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Greece (HelMSIC)

Gynäkologie - SCOPE (Famulaturaustausch)
von Laura, Sömmerda

Motivation

Eine Famulatur im Ausland zu machen ist meiner Meinung nach eine sehr gute Möglichkeit andere Gesundheitssysteme kennenzulernen, denn nur so kann man den täglichen klinischen Ablauf hautnah miterleben und neue Erfahrungen sammeln.

Vorbereitung

Die Entscheidung sich für einen Austausch durch die bmvd zu bewerben, war bei mir persönlich recht spontan. Daher blieb auch nicht so viel Zeit für eine umfassende Vorbereitung. Im Nachhinein würde ich im Vorfeld mehr Zeit für das Erlernen der Landessprache aufbringen, auch wenn diese keine Voraussetzung für die Bewerbung ist. Dadurch erleichtert sich aber die allgemeine Kommunikation während des Austausches und es ist einfacher Kontakte mit Einheimischen zu knüpfen.

Visum

Für einen Austausch innerhalb der Europäischen Union ist kein Visum notwendig. Folglich ist die Einreise sehr unproblematisch und ein Personalausweis ist ausreichend.

Gesundheit

Für den Aufenthalt in Griechenland im Rahmen der Famulatur waren zwei Impfungen notwendig: Hepatitis B und Meningokokken B. Hierbei ist zu beachten, dass die Meningokokken B - Impfung von den meisten Krankenkassen im Moment nicht erstattet wird und somit Kosten von zirka 150€ anfallen.
Eine besondere Reiseapotheke habe ich nicht mitgenommen, da der medizinische Standard vergleichbar mit Deutschland ist. Eine Auslandskrankenversicherung ist sicherlich für den Fall der Fälle sehr nützlich und kostengünstig abschließbar. Beispielsweise ist diese bei vielen Kreditkartentarifen inklusive.

Sicherheit

Griechenland ist im Allgemeinen ein sicheres Reiseland und man kann ohne Probleme Ausflüge im gesamten Land unternehmen. Natürlich gibt es in einer Großstadt wie Athen Stadtteile, welche man als Ausländer ab Sonnenuntergang möglichst meiden sollte bzw. mehr Aufmerksamkeit walten lassen sollte.

Geld

In Griechenland ist ebenfalls der Euro Zahlungsmittel. Es empfiehlt sich meistens in bar zu zahlen, aber auch der Gebrauch von Kreditkarten zum Zahlen im Restaurant, Supermarkt oder Hotel ist problemlos möglich. Auch das Anheben von Geld am Geldautomaten funktioniert problemlos. Die Preise sind recht ähnlich wie in Deutschland. Auch dort gilt: Je touristischer, desto teurer.

Sprache

Natürlich wird hauptsächlich Griechisch gesprochen, aber auch mit Englisch kann man sich sehr gut verständigen. Ich persönlich konnte zu Beginn der Famulatur kein Griechisch sprechen, aber im Verlauf des Praktikums lernt man schnell die wichtigsten Wörter. Zu empfehlen wäre das Lernen des griechischen Alphabets, denn allein schon durch das Lesen der einzelnen Buchstaben kann man meist auf die Übersetzung des Wortes schlussfolgern.

Verkehrsbindungen

Für die Anreise nach Griechenland ist das Flugzeug sehr empfehlenswert. Besonders im Sommer gehen von vielen deutschen Städte regelmäßig Flüge zu verschiedensten Städten in Griechenland. Bucht man den Flug ausreichend vorher, kostest der Flug pro Strecke unter 100€.
In Griechenland ist das Bussystem recht gut ausgebaut und man erreicht mit den Überlandbussen fast jedes Ziel. Im Gegensatz dazu gibt es nur recht wenige Städte, die per Zug erreichbar sind. Hauptsächlich beschränkt sich der Zugverkehr auf die Verbindung von Athen nach Thessaloniki. Athen eignet sich als Hauptstadt hervorragend als Startpunkt für Ausflüge. Von Hafen von Athen gehen auch regelmäßig im Sommer Fähren zu den verschiedenen Inseln von Griechenland.
Alle Verkehrsmittel sind pünktlich und zuverlässig. Auch das Fragen nach einem Studentenrabatt zahlt sich meist aus.
In Athen direkt empfiehlt sich eine Monatskarte für Studenten für 15€. Mit dieser kann man den gesamten Nahverkehr (Metro, Bus) in der Stadt nutzen.

Kommunikation

In meinen Handytarif waren Anrufe und Nutzung von mobilen Daten innerhalb der EU enthalten und es fielen keine weiteren Kosten an. Die anderen Studierenden aus Nicht-EU-Ländern haben sich eine SIM-Karte gekauft für mobile Daten. Dies war überall möglich und es gab auch spezielle Studententarife. Ebenfalls gibt es in Griechenland in vielen Hotels, Restaurants und Cafés freies Internet, was man nutzen kann. Im Krankenhaus und in der Mensa war leider kein Internet verfügbar, aber in der Unterkunft schon.

Unterkunft

Die Unterbringung erfolgte in einem Apartmenthaus. Die Organisation wurde von HelMSIC übernommen. Es gab jeweils eine Wohnung für die Männer und die Frauen. Wir hatten für uns zu dritt eine Wohnung bestehend aus voll ausgestatteter Küche, Bad mit Badewanne, Wohnzimmer mit Balkon, Schlafzimmer und Flur geteilt. Theoretisch gab es Platz für 5 Personen (Doppelbett, Schlafcouch für 2 Personen im Wohnzimmer und Einzelbett im Flur). Die Einrichtung ist zweckmäßig, aber schon etwas in die Jahre gekommen. Bettwäsche und Handtücher wurden gestellt.

Literatur

Im Rahmen der Vorbereitung für den Austausch sollte man die Internetseiten von bvmd.de und exchange.ifmsa.org lesen. Auch sollte man einige medizinische Fachbegriffe in Englisch kennen, damit die Kommunikation im Krankenhaus erleichtert wird. Ich persönlich hatte mir noch einen Reiseführer über Griechenland im Allgemeinen und Athen gekauft, da ich mit ebenfalls die Sehenswürdigkeiten des Landes ansehen wollte.

Mitzunehmen

Man sollte auf keinen Fall die geforderten Materialien für den Austausch vergessen. Dazu zählen das student's handbook, Stethoskop und weißer Kittel. Ist im Rahmen der Famulatur auch viel Aufenthalt im OP geplant, sollte man ebenfalls OP-Kleidung (surgical scrubs) einpacken.
Weiterhin ist es sehr schön, wenn man ein paar typische Lebensmittel oder Getränke aus seinem Land mitbringt. Bei uns wurde auch ein internationaler Abend organisiert, zu dem verschiedenste Dinge aus den verschiedensten Ländern verkostet wurden. Jeder hat sich gefreut, typische Speisen aus anderen Ländern kennen zu lernen.

Reise und Ankunft

Ich bin schon 1 Woche früher angereist und habe mir zusammen mit einer Freundin, die ebenfalls eine Famulatur mit mir zusammen über die bvmd machte, den Norden von Griechenland angesehen. Eine Verlängerung des Aufenthaltes vor oder nach der Famulatur würde ich jedem empfehlen, um das Arbeiten etwas mit Sightseeing zu verbinden. Gerade für die weiteren Ziele bleibt an den Wochenenden nicht so viel Zeit übrig.
Wir wurden dann bei der Ankunft in Athen von unseren Kontaktpersonen abgeholt und zur Unterkunft gebracht. Am ersten Arbeitstag haben sie uns das Krankenhaus und den Weg dorthin gezeigt. Im Anschluss darauf wurden wir den Dozenten für den Austausch vorgestellt, welche die weitere Betreuung übernahmen.

Tätigkeitsbeschreibung und fachliche Eindrücke

Meine Famulatur fand in einer Klinik für Gynäkologie und Geburtshilfe in Athen statt. Der erste Tag begann leider etwas chaotisch, da meine Kontaktperson nicht genau wusste, an wen sie sich wenden musste. Mein eigentlicher Betreuer (der Direktor der Klinik) hatte an diesem Tag keine Zeit und ich sollte zu einem anderen Arzt gehen. Auch dieser hatte nicht wirklich Zeit für mich, weswegen ich dann in einen Untersuchungsraum geschickt wurde, um dort den Ablauf zu beobachten. Leider wurde dort recht wenig erklärt und nur widerwillig Fragen beantwortet.
Am nächsten Tag wurde ich durch die Sekretärin des Direktors einer Studentengruppe zugeteilt, welche dann in den nächsten Wochen durch die einzelnen Fachabteilungen wechseln sollte. Die Sekretärin war sehr freundlich und engagiert und hat gerne alle Fragen und Anliegen beantwortet.
Im Gegensatz dazu hatte ich mit den einheimischen Medizinstudenten nicht so viel Kontakt im Krankenhaus, da diese meist nicht anwesend waren oder nach der Unterschrift für die Anwesenheit das Krankenhaus gleich wieder verließen. Daher durfte ich dann recht schnell frei entscheiden, auf welche Station oder Abteilung ich gehen wollte. Auch konnte man immer fragen, ob man nicht doch lieber in die Notaufnahme oder den OP gehen kann und dies war meist kein Problem.
Manche Ärzte waren sehr freundlich und versuchten mir viel zu zeigen und zu erklären. Hier hat die Famulatur sehr viel Freude gemacht und man konnte einige neue Aspekte kennen lernen. Leider gab es auch einige Ärzte, die keine Motivation hatten mit mir zu reden oder mit etwas zu zeigen. Erschwerend kam hinzu, dass ich leider kein Griechisch verstand und somit auf die Übersetzungen angewiesen war. In einigen Ausnahmefällen wurden meine Fragen sogar komplett ignoriert oder nur mit ein paar Worten abgehandelt. Auch passierte es häufiger, dass einfach alle Ärzte gingen ohne zumindest mir anzubieten mit ihnen mit zu kommen oder überhaupt etwas zu sagen. Natürlich waren diese Situationen etwas frustrierend, da man ja keinen Austausch macht, um dann nur seine Zeit im Arztzimmer abzusitzen. Zum Glück gab es aber auch wirklich andere Ärzte, die sehr freundlich waren.
Mein Betreuer habe ich meist nur am Dienstag zur Visite durch die ganze Klinik gesehen. Hierbei war er sehr darauf bedacht, dass ich immer die Fälle übersetzt bekommen habe und auch Einblicke in die Diagnostik und Therapie erhalte. Dies war wirklich sehr lehrreich und immer ein Highlight der Woche.
Ein normaler Arbeitstag begann meist gegen 7:30 und man konnte gegen 13-14 Uhr das Krankenhaus verlassen. Ich konnte bei fast allen Untersuchungen/OPs zusehen oder diese unter Anleitung selbst durchführen. Das Erheben von Anamnesen und Kommunikation mit den Patienten war hingegen durch die Sprachbarriere sehr schwierig.
Hauptsächlich habe ich in der Famulatur Behandlungsmethoden gesehen, die auch so ähnlich in Deutschland durchgeführt werden. Daher wurden eher bekannte Fähigkeiten verbessert, als Neues erlernt. Natürlich gab es auch landesspezifische Unterschiede und man hat einige Einblicke in das Gesundheitssystem erhalten.

Land und Leute

In der Freizeit haben wir viele Ausflüge unternommen, um Land und Leute näher kennen zu lernen.
In der ersten Woche vor dem Beginn der Famulatur haben wir uns Thessaloniki und dessen Umgebung angesehen. Auf den Weg nach Athen folge dann noch ein Abstecher nach Meteora. Während der Famulatur waren wir fast jeden Nachmittag in der Stadt unterwegs. Teilweise mit den Studenten vom HelMSIC, als Gruppe von Austauschstudenten oder auch allein oder nur zu zweit oder dritt. In Athen lässt sich alles gut umsetzten. Durch die Monatskarte ist man sehr mobil und man kann alle Ziele in der Stadt einfach erreichen. Folglich haben wir unter der Woche viel Zeit damit verbracht uns Sehenswürdigkeiten anzuschauen, Souvenirs zu kaufen, eine Rooftopbar mit Aussicht zu besuchen oder einfach nur ein Gyros essen zu gehen. Für europäische Studenten ist der Eintritt für die meisten kulturellen Attraktionen und historischen Stätten kostenfrei. Hingegen können das Essen und Trinken in einer Bar oder Ausgehen in einen Klub eine kostspielige Angelegenheit werden. Empfehlenswert ist auf jeden Fall der Besuch der Akropolis, des Archäologischen Museums, des Lykabettus Hügel und der Griechischen Agora.
An den Wochenenden haben wir einige Ausflüge in die nähere Umgebung von Athen unternommen. Zum Beispiel besuchten wir die historische Stätte von Mykene und die idyllische Hafenstadt Nafplio. An einem anderen Wochenende waren wir beim größten Karneval von Griechenland in Patras. Alle Ziele waren problemlos mit dem Überlandbus erreichbar. Weiterhin nahmen wir die Fähre nach Kreta und besuchten dort die Städte Chania, Rethymno und Iraklion. Weiter ging es dann noch mit der Fähre nach Santorin und wieder zurück nach Athen.
Nach dem Praktikum nutzen wir noch 10 Tage, um uns die historischen Stätten auf und um Peloponnes anzusehen. Auf jeden Fall sollte man sich Delphi, Olympia, Messene, Mystras und Epidauros ansehen.
Falls man die Möglichkeit hat seinen Aufenthalt zu verlängern, sollte man dies unbedingt nutzen. Besonders das Kennenlernen von Land, Leuten und Kultur hat mir persönlich am meisten Freude bereitet.
Die meisten Griechen sind sehr freundlich und nett. Man hat nicht den Eindruck, dass das Land instabil oder unsicher ist. Somit kann man auch gut Ausflüge zu den verschiedensten Zielen unternehmen. Wenn man nicht den Bus nehmen möchte, kann man sich auch problemlos ein Auto ausleihen. Der Verkehr ist zwar etwas chaotisch und gewöhnungsbedürftig, aber dies ist die schnellste und einfachste Art das Land zu sehen.
Die griechische Küche ist sehr lecker und empfehlenswert. Man kann sowohl im Supermarkt oder auch auf dem Markt einkaufen. Besonders Liebhaber von Feta, Oliven und Tomaten werden auf ihre Kosten kommen. Es gibt aber auch viel Gyros, Souvlaki, Ziegenfleisch, Fisch und Meeresfrüchte zur Auswahl. Jeder findet somit etwas für seinen Geschmack.

Fazit

Mir hat der Austausch sehr viel Spaß gemacht. Man war in der Lage das Gesundheitswesen eines anderen Landes kennen zu lernen, Medizinstudenten aus anderen Ländern zu treffen und Kultur und Sehenswürdigkeiten zu besuchen.
Ich würde sehr gerne noch einmal einen Auslandsaufenthalt in einem anderen Land machen. Vielleicht dieses Mal im Rahmen eines Forschungsaustausches.
Athen würde ich in ein paar Jahren ebenfalls gerne nochmals besuchen, sowie einige der griechischen Inseln. Ich kann mir aber trotzdem nicht wirklich vorstellen dort zu arbeiten. Vielleicht wäre eine Mischung aus den Arbeitsbedingungen und Standards von Deutschland und Griechenland optimal.
Trotzdem war meine Famulatur in Griechenland eine wundervolle Erfahrung und ich würde meine Entscheidung für ein Auslandspraktikum über die bvmd jederzeit wiederholen.

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