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Institute for Indian Mother and Child (Indien)

Verschiedene - SCOPH (Public-Health Austausch)
von Nele, Lübeck

Motivation

Schon immer wollte ich mir persönlich ein Bild davon machen, wie die Medizin im Entwicklungsland aussieht, da ich mir vorstellen koennte, in einem medizinischen Bereich der Entwicklungshilfe zu arbeiten. Zudem hat mich der Aspekt der Health Education ueberzeugt, an diesem Projekt teilzunehmen.

Vorbereitung

Zur Vorbereitung müssen natürlich die Flüge gebucht warden und ein Visum beantragt werden (siehe Punkt Visum).
Falls dein Impfschutz nicht ausreichend ist, solltest du dich frühzeitig kümmern. Ich persönlich habe einen bestehenden Schutz gegen die grundlegenden Erkrankungen und zusätzlich Tollwut. Für Indien habe ich mich noch um Typhus und eine Einmalauffrischung Polio gekuemmert. Beim Arzt habe ich auch eine Malaria-Prophylaxe mitgenommen. Tipp: Die Techniker Krankenkasse zahlt hier manchen Präparate, also vorher erkundigen.
Zur Vorbereitung bekommt man außerdem mit der Zusage einen guten Leitfaden an die Hand. Dort steht genau, was man machen sollte. Alles kein Hexenwerk. Dazu gehört zB die Absprache mit Indien, wann man anreist etc. Insgesamt sollte man sich davon nicht verrückt machen lassen, die Volunteers des Vormonats erklären alles genau vor Ort.

Visum

Ich habe ein E-Visum beantragt. Alles in allem ziemlich einfach. Man benötigt ein passendes Passbild für den Antrag im Internet. Dazu brauchst du nicht zum Fotografen zu gehen! Ein gutes Bild mit dem Smartphone reicht aus. Anforderungen an das Bild sind ebenfalls auf der Website zu finden.
Entgegengesetzt der Empfehlung im Leitfaden habe ich ein Touristenvisum genommen, es gilt fuer 60Tage und kostet ungefähr 100 Euro. Kommt dann natürlich drauf an, ob dir die 60 Tage ausreichen oder ob du danach noch länger reisen möchtest. Das Visum war innerhalb weniger Tage in meinem Email Postfach.

Gesundheit

Ich persönlich hatte in Indien überhaupt keine gesundheitlichen Probleme. Ich habe auch das Wasser in den Restaurants getrunken etc. Wer einen empfindlichen Magen hat, sollte das vielleicht unterlassen.
Hände waschen vor dem Essen nicht vergessen, in Indien wird viel mit den Händen gegessen.
Einige andere Volunteers lagen mal ein, zwei Tage mit Bauchschmerzen im Bett. Wenn man keine Reiseapotheke dabei hat, bekommt man aber auch alles vor Ort. Magen Darm Probleme gehören wohl normalerweise einfach dazu.

Sicherheit

Ich habe mich in Kalkutta super sicher gefühlt. Auch die Zeit, die ich alleine gereist bin, habe ich mich nie unsicher gefühlt. Ich glaube, das Problem ist, dass vor dem Trip viele gesagt haben, dass Indien nicht sicher ist, schon garnicht als Frau, wodurch ich immer ein leicht komisches Gefühl hatte. Aber Angst ist ein schlechter Reisebegleiter. Ich würde einfach raten, nicht leichtsinnig zu sein. Aber Kalkuttas Einwohner waren stets sehr freundlich zu mir!!

Geld

In Indien wird mit indischen Rupees gezahlt. 78 Rupees entsprechen ungefähr einem Euro. Das Leben in Indien, besonders in Kalkutta, da es keine touristische Stadt ist, ist super günstig. Erkundige dich vorher bei Einheimischen, die nichts mit dem Geschäft zu tun haben, was zB eine Taxifahrt kostet, sonst schlagen die Inder immer ein bisschen drauf, weil du weiß bist. Lebensmittelpreise hast du schnell raus, das schwankt normalerweise nicht so viel.

Sprache

In Kalkutta wird Bengali gesprochen. Die wichtigsten Phrasen lernst du in einem kleinen Bengali Sprachkurs in deiner ersten Woche. Viele Inder sprechen gebrochen Englisch. Mein Tipp: Wenn du wirklich eine Auskunft brauchst, spricht die Inder an, die Hemd tragen und|oder jung sind. Die sprechen meist das beste Englisch.

Verkehrsbindungen

Innerhalb Kalkuttas gibt es eine gute Verkehrsanbindung. Es fährt eine Metro durch die Stadt und viele Tuktuks und Busse fahren dorthin, wo die Metro nicht hinfährt. Wenn du mal wirklich nicht weisst, wie du von A nach B kommen sollst, orderst du dir über eine App ein UBER, eine Art Taxi, super easy.
Verkehrsverbindungen zu anderen Städten wie Züge oder Busse sind vorhanden, fahren auch, brauchen aber ewig.

Kommunikation

In Indien gibt es eine hervorragende Internetverbindung. Die anderen Volunteers zeigen dir, wo du ein indische Simkarte bekommst. Internet kostet so um die 5Euro für den ersten Monat. Kontakt nach Hause ist also kein Problem. In der Indoor Klinik kannst du außerdem einen Computers nutzen falls du zB etwas drucken musst.

Unterkunft


Du teilst dir ein Guest Haus mit den anderen Volunteers. Das Guest Haus war meiner Meinung nach sehr gut – für indische Verhältnisse. Es sind Einzelzimmer bis Vierbettzimmer vorhanden. Es gibt kein Warmwasser, ich war allerdings im Hochsommer dort und da war mir sogar das kalte Wasser zu warm. Das Haus verfügt über zwei Herdplatten und Kühlschränke. Du kannst also selber kochen.

Literatur

Ich habe mich nicht speziell auf Indien vorbereitet oder passende Lektuere mitgebracht – außer einen Reiseführer, da ich danach noch gereist bin. Meiner Meinung nach muss man sich nicht immer vorbereiten, sondern kann sich auch einfach ins Abenteuer stürzen.

Mitzunehmen

Hier kommt es ein bisschen drauf an, in welcher Jahreszeit du anreist. Ich würde empfehlen, so wenig wie möglich mitzubringen, du kaufst dort genug…. Die passende langen Pumphosen kaufst du dort. Bettwäsche habe ich nicht gebraucht, da gab es etwas im Guest House von den vorherigen Volunteers.
Die empfohlenen Einmalhandschuhe, die ich mitgebracht habe, wurden nie genutzt. Händedesinfektion in klein ist zu empfehlen, aber für die Kliniken wird das nicht benötigt. Die haben alles da. Ein eigenes Stetoskop ist dagegen zu empfehlen.

Reise und Ankunft

Meine Reise ist super verlaufen. Ich bin über Amsterdam und Mumbai nach Kalkutta geflogen. Da ich vorher mit den Leuten des Projektes gesprochen habe, wurde ich gegen Geld (steht alles im Leitfaden) abgeholt und bin ohne Probleme im Guest Haus angekommen. Der Taxifahrer war glaube ich der einzige Inder, den ich je pünktlich gesehen habe… Im Guest Haus haben mich die anderen Volunteers super empfangen, das war ein guter Start.

Tätigkeitsbeschreibung und fachliche Eindrücke

Das Projekt ist sehr vielfältig aufgestellt. Der medizinische Sektor ist nur ein kleiner Bereich davon. Es gibt eine Indoor Klinik und einige Outdoor Kliniken. An einigen Tagen der Woche helfen die Studenten hier. Die Aufgaben sind super einfach. Es gibt drei Aufgaben, die zu erledigen sind: Blutdruck messen, Wunden versorgen\Hautkrankheiten mit Salben einschmieren oder Injektionen geben. Was zu tun ist, bringen die Patienten auf einem Zettel vom Arzt mit. Wenn du also kommen möchtest, um dich medizinisch weiterzubilden, bist du vollkommen fehl am Platz. Zwar kann man auch mal den Ärzten über die Schulter schauen, aber das ist eher selten. Die Kliniken waren allerdings leider der einzige Ort, wo ich das Gefühl hatte, gebraucht zu werden.
Während der restlichen Zeit kann man die anderen Projekte besuchen und dort helfen. Es gibt zum Bespiel das Micro Credit Programm, das Frauen Kredite gibt, die somit einen Laden aufbauen oder Saatgut kaufen können.
Mir hat die Health Education am Besten gefallen. Dort sind wir in kleine Dörfer gefahren und haben die Menschen medizinisch aufgeklärt. Dazu haben wir uns vorher passende Themen überlegt und Plakate dazu vorbereitet. Ich habe es trotzdem als äußerst fragwürdig empfunden, ob wir wirklich gebraucht werden. Denn es kommen ja immer Dolmetscher mit, die sich mit dem Thema ebenso auskennen. Was soll ich also dort? Auf Nachfrage wurde mir gesagt, dass die Menschen, die zuhören, nur kommen, wenn “Weiße” den Vortrag halten. Deswegen würden wir auch gebraucht. Das hat mich nicht sehr zufrieden gestellt. Ich habe allerdings versucht, diese Aussage zu verdrängen und mein Bestes gegeben, mein Wissen weiterzuvermitteln. Außerdem war es sehr interessant, in die kleinen Dörfer Indiens Einblick zu bekommen, wo man sehr wahrscheinlich sonst nie gelandet wäre.
Außerdem haben wir auch einige Schulen besucht, die IIMC aufgebaut hat. Die Kinder sind sehr süß und haben sich sehr gefreut, wenn wir kamen. Allerdings hatte ich auch hier nicht das Gefühl, eine Hilfe zu sein, sondern uns wurde eher der Wissenstand der Kinder vorgezeigt. Jedes Kind musste zb ein englisches Lied vorsingen. Dabei habe ich mich nicht sehr wohl gefühlt.
Manche Projekte in den Schulen haben dann doch wieder Spass gemacht, wie zb das Verteilen von Zahnbürsten und Zahnpasta oder ein Gesundheitsscreening für die Kinder. Dort haben wir einige Kinder gefunden, die zb eine Brille brauchen oder mal zum Zahnarzt gehen sollten.
Insgesamt empfiehlt es sich also, das Projekt zu wählen, das einem am meisten Spass macht und man sich am Wohlsten fühlt. Das lag bei mir in der Anlage eines Gemüsegartens und ich freue mich sehr, dass dort schon die ersten Pflanzen zu sehen sind.

Land und Leute

Indien ist ein sehr chaotisches Land und ganz anders als Deutschland. Schon das ist auf jeden Fall ein guter Grund, dorthin zu reisen. Das Land hat mehr Menschen als Platz und die Straßen sind unglaublich voll. Kalkutta ist eine Grossstadt und auch sehr staubig – wer empfindlich ist, sollte eventuell an einen Atemschutz denken. Indien hat ja leider bekannterweise auch ein Müllproblem, es war wirklich oft schwierig einen Mülleimer ausfindig zu machen.
Die Leute in Kalkutta sind wahnsinnig freundlich und einem wird immer geholfen – auch dann, wenn man garkeine Hilfe haben möchte. Als Weißer fällt man sehr schnell auf und wird angesprochen. Die Gespräche sind auch immer dieselben, dabei wollen die Leute garnichts, sondern nur mit dir reden. Manche wollen ein Foto machen. Scheue dich nicht, einfach nein zu sagen. Ich habe nie ein Foto mit einem Inder gemacht, obwohl ich sehr oft gefragt wurde. Auch nach meiner Nummer. Schau einfach, wie du dich wohl fühlst.
Ich bin äußerst froh, meine Indienerfahrung in Kalkutta gestartet zu haben. Alles andere, das ich danach gesehen habe, war super touristisch. Zwar erscheint es auch einfacher, wenn man Burger in einem Restaurant bekommt, aber es ist doch schöner, das echte Indien erleben zu können. Diese Erfahrung möchte ich nicht missen. Es gibt so viele tolle indische Rezepte, die man alle ausprobiert haben sollte. Ich muss dazu sagen, dass ich überhaupt nicht scharf essen kann. Das war aber meistens in Ordnung. Es gibt ja immer Reis und Brot dazu, so kann man sich es leichter schmackhaft machen.
Die Arbeitszeit im Projekt ist Montags bis Samstags, du hast also Sonntags frei. In Kalkutta kann man sehr viele tolle Dinge erleben. Es ist zu empfehlen, einfach durch die Straßen zu schlendern und die verschiedenen Farben, Geräusche und Gerüche zu entdecken.
Wenn ihr genug Volunteers seid, könnt ihr auch ein Wochenende frei nehmen und reisen. Wir waren sehr wenige Volenteers und so habe ich garkeinen Tag freigenommen. Generell ist das aber kein Problem. Es ist zu empfehlen, sich davor oder danach noch ein paar Tagen oder Wochen zu nehmen und durch das Land zu tingeln. Wie gesagt, unschlagbar günstig.
Wichtig zu wissen ist auch, dass die Inder ein großes Problem mit Pünktlichkeit haben. Oder wie uns am ersten Tag erklärt wurde: “Wenn wir sagen, dass um 15Uhr etwas passiert, heißt das nur, dass es sein kann, dass es um 15 Uhr passiert oder auch später oder garnicht. Das Einzige, das sicher ist, ist dass VOR 15Uhr nichts passiert.”
Ich als Pänktlichkeitsliebhaber musste mich also sehr zusammenreißen, was sich aber als gute Probe herausstellte. Im Endeffekt läuft nämlich immer alles und das muss man erstmal lernen.

Fazit

Leider wurden meine Erwartungen nicht erfüllt, das versuche ich im Folgenden mal plausibel zu begründen.
An den medizinischen Sektor hatte ich gar keine große Erwartung. Aus den anderen Erfahrungsberichten habe ich schon gelesen, dass man nicht kommen sollte, wenn man etwas medizinisches lernen möchte. Das war also vollkommen ok für mich, ich hatte mich eher auf die health education gefreut.
Für mich war es allerdings super schwierig zu erkennen, dass ich aus meiner Sicht nicht wirklich gebraucht werde. Zwar werden immer wieder Aufgaben gefunden, die man erledigen kann, aber es ist auch oft Leerlauf. Im Endeffekt wurde mir klar und auch vom Projektleiter bestätigt, dass das Projekt nur mit Weißen funktioniert. Sie sind das Aushängeschild und nur deswegen kommen die Patienten. Ich konnte mich einfach nicht damit zufrieden geben, dass meine Aufgabe darin besteht, die Patienten anzulocken, nur weil ich weiß bin, wobei ich ziemlich sicher bin, dass das Projekt wirklich nur mit weißen Personen funktioniert. Ich hatte gehofft, mein Wissen und meine Tatkraft einbringen zu können. Dagegen hatte ich eher das Gefuehl, dass einige Leute in dem Projekt uns eher nur das Projekt vorstellen möchten, als uns einzubringen und zeigen möchten, was für tolle Sachen sie auf die Beine gestellt haben. Ich bin sicher, dass die verschiedenen Teilbereiche eine Bereicherung für Kalkuttas arme Menschen darstellt. Allerdings habe ich meine Aufgabe nicht gefunden.

Deswegen würde ich das Projekt nur bedingt empfehlen. Ich bin unglaublich dankbar, die Erfahrung gemacht haben zu dürfen und nun so tolle andere Volunteers zu kennen. Auch freue ich mich, einen Blick hinter die Kulissen geworfen zu haben und habe einen guten Einblick in die Bedürfnisse der Bevölkerung Indien bekommen zu haben. Besonders Kalkutta eignet sich für einen Start in Indien.
Aus den oben genannten Punkten stehe ich IIMC als Volunteer allerdings leider skeptisch gegenueber.

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