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Tropenmedizin - SCORE (Forschungsaustausch)
Anonym

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Motivation

Vor zwei Jahren habe ich bereits eine Famulatur in Argentinien gemacht und da es mir so gut gefallen hat und ich kurz vor Ende meines Studiums stand, bewarb ich mich spontan für SCORE.
Für einen Forschungsaufenthalt (SCORE) habe ich mich entschieden, da ich bereits erste Erfahrungen im Labor durch meine experimentelle Doktorarbeit sammeln konnte und ich gerne weitere Forschungsfelder kennenlernen wollte.
Da man sich im Rahmen des SCORE nur für ein Land, aber für mehrere Projekt bewerben kann, informierte ich mich mithilfe der Erfahrungsberichte ausführlich über die jeweiligen Länder und Projekte und entschloss mich schließlich für Kolumbien vor allem aufgrund der positive Resonanz vorheriger Studenten.

Vorbereitung

Da ich mich bereits zwei Jahre zuvor für einen SCOPE-Aufenthalt in Argentinien beworben hatte, kannte ich mich bereits mit den Formalitäten, die für die Bewerbung nötig waren, gut aus. Auch wenn es auf den ersten Blick nach viel Aufwand aussieht, lohnt es sich auf jeden Fall, da man ab der Zusage seitens der bvmd nur noch wenig bürokratischen Aufwand hat und alles sehr gut organisiert ist. Die nötigen Formalitäten an der Gastuniversität (Einteilung, Vorstellung bei den Professoren usw.) wurde von den Studenten des jeweiligen Gastlandes übernommen.
Außerdem sollte man unbedingt eine Auslandskrankenversicherung abschließen, für die man bei den allermeisten Anbietern aber nur ca. 10€/Jahr bezahlt. Am besten direkt eine Kopie mit ins Ausland nehmen.
Beim Hochlanden der Card of Acceptance gab es technische Schwierigkeiten im IFMSA-Portal, diese konnte ich aber schnell mithilfe der NORE klären.
Da ich bereits eine Famulatur und das ERASMUS-Programm im spanischsprachigen Ausland absolviert hatte, habe ich keinen Sprachkurs oder ein Vorbereitungsseminar besucht.
Ich würde euch aber auf jeden Fall empfehlen (vor allem für einen SCOPE- Aufenthalt), das Spanisch für Mediziner-Pocketbuch zu kaufen, da im Klinikalltag viele Abkürzungen verwendet werden, die sonst schwer zu verstehen sind.

Visum

Ich bin mit einem Touristenvisum eingereist, da es so in Argentinien gehandhabt wurde und ich davon ausgegangen bin, dass es in Kolumbien ähnlich sein würde. Letztendlich gab es dadurch aber relativ viel bürokratischen Aufwand, da das akademische Auslandsamt der Universität auf ein Studentenvisum besteht. Dies wurde mir seitens der kolumbianischen Organisation aber nicht mitgeteilt.
Daher musste ich in den ersten Tagen zweimal in das Büro der Immigrationsbehörde in Armenia
Zeigt daher bei der Einreise unbedingt Letter Of Invitation vor und besteht darauf, das Visum für akademische Zwecke zu bekommen. Beide Visa sind kostenlos. Letztendlich wurde mir nach widersprüchlichen Aussagen seitens der Beamten mitgeteilt, dass auch ein touristisches Visum für meinen Aufenthalt an der Uni ausreichen würde. Dies hat dann auch die Uni akzeptiert.

Gesundheit

Ich habe mich kurz vorher bei der Impfstelle des Uniklinikums beraten lassen, ob alle Impfungen auf dem neusten Stand sind und ansonsten hatte ich nur die übliche Reiseapotheke (Paracetamol, Loperamid, Pflaster, Fieberthermometer) dabei. Lieber Paracetamol als ASS/ Ibuprofen mitnehmen, da gesagt wird, dass bei Fiebersymptomatik auch immer die z.T. hämorrhagisch verlaufende Formen des Dengue- und Chikungunya- Fiebers ursächlich sein können und dies die Blutungen verstärken würde.
Unbedingt auf dem neusten Stand sollten folgende Impfungen sein: Hepatitis A und Hepatitis B, Tetanus. Eventuell (je nach Region und weiterer Reiseplanung in andere Länder) empfiehlt sich zusätzlich Typhus, Cholera sowie bei Besuch des Parque Tayronas/ Trekking zur Verlorenen Stadt die Gelbfieberimpfung, die nach einmaliger Gabe dann aber auch ein Leben ausreichend Immunität gewährt. .
Da in Kolumbien Dengue, Chikunguya und das Zikavirus endemisch sind, auf Mückenschutz achten (z.B. NoBite). In Armenia selbst wurde ich sehr wenig von Mücken gestochen.
Außerdem ist es wichtig, dass, unabhängig von der Meinung verschiedener Leute, das Leitungswasser trinkbar wäre, unbedingt nur abgepacktes, gefiltertes oder abgekochtes Wasser trinken. In Armenien sind im Leitungswasser nicht nur Amöben und Cryptosporidien, sondern auch Toxoplasmen zu finden. Mag sein, dass die Kolumbianer das vertragen, westliche Menschen aber definitiv nicht.
Außerdem solltet ihr eine Auslandreiseversicherung abschließen, da bei Krankheit und Krankenhausaufenthalt ansonsten hohe Kosten anfallen könnten.

Sicherheit

Ich denke, dass die meisten immer noch ein sehr veraltetes (von Gewalt und Drogenhandel geprägtes) Bild von Kolumbien haben. Auch ich selbst hatte etwas Bedenken, aber rückblickend war das wirklich nicht nötig. Ich habe ich mich eigentlich immer sehr sicher gefühlt und bin in keiner einzigen brenzligen Situation gewesen noch wurde ich bestohlen. Allerdings wurden während meines vierwöchigen Aufenthaltes in Armenia zwei meiner kolumbianischen Kommilitonen unabhängig voneinander auf ihrem Nachhauseweg abends ausgeraubt. Also Vorsicht ist auf jeden Fall geboten.
Hört auf euer Bauchgefühl und achtet zudem darauf, weder das Handy noch andere Wertgegenstände und Geld öffentlich zu zeigen. Und am besten seid ihr abends immer mit anderen Leuten zusammen unterwegs.
Ich habe sicherheitshalber zwei Kreditkarten mitgenommen, die ich an verschiedenen Orten gelagert habe und habe mehrere Kopien des Reisepasses sowie des Visums gemacht und elektronisch gespeichert/ in die Dropbox geladen.
Ab Eintreten der Dunkelheit (ca. 18 Uhr) empfiehlt es sich ein Taxi zu nehmen, dies ist z.B. sehr unkompliziert möglich über die App EasyTaxi. Zudem auch kostengünstig (meist zwischen ein und zwei €). Ich habe neben diversen Überlandsbusfahrten auch einmal den Nachtbus nach Medellín genommen und – auch wenn in manchen Reiseführern dazu abgeraten wird- war das auch unkompliziert und ich habe mich nicht unsicher gefühlt. Aber habt trotzdem euer Handgepäck im Auge.

Geld

Die einheimische Währung ist der kolumbianische Peso. Der Wechselkurs im Mai 2018 betrug 3400 COP= 1Euro. Am besten, wenn noch nicht vorhanden, holt ihr euch eine Kreditkarte mit der ihr im Ausland (weltweit) kostenlos an allen Geldautomaten Geld abheben könnt, z.B. bei der DKB oder Santander. Wenn doch Gebühren an den Geldautomaten erhoben werden (je nach Geldinstitut unterschiedlich hoch), könnt ihr diese auf Antrag euch erstatten lassen (zumindest bei Santander). Zudem habe ich ein paar Euro- und Dollarscheine in bar dabei gehabt, diese kann man sich z.B. am Flughafen wechseln lassen und sind ganz nützlich, falls es Probleme mit der Kreditkarte gibt oder auch für Zwischenstopps in anderen Ländern auf dem Hin/Rückflug.
Bei Ankunft in Kolumbien habe ich direkt am Flughafen von Bogota mit der Kreditkarte kolumbianische Pesos abgehoben.
Insgesamt sind die Lebenshaltungskosten deutlich günstiger als in Deutschland. So kostet ein solides Mittagessen inkl. Vorspeise und Espresso zwischen 7.000 und 11.000 COP (= 2 bis 3 Euro) und eine 7- stündige-Busfahrt von Armenia knapp 13 Euro.
Qualitativ hochwertigen kolumbianischen Kaffee bekommt man bereits für 3 Euro.
Jedoch gibt es auch sehr hochpreisige Produkte, vor allem Pflegeprodukte wie Shampoo und Deo (kosten teilweise bis zu 5 Euro!). Diese also am besten alle aus Deutschland mitnehmen.

Sprache

Die kolumbianische Landessprache ist Spanisch. Es gibt viele, die sagen, dass das kolumbianische Spanisch eines der am einfachsten zu verstehenden Dialekte im Vergleich zu anderen lateinamerikanischen Ländern sei.
Kolumbien ist ein sehr diverses Land und dementsprechend verschieden sind auch die Dialekte in den unterschiedlichen Regionen Kolumbiens.
Im Departamento del Quindío (das auch Armenia umfasst), Medellín, Manizales und Pereira spricht man Paisa, ein wie ich finde sehr schöner Singsang, aber auch mit vielen eigenen Wörtern wie z.B. Parce (=„amigo“), chimba, marika, rumbear (= „hacer fiesta).
Da ich Spanisch sowohl schon in der Schule gelernt habe, als auch für ein Auslandssemester in Spanien war und zudem vor zwei Jahren eine Famulatur in Argentinien gemacht habe, habe ich mich zumindest sprachlich nicht besonders auf den Aufenthalt vorbereitet.
Vor allem bei einem SCOPE-Aufenthalt/Famulatur auf Station solltet ihr ein Sprachniveau von mindestens B2 haben, da ihr ansonsten viel sprachliche Probleme bekommt. Insgesamt sprechen nur wenige Englisch (von Studenten und Professoren abgesehen, aber auch die haben eher ein mittelmäßiges Niveau, da der Englischunterricht in der Schule fast ausschließlich auf Grammatik abzielt). In der Forschung/ SCORE sieht es schon etwas anders aus, da Forschung einfach auf internationaler Ebene abläuft und alle Naturwissenschaftler in Englisch sehr versiert sind. Trotzdem fällt ihnen das aktive Sprechen schwer und ich habe auch immer das Gefühl, dass man mit Spanisch die Personen viel besser kennenlernt und sie einem auch gleich noch viel mehr Gastfreundschaft entgegenbringen und ihre Kultur teilen wollen.

Verkehrsbindungen

Ich bin mit Lufthansa von Hamburg aus über Frankfurt nach Bogota geflogen und zurück bin ich von Costa Rica aus (also ein Gabelflug) und ich habe um die 750 Euro gezahlt. Den Flug habe ich aber bereits vier Monate im Voraus gebucht, ich denke, dass bei Erhalt der Card Of Acceptance die Flüge höchstwahrscheinlich deutlich teurer sind. Iberia ist eine der günstigsten Fluglinien, die von Europa nach Lateinamerika fliegen.
Innerhalb Kolumbiens sind die Verkehrsmittel sehr günstig, sowohl die Taxi- und Busfahrten als auch die Inlandsflüge. Auch wenn die Busfahrten ein klein wenig länger dauern als die Flüge, sind sie doch deutlich besser für das Klima und zudem sind die Landschaften wunderschön. Es lohnt sich wirklich! Vor dem Forschungsaufenthalt war ich zwei Tage in Bogota und bin von dort nach Armenia für etwa 12 Euro mit dem Bus gefahren (knapp sieben Stunden).
Generell sind die Busfahrten auch sehr sicher- auch nachtsüber- aber ihr solltet trotzdem immer ein Auge auf eure Wertsachen haben. Zudem ist die Pause an einer Raststätte während der Busfahrt immer sehr knapp bemessen und ihr solltet darauf achten, dass der Bus nicht ohne euch losfährt (kommt wohl häufiger vor).
Die nationalen Flugunternehmen sind Avianca und VivaAir (ehemals VivaColumbia, ein Tochterunternehmen von Ryainair). Avianca soll deutlich besser organisiert sein, VivaColumbia hat einen eher schlechten Ruf unter den Kolumbianern.

Kommunikation

Vor Ort habe ich mir direkt ein SIM-Karte geholt. Es gibt mehrere Anbieter wie z.B. Claro, Movistar und TIGO. Ich rate euch zu Claro, da diese landesweit den besten Empfang haben (auch an der Küste). Die SIM-Karte selbst kostet ca. 5000 COP und die Datenpakete je nach Datenvolumen 4000-10000 COP für einen Zeitraum von vier bis sieben Tage. Achtet darauf, dass ihr beim Kauf auch direkt euer evtl. mitgebrachtes Handy registrieren last, ansonsten wird dieses einen Monat später für die jeweilige SIM-Karte gesperrt. Dies soll dem illegalen Handel mit geklauten Handys vorbeugen. Im Haus meiner Gastfamilie gab es WLAN, sodass ich mit meiner Familie, Freund und Freunden meist per Whatsapp, Messenger oder Skype telefoniert habe. Die Verbindung ist meistens sehr gut gewesen. Einen Blog oder ähnliches habe ich nicht betrieben, sondern ab und zu mal Fotos nach Hause geschickt.

Unterkunft

Ich bin in dem Haus von einer Medizinstudentin untergekommen. Das Haus lag in einer “gated community” (abgezäunt und mit einem eigenen Portero, der einem die Tür aufschließt; Gäste müssen angemeldet werden), die sehr üblich sind in Kolumbien. Diese Unterkunft wurden von den Studenten der ASCEMCOL organisiert. Insgesamt kommen sehr viele ausländische Studenten nach Armenia, daher haben sie oft Schwierigkeiten Unterkünfte organisiert zu bekommen. Die Medizinstudentin, bei der ich gewohnt habe, studierte allerdings an der privaten Universität, sodass sie viele gar nicht kannten bzw. die häusliche Situation überhaupt nicht einschätzen konnten (fast alle aus der Organisation sind an der staatlichen Uni, dort macht man auch die Famulatur oder den Forschungsaustausch. Die Studenten, die eine Unterkunft stellen, kriegen eine sehr hohe Punktzahl für eine zukünftige Bewerbung über IFMSA, sodass das für viele die Hauptmotivation einen Studenten aufzunehmen darstellt. Die meisten Zeit wohnte ich mit der Medizinstudentin und ihrer Schwester zusammen, ab und zu kamen auch die Eltern für einige Tage, die aber eigentlich in Manizales wohnten. Insgesamt war das Haus in einem sehr desolaten Zustand und die Schwestern kümmerten sich auch wenig um Sauberkeit, was die hygienischen Zustände sehr desolat machte plus ein Hund, der nie Gassi geführt wurde und stattdessen immer ins Haus machte.
Ich habe dementsprechend immer versucht außerhalb zu essen und mein Zimmer zu verschließen, damit der Hund nicht reinkommt. Zudem waren die Eltern Pastoren einer Sekte/cristianos mit sehr zweifelhaften Einstellungen (u.a. sehr homophob), aber ich habe versucht, das Beste daraus zu machen und bin den Eltern meistens aus den Weg gegangen.

Literatur

Als gute Vorbereitung dienen die Erfahrungsberichte im bvmd Portal sowie Internetrecherchen über das jeweilige Gastland. Ich hatte mir kurz vorher noch den Lonely-Planet-Reiseführer gekauft und war sehr zufrieden mit den enthaltenden Informationen, vor allem wenn ihr nach dem Forschungsaufenthalt noch etwas reisen wollt.
Wenn ihr einen Einblick in die literarische Welt Kolumbiens bekommen wollt, kann ich euch Bücher von Gabriel García Márquez ans Herz legen.
Zudem hat Kolumbien eine sehr komplexe Geschichte und es lohnt sich informiert zu sein, um später besser vor allem das Land und seine Leute verstehen zu können.

Mitzunehmen

Da Kolumbien sehr unterschiedliche Klimazonen hat, würde ich euch empfehlen nicht nur sommerliche Kleidung mitzunehmen, sondern auch etwas wärmere Pullover, Socken etc.
Vor allem solltet ihr aber einen Regenschirm und Regenjacke mitnehmen, da das Wetter in Armenia unberechenbar ist und es jederzeit – vor allem in der Regenzeit- anfangen kann zu regnen und das mindestens einmal am Tag. Zudem braucht ihr einen Adapter, ausreichend Sonnencreme (ist vor Ort auch deutlich teurer) und Mückenschutzmittel. Im Labor werden keine Kittel für Gaste gestellt, daher bringt ihr am besten euren eigenen mit (in jedem Fall auch für die consultas mit dem Prof. Gomez zu empfehlen) bzw. ich habe mir für die Laborarbeit einen Einmal-Kittel gekauft, dem man in jeder Apotheke kaufen kann (deutlich steriler als euer Klinik-Kittel; ansonsten verunreinigt man schnell Zellkulturen).
Außerdem solltet ihr unbedingt Schokolade mitbringen, sowohl für die Gastfamilie als auch die Studenten von ASCEMCOL. Es freuen sich alle sehr, vor allem über kinder-Schokolade, die es auch hier an einigen Orten zu kaufen gibt, aber sehr teuer sind.

Reise und Ankunft

Vor dem Forschungsaufenthalt war ich noch für zwei Tage in Bogota und von dort bin ich zwei Tage vor Beginn mit dem Bus nach Armenia gefahren. Über Whatsapp stand ich mit der zuständigen LORE in Verbindung, das war ganz nützlich, da der Bus letztendlich eine Stunde Verspätung hatte. In Armenia angekommen, wurde ich von der LORE und zwei anderen Mitgliedern von ASCEMCOL am Busbahnhof abgeholt. Von dort sind wir zu einem Freund gefahren, bei dem ich auch die erste Nacht geschlafen habe. Abends sind wir noch in ein kleines, süßes Café gegangen, um den berühmten kolumbianischen Kaffee zu probieren. Am nächsten Tag hat mich Sara, die zuständige LORE, zur endgültigen Gastfamilie gebracht und vorgestellt (sie kannten sich untereinander selbst auch noch nicht).
Erst nach Ankunft wurde mir mitgeteilt, dass der Praktikumsbeginn sich um drei Tage verschiebt, da der zuständige Professor bis dahin keine Zeit habe. Insgesamt etwas ärgerlich, da ich sonst noch hätte länger in Bogota bleiben können. Anderseits konnte ich mich so bis dahin um die Visaangelenheiten kümmern und an einem Nachmittag habe ich eines der schönen Dörfer in der Umgebung besucht. Drei Tage später hat mich Sara dann zum Professor, der aktuell auch der Dekan der Universität ist, gebracht. Dort wurde ich von ihm und einer anderen Ärztin empfangen und anschließend hat er sich noch Zeit genommen um mich im Labor herumzuführen und wichtigen Leuten vorzustellen.

Tätigkeitsbeschreibung und fachliche Eindrücke

Am ersten Tag wurde ich von dem zuständigen Professor empfangen, im Labor herumgeführt und den Mitarbeitern vorgestellt. Nach dem kleinen Rundgang hat er mich an einen PhDler verwiesen, der in dem Projekt für die notwendigen Zellkulturen verantwortlich war. Mit ihm habe ich meinen ersten Tag verbracht und er hat mir die groben Züge des Projektes erklärt sowie in den Umgang mit Zellkulturen eingeführt. Der Schwerpunkt des Projektes liegt vor allem auf der okulären Toxoplasmose, da diese in Kolumbien zu zahlreichen Erblindungen von Kindern und Erwachsenen führt und dementsprechend auch eine sehr große Bedeutung im Alltag hat. In den Tagen und Wochen darauf hatte ich keinen konkreten Ansprechpartner, sondern ich habe meistens geguckt, was die Mitarbeiter und Studenten gerade machen und habe gefragt, ob ich sie begleiten kann. Meistens hat das gut geklappt, viele haben gerne über ihr aktuelles Projekt erzählt und mich bei ihren Versuchen zuschauen bzw. mitarbeiten lassen.
Forschungsschwerpunkte der verschiedenen Arbeitsgruppen sind neben der Toxplasmose u.a. das Dengue -Virus, antimikrobielle Peptide und die Prävalenz und Charakterisierung von Parasiten, vor allem im Trinkwasser und Gewässern.
Neben den Tätigkeiten im Labor gab es außerdem die Möglichkeit einmal die Woche an der consulta (Sprechstunde) des Professors teilzunehmen, die sehr spannend war und einem vor allem die Wichtigkeit, neue Therapien zu entwickeln immer wieder sehr vergegenwärtigt hat. Es gab z.T. sehr schwere Schicksale, die mehr sehr ans Herzen gegangen sind.
Die Mitarbeiter (vor allem viele Bachlor/Master und PhD-Studenten) waren alle super nett und ich habe mich sehr wohl gefühlt, am liebsten mochte ich die (zweistündige) Mittagspause, in der wir immer alle zusammen essen gegangen sind. Kolumbianer sind einfach sehr gesellig

Land und Leute

Kolumbien ist ein wunderschönes Land! Die Einzigartigkeit liegt vor allem in der Diversität des Landes, jede Region hat seinen eigenen Charme. Und die Paisas gehören sicherlich zu den interessantesten, herzlichsten und sehr feierfreudigen Menschen. Am meisten beeindruckt hat mich die wunderschöne (tropische) Landschaft und die Gastfreundlichkeit der Kolumbianer. So wurde ich z.B. von einer Patientin aus der Sprechstunde direkt zum Essen nach Hause eingeladen oder auf einer Wanderung im Nationalreservat „Tayrona“ bin von einer sehr lieben Familie eingeladen worden, sie bald in ihrer Stadt zu besuchen. Sehr eindrücklich und selbst erlebt habe ich die Ungleichheit in dem kolumbianischen Staat. Gewohnt habe ich in einer „gated community“ in einem wohlhabenden Stadtteil von Armenia, ich konnte gut zu Fuß zur Uni laufen und mich abends auch relativ frei bewegen. Aber sobald man in einem der anderen vielen Stadtteile in Armenia war, sah das schon gleich ganz anders aus und man war auf einmal mitten im Elend der Menschen. Und auch während der vielen Busfahrten durch Kolumbien waren „Ghettos“/Wellblechhütten u.ä. immer sehr präsent. Umso ungerechter empfinde ich es, dass dort „Medizinstudieren“ und auch viele naturwissenschaftliche Studiengänge/ Studieren allgemein ein immenser Luxus ist und eigentlich nur für die reiche Bevölkerung in Frage kommt.
Zudem ist man in seiner Unabhängigkeit und Bewegungsfreiheit sehr eingeschränkt. Ich empfand es als sehr befremdlich, jedes Mal beim Verlassen des Hauses das Tor aufgeschlossen zu bekommen/ das gleiche Spiel beim Nachhause kommen. Zudem wird man z.B. beim Betreten des Supermarktes immer kontrolliert (mit Rucksack-Inspektion) und beim Verlassen muss man die Quittung plus alle eingekauften Artikel vorzeigen, die dann nochmal geprüft werden.
Außerdem empfand ich es unangenehm, dass man sich abends (wenn man ausgegangen ist) immer Gedanken machen musste, wie man nun am besten sicher nachhause kommt.
Aber ich denke, jeder macht seine eigenen Erfahrungen und Eindrücke

Fazit

Es war eine sehr tolle Zeit, die ich nicht missen wollen würde! Ich wollte gerne noch einmal die weite Welt sehen, bevor es mit dem Arbeitsleben so richtig los geht. Ich könnte mir aber nicht vorstellen in Kolumbien zu arbeiten (einfach aufgrund der schlechten Bedingungen) und bin umso mehr froh in Deutschland wohnen (und arbeiten) zu können und schätze dies sehr.

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