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;IFMSA-Mexico(Mexico);Dengue virus search in mosquitoes Aedesaegypti collected in non-residential areas of Merida City;;;;

Innere - SCORE (Forschungsaustausch)
von Martin Sebastian, Hamburg

Motivation

Ich hatte das Glück, in der Vergangenheit bereits Erfahrungen mit Praktika machen zu können und wollte auf jeden Fall, bevor das PJ bei mir los ging, noch ein Praktikum im weiter entfernten Ausland absolvieren. Seitdem ich vor ein paar Jahren nach Chile gereist war, wollte ich seither immer nach Lateinamerika zurückkehren. Meine Wahl fiel auf Mexiko, da ich mir hier den lateinamerikanischen Lebensstil erhoffte bei gleichzeitig einigen Unterschieden zum chilenischen Leben.

Vorbereitung

Die Bewerbung lief zunächst ganz unkompliziert und ich bekam meine Zusage für einen Platz in Mexiko relativ schnell. Allerdings gab es direkt Probleme mit meiner Application Form: auf diese konnte ich nämlich auf der IFMSA-Plattform nicht zugreifen und diese somit auch nicht bearbeiten. Ich habe direkt den NOREs Bescheid gesagt, die sich um das Problem kümmern wollten. Nach mehr als 2 Monaten war das Problem allerdings immer noch nicht behoben. Da ich jedoch mit den NOREs stetig im Kontakt stand, habe ich mir nicht allzu große Sorgen gemacht – bis anderthalb Monate vor geplantem Beginn des Austausches die Nachricht kam, der Austausch werde nun doch nicht zu Stande kommen. Nach einigem Hin und Her kam dann aber doch die endgültige Zusage und mir wurde mitgeteilt, dass mein Austausch wie geplant stattfinden würde und ich nach Monterrey gehen könne.

Visum

Ein Visum muss man im Vorhinein nicht beantragen. Bei der Einreise in Mexiko bekommt man eine „forma migratoria“, die einen berechtigt, sich für 180 Tage in Mexiko aufzuhalten.

Gesundheit

Es ist sicher empfehlenswert, sich nach empfohlenen Impfungen zu erkundigen. Ich hatte im Vorjahr erst eine Reise nach Asien unternommen und war deshalb auch für Mexiko noch mit allen notwenigen Impfungen abgedeckt. Eine Malaria-Prophylaxe ist ggf. auch sinnvoll, auch wenn ich keine dabei hatte. Prinzipiell ist Insektenspray empfehlenswert, besonders wenn man reisen möchte. Außerdem sollte man natürlich eine kleine Reiseapotheke mit Imodium, Ibuprofen etc. dabei haben.

Sicherheit

Es gab keine Situation, in der ich mich in Mexiko unsicher gefühlt habe. Allerdings habe ich natürlich auch die Basic-Sicherheitsregeln befolgt, sprich: nicht nachts auf den Straßen rumlaufen (in allen großen Städten gibt es Uber als günstige Alternative zu Taxen), keine zwielichtigen Viertel besuchen und Wertsachen in der Öffentlichkeit vielleicht nicht zu offensichtlich herumtragen (wobei ich auch des Öfteren auf der Straße mein Handy in der Hand hatte).
Monterrey selbst habe ich als sehr sichere Stadt erlebt. Vor ein paar Jahren gab es hier auch vermehrt Vorfälle, an denen Drogenkartelle beteiligt waren. Mittlerweile hat sich die Lage allerdings weitestgehend wieder beruhigt. Trotzdem sieht man jedoch häufig schwer bewaffnete Polizisten und Soltanten in der Öffentlichkeit (selbst auf dem Krankenhausgelände). Mehr habe ich allerdings nicht mitbekommen.
Wer reisen will, sollte sich aber natürlich im Vorhinein über die Sicherheitslage der jeweiligen Regionen informieren. Als Faustregel kann man sich merken, dass die Sicherheitslage von Norden nach Süden besser wird. Die Regionen nahe der amerikanischen Grenze habe ich also gemieden und bin v.a. im Süden Mexikos gereist. Hier habe ich mich sehr sicher gefühlt.

Geld

In Mexiko bezahlt man mit mexikanischen Pesos. Etwas verwirrend war für mich anfangs, dass für mexikanische Pesos auch das Dollar-Zeichen ($) verwendet wird. In sehr touristischen Regionen wie Chichen-Itza kann man auch mit US-Dollar bezahlen, darauf würde ich mich aber eher nicht verlassen.
Beim Reisen habe ich in Restaurants und Hostels häufig mit Kreditkarte bezahlt, im Alltag allerdings eher in bar.
Generell waren die Lebensunterhaltskosten schon geringer als in Deutschland, wobei man aber natürlich auch teurere Bars und Restaurants finden kann.

Sprache

Mein Spanisch ist recht begrenzt (Sprachlevel A2) und trotzdem habe ich mich in Mexiko zurecht gefunden. Vor allem auf Reisen stelle ich es mir komplett ohne Spanischkenntnisse schwierig vor, da nicht jeder englisch spricht. In Monterrey wäre man aber im Zweifel auch nur mit englisch zurecht gekommen.
Für mich war einer der Gründe nach Mexiko zu gehen mein Spanisch zu trainieren und hatte hierfür auch viel Gelegenheit. Alle waren sehr rücksichtsvoll – zum Teil schon fast zu rücksichtsvoll und ich musste öfter wieder drum bitten, doch mit mir Spanisch zu sprechen, auch wenn ich nicht alles komplett verstanden habe.
Man braucht also keine Angst zu haben, auch wenn man nur begrenzt Spanisch spricht. Man kommt auf jeden Fall zurecht!

Verkehrsbindungen

Ich war vor meinem Austausch zur Famulatur in den USA, sodass ich aus Texas eingeflogen bin. Der Flug war sehr günstig, der Rückflug nach Deutschland hat mich dafür allerdings knapp 500,-€ gekostet. Wenn man allerdings etwas früher bucht und Hin- und Rückflug zusammen buchen kann, kommt man aber sicher auch günstiger davon.
In Mexiko selbst habe ich mich beim Reisen v.a. mit Bussen fortbewegt (www.ado.com.mx). Die Busse sind zwar teurer als ich es erwartet hätte, man kommt aber recht komfortabel und sicher von A nach B. Außerdem fahren die Busse auch häufig nachts, sodass man sich beim Reisen eine Nacht im Hostel spart. Theoretisch kann man auch günstigere Busse nehmen (Ado sind Erste-Klasse-Busse, andere Anbieter haben Zweite-Klasse-Busse), allerdings war ich mir hier bzgl. der Sicherheit nicht ganz sicher.
In Monterrey habe ich entweder Uber genommen, bin zu Fuß gelaufen (das Krankenhaus war fußläufig erreichbar) oder bin mit der Metro gefahren. Die Metro ist sehr günstig (pro Fahrt ca. 20 Cent), allerdings auch nicht besonders gut ausgebaut.

Kommunikation

Ich habe mir eine mexikanische SIM-Karte für 2 Monate bei AT&T geholt. Für 2GB Internet, unbegrenzte Anrufe und Nachrichten an mexikanische Nummern und unbegrenzt Social Media (inklusive Whatsapp) habe ich pro Monat knapp 20€ bezahlt. Man kann sicher noch etwas Günstigeres finden, generell würde ich aber sehr empfehlen, sich eine mexikanische SIM anzuschaffen, um auch unterwegs erreichbar zu sein oder mal ein Uber rufen zu können.
An den Busbahnhofen und einigen öffentlichen Plätzen gibt es auch kostenloses WLAN, allerdings funktioniert es nicht immer besonders gut.

Unterkunft

Bei der Unterkunft hatte ich den Jackpot gezogen: für den kompletten Monat bin ich im 4-Sterne Hotel „4 Points Gallerias“ untergekommen. Ich hatte mein eigenes Zimmer mit 2 großen Betten, außerdem gab es einen Fitnessraum, ein Schwimmbad und das Frühstück war inklusive. Das Krankenhaus war außerdem fußläufig zu erreichen, man konnte aber auch den kostenlosen Shuttle-Service des Hotels in Anspruch nehmen.

Literatur

Zum Reisen hatte ich natürlich meinen Lonely Planet dabei. Ansonsten muss ich ganz ehrlich sagen, dass ich mich nicht groß auf den Austausch vorbereitet habe sondern eher alles auf mich zukommen gelassen habe.

Mitzunehmen

Wir sollten Kasacks und einen Kittel für den Austausch mitbringen. Letztlich konnte ich aber auch in normalen Klamotten (aber schon mit langer Hose) ins Krankenhaus gehen. Wer feiern gehen will, sollte ein paar bessere Schuhe und Hemden mit dabei haben.

Reise und Ankunft

Die Anreise lief problemlos, wobei ich schon recht auf mich alleine gestellt war. Vom Flughafen habe ich mir ein Taxi zum Hotel genommen, dort konnte ich dann ohne Probleme einchecken.
Die ansässigen LOREs habe ich erst 2 Tage später kennengelernt, als wir am ersten Tag im Krankenhaus rumgeführt wurden. Generell sollte man sich nicht zu sehr darauf verlassen, mit dem IFMSA-Team besonders viel zu machen. Da ich in der Nebensaison in Monterrey war, gab es kein Social Program und ich habe die LOREs und LEOs nur eine Handvoll Male gesehen.

Tätigkeitsbeschreibung und fachliche Eindrücke

Am ersten Praktikumstag wurde ich zusammen mit einer weiteren Austauschstudentin aus Costa Rica von einem der LEOs (mit mexikanischer Verspätung von anderthalb Stunden) im Hotel abgeholt. Wir wurden ein wenig im Krankenhaus rumgeführt und bekamen unsere Ausweise für das Krankenhaus. Danach sind wir erst mal wieder zurück zum Hotel gefahren, weil die Tutoren unseres Projektes an diesem Tag erst nachmittags ins Krankenhaus kamen.
Generell haben wir vor alle die mexikanischen Studenten bei ihrer Arbeit begleitet. Dies waren in erster Linie Operationen an Ratten. Wenn man nachfragt, darf man auch von Beginn an ein bisschen mithelfen (bspw. die Nähte am Ende der OP machen) und in der zweiten Woche durften wir auch erstmals eine Ratte selbstständig (aber natürlich unter Aufsicht) operieren.
Prinzipiell war die Arbeit sehr entspannt. Wir haben nie vor 11 Uhr morgens angefangen und waren in der Regel nachmittags wieder zu Hause. Außerdem gab öfter mal Tage, an denen wir frei bekommen haben, weil keine Operationen stattfanden.
In den zwei Projekten, in denen ich mitarbeiten konnte, ging es um ischämische Reperfusionsverletzungen des Darmes und ischämische Prozesse nach einseitiger Nephrektomie. Zwar gab es ein paar Verständnisprobleme aufgrund der Sprachbarriere, wenn man nachfragt bekommt man aber alles noch ein zweites Mal auf Spanisch, Englisch und gegebenenfalls auf Deutsch erklärt (überraschend viele mexikanische Studenten lernen Deutsch!).
Jeden Montag gab es außerdem ein Team-Meeting, in dem die laufenden Projekte besprochen und ab und zu Paper diskutiert wurden. Die zu besprechenden Paper wurden im Vorhinein in einer Facebook-Gruppe hochgeladen.
Außerdem wurde ich einmal gebeten, ein Paper, welches mich interessiert und zu den Forschungsprojekten passt, rauszusuchen und konnte das Paper auf einem der wöchentlichen Team-Meetings auch vorstellen – allerdings konnte ich dies nur auf Englisch, was auch kein Problem war. Die Präsentation war auch freiwillig und muss nicht gemacht werden.
Wer möchte kann außerdem mal einen Tag mit in den klinischen Alltag reinschauen oder eine Nachtschicht im Krankenhaus mitmachen.
Am Ende des Austausches muss außerdem ein Logbook an den projektleitenden Arzt abgegeben werden. Hier soll stichwortartig aufgeführt werden, was man an welchem Tag gemacht hat. Der Arzt muss dieses Logbook unterschreiben und erst dann bekommt man die Bescheinigung der IFMSA.
Generell kann ich mich nicht über zu viel Arbeit beschweren. Tatsächlich hätte ich mir zwischendurch ein bisschen mehr zu tun gewünscht, da im Mittelteil meines Austausches sehr viele Tage ausgefallen sind, da die Studenten Klausuren schreiben mussten und deshalb keine Zeit hatten, an ihren Forschungsprojekten weiterzuarbeiten.

Land und Leute

Die Mexikaner habe ich als sehr freundlich, offen und hilfsbereit erlebt. Auch auf der Straße wird einem gerne geholfen ohne dass irgendeine Art von Gegenleistung erwartet wird (anders als es bspw. häufig in Asien der Fall ist).
Generell muss man sich aber natürlich erst einmal an die lateinamerikanische Mentalität gewöhnen. Pünktlichkeit und Effizienz bei der Arbeit ist meiner Erfahrung nach die größte Stärke der Mexikaner und es kam nicht selten vor, dass man mal eine Stunde oder mehr warten musste und sich die Zeit mit Brettspielen vertrieben hat. Auch wenn es immer sehr gesellig war, habe ich doch ab und zu gemerkt, wie meine deutsche Ungeduld durchgekommen ist.
Generell konnte ich mich bei meiner Freizeitplanung auch nicht allzu sehr auf das IFMSA-Team verlassen. Es war kein Social Program geplant (vielleicht auch weil gerade Nebensaison war) und außerhalb des Krankenhauses habe ich keinen von ihnen jemals getroffen. Da es aber generell nicht schwierig war, mit Mexikanern in Kontakt zu kommen, war dies aber trotzdem okay.
Prinzipiell ist Monterrey zwar keine super aufregende oder besonders schöne Stadt, man kann sich aber trotzdem gut beschäftigen. Empfehlenswert ist auf jeden Fall der Parque Fundidora, ein altes Industriegebiet, welches zu einem riesigen Park umgebaut wurde. Hier kann man sich günstig Fahrräder ausleihen um den Park zu erkunden oder einfach am Wasser entspannen. Vom Park führt außerdem der Paseo Santa Lucia Richtung Innenstadt. Man kann an diesem künstlich angelegten Kanal entweder spazieren gehen oder eine kleine Tour mit einem Boot machen. Erwähnenswert ist außerdem der Macroplaza, an dem sich einige interessante Museen befinden (vorher erkundigen, an welchem Wochentag welches Museum umsonst ist!).
Wer gerne in der Natur unterwegs ist kann außerdem einen Ausflug zum Cerro de la Silla machen. Dieser Berg ist das Markenzeichen von Monterrey und kann alleine ohne Tour bestiegen werden. Da der Weg allerdings sehr steil ist und man gute 3 Stunden bis zur Spitze braucht (und dann kommt ja auch noch wieder der Abstieg), sollte man sich in ganz guter körperlicher Verfassung befinden, wenn man sich dem Berg stellen sollte. Ansonsten kann man auch den Cerro de Obispado besichtigen. Dieser liegt mitten in Monterrey, ist um einiges niedriger als der Cerro de la Silla und kann zur Not auch per Auto erklommen werden. Von hier hat man eine schöne Aussicht auf die Stadt und kann sehr schöne Fotos machen.
Mein persönliches Highlight war ein Ausflug nach Matacanes, wo man Canyoning machen kann. Sprich von Klippen ins Wasser springen (bis zu 12 m hoch), Wasserfälle runter rutschen, durch Höhlen schwimmen und sich von Steinwänden abseilen. Auch hier sollte man körperlich einigermaßen fit sein, weil man gut 11 Stunden unterwegs ist (Anreise in die Berge nicht mit eingerechnet). Wer Interesse an einer solchen Tour hat, kann beim IFMSA-Team nachfragen. Sie haben den Kontakt zu einer sehr gut organisierten Tour mit netten Guides.
Ansonsten sollte man sich natürlich durch die Mexikanische Küche durchprobieren. Wer eher sparsam unterwegs ist, kann aber auch dreimal am Tag umsonst in der Cafeteria des Krankenhaus essen.

Fazit

Ich bin super zufrieden mit meinem Austausch und hatte eine tolle Zeit in Mexiko. Mexiko ist ein super schönes, interessantes und buntes Land. Es lohnt sich auf jeden Fall ein bisschen Zeit vor oder nach dem Austausch einzuplanen um ein wenig zu reisen, damit man die unterschiedlichen Facetten dieses Landes kennen lernen kann. Und auch wenn Monterrey als Stadt zunächst nicht meine erste Wahl war, kann ich jedem empfehlen, hier einen Austausch zu machen.

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