfach zum Hautscreening. Nachmittags waren dann meist Spezialambulanzen, zum Beispiel Borrelliose, Seltene Erkrankungen oder Psoriasis. Es gibt auch eine Station, allerdings nur fünf Betten, im Schnitt meist um die drei Patienten. Außerdem einen OP. Die Assistenzärzte heißen "specializando". Was sie den ganzen Tag machen weiß ich bis jetzt nicht genau, eine hatte die Station, eine die Photodynamische Therapie, die anderen haben ab und zu Hautbiopsien gemacht, aber es gab ziemlich viele Assistenten, oft saßen sie irgendwo und meinten sie machen Papierkram...
Es gab noch vier weitere Praktikanten, zwei italienische Ärzte, die noch keine Stelle hatten, und zwei polnische Ärzte, die hospitiert haben.
Die Chefärztin hat mir am ersten Tag klar gesagt, dass sie nicht möchte, dass ich irgenwelche Eingriffe durchführe, also habe ich mich daran gehalten. Zur Debatte gestanden hätten z. B. Kryotherapie oder Hautbiopsien, aber sonst auch nicht viel mehr.
Mein Tagesablauf: 7.45 Frühbesprechung, die Patienten auf Station werden von der Stationsassistentin vorgestellt und besprochen, außerdem evt. schwierige Patienten die in die Ambulanz gekommen sind. Danach beginnt der Ambulanzbetrieb, immer 2-3 Ambulanzen gleichzeitig, und wir 5 Praktikanten versuchen einen Platz zu finden. Das war nicht immer so leicht, weil uns nie jemand eingeteilt hat, und sie manchmal auch einfach nein gesagt haben, wenn man gefragt hat ob man mitkann. Manchmal haben auch jüngere Assistenten auch nur in der Ambulanz zugeschaut und dann war einfach "kein Platz". Meistens habe ich aber einen Platz gefunden. In der Ambulanz habe ich viel mit dem Dermatoskop mit auf die Haut geschaut, das gesprochene konnte ich ganz gut verstehen und habe immer mindestens Diagnose und Therapie mitbekommen. Die Spezialambulanzen fand ich auch oft wirklich interessant. Bei kleinen ambulanten OPs konnte ich assistieren (also Fäden abschneiden und tupfen, juhu...). Auf Station war ich bei der Visite dabei und konnte Blutdruck messen, Medikamente in der Kurve dokumentieren... Im OP war ich leider nie. Prof. Zalaudek, die ja deutsch spricht, hatte leider immer einen der polnischen Ärzte dabei und hat sich leider auch nie für mich interessiert und mal gefragt wie es läuft oder so...
Es lässt sich sagen dass ich schon ein bisschen was helfen konnte (Patienten reinrufen, Papierunterlagen erneuern), und auch etwas gelernt habe (durch Zuhören in den Ambulanzen, Dermatoskopie), war doch wohl kein essentieller Bestandteil des Teams, meine Abwesenheit hätte nicht viel geändert ;)
Ich hatte das Gefühl, dass Studenten und Assistenten in Italien später Verantwortung bekommen und dass weniger Zeitdruck besteht. Das Gesundheitssystem ist denke ich grundsätzlich ähnlich. Die Arbeitsplätze werden wie in Frankreich und Spanien über die Ergebnisse eines großen Examens verteilt. Das Verhältnis von Absolventen zu Stellen ist wohl etwas ungleich, sodass viele keine oder nicht ihre Wunschstelle erhalten, und ein z. B. wie bei mir ein Praktikum machen.
Ich fand es schade, dass ich weniger Verantwortung hatte als bei ähnlichen Praktika in Deutschland. Das galt zwar nicht nur für mich, sondern auch für die beiden italienischen Praktikanten, aber Hautbiopsien durchführen oder einfach mal den Patienten selbst interviewen und dann vorstellen ist in Deutschland eigentlich normal.

Land und Leute

Wir waren insgesamt 11 Austauschstudenten aus verschiedenen Ländern in Trieste und haben in drei WGs jeweils zusammengewohnt. Wir haben uns alle super verstanden und zusammen Trieste und die Umgebung besucht.
Typische Sehenswürdigkeiten in Trieste: Molo Audace, Canale grande, Piazza d'Unita, Castello San Giusto, Castello Miramare. Essen: Pizzeria della Cittavecchia, Gelateria Zampolli. In der direkten Umgebung mit dem Bus erreichbar: Grotto Gigante (Tropfsteinhöhle), Konzentrationslager Risiera de San Sabba, Kirche auf Berg Monte Grisa, eine Osmiza (Erzeugnisse von Bauernhöfen werden direkt vor Ort zum Verzehr angeboten).
Wir haben außerdem Ausflüge nach Slowenien (Ljubiljana, Bled, Triglev Park), Kroatien (Rovinj) und Venedig unternommen. Teilweise haben wir Autos gemietet, teilweise waren wir mit Flixbus oder trenitalia unterwegs.
Ich fand die Menschen in Trieste sehr freundlich. Kommunikationsprobleme gab es selten, da sehr viele Leute auch englisch sprechen. Italien ist ein sicheres, stabiles Land. Das Wetter war sehr angenehm im September, wir konnten noch baden gehen (der nächste Strand ist Barcola, dort ist allerdings kein Strand sondern gepflastert, man kann über eine Treppe ins Wasser oder springen und muss dann die ganze Zeit schwimmen solange man im Wasser ist. Trotzdem ist es sehr sehr schön dort, es gibt kleine Bars die Getränke verkaufen...). Unsere LEOs waren auch total super. Wir haben zusammen eine International Food Party gemacht, sie haben uns den Strand gezeigt, in den Club Eusonia mitgenommen, uns zu einer anderen Party auf dem Castello San Giusto mitgenmmen... Keiner von uns hatte eigentlich Probleme in Italien oder mit Italienern. Uns ist nur aufgefallen, das die Krankenhausärzte unserer Wahrnehmung nach etwas weniger Interesse an teaching haben als wir es aus manchen anderen Ländern gewohnt sind...
Triest ist eine Kleinstadt mit vielen Restaurants und Gelaterias, es gibt auch einige Bekleidungsgeschäfte, es hält sich allerdings in Grenzen. Die Stadt ist wirklich direkt am Wasser, die Piazza d'Unita, der zentrale Rathausplatz, liegt direkt am Meer. Viele der Studenten und auch unserer LEOs kommen direkt aus Triest oder der Umgebung.
Das italienische Essen war natürlich auch sehr gut, es gibt überall tolle Gelaterias, Pizzerien und Bäckereien, und auch im Supermarkt lohnt es sich durchzuprobieren.
Die Umgebung hat natürlich noch viel mehr zu bieten und man hätte noch viel mehr reisen können, wenn man mehr Zeit hätte, zum Beispiel in die Toskana oder in Kroatien. Die Region ist wunderschön und ich hatte eine grandiose Zeit.

Fazit

Das Praktikum war gut, ich habe einiges gelernt, aber nicht grandios, da ich wenig Eigenverantwortung hatte und es schwierig war, jeden Tag irgendwo unterzukommen. Triest ist eine tolle Stadt mit toller Umgebung. Die LEOs waren super. Es war gut, dass wir mehrere Austauschstudenten waren (die Triester haben nur für September dieses Jahr Leute genommen, dafür waren wir 11). Es war einer der besten Sommer meines Lebens :)
Ich würde immer nach Italien zurückkommen, dort zu arbeiten kann ich mir nicht vorstellen, einfach weil die Jobsituation schlecht ist (s.o.).

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