zurück

Philippinen (AMSA-Philippines)

Chirurgie - SCOPE (Famulaturaustausch)
von Desirée, Frankfurt

Motivation

Schon zu Beginn des Studiums bin ich auf die bvmd und deren Austauschprogramm aufmerksam geworden. Ich finde es eine tolle Möglichkeit, im Rahmen einer sinnvollen Tätigkeit eine andere Kultur kennenzulernen und vor allem auch ein anderes medizinisches System zu erleben. Auf Platz 1 stand bei mir Ghana, die Philippinen auf Platz 2 und Taiwan als drittes Land. Im Nachhinein bin ich sehr glücklich, dass es die Philippinen geworden sind, es war eine tolle Erfahrung und meine Erwartungen wurden auf jeden Fall erfüllt. Mir war wichtig, dass ich einen ehrlichen und intensiven Einblick in die Arbeitsweise dort bekomme und auch außerhalb der Klinik die philippinische Lebensweise kennen lernen und viel Kontakt zu den Filipinos herstellen kann.

Vorbereitung

Ein großer Teil der Vorbereitung besteht denke ich darin, dich über das Austauschland und vor allem die Voraussetzungen für den Austausch selbst zu informieren. Vor allem die Exchange Conditions des jeweiligen Landes sind denke ich die Grundlage hierfür.
Ich habe mich aber vor allem auch über das Internet informiert.

Impfstatus, Tuberkulose-Test, Visum und Versicherung würde ich ebenfalls frühzeitig in Angriff nehmen, da du hier ggf. auch Wartezeiten auf einen Termin hast.

Visum

Bei den Philippinen hast du es sehr einfach, was das Visum angeht, da man „nur“ ein einfaches Touristenvisum benötigt. Jede*r einreisende Tourist aus Deutschland (und vielen anderen Ländern) bekommt bei Einreise automatisch ein gebührenfreies Visum (Visa on Arrival) für 30 Tage, hierzu füllst du einfach am Zielflughafen (meistens Manila) das passende Formular aus. Meistens wollen die Beamten dort außer deinem Reisepass auch das Rückflugticket sehen. Eine Verlängerung des Visums auf maximal 59 Tage ist beim Bureau of Immigration, Intramuros, Manila oder in einem der Regionalbüros möglich, dieses kostet dann um die 50€ (ca. 3000 phil.Peso).

Gesundheit

Eine Reiseapotheke mit den wichtigsten Medikamenten empfehle ich auf jeden Fall mitzunehmen! Ich persönlich hatte folgende Medikamente dabei: Vomex®, Immodium, Ibuprofen und Paracetamol (bei V.a. Dengue-Fieber wichtig, da Gerinnung weniger beeinflussend als Ibu). Zusätzlich sinnvoll finde ich evtl. Fenistil® und was gegen Erkältung. Wie auch in anderen asiatischen Ländern war bei uns Austauschstudenten Durchfall und Übelkeit das häufigste Leiden, man sollte auf jeden Fall darauf achten, nur gereinigtes Wasser zu trinken und vielleicht auf die Eiswürfel im Drink verzichten. Beim Essen kann es einen trotz größter Vorsicht erwischen, obwohl ich sagen muss, dass wirkliche Lebensmittelvergiftungen bei uns nicht vorkamen. Es muss einem einfach bewusst sein, dass man als Europäer nicht unbedingt an das Essen und das Mikrobiom dort gewöhnt ist, mit den richtigen Medikamenten versaut einem das aber nicht das Abenteuer.
Es gibt auch an jeder Ecke Pharmacies, wo man alles nötige nachkaufen kann.

Ich hatte mir vor meiner Reise als Mückenschutz in der Drogerie ein Spray gekauft, es gibt allerdings auch vor Ort Cremes (z.B. OFF! Lotion) und Ähnliches zu kaufen, die möglicherweise wirksamer sind als die europäischen Mittelchen. Mehr Mücken, als man normalerweise im Urlaub in Europa o.Ä. erlebt, hatten wir aber definitiv nicht.

Sonnenschutz ist besonders in der Trockenzeit besonders wichtig, da die Sonne den ganzen Tag scheint und sehr intensiv ist. Hier empfehle ich auf jeden Fall, Produkte aus Deutschland mitzunehmen, da die Produkte, die man auf den Philippinen erhält, fast immer mit „bleaching“ oder „brightening“-Effekt sind (das war nicht unbedingt meine Idee einer Sonnencreme). Wenn du doch Nachschub brauchst, halte dich an die Produkte für Kinder, die sind normalerweise ohne Aufhellung.

Impfungen:
Hepatitis A+B, Tetanus und Typhus sind zwingend notwendige Impfungen (Vorgabe des IFMSA Philippinen) und rechtzeitig vor dem Auslandsaufenthalt durchzuführen (HepB und Tetanus z.T. auch HepA sind Teil deiner Grundimmunisierung).
Weitere Reiseschutzimpfungen z.B. gegen Cholera, Typhus, Meningitis, Japanische Enzephalitis oder Tollwut werden je nach Reisevorhaben von den Tropenmedizinischen Instituten empfohlen, hier solltest du dich persönlich beraten lassen und auch Rücksprache mit deiner Krankenkasse halten, welche Impfungen übernommen werden, da der Kostenfaktor hier nicht ganz unwesentlich ist.
Malaria ist auf den Philippinen ebenfalls ein Thema, Manila selbst gilt allerdings als malariafrei. Ob du eventuell eine „Standby - Notfallselbstbehandlung“ im Reisegepäck mitnehmen möchtest, ist deine persönliche Entscheidung. Ich habe mich vor meinem Austausch auch beraten lassen und schlussendlich nur für die erforderliche Typhus-Impfung entschieden (ca. 55€ insg.). Mein Impfstatus entsprach dann den oben genannten Anforderungen.
Reiseschutzimpfungen kannst du unter anderem an Tropenmedizinischen Instituten, Unikliniken, Gesundheitsämtern oder Flughafenkliniken vornehmen lassen. Außer bei Flughafenkliniken muss man hierfür normalerweise einen Termin vereinbaren (z.T. 2-4 Wochen Vorlauf)
Tuberkulose Test:
Der Nachweis eines Tuberkulose Tests wird für die Philippinen ebenfalls zwingend verlangt und kann z.B. auch beim Gesundheitsamt gemacht werden. Hier gibt es manchmal die Möglichkeit eines Hauttests mit zwei Sitzungsterminen (ca. 15€) oder eines Bluttests (ca. 45€) mit nur einem Termin. Aus den Anforderungen geht nicht hervor, um welchen Test es sich handelt, ich habe aus zeitlichen Gründen den Bluttest machen lassen, ich kann mir aber vorstellen, dass der Hauttest auch ausreicht. Im Online-Portal gibt es auch die Möglichkeit, ein Röntgenbild hochzuladen. Einfach ein Röntgen-Thorax zu machen finde ich eine kritische Sache, zumal es Geld kostet und man sich Strahlung aussetzt, daher habe ich bei mir damals meine philippinischen LEOs gefragt. Es wurde bis jetzt laut den philippinischen LEOs von keinem Studenten benötigt, auch wenn es als notwendiges Dokument aufgeführt ist!
Zumindest würde ich hier im Vorfeld noch mal deine verantwortlichen LEOs/Kontaktpersonen vor Ort kontaktieren und nachfragen, damit du nachher auch alle notwendigen Dokumente zusammen hast und alles glatt läuft!
Wichtige Informationen und allgemeine medizinische Hinweise findest du auf der Internetseite des Auswärtigen Amtes.

Sicherheit

Zur aktuellen Sicherheitslage empfiehlt es sich auf jeden Fall, vor allem auch kurz vor deinem Austausch, einen Blick auf die Internetseite des Auswärtigen Amtes zu werfen.
Die Sicherheitslage hängt in Manila vor allem von der Region ab, in der du dich befindest. Das Krankenhaus, in dem ich eingesetzt war, lag in einer eher ärmlichen Region. Hier musste man schon auf seine persönlichen Wertgegenstände Acht geben, wenn man auf den Straßen unterwegs war und man sollte wenn möglich auch nicht im Dunkeln alleine umher spazieren. Besonders unsicher oder ängstlich habe ich mich aber allerdings nicht gefühlt. Der Campus, auf dem wir auch wohnten, war wie eine eigene kleine Stadt und rund um die Uhr bewacht, deshalb fühlten wir uns immer sicher dort.

Eine Auslandskrankenversicherung solltest du auf jeden Fall vorher abschließen (wenn du nicht schon eine hast), sie wird aber auch als Autauschvoraussetzung verlangt. Ich persönlich habe meine Versicherung bei der Barmenia für 4,90€ jährlich abgeschlossen.

Geld

Auf den Philippinen bezahlt man in der Währung Peso (Wechselkurs ca. 0,017 Euro, also 1€~ 58 phil. Peso). Mit einer Visa oder Mastercard kommt man in Manila fast überall recht einfach an Bargeld, deshalb habe ich vor dem Besuch gar kein Geld gewechselt, sondern erst am Flughafen in Manila. ATMs gibt es dort reichlich, auf dem Campus selbst waren bei uns mehrere. Man muss beachten, dass man unabhängig davon, welche Kreditkarte man besitzt, bei jedem Abhebevorgang 250 Peso Gebühr bezahlen muss (daher etwas mehr als 4€).

Im Vergleich zu Deutschland sind die Lebenshaltungskosten auf den Philippinen häufig günstiger (vor allem was die Gastronomie betrifft). Man bekommt hier ein Mittagessen schon für umgerechnet unter 5 €. In den Supermärkten kommt es auf die Produkte an, hier kann man für Obst und Gemüse auch mal mehr zahlen müssen, als bei uns in Deutschland.

Sprache

Es gibt viele verschiedene Landessprachen bzw. Dialekte auf den Philippinen, der meistgesprochene ist das Tagalog (auch in Manila). Für den Austausch wird allerdings nur Englisch vorausgesetzt, was auch vollkommen ausreichend ist, da Englisch so etwas wie eine zweite offizielle Sprache dort ist. Ich war von den guten Englischkenntnissen dort begeistert, da nahezu jeder (vor allem auch in der Klinik) sehr gutes Englisch gesprochen hat. Man findet sich super schnell zurecht, da auch Beschilderungen u.s.w. auf Englisch sind. Die chirurgischen Konferenzen im Krankenhaus waren auf Englisch; es wurden auch nahezu ausschließlich englische Lehr- und Textbücher verwendet. Ich selbst habe mein Englisch dort enorm verbessert (auch das medizinische Englisch) und fand es dadurch auch echt unkompliziert Anschluss zu finden oder etwas dazuzulernen, das hätte ich vorher definitiv nicht erwartet.
B2 Niveau in Englisch erachte ich als sinnvoll und war glaube ich auch Voraussetzung, man kann hier aber echt viel dazulernen auch wenn man nicht flüssig spricht.

Verkehrsbindungen

Nach Manila kommt man mit verschiedenen Fluglinien; ich habe eher auf den Preis, als auf die Fluggesellschaft Wert gelegt, war aber trotzdem sehr zufrieden. Die Preise variieren hier sehr, je nachdem wann man bucht, findet man aber auch Flüge (hin und zurück) für unter 500€.

Zur Fortbewegung innerhalb Manila würde ich dir unbedingt empfehlen, die App Grab herunterzuladen. Dieses Taxisystem ist goldwert und vergleichbar mit Uber in anderen Ländern. Die Fahrer sind alle registriert und du kannst im Voraus mit Kreditkarte bezahlen. Der Preis richtet sich immer nach Auslastung und Verkehr (welcher in Manila leider schrecklich ist;), ist aber vor allem, wenn man es mit mehreren Personen nutzt, echt günstig.
Ansonsten gibt es noch ein öffentliches „Zugsystem“(z.B. LRT) mit verschiedenen Linien. Die Ärzte und Studenten nutzten das so gut wie nie, wir fanden es aber trotzdem sehr geschickt, da es z.T. überirdisch über der Straße verläuft und so den Verkehr umgeht, der so gut wie nie stillsteht. Eine Fahrt kostet je nach Streckenabschnitt 15/20/30 Peso, also meistens nicht mal 50ct. Zu beachten gilt es hier, dass man aus Sicherheitsgründen keine Flüssigkeiten und großen Gepäckstücke mitnehmen darf!
Wichtig ist, dass man seine persönlichen Gegenstände immer bei sich und im Auge hat, Manila spiegelt die Stadt eines Schwellenlandes wieder und das sieht man je nachdem in welchem Viertel man sich befindet an jeder Ecke, also am besten nicht alleine unterwegs sein und nicht wenn es dunkel wird (ist aber denke ich nicht Neues in solchen Ländern).

Je nachdem, wie abenteuerlustig man ist, gibt es auch Jeepneys (eine Art Bus zum Aufspringen) und Tricycles (Motorräder mit Beiwagen) zur Fortbewegung, diese sind aber in der Stadt eher was für Einheimische, da es sehr chaotisch ist und es keinen Fahrplan o.Ä. gibt, in den ländlicheren Gegenden aber wärmstens zu empfehlen und ein Erlebnis:)
Zu Fuß kann man sich in Manila auch fortbewegen, es ist allerdings nicht wirklich vorgesehen. D.h. es gibt normalerweise keine Bürgersteige und man läuft auf der Straße, was abhängig vom Verkehr nicht ganz ungefährlich ist, das hängt aber wieder mal sehr von der jeweiligen Gegend von Manila ab, in der man sich befindet. Deshalb lieber ein Grab mehr nehmen!

Kommunikation

Uns wurde im Vorfeld schon empfohlen, eine philippinische SIM-Karte zu kaufen, was definitiv eine gute Idee ist. Am Flughafen in Manila gibt es die Möglichkeit, eine SIM-Karte mit Internetdatenvolumen zu erwerben (hier natürlich teurer als außerhalb, lohnt sich aber, da man nicht mal am Flughafen ins Wlan gekommen ist). GLOBE und SMART sind hier die gängigsten Anbieter und beide ungefähr gleich teuer (~1000 PHP für 30 Tage =17€). Mit dem Datenvolumen kommt man auch sehr gut zurecht (z.B. für WhatsApp) und hat meistens gutes mobiles Internet. Mit SMART hatte man im OP-Trakt allerdings deutlich die besseren Karten, was den Empfang angeht. Zusätzlich hatte ich noch Freiminuten bzw. Freinachrichten hinzu gebucht, da WhatsApp z.T. nicht bei allen Filipinos populär ist.
Im Wohnheim hatten wir außerdem freies WLAN, was in der Regel sehr gut funktionierte! Hier konnte man auch sehr gut übers Internet (z.B. WhatsApp) nach Hause telefonieren.

Unterkunft

Die Unterkunft wurde uns glücklicherweise von der Universität gestellt. Das heißt, wir konnten in einem Wohnheim dort unterkommen, welches direkt auf dem Campus lag und 5 min Fußweg vom Krankenhaus entfernt lag (International Residency Domus Mariae). Wir konnten dort erst am 1.3. einziehen, da unsere Famulaturen aber mit zwei Tagen Verspätung starteten, war das kein Problem.
Das Wohnheim war meiner Meinung nach völlig ausreichend für unsere Bedürfnisse, d.h. wir waren 4 Austauschstudentinnen (3 aus Deutschland , 1 aus Spanien) in einem großen 6-Bett-Zimmer untergebracht mit eigenem Bad und Klima-Anlage. Die meiste Zeit waren auch nur wir vier hier untergebracht. Uns stand eine Gemeinschaftsküche mit zwei Herdplatten und einer Mikrowelle zur Verfügung. Ein wenig Geschirr und Besteck war auch vorhanden, sowie ein Reiskocher und Kühlschränke. Wir haben hier öfter abends zusammen gekocht oder gefrühstückt und auch zweimal Leute aus der Klinik zum Essen eingeladen:)

Bettwäsche wurde uns zur Verfügung gestellt, Handtücher mussten wir selbst mitbringen!
Es gab auch einen „Laundry-Service“, den wir gerne in Anspruch nahmen. Für einen Beutel Wäsche zahlten wir 100Peso (ca. 1,50€), dafür bekam man dann seine Wäsche i.d.R. innerhalb von 3 od. 4 Tagen gebügelt und zusammengelegt zurück. Man muss dabei vielleicht beachten, dass die Filipinos die Wäsche sehr gerne mit kaltem Wasser waschen, daher musste man damit rechnen, dass die Wäsche zwar frisch war aber nicht unbedingt ganz sauber;)
Ein sehr netter Service für uns war außerdem das Bereitstellen eines Wasserspenders im Wohnheim (kaltes und warmes Wasser). Da man wie in allen asiatischen Ländern mit niedrigerem hygienischen Standards auch in den Philippinen das Wasser aus dem Hahn besser nur zum Putzen und evtl. Kochen verwendet, ersparte uns das lästige Flaschenschlepperei und Wassereinkäufe. Wir zahlten für den ganzen Monat unbegrenzt Wasser gerade mal 50 Peso (1€).

Literatur

Es lohnt sich denke ich, vor deiner Reise einen Blick in einen Reiseführer zu werfen. Auch hier haben uns die Kontaktpersonen vor Ort unterstützt, indem sie Informationen bereitstellten über Sehenswürdigkeiten und Reiseziele vorheriger Austauschgruppen.
-Einen Online-Reiseführer mit vielen Reisetipps, den ich sehr toll fand, findest du unter: https://www.lonelyplanet.com/philippines/places
-Sehr nützliche Infos zu allem Möglichen gibt es beim Auswärtiges Amt: https://www.auswaertiges-amt.de
-Die Adresse des Bureau of Immigration in Manila: Magallanes Dr, Intramuros, Manila, 1002 Metro Manila, Philippinen
-Beispielseite für Infos zu Reiseschutzimpfungen: https://www.bnitm.de/philippinen/

Mitzunehmen

Für die Famulatur selbst waren wir aus der Chirurgie angehalten, eigene Klamotten („scrubs“) mitzubringen. Ich hatte mich für 1 Kasack-Hose, 1 T-Shirt und meinen weißen Kittel entschieden. Wir haben dann vor Ort aber auch noch zusätzliche Kasacks von unserem LEO bekommen. OP-Schuhe gab es vor Ort ebenfalls. Außerhalb des OP-Traktes trugen die Ärzte auch weiße Kleidung; wenn man sich doch mal auf Station begab, war der Kittel deshalb sehr hilfreich.

Mein restliches Gepäck war der Temperatur dort angepasst, heißt sehr sommerlich. Was man im Hinterkopf behalten sollte, ist die religiöse Trägerschaft der Klinik und der Highschool bzw. der gesamten Universität. Hier ist es sehr sinnvoll für den Gang in die Klinik etwas dabei zu haben, was über die Schultern bzw. die Knie geht. Da fühlt man sich in der Klinik einfach wohler, auch wenn wir nicht negativ auf Tops oder kurze Hosen angesprochen wurden. Sonst hatte ich das Gefühl (überall außerhalb des Campus) nicht auf meine Kleidung achten zu müssen; ich fühlte mich auch in Shorts oder Rock wohl.

Ich persönlich habe mir noch einen Hefter angelegt, in dem ich die wichtigsten Dokumente aufbewahrt habe, die ich mitbringen sollte. Zum Beispiel Kopien meiner Ausweisdokumente, eine Bestätigung meiner Auslandsversicherung oder meinen Impfpass, das fand ich sehr praktisch; die Klinik stellt dann am Ende auch ein Zertifikat aus, mit der Bestätigung des Praktikumszeitraums etc., ich würde dir aber auf jeden Fall empfehlen, vorher zu checken, ob dein Prüfungsamt ein eigenes Formular (in englischer Sprache) zur Verfügung stellt, dann wird das „ausländische Zertifikat“ meist nicht akzeptiert und du hast eventuell viel zusätzliche Arbeit, im Nachhinein eine originale Unterschrift von Deutschland aus zu bekommen!

Reise und Ankunft

Vom Flughafen bis zur Santo Tomas Universität sind es einige Kilometer, daher auf jeden Fall ein Taxi nehmen oder besser noch ein Grab. Unsere LEOs vor Ort waren sogar so nett und haben uns vom Flughafen abgeholt!!!
Für die Organisation bezüglich Ankunft und Unterkunft setzten wir uns im Voraus mit unseren LEOs (Lokalvertretung) in Verbindung. Diese waren erfreulicherweise sehr hilfsbereit und zuverlässig und haben z.B. selbstständig direkt eine Facebookgruppe mit allen Austauschstudenten schon vor Austauschbeginn gegründet. Die Namen und Kontaktdaten werden dir aber auch online in deinem IFMSA Exchange-Account bereitgestellt.

Ich bin 3 Tage vor Beginn der Famulatur angereist, das fand ich ganz gut um mich zurechtzufinden und vom Flug etc. zu erholen. Meine Famulatur startete im Endeffekt mit zwei Tagen Verspätung, deshalb hatte ich sogar noch Zeit, einen kleinen Trip vor Beginn der eigentlichen Famulatur zu machen.
Am ersten Arbeitstag hatten wir dann (über unsere LEOs) einen Termin mit dem „Departement of Medical Research“. Hier mussten wir nochmals ein Formular unterschreiben und zwei Ärzte führten uns anschließend auf dem ganzen Campus herum und zeigten uns die Klinik, das war ein super Einstieg.

Tätigkeitsbeschreibung und fachliche Eindrücke

Schon vor dem Austausch wurden uns Praktikumsverträge zugeschickt, die wir unterschreiben sollten, in denen es ausdrücklich hieß, dass es sich von Seiten des philippinischen Krankenhauses um ein „Observership“ handeln werde, es uns daher auch nicht erlaubt war, Tätigkeiten direkt am Patienten durchzuführen. Diese Tatsache fand ich allerdings nicht sehr überraschend, vielleicht aber ganz gut im Vorfeld zu wissen.

Das UST-Krankenhaus hat sowohl einen „clinical part“ für die Patienten mit weniger Geld, als auch eine „private division“ für die etwas wohlhabenderen Patienten. Es befindet sich meiner Meinung nach im Mittelfeld der klinischen Ausstattung, im Großen und Ganzen waren die Verhältnisse auf jeden Fall weniger entwickelt im Vergleich zu Deutschland, das heißt jedoch nicht, dass die Kompetenzen nicht genauso gut waren.
Es muss hier für jede ärztliche Tätigkeit bezahlt werden, meistens schon vor der eigentlichen Behandlung. Vor allem in der Chirurgie wird das deutlich, denn der Patient wird hier immer nach seinen finanziellen Möglichkeiten behandelt und nicht nach dem wissenschaftlich Bestmöglichen. Beeindruckend sind die meist offen durchgeführten Operationen, die in einem entwickelten Land heutzutage nur noch minimalinvasiv gemacht werden (z.B. Appendektomie od. Cholezystektomie).
Viele Patienten kommen außerdem auch aus finanziellen Gründen in einem sehr fortgeschrittenen Stadium der Krankheit erst ins Krankenhaus, man bekommt hier Ausmaße zu sehen, die in Deutschland so gut wie nie anzutreffen sind.
Da im „öffentlichen“ Part des Krankenhauses ein Streik bevorstand und deshalb weniger Patienten dort aufgenommen wurden, verbrachte ich den gesamten Monat im „privaten“ Teil der chirurgischen Abteilung. Zwei der anderen Austauschstudentinnen waren ebenfalls der Chirurgie (Allgemein-Viszeral-Chirurgie) zugeteilt. Somit waren wir zusammen im gleichen OP-Trakt. Wir konnten frei entscheiden, welche OPs wir sehen wollten und waren in jedem OP-Saal willkommen. Herzthoraxchirurgische OPs sah ich relativ wenige, dafür aber ganz viele Prozeduren anderer Spezialgebiete (Allgemein/Viszeral-,Gefäß-,Kinder-,Gyn-,Ortho-,Neuro-).

Zu Beginn der Famu wurde mir spontan ein Assistenzarzt als eine Art Supervisor zugeteilt, mit dem ich sehr großes Glück hatte, da er sich sehr um mich gekümmert hat und wir auch außerhalb der Klinik viel unternommen haben. Wir in der Chirurgie hatten sehr viele Freiheiten, was die Anwesenheit anging. Da ich es in der Klinik aber toll und lehrreich fand und Spaß daran hatte, war ich jeden Tag bis auf die Wochenenden im Krankenhaus. Ich startete morgens meistens um 7 Uhr, da hier die interessantesten OPs waren (manche starteten schon um 5); manchmal beendete ich meinen Arbeitstag um 15 Uhr, manchmal erst spät am Abend, wenn ich noch Lust hatte für einen Fall im Krankenhaus zu bleiben.
Das handhabten die anderen zwei Studentinnen anders, deshalb war ich nahezu jeden Tag alleine und hatte so die OPs für mich;) Ich durfte am Ende sogar in den OPs assistieren und nähen.

Land und Leute

Das tolle an den Filipinos ist ihre offene und freundliche Art. Ich wurde unglaublich herzlich dort empfangen und auch im Krankenhaus fühlte ich mich immer willkommen. Da Englisch auf den Philippinen ja (neben dem Filipino/Tagalog) eine Art offizielle Sprache ist, spricht nahezu jede*r sehr gutes Englisch, was die Kommunikation unheimlich erleichterte. Vor allem im Krankenhaus wurde ich innerhalb kürzester Zeit ins Team integriert, die Ärzte dort waren sehr interessiert und aufgeschlossen.
An den Wochenenden hatten wir im Gegensatz zu den philippinischen Ärzten und Studenten frei, da war es besonders toll eine Gruppe von Austauschstudenten zu sein. Wir planten die Wochenenden fast immer in der Gruppe, meistens drei von uns zusammen. Unsere LEOs vor Ort (UST-Medizinstudenten) gaben uns sehr hilfreiche Tipps für Ausflugsziele rund um Manila. Wir fuhren am Wochenende immer aus der Stadt raus, da man nach 5 Tagen Smog wieder frische Luft brauchte:)
Sehr zu empfehlen sind die Reisterrassen im Norden in Banaue/Batad; Batangas/Anilao zum Tauchen; Taal Vulcano und Tagaytay; unsere Ausflüge waren alle sehr schön und wir konnten tolle Erfahrungen machen. Die zahlreichen philippinischen Inseln sind vor allem zum Weiterreisen ein Traum, da man hier fast immer fliegen muss und es sich lohnt, etwas mehr Zeit einzuplanen.

In Manila selbst gibt es sehr arme aber auch sehr moderne Viertel, die aber oft sehr nah beieinander liegen. Um abends mal wegzugehen (Essen,Bar,Party) empfehle ich die Gebiete Makati und Bonifacial Global City (BGC), am besten mit einheimischen Studenten/Ärzten zusammen. Die Gegend um den UST-Campus ist dafür weniger geeignet und zum Teil auch zu unsicher.

Größere Supermärkte und auch alles andere gibt es in den großen Malls. Direkt in der Nähe des Campus war es eher schwierig ein Supermarkt zu finden, für die wichtigsten Dinge gibt es kleinere Lebensmittelgeschäfte (entspricht nicht unbedingt den europäischen Vorstellungen von Lebensmittel da massig Verpackung und fast alles süß), aber man findet sich zurecht.

Das Essen allgemein ist bei den Filipinos ein großer Teil ihrer Kultur und deren Freizeitbeschäftigung. Kaum ein Filipino liebt das Essen nicht;) Leider ist ein großer Teil davon Fastfood; so findet man an fast jeder Ecke McDonalds und Burger King, mit der Zeit ist das somit eher ungesund, nichtsdestotrotz kann man sehr leckeres philippinisches Essen genießen, wenn man es im Restaurant bestellt oder es lecker selbst zubereitet wird. Eine Beilage, die natürlich nie fehlen darf, ist Reis; den isst man dort sehr gerne mit Fleisch (viel Schwein) oder Meeresfrüchten.

Fazit

Ich persönlich habe unheimlich viel dazugelernt, natürlich fachlich aber noch mehr im Bereich meiner Persönlichkeit habe ich das Gefühl, dass ich durch diese Erfahrung meinen Horizont unheimlich erweitern konnte. Durch das Kennenlernen der Kultur, der Menschen dort und des Gesundheitssystems und der Lebensweise.

Die philippinischen Ärzte sind unglaublich hart arbeitende Menschen und trotzdem nahezu immer fröhlich und freundlich und haben sich herzlich um uns gekümmert, das hat mich sehr beeindruckt und ich habe großen Respekt vor dieser Haltung und Arbeitsweise. Was ich hier besonders gemerkt hab: es hängt eindeutig von deiner persönlichen Motivation ab, ob deine Zeit dort toll wird oder nicht; ein bisschen Engagement bekommt man hier dann aber definitiv angerechnet.
Die Philippinen kann ich daher als Austauschziel wärmstens empfehlen. Die guten Englischkenntnisse dort machen es sehr einfach, sich dort zurechtzufinden und die Gastfreundschaft ist einfach toll!

zurück