zurück

KMSA(Korea);Apoptic activity of Naturo-mimetics in combination with TRAIL on human glioblastoma

Innere - SCORE (Forschungsaustausch)
von Heather, Hamburg

Motivation

Mir war lange klar, dass ich in der freien Zeit vor dem Start in den 100-Tage Lernplan noch einmal länger weg möchte und eine intensivere Erfahrung dabei haben will als nur so zu reisen. Seit ich vor einigen Jahren mit einer Koreanerin zusammen arbeitete, habe ich ein großes Interesse an diesem Land. Vor allem wahrscheinlich, weil man nicht viel aus seiner Kultur kennt außer der Nachrichten aus Nordkorea und Bibimbap. Schon von Beginn des Studiums an, wusste ich von der Möglichkeit eines Austausches über die bvmd, was für mich die perfekte Möglichkeit bot mein Interesse an der Forschung in der Onkologie und an dieser sehr besonderen Kultur zu vereinen.

Vorbereitung

Leider wurden bei uns in Hamburg nicht direkt Vorbereitungskurse angeboten und mir fiel das Durchklicken durch die ganzen Formalitäten und die Datenbanken der IFMSA am Anfang relativ schwer. Nehmt euch unbedingt genug Zeit alles genau durch zu lesen und außerdem die Abkürzungsliste der IFMSA zur Hand – die ganzen Begriffe wie LORE, NORE, CP etc. können ganz schön verwirrend sein. Plant außerdem genug Zeit ein für das Schreiben der Motivationsschreiben und natürlich das Besorgen der Zertifikate (z.B. DAAD-Sprachzertifikat) ein.

Visum

Nein, in Korea kann man ohne Probleme einreisen und als deutscher Staatsangehöriger für drei Monate bleiben.

Gesundheit

Vor der Abreise habe ich mir die Empfehlung des Auswärtigen Amtes durchgelesen. Es muss z.Z. auf nichts Spezielles in Korea geachtet werden. Schaut, dass ihr alle regulären Impfungen habt und natürlich eine Auslandsversicherung.

Sicherheit

Korea ist eines der sichersten Länder weltweit. Natürlich werden Familie & Freunde skeptisch sein, da die nukleare Bedrohung aus dem Norden nah scheint - da sollte man sich aber wirklich keine Gedanken drüber machen. Gerade jetzt passiert sogar viel in Richtung Friedensgespräche.

Geld

Fast alles wird mit Kreditkarte gezahlt und sonst kann man an vielen ATMs Bargeld mit internationalen Karten abheben. Für mich war dies günstiger als Bargeld umzutauschen. Die Lebenshaltungskosten ähneln denen in Deutschland. Wie auch meinen koreanischen Freunden beim Besuch in Deutschland aufgefallen ist – Kaffee trinken (was Koreaner auch sehr gerne tun) ist in Korea viel teurer, Essen gehen meistens günstiger. Und so gehen auch alle Studenten fast ausschließlich essen und haben meist gar keine Küche.

Sprache

Da ich relativ kurzfristig Bescheid bekommen habe, habe ich mich nicht ausführlich vorbereitet. Man kann aber die Schriftzeichen, da es anders als im Chinesischen alphabetisch ist, relativ schnell lernen und ein paar Redewendungen bspw. in YouTube Tutorials lernen. Die meisten Koreaner können kaum oder gar kein Englisch – man kommt immer irgendwie durch, aber es ist einfacher und netter, wenn man die Bus-Anzeige lesen kann oder die Speisekarte. Außerdem kann man dann auch im Alltag ein wenig mit den Menschen kommunizieren, was die Meisten sehr freut. In der Innenstadt Seouls ist aber auch alles Zweisprachig.

Verkehrsbindungen

Im LonelyPlanet steht: “Korea is a public transportation dream come true“... und das stimmt. Jedes kleinste Dorf ist mit dem Bus zu erreichen, der mindestens einmal die Stunde fährt, das Metrosystem Seouls ist das Beste der Welt (und der ganze Stolz der Koreaner) und das alles sehr günstig

Kommunikation

Der zweite große Stolz der Koreaner ist das schnelle Internet. Ich habe mir eine Touristen SIM Karte gekauft – die kann man sogar im Vornhinein im Internet kaufen und direkt am Flughafen abholen. Die koreanische Messenger-App ist „Kakao-Talk".

Unterkunft

Für die Incomings der Korea University gibt es ein internationales Dormitory – das Crimson House. Kleine, aber feine Einzelzimmer und alles da, was man braucht. Außerdem mitten im Studentenviertel von Adan.

Literatur

Den englischsprachigen ‚Lonely Planet‘ Reiseführer über Korea kann ich in jedem Fall empfehlen. Außerdem gibt es tolle Dokumentationen von der BBC.
Für das Praktikum habe ich mir die empfohlenen Paper der Arbeitsgruppe durchgelesen und ein wenig zum Gesundheitssystem in Korea gegoogelt.

Mitzunehmen

Adapter braucht man tatsächlich nicht – das war überflüssig. Gute Schuhe zum Wandern, wenn man da Lust drauf hat, machen Sinn – kann man in Korea nämlich super. Es kann sehr sehr warm werden im Sommer, luftige Kleidung für Stadt und Praktikum sind optimal.

Reise und Ankunft

Aus Frankfurt und München gibt es Direktflüge. Ich kam bereits zwei Wochen vor Beginn des Praktikums an und bin noch ein wenig rumgereist und habe privat Unterkünfte organisiert. Für meinen ersten Tag beim Praktikum haben meine Contact Persons (CPs oder einfach Buddys), mit denen ich bereits aus Deutschland Kontakt hatte, alles organisiert, mich abgeholt, begleitet. Das war toll und für mich also sehr entspannt. Schaut nochmal genau in die Unterlagen, was ihr alles mitbringen solltet.

Tätigkeitsbeschreibung und fachliche Eindrücke

Mein SCORE habe ich in dem Projekt meiner zweiten Wahl in einer Gruppe bekommen, die vor allem an gastrointestinalen Tumoren forscht. Es handelte sich vor allem um Grundlagenforschung mit Medikamenten auf in vitro und in vivo Basis. Genau das gefiel mir sehr, da ich für meine Doktorarbeit eher eine translationale Technik testete und gerne auch die häufigsten Methoden wie Western Blot, PCR und Mausexperimente besser verstehen wollte. Ich musste mich zwar meist sehr aktiv einzelnen Studenten bzw Wissenschaftlern der Gruppe anschließen, aber am Ende habe ich Einiges sehen können und mir jeweils zwischendurch etwas zu den einzelnen Themen durch gelesen. Das Team war mit neun Leuten relativ groß, es herrschte eine gute Stimmung und ich wurde nett aufgenommen. Sie haben mir bei allem Organisatorischen geholfen und mich immer fürs Mittagessen eingesammelt und eingeplant (was in der Krankenhaus-Kantine übrigens super lecker war und in jedem Fall eine Erfahrung).

Auch der Leiter der Arbeitsgruppe war überaus freundlich, hat sich sehr über mich als internationalen Gast gefreut und mich sogar persönlich empfangen. Leider wusste er nichts von dem „SCORE-Logbook“, was der Forschungsaustausch als solches durch die IFMSA eigentlich enthalten soll. Eigentlich soll man ein eigenes kleines Projekt bekommen, doch auch aus Kosten – und Platzgründen, aber auch kulturellen (als Gast darf man nicht zu viel helfen), habe ich ausschließlich zugeschaut. Ich verstehe, dass man in vier Wochen nicht wirklich ein viel selber machen kann, aber aus Erfahrungsberichten habe ich gesehen, dass es Projekte gab, wo man mehr mitmachen konnte und einen Tutor hatte, der selbst aktiv im Labor arbeitete.

Leider waren alle Seminare, Fortbildungen und Labmeetings auf Koreanisch und z.T. gab es manchmal Kommunikationsschwierigkeiten, obwohl die meisten meiner Kollegen sich wirklich bemüht haben, mir etwas zu erklären.

Außerhalb des Labors habe ich durch die KMSA und die lokale Vertretung der Universität Buddys/CPs (sogar direkt Drei) zugeiteilt bekommen. Sie studieren Medizin und haben meinen Aufenthalt wirklich einmalig gemacht – sie haben sich unglaublich viel Mühe gegeben mir Seoul zu zeigen, mir ihre Kultur näher zu bringen, unsere besser kennen zu lernen und dafür zu sorgen, dass ich einfach eine super Zeit habe. Wir haben mindestens einmal die Woche etwas unternommen und sie haben mit jedem Quatsch geholfen – dass man CPs hat, selbst für die kurze Zeit, ist echt toll!!
Im Großen und Ganzen habe ich eine tolle Erfahrung im Labor gemacht. Ich habe alles mitgemacht, was mich interessiert hat und habe durch die verschiedenen Kollegen und den Arbeitsalltag super viel von der Kultur mitgenommen, wie z.B. die strengen Hierarchien, die Rolle der Frau und natürlich die verschiedenen Mittagessen.

Land und Leute

Der Mix zwischen modernem High-Tech und jahrtausendalter Kultur ist in Korea wirklich einmalig. Trotz dem westlichen Einfluss, dem maßlosem Konsum und der riesigen Smartphones, die die Meisten dauerhaft in der Hand halten, bestehen Traditionen. Nicht nur die Art zu Denken wird noch hauptsächlich vom Konfuzianismus beeinflusst, sondern traditionelle Märkte, die Paläste und hunderte Tempel bleiben weiterhin bestehen. Der Mix aus Buddhismus und christlichem Glauben ist außerdem etwas sehr besonderes. Genauso ist das Essen nicht einfach nur lecker, sondern ist bestimmten Ritualen unterlegt. Neben der tollen Stadt Seoul und den anderen Großstädten gibt es eine einmalige Natur, wobei 70% des Landes Berglandschaft ist (Wandern ist Volkssport) und über 1000 kleine Inseln das Land umgeben. Auf einer dieser, Ulleung-do kann man sogar im Winter Ski fahren und dabei auf’s Meer schauen. In vielen Tempeln kann man übernachten und mit den Mönchen essen (das Essen der Tempel ist nochmal eine ganz eigene Küche), beten und meditieren, was mich sehr beeindruckt hat – und bei all diesen Aktivitäten ist es nicht zu touristisch, weil Korea (ohne Grund, aber zum Glück) noch nicht zu den beliebtesten Reisezielen gehört.
Die Menschen sind meist sehr schüchtern, aber immer sehr höflich, freundlich und bemüht – man fühlt sich immer sicher und wohl.
Es gibt viele gesellschaftliche Regeln – z.B. verbeugt man sich leicht bei der Begrüßung oder Verabschiedung (woran man sich schnell gewöhnt), bei höher Gestellten z.B. Professoren ist die Verbeugung tiefer. Das Alter ist sehr entscheidend, also wundert euch nicht, wenn ihr als Erstes nach Eurem Alter gefragt werdet, wobei in Korea die Schwangerschaft in der Angabe mitgezählt wird. Also alles was kompliziert, aber sehr spannend, wenn man immer mehr davon versteht.

Die Geburtenrate ist einer der niedrigsten weltweit - noch in der letzten Generation hatte jede Familie mehr als fünf Kinder und der Zusammenhalt einen hohen Stellenwert. So schnell wie die Wirtschaft geboomt ist, verändert sich auch das gesellschaftliche Leben.. der Status ist immer noch sehr entscheidend, aber die Familien werden kleiner und kleiner. Meine Kollegen sagten, sie wollen keine Kinder, um ihre Karriere nicht zu gefährden, aber auch einfach weil Kinder in Korea teuer sind - es gibt wenig Krankenversicherungen, kaum staatliche Kindergärten, Schulen oder Universitäten. Oft wurde ich im Gepräch um unser Sozialsystem in Deutschland beneidet.

Während meines Aufenthaltes fanden historische Treffen zwischen Nord- und Südkorea statt. Manche wünschen sich die Wiedervereinigung, manche haben Angst, sie könnten dabei unter dem armen Nordkorea leiden - verschiedene Seiten hautnah mitzubekommen war sehr interessant.

Alles in allem, eine total spannende Kultur - über die Traditionen kann man nicht genug lernen, aber auch die aktuellen Entwicklungen live zu verfolgen, ist es wert nach Korea zu reisen und Land und Leute kennen zu lernen.

Fazit

Ich würde sofort wieder zurück und weiter Land und Leute kennen lernen und kann Korea nur empfehlen, wenn man genug Zeit mitbringt sich auf die Traditionen einzulassen. Es ist sehr interessant, die Arbeit in einem so hoch-technologischen Land kennen zu lernen, während die Gesellschaft noch nicht so weit entwickelt ist. Ein Forschungsaustausch über die bvmd ermöglicht diese Erfahrung, die man nie vergisst!

zurück