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Verschiedene - SCORE (Forschungsaustausch)
Anonym

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Motivation

Ich wollte einen Forschungsaustausch im Ausland machen, weil ich mich einer neuen Herausforderung stellen wollte: eine andere Sprache, viele zunächst unbekannte Menschen und einfach mal raus aus dem gewohnten Umfeld. Ich habe Dänemark gewählt, weil ich die skandinavischen Länder sehr mag und ich einmal erfahren wollte, was „hygge“ ist und warum die Dänen zu den glücklichsten Menschen der Welt zählen. Nun ist Dänemark sicherlich nicht sonderlich exotisch, sehr weit weg und es war auch gar keine lange Zeit, dennoch habe ich viele, viele neue Menschen von der ganzen Welt kennenlernen und meinen aktiven englischen Wortschatz stärken können.

Vorbereitung

Zur Vorbereitung auf den Forschungsaustausch habe ich zwei Sprachkurse über medizinisches Englisch an meiner Universität belegt.
Außerdem habe ich angefangen gehabt, ein englisches Buch zu lesen, um ins Englische wieder „reinzukommen“. Zwar hatte ich jahrelang Englisch in der Schule, jedoch war mein aktiver Wortschatz etwas eingestaubt und so gestaltete sich normalerweise vor allem das Sprechen nicht so flüssig, wie ich es gern wollte. Genau das zu verbessern war eines meiner Ziele dieses Austausches.
Darüber hinaus schloss ich für diesen einen Monat eine Berufshaftpflichtversicherung über die deutsche Ärztefinanz ab, die ein Teil des von der bvmd vorgeschlagenen Versicherungspaketes war.

Visum

Für die Einreise nach Dänemark habe ich nur meinen Personalausweis benötigt. Ein Visum ist nicht erforderlich.

Gesundheit

Zusätzliche Impfungen habe ich nicht benötigt.
Meine Auslandskrankenversicherung habe ich vorher telefonisch über meinen Aufenthalt in Dänemark informiert und mir ein Schreiben über die Bestätigung meines Vertrages und der inkludierten Leistungen auf Englisch zusenden lassen.
Ich nahm eine kleine Reiseapotheke mit den typischen Utensilien, wie man sie für Urlaube packt, mit.
Für einen Famulaturaustausch in Dänemark hätte man einen MRSA-Test benötigt, für den Forschungsaustausch jedoch nicht.

Sicherheit

In Kopenhagen muss man sich meiner Meinung nach nicht unsicherer fühlen, als in Berlin. Es gibt sicherlich in jeder Stadt Ecken, in denen man sich gerade nachts nicht alleine aufhalten sollte. Diese gibt es bestimmt auch in Kopenhagen, jedoch ist mir keine Situation im Gedächtnis geblieben, in der ich mich unsicher hätte fühlen müssen. Wir waren eh meistens zusammen unterwegs und auf meinen Heimwegen am Abend war ich mit meinem Fahrrad meistens nicht alleine auf der Straße.

Geld

In Dänemark zahlt man mit der dänischen Krone. Ein Euro ist etwa 7,5 Kronen wert. Nach einer Weile habe ich mich an das Überschlagen der Preise im Kopf gewöhnt, für den Beginn nutzte ich aber eine Wechselkurs-App auf meinem Handy. Vor Beginn des Austausches wechselte ich in einer Wechselstube in Berlin schon mal ca. 50 € in dänische Kronen um, um für die ersten Tage Bargeld zu haben. Gerade in Kopenhagen konnte man jedoch alles mit der VISA-Karte zahlen. Man wird auch nicht komisch angeguckt, selbst wenn es kleine Beträge sind. Ich hatte eher das Gefühl, dass es mittlerweile sogar unüblicher geworden ist, bar zu zahlen. Es empfiehlt sich trotzdem, ein paar Kronen im Portemonnaie zu haben, falls z.B. der Ticketautomat der Metro mal wieder eine Störung des Kartenlesegerätes haben sollte…

Sprache

Ich denke es ist nicht nötig, sehr viel dänisch vorher zu lernen. Ich war überrascht, wie gut die Dänen, egal welcher Altersklasse, Englisch sprechen können.
Um wenigstens ein paar Worte auf Dänisch sagen zu können, lernte ich über eine App ein paar Lektionen Dänisch. Ich konnte mich natürlich bei Weitem nicht auf Dänisch unterhalten, aber ich denke, es war trotzdem gut, ein paar Worte sagen zu können – nicht zuletzt, um die dänischen Studenten zum Lachen zu bringen.
In der „Welcome to Denmark“-Broschüre, die wir vor dem Austausch zugesendet bekommen haben, standen auch noch einmal die wichtigsten Worte. „Tak.“ haben wir auf jeden Fall oft benutzt („Danke.“).

Verkehrsbindungen

Ich bin mit dem Flixbus von Berlin nach Kopenhagen gereist. Der Flug hätte mir sicherlich etwas Zeit gespart, jedoch konnte ich so mein eigenes Fahrrad mitnehmen, was eine sehr, sehr gute Entscheidung war.
In Kopenhagen gibt es ein sehr gutes öffentliches Verkehrsnetz, was allerdings ganz schön ins Geld gehen kann. Man zahlt pro Zone, die man durchquert. Gerade, wenn man weiter außerhalb wohnt, empfiehlt es sich daher einen „Rejsekort“ zu kaufen. Damit kann man sich bei jeder Fahrt einfach ein- und auch wieder auschecken, spart ca. 50 % auf den Ticketpreis und muss nicht bei jeder Fahrt extra ein Ticket kaufen.
Ich habe die öffentlichen Verkehrsmittel jedoch kaum genutzt, da ich recht zentral in Kopenhagen gewohnt habe und so gut wie alles mit dem Rad innerhalb von 15 – 25 Minuten erreichen konnte. Wenn ihr irgendwie die Möglichkeit habt, euer Fahrrad mit nach Kopenhagen zu nehmen oder euch dort günstig eines leihen könnt, möchte ich euch das empfehlen! Im normalen Fahrradverleih vor Ort kosten die Fahrräder allerdings ca. 13 €/Tag, was wohl noch teurer ist, als die öffentlichen Verkehrsmittel. Eine andere Austauschstudentin hat für eine Flasche Wein das Rad einer dänischen Studentin für die Zeit geliehen bekommen.

Kommunikation

Meinen Handytarif konnte ich in Dänemark ohne Einschränkungen nutzen, wie in Deutschland. Im Studentenwohnheim gab es kostenfreies WLAN.
Die Kommunikation mit den anderen Austauschstudenten und den dänischen Studenten lief vor allem über Facebook und Whatsapp.

Unterkunft

Ich habe in einem Studentenwohnheim mein eigenes, sehr schönes Zimmer und Badezimmer gehabt. Die Küche und den Aufenthaltsraum haben wir uns geteilt. Es gab glücklicherweise auch eine Waschmaschine und einen Trockner, die wir alle benutzen durften. Ich hatte meine eigene Bettwäsche mit, allerdings hatte mir die Zimmerbesitzerin sogar auch welche hingelegt. Glücklicherweise musste ich mich nicht um die Organisation des Zimmers kümmern. Meine Kontaktperson hatte vor meiner Anreise sogar schon den Schlüssel organisiert und konnte mir dann alles zeigen und erklären. Ich habe mich hier sehr wohlgefühlt, gerade wegen der recht zentralen Lage, dem tollen Ausblick und den anderen netten Studenten.
Der Großteil der anderen Austauschstudenten war in Kopenhagen und in Roskilde (einem Ort neben Kopenhagen) in Gastfamilien untergebracht. Drei von ihnen gemeinsam in einer Familie - es hatte trotzdem jeder sein eigenes Zimmer.

Literatur

Vor dem Austausch habe ich begonnen, das Buch „Hygge – the danish way to life well“ zu lesen, um ein bisschen einen Eindruck vom dänischen Lifestyle zu bekommen und weil das Buch versprach, einem näher zu bringen, warum die Dänen zu den glücklichsten Menschen der Welt gehören. Außerdem las ich ein paar Paper vergangener Projekte meines Tutors und meines Chefarztes, durchforstete das Internet nach Tipps für Unternehmungen in Kopenhagen und warf natürlich auch einen genauen Blick auf die IFMSA-Seiten von „IMCC Denmark“.

Mitzunehmen

Ich habe wie gesagt mein Fahrrad mit nach Kopenhagen gebracht, was sich als sehr nützlich erwiesen hat. Außerdem habe ich mir ein bisschen Schokolade mitgenommen, weil gerade Süßigkeiten in Dänemark sehr, sehr teuer sind. Mein Laptop und ein großer Rucksack für die Social Weekends haben sich auch als nützlich herausgestellt. Rückblickend hätte ich aber auf jeden Fall ein paar Klamotten zu Hause lassen können, da ich ja eine Waschmaschine im Studentenwohnheim zur Verfügung hatte.

Reise und Ankunft

Ich bin an einem Sonntag, also einen Tag vor Praktikumsbeginn, nachmittags in Kopenhagen angekommen. Meine Kontaktperson, mit der ich vorher schon Emails geschrieben habe, holte mich vom Hauptbahnhof ab und brachte mich zu meinem Studentenwohnheim. Anschließend hat sie mir sogar noch den Weg zum Krankenhaus und zu meinem Treffpunkt für Montagmorgen gezeigt. Dann aßen wir noch ein Eis zusammen und ich habe mich sehr willkommen gefühlt. Am Montagmorgen wurden ich und eine andere Austauschstudentin dann von unserem Tutor in Empfang genommen. Er zeigte uns die ganze Station und stellte und den wichtigsten Leuten vor.

Tätigkeitsbeschreibung und fachliche Eindrücke

Unser Tutor erklärte uns am ersten Tag unsere Aufgaben und zeigte uns Schritt für Schritt wie wir vorzugehen hatten. Wir schauten uns CT-Bilder vom Herzen an und kontrollierten und berichtigten die Markierungen der rechten Herzkammer, der linken Herzkammer und des linken Myokards, die das Programm schon vorgenommen hatte. So konnte das Volumen der Strukturen genau berechnet werden. Jeder von uns hatte seinen eigenen PC-Arbeitsplatz und einen USB-Stick, wo unser Tutor die Herz-CTs der Patienten raufgeladen hatte, die wir bearbeiten sollten. In den 4 Wochen sind wir auf insgesamt über 600 Herz-CTs gekommen, die wir bearbeitet haben. Damit die Arbeit am PC nicht zu langweilig und eintönig wird, hatte unser Tutor für uns organisiert, dass wir einen Tag im Echokardiographie-Lab und einen Tag bei den Herz-CT Untersuchungen mitlaufen können. Außerdem zeigte er uns ab und zu Herz-CTs von Patienten, die einen besonderen Befund hatten und ließ uns „erraten“, um was für eine Diagnose es sich handeln könnte. Generell war es ein sehr lockeres und angenehmes Arbeitsumfeld. Alle, die in diesem Büro gearbeitet haben, waren äußerst hilfsbereit und nett. Der Chefarzt hatte auch immer ein Lächeln auf den Lippen und war sehr interessiert, wie wir uns fühlen und was wir noch alles in Kopenhagen vorhaben. Auch die Schwestern und Ärzte bei den Untersuchungen waren bereit, viel zu erklären und konnten alle sehr gut Englisch. An meinem Tag im Echo-Lab lief ich mit einer Schwester mit, die jahrelang in der Schweiz gearbeitet hatte und mit mir Deutsch sprechen wollte.
Wir konnten kommen und gehen, wann wir wollen, so lange wir die Zielvorgabe von ihm ungefähr einhalten konnten.
Meinen Lernfortschritt schätze ich als mittelmäßig ein. Bei der Betrachtung der einzelnen Strukturen auf Herz-CT-Aufnahmen fühle ich mich nun auf jeden Fall sicher, beim Erkennen von vielen Pathologien jedoch weiterhin unsicher. Dafür braucht man aber sicherlich auch ein paar Monate, Jahre,… Und auch wenn das Geklicke am PC jeden Tag wie am Fließband ging, fand ich es dennoch nicht langweilig, weil auch so drumherum schon alles aufregend genug war und mich durch die Zielvorgabe des Tutors der Ehrgeiz gepackt hatte. Für 4 Wochen also noch genau richtig, nach weiteren Wochen wäre mir dann aber wahrscheinlich doch langweilig geworden.
In Dänemark wird das Gesundheitssystem übrigens vollständig aus Steuern finanziert und die Bevölkerung kann einen Großteil der angebotenen Leistungen kostenlos in Anspruch nehmen. Auch die ambulante Pflege ist kostenlos. Dafür hat Dänemark allerdings auch eine viel höhere Abgaben- und Steuernquote, als Deutschland. Es gibt auch nur eine einzige staatliche Krankenversicherung und nicht über 200, wie bei uns.
Als Besonderheit ist mir ansonsten noch aufgefallen, dass sich die Dänen untereinander – auch der Chefarzt und die Patienten – mit dem Vornamen ansprechen und duzen. Alle waren sehr erstaunt, als ich erzählte, dass man einen Chefarzt in Deutschland lieber nicht vom ersten Tag an gleich mit dem Vornamen ansprechen sollte…

Land und Leute

Ich habe viele, viele nette Menschen in diesen 4 Wochen kennengelernt. Meine Kontaktperson war sehr hilfsbereit und war auch oft bei unseren Treffen mit den anderen Austauschstudenten dabei. Wir waren zu 8 und ein bunt durchgemixter Haufen aus aller Welt. Wir haben fast jeden Tag nach dem Praktikum etwas gemeinsam unternommen und ich war froh, so unternehmenslustige Leute dort kennenzulernen. Natürlich waren nicht jeden Tag alle Leute dabei. Gerade für die drei Mädels, die bei der Gastfamilie in Roskilde gewohnt haben, war es nicht unbedingt immer leicht und vor allem günstig nach Kopenhagen zu fahren. Dennoch haben wir das beste draus gemacht: Wir hatten eine schöne „National food and drink party“ im Schlossgarten der Rosenborg, waren im Tivoli-Freizeitpark, im botanischen Garten, in Museen, am Strand, am Hafen-Freibad, in Roskilde, auf einem Streetfoodmarkt („Reffen“ – mein absoluter Lieblingsort!) und haben so gut wie jedes Schloss in und um Kopenhagen besucht. Unsere „Castle-Tour“ wurde ermöglicht, da ein dänischer Student uns mit dem Auto zu den Schlössern außerhalb von Kopenhagen begleiten konnte. Mit den öffentlichen Verkehrsmitteln wäre das wesentlich aufwendiger geworden.
Neben den ganzen Unternehmungen in und um Kopenhagen hatten wir auch zwei tolle und sehr gut organisierte „Social weekends“ – eines in Odense und eines in Aalborg. Für Aalborg hatte ich mir schon vor Beginn des Austausches Flugtickets gekauft, da man ansonsten ca. 6 Stunden mit dem Bus oder der Bahn von Kopenhagen aus gefahren wäre. Unser Busticket nach Odense haben wir vor Ort alle zusammengekauft. Es war wirklich toll, so viele Menschen aus der ganzen Welt kennenzulernen und ich hätte auch niemals gedacht, dass wir so viele Leute werden: 35 waren es bei den Wochenenden jeweils! Wir besuchten ein Schloss, machten Sightseeing in den jeweiligen Städten, spielten Minigolf, fuhren zum nördlichsten Punkt Dänemarks und stellten uns hier an genau die Stelle im Wasser, an der die zwei Meere aufeinandertreffen. Für Speis und Trank war stets gesorgt und viel Spaß und gute Partys konnte man auch mit allen haben.
Auch alle anderen Menschen, denen ich in Dänemark begegnet bin, erschienen mir sehr nett. Ich war regelrecht überrascht, als ich an einem Morgen einen Dänen auf seinem Fahrrad habe fluchen hören.
Ich fand die Fahrradkultur in Kopenhagen sehr beeindruckend. Man war definitiv nie der einzige Fahrradfahrer auf der Straße. Die Fahrradwege sind an vielen Stellen mindestens doppelt so breit, wie unsere. Spätestens morgens im Berufsverkehr wusste ich dann auch warum: teilweise wartete ich mit 30 anderen Fahrradfahrern an einer Ampel. Man sollte hier also auf jeden Fall sicher Fahrrad fahren können und sich auch an ein paar Regeln halten, um sich nicht in Gefahr zu bringen. Ansonsten kann ich das Fahrradfahren dort nur empfehlen: alles eben, ausgebaut und oft schneller als mit Auto oder mit den Öffentlichen.

Fazit

Meine Erwartungen an diesen Forschungsaustausch wurden erfüllt. Ich bin nach wie vor kein Profi in der Kardiologie oder Radiologie, habe aber neue Erfahrungen auf diesem Gebiet sammeln können und meinen aktiven Wortschatz im Englischen gut auffrischen können. Außerdem habe ich viele nette Menschen von der ganzen Welt kennengelernt. Auch Kopenhagen an sich habe ich sehr liebgewonnen und werde bestimmt mal wieder dorthin reisen. Ist ja zum Glück nicht weit weg :). Ich kann es nur empfehlen, mal ein Praktikum im Ausland zu machen und sich hier neuen Herausforderungen zu stellen. Vielen Dank für die gute Organisation!

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