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Rwanda (MEDSAR)

Pädiatrie - SCOPE (Famulaturaustausch)
von Lisa, Würzburg

Motivation

Für meine letzte Famulatur wollte ich ganz bewusst noch einmal ein anderes Gesundheitssystem erleben und zusätzlich einige Wochen aus meinem normalen Alltagsleben rauskommen. Nachdem ich kein Spanisch und kein Französisch spreche, blieben mir nicht sehr viele Länder zur Auswahl. Neben Ruanda hatte ich noch Äthiopien und Indonesien auf meiner Bewerbung, bin jetzt aber sehr froh, dass es Ruanda geworden ist.

Vorbereitung

Ich hatte offen gestanden nicht sehr viel Zeit für eine ausführliche Vorbereitung. Eine Weile nach der Zusage sollte ich ein paar Dokumente für die IFMSA ausfüllen, zum Beispiel die Card of Acceptance. Das wird aber alles von der BVMD ausreichend gut erklärt. Unser NEO vor Ort in Ruanda hat sich dann relativ bald mit uns in Verbindung gesetzt und uns erklärt, welche Dokumente das Krankenhaus braucht.
Fürs Visum habe ich auch einige Dokumente vorbereitet – mehr dazu dann unter Visum.
Dann wurden Flüge gebucht und ich habe angefangen mich über das Land zu informieren und zu überlegen, was ich mir alles ansehen möchte, da ich neben dem Praktikum noch drei Wochen Zeit hatte zu reisen. Die Geschichte Ruandas ist sehr spannend, der Genozid ein trauriges und bewegendes Thema. Ich habe im Vorfeld eine Dokumentation „Unversöhnt“ vom NDR gesehen und mich im Reiseführer mit der Geschichte auseinandergesetzt. Aktuell (nach meinem Aufenthalt) lese ich das Buch „We wish to inform you that tomorrow we will be killed with our families” von Philip Gourevitch, was ich jedem, der sich intensiver mit dem Thema beschäftigen möchte, dringend empfehlen kann. Es macht Sinn diesbezüglich nicht völlig unwissend ins Land zu fahren. Aber Ruanda ist noch so viel mehr als der Genozid., es gibt so viel mehr zu entdecken und über das Land zu erfahren!
Medizinisch habe ich mir nochmal die klassischen Tropenkrankheiten, gängigen Infektionskrankheiten und häufigsten Kinderkrankheiten (ich war in der Kinderheilkunde) durchgelesen. Durch längere Auslandsaufenthalte fühlte ich mich im Englisch sehr sicher, aber es hätte im Nachhinein auch Sinn gemacht ein bisschen Medical English zu lernen und sich die wichtigsten Fachbegriffe und vor allem auch das Anamnese– und Untersuchungsvokabular anzueignen, sofern man es nicht schon kann.

Visum

Für Ruanda braucht man ein Visum. Am Flughafen habe ich das 30-tägige Visa on Arrival bekommen (in Dollar zu zahlen! kostet 30$) und habe dann vor Ort in Butare beim District Office (Immigration Office, Mo-Fr 7-12) mein Studenten Visum (N1) beantragt. An Unterlagen braucht man, wie auch bei www.migration.gov.rw angegeben, ein Führungszeugnis (ich habe meines zur Sicherheit auf Englisch übersetzten lassen, bei einer Freundin hat es auch ohne Übersetzung geklappt), einen Lebenslauf, ein Bewerbungsschreiben für das Visum adressiert an den Director General of Immigration (beides auf Englisch), ein Foto, einen Invitation Letter vom Krankenhaus (bekommt ihr im CHUB, Butare bei Mr. Elias Rwamugema), die ausgefüllte Application Form und eine englische Immatrikulationsbescheinigung (School Admission Letter). Das Visum kostet 50$ oder 50 000 Ruanda Franc. Bei uns hat es gut geklappt es bis auf unseren Ausreisetermin legen zu lassen – eigentlich wird das Visum nur bis zum Ende des Praktikums ausgestellt aber Mr. Rwamugema war so freundlich, das direkt mit dem Immigration Office abzuklären. Nach dem Visum hat mich im Krankenhaus selbst niemand gefragt, mir war es aber wichtig, bei Patientenkontakt auch eine legitime Aufenthaltserlaubnis als Student zu haben. Das Visum hat bei mir 3 Wochen von Antragsstellung bis zur Abholung gebraucht, also ist es sinnvoll es rechtzeitig zu beantragen, damit man hinten raus nicht in Stress kommt. Ansonsten hat alles problemlos geklappt.
Mit diesem Studentenvisum bekommt man in manchen Nationalparks den Resident Preis und kann damit einige Dollar sparen (z.B. im Akagera Park).

Gesundheit

Ich hatte meine übliche Reiseapotheke mit dabei und war ausgerüstet für Erkältung, Durchfall und kleinere Verletzungen. Zu empfehlen sind neben Fieberthermometer (für den eigenen Gebrauch), Verbandszeug, Wund- und Händedesinfektion, Schmerzmittel auch Kohletabletten, Elektrolytlösungen und co. Ich persönlich halte viel von Tannacomp, ein pflanzliches Medikament für Magen-Darm-Erkrankungen. Da ich vor Ort nie in einer Apotheke war, kann ich keine Auskunft geben, an welche Medikamente man vor Ort kommen könnte. Im Krankenhaus sind die Ressourcen eher knapp.
Das Leitungswasser ist kein Trinkwasser, je nach Darm kann man es aber zum Zähneputzen nehmen. Da ich eher empfindlicher bin, habe ich das nicht gemacht. Gekauftes Trinkwasser ist relativ teuer (500-700 Ruanda Franc), bekommt man aber überall ohne Probleme, auch in 10 Liter Kanistern. In einigen Unterkünften gibt es große Wasserfilteranlagen, die teils gut, teils nicht so gut sind.
Ich habe mich als Malariaprophylaxe für Malarone entschieden und hatte damit keine Probleme. Und natürlich, vor allem abends, fleißig mit NoBite eingesprüht und für den Regenwald auch die Klamotten mit dem Klamotten-Spray von NoBite imprägniert.
An Impfungen hatte ich die Gelbfieberimpfung, Meningokokken ACWY, Tollwut, Typhus, Cholera und die Standardimpfungen wie Tetanus, Diphtherie, Polio, Pertussis und natürlich Hepatitis A und B.
Ich musste keine Untersuchungen vorweisen, das Krankenhaus hat mich nur darauf hingewiesen, dass ich gegen Hepatitis A+B, Meningokokken und Gelbfieber geimpft sein sollte und mir eine Malariaprophylaxe dringend empfohlen wird. Nachweisen musste ich allerdings eine Auslands-Krankenversicherung.

Sicherheit

Ruanda ist ein sehr sicheres Land. Die Nachbarländer (DRC und Burundi) sind noch im Bürgerkrieg und aktuell gibt es einen Konflikt mit Uganda. Es gibt viel Militär-/Polizeipräsenz und viele Sicherheitsleute. Fast an jedem größeren Gebäude muss man durch eine Sicherheitskontrolle.
Ich wurde nie bestohlen und hatte nie Angst, dass ich es werde. Im Gegenteil, ich habe die Erfahrung gemacht, dass die Leute einen auf potentielle Gefahren aufmerksam machen. Als ich zum Beispiel an einer Bushaltestelle meine Tasche kurz offen hatte hat mich ein junges Mädchen freundlich darauf aufmerksam gemacht.
Auch nachts ist es überwiegend sehr sicher. Wir sind immer zu zweit in Butare nach Hause gelaufen. Am Ende meiner Zeit bin ich den Congo Nile Trail für zwei Tage gelaufen, in abgelegen Dörfern und auch hier habe ich mich nicht eine Sekunde unsicher gefühlt. Die Ruander kümmern sich als Gruppe sehr gut um einen. Also selbst wenn uns mal jemand doof angemacht hat, was in meiner Zeit nur einmal vorkam, waren gleich andere zur Stelle, die uns aus der Situation rausgeholt haben.
Der Verkehr ist natürlich ein bisschen verrückt. Fürs Moto Taxi fahren muss man ein bisschen Abenteuerlust mitbringen und man sollte es nicht während oder kurz nach starkem Regen machen, da die Straßen dann sehr rutschig werden. Aber während dem Regen nehmen einen die meisten Motos auch gar nicht mit, sondern bleiben selbst irgendwo geschützt stehen. Auch hier hatte ich nie Probleme oder gefährliche Situationen.

Geld

Jetzt habe ich schon ganz oft von Ruanda Franc gesprochen. Der Ruanda Franc ist die Währung im Land, 1000 Franc entsprechen ca. 1€. Ich habe eine Visa-Kreditkarte und hatte nie Probleme mit Geld abheben. Ab und zu funktioniert mal ein ATM nicht, aber dann findet man schnell einen zweiten. Ich hatte auch Dollar dabei und habe diese umgetauscht oder Touren in den National Parks damit bezahlt, aber es wäre auch ohne gegangen. Nur für die Einreise braucht man 30 $ für das Visum, vorausgesetzt man hat kein anderes Visum (East Africa oder so). Euro kann man überall umtauschen und wird auch teilweise in den Nationalparks akzeptiert.
Essen und Obst ist (bis auf Kigali) sehr günstig – warme Mahlzeiten zwischen 1000-4000 Franc (Fleisch ca. 8000-9000), Obst zwischen 500-1000 je nach Sorte und Saison. Getränke sind auch günstig. Unterkünfte sind teilweise eher höher-preisig, genauso die Eintritte und Touren in den Nationalparks.
In Butare selbst habe ich (bilateraler Austausch) die Unterkunft und zwei warme Mahlzeiten (Mittag und Abend, sehr lecker im Hostel!) gestellt bekommen, sodass ich hier nur Geld für Kaffee, Frühstück, Mitbringsel, Snacks und Wochenendausflüge ausgegeben habe.

Sprache

Die offiziellen Sprachen im Land sind Englisch, Französisch, Kinyarwanda und Swahili. Die meisten Leute sprechen überwiegend Kinyarwanda. Für einfach Sachen kommt man mit Englisch oder Französisch fast überall durch, aber es variiert sehr stark wer außer Kinyarwanda noch eine andere Sprache kann. Man sollte schon gutes Englisch sprechen. Kinyarwanda ist keine einfache Sprache, aber einige Wörter sind schnell zu lernen und es macht Spaß, wenn man wenigsten zu allen Tageszeiten die richtigen Grußformeln parat hat. Die Leute bringen es einem gerne bei. Ich war sehr froh, dass meine Mitfamulantin ein Buch zum Kinyarwanda lernen dabei hatte, so konnte man nachmittags immer mal wieder eine kleine Lern-Session einlegen und neue Worte lernen.
Praktisch bei Verhandlungen auf den Märkten wegen Preisen ist das Handy – einfach die Zahl eintippen und so verhandeln.
An offiziellen Stellen wird relativ gut Englisch gesprochen, so auch im Krankenhaus – Englisch ist die aktuelle Lehrsprache. Einige ältere Ärzte sprechen auch noch viel und gut Französisch. Die Patienten sprechen überwiegend Kinyarwanda.

Verkehrsbindungen

Es gibt gute Busse, die einen an viele Orte für 50ct bis 3€ bringen und zuverlässig fahren. Zusätzlich gibt es auch normale Taxis, die aber natürlich teurer sind als Moto Taxi. In Butare kostest ein Moto Taxi zwischen 300-500 Franc, je nachdem wo man hinwill. In Kigali ist das teuerste Moto Taxi bis 1000 Franc – dann aber schon für 8-10 km quer durch die Stadt. Nicht zu vergessen sind die Fahrradtaxis – kosten ähnlich viel wie ein Moto Taxi – machen sehr viel Spaß zu fahren.

Kommunikation

Ich habe mir vor Ort eine Sim-Karte von Airtel gekauft und ein Package für mobile Daten. Die Sim Karte selbst kostet ca. 500-1000 Franc, das Package hat 10 000 Franc gekostet für 30GB! Die 30 GB konnte ich nicht mal im Traum aufbrauchen, trotz Telefonaten über Whats App und Face Time, viel Recherchieren, ab und zu auch mal Fernseh-Serien streamen. Im Hostel in Butare (Sapies Sapientae) gibt es kein W-Lan, sodass sich die Sim-Karte sehr gelohnt hat.

Unterkunft

Für die Zeit des Praktikums war ich in einem Studentenwohnheim/Hostel in der Nähe des Krankenhauses (3 min Laufzeit) mit ganz vielen anderen Studenten untergebracht. Die Unterkunft wurde mir über MEDSAR organisiert. Im Hostel gibt es keine Möglichkeit zur Selbstverpflegung, aber das Buffet am Abend ist super lecker! Es gibt immer frische Bettwäsche und fast immer ein Handtuch. Auch ein kleiner Schreibtisch, ein Schrank, Decke, Kissen, Moskitonetz, Waschschüssel etc. ist alles vorhanden. Man kann sich hier gut wohlfühlen. Bad ist auf dem Flur, sauber, nichts zu beanstanden. Im Hostel gibt es auch einen kleinen Kiosk für die wichtigsten Sachen. Das Hostel wird von Nonnen geführt, die immer Lust auf einen kurzen Plausch haben und einen sehr angenehm willkommen heißen. Toll ist auch der Austausch mit den anderen Studenten, die dort leben und einen ebenso warm willkommen heißen.

Literatur

Ich hatte neben einer Lektüre zum Spaß noch ein Kinderheilkundebuch auf Englisch mit dabei. Ich würde auch unbedingt empfehlen, wenigstens ein Taschenbuch auf Englisch in dem Fachbereich, in dem man Praktikum macht, dabei zu haben. Man wird oft im Krankenhaus dazu angehalten etwas nachzulesen und auf Amboss.com ist dann doch nicht immer verlass. Es gibt auch von Medscape eine tolle App fürs Handy – dort kann man viel direkt auf Englisch nachlesen.
Als Reiseführer hatte ich den Lonely Planet East Africa mit dem ich sehr zufrieden war.
Und jedem, der ein gutes Buch über den Genozid lesen möchte, kann ich nur dieses Buch hier empfehlen, wie oben schon erwähnt: „Tomorrow we will be killed with our families.“

Mitzunehmen

Ich nehme meistens viel zu viel mit. Was jeder für sich braucht ist Geschmackssache, aber hier mal in Stichworten ein paar Dinge, die man auf keinen Fall vergessen sollte oder die mir wichtig waren.
- gutes Schuhwerk für Wandertouren und gute Regenjacke
- guten wasserdichten Tagesrucksack
- Kittel, Einmalhandschuhe, ausreichend Händedesinfektion, Stethoskop, Fieberthermometer und Maßband (je nach Abteilung)
- Handtücher, Hüttenschlafsack
- warme Klamotten (wenn ihr im März geht)
- lange Hosen, eher T-Shirts als Spagettiträger Tops. Der Kleidungsstil ist eher konservativ und ich persönlich finde es immer angebracht, sich dem ein bisschen anzupassen. Hat man vor dort in die Kirche zu gehen, lohnt sich ein Kleid
- noBite, Reiseapotheke
- Handwaschmittel (es gibt keine Waschmaschinen im Hostel)
- mein Frühstückstrick – da ich dort keinen Wasserkocher hatte aber morgens nicht auf Kaffee verzichten kann/will – Instantkaffee mit kaltem Wasser anrühren – funktioniert einwandfrei.

Reise und Ankunft

Ich bin mit Türkisch Airlines geflogen: von München über Istanbul nach Kigali für 560 Euro hin und zurück und war sehr zufrieden. Am Flughafen in Kigali wurde ich von einem Taxifahrer, den der lokale Neo organisiert hatte, abgeholt und zum Hostel (Mijo Hostel in Kigali, sehr zu empfehlen) gebracht. Die Fahrt kostet 10$.
Habe einen Tag in Kigali verbracht und bin dann mit dem Bus nach Butare gefahren, zusammen mit einer anderen Austauschstudentin/Mitfamulantin. In Butare sind wir mit dem Taxi zum Hostel wo wir herzlich empfangen wurden. Am nächsten Tag kam unser NEO (er hatte ursprünglich angeboten mit dem Bus zusammen mit uns von Kigali nach Butare zu fahren, aber das hat zeitlich nicht geklappt) und hat uns zum Krankenhaus gebracht. Dort hat er uns alles gezeigt, uns Mr. Elias vorgestellt und alle Formalitäten geregelt. Wir haben uns also einen Tag vor dem Praktikumsbeginn im Krankenhaus vorgestellt, was ich sehr angenehm fand.

Tätigkeitsbeschreibung und fachliche Eindrücke

Mein Praktikum habe ich am Centre Hospitalier Universitaire Butare (CHUB) in Butare absolviert. Ich war zur gleichen Zeit wie die Ruandischen Studenten (eine Gruppe von ca. 30 Studenten, bei uns war es die doppelte Anzahl an lokalen Studenten, weil gerade das Studium von 6 auf 5 Jahre gekürzt wurde) in der Kinderheilkunde. Die Studenten leisten dort sowas wie ihr PJ ab. Der Tag in der Kinderheilkunde beginnt um 7:00 Uhr. Man geht auf die Station wo man gerade ist (es gibt drei klassische Stationen: Ward A, B und Pathology, dann noch Neonatologie, Emergency Room, Private Rooms und High Dependency Care Unit) und beginnt mit der Pre-Round. Konkret heißt das, den oder die Patienten, die man zusammen mit den Ärzten betreut, kurz zu untersuchen, zu fragen ob es neue Probleme über Nacht gab, wie es dem Patienten so geht, nach dem neuesten Labor schauen etc. Das hält man dann in der Kurve für den Patienten schriftlich fest. Um 7:30 treffen sich alle zum Staff Meeting – hier werden neue Patienten vorgestellt, der Nachtdienst berichtet und es wird dann nochmal ein interessanter Fall genauer besprochen. Danach geht man wieder auf Station und macht alles für die richtige Visite (zwischen 9:00 und 11:00) fertig und nimmt neue Patienten auf. Blutentnahmen, Flexülenanalge und Medikamentengabe macht eigentlich alles die Pflege. Nach der Visite muss man dann oft noch Rezepte oder Untersuchungsanforderungen schreiben oder Patienten entlassen. Wenn die Stationsarbeit dann geschafft ist, trifft man sich entweder noch mit den anderen Studenten und dem Arzt auf Station für fachliche Diskussionen oder es ist Zeit für die Mittagspause. Um 14:00 gibt es dann meistens noch ein Teaching für die Studenten, wo entweder diese selbst Referate halten oder die Oberärzte/Assistenzärzte etwas vorstellen. Danach kann man nochmal auf Station schauen, ob es noch etwas zu tun gibt und dann so gegen 16:00 (offiziell 17:00) den Feierabend antreten.
Je nachdem wie viele Studenten gerade auf Station sind hat man eigene Patienten mit zubetreuen und auch in der Visite vorzustellen oder man läuft einfach mit den Studenten mit, hilft ihnen und arbeitet gut zusammen. Die Studenten, die mit mir dort waren, waren alle super willkommen heißend und nett (wir sind eigentlich fast jeden Mittag zusammen essen gegangen). Sie haben mir jederzeit übersetzt oder bei Fragen ausgeholfen. Die Studenten wissen sehr viel und werden von den Ärzten sehr gefordert. Die Strukturen sind hierarchischer als bei uns und manchmal schlägt das aufs Klima zwischen Ärzten und Studenten, zumindest von außen betrachtet. Sicherlich habe ich hier einiges auch sowohl kulturell als auch sprachlich missinterpretiert.
In meiner Zeit wurden auf Station selten Prozeduren wie Lumbalpunktion etc. durchgeführt, deswegen kann ich dazu wenig sagen.
Im Emergency Room macht man viele Aufnahmen, was cool ist, aber auch oft schwierig für die nicht Kinyarwanda Muttersprachler, einfach weil die Anamnese ganz oft natürlich auf Kinyarwanda ist.
Das Krankenhaus ist ein richtiger Campus mit vielen verschiedenen einzelnen Bereichen und Gebäuden für die verschiedenen Abteilungen. Alles überdacht, sodass man auch bei Regen überall trocken hinkommt.
Die hygienischen Verhältnisse sind in Ordnung, aber nicht mit unserer Hygiene zu vergleichen. Es gibt Alkohol auf den Stationen für die Händedesinfektion, aber oft nur eine Flasche für 10 Patienten, 5 Schwestern und Pfleger und viele Studenten und Ärzte.
Medikamente sind oft knapp im Krankenhaus, genauso wie andere Ressourcen. Finanzielle Schwierigkeiten gibt es oft, die Patienten müssen immer 10% ihrer Rechnung (alles – Medikamente, Zubehör, Untersuchungen) im Voraus bezahlen, was Vieles verlangsamt und verkompliziert.
Man lernt viel über das Gesundheitssystem – aber das will ich jetzt nicht vorweg nehmen – macht eure eigenen Erfahrungen, stellt viele Fragen, versucht zu verstehen, wie alles funktioniert.
Ich konnte vieles an Eindrücken in meiner Zeit dort sammeln. Es gibt viele Krankheiten, die es bei uns nur noch sehr selten bzw. in viel milderen besser therapierten Verlaufsformen gibt wie zum Beispiel Rheumatisches Fieber, Herzfehler und Meningitiden mit schweren Komplikationen. Davon gab es einige dramatischere Fälle, die mir natürlich in Erinnerung geblieben sind und noch lange bleiben werden.

Land und Leute

Das Land ist wunderschön. Ich konnte sowohl während der Wochenenden schon einiges im Land unternehmen, als auch danach, da ich noch zwei Wochen Urlaub in Ruanda gemacht habe. Tolle faszinierende Natur, vielseitigst zu bereisen. Es gibt drei große Nationalparks – den Nyungwe Regenwald, den Akagera National Park und den Volcano National Park. Ich war in allen dreien, bin dort gewandert, habe viele Wasserfälle gesehen, habe den Mt. Bisoke bestiegen und im Akagera Park eine Game-Drive Safari gemacht und Giraffen, Zebras und Elefanten in freier Wildbahn gesehen. Der Congo Nile Trail am Kivu See läd bei atemberaubender Landschaft und vielen kleinen Dörfern zum Wandern ein, mit vielen süßen Gästehäusern auf dem Weg. Am Kivu-See selbst kann man auch herrlich am Strand liegen und (je nach Bilharziose Lage) auch baden. Die Ruander sind sehr ruhige, freundliche, hilfsbereite und willkommen heißende Menschen. Neben Butare habe ich auch einige andere Städte, wie Musanze, Gisenyi, Kibuye und Kigali erlebt. Butare selbst ist auch wunderschön, wir waren zwei von vier Wochenende dort. In Ruhango ist ein toller Wochenmarkt – immer freitags. Wer konkrete Tipps für Guesthouses oder andere Dinge haben will – kann sich gerne am mich wenden, ich habe viele schöne Adressen. Ich habe mir das Genozid Memorial in Murambi und das in Kigali angeschaut – sehr beeindruckend.
Das Essen ist sehr lecker, wie ich finde! Reis mit Bohnen, Gemüse, Kartoffelchips, Kahnga (stichfester Brei aus Mais), Kassava Wurzel und so vieles mehr. Als Snacks eignen sich Samosas und Chapati, in Butare gibt es eine herrliche Bäckerei! Kaffee gibt es auch sehr guten, in Butare kann ich euch das Cafe Connexión sehr empfehlen. Wenn man doch mal Pizza braucht kommt man in Butare problemlos an eine ran. Und es gibt sehr leckeres Eis und sehr leckeren Bananenkuchen!
Ich habe keine unangenehmen Erfahrungen gemacht. Sicherlich war es gut am Ende des Praktikums zu reisen, weil ich dann die Sprache schon etwas kannte und viele Situationen sehr gelassen einschätzen konnte. Ich hätte gerne noch etwas mehr Zeit in Kigali und etwas mehr Zeit auf dem Congo Nile Trail gehabt (Wir sind nur 2 von 10 Tagen gelaufen) aber ansonsten bin ich mehr als zufrieden mit all dem Schönen, was ich gesehen habe.
Zur politischen Lage finde ich es schwierig hier viel zu schreiben. Wer sich noch weiter mit der politischen aktuellen Lage auseinandersetzen möchte, kann unter anderem auch mal bei Reporter ohne Grenzen lesen. Sicherlich spannend.
Es gibt viel Schönes in diesem Land zu entdecken!

Fazit

Ich bin wahnsinnig froh und sehr beeindruckt, dass ich diese Gelegenheit hatte, in Ruanda ein Praktikum zu machen. Das Land ist wunderschön, bunt und vielseitig. Die Menschen sind sehr freundlich, geben sich im Rahmen ihrer Möglichkeit viel Mühe bei dem was sie tun und freuen sich daran, wenn jemand ihr Land und ihre Sprache kennen lernen will. Ich habe sehr viele Eindrücke gesammelt, einige habe ich versucht hier auf Papier zu bringen und sehr viele andere kann ich so genau noch gar nicht in Worte fassen. Außer, dass es sich sehr gelohnt hat, ich ein bisschen Fernweh zurück nach Ruanda habe will ich euch gar nicht zu viel vorschwärmen, sondern euch ermutigen selbst in dieses Land zu fahren und eure eigenen Erfahrungen zu sammeln.
Bei Fragen dürft ihr mich gerne kontaktieren: lisajung1012@gmail.com

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