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Institute for Indian Mother and Child (Indien)

Verschiedene - SCOPH (Public-Health Austausch)
von Nina, Regensburg

Motivation

Von Studienbeginn an, wollte ich unbedingt wieder ins Ausland und für eine Famulatur hat es sich dann richtig angeboten. Nach Indien bin ich dann aus zwei Gründen: Zum einen sollte es ein Land im englischsprachigen Raum sein und zum anderen war mir die kulturelle Erfahrung wichtiger als der medizinische Wissenszuwachs.

Vorbereitung

Für mich hat die Vorbereitung eigentlich mit der Auswahl des Projekts begonnen, weil ich hier bereits viel über das Projekt, Land und Leute in Erfahrung gebracht und auch in den Berichten nachgelesen habe. Sobald ich die Zusage hatte, waren dann hauptsächlich organisatorische Dinge zu tun, wie die Buchung der Flüge, Visum beantragen, Termine für Impfungen vereinbaren usw. Außerdem kam mit der Zusage eine ausführliche 12 Seitige Beschreibung von Projekt, Tätigkeiten und Dingen, die bis dahin noch zu erledigen sind, sowie was mit zu bringen ist und auf was man sich einstellen muss. An diesem Text habe ich mich orientiert und bin damit auch ganz gut gefahren.

Visum

Das Beantragen des Visums geht relativ leicht online. Für 80 USD bekommt mein ein 60 Tage lang gültiges Visum, mit dem man zwei Mal einreisen darf. Meins war innerhalb von ein paar Tagen per Email da. Diese Email einfach ausgedruckt bei Einreise vorzeigen. Wichtig ist hier, dass man auf der offiziellen Website landet, weil es noch einige „falsche“ gibt bei denen man mehr zahlt (sieht auf den ersten Blick billiger aus, aber die Bearbeitungsgebühr ist recht hoch).

Gesundheit

Ich habe mich frühzeitig (etwa 4 Monate vor Abreise), um eine Impfberatung gekümmert und mich Tollwut, Typhus und japanische Enzephalitis impfen lassen.
Meine Reiseapotheke war im Nachhinein betrachtet zu umfangreich, da man in Kalkutta wirklich alles in der Apotheke bekommt (selbst Tollwut-Impfstoff). Sicher sinnvoll sind allerdings Elektrolyte, Mückenspray, Elektrolyte und Medikamente gegen Durchfall und Übelkeit. Die Luft in Kalkutta ist relativ stark verschmutzt und ich hatte bei Ankunft erst mal mit Halsschmerzen und Husten zu kämpfen, also können auch Bonbons, Nasenspray usw nicht schaden.
Moskitonetz hatte ich auch eines dabei, aber im Guesthouse war fast überall eines vorhanden, sodass es für mich nicht nötig gewesen wäre.

Sicherheit

Ich habe mich in Indien zu keiner Zeit unwohl oder unsicher gefühlt. Auch als Frau zu zweit oder alleine tagsüber unterwegs zu sein war gar kein Thema und per Uber kommt man auch schnell und sicher jederzeit an das gewünschte Ziel, wobei ich auch öffentliche Verkehrsmittel und Tuk Tuks als unbedenklich empfunden habe.

Geld

Bei meiner Bank war es nicht möglich indische Rupien im Vorhinein zu wechseln, sodass ich bei Ankunft am Flughafen gleich etwas gewechselt habe. Nachdem ich mit meiner Kreditkarte kostenlos abheben kann, wäre es vermutlich günstiger gewesen einfach direkt den nächsten Geldautomaten zu suchen. An sich ist das Leben in Indien günstig (auch wenn man als Weißer doch überall etwas mehr zahlt) und man kann an vielen Stellen mit Kreditkarte zahlen oder abheben.
Bei Ankunft waren etwa 1300 Rupien für die Registrierung und die Abholung vom Flughafen fällig sowie 160€ als Spende für Unterkunft und Projekt.

Sprache

Das Englisch der Inder im IIMC selbst ist okay, auf der Straße und auf den Dörfern überraschend schlecht. Gesprochen wird hauptsächlich Bengali, was auch die Kommunikation mit den Patienten erschwert. In der ersten Woche bekommt man einen kleinen Bengali-Kurs, von dem ich allerdings nicht sonderlich viel mitgenommen habe.
Englisch war dennoch essentiell wichtig, da wir in einem Team von Studenten aus aller Welt zusammen gearbeitet und gewohnt haben und somit darauf angewiesen waren.

Verkehrsbindungen

Ich habe mir einen eher teureren Flug mit Emirates über Dubai nach Kalkutta gebucht, da es mir wichtig war nicht über Nacht an irgendeinem indischen Flughafen zu sitzen. Die Preise für die günstigeren Flüge starten aber so bei 550€ gesamt (hin und zurück) glaube ich.
In Kalkutta sind wir meist mit Metro und Tuk Tuk (gesamt etwa 20 Rupien) in die Indoor Klinik gefahren und von dort dann weiter mit einem vom IIMC gestellten Jeep in die Outdoors oder zu anderen Projekten. Wenn wir früh morgens los mussten, weil wir in abgelegenere Gegenden unterwegs waren, haben wir uns ein Uber in die Indoor Klinik bestellt, da relativ spät die erste Metro fährt.

Kommunikation

Die meisten haben sich innerhalb der ersten Tage eine indische Sim-Karte zugelegt. Mit der hat man 28 Tage lang jeden Tag 1,5GB Internet für insgesamt etwa 300 Rupien (ca. 3,50€) und das Internet war wirklich überall in der Stadt hervorragend. Das mit der Sim-Karte und wo man sie bekommt geht ganz leicht und wird einem von den Studenten des Vormonats in den ersten tagen gezeigt.

Unterkunft

Das IIMC stellt für 160€ eine Unterkunft in einem schönen Wohnviertel zur Verfügung. In dem dreistöckigen Haus ist alles vorhanden was man so braucht und im Grunde ist es ziemlich perfekt, allerdings ist es sehr einfach und die Sauberkeit hängt von den aktuellen Bewohnern ab. Außerdem ist ein sehr netter Mann mittleren Alters angestellt, der quasi permanent auf das Haus auf passt, für Ordnung sorgt und im Erdgeschoss wohnt.

Literatur

Nachdem ich nach meiner Famulatur noch etwas in Indien reisen wollte, habe ich mir den großen Lonely Planet Reiseführer gekauft, mit dem ich auch sehr zufrieden bin. Um dieses riesige und schwere Buch nicht mit mir herum tragen zu müssen, habe ich noch einen kleinen und handlichen englischsprachigen Reiseführer über Westbengalen bestellt, der beim Erkunden Kalkuttas sehr nützlich war.

Mitzunehmen

Mitzunehmen sind leichte Klamotten, die Schultern und Beine bedecken. Waschen kann man entweder selber von Hand oder günstig in der Reinigung (etwa 1 € pro Kilo Wäsche inklusive Abholung/Lieferung). Kissenbezug und Laken sollten eigentlich vorhanden sein, kann aber gerade in den ersten Tagen mal knapp sein und ich war froh über mein eigenes und über meinen leichten Hüttenschlafsack. Moskitospray und Sonnencreme aus Deutschland sind zu empfehlen. Außerdem sollte man eigene Handschuhe (200 Stück reichen), Desinfektionsmittel (500ml sind mehr als genug) und ein eigenes Stethoskop mitbringen.

Reise und Ankunft

Das IIMC hat mir den Kontakt zu einer anderen Deutschen vermittelt, die für den gleichen Zeitraum hingeflogen ist und so haben wir uns für die Flüge abgesprochen und sind gemeinsam (zumindest ab Dubai) nach Kalkutta geflogen. Die Einreise lief reibungslos. Bei Ankunft wurden wir abgeholt und direkt ins Guesthouse gebracht. Solange man seine Ankunftsdetails vernünftig kommuniziert und tagsüber landet, ist es selbstverständlich, dass man abgeholt wird.

Tätigkeitsbeschreibung und fachliche Eindrücke

Am ersten Tag wurden wir am Flughafen abgeholt und in unser Guesthouse gefahren, wo einer der Volunteers vom letzten Monat auf uns gewartet hat. Er hat uns das Haus gezeigt, ist mit uns zur Indoor Klinik gefahren und hat uns alles erklärt und gezeigt, was für den Anfang wichtig war. Entsprechend war es auch unsere Aufgabe am Ende unseres Monats den neuen internationalen Volunteers einen guten Start zu ermöglichen.
Jeden Tag gab es bestimmte Outdoor Kliniken zu denen man mit einem Jeep des IIMC hin gefahren wurde. Dort sind die Patienten hingekommen und wurden ambulant behandelt. Unsere Aufgabe bestand hier eigentlich nur im Blutdruck messen, säubern und reinigen von Hauterkrankungen und Wunden sowie im Geben intraglutealer Injektionen. Da nicht immer alle in die Outdoors fahren konnten, sind auch immer Leute im Indoor geblieben (am Abend vorher wurde organisiert wer was macht) und haben die stationären Patienten versorgt (ausschließlich Frauen, meist großflächige Pilzinfektionen der Haut) oder sich um andere Projekte gekümmert und im Nutrition-Program mitgeholfen, wo Nahrungsmittelpulver für unterernährte Säuglinge hergestellt wurde. Als ich dort war, war leider auch die Gruppe an Volunteers wesentlich kleiner als normalerweise (22 im Vormonat vs 9), sodass wir auch nicht genug Leute waren als dass einfach mal jemand einen der Ärzte hätte begleiten können (besonders ein Vormittag mit der Gynäkologin soll besonders lehrreich sein). Aber auch wenn wir die Möglichkeit gehabt hätten, wäre trotz ein paar Stunden Bengali-Unterricht die Sprachbarriere wahrscheinlich zu groß gewesen , um tatsächlich viel zu lernen. . Medizinisch sollte man sich also nicht zu viel erhoffen und weder den Anspruch haben viel zu lernen noch wirklich schwer kranke Leute zu behandeln.Für mich war beides von Anfang an klar und ich wollte dort mehr fürs Leben lernen als fürs Studium und bin damit ganz gut gefahren.
Die anderen Projekte waren eigentlich das wovon ich am besten für mich mitgenommen habe. Wir haben Unterrichtsstunden für Frauen in simplen medizinischen Themen vorbereitet oder Unterricht für Jugendliche in Sexualkunde und Geschlechtergleichberechtigung. Außerdem haben wir zwei Screening-Tage organisiert an denen wir zusammen mit zwei Ärzten und einigen Krankenschwestern Schulkinder untersucht haben. Zudem waren alle sehr bemüht uns einen Eindruck über sämtliche Teile des IIMC zu vermitteln, sodass wir auch alle mal das Mikrokreditprogramm, Women-Peace-Counsil-Treffen, das Network-Programm und verschiedene IIMC-Schulen besuchen durften.
Besonders gut haben mir die Tage in Dhaki gefallen. Das ist die Outdoor-Klinik, die am weitesten entfernt ist. Auf dem Gelände befindet sich auch eine Schule und etwas Landwirtschaft. Wir haben Schulen in der Umgebung gesehen und nochmal einen ganz anderen Eindruck vom Leben in Indien gewonnen als in der Stadt. Der Leiter von Dhaki ist außerdem ein sehr reizender Mensch, der sich wirklich bemüht hat, damit wir eine gute Zeit haben.

Land und Leute

Normalerweise sind die Sonntage für alle frei und jeder hat ein Wochenende ab Donnerstag Abend frei. Nachdem wir (wie gesagt) so wenige waren und ja Freitag und Samstag auch viel zu tun war und zusätzlich noch einige besondere Events auf dem Plan standen, war es für uns leider nicht möglich ein Wochenende frei zu nehmen.
An diesen Wochenenden bieten sich verschiedene Touren an. Man kann mit Nachtzug oder Flugzeug nach Darjeeling, Varanasi oder Puri fahren oder aber eine ruhige Bootstour in die Mangrovenwälder der Sundarbans machen und dort mit viel Glück einen Blick auf einen bengalischen Tiger erhaschen. Letzten Endes sind es alles gute Optionen zu denen auch viel in den Reiseführern steht, die im Guesthouse zur Verfügung stehen und wo auch seit Jahren schon Volunteers hin fahren von denen auch Reisetipps in einem kleinen Buch hinterlassen wurden. Wichtig ist in diesem Zusammenhang eigentlich nur zu sagen, dass es sehr wichtig ist sich nach dem ersten Treffen mit Dr. Sujit schleunigst zu einigen, wer welches Wochenende frei nimmt, da besonders das indische Zug-Ticket-Vergabe-System kompliziert ist und man sein Ticket etwa 3 Wochen vor der Reise buchen muss.
Wir hatten also nur die Sonntage frei und entsprechend war es auch okay, wenn man mal einen Tag für sich gebraucht hat und dann sein Ding gemacht hat.
Alleine oder in der Gruppe haben wir an unseren freien Tagen die Stadt erkundet. Kalkutta ist wirklich eine schöne Stadt mit erstaunlich wenig Tourismus. Dennoch gibt es viele Sehenswürdigkeiten und oft ist es auch einfach nur schön mal das Leben und Treiben auf den Straßen zu beobachten. Mit der Metro kann man vom Guesthouse aus alles wichtige erreichen und für abgelegenere Ziele wie zum Beispiel den Botanischen Garten kann man Bus oder Uber fahren. Wer shoppen möchte kommt definitiv auch auf seine Kosten. Wichtig hier ist aber auf jeden Fall zu handeln!
Wer sich an einem freien Tag einfach mal nur entspannen und es sich gut gehen lassen will kann den Tag auch auf der wunderbaren Dachterrasse des Guesthouse oder in einem der vielen gut gepflegten Parks genießen.
Mit Essen konnten wir uns in unserem Guesthouse selbst versorgen, da eine kleine Küche zur Verfügung steht. Gemüse und das Nötigste haben wir meist auf dem Heimweg am Markt oder an einem kleinen Stand nahe des Hauses gekauft und für alles andere sind wir in einen größeren Supermarkt. Wer mal nicht kochen wollte konnte sich auch an einem der Straßen-Essens-Stände was mitnehmen oder dort essen, wo ein vollwertiges Essen auch nie mehr als 1€ gekostet hat. Mittags gab es die Option für etwa 20 Rupien im Indoor zu essen oder aber essen zu gehen. Auch im zweiten Fall ist man eigentlich selten über die 1,50€ hinaus gekommen. Das indische Essen hat mir persönlich sehr gut geschmeckt, wobei es in Westbengalen weder so scharf noch so reich an Gemüse ist wie im Süden Indiens.
Der Kontakt mit den Einheimischen besonders auf dem Land war durch die Sprachbarriere schwierig, aber im Projekt oder in der Stadt wo die meisten englisch sprechen habe ich den Kontakt meist als recht angenehm und offen empfunden, wenn man mal davon absieht, dass jeder zweite ein Foto mit einem machen möchte, was einem sehr schnell auf die Nerven geht.

Fazit

Ich habe meine Zeit in Indien sehr genossen und auch wenn es natürlich nicht immer einfach war, würde ich es trotzdem wieder machen! Für mich war es super interessant nochmal so ganz andere Einblicke in Entwicklungshilfe und ihre Hürden zu bekommen, meine eigenen Ideen zu entwickeln und mich wirklich drauf ein zu lassen. Es wird immer Dinge geben, die einen frustrieren, an denen man zu knabbern hat und die einen beschäftigen, aber besonders jede dieser Erfahrungen war Gold wert! Auch die Arbeit in einem Team aus so unterschiedlichen Leuten aus aller Welt hat mir viel Freude gebracht.
Natürlich darf man nicht vergessen, dass man in dem Projekt als Geldgeber gesehen wir und manchmal dadurch anders behandelt wird und andere Verpflichtungen hat als man sich das wünschen würde. Damit muss man sich arrangieren und seinen Frieden damit finden.

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