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Indonesia (CIMSA-ISMKI)

Chirurgie - SCOPE (Famulaturaustausch)
von Katarzyna, München

Motivation

Von Reisen war ich schon immer begeistert, ich hatte aber noch nie die Chance gehabt, außerhalb Europas zu reisen oder für mehrere Wochen allein außerhalb Deutschlands zu sein. Deswegen bewarb ich mich über die bvmd für eine Auslandsfamulatur, um neben dem Arbeiten auch mal was von der Welt zu sehen. Da die bvmd die Bewerber bezüglich des Auslandsaufenthaltes sehr unterstützt und viel organisatorische Hilfe bietet, habe ich mich für Asien entschieden, denn auf eigene Faust hätte ich mich sicherlich nicht getraut, dort eine Famulatur selbst zu organisieren. Ich entschied mich für Indonesien, das weniger touristisch erschlossen ist, denn ich wollte etwas über die Kultur und die Menschen dort lernen, ohne ständig nur von Touristen umgeben zu sein. Außerdem fand ich Bilder von den indonesischen Landschaften wunderschön. Zusätzlich wollte ich die Medizin in einem Land erleben, dass nicht so hohe finanzielle Mittel und fortgeschrittene Technik wie zum Beispiel Deutschland besitzt, um mehr über deren medizinisches Vorgehen und Behandlungsweise zu erfahren.

Vorbereitung

In meinem ersten klinischen Jahr habe ich von der bvmd erfahren, die an meiner Universität eine Einführungsveranstaltung zwecks Auslandsfamulatur abhielt. Danach war mir klar, ich möchte diese Möglichkeit im Verlauf meines Studiums nutzen, um ins Ausland zu gehen. Da die bvmd so viel für einen organisiert und ermöglicht, wäre es eigentlich schade, wenn man es nicht nutzt und es sich entgehen lässt. Während der Bewerbungsphase hatte ich eigentlich keine Schwierigkeiten. Ich habe mir eine Liste mit allen nötigen Dokumenten und Fristen geschrieben, um einfach einen besseren Überblick zu haben, weil die Infos zum Teil auf verschiedenen Portalen aufgezählt sind. Das einzige, was ich bisschen unterschätzte, war der Zeitaufwand für die ganzen Formalitäten; da würde ich einfach raten, das nicht wie ich aufzuschieben, sondern sich recht bald nach dem Bewerbungsentschluss zum Beispiel um Motivationsschreiben etc. zu kümmern.
Spezielle Kurse oder Seminare habe ich zur Vorbereitung nicht besucht. Ich habe viele der bvmd-Erfahrungsberichte gelesen, die mir dann weitergeholfen haben. Ansonsten habe ich mich viel im Internet auf verschiedenen Blogs und Foren über Indonesien informiert. Zudem habe ich wichtige chirurgische Begriffe ins Englische übersetzt, um mein Medical English ein wenig aufzustocken.

Visum

Für die Famulatur in Indonesien braucht man ein Pre-Visit-Visum, mit dem man Praktika absolvieren bzw. arbeiten darf. Ich habe dafür ein Visum für kulturelle und soziale Zwecke im Generalkonsulat in Frankfurt, das mitunter für Bayern zuständig ist, beantragt. Dieses darf für Studium und Praktika in Indonesien benutzt werden und es gilt für 60 Tage ab Abflugsdatum. Man benötigt einiges an Dokumenten, z. B. den genauen Flugreiseplan, daher würde ich mich relativ zügig nach der Zusage um das Visum kümmern und die nötigen Unterlagen etc. besorgen und ausfüllen. Ich habe meinen Antrag vier Wochen vor dem Abflug per Post gestellt und nach zwei Wochen war mein Pass wieder da und alles hat reibungslos geklappt. Man muss vorab 50 Euro zahlen und eine Kopie des Überweisungsbelegs zusammen mit den ganzen Dokumenten an das Konsulat schicken.
Die genaueren Infos des Indonesischen Konsulates in Frankfurt gibt es auf der Website: https://www.indonesia-frankfurt.de/visum/visum-fuer-soziale-und-kulturelle-zwecke/?lang=de.

Gesundheit

Mein Hausarzt ist auch Tropen- und Reisemediziner und er beriet mich bezüglich der Reiseschutzimpfungen. Ich habe mich für die Famulatur zusätzlich zu den üblichen Impfungen wie Hepatitis A und B auch noch gegen Typhus, Tollwut, Japanische Enzephalitis und Cholera impfen lassen. Je nach Krankenkasse werden die Kosten der Impfungen auch übernommen.
Für die Bewerbung für Indonesien wird ein negativer Tuberkulose-Nachweis benötigt. Auf der IFMSA-Seite wird dazu der Mendel-Mantoux-Hauttest gefordert. Diesen habe ich bei einer Lungenfachärztin in München machen lassen; da bei mir der Hauttest grenzwertig positiv war, wurden noch ein Röntgen Thorax, Lungenfunktion und ein Tbc-Bluttest gemacht. Ich habe dann diese Befunde zusammen mit dem Bericht der Lungenfachärztin als den negativen Tbc-Nachweis statt des Hauttests eingereicht, was scheinbar in Ordnung war. Die Untersuchungen wurden von meiner Krankenkasse gezahlt, da der Hauttest auffällig war; normalerweise müsste man aber den Hauttest bzw. den Bluttest selbst zahlen.

Ich war ein wenig übervorsichtig und packte sehr viel in meine Reiseapotheke ein. Ich nahm neben den üblichen Reiseapothekemitteln ein Malaria-Standby-Mittel, ein Breitband-Antibiotikum, ein Mykotikum, Fosfomycin, Schmerzmittel und Lutschtabletten gegen Halsweh mit. Zusätzlich hatte ich noch einige Mittel gegen Magen-Darm-Probleme wie Loperamid und Elektrolytlösungen. Da das Essen in Padang sehr scharf ist, und wenn man es nicht gewöhnt ist, ist es nicht schlecht, einen Magenschutz oder etwas Magenberuhigendes mit dabei zu haben. Letztendlich hat sich dann doch der Großteil der Mittel als überflüssig herausgestellt, weil ich bis auf eine kleine Erkältung sonst keine Probleme hatte, aber es schadet sicherlich nicht, etwas für den Fall dabei zu haben. Fosfomycin (gegen Harnwegsinfekt) gibt es in Indonesien übrigens nicht, daher ist es ratsam, sich bei bekannter Problematik ein oder zwei Pulvertüten aus Deutschland mitzunehmen.

Sicherheit

Während meiner Famulatur habe ich mich nie unsicher oder ängstlich gefühlt. Es wird zwar gewarnt, abends / nachts nicht mehr allein unterwegs zu sein, aber nachdem ich immer mit mehreren Personen unterwegs war, was das nie ein Problem. Es bestehen zudem immer alle, einen nach Hause zu fahren oder zumindest mit einem auf das Gojek-Auto zu warten.

2009 war das letzte größere Erdbeben in Westsumatra. Man merkt auf jeden Fall, dass die Menschen vor Ort diesbezüglich immer noch sehr vorsichtig sind. Anscheinend gibt es immer wieder kleinere Erdbeben in Padang, die ich aber nie gespürt habe. Einmal aß ich zusammen mit meiner Gastfamilie zu Abend und auf einmal sprangen alle auf und liefen aus dem Haus; ich wusste gar nicht, was gerade geschieht, bis mir meine Gastmutter ängstlich erzählte, es wäre gerade ein kleines Erdbeben gewesen. Die Leute vor Ort sind auf jeden Fall viel sensibler, was das angeht. Man sieht auch immer wieder Hinweisschilder, die einem zeigen, wo man während eines Erdbebens/Tsunamis hinlaufen soll. Und an meinem ersten Praktikumstag im Krankenhaus wurde mir auch der Fluchtweg und der Treffpunkt für den Fall eines Erdbebens gezeigt.

An Versicherungen hatte ich bloß die Auslands-Krankenversicherung und die Berufshaftpflichtversicherung. Ansonsten hatte ich keine zusätzlichen Versicherungen für mein Auslandsaufenthalt abgeschlossen. An sich ist Padang eine sichere Stadt und ich denke, wenn man mit ein wenig gesunden Menschenverstand handelt, muss man auch keine Angst haben.

Geld

Die Währung in Indonesien ist die Indonesische Rupiah und ein Euro entspricht ca. 16.000 Rupiah (Rp). Man kann in der Stadt mit der Kreditkarte überall Geld abheben, weil es alle paar hundert Meter ATMs gibt. Es empfiehlt sich auch, immer Bargeld dabei zu haben, weil man nicht immer mit Karte zahlen kann. Man sollte auch möglichst nicht allzu große Scheine haben, da die Gojek-Fahrer oder Straßenverkäufer häufig kein Rückgeld haben, wenn man mit größeren Scheinen (ab 100.000 Rp) zahlt!

Ich hatte sowohl Euros als Bargeld als auch eine Kreditkarte dabei. In der letzten Woche hatte ich Probleme mit meiner Kreditkarte und ich konnte kein Geld mehr abheben, sodass ich froh war, Euro in bar dabei zu haben, um sie vor Ort wechseln zu können. Je nach Bank würde ich empfehlen, die Indonesienreise vorher anzumelden, sodass die Kreditkarte nicht aus Sicherheitsgründen automatisch gesperrt wird.

A propo wechseln: Ich wechselte vor Reiseantritt ein wenig Geld bei der Reisebank ein, um ein wenig Bargeld bei der Ankunft in Indonesien zu haben, um sich zum Beispiel am Flughafen etwas Kleines zu essen kaufen zu können. Letztendlich war der Kurs in Deutschland aber sehr schlecht im Vergleich zu dem indonesischen, sodass ich es nicht empfehlen würde – ein Euro entsprach 12.000 Rp in Deutschland, während in Indonesien ein Euro 16.000 Rp wert war.

Das Essen in Padang ist sehr günstig gewesen, sodass man auch schon eine gute Mahlzeit für wenige Euro bekommen kann. Da ich für meine Unterkunft nichts zahlen musste und ich sehr häufig mit meiner Gastfamilie zusammen aß oder von den Ärzten zum Mittagessen eingeladen wurde, habe ich nicht viel Geld für Essen ausgegeben. Außerdem gibt es in Indonesien die App Gojek, eine Art Uber, mit der man sehr preisgünstig überall innerhalb Padang fahren kann. Insgesamt waren meine Lebenshaltungskosten in Padang sehr gering und ich kam mit einem relativ kleinen Budget gut zurecht. Zudem habe ich einen Zuschuss für den Flug erhalten, sodass ich zusammenfassend wirklich nicht viel Geld für den gesamten Austausch ausgegeben habe!

Sprache

Die Amtssprache in Indonesien ist Indonesisch oder Bahasa-Indonesisch. Jedoch werden in den unterschiedlichen Regionen verschiedene Dialekte gesprochen, die sich zum Teil stark voneinander unterscheiden. Vor der Ankunft habe ich keinen Sprachkurs besucht oder selbst die Sprache gelernt, ich habe aber während meines Aufenthaltes ein paar Wörter auf Indonesisch gelernt. Die Einheimischen haben sich immer unglaublich gefreut, wenn man dann etwas auf Indonesisch sagen konnte. Da ich in der Chirurgie und somit die meiste Zeit im OP war, hatte ich bis auf die schlafenden Patienten keinen großen Patientenkontakt, deswegen kam ich mit Englisch allein gut zurecht, da fast alle Ärzte und Medizinstudenten gut Englisch sprachen. Außerhalb des Krankenhauses konnten leider nur wenige Menschen Englisch, dennoch hat es meistens irgendwie geklappt, sich zu verständigen, meist mithilfe von Google Übersetzer.

Verkehrsbindungen

Ich bin mit Qatar Airways über Doha, Katar, nach Jakarta geflogen, dann weiter mit Lion Air nach Padang. Da ich erst vier Wochen vor Abreise meinen Flug gebucht habe, war es mit insgesamt 650 Euro eher teuer, aber dafür war der Flug mit Qatar Airways sehr entspannt und man hat wirklich viel Platz im Flieger! Ich habe dann später erfahren, es sei billiger über Malaysia nach Indonesien zu fliegen.

In Padang ist es sehr unüblich, zu Fuß oder mit dem Fahrrad unterwegs zu sein, was unter Umständen an der Hitze liegen könnte. Man kann sich ohne Probleme einen Roller mieten, aber nachdem der Verkehr sehr unübersichtlich und zum Teil komplett willkürlich ist, habe ich mal darauf verzichtet. Da meine Gastfamilie leider ca. 8 km vom Krankenhaus entfernt gewohnt hat, war ich auf die App Gojek angewiesen. Gojek ist eine Art Uber und funktioniert über GPS (nebenbei: das GPS-Netz in Indonesien ist wirklich sehr gut ausgebaut!). Man kann sich dann entweder ein GoCar (Auto) oder ein GoRide (Roller) bestellen, anhand der GPS-Ortung wird einem der nächste Fahrer in der Umgebung zugeteilt, der dann auch bald darauf anruft, um den genaueren Abholort zu besprechen, auf Indonesisch, was aber immer irgendwie auch ohne Landsprache funktioniert hat. Ich habe mich meist für GoCar entschieden, was zwar teurer als GoRide war, aber insgesamt mit ca. 40.000-50.000 Rp immer noch recht günstig war. Während der Fahrt kann man dann über GPS immer mitverfolgen, wo man sich gerade auf der Strecke befindet, was einem ein bisschen Sicherheitsgefühl gibt, vor allem in den ersten Tagen in Indonesien und wenn man allein fährt. Was ein großer Vorteil ist, ein fixer Preis wird einem schon vor der Buchung angezeigt, sodass man als arme Studentin nicht übers Ohr gehauen werden kann.
Um in andere Städte zu kommen, gibt es kleinere Reisebusse. Leider kann man keine Plätze online buchen, zumindest fand ich keine Infos dazu, sodass man auf Hilfe von Einheimischen angewiesen ist. Bei längeren Strecken sollte man aber nach Möglichkeit das Fliegen bevorzugen.

Kommunikation

Gleich nach meiner Ankunft in Padang haben mir meine Kontaktpersonen eine SIM-Karte geschenkt, mit der ich das Internet benutzen konnte, telefonieren ging damit leider nicht. Ich hatte ein Datenvolumen von 4,5 GB, was für die vier Wochen dort völlig ausreichend war. Die SIM-Karten sind aber insgesamt sehr billig, sodass man 10 GB schon für ca. 50.000 Rp. kaufen kann. Man benötigt allerdings seine Ausweis- oder Passnummer, um die SIM-Karte zu aktivieren. Bei meiner Gastfamilie und im Krankenhaus benutzte ich das WLAN und auch in vielen Cafés und Restaurants hatte man WLAN-Zugang. Damit war der Kontakt zu Freunden und Familie in Deutschland problemlos; ich telefonierte oder schickte Bilder meistens via WhatsApp. In Indonesien selbst benutzt man viel Instagram. Man muss sich auch daran gewöhnen, dass viele auf einen zukommen, um Selfies mit einem zu machen, zum Teil auch ungefragt, und alles immer gepostet wird. Ansonsten läuft die Kommunikation auf Englisch ab, was vor allem im Krankenhaus recht gut geklappt hat, da die Ärzte und Medizinstudenten meistens gut Englisch sprachen. Außerhalb des Krankenhauses war ich auf Google Übersetzer angewiesen, weil außerhalb des Krankenhauses nicht viele Englisch konnten.

Unterkunft

Die LEO hat für mich für die Zeit meiner Famulatur eine Unterkunft bei einer Gastfamilie organisiert. Ich erfuhr aber erst bei der Ankunft in Padang, wo ich genau wohnen werde, weil es recht kurzfristig geplant wurde. In meiner Unterkunft bekam ich ein eigenes Zimmer und hatte sogar mein eigenes Bad mit einer westlichen Toilette und Dusche, was in Indonesien nicht immer üblich ist.

Meine Gastfamilie war sehr herzlich und fürsorglich. Meine Gasteltern sprachen zwar kein gutes Englisch, aber wir benutzten immer Google Übersetzer, was eine Kommunikation irgendwie ermöglichte, auch wenn mich Google häufiger Bro oder Mister nannte. Vor allem meine Gastmutter war sehr freundlich und an meinem deutschen Leben interessiert und wir ‚redeten‘ häufig, vor allem abends beim Abendessen, über dies und das. Ich war die allererste Austauschstudentin, die meine Gastfamilie aufnahm, und alle waren sehr bemüht, dass es mir gut geht. Essen durfte ich immer mit; meine Gastfamilie hatte zu jeder Mahlzeit so eine Art Buffet mit mehreren Beilagen zur Auswahl, wie es aber in Indonesien üblich ist, gab es zu jeder Mahlzeit Reis; man gewöhnt sich aber schnell daran, auch zum Frühstück Reis mit teilweise sehr scharfen Beilagen zu essen. Als meine Gastmutter herausfand, dass ich Früchte wie Ananas oder Papaya sehr mag, hat sie fast jeden Tag welche für mich gekauft, was unglaublich süß war. Wir unternahmen gelegentlich auch alle etwas zusammen, wir waren zusammen Essen oder Tennis spielen oder mit meinen Gastbrüdern im Kino. Allgemein war meine Gastfamilie super und ich habe mich sehr wohl und willkommen gefühlt und ich bin mehr als glücklich, mit ihr zusammen gewohnt zu haben.

Literatur

Vor der Abreise habe ich mir den Reiseführer von Stefan Loose gekauft. Bis auf ein paar allgemeine Infos zum Verhalten oder Kultur fand ich ihn für West-Sumatra nicht besonders gut. Wenn man vorhat, eine größere Reise im Anschluss durch Indonesien zu machen, ist er aber nicht schlecht.
Ich hatte viele Infos vom Auswärtigen Amt und von verschiedenen Reiseblogs. Vor allem in den Reiseblogs gab es nützliche Tipps bezüglich Reiseapotheke oder was man alles einpacken sollte und vor allem wie man seinen Rucksack platzsparend packt. Zusätzlich habe ich die bvmd-Erfahrungsberichte gelesen, was ich sehr hilfreich fand.
Für die Famulatur selbst habe ich keine Bücher gekauft. Ich habe aber ein wenig mein Medical Englisch aufgestockt und im Internet die gängigen Fachbegriffe für Chirurgie nachgeschaut. Das hat größtenteils ausgereicht.

Mitzunehmen

Ein absolutes Muss in Indonesien ist ein Mosquitospray. Auch wenn Padang kein Malaria-Hochrisikogebiet ist, gibt es viele Mücken, die vor allem in der Dämmerung und nachts aktiv sind. Ich hatte das Anti Brumm verwendet, was recht gut war. Was sicherlich auch nicht schadet, sind ein guter Sonnenschutz und eine After-Sun-Lotion. An Kleidung empfehle ich lange luftige Sachen, die nicht allzu freizügig sind, da Frauen in Indonesien nicht zu viel Haut zeigen sollen/dürfen. Für das Krankenhaus hatte ich meinen Kittel und mein Stethoskop dabei.
ch habe mir vor der Reise einen dünnen Hüttenschlafsack mit Insektenschutzimprägnierung gekauft, weil ich nach der Famulatur noch gereist bin. Weil er sehr kompakt und leicht ist, fand ich den super praktisch. Ich habe auch Wanderschuhe mitgenommen. In Bukittinggi, eine Stadt ca. 100 km von Padang entfernt, bin ich auf einen der beiden Vulkane dort gestiegen; auch wenn die Einheimischen teilweise mit Flipflops den Berg hochgingen, war ich doch schon sehr froh, meine Wanderschuhe angehabt zu haben. Was ich noch nützlich fand, waren ein Tagesausflugrucksack und eine Powerbank.

Ich hatte zusätzlich noch ein Mosquito-Netz eingepackt, was letztlich komplett überflüssig war, weil man meist keine Möglichkeit hatte, es irgendwo aufzuhängen.
Meinen Laptop oder Tablet hatte ich nicht dabei, habe ich aber auch nicht vermisst. Für den Case Report durfte ich dann den Computer meiner Gastfamilie benutzen.

Woran man unbedingt denken sollte, sind Gastgeschenke! Vor allem an die Gastfamilie, LEOs und die CPs – dabei gilt, je mehr umso besser! Außerdem sollte man unbedingt ein kleines Andenken der eigenen Uni für die Dekanin dort mitbringen.

Reise und Ankunft

Ich bin von München aus mit Qatar Airways über Doha nach Jakarta geflogen. Von Jakarta bin ich weiter mit Lion Air nach Padang. Bis auf eine Flugverzögerung nach Padang verlief meine Anreise problemlos. In Jakarte empfehle ich ausreichend Zeit für den Transitflug einzuplanen, da der Flughafen sehr groß ist und man nur mit Shuttle-Bus von Terminal zu Terminal kommt. Trotz der verspäteten Ankunft in Padang (vier Stunden später als geplant) haben mich die LEO und meine beiden Kontaktpersonen abends vom Flughafen abgeholt. Bevor sie mich zu meiner Gastfamilie brachten, waren wir zusammen essen und ich durfte gleich einen Einblick in die typische Küche Padangs bekommen, welche selbst in Indonesien für ihre scharfen Speisen bekannt ist. Meine CPs haben mir auch bei meiner Ankunft eine indonesische SIM-Karte gegeben. Als ich dann bei meiner Gastfamilie später am Abend ankam, nahm sie mich sehr herzlich in Empfang und half mir unter anderem meine SIM-Karte einzurichten – man braucht die Perso-Nummer, um sie zu aktivieren, und ein wenig Indonesisch-Kenntnisse, um den Anweisungen zu folgen.

Ich kam einige Tage vor Praktikumsbeginn in Padang an, um mich ein wenig an die Zeitverschiebung und das Klima (es waren 2°C in München, als ich Deutschland verließ, und 32°C in Padang, als ich ankam und sechs Stunden Zeitverschiebung) gewöhnen zu können. In den folgenden Tagen lernte ich die beiden anderen Incomings kennen und die LEO führte uns vor dem offiziellen Praktikumsbeginn im Krankenhaus herum und stellte uns vor. Nach meiner Ankunft musste ich nichts weiter vorbereiten oder erledigen. Das Handbook habe ich schon in Deutschland ausgedruckt und die Learning Objectives füllte ich im Laufe der ersten Praktikumswoche aus.

Tätigkeitsbeschreibung und fachliche Eindrücke

Ich habe mich in dieser Famulatur für die Chirurgie entschieden. Eigentlich sollte ich zwar bei den Allgemeinchirurgen meine Famulatur verbringen, aber das nahm keiner so genau, weswegen ich eigentlich überwiegend in der plastischen Chirurgie war. Mein erster Tag verlief etwas unglücklich, weil die Chirurgen ihre Medizinstudenten prüften, sodass keiner im Hause war. Deswegen bin ich am ersten Tag zu den beiden anderen deutschen Incomings und verbrachte meinen ersten Tag in der Kardiologie im Herzkatheter. Die erste Woche war ein bisschen zäh, weil ich nie wusste, wo ich hinsoll, oder an wen ich mich wenden kann. Ich erhielt zwar einen Stundenplan, wo ich theoretisch dreimal wöchentlich ein Privatunterricht mit verschiedenen Oberärzten hätte, es fand meistens aber nicht statt. Ab der zweiten Woche lief es dann besser. Ich fing jeden Tag um 8 Uhr an. Morgens nach den Frühkonferenzen durfte ich gleich in den OP und durfte auch beim Operieren assistieren. Jeden Freitag war die Frühbesprechung auf Englisch, sodass ich die Fälle und die Behandlungsweise auch mitverfolgen konnte. Die Ärzte nahmen sich ab und zu die Zeit, mir vor einer OP die Erkrankung und das chirurgische Vorgehen zu erklären. Ich durfte mich fast immer steril Einwaschen und bei der OP helfen. Meistens handelte es sich bei den Patienten um Verbrennungsopfer oder Kleinkinder mit Kiefer-Gaumen-Spalten. Es war für mich das erste Mal, dass ich Verbrennungsopfer behandeln durfte und es hat mich sehr viel Überwindung gekostet, die Wund-Debridements zu machen, denn man trägt die verbrannten Hautareale recht tief ab, um diese anschließend mit Hauttransplantaten zu decken. Obwohl es ein Uni-Klinikum war, hatten die Ärzte keine Handdermatome, sondern entfernten die Hauttransplantate, auch großflächige Transplantate, mit dem Skalpell, was aber recht gut funktionierte. Da ich in Deutschland einige Nahtkurse besuchte, und für eine Studentin recht gut Nähen konnte, durfte ich auch gelegentlich die Patienten zunähen oder die Transplantate anbringen, was richtig cool war. Ich habe auch immer wieder Blasenkatheter gelegt, und nach einer Zeit ging das auch recht flott. In meiner ersten Woche habe ich auch eine Nachtschicht in der chirurgischen Notaufnahme gemacht. Normalerweise müssen alle Studenten im klinischen Teil und Assistenzärzte alle vier Tage einen Nachtdienst machen. Nach dem üblichen Tagesdienst von 8 bis 16 Uhr fängt man nahtlos mit der Nachtschicht an, die bis zum nächsten Tag um 8 Uhr in der Früh dauert. Direkt im Anschluss hat man aber wieder seinen üblichen Tagesdienst von 8 bis 16 Uhr, sodass man alle 4 Tage 32 Stunden arbeitet. Ich kann nur sagen, ich bewundere sie sehr, denn ich habe bloß 24 Stunden durchgehalten und musste dann einfach Heim und ins Bett. Und die Studenten und Assistenzärzte machen das alle vier Tage! Das ist auch der Grund, wieso die Studenten und Assistenzärzte selten Ferien oder Freizeit haben, denn alle vier Tage muss man seinen Nachtdienst machen. Dafür dürfen die Studenten aber sehr viel machen, sie behandeln die Patienten quasi selbst und die Assistenzärzte stehen ihnen bei Fragen oder schwierigen Fällen zur Seite. Während meiner Nachtschicht wurde eine Frau mit einem Kobra-Biss und ein Fischer, der von einem Krokodil angegriffen wurde, behandelt. Beides habe ich (logischerweise) in Deutschland noch nie gesehen und dementsprechend war es sehr spannend / beängstigend. Es war auf jeden Fall eine Erfahrung für sich. Was ich tatsächlich eher befremdlich fand, war der Umgang mit Hygiene und Sterilität. Es stellten sich sehr häufig andere Ärzte nicht-steril an den Tisch und schauten den operierenden Chirurgen direkt über der Schulter zu oder drängten sich dazwischen. Auch das Hände desinfizieren vor den OPs oder im Allgemeinen wurde eher vernachlässigt. Meine Frage bezüglich der postoperativen Infektionsrate in dem Krankenhaus wurde auch eher dezent ignoriert als beantwortet. Zudem fiel mir auf, dass die Anästhesisten eher entspannt waren, und auch O2-Sättigungen von 60-70% locker hinnahmen und dann erst das Intubieren anfingen. Sie hatten auch meist kein Stethoskop, was mich schon sehr verwunderte.

Mit dem OP-Team habe ich mich super verstanden. Wie gesagt, ich war die meisten Zeit bei den plastischen Chirurgen; wir gingen auch meistens zusammen in der Mittagspause auswärts essen. Mit dem Pflegepersonal hatte ich eher wenig Kontakt, da selten jemand englisch gesprochen hat. Die Studenten waren sehr offen und freundlich, und halfen mir häufig weiter, wenn ich einen bestimmten Raum oder Arzt suchte. Was ich sehr cool fand, war, dass im ganzen OP-Trakt die meisten Assistenzärzte und Studenten mich irgendwann kannten und mich mit Vornamen begrüßten und mit mir kurz plauderten oder zu bestimmten OPs einluden.

Das Medizinstudium In Indonesien ist ein wenig anders aufgebaut. Es gibt zwei Jahre Vorklinik und drei Jahre Klinik. Im klinischen Teil sind die Studenten immer im Krankenhaus. Sie werden in kleinere Gruppen á 6-8 Personen eingeteilt und jede Gruppe hat einen eigenen Mentor – meist einen Oberarzt. Es gibt keine Vorlesungen oder Seminare, die Studenten lernen durch Bedside-Teachings, geleitetet von den Mentoren, anhand von Patientenfällen. Zusätzlich haben die Kleingruppen im Chirurgie-Block einmal wöchentlich ein Treffen mit ihrem Mentor, wo neuste Studien zu einem bestimmten Thema auf Englisch vorgestellt werden, was ich eigentlich sehr sinnvoll finde, einmal wegen der Sprache und zweitens, um den Umgang mit Studien zu erlernen. Sie rotieren ca. alle zwei bis drei Monate zwischen den verschiedenen Fachrichtungen, sodass sie nach drei Jahren Klinik alle Fachrichtungen durchgearbeitet haben. Am Ende jeden Blocks gibt es eine große Prüfung für alle, die in derjenigen Fachrichtung gerade gelernt haben. Was zusätzlich anders ist, nicht nur die Studenten müssen Studiengebühren zahlen, sondern auch die Assistenzärzte. Man geht von der Annahme aus, dass die Assistenzärzte noch lernen und das Krankenhaus ihnen die Lehre zur Verfügung stellt, sodass man, statt Gehalt zu bekommen, Gebühren an das Krankenhaus zahlen muss.

Land und Leute

Die Indonesier sind alle sehr gastfreundlich und offen. Man wird häufig auf der Straße angesprochen, und recht schnell Persönliches gefragt, wie wo man her sei und mit wem genau man in Padang wohne, welche Religion man habe oder ob man verheiratet sei. Einmal wurde ich sogar gefragt, was ich denn von Hitler halte, diese Frage fand ich eher sehr merkwürdig, aber ansonsten gab es keine Schwierigkeiten, was meine Herkunft anging. Es werden auch sehr viele Selfies mit einem gemacht, was für mich neu war. Man fühlt sich auf jeden Fall wie eine kleine Attraktion deswegen. Sumatra ist größtenteils muslimisch, und die Menschen sehr religiös, deswegen sollte man sich als Frau nicht allzu freizügig zeigen. Aber auch das ist kein Problem, einfach möglichst weite, luftige Kleidung tragen. Das traditionelle Kopftuch (Hijab) habe ich allerdings nie getragen. In der Zeit meiner Famulatur standen gerade Präsidentschaftswahlen bevor, und überall hingen Wahlplakate. Es war recht interessant zu hören, was die Einheimischen über die verschiedenen Kandidaten denken.

Während meines Auslandsaufenthaltes gab sich das CIMSA-Team sehr viel Mühe, und wir unternahmen sehr viel zusammen. In der ersten Woche gab es ein Willkommensessen, an dem die Gastfamilien und alle vom CIMSA-Team teilnahmen. Man hatte die Gelegenheit, alle ein wenig näher kennen zu lernen. Am ersten Wochenende wurde für uns ein Ausflug zu den Mandeh-Islands organisiert. Wir fuhren mit unserem privaten Boot zwischen den Inseln-Komplexen umher. Wir sind geschnorchelt und geschwommen, von Klippen gesprungen und durch ein Mangroven-Wald gefahren, und am Abend sind wir dann im Sonnenuntergang zurück. Es war wirklich wunderschön und ich bin sehr dankbar, dass unsere LEOs und CPs es organisiert haben. An einem anderen Wochenende sind wir zu einer Tee-Plantage in Solok gefahren, wo wir Deutschen kiloweise schwarzen Tee gekauft haben, und anschließend haben wir einen Minangkabau-Palast, ein kleines wunderschönes Dorf und Reisfelder in Batusangkar besucht. Ein anderes Mal haben wir mit unseren CPs China Town in Padang besucht und den sehr reich verzierten buddhistischen Tempel angeschaut. Zum Abschied gab es am letzten Tag nochmal ein gemeinsames Essen und wir bekamen sehr viele kleine Souvenirs als Andenken an Indonesien geschenkt. Während des Auslandaufenthaltes hatte ich Geburtstag und das CIMSA-Team hatte eine kleine Überraschungsfeier für mich veranstaltet, was ich unglaublich süß fand!

Die Gastfamilie der anderen Mädels hat uns einmal zu einer typischen indonesischen Hochzeit mitgenommen. Die indonesischen Hochzeiten sind wirklich anders als die deutschen. Der Trauungszeremonie wohnen nur die engsten Familienmitglieder und Freunde bei. Danach ist im Prinzip jeder willkommen, es gibt keine Gästeliste in dem Sinne. Man bleibt aber auch nicht sehr lange auf der Hochzeit. Meistens kommen die Gäste nur für einige Stunden zum Essen und zum Bilder machen mit dem Brautpaar. Das Brautpaar trug die traditionelle Minangkabau-Tracht und alles war sehr reich verziert und dekoriert. Das Essen war wirklich sehr lecker, und das Brautpaar hat sich sehr gefreut, als sie uns sah, obwohl wir uns nie begegnet sind. In Deutschland kaum vorstellbar, das völlig fremde die Hochzeit ‚crashen‘. Wenn ihr die Möglichkeit haben solltet, geht auf jeden Fall auf eine traditionelle Hochzeit, und seht selbst!
Die beiden anderen Mädels und ich waren wahre Kaffee-Lover. Und in Indonesien gibt es wirklich einen sehr guten Kaffee, dieser wird ja auch schließlich dort angebaut. Es gibt sehr viele gute Cafés in Padang, die ich nur wärmstens empfehlen kann, zum Beispiel El’s Coffee und Rimbun.

Indonesien hat eine wunderschöne Natur und sehr variantenreiche Landschaften. Vor der Küste gibt es sehr viele kleinere Inseln, die sich perfekt zum schwimmen und schnorcheln eignen. Viele sind unbewohnt oder touristisch nicht erschlossen, sodass man eindeutig ein Robinson Crusoe-Feeling bekommt! Beim Schnorcheln auf einer davon habe ich sogar mehrere Meeresschildkröten gesehen, die gerade eine Qualle verspeisten. Einmaliges Erlebnis! Mehr im Landesinneren gibt es viele Berge und Vulkane, die zum Teil noch aktiv sind. In Bukittinggi, einer Stadt ca. 100 km von Padang entfernt, bin ich auf einen aktiven Vulkan gestiegen. Es wird empfohlen bei Nacht diesen zu erklimmen, um den Sonnenaufgang sehen zu können. Ich war allerdings froh, es bei Tageslicht gemacht zu haben, denn der Weg ist eher anspruchsvoll. Jedenfalls sehr eindrucksvoll und fast beängstigend, wenn man an der Grenze des Kraters steht und hinunterschaut und dabei einen der Schwefelgeruch in der Nase kitzelt. Um Padang selbst gibt es sehr viele Wälder, die von den verschiedensten Tieren bewohnt werden, allem voran die Makaken-Affen. Und diese können schon sehr frech werden. Anfängerfehler: mit dem Finger auf ein Baby-Äffchen zeigen und die Kamera zücken – ganz dumme Idee, kann ich nur sagen. Der Beschützerinstinkt der Affen ist nicht zu unterschätzen, also immer Abstand halten!

Fazit

Um ehrlich zu sein, habe ich bis zu dem Augenblick, bis ich im Flieger saß, nicht realisiert, dass es jetzt wirklich nach Indonesien geht! Ich hatte mich zwar informiert über Indonesien und die Kultur dort, ich hatte aber keine festen Vorstellungen, was mich erwarten wird.
Letztendlich war die Zeit dort einer meiner besten Erfahrungen, die ich je gemacht habe! Ich habe so viele tolle Menschen kennen gelernt, die indonesische Kultur hautnah miterlebt, so viel von den wunderschönen Landschaften gesehen und viele Erfahrungen in medizinisches Bereich gesammelt.
Die Zeit in Padang fand ich sehr prägend und ich lernte auch sehr vieles über mich selbst. Ich habe vieles, was für mich in Deutschland selbstverständlich war, zu schätzen gelernt, beispielsweise simple Dinge wie Wasser aus dem Wasserhahn trinken zu können oder eine westliche Toilette mit Klopapier. Leider war Padang sehr verschmutzt mit Plastikabfällen, deswegen versuche ich, seitdem ich wieder zurück in Deutschland bin, noch mehr meinen Plastikverbrauch zu reduzieren.

Wenn ich nochmal die Wahl hätte, würde ich auf jeden Fall wieder nach Padang in Indonesien gehen! Ich kann nur jedem empfehlen, zumindest einmal diese Erfahrung selbst zu machen und im Ausland für einige Wochen in einem Krankenhaus zu arbeiten.

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