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Italy (SISM)

Gynäkologie - SCOPE (Famulaturaustausch)
von Lena, Bonn

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Motivation

Die Möglichkeit einen ganze Monat im Ausland zu verbringen, wollte ich mir nicht entgehen lassen. Es ist ja doch immer noch etwas anderes, vier Wochen in einem fremden Land zu verbringen und zu arbeiten, als nur Urlaub zu machen. Man erfährt viel mehr über Land und Leute und kann über touristische Aktivitäten hinaus gehen. Ein weiterer Anreiz war die fremde Sprache. Ursprünglich wollte ich nach Spanien, um meine Schulkenntnisse aufzufrischen und zu verbessern, aber auch in Italien konnte ich sprachlich dazu lernen, weil man sich mit den anderen Austauschstudenten hauptsächlich auf Englisch verständigt.

Vorbereitung

Der ganze Papierkram war schon etwas anstrengend, aber die Mühe ist es auf jeden Fall wert. Zu einem Infoabend des lokalen Komitees zu gehen, ist empfehlenswert. Dort kann man alle Fragen los werden und erfährt auch, was die dringlichsten Dinge sind und was noch etwas warten kann. Auch im Internet auf den Seiten der bvmd findet man viele Tipps, zum Beispiel zum Schreiben des letter of motivation.

Visum

Für deutsche Staatsangehörige ist kein Visum notwendig, man kann einfach mit seinem Personalausweis einreisen.

Gesundheit

Italien ist was das angeht sehr europäisch, es waren keine besonderen Vorkehrungen notwendig. Ein normal geführter Impfpass mit den Standard-Impfungen wird erwartet. Eine Auslandskrankenversicherung hatte ich auch, für den Fall der Fälle, ich musste aber keinen Gebrauch davon machen. Das klärt man am besten vorher mit seiner Krankenversicherung ab, einige Leistungen werden glaube ich auch ohne Zusatzversicherung im europäischen Ausland übernommen.

Sicherheit

Ich habe mich in Italien sehr sicher gefühlt, es war kein Unterschied zu Deutschland würde ich sagen, keine übermäßige Kriminalität, keine Warnungen vor Taschendiebstahl oder ähnliches. Triest ist wirklich eine sehr sichere Stadt.

Geld

Die Landeswährung ist wie in den meisten europäischen Ländern der Euro, das Bezahlen mit Bargeld war also gar kein Problem. Kartenzahlung ist auch oft möglich. Dafür würde ich empfehlen sich vor Reiseantritt eine Visa- oder Kreditkarte zu besorgen, mit der Geldabhebungen und Kartenzahlung im Ausland kostenlos sind. Dann muss man nicht mit so viel Bargeld herum reisen und ist auch flexibler, wenn man sich doch das ein oder andere Souvenir mehr kaufen will.

Sprache

Italienisch zu sprechen ist in Italien ein klarer Vorteil. Man kommt auch mit Englisch zurecht, aber die meisten Italiener, vor allem die Patienten, aber auch manche Ärzte, sind dabei sehr unsicher. Außerdem kann man mit Italienischkenntnissen den Patienten in der Ambulanz und auch der Visite besser folgen, da man Berichte über das persönliche Befinden natürlich besser in seiner Muttersprache ausdrücken kann. Es hat aber auch mit Englisch funktioniert, war nur etwas mühsamer, da ich oft nachfragen musste.

Verkehrsbindungen

Ich bin mit dem Zug hin und zurück gefahren, da ich klimabedingt aufs Fliegen verzichten wollte. Das hat auch gut funktioniert. Wenn man früh genug bucht, gibt es tatsächlich auch bei der deutschen Bahn erschwingliche Tickets. Dafür muss man allerdings zum Schalter gehen, da man die italienischen Züge nicht über den Online-Auftritt der DB kaufen kann. Eine weiter Alternative, die vielleicht sogar noch etwas günstiger gewesen wäre, ist der Flixbus oder andere Fernbusanbieter. Da gibt es mittlerweile wirklich viel gute Verbindungen in ganz Europa. In Triest selber haben wir uns dann den ganzen Monat mit den Bussen fortbewegt, da man für etwas mehr als 30 Euro ein Monatsticket kaufen kann und man damit wirklich sehr flexibel ist.

Kommunikation

Durch die wunderbare Idee der EU, konnte ich meine mobilen Daten ganz normal nutzen. Die Kommunikation erfolgte hauptsächlich über WhatsApp, auch mit den anderen Austauschstudenten. Alle, die nicht aus einem EU-Land kamen, haben sich vor Ort eine italienische SIM-Karte für einen Monat gekauft, da hatten die betreuenden Studenten gute Tipps für den Anbieter, das weiß ich gerade nicht mehr genau. Es reicht aber, wenn man sich dort darum kümmert, es sei denn man weiß, dass der eigene Anbieter ein super Angebot hat. WLAN hatten wir in der Wohnung auch.

Unterkunft

Durch die wunderbare Idee der EU, konnte ich meine mobilen Daten ganz normal nutzen. Die Kommunikation erfolgte hauptsächlich über WhatsApp, auch mit den anderen Austauschstudenten. Alle, die nicht aus einem EU-Land kamen, haben sich vor Ort eine italienische SIM-Karte für einen Monat gekauft, da hatten die betreuenden Studenten gute Tipps für den Anbieter, das weiß ich gerade nicht mehr genau. Es reicht aber, wenn man sich dort darum kümmert, es sei denn man weiß, dass der eigene Anbieter ein super Angebot hat. WLAN hatten wir in der Wohnung auch.

Literatur

Da ich Italien schon von vorherigen Urlauben kannte, habe ich mich nicht sonderlich extra informiert, bis auf den Wikipedia-Artikel über Triest, den habe ich mir vorher durchgelesen. Um mich auf die Famulatur speziell vorzubereiten, habe ich mir das Basics Gynäkologie durchgelesen, das hat auf jeden Fall geholfen trotz der sprachlichen Barriere einige Sachen besser zu verstehen.

Mitzunehmen

Uns wurde gesagt, wir sollten Bettwäsche und Handtücher mitnehmen, die ich dann im Endeffekt ja gar nicht gebraucht habe und die dadurch nur Platz im Koffer weg genommen haben, da könnte man vielleicht ganz kurz vor der Anreise nochmal die Locals fragen, ob sie schon genauere Informationen über die Unterkünfte haben. Ansonsten ist es im September noch ziemlich warm die meiste Zeit, Sommerklamotten inklusive Badesachen und Sonnencreme sind auf jeden Fall einzupacken. Aber auch ein Pulli und eine Wind-/Regenjacke sollte nicht fehlen, da es durch den „Bora“, ein typischer Wind für die Region, schon mal etwas frischer werden kann. Auch für die Besichtigung der nahegelegenen „Grotta giganta“ braucht man wärmere Sachen, da es dort unten maximal 12 Grad werden.

Reise und Ankunft

Die Anreise war problemlos. Ich habe meiner Kontaktperson geschrieben wann und wo ich ankomme und er hat mir dann die Nummer gegeben von der Frau, die mich am Bahnhof abgeholt hat. Sie war sehr freundlich und zuvorkommend, ich habe sogar ein Abendessen bei ihr bekommen, weil es schon recht spät am Abend war, mit Salat und Nachspeise, ich war total überwältigt von der Gastfreundschaft. Dann hat sie mich zu meiner WG gebracht (sie wohnte direkt nebenan), wo ich dann meine drei Mitbewohner kennengelernt hab. Am nächsten Tag, ein Sonntag, waren wir nochmal zum Frühstück bei ihr eingeladen, wo noch zwei andere Studenten dazu kamen, mit denen wir dann direkt einen Ausflug zum Miramare Castle unternommen haben. Die Locals haben wir erst am Abend kennengelernt, wo sie uns ein bisschen durch die Stadt geführt und die besten Ecken zum Ausgehen gezeigt haben. Auch sonst haben sie uns immer gute Tipps für Ausflugsziele geliefert und waren sehr engagiert was das soziale Programm anging. Am ersten Tag im Krankenhaus wurde ich von einem Local empfangen, der mit mir zum Büro des Direktors gegangen und mich vorgestellt hat. Das hat den Einstieg wirklich sehr erleichtert. Den Rest des Tages habe ich dann an der Seite einer jungen Assistenzärztin verbracht, die sehr bemüht war, mir alles auf Englisch zu erklären.

Tätigkeitsbeschreibung und fachliche Eindrücke

Ich habe nicht im Cattinara Ospedale gearbeitet wie die meisten anderen, sondern im Ospedale Burlo Garofolo, das Kinderkrankenhaus, in dem auch die Gynäkologie und Geburtshilfe untergebracht war. Den ersten Tag habe ich nach dem kurzen Gespräch mit dem Direktor auf der gynäkologischen Station verbracht, wo ich die junge Assistenzärztin begleitet habe. Es waren nicht sehr viele Betten belegt, aber wir haben im Untersuchungszimmer auch einige ambulante Patienten angeschaut, eine hatte eine Bartholonitis und bei einer anderen haben wir mit transvaginalem Ultraschall eine funktionelle Zyste diagnostiziert. Die Ärztin konnte nicht so gut Englisch, war aber sehr freundlich und hat sich bemüht alles zu erklären und meine Fragen zu beantworten. Am Nachmittag war ich dann noch unten im OP und habe bei einer laparoskopischen Entfernung von Myomatosis uteri zugeschaut. Am Dienstag hat der Direktor dann für mich organisiert, dass ich beim Ultraschall der Schwangeren dabei sein konnte. Die folgenden Tage habe ich dann aber auf eigene Faust organisiert und nach der Morgenbesprechung um 8 einfach immer jemanden der Assistenzärzte gefragt, ob ich ihn/sie heute begleiten kann und was so auf dem Plan steht. Das hat sehr gut funktioniert, weil ich dadurch den Schwerpunkt meinen Interessen entsprechend legen konnte und sehr viele unterschiedliche Sachen gesehen habe, auf Station, in der Ambulanz, bei der Hysteroskopie, im OP, bei der speziellen Sonografie und im Kreißsaal (ich habe eine normale Geburt und zwei Kaiserschnitte gesehen). Die meiste Zeit war ich aber mehr Beobachter als, dass ich wirklich etwas selbstständig gearbeitet hätte. Eine Ausnahme war ein Tag auf Station, wo die Ärztin mir erst gezeigt hat wie man eine Douglas-Drainage zieht und ich die zweite dann unter ihrer Aufsicht selber ziehen durfte, das war wirklich gut. Meistens bin ich so gegen 14 Uhr nach Hause gegangen, weil die Frühschicht auch offiziell um die Zeit zu Ende ist und meist nur noch Papierkram zu tun war. Überhaupt ist alles viel entspannter in Italien, die Ärzte sind gefühlt weniger gestresst und strahlen diese Ruhe auch aus. Das Gesundheitssystem ist in sofern anders als in Deutschland, als dass es in Italien keine Krankenversicherung gibt. Der Staat zahlt die medizinische Grundversorgung aus Steuergeldern und wenn man irgendwelche Sonderleistungen haben möchte muss man sich ein „Ticket“ kaufen und das beim Arztbesuch vorzeigen. Von der Versorgung her hat das aber keinen Unterschied gemacht. Ein weiterer Unterschied ist die Bürokratie im Krankenhaus, die Italiener machen wirklich alles noch mit Papier und Patientenmappen und die Patienten kriegen die Arztbriefe und Befunde auch immer direkt ausgedruckt und müssen dann immer alles mitbringen. Ich würde sagen da sind wir doch schon etwas moderner und auch effizienter mit der digitalen Verarbeitung.

Land und Leute

Ausflugstechnisch ist Trieste wirklich optimal. Wir waren an einem Wochenende in Kroatien, haben dort die Stadt Rovinj besucht und eine Fahrradtour entlang der Küste gemacht. Ein anderes Wochenende waren wir in Slowenien, in Llubljana, der Hauptstadt, die sehr sehenswert ist. Genauso wie die landschaftliche Umgebung mit Lake Bled und dem Triglav Nationalpark. Wenn man etwas mehr Zeit hat kann man da auch wunderbar wandern gehen. Auch Venedig ist nicht weit weg und sogar als Tagesausflug möglich, wenn man recht früh aufsteht. Alles ist gut und günstig mit dem Flixbus zu erreichen. In der direkten Umgebung von Triest gibt es eine riesige Grotte, die „Grotta gigante“, die sogar im Guinness Buch der Rekorde steht als „größte Schauhöhle der Welt“, wirklich sehr beeindruckend. Eine weitere Attraktion ist der „Formaggino“, eine Kirche auf dem Berg, die so genannt wird, weil sie ein bisschen aussieht wie Ricotta-Käse. Von dort hat man einen überragenden Blick auf das Meer, die Küste, die Stadt und die Berge. Auch Tagesausflüge mit dem Boot lohnen sich. So kann man zum Beispiel nach Grado fahren, eine kleine Stadt mit einem Sandstrand, der zum Verweilen einlädt, oder man schlägt die andere Richtung ein und landet in Muggia, ein typisch italienisches Dorf mit netten Länden, einer Kirche und einer Burg auf der Berg, von wo man wieder einen herrlichen Blick genießt, diesmal von der anderen Seite aus. Auch Triest selber hat einiges zu bieten, es gibt auch einen Strand (Barcola), der aber vielleicht nicht den gängigen Erwartungen von Deutschen an Strände entspricht, denn es ist mehr eine gepflasterte Promenade, von der eine Treppe über große Steine direkt ins Wasser führt. Das tut der Beliebtheit aber keinen Abbruch, an warmen Tagen ist gut gefüllt. In der Nähe des Springbrunnens (der Fontäne) gibt es eine kleine Bar, die große Matten kostenlos verleiht, die die Pflastersteine dann etwas bequemer machen. Das Wasser ist überall sehr klar und lädt definitiv zum Schwimmen ein. Das Miramare Castle oder der Leuchtturm (Faro della vittoria) stellen weitere Sehenswürdigkeiten dar. Besonders den Sonnenuntergang kann man vom Schloss sehr schön bewundern und wenn man Glück hat sieht man an klaren Tagen sogar die Alpen! Wenn man auch auf Nightlife steht, findet sich immer eine Bar, die irgendein Event veranstaltet, manchmal sogar mit gratis Buffet, es finden sich also genügend Möglichkeiten abends auszugehen, da werden euch die Locals aber sicher vor Ort noch besser Tipps geben können. Was mich ein bisschen gestört hat, war der Plastikverbrauch der Italiener, sie essen wirklich fast immer von Plastiktellern und trinken aus Plastikbechern, das ist auf Parties (auch zu Hause) völlig normal, und sogar im Krankenhaus gibt es das Essen von Einmalgeschirr! Vielleicht ist das für Deutsche nochmal ungewohnter als für Andere, aber ich hoffe trotzdem sehr, dass sie da bald von weg kommen, angesichts der gesundheitlichen und Umweltprobleme, die Plastikmüll verursacht.

Fazit

Zusammenfassend lässt sich nur sagen, dass es einfach großartig war! Ich würde jedem empfehlen, den Schritt zu wagen, sich zu bewerben, und wenn es auch nicht das Wunschland wird, bleibt es eine großartige Erfahrung. Italien selber ist immer eine Reise wert und ich werde definitiv wiederkommen. Ob tatsächlich zum Arbeiten steht noch in den Sternen, aber ich schließe es nicht kategorisch aus. Mir gefällt einfach das Lebensgefühl der Italiener, sie genießen das Leben in vollen Zügen, es geht nicht immer nur um die Arbeit, meistens sind sie gut drauf, trinken Wein, essen gutes Essen, einfach so wie man sich das vorstellt. Außerdem liebe ich einfach die italienische Architektur mit all den kleinen verwinkelten Gassen, den Pflanzen, den Treppen, einfach traumhaft.
Ein ganz großes Dankeschön an die bvmd und ifmsa für die ganze Organisation und großartigen Möglichkeiten, die ihr uns damit bietet!

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