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Kenia: Clinical Partnership @ Kenyatta National Hospital

Gynäkologie - SCOPH (Public-Health Austausch)
von Cara, Düsseldorf

Motivation

Auslandserfahrungen sind grundsätzlich sehr wertvoll. Man lernt viel über eine andere Kultur und auch über sich selbst, da man vielen vorher unbekannten Situationen ausgesetzt ist. Als Medizinstudentin interessiert mich natürlich auch der Krankenhausalltag in andern Ländern sehr. Ich habe Kenia ausgewählt, da ich nach der Schule ein Jahr im Nachbarland Tansania gelebt hatte. Von der Kultur und den Menschen Ostafrikas hatte ich also schon einen Eindruck, aber ein Krankenhaus hatte ich in dieser Zeit (zum Glück ;)) nie von innen gesehen.

Vorbereitung

Wichtig in langfristiger Vorbereitung sind vor allem die Reiseimpfungen. Am besten geht man mindestens ein halbes Jahr im Voraus zu einer tropenmedizinischen Impfsprechstunde.
Außerdem sollte man abklären, ob sein Reisepass noch während der gesamten Reisezeit mindestens ein halbes Jahr gültig ist. Ansonsten einen neuen ausstellen lassen.

Visum

Das Visum erhält man ganz einfach bei der Einreise am Flughafen oder beim Grenzübertritt, falls man von einem anderen Land aus einreist. Das Touristenvisum für Kenia hält 3 Monate und kostet 50$. Theoretisch darf man nur einmal einreisen. Ich habe mir für 100$ das East Africa Visum gekauft, ebenfalls für drei Monate. Es erlaubt den Aufenthalt in Kenia, Uganda und Ruanda. Theoretisch darf man auch damit nur einmal einreisen, aber tatsächlich kommt es auf den Grenzbeamten an. Ich bin drei Mal ohne Probleme eingereist. :)

Gesundheit

Am wichtigsten sind die bereits erwähnten Reiseimpfungen, s.o.
Die hygienischen Bedingungen sind in Kenia im Allgemeinen schlechter als in Deutschland. Deshalb sollte man vorsichtig sein und die Regel „cook it, peal it or leave it“ beachten. Ich muss zugeben, dass ich mich selber nicht an diese Regeln gehalten habe und hatte so einmal Würmer, die aber gut zu behandeln waren.
Meine Reiseapotheke bestand aus Wunddesinfektionsmittel, Pflastern und Verbandszeug, Kohletabletten (bei Durchfall und Vergiftungen) und Loperamid (zum kurzfristigen Durchfallstop, falls man z.B. Bus fahren muss). Bei starken Durchfällen sollte man eine Elektrolytlösung zu sich nehmen. Fertiges Pulver kann man sich entweder aus Deutschland mitnehmen oder alternativ selbst aus Salz und Zucker mischen.
Nairobi ist Malaria frei, viele andere Regionen Kenias aber nicht. Wenn man Reisen möchte, sollte man sich überlegen, ob man eine Malariaprophylaxe einnehmen möchte, z.B. Malarone. Ich habe mich dagegen entschieden und habe einfach viel Mückenspray benutzt (Achtung mit DEET sonst unwirksam!) und ein Moskitonetz.

Sicherheit

Ich habe mich zu jedem Zeitpunkt meines Aufenthaltes sicher gefühlt. Allerdings trägt Nairobi auch den Spitznamen Nairobberi und mir wurde von verschiedensten Leuten geraten, bei Dunkelheit möglichst nicht zu Fuß unterwegs zu sein. Daran habe ich mich auch gehalten. Zum Glück gibt es Uber, sodass man auch nach Anbruch der Dunkelheit sich noch problemlos von A nach B bewegen kann.
Der Weg zwischen der Küstenstadt Malindi und der schönen Insel Lamu gilt derzeit als unsicher. Dort finden wohl regelmäßig Überfälle durch Somalies statt. Man sollte diese Strecke also meiden oder fliegen.

Geld

In Kenia zahlt man mit Kenian Shilling. 100 Shilling entsprechen etwa einem Euro. Das Visum muss man jedoch in Dollar bezahlen, die man sich aus Deutschland mitbringen sollte. Kenian Shilling kann man am besten mit VISA Karte an einem der vielen Bankautomaten abheben. Am Flughafen gibt es Bankautomaten und gleich vier direkt am Kenyatta Hospital.
Wenn man lokal einkauft, sind die Kosten für Lebensmittel etwas geringer als in Deutschland. Besonders natürlich für Früchte wie Mango, Avocado, Ananas etc. Die Kosten für Wohnraum sind leider nicht so gering. Ich habe für ein Zimmer in einer Wohnung eines Pärchens in Innenstadtnähe 300€ pro Monat gezahlt.

Sprache

In Kenia kommt man ohne Probleme mit Englisch zurecht. Gerade in Nairobi sprechen die meisten Menschen Englisch. Auch die Unterrichtssprache im Krankenhaus Englisch. Dominanter als Englisch ist aber Swahili. Auch mit den Patienten wird Swahili gesprochen. Viele können aber auch Englisch. Da ich nach der Schule ein Jahr in Tansania gelebt hatte, hatte ich das Glück mit jedem problemlos kommunizieren zu können.

Verkehrsbindungen

Innerhalb Nairobis fahren Linienbusse. Direkt vor dem Kenyatta Hospital ist eine große Bushaltestelle, von der aus man auch in die Stadt kommt. Die Busse fahren nicht zu festen Zeiten, aber meist muss man nicht lange auf einen warten. Eine Fahrt kostet zwischen 30 und 50KSh, also ca. zwischen 30 und 50Cent.
Mit Uber kommt man auch schnell und günstig ans Ziel.
Darüber hinaus gibt es Motoradtaxis, die man entweder am Straßenrand findet oder auch über Apps wie Uber buchen kann. Sie fahren allerdings meist sehr halsbrecherisch und sind daher nicht unbedingt zu empfehlen.
Ein großes Problem in Nairobi sind Staus. Zur Zeiten der Rushhour kann man in die Stadt statt 15min auch gut mal 1,5h brauchen. Am besten sucht man sich eine Unterkunft, von der aus man das Krankenhaus zu Fuß erreichen kann.
Für längere Fahrten in andere Städte Kenias oder die umliegenden Länder bieten sich Reisebusse an. Sie sind in Kenia recht komfortabel. Von allen empfohlen wird Modern Coast. Ich habe aber auch schon schlechte Erfahrungen mit diesem Unternehmen gemacht, denn meist kann man die Fenster nicht öffnet. Es gibt zwar Klimaanlagen, aber die werden nicht immer angeschaltet, sodass die Luft teilweise zum Schneiden war.

Kommunikation

Für kleines Geld kann man sich eine Sim-Karte kaufen und registrieren lassen. Das dominanteste Unternehmen ist Safaricom. Die Karten funktionieren nach dem Prepaid-System. Die Option die ich dann für einen Monat gewählt habe, hat umgerechnet ca. 5€ gekostet.
So konnte ich nach Hause wunderbar über What’s App kommunizieren. Da ich in meiner Unterkunft Wifi hatte, waren auch What’s App Calls möglich.

Unterkunft

Von meiner deutschen Organisation wurde ich in die What’s App Gruppe eines Studentenwohnheims eingeladen, in dem schon andere Deutsche vor mir ein Zimmer gemietet hatten. Ich habe einfach angefragt, wer zur Zeit meines Praktikums sein Zimmer untervermietet und habe gleich viele Antworten bekommen. Das beste Angebot kam dann von der Freundin eines Wohnungsbesitzers, der ein Zimmer in seiner Wohnung vermieten konnte. Für einen Monat habe ich umgerechnet etwa 300€ gezahlt.

Literatur

Während meiner Famulatur habe ich viel bei Amboss nachgelesen, vor allem da ich die Fächer zu den Bereichen, in denen ich tätig war, noch nicht belegt hatte.
Wer sich sehr für Kisuaheli interessiert, dem kann ich das Buch „Teach yourself Swahili“ empfehlen. Es kann einen bis zum Sprachniveau B1 führen. Dauert nur ein bisschen. ;)

Mitzunehmen

Für meine Famulatur in Nairobi brauchte ich ein bisschen Gepäck, das nicht auf jede Reise mitkommt:
Fürs Krankenhaus: Arztkittel, OP-Kleidung, OP-Schuhe, Stethoskop.
Allgemein: Moskitonetz, Mückenspray (mit DEET!), Kleidung, die man nicht allzu liebhat, da per Hand gewaschen wird und Kleidungsstücke so schneller verschleißen, Handdesi für unterwegs, Shampoo (ist dort sehr teuer).

Reise und Ankunft

Ich bin nach Entebbe in Uganda geflogen und nicht Nairobi, da ich dort noch Freunde besucht habe. Dann bin ich mit einem Bus nach Nairobi gefahen und vom Bus aus mit einem Taxi zu meiner Unterkunft. Alles lief problemlos. Im Krankenhaus hat mir eine Famulantin aus meiner Universität, die schon seit zwei Wochen in Nairobi war, den Papierkram zu erledigen: Erst zur Sekretärin des Direktors, dann zum Leiter der entsprechenden Station. Von Kenianern wurde ich leider nicht empfangen. Auf Station habe ich mich selbst bei den Krankenschwestern vorgestellt. Die Ärzte habe so viel rotiert, dass bei ihnen eine allgemeine Vorstellung keinen Sinn gemacht hätte.

Tätigkeitsbeschreibung und fachliche Eindrücke

Mein erster Tag bestand nur aus Papierkram. Am zweiten dann wurde ich einer Rotationsgruppe von Studenten zugeteilt, die gerade in der Gynäkologie rotierten. Das bedeutet am Kenyatta Hospital in Nairobi, dass sie jeden Tag von ca. sieben Uhr morgens bis sechs Uhr abends im Krankenhaus sind und sich bestimmte ärztliche Tätigkeiten ansehen müssen, die in einem Heft vorgegeben sind. Dazu ist es den Studenten erlaubt immer überall hinzugehen. Häufig dürfen sie Methoden, die sie sich ansehen auch selbst durchführen, wie z.B. vaginale Abstriche, Lumbalpunktionen etc. Nebenher haben Sie „teachings“, was Kleingruppenunterricht oder Vorlesungen sein können. Die Zeiten der teachings werden recht kurzfristig über What’s App bekanntgegeben. Nachdem ich die Studenten einen Tag lang begleitet habe, habe ich mich entschieden fest auf eine Station zu gehen, vor allem da ich meine teachings ja noch an meiner Uni in Deutschland erhalten werde.
Am dritten Tag ging ich also auf den „labour ward“, wo ich erstmal eineinhalb Wochen blieb. Morgens gab es immer eine Visite, danach habe ich mich an Ärzte gehängt und ihnen bei ihrer Tätigkeit zugesehen. Viele waren nett und haben mir auch etwas erklärt. Leider hatte ich den Eindruck, dass die Ärzte nicht gerade sanft mit ihren Patientinnen umgehen. Auch Schüler durften viel ausprobieren, was für die werdenden Mütter teilweise sehr unangenehm war. Bei der Visite wurde auch nur über und nicht mit den Patientinnen geredet, was ich als sehr unangemessen empfunden habe. Da die Ärzte ständig gewechselt haben, konnte ich leider niemanden näher kennenlernen. Eine Pausenstruktur konnte ich nicht erkennen, sodass ich auch meist alleine Mittag essen musste.
Nach eineinhalb Wochen wurde der labour ward relativ leer und es gab nicht mehr viel zu tun. So bin ich auf die Neonatologie gewechselt. Leider konnten mir die Ärzte dort nicht sehr viel erklären, da sie selber alle erst in ihrem ersten Ausbildungsjahr waren. Die anderen waren bei Fortbildungen. In Kenia herrscht außerdem die Unart, dass fertig ausgebildete Fachärzte von öffentlichen Krankenhäusern zwar noch von diesen bezahlt werden, tatsächlich aber eine eigene Privatpraxis eröffnen und nur noch einmal täglich bis gar nicht vorbeikommen um kurz alle Patienten mit den Assistenzärzten zu besprechen. Leider kamen mir viele Angstellte – Ärzte wie Pflege- nicht sehr motiviert vor. So kam es z.B. vor, dass ein Kind verstarb, nur weil niemand Lust hatten, ein weiteres Beatmungsgerät aufzubauen.
Die letzte Woche meiner Famulatur habe ich im OP des labour ward verbracht, wo v.a. Kaiserschnitte gemacht werden. Dort hat es mir zum ersten Mal sehr gut gefallen! Die operierenden Ärzte hatten viele hundert Kaiserschnitte in ihrem Leben zuvor gemacht und konnten mir viel zeigen. Ich durfte assistieren und am Ende die Hautnaht machen. Außerdem war die Stimmung im Team sehr nett. Da der OP- Bereich den ganzen Tag über nicht verlassen wurden, haben alle zusammen Mittag gegessen und Tee getrunken.
Neben meiner Famulatur war ich Teil des Public Health Clubs der Uni. Nach zwei Planungstreffen hatten wir uns entschieden ein Zähneputztraining auf den Kinderstationen durchzuführen. Wir haben Spenden aus Kenia und von meiner Entsendeorganisation in Deutschland erhalten und konnten so ein sehr schönes Training durchführen!

Ebenfalls im Rahmen des Public Health Austausches habe ich jeden Freitag bei einer Impfsprechstunde der Organisation Acces Afya in einem Slum mitgeholfen. Dort habe ich ein wenig Routine im Impfen entwickeln können und konnte so schnell den dort impfenden Krankenpfleger in seiner Arbeit unterstützen. Das Team war auch sehr nett, sodass die Freitage auf jeden Fall ein Highlight meiner Woche waren.

Land und Leute

Durch mein Jahr in Tansania kannte ich die Swahili-Kultur schon recht gut und bei meinen kleinen Reisen durch Kenia nach der Famulatur bin ich ähnlichen Menschen begegnen wie in Tansania. Sie sind sehr offen und gastfreundlich und meist eher gemütlich. Es wird viel gegrüßt und man hält oft an um auf der Straße ein Pläuschchen zu halten. Was etwas anstrengend sein kann, ist die besondere Einstellung gegenüber Weißen. Das gängige Vorurteil ist, dass alle Weißen super reich sind und manche Leute glauben auch, Weiße seien immer gute Menschen. Wenn man mit Weißen zu tun hat, ist man stolz darauf und viele Menschen haben auch Hintergedanken dabei. Wenn man auf der Straße unterwegs ist, ist vor allem nervig, dass einem permanent „mzungu“ (=Europäer) hinterhergerufen wird. Mit welchem Sinn und Zweck ist mir bis heute nicht ganz klar.
In Nairobi aber, war alles nochmal anders. Nairobi ist eine riesige Großstadt und das merkt man auch am Verhalten der Menschen. Es ist viel unpersönlicher, z.B. hat mich selbst der Mann, bei dem ich fast täglich Obst gekauft haben, nicht gegrüßt, wenn ich mal nur vorbeigegangen bin. Auf den Straßen Nairobis sind die „mzungu“ Rufe auch Gang und Gebe, aber im Krankenhaus hat es gar keine Rolle gespielt, dass ich weiß bin. Dass ist natürlich grundsätzlich total super und angenehm. Aber leider hat sich auch aus anderen Gründen niemand für mich interessiert. Die Person, die eigentlich für Incomings zuständig war, hat mich von sich aus nie kontaktiert. Als ich sie auf einem Planungstreffen dann getroffen habe, hat sie mich auch nicht gefragt, wie ich angekommen bin oder ähnliches. Auch alle anderen Studenten des Public Health Clubs waren zwar grundsätzlich super nette Menschen, aber sie schienen kein Interesse daran zu haben, mich irgendwie kennenzulernen. Auf Station konnte man auch schwer Leute kennenlernen, da die Ärzte jeden Tag andere waren. Wahrscheinlich hätte ich Kontakte knüpfen können, wäre ich in der Rotationsgruppe der Studenten geblieben, so aber war es schwierig.
Zur Politik ist leider vor allem zu sagen, dass Kenia stark mit Korruption zu kämpfen hat. Dazu kommt, dass die Menschen sich ihren Stämmen sehr verbunden fühlen und häufig bei Wahlen eher danach entscheiden, wer von ihrem Stamm ist als nach wirklichen Qualitäten des Bewerbers.
Kulinarisch hat Kenia nicht viel abwechlungsreiches zu bieten. Es gibt meist Reis, Ugali (eine Art Brei aus Maismehl) oder Kochbahnen mit gekochtem Fleisch oder Bohnen als Beilage. Manchmal werden auch noch weitere Gemüsesorten zur Auswahl geboten. Was sich auf jeden Fall sehr lohnt, ist Früchte zu kaufen. Sie schmecken in ihrem Herkunftsland viel viel besser als nach dem langem Transport nach Deutschland.
Landschaftlich ist Kenia ein sehr schönes und abwechslungsreiches Land. Im Osten der indische Ozean und die muslimische geprägte Küste, im Westen der Viktoriasee, der so groß ist wie ganz Bayern und überall Nationalparks in denen man die Tiere Ostafrikas bewundern kann.

Fazit

Insgesamt war meine Zeit in Kenia durchwachsen von schönen und schweren Erfahrungen. Nicht gefallen hat mir die häufig unmotivierte Arbeitseinstellung der Ärzte und ihr oft respektlosen Umgang mit den Patienten. Im Kaiserschnitt-OP hingegen hat mir die Atmosphäre sehr gut gefallen und ich konnte viel Lernen. So auch bei der Impfsprechstunde bei Acces Afya. Was ich auch vermisst habe, war ein herzlicheres Willkommen Heißen. Viele soziale Kontakte hatte ich leider nicht. Ich glaube aber, dass sich das über die Zeit noch hätte ändern können. Ein Monat war nur zu kurz um in einer Großstadt wie Nairobi seine Leute zu finden.
Während meinen Reisen nach der Famulatur bin ich noch sehr netten und herzlichen Kenianern begegnen und hatte eine schöne Zeit!

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