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Rwanda (MEDSAR)

Pädiatrie - SCOPE (Famulaturaustausch)
Anonym

Motivation

Meine letzte Famulatur wollte ich gerne im Ausland verbringen, um noch ein anderes Gesundheitssystem kennen zu lernen. Während meines Erasmusaufenthalts in Spanien hatte ich sehr gute Erfahrungen im Ausland gesammelt. Nachdem ich als LEO über mehrere Semester Austauschfamulant:Innen in Göttingen betreut habe, wurde es Zeit, selbst an einem Austausch teilzunehmen.
Während einer Famulatur in Würzburg hatte ich schon Erfahrung in Tropenmedizin und Infektiologie gesammelt, allerdings mehr im Bereich Prophylaxe als im Kontakt mit Tropenkrankheiten.
Nach dem Abitur hatte ich im Rahmen eines Freiwilligendienstes in Malawi gelebt und aus diesem Grund wollte ich nach Ostafrika zurückkehren. Da ich gerne einen Famulaturaustausch und keinen Public Health-Austausch machen wollte, fiel die Wahl ziemlich schnell auf Ruanda.

Vorbereitung

Vor meiner Bewerbung bei der BVMD habe ich sehr lange die Erfahrungsberichtdatenbank durchstöbert und viel gelesen. Da ich mehrere Semester als LEO mitgewirkt habe, waren mir die Formalitäten bereits bekannt. Die Checklisten und Übersichten über die verschiedenen Austauschprogramme erleichtern die Auswahl des geeigneten Programms und die Bewerbung ungemein. Auf der Webseite der BVMD gibt es außerdem genaue Beschreibungen, wie die Bewerbung funktioniert und welche Fristen es gibt. Bei Nachfragen kann man sich immer an die Lokalvertretung wenden.

Visum

Als ich die Zusage von der MEDSAR bekommen habe, habe ich mich bei der ruandischen Botschaft in Berlin informiert, ob ich vorab ein Visum beantragen muss. Dies war nicht der Fall und so habe ich am Flughafen in Kigali ein Touristenvisum (30 Tage) für 30 USD bekommen. Das Touristenvisum sollte ich dann in Huye, beim Immigration Office, in ein Studentenvisum umändern lassen. Auch der für mich zuständige LEO hatte mich nochmal darauf hingewiesen, dass es auch vom Krankenhaus verlangt werden kann, das Visum zu ändern. Dies stelle auch für das Krankenhaus eine Absicherung dar, da es sonst vor der Gefahr von Klagen stände, wenn "Touristen" im Krankenhaus arbeiten.
Da ich länger als 30 Tage im Land war und mein Visum sowieso hätte verlängern müssen, habe ich ein Studentenvisum (N1) beantragt. Dafür sind einige Dokumente von Nöten, die man am besten noch in Deutschland zusammen sammelt. Dazu gehören: Application Form, Passfoto, Führungszeugnis, CV, Application Letter (an den immigration officer gerichtet), School Admission Letter. Eine aktuelle Liste der erforderlichen Dokumente gibt es hier: www.migration.gov.rw/index.php?id=179 Beim School Admission Letter handelt es sich weder um den Invitation Letter der MEDSAR, noch um den Invitation Letter vom CHUB, den man im Vorhinein zugeschickt bekommt. Man muss sich noch ein zusätzliches Einladungsschreiben von Mr. Elias (Research Officer am CHUB) ausstellen lassen. Am besten bittet man ihn gleich am ersten Tag darum. So vermeidet man unnötiges und erfolgloses Warten im Immigration Office. Die Ausstellung des Visums hat drei Wochen gedauert, also am besten frühzeitig drum kümmern.

Gesundheit

Einige Monate vor der geplanten Abreise habe ich einen Termin bei meiner Hausärztin gemacht, die eine zusätzliche reisemedizinische Ausbildung hat. Da ich durch frühere Reisen schon relativ durchgeimpft war, habe ich nur Typhus, Cholera und Tollwut auffrischen lassen. Welche Impfungen empfohlen sind, kann man auch beim Auswärtigen Amt oder im CRM Reisehandbuch nachlesen. Die Tollwutimpfung halte ich im Nachhinein nur für bedingt notwendig. Ich hab in Ruanda nur einen einzigen Hund gesehen. Allerdings lohnt es sich meines Erachtens sehr, wenn man noch in Nachbarländer reist. Auch gegenüber der Verfügbarkeit von Impfstoff im Land im Falle eines Bisses wäre ich eher skeptisch. Neben Impfungen muss man bei der Vorbereitung auch an Malariaprophylaxe denken. Ich hatte mich für Doxycyclin entschieden, da ich damit gute Erfahrung gemacht habe. Die meisten anderen internationalen PraktikatInnen haben Malarone (Atovaquon + Proguanil) genommen. Auch wenn viele Medikamente, besonders gegen Malaria, im Land vorhanden sind, würde ich ausreichend Medikamente mitnehmen, da die Verfügbarkeit und Qualität im Land nicht immer gewährleistet ist. Neben der Malariaprophylaxe habe ich noch ein kleines Erste-Hilfe-Set, Ibuprofen, Augentropfen und Fieberthermometer mitgenommen. Da ich von früheren Reisen weiß, dass ich einen sehr resistenten Magen- Darm Trakt habe, habe ich auf Tannacomp, Aktivkohle etc. verzichtet, würde aber generell empfehlen genug einzupacken. Ich selbst hatte nicht damit gerechnet, in Ruanda eine Erkältung zu bekommen, und war sehr froh, dass meine Mitfamulantin Hustenbonbons, Lutschpastillen gegen Halsschmerzen und Nasentropfen dabei hatte.

Sicherheit

Vor meiner Abreise aus Deutschland habe ich mich in die Elefand-Liste (Krisenvorsorgeliste) des Auswärtigen Amtes eingetragen. So wurde ich zum Beispiel per E-Mail über einen sich verschärfenden Konflikt mit Uganda informiert und habe Reisewarnungen für Grenzregionen erhalten.
Ich habe mich während des gesamten Aufenthalts nie unsicher gefühlt, allerdings muss man sich bewusst sein, dass in den angrenzenden Ländern DRC und Burundi Bürgerkrieg herrscht. Die Sicherheitslage in den Grenzgebieten kann sich jederzeit ändern und man sollte sich vor Ort gut informieren, bevor man in diese Regionen reist. Auch aus diesem Grund herrscht im ganzen Land eine sehr hohe Militär- und Polizeipräsenz. Zu Beginn war es für mich sehr gewöhnungsbedürftig, ständig Soldaten mit Maschinengewehren zu sehen.
Huye ist eine kleine Studentenstadt mit vielen jungen Leuten. Man merkt, dass hier häufiger internationale Studierende sind als in anderen Orten. Ich wurde auf der Straße kaum angesprochen und hatte das Gefühl nicht so sehr aufzufallen. Nach anfänglicher Eingewöhnungsphase bin ich auch nachts alleine rumgelaufen und habe mich nie unsicher gefühlt.

Geld

Die gängige Währung im Land ist Ruanda Franc. Während meines Aufenthalts lag der Wechselkurs bei etwa 1.000RWF zu einem Euro. In jeder größeren Stadt und auch am Flughafen gibt es ATMs an denen man meist problemlos mit Kreditkarte Geld abheben kann. In Huye gab es mindestens fünf verschiedene Banken mit ATM für Visa. Die haben nicht ständig alle funktioniert, aber man hat immer eine Bank gefunden, bei der man Geld bekommen hat. Eine andere Famulantin aus Finnland hat eine Mastercard benutzt, was auch kein Problem war. Nur gab es nicht so eine große Auswahl an Automaten. Bei der Auswahl der Automaten sollte man darauf achten, dass bei manchen Banken eine Gebühr von 2.000RWF erhoben wird. Es gibt aber Banken ohne Gebühr! Als Reserve hatte ich zusätzlich einige US-Dollar dabei. Die sind auch ganz praktisch für Eintritte in Nationalparks. In Kigali und am Flughafen kann man problemlos Euro umtauschen.

Sprache

In Ruanda wird hauptsächlich Kinyarwanda, eine Bantusprache, gesprochen. Ich hatte mir noch in Deutschland ein Buch zum Kinyarwanda lernen bestellt, vor meiner Abreise aber nur einen kurzen Blick hineingeworfen. Da ich noch eine Woche vor Beginn des Praktikums gehabt habe, habe ich die Tage genutzt, um ein paar einfache Sätze zum Einkaufen oder Motorrad-Taxi fahren zu lernen. Es lohnt sich, ein bisschen Anstrengung zu betreiben und wenigstens die gängigen Begrüßungsformeln zu lernen. So kommt man leichter mit Ruandern ins Gespräch und auch im Krankenhaus ist es schön, wenigsten einen kurzen Wortwechsel mit Patient:Innen führen zu können. Neben Kinyarwanda ist auch Englisch Amtssprache. Im täglichen Leben, beim Einkaufen auf dem Markt oder am Busbahnhof findet man immer eine Person, die zur Not übersetzten kann, sodass man mit Englisch gut zurecht kommt. Bis zum Jahr 2008 war Französisch Schul- und Verwaltungssprache, weshalb viele ältere Menschen eher Französisch als Englisch sprechen. Es gab Situationen, in denen einige Brocken Französisch echt geholfen haben.
Der Unterricht im Krankenhaus, die Visite und auch die Morgenbesprechung finden überwiegend auf Englisch statt. Ich habe einige Tage gebraucht, um mich in den ruandischen Akzent einzufinden und bin dann gut zurecht gekommen. Wenn man noch keine Erfahrung mit Medical English hat, lohnt es sich, schon vor Beginn des Praktikums einen Blick auf Abkürzungen und Begriffe der Anamnese und körperlichen Untersuchung zu werfen. Um mit Patient:Innen sprechen zu können, braucht man immer eine:n Übersetzer:In und ist auf die Hilfe der ruandischen Student:Innen angewiesen. Ich war beeindruckt von der Hilfsbereitschaft der Studierenden. Es hat nie lange gedauert, jemanden zum Übersetzten zu finden.

Verkehrsbindungen

Die Busse in Ruanda fahren, anders als in den meisten ostafrikanischen Ländern, zu festen Zeiten. Tickets kauft man an offiziellen Büros am Busbahnhof und aufgrund der hohen Polizeipräsenz halten sich die Busfahrer meist an Geschwindigkeitsbegrenzungen und Verkehrsregeln. Für kürzere Strecken empfehlen sich Fahrten mit Motorrad- oder Fahrradtaxis.

Kommunikation

In Ruanda gibt es zwei große Mobilfunkanbieter: Airtel und MTN. Ich habe mir zu Beginn meines Aufenthaltes in Kigali eine Sim Karte beim Airtel-Office in Remera gekauft. Es gibt ein zweites Airtel-Office in der UTC Mall, aber auch in Huye kann man im Airtel-Office eine Sim Karte kaufen. Anschließend kann man sich überall, an Ständen auf der Straße (gibt es in jedem noch so kleinen Dorf) Guthaben auf die Karten laden. Ich habe Airtel gewählt, da die Netzabdeckung in Huye besser sein sollte. Mit Guthaben auf der Simkarte kann man sich verschiedene Internetbundle (täglich, wöchentlich, monatlich) für wenig Geld kaufen. Alle Nachschlag-Apps und soziale Medien haben damit problemlos funktioniert. Sogar telefonieren nach Deutschland über Internet war möglich, allerdings mit ein paar Sekunden Verzögerung.

Unterkunft

Gewohnt haben wir im FOX oder Sede Sapientiae Hostel, einem von Nonnen geführten Studentenwohnheim, direkt neben dem Krankenhaus. Im Gegensatz zu den ruandischen Studierenden, die sich zu zweit oder zu viert ein Zimmer teilen, hatten wir den Luxus im Gästeflügel zu wohnen und so Einzelzimmer zu haben. Die Zimmer sind mit Bett, Moskitonetz, einem Schrank und Schreibtisch ausgestattet. Toiletten und Duschen (kalt) gab es auf dem Flur. Ich empfinde es als großes Glück, im FOX gewohnt zu haben. So haben wir ruandische Student:Innen auch außerhalb des Krankenhauses kennen gelernt und einen kleinen Einblick in das ruandische Studentenleben bekommen. Einziges Manko war, dass es keine Küche gab. Vier Wochen hält man ohne auch gut aus.
Neben der Unterkunft wurden auch zwei warme Mahlzeiten von der MEDSAR bezahlt. Ildephonse (LEO) hatte für mittags im Krankenhaus und abends im FOX eine Essenskarte gekauft, bei der jedes Mal abgehakt wurde, wenn wir dort gegessen haben. Im Krankenhaus und im FOX gab es immer Rwanda Buffet - täglich eine Auswahl aus: Reis, Bohnen, Chips, Matoke, Ugali, Kawunga, Soße, "Spinat" und Kürbis. Vor allem im FOX seeehr lecker!

Literatur

Vor dem Austausch wusste ich nur sehr wenig über Ruanda. Um mich ein wenig mit der Geschichte und den Hintergründen des Genozids vertraut zu machen, habe ich die Serie „Black Earth Rising“ und verschiedene Dokumentationen auf YouTube angeschaut. Da im April 2019 die 25-jährigen Gedenken an den Genozid stattfanden, gab es auch vor meiner Abreise viele aktuelle und internationale Artikel. Es lohnt sich, nach kritischen Reportagen zu suchen.
Während meines Aufenthalts habe ich den Reiseführer „Uganda und Ruanda“ von Lübbert genutzt, da ich im Anschluss noch in der Region gereist bin. Im Nachhinein würde ich allerdings eher den englischen Reiseführer von Bradt empfehlen.
Für die Praktikumszeit war es sehr hilfreich, die Apps Amboss und MedScape auf dem Handy zu haben. Die Ärzte haben viele Nachfragen gestellt und es wurde ein umfangreiches theoretisches Wissen vorausgesetzt. Ich habe es als sehr hilfreich empfunden, dass meine Mitfamulantin ein englisches Pädiatriebuch dabei hatte. So saß man nicht ständig am Handy und musste nicht noch die englischen Vokabeln nachschlagen.

Mitzunehmen

Da ich nach dem Praktikum noch einige Wochen gereist bin, habe ich versucht so wenig Gepäck wie möglich mitzunehmen. Für unabdingbar halte ich Sonnencreme, Moskitospray (!) und Regenjacke. Drogerieprodukte kann man problemlos nachkaufen, falls etwas nicht reichen sollte. Da es im Fox und auch in allen Hotels und Hostels Moskitonetzt gibt, braucht man kein Eigenes mitzubringen.
Ich war sehr froh darüber, auch einige Pullover und eine wärmere Jacke dabei gehabt zu haben. Mit Beginn der Regenzeit und vor allem im Nyungwe Forest wurde es nachts auch mal einstellig. Man sollte daran denken, dass es in Ruanda nicht üblich, ist in Shorts oder kurzem Rock rumzulaufen. Die Knie sollten möglichst bedeckt sein (kurz drüber ist auch okay). Falls man in die Kirche gehen möchte, ist ein Rock oder Kleid sinnvoll.
Für die Famulatur braucht man Kittel, Stethoskop, Pupillenleuchte, Desinfektionsmittel, Handschuhe und Kasacks. Die Kasacks habe ich auf der Pädiatrie nicht gebraucht, allerdings haben unsere Kommilitonen gefragt, ob wir welche hätten, die wir dort lassen wollen und haben sich sehr gefreut. Außerdem war ich sehr froh, dass meine Mitfamulantin Mundschutz dabei hatte. So konnte ich auf die Neonatologie, obwohl ich erkältet war.

Reise und Ankunft

Knapp zwei Wochen vor Beginn des Praktikums bin ich über Brüssel nach Kigali geflogen. Ich wollte noch etwas Zeit zum Ankommen und Rumreisen haben. Am Flughafen wurde ich von Ildephonse, dem für mich zuständigen LEO abgeholt und zum Hostel gebracht. Er hatte mir im Vorhinein das Mijo Hostel empfohlen, was ich auch nur weiter empfehlen kann. Ildephonse wollte mir gerne am nächsten Tag Kigali zeigen und mir helfen eine Sim Karte zu kaufen. Da er mitten in der Klausurenphase steckte und am nächsten Tag auch Umuganda (Community Work Day) war, hat das leider nicht geklappt. Wir haben uns dann für eine Woche später in Huye verabredet.
Ich habe die freien Tage genutzt, um Kigali und die Umgebung kennen zu lernen und bin etwas gereist. Kurz vor Praktikumsbeginn bin ich mit meiner Mitfamulantin mit dem Bus von Kigali nach Huye gefahren. Dort hat uns Ildephonse am Tag vor Praktikumsbeginn (28. Feb.) ins Krankenhaus begleitet, uns alles gezeigt, die Essenskarten organisiert, die Praktikumsgebühr bezahlt und uns Mr. Elias vorgestellt. Mr. Elias ist Research Officer am CHUB und für Austauschstudenten zuständig. Er hat uns am ersten Tag über unsere Gründe für das Praktikum in Ruanda und Krankenhaushygiene/ -sicherheit ausgequetscht, ist im Grunde genommen aber sehr nett, auch wenn es am Anfang nicht immer so scheint. Nachdem wir am ersten Tag nur Formalitäten erledigt hatten, hat uns Mr. Elias am darauffolgenden Tag morgens auf die Pädiatrie gebracht.

Tätigkeitsbeschreibung und fachliche Eindrücke

Ich habe die Famulatur am Centre Hospitalier Universitaire Butare (CHUB) im Süden von Ruanda gemacht. Beworben hatte ich mich auf einen Platz in der Pädiatrie, den ich glücklicherweise auch bekommen habe. Ich wusste im Vorhinein, dass noch eine weitere Famulantin aus Deutschland in Butare sein würde. Ich habe nicht damit gerechnet, noch so viele weitere internationale Praktikanten im Krankenhaus zu treffen.
Die Pädiatrie im CHUB war unterteilt in Neonatologie, zwei Normalstationen: Ward A (mit O2 Versorgung) und Ward B; Emergency; Pathology; Private Rooms und High Dependency Unit (eine Art IMC-Station). Mit uns zusammen haben circa 30 ruandische Student:Innen (im letzten Jahr) das Praktikum auf der Pädiatrie begonnen. Sie hatten einen festgelegten Rotationsplan über die verschiedenen Bereiche. In Absprache mit den anderen Austauschstudentinnen konnte ich relativ frei wählen, welche Bereiche ich während des Praktikums kennen lernen wollte. So habe ich erst zwei Wochen auf Ward B, dann eine Woche auf Ward A und zum Abschluss noch eine Woche auf der Neonatologie verbracht.
Die ruandischen Studierenden haben im Vergleich zu uns schon vor Abschluss des Studiums sehr viel Verantwortung. Sie sind fest in den Stationsalltag eingebunden und schon an Tag eins des Praktikums wurde erwartet, dass sie alle pädiatrischen Krankheiten kennen. Die Praktikumstage haben um 7 Uhr mit pre-rounds begonnen. Wir haben nach unseren Patienten vom Vortag geguckt und uns einen groben Überblick über Entlassungen und Neuaufnahmen verschafft. Aufgrund des „Doppeljahrgangs“ waren wir eine sehr große Studentengruppe. Da nicht alle in den meeting room gepasst haben, wurden wir aufgeteilt. Abwechselnd sind wir um halb acht zum staff-meeting gegangen oder haben mit einem der residents körperliche Untersuchungen geübt. Um halb neun ging es weiter mit den pre-rounds, bis die Oberärzte zur Visite vorbei gekommen sind. Ich hatte meistens einen eigenen Patienten, den ich täglich befragen und komplett körperlich untersuchen musste. Bei der Anamnese hat mir immer ein:e ruandische:r Student:In geholfen. Ohne die Hilfe wäre ich ziemlich aufgeschmissen gewesen, da fast keine Kinder oder deren Eltern ein Wort Englisch gesprochen haben. Die Ergebnisse der Untersuchung wurden ausführlich in der Akte dokumentiert und der Fall während der Visite dem Oberarzt präsentiert. Die Visitenzeiten haben täglich von halb neun bis halb eins variiert. Im Anschluss an die rounds mussten noch benötigte Labor-/Röntgen-Anforderungen ausgefüllt, Überweisungen und Entlassungen geschrieben oder Medikamente verschrieben werden. Nachmittags haben die ruandischen Student:Innen Präsentationen über pädiatrische Krankheitsbilder gehalten, sodass die Krankenhaustage meist bis 16/17 Uhr gingen.
Da während der Visite viele Fragen gestellt wurden, haben wir uns abends oft zusammengesetzt, um Krankheitsbilder nachzulesen. Durch die Präsentationen und das Nachlesen habe ich viel Wissen aus der Famulatur mitgenommen. Abgesehen von körperlichen Untersuchungen habe ich aber kaum praktische Tätigkeiten erlangt.

Land und Leute

An den Wochenenden haben wir einige Ausflüge in andere Regionen unternommen. Obwohl Ruanda sehr klein ist, gibt es viele wunderschöne Orte und abwechslungsreiche Landschaften zu sehen. Wir haben einen Wochenendausflug zum Nyungwe Forest gemacht, in dem man teure, aber tolle Wandertouren machen kann. Der Regenwald ist echt beeindruckend!
Auch wenn man im Lake Kivu wegen Billharziosegefahr nicht schwimmen gehen sollte, lohnt sich ein Ausflug nach Kibuye oder Gisenyi. Andere sehenswerte Nationalparks sind der Akagera NP im Osten des Landes und der Volcanoes NP bei Musanze.
Auf der Landkarte habe ich viele Entfernungen falsch eingeschätzt. Da Ruanda sehr hügelig ist, dauert es meist länger als man im Vorhinein denkt.
Besonders in Erinnerung geblieben ist mir auch die Hauptstadt Kigali. Dort merkt man, wie viel Wert die Regierung darauf legt, interessant für internationale Investoren zu sein. An allen Ecken wird gebaut und das Stadtbild verändert sich unglaublich schnell. Kigali steht in einem krassen Gegensatz zu ländlichen Regionen und anderen kleineren Städten. Ich würde jedem empfehlen das Kigali Genocide Memorial zu besichtigen.

Auch in und um Huye gibt es interessante Orte und Möglichkeiten für Tagesausflüge: Freitags findet in Ruhango ein großer Wochenmarkt statt. Dort gibt es alles was das Herz begehrt: Obst, Gemüse, Stoffe, Klamotten etc. In Nyanza lohnt sich ein Besuch der Königspaläste und in Sovu kann man eine Wandertour auf den Mount Huye machen oder die Huye Mountain Coffee-Kaffeeplantage besichtigen. In Huye selbst gibt es ein Ethnografisches Museum und eine besonders große Katholische Kirche, die man besichtigen kann. Ich selbst fand die Ausstellung im Museum ganz interessant, würde aber nicht behaupten, dass man sie unbedingt gesehen haben muss.
Nach den langen Krankenhaustagen habe ich die Nachmittage oft in einem der Cafés (Café Connexión oder Nehemias) verbracht. Dort gibt es sehr guten Cappuccino und Bücher oder Spiele zum Ausleihen. Donnerstags findet in der Excellent Bar ein Karaokeabend unter freiem HImmel statt, der bei vielen Studierenden sehr beliebt und zu empfehlen ist.
Dank der vielen Studierenden gibt es in Huye ein, nicht mit Deutschland vergleichbares, aber doch sehr großes Freizeitangebot. Im FOX findet montags, mittwochs und freitags ein Aerobickurs (Gym Tonic) statt und im Semahanga Building gibt es zwei Mal pro Woche Yoga. Auch wenn Huye auf den ersten Blick sehr klein zu sein scheint, gibt es eine Menge Dinge zu tun.

Fazit

Ich bin sehr froh mich für den Famulaturaustausch beworben zu haben und hatte eine sehr tolle Zeit in Huye. Ich habe in der kurzen Zeit Freundschaften geschlossen und mich in Huye zu Hause gefühlt.
Die Tage im Krankenhaus waren nicht immer einfach und es war teilweise sehr erschreckend zu sehen, welche beschränkten Möglichkeiten zur Verfügung stehen. Aufgrund der hohen Wissensanforderungen, die an die Studierenden gestellt werden, würde ich empfehlen die Famulatur eher in einem höheren Semester und erst nach Belegung des Pädiatriemoduls zu machen. Trotzdem hoffe ich sehr eines Tages zurückkehren zu können oder einige der ruandischen Student:Innen in Deutschland wieder zu sehen.

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