zurück

;IFMSA-Sweden(Sweden);Evaluation of perfusion-based decellularization of the human placenta and the preserved matrix scaffolds use as biomaterial for the 3-D printing of blood vessels;

Chirurgie - SCORE (Forschungsaustausch)
Anonym

Array

Motivation

Ein Freund war zuvor von seinem Forschungsaustausch in Schweden sehr begeistert gewesen und empfahl mir das Erlebnis. Ich wollte unbedingt mehr über die Grundlagenforschung wissen und wollte außerdem einmal Skandinavien sehen. Ich erwartete vor allem, praktisch die Forschung an Krankheiten erleben zu können, neue Orte zu sehen, viele Menschen kennenzulernen und Wissen über Sprache und Kultur aus erster Hand sammeln zu können.

Vorbereitung

Ich habe mich nicht besonders vorbereitet, habe mich nur im Internet über die Gegend, in der ich leben würde, informiert (und nach Orten zu besuchen geschaut) und mir einige schwedische Wörter und Sätze angeeignet.

Visum

Brauchte mit deutschem Pass kein Visum für Schweden.

Gesundheit

Brauchte weder Impfung noch Untersuchungen, da ich nicht an Patienten arbeitete. Allerdings ist es in meiner Stadt notwendig, ein MRSA-Screening abzuschließen, für jegliche Aktivität mit Patientenkontakt.

Sicherheit

Ich fühlte mich eigentlich immer sicher. Nur wurden uns Fahrräder geliehen und zwei wurden während der Periode gestohlen. Daraufhin mussten die entsprechenden Studenten auf um die 50 Euro Pfandgeld verzichten. ‚Bike-Sharing‘ scheint dort unter Studenten leider verbreitet.

Geld

Schwedische Kronen; man kann so gut wie überall bargeldlos bezahlen. Allerdings kann man manchmal auch nicht mit Bargeld bezahlen. Problematisch sind Bustickets: Diese kann man nur an bestimmten Automaten oder in Läden in der Stadt erwerben. Im Bus wird das Ticket dann vorgezeigt oder man hat eben keine Möglichkeit, mitzufahren. Man kann sich auch eine App herunterladen, um zu erhöhten Preisen online Tickets zu kaufen. Wer regelmäßig Bus fährt, holt sich eine Buskarte. Die Preise für Nahrung sind ungefähr wie in Deutschland, wenn man selbst kocht, wenn man aber auch mal im Restaurant essen möchte, sollte man sich auf sehr hohe Preise gefasst machen.

Sprache

Jeder, den ich traf, sprach gutes Englisch. Nicht nur die Studenten und die Angehörigen des Krankenhauses, sondern auch Supermarktverkäufer, Busfahrer usw. Allerdings kam ich mit Patienten nicht in Kontakt.

Verkehrsbindungen

In Linköping eignete sich das Fahrrad immer am besten; ansonsten könnte man sich auch eine Buskarte kaufen, siehe Abschnitt Geld. Fernbusse sind i.A. billiger als Züge, wobei die Zugpreise billiger sind als in Deutschland.

Kommunikation

Ich nutzte einfach meine deutsche SIM-Karte. Internet wurde mir für daheim nicht bereitgestellt, womit ich eigentlich gerechnet hätte. In Universität und meinem Teil des Krankenhauses gab es Eduroam WLAN.

Unterkunft

Ich wurde in einem Einzelzimmer in einem Wohnheim untergebracht, mit eigenem Bad und gemeinschaftlicher Küche. Leider war ich anfangs der einzige in meinem Korridor, aber später zogen weitere Studenten ein. Bettwäsche wurde gegen Kaution bereitgestellt. Das Zimmer gehörte einer der IFMSA-Organisatoren; Internet war zwar da, aber als ich sicherheitshalber nachfragte, wurde mir untersagt, es zu nutzen.

Literatur

Ich habe während meiner Arbeit am Projekt einige Artikel zum Thema gelesen. Als Vorbereitung für den Aufenthalt habe ich nicht viel gelesen. Ich versuchte, Erfahrungsberichte über Austausche zu finden.

Mitzunehmen

Ich habe nichts wirklich Besonderes mitgenommen (Klamotten, Bücher, Handtücher, Handy) und es war auch alles Nötige in Reichweite. Natürlich sollte man auch im Sommer zumindest eine Regenjacke/Schirm mitnehmen.

Reise und Ankunft

Reise verlief wie geplant, ich bin vom Flughafen zum Bahnhof, dort dann abgeholt worden. Mir wurde kurz das Wichtigste über das Alltagsleben erklärt und man gab mir gegen Kaution meine Bettwäsche. Am nächsten Tag wurde ich von derselben Person im Krankenhaus herumgeführt.

Tätigkeitsbeschreibung und fachliche Eindrücke

Das Projekt war eigentlich keine meiner Wahlen, da die gesamte Projektliste nach der Bewerbungsphase 1 neu geschrieben wurde. Allerdings bot mir die IFMSA-Sweden im Anschluss drei neue Projekte in drei Städten zu meiner freien Auswahl und ich entschied mich für dieses hier in Linköping (The role of glial cells and interactions with nerves and immune cells in inflammatory bowel disease and irritable bowel syndrome).
Ich arbeitete zusammen mit einem zweiten Austauschstudenten in der medizinischen Mikrobiologie des Krankenhauses. Unser Tutor, ein Pharmakologie-Doktorand, arbeitete die erste Woche lang eng mit uns zusammen und lies uns alle Aktivitäten probieren, die Bestandteil seiner Arbeit waren. Dazu gehörten das Anfertigen von histologischen Schnitten aus Patientenmaterial, deren Färbung mit Antikörpern, die Auswertung mit Immunfluoreszenz und Statistik. Außerdem etwas Arbeit, neben dem eigentlichen Projekt, mit Zellkulturen. Die restlichen drei Wochen arbeiteten wir größtenteils selbstständig, allerdings war unser Tutor immer da und wir besprachen mittags immer, wie es voran ging. Unsere Forschung bestand darin, Darmgewebe von Patienten mit chronisch entzündlichen Darmerkrankungen auf neuronale und gliale Faktoren zu untersuchen. Wir fertigten Zählungen der Färbungen an, von jeweils Ileum und Colon, z.B. bei Coltis Ulcerosa. Der Gedanke war dabei, zu ermitteln, wie stark der Einfluss von Gliazellen auf die chronisch-entzündlichen Darmerkrankungen ist.
Besonders gut fand ich, dass wir zwei uns selbst um die Arbeit kümmern konnten und dass wir beide merkten, wie wir dabei besser wurden und immer mehr vom Thema verstanden.
Langsam lernten wir auch die restlichen Mitglieder des Labors kennen. Da im August sehr viele Schweden im Urlaub sind, war die ersten zwei Wochen die absolute Mehrheit der Labormitglieder aus dem Ausland. Daher wurde dort praktisch nur Englisch gesprochen, in den letzten zwei Wochen immer noch größtenteils Englisch. Alle möglichen Länder dabei waren vertreten.
Die Atmosphäre im Labor war viel mehr entspannt als hektisch und es wurde immer erwartet, dass man zu beiden Fika Pausen erscheint =) Man erfuhr sehr vieles über das wissenschaftliche Arbeiten auch durch Gespräche mit den anderen Mitarbeitern; vor allem erlebte ich, dass Grundlagenforschung sehr viel Zeit in Anspruch nimmt. Der Alltag im Labor war ein ganz schöner Kontrast zum Alltag in der Klinik.
Das Krankenhaus in der Innenstadt war für mich jeden Morgen 15-20 Minuten Fahhrradfahrt entfernt, was ich eigentlich ganz in Ordnung fand. Meine Erwartungen wurden in Hinsicht auf die Tätigkeit vollkommen erfüllt.

Land und Leute

Meine Stadt war nicht unbedingt die spektakulärste, aber zumindest nicht sehr weit von Stockholm oder Göteborg. Allerdings ist die schwedische Natur wirklich sehr schön, egal außerhalb welcher Stadt man sich gerade befindet. Außerdem gibt es um Linköping Museen, welche größtenteils kostenlos sind. Ich hatte erwartet, man würde uns zumindest einmal einen anderen Ort zeigen, oder in die Natur gehen. Allerdings fanden alle unsere Aktivitäten in Linköping statt. Daher entschieden wir vier Austauschstudenten uns dafür, für ein Wochenende nach Göteborg zu fahren. Die Stadt ist wirklich schön und es empfiehlt sich, sie anzusehen. Am Ende des Ausflugs sah ich mir noch Stockholm an. Stockholm sollte man wirklich gesehen haben, da es dort außer der historischen Altstadt viele Museen und Attraktionen gibt, sowie den königlichen Palast. Um Linköping herum gibt es auch sehr schöne Gegenden. Mit Freunden besuchte ich den Kanal nördlich von Linköping und einen Zoo. Ich erkundete gelegentlich die schönen Landschaften und Siedlungen um Linköping herum auf dem Fahrrad.
Linköping ist im August wie ausgestorben. Die einzigen Läden, die geöffnet waren (außer Supermärkte), befanden sich in der Stadtmitte. Selbst das Krankenhauspersonal war verringert und die Cafeteria des Krankenhauses bot ein verkleinertes Sommermenü an. Mitte der dritten Woche und in der vierten Woche kehrte das Leben in die Stadt zurück.
Das Leben als Student in Linköping fühlt sich (besonders zur Ferienzeit) sehr, sehr entspannt an.
An dieser Stelle der negative Aspekt meines Austausches und mein persönlicher Rat, den ich für sehr wichtig erachte:
Ich erwartete, in Erfahrung gebracht zu werden mit schwedischen Menschen, Orten und vielen Austauschstudenten durch das soziale Programm, von welchem mir mein Freund berichtete. Es gibt allerdings ein wichtiges Detail: Die IFMSA-Schweden hat zwei Austauschsaisons, eine im Juli und eine im August. Im Juli sind regelmäßig viele Studenten da, im August allerdings sehr wenige. Im Juli finden auch die meisten Aktivitäten statt, sowie die Kreuzfahrt nach Helsinki. Wir waren insgesamt nur vier IFMSA-Austauschstudenten in Linköping. Wir vier lebten jeweils in verschiedenen Vororten, ironischerweise in größtenteils leeren Wohnheimen.
Von einem sozialen Programm konnte man nicht sprechen, wohl weil im Sommer einfach zu wenige Studenten da waren. Wir wurden allerdings zweimal eingeladen und einmal spielten wir zusammen Volleyball. Glücklicherweise war die IFMSA nicht die einzige Studentenorganisation.
Mein Freundeskreis bestand hauptsächlich aus Nicht-Medizinern, geschuldet der Umstände. Nachdem nach ca. einer Woche Leute begannen, in meinen Korridor einzuziehen, verlagerte ich mein soziales Leben auf die Gruppe der restlichen Austauschstudenten aller Studienfächer. Diese waren zahlreich, aus aller Welt, viele von ihnen lebten in meinem Vorort und sie nahmen an vielen Aktivitäten, die für sie organisiert wurden, teil. Mein Laborpartner tat es mir bald nach und wir waren fortan sehr in ein soziales Leben eingespannt. Allerdings hatte ich auch Glück, in der Siedlung neben dem technischen Campus untergebracht zu sein; einer von uns vier Medizinern hatte bis zum Ende des Austausches niemanden in seinem Wohnheim angetroffen.
Ich persönlich genoss das ruhige Routineleben meiner ersten zwei Wochen in Linköping sehr. Nicht einmal der Süden Schwedens ist dicht besiedelt, daher wird es sich in jedem Fall etwas weniger gesellig als gewohnt anfühlen. Allerdings ist das vielleicht nicht etwas für jeden. Für mich haben die neuen Freunde, die ich im Verlauf des Austausches traf, einen großen Unterschied gemacht und ich hatte daraufhin nachmittags immer etwas Interessantes zu tun. Ich empfehle jedem, der im August gehen möchte, dringend, sich im Vorfeld über das Programm im August zu informieren.

Fazit

Meine Erwartungen wurden nicht komplett erfüllt. Der Austausch war dennoch sehr schön und zufriedenstellend. Die Forschungstätigkeit war exzellent, die sozialen Aktivitäten ließen jedoch zu wünschen übrig. Ich bin sehr froh, Schweden endlich einmal gesehen zu haben, wenn es mich jetzt auch nicht sofort wieder dort hinreißt.

zurück