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Indonesia (CIMSA-ISMKI)

Chirurgie - SCOPE (Famulaturaustausch)
von Jana-Luise, Düsseldorf

Motivation

Meine größte Motivation war, in ein möglichst völlig anderes, mir unbekannten, nicht-europäisches Land einzutauchen und dort einen Eindruck davon zu bekommen, wie das Gesundheitssystem dort funktioniert und wie dort Medizin gelebt wird, wie die Menschen dort (anders?) behandelt werden und wie sie mit ihren verfügbaren Ressourcen behandeln.

Vorbereitung

Ich habe am Vorbereitungswochenende der bvmd teilgenommen und dort zunächst mit vielen anderen Studenten gesprochen, die schon in unterschiedlichsten Ländern waren und habe mich davon inspirieren lassen, was ich auch jedem empfehlen würde, es schadet nie! Vielleicht bekommt man dort noch den ein oder anderen Hinweis, der das Feuer für ein Land entzünden lässt, man kommt so oder so mit netten Kontakten, Unterstützung und inspirierenden Geschichten und Ideen wieder. Indonesien hat sich bei mir eher zufällig ergeben, aber ich war trotzdem zufrieden damit und sehr gespannt! Da hat das Wochenende sicherlich zu beigetragen. Es ist schon ein gewisser Aufwand, eine Auslandsfamulatur zu organisieren, und der Austausch mit Anderen ist immer wertvoll, auch wenn sich später noch Fragen ergeben hat man möglicherweise schon einen Ansprechpartner parat. Ich fand es beispielsweise ein wenig schwierig, die 4 Motivationsschreiben zu formulieren und war froh, jemanden zu haben den ich dazu mal befragen konnte. Kurse oder Vorbereitungsseminare darüber hinaus habe ich nicht besucht, da ich auch vorher schon einmal in Indonesien gewesen bin und mich einigermaßen gewappnet gefühlt habe. Aber natürlich klickt man sich neugierig durch die ein oder andere Website durch und durchstöbert ein bis zwei Reiseführer in der Buchhandlung ;-)

Visum

Ich musste ein Visum beantragen, was sich als die stressigste Komponente des ganzen Prozesses herausgestellt hat. Man darf kein Visa on Arrival haben, wenn man in Indonesien eine Famulatur macht, und das ist mir ein wenig zu spät klar geworden, obwohl hier einige schreiben, dass sie das mehr oder weniger ignoriert haben. Ich persönlich würde da keinen Ärger riskieren, hier also der klare Tipp an alle, die eine Einladung nach Indonesien bekommen: Ihr braucht ein separates Visum, was ihr mit einem kleinen Berg an Unterlagen im Konsulat beantragen müsst, ein sogenanntes soziales Visum. Es kostet 50€ und ihr braucht dafür beispielsweise Unterlagen von der Klinik oder der Uni, die euch empfängt; was ihr meistens ganz automatisch mit eurer CA zugeschickt bekommt, da die Organisation dort das Prozedere schon kennt. Auf der Website des Konsulats in Frankfurt steht eine gute Liste von allen Unterlagen. Ihr braucht aber auch eine Bürgschaftserklärung eurer Eltern, wozu es keine gute Erklärung online gibt. Im Grunde genommen wollen die Konsulate eine Absicherung, dass ihr auch sicher wieder nach Hause könnt, und ihr dafür genug finanzielle Mittel habt (oder/und eure Eltern das zur Not auch stemmen könnten). Bei mir hat das familiär ein wenig für Hektik gesorgt, da eine allgemeine Bürgschaft ein ziemlich ernstes Dokument ist, was man nicht so supergerne mal eben so ausstellt. Eine Begrenzung auf einen Höchstbetrag hat Abhilfe geschaffen und hat das Konsulat auch akzeptiert. Aber: Augen auf dabei, am besten so früh wie möglich anfangen, das alles vorzubereiten, das spart Stress. Nach Einsendung der Unterlagen hatte ich meinen Pass im Übrigen nach etwa 8 Tagen wieder. Geht also einigermaßen flott!

Gesundheit

Ich war aufgrund von einigen Asien-Aufenthalten zuvor bereits gut durchgeimpft, würde aber jedem empfehlen, da mal bei einem Reisemediziner vorbeizuschauen, da einige Impfungen ein wenig dauern und auch kosten können, je nach Versicherung. Wichtig für die Reiseapotheke meiner Meinung nach sind: 1-2 Antibiotika, Hautdesinfektionsmittel, Pflaster, evtl. Elotrans, Schmerzmittel, Loperamid, Malarone (keine Prophylaxe), MCP, Cetirizin und Prednisolon (falls man von irgendwas gestochen wird, oder man auf irgendwas allergisch reagiert, kann einfach passieren) und Antibrumm, also Moskitoschutz und Sonnenschutz. Eine Auslandskrankenversicherung würde ich auch empfehlen; Indonesien ist nicht unbedingt ein Land, in dem man gerne über die Basismedizin hinausgehen will wenn’s mal ernst wird. Als ich vor Ort war, hatten aktuell viele Menschen Sorge vor Dengue, weil es das in Yogyakarta wohl ein wenig häufiger gibt. Da hilft nur guter Moskitoschutz, also lange helle Kleidung und regelmäßiges Mückenspray. Lange Kleidung wird aber kein Problem sein – man gewöhnt sich eh dran, da die Indonesier sehr zurückhaltend damit sind, Haut zu zeigen und man sich natürlich kulturell anpasst. Ich persönlich fand es auch nicht unangenehm, lange Sachen anzuziehen. Ansonsten kommt es besonders bei uns Europäern vor, dass man mit Reisedurchfall zutun bekommt, der mal mehr mal weniger stark auftreten kann, und eher lästig als bedrohlich ist und auch gut in den Griff zu bekommen ist. Allerdings: Keine Sorge vor Street Food, es ist zu gut um es auszulassen und man kann sich auch überall anders was einfangen.

Sicherheit

Indonesien ist ein stark muslimisch geprägtes Land, wobei das vom genauen Ort abhängig sein kann. Sumatra und Java und auch Yogyakarta sind eher konservativere Orte in Indonesien, während Bali hinduistisch geprägter ist. Obwohl ich das vorher wusste, war ich doch vom wirklichen Ausmaß beeindruckt. Der Glaube hat einen großen Einfluss auf den Alltag der Indonesier und wird sehr ernst genommen. Wie bereits oben angesprochen, trägt dort niemand kurze Hosen oder Spaghetti-Tops; man kleidet sich dezent und zurückhaltend. Ich persönlich fand das gar nicht unangenehm, aber es fällt auf, weil man vielleicht doch mal geneigt ist, eine kurze Hose anzuziehen oder ein Sommertop eingepackt hat bei den tropischen Temperaturen! Da passt man sich aber schnell an und ich fand das im Verlauf sehr in Ordnung. Was die Sicherheit angeht: Ich habe mich dort immer sicher gefühlt, und ich bin sehr überzeugt davon, dass man dort keine Sorgen haben muss. Wer hinfährt, wird verstehen, wieso. Man wird vielleicht mal bequatscht, ein wenig mehr für ein Souvenir auszugeben

Geld

In Indonesien zahlt man mit Rupiah, zu meiner Zeit waren etwa 15.000 Rp = 1€. Dollar werden an bestimmten Stellen auch akzeptiert und es empfiehlt sich, ein paar dabei zu haben, für den Fall der Fälle, z.B. wenn dann doch mal kein ATM vorhanden ist und man aber dringend Geld braucht, kann vorkommen wenn man sich am Wochenende weiter außerhalb der Stadt rumtreibt oder auf einer kleinen Insel ist etc. ATMs gibt’s in der Stadt aber in der Regel genug, da gab es nie Probleme. Die Preise für Essen und Trinken variieren, können aber von extrem günstig bis europäische Preise gehen. Wer in einem gewöhnlichen Warung essen geht (kleine Stände am Straßenrand) oder Street Food kauft, zahlt häufig irgendwas zwischen 1-2€ pro Mahlzeit, in der Klinik lag ich oft bei 1,50€ für mein Mittagessen. In Restaurants, die vielleicht sogar auf TripAdvisor gehyped werden, kann es auch mal das Dreifache sein, sowas wie ein Starbucks-Kaffee kostet das Gleiche wie in Europa, ist also eher teuer – unterm Strich ist es aber sehr günstig dort, und das macht es natürlich leicht, sich durchzuprobieren. Ich war bei einer Studentin untergebracht, und tatsächlich habe ich dort öfters Abendessen bekommen, weil sie eine Haushälterin hatte – ziemlicher Luxus, aber ich denke, wer sich allein drum kümmern muss, kann mit erstaunlich wenig Geld gut rumkommen!

Sprache

In Indonesien generell wird Bahasa Indonesia gesprochen, und regional unterscheiden sich die Dialekte. In Yogyakarta wird zusätzlich Bahasa Jawa gesprochen, was sich wohl recht deutlich von Bahasa Indonesia unterscheidet. Englisch wird von den meisten Studenten sehr gut gesprochen, die Ärzte beherrschen Englisch sehr unterschiedlich, manche gut, manche gar nicht, manche rudimentär. Die älteren, höher gestellten Ärzte sprachen meist mittelmäßig Englisch, was manchmal nicht so einfach war. Da war es teilweise ein Problem, zu klären, wo der morgige Treffpunkt ist, und ohne Dolmetscher bzw. Studenten an der Seite fast unmöglich. Patienten sprachen überwiegend kein Englisch, und auch unterwegs können manche Menschen kein einziges Wort. Für den Alltag und die Kommunikation mit Studenten, Organisation von Unternehmungen, Einkaufen, Taxi fahren etc. ist Englisch aber absolut ausreichend, das klappt immer, manchmal braucht man Hände und Füße dazu oder man muss kreativ werden und sich einen Einheimischen krallen, der helfen mag, aber das geht alles. Ich habe es leider versäumt, Bahasa Indonesia richtig gut vorzubereiten und kam nur mit einem kleinen Wortschatz dort hin. Auch mit diesem kleinen Wortschatz kann man immer gut punkten, jeder freut sich, wenn man ein bisschen was kann. Für eine ernsthafte Kommunikation wäre es hilfreich gewesen, mehr zu können, aber da muss jeder selbst schauen wieviel Zeit er vorher hat. Auch wenn es im Alltag kein Problem ist, etwas schade ist es schon, dass viele Ärzte einem nicht viel erklären können – da hätte ich initial die Englischkenntnisse etwas besser vermutet.

Verkehrsbindungen

Ich habe leider relativ spät gebucht, bin aber mit Emirates nach Kuala Lumpur geflogen und habe mir dann einen AirAsia-Flug von dort aus gebucht. Der Flug nach Kuala Lumpur hat mich ca. 600€ gekostet, da kann man sicher auch nur 500€ schaffen. Der Flug nach Yogya kostete etwa 70€. AirAsia ist das asiatische Äquivalent zu Ryanair und ist zu empfehlen, wenn man sich in Südostasien mit dem Flugzeug fortbewegen will. Vom Flughafen in Yogyakarta fährt man mit dem Taxi für ca. 80.000 Rp in die Innenstadt, kann/muss man aber gut verhandeln. In der Stadt benutzen alle Grab oder Gojek, das sind Apps, die einem innerhalb weniger Augenblicke einen Fahrer oder einen Moped-Fahrer über GPS organisieren, die Preise sind sehr niedrig (1-2€ pro Fahrt) und mit diesen Apps kommt man immer überall hin ;-) Ein Muss! Ansonsten sind erstaunlich viele Studenten mit Autos ausgestattet, und es ist üblich, Auto zu fahren. Leider gibt es keine oder nur eher unpraktische ÖPNV, was es manchmal lästig machen kann, weil es viel Stau gibt. Mir persönlich war das Moped-Fahren oder dabei Mitfahren nicht so ganz geheuer, ist dort aber sehr normal, muss man sich überlegen.
Für andere Ziele gilt: Fast alles geht, wer Zeit mitbringt. Viele Ziele innerhalb Indonesiens werden mit dem Bus erreicht, und die Straßenverhältnisse sind mittelmäßig, also kann man für 150km auch mal ein paar Stunden brauchen. In Yogyakarta ist es sogar möglich, Zug zu fahren (z.B. nach Solo)! Davon abgesehen ist es nicht schwer, sich eine Busfahrt zu organisieren, man muss nur gut schauen und Preise vergleichen, oder idealerweise die Studenten der Uni fragen, die einem zur Seite gestellt werden! Von Einheimischen Tipps holen würde ich immer empfehlen. Die wissen einfach, was man ungefähr zahlen muss, welche Reiseunternehmen vertrauenswürdig sind und können da eine große Hilfe sein, die einem viel Stress und Verhandlung ersparen kann ;-)

Kommunikation

Mit Englisch kommt man sehr weit, wenn das mal nicht so sein sollte, helfen Hände und Füße. Ein bisschen Bahasa Indonesia ist nicht verkehrt, da man schon öfter mit Menschen in Kontakt kommt, die gar kein Englisch sprechen. Die Studenten sprechen aber so gut wie alle gutes Englisch. Zum Thema Internet: WLAN gibt es an fast allen öffentlichen Plätzen, aber eigenes mobiles Internet braucht man trotzdem auf jeden Fall, und da bietet es sich an, sich eine lokale Sim-Karte zu besorgen. Ich war in Yogyakarta bei einer sogenannten „Loop-Station“, nahe dem Jl. Malioboro, wo man sich für unterschiedliche Kurse monatliche Sim-Karten kaufen konnte. Seit einiger Zeit muss man sich da online mit seinem Pass registrieren, am besten mitnehmen, und die Mitarbeiter können die Karte direkt aktivieren. Die größte Karte hat 27GB für einen Monat und kostet 150.000 Rp, also ca. 10€, es gibt aber Abstufungen. Ist also nicht wirklich teuer ;-)

Unterkunft

Ich bin in dem Haus einer Studentin untergebracht gewesen, die zu ihrem Glück sehr viel Platz hatte. Eigentlich hätten wir zu zweit sein sollen, aber die andere Studentin hat noch abgesagt, also war ich mit meiner Gaststudentin und einem Hausmädchen allein. Ich habe zwischenzeitlich ihren Vater, Onkel, zwei Cousins und ein paar andere Menschen kennengelernt, die rege ein und ausgingen. Man war sozusagen mittendrin in einer indonesischen Familie, was sehr spannend ist! Dementsprechend gab es dort eine Küche, die ich aber wenig genutzt habe, da das Hausmädchen häufig für uns gekocht hat, sehr luxuriös! Bettwäsche gab es, die musste ich mir nicht mitbringen. Das Haus lag eine Idee außerhalb, morgens habe ich etwa 20 Minuten bis zum Krankenhaus mit einem Grab gebraucht, und wann immer man wohin wollte, musste man zwangsläufig ein Taxi/Gojek nehmen – was aber nicht weiter schlimm war. Mein Zimmer war klein, aber hatte alles was man braucht, und ich hatte ein eigenes separates Bad und – sehr wichtig – eine Klimaanlage. Grundsätzlich also super! Etwas Probleme hatte ich mit dem Zimmergeruch, der von sogenannten Mottenkugeln stammte, die wohl gern in den Schränken etc. verteilt werden. Das war wirklich sehr unangenehm und hat ein paar Tage gedauert, bis es raus war. Das Bad war simpel, aber in Ordnung.
Wenn wir nicht abends Zuhause gegessen haben, bin ich häufig mit meiner Gaststudentin etwas essen gefahren oder wir haben uns mit anderen Studenten verabredet. Oder, auch ziemlich witzig und praktisch: GoFood! Mit der Gojek-App kann man sich nämlich auch sehr easy günstig Essen liefern lassen. Man kann also, wenn man will, ohne große Vorräte auskommen. An Essensmöglichkeiten mangelt es einem dort also nicht, insbesondere weil das den Indonesiern auch enorm wichtig ist ;)

Literatur

Ich habe kein besonderes Buch gekauft, hatte aber aus der Vergangenheit noch einen Lonely Planet Indonesien und war mal in der Buchhandlung, um mich inspirieren zu lassen. Für Unternehmungen in Yogyakarta und Umgebung kann man auch einfach mal nach Reiseblogs googeln, einer Facebook-Gruppe für Internationals beitreten oder, meiner Meinung nach am besten, sich mit den Studenten dort unterhalten, das ist eh am spannendsten!

Mitzunehmen

Was ich mitbringen musste, war ein Kittel, lange Hosen die sich für die Klinik eignen (keine Jeans!), etwas formellere Oberteile (hat mich ein wenig gefordert, letzten Endes reichen aber langärmlige, neutrale Oberteile), die luftig sind (angenehmer bei der Wärme) und angeblich durfte man keine Sneaker tragen – stimmte aber nicht, die tragen alle, nur klobige Laufschuhe sollte man vielleicht vermeiden. Aber: Die Kleidung ist ein wenig formeller als in Deutschland und da sollte man drauf achten. Namensschild gibt’s dort. Ich hatte ein Stethoskop dabei, durfte es aber nie verwenden – kommt wohl auf die Fachrichtung an!

Reise und Ankunft

Die Anreise war unkompliziert mit AirAsia, und wenn ich gewollt hätte, hätten mich die Studenten dort sogar vom Flughafen abgeholt. Ich kam aber zwei Tage früher an und habe mir das selbst organisiert, was auch kein Problem war. So hatte ich noch zwei Tage um den Jetlag in den Griff zu bekommen und mich umzusehen! Ich habe mir Grab und Gojek runtergeladen, eine Sim-Karte geholt und noch 1-2 lange Hosen in der Stadt besorgt. Einen Tag vor Praktikumsbeginn habe ich mich mit den Studenten getroffen, deren Whatsapp-Kontakte ich schon länger hatte; sie haben mich in die Unterkunft zu meiner Gaststudentin gebracht und wir sind abends alle zusammen (ca. 10 Leute) zusammen essen gegangen, ich wurde wirklich sehr freundlich empfangen, sodass man sich gar nicht verloren fühlen konnte. Am Montag, dem ersten Tag, hat mich der LEO zum Studentensekretariat begleitet, mich angemeldet und auf die Station gebracht, auf der mein Praktikum starten sollte. Dort habe ich meinen Supervisor kennengelernt, der mir alles wichtige erklärt hat und für mich verantwortlich war. Alles in allem also super organisiert!

Tätigkeitsbeschreibung und fachliche Eindrücke

Ich wurde in der chirurgischen Abteilung eingeteilt, die sich in mehrere weitere Unterabteilungen aufgliedert. Dazu gehörten z.B. Thoraxchirurgie, Gefäßchirurgie, Abdominalchirurgie, Kinderchirurgie, plastische Chirurgie, Herzchirurgie. Jede Woche hatte man die Möglichkeit, in eine andere Unterabteilung zu wechseln oder dort zu bleiben wo man ist. Der erste Tag der Woche beginnt in der Regel um 8 Uhr, Dienstag bis Freitag beginnt der Dienst um 6 Uhr (religiöse Gründe: Viele Indonesier beten sehr früh morgens gegen 4:30), Ende war meist gegen 13/14 Uhr. Meistens beginnt der Tag mit 1-2 Visitenrunden: Man läuft der Ärzteschaft hinterher, das dauert so 1-2 Stunden. Danach folgt die Stationsarbeit bzw. die OP-Zeit, in der ich meistens auch in den OP mitgenommen wurde.
Ich konnte mich relativ schnell an die jeweiligen Studenten hängen, die dort so ähnlich wie in Deutschland den einzelnen Fachabteilungen für sogenannten Praxisunterricht eingeteilt sind. Tatsächlich ist deren Studium recht ähnlich aufgebaut wie unseres! Das war aus mehreren Gründen toll: Es erleichtert die Organisation ungemein, weil die Studenten den Ablauf sehr gut kennen, wissen wo und wann man sich trifft, übersetzen können wenn es sein muss, etc.! Die meisten Studenten sprechen gut Englisch, sind sehr nett und interessiert und es macht einfach Spaß, sich auszutauschen, man lernt das Gesundheitssystem dadurch sehr gut kennen.
Man sollte sich hier aber nichts vormachen: Aus studentischer Sicht war das Praktikum leider ziemlich dürftig. Man rennt viel einfach mit, ohne was zu verstehen, ohne dass sich groß jemand kümmert, manchmal hat man einen Oberarzt der was zu den visitierten Patienten erzählt oder interessiert Fragen stellt, oftmals aber auch nicht. Im OP schaut man nur zu, an den Tisch wird man nicht gebeten, erklärt wird auch kaum. Vielleicht wäre eine andere Abteilung besser gewesen; da würde ich mich vielleicht im Vorhinein ein bisschen ausführlicher informieren als ich es getan habe, da ich es teilweise schon eintönig fand. Der Hauptanteil der Eindrücke ist hier einfach kultureller Natur, und wenn man daran großes Interesse hat und sich nicht so daran stört, dass es medizinisch weniger lehrreich ist, gibt es da großes Potenzial. Es ist schon eine sehr andere Welt, und die lernt man kennen; die Unterschiede zwischen Privatstation und Normalstation sind z.B. sehr groß und man bekommt einen guten Einblick in ein Krankenhaus, das ganz andere Standards hat. Da man früh anfängt, ist man allerdings auch mittags meistens draußen, kann dort in der Kantine Mittag essen und kann dann die Stadt und Umgebung erkunden, was dann natürlich Spaß macht :)

Land und Leute

Außerhalb des Krankenhauses bietet Yogyakarta und die Umgebung vieles, was man sich anschauen kann. Insbesondere die Tempelanlage Borobodur ist sehr beeindruckend und sehenswert und natürlich touristisch sehr angesagt, aber doch ein Muss wenn man da ist. Ansonsten kann man sich die klassischen Touri-Ziele vornehmen und Yogyakarta besser kennen lernen!
Die Studenten dort waren sehr engagiert und haben viele Ausflüge organisiert; wenn man sich was konkretes gewünscht hat, haben sie das entweder mit mir zusammen gemacht oder hätten mir auch geholfen bei der Organisation, wenn ich z.B. übers Wochenende woanders hätte hinfahren wollen. Das würde ich auch weiterhin so angehen, da die wirklich gut Bescheid wissen.
Einziges Manko ist, dass man für einige Ziele einfach sehr lange braucht und ein einzelnes Wochenende ein bisschen wenig Zeit ist, aber auch auf kürzerer Distanz gibts viele Möglichkeiten.
Ich habe beispielsweise einen kleinen Sonnenaufgangstrek zum Mount Merapi gemacht, der ja wirklich ein ziemlich aktiver, aber spannender Vulkan ist und bin dafür in ein näheres Örtchen gefahren, habe dort übernachtet und habe dann morgens den Trek mit einem Guide und einer weiteren Deutschen gemacht, was ziemlich easy und spannend war. Auf den Vulkan selber darf man nicht rauf, aber so weit es geht ran. Politisch beschäftigt die Menschen dort sehr intensiv ihre Religion, egal ob muslimisch oder christlich oder hinduistisch. Die Stadt ist kulturell sehr vielfältig und bietet jede Menge Möglichkeiten, einzutauchen.
Das Essen fand ich wunderbar, weil ich auch gerne neues ausprobiere und asiatische Küche liebe und auch kein Problem damit habe, dass es fast immer Reis gibt - allerdings lohnt es sich auch hier, die Studenten zu fragen, die wissen wo es besonders lecker ist und essen selber super gerne, sodass man sich hier gut durchprobieren kann wer mag ;-) Tatsächlich wird auch vieles einfach frittiert, aber an den guten spots ist das meistens sehr ausgewogen, ob das nun street food ist oder die typischten Gerichte. Ich war auch einmal mit der Familie meiner Gaststudentin essen in einem Restaurant, in das ich selber alleine vermutlich nicht reingegangen wäre, das war total spannend.
Wie bereits ein wenig erläutert, habe ich die Indonesier als sehr offenes, freundliches und interessiertes Volk kennen gelernt und war oft beeindruckt davon. Auf der anderen Seite ist man in totalen Touri-Regionen schon eher ein Exot und darf sich auch hier darauf einstellen, dass man ein wenig Aufmerksamkeit erregt. Das fand ich ehrlicherweise manchmal schon gewöhnungsbedürftig! Auch, dass dort nachts um 4 der Muezzin lossingt und das einfach relativ laut ist, sodass man zwangsläufig wach wird, da war ich am Ende nicht ganz unglücklich dass ich wieder durchschlafen kann, kommt aber natürlich auch drauf an wo genau das eigene Zimmer liegt (meins war recht direkt neben einer Moschee). Ich hätte am Ende gerne ein paar mehr Worte Bahasa Indonesia gelernt, das habe ich aber nicht so wirklich gut geschafft.

Fazit

Ich war eher unzufrieden mit der Ausgestaltung des Praktikums in der Klinik in der ich war und würde da eher ein anderes Fach als Chirurgie nehmen, wenn ich das abschließend bewerten würde, oder sich eben vor Augen führen dass der Fokus bei diesem Austausch eben nicht im Medizinischen, sondern eher im Kulturellen liegt. Auch die Konfrontation mit einer Umgebung, die stark religiös ist, habe ich unterschätzt und habe ich in manchen Situationen durchaus als herausfordernd empfunden; sich tatsächlich mal fremd zu fühlen, das war mir neu, hat aber im Nachhinein auch was Gutes. In das Land reisen würde ich ganz sicher wieder, da es einfach unglaublich viel zu bieten hat, genau das gleiche gilt für einen Auslandsaufenthalt! Die Studenten dort waren einfach super nett und engagiert; die Organisation war super und man hat sich toll aufgenommen gefühlt. Da bräuchte man auf keinen Fall Sorge zu haben! Wer was völlig anderes sehen will, ist hier richtig.
Meine Konsequenzen aus meiner eigenen Erfahrung sind vielfältig. Besonders im Gedächtnis ist mir aber geblieben, dass ich nochmal deutlich dankbarer geworden bin für unser Gesundheitssystem, sensibler für Kulturen und andere Religionen, aufmerksamer was Bräuche und Sitten angeht, und ich einfach beeindruckt war, in diese andere Welt eintauchen zu dürfen, wo man Dinge kennen lernen darf die man als Tourist nie kennen lernen würde. Der letzte Punkt ist vielleicht das größte Plus an dieser Erfahrung!

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