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Taiwan (FMS Taiwan)

Dermatologie - SCOPE (Famulaturaustausch)
Anonym

Motivation

Zum Ende meines Studiums wollte ich vor dem Staatsexamen noch einmal die Gelegenheit nutzen raus aus dem Alltag zu kommen und eine Auslandsfamulatur absolvieren. Beim Durchstöbern der Länderliste fiel meine Wahl auf Taiwan. Da ich chinesische Wurzeln habe bot sich darin die Möglichkeit für mich sowohl ein neues Land zu erkunden (in China besuche ich regelmäßig meine Verwandten), als auch mein Chinesisch zu üben. Ich habe mich zusammen mit meinem Freund beworben und wir haben einen Platz in Hualien bekommen.

Vorbereitung

Nach dem initialen Bewerbungsprozess kam die Zusage vom bvmd am 23.12. Im Anschluss muss man sich innerhalb zwei Wochen nochmal auf ifmsa-Ebene beim jeweiligen Land bewerben. Für Taiwan waren dabei verschiedene gesundheitliche Dokumente hinzuzufügen. Verlangt wurden mitunter Hep-B-Titer, Tuberkulosetests und ein Röntgen-Thorax, was organisationstechnisch zwischen den Jahren nicht ganz einfach war. Da ich sowieso in der Nähe meiner Uniheimat wohne, konnte ich mir viele Sachen relativ schnell durch die Tropenmedizin in der Uniklinik organisieren.

Visum

Als deutscher Staatsbürger braucht man kein Visum. Ich hatte bei der Einreise keinerlei Schwierigkeiten.

Gesundheit

Vor der Reise habe ich mich gegen Typhus, Hep A (Kombi) und gegen japanische Enzephalitis impfen lassen. Informiert euch vorher, ob eure Krankenkasse die Kosten übernimmt (,was bei mir der Fall war). Alleine für die Impfungen hätte ich ansonsten 300 Euro bezahlen müssen. Japanische Enzephalitis muss zweimal geimpft werden, was man vorher bedenken sollte. (Es gibt ein normales und ein Schnellimpfschema.)

Sicherheit

Taiwan ist ein sehr sicheres Land mit ähnlichen Gesundheitsstandards wie in Deutschland, man braucht sich also keine Sorgen zu machen. Mir war vorher bewusst, dass es in Taiwan häufiger Erdbeben geben kann. Nicht ganz klar war mir, dass diese mitunter vor allen Dingen in Hualien geschehen. Tägliche Erdbeben sind gang und gäbe, oft spürt man sie gar nicht. Während meiner Zeit gab es in den ersten 2 Wochen allerdings 4 Erdbeben von überdurchschnittlicher Stärke (eins hat seinen eigenen Wikipediaartikel geerntet). Die Locals sind dies schon gewohnt und ließen sich nicht aus der Ruhe bringen. Für jemanden, der noch nie ein Erdbeben erlebt hat, war das Ganze aber schon eindrücklich.

Geld

Taiwans Währung sind Taiwan Dollar (TWD). Es wird sehr viel in bar bezahlt, gerade wenn man außerhalb Essen geht. Ich habe mir Geld zum Wechseln mitgenommen, schlussendlich aber immer mit der Kreditkarte Geld abgehoben. Die überall vorhandenen 7/11 Convenience Stores haben ATM Maschinen.

Sprache

In Taiwan spricht fast jeder Chinesisch. Im Süden Taiwans wird auch viel Taiwanesisch gesprochen, meistens können die Leute beide Sprachen. Allerdings gibt es auch ältere Personen, die nur Taiwanesisch verstehen. Englischkentnisse schwanken stark von Person zu Person, die meisten Leute sind aber immer stets bemüht.

Verkehrsbindungen

Die Zugverbindungen sind in Taiwan sehr gut, man kann das Ganze Land bereisen. Innerhalb von Hualien ist der Verkehr leider nicht sehr gut ausgebaut. Es gibt eine Buslinie. Unsere contact persons haben uns Fahrräder organisiert. Ansonsten gibt es eine Hotline (0800-046-046), bei der man pro Taxifahrt innerhalb Hualiens Stadtzentrum immer 100 TWD (ca. 3 Euro) bezahlen muss. Allerdings empfiehlt sich das eher, wenn man auf Chinesisch bestellen kann.

Kommunikation

Am Flughafen gibt es günstige SIM-Karten. Ein Monat unlimited Date kostete ungefähr 30 Euro. Für 5 Wochen gab es einen ebenfalls günstigen Deal für einen Monat unlimited und 1 Woche 20GB on top. Die Netzwerke sind besser ausgebaut als in Deutschland, so guten Empfang hatte ich noch nie.

Unterkunft

Wir sind kostenlos im Wohnheim des Krankenhauses untergekommen. Es sind große, klimatisierte 4er-Dorms mit einem geteilten Bad. Die Zimmer sind geschlechtergetrennt und Besuch des anderen Geschlechts ist offiziell nicht erlaubt. Draußen auf dem Gang gibt es Automaten mit heißem und kaltem Wasser. Bettwäsche wird gestellt. Während meiner Wohnzeit hatte ich ich eineinhalb Wochen eine Nachbarin, den Rest der Zeit war ich allein. Die Zimmer sind nicht besonders sauber und im Bad gibt es Schimmel. Das sollte man bedenken, falls man in dieser Hinsicht besonders empfindlich ist.

Literatur

Ich habe mir keine Bücher für Taiwan gekauft. Hauptsächlich habe ich mich auf Reiseblogs informiert. Es gibt einen Kanadier namens Nick Kembel, der mittlerweile in Taiwan lebt und sehr ausführliche Empfehlungen schreibt.

Mitzunehmen

Regenschirm und Regenjacke haben sich für mich als sehr nützlich erwiesen. Ebenfalls sinnvoll ist ein Schloss, wenn man sein Eigentum wegschließen möchte. In Hualien gibt es spezielle, kleine Mücken („xiao hei wen“), die sich gerne an einem austoben. Deswegen kann ich auf jeden Falll Fenistil empfehlen. Eine Reiseapotheke mitzunehmen ist sicherlich sinnvoll. Man kann auch alles vor Ort in der Apotheke erstehen, ohne Chinesischkentnisse ist aber natürlich Glückssache, wie gut Englisch verstanden wird.

Reise und Ankunft

Vor meiner Famulatur war ich noch in China und bin von dort aus nach Taipei geflogen. Von dort aus fährt man zwei Stunden mit dem Zug nach Hualien. Da wir spät nachmittags in Taipei ankamen wurde uns von unseren contact persons empfohlen, die erste Nacht in Taipei zu verbringen, da sie befürchteten, dass wir evtl zu spät sein würden, um im Wohnheim einzuchecken. Am nächsten Tag fuhren wir also mit dem Zug nach Hualien. Unsere contact persons haben uns abgeholt, uns zum Wohnheim gebracht und sind mit uns Essen gegangen.
In der Klinik braucht man Arbeitskleidung. Helle Oberteile, dunkle Schuhe und dunkle Hosen werden verlangt. Dies wurde uns leider erst relativ spät auf Nachfrage gesagt, also informiert euch besser. Beim Studiendekan, der Dermatologe ist, war es für Männer Pflicht Krawatte zu tragen.

Tätigkeitsbeschreibung und fachliche Eindrücke

Am ersten Tag wurden wir von unseren contact persons zum Sekretariat gebracht, wo wir verschiedenen Papierkram ausfüllen mussten. Das Ganze ging recht schnell, danach wurden wir zu unseren Stationen gebracht.
Ich war vier Wochen in der Dermatologie eingeteilt. Die Studenten vor Ort haben zweiwöchige Rotationen in der Dermatologie, diese habe ich dann zweimal durchlaufen. Die Rotationsgruppen sind sehr klein, ich hatte immer jeweils mit zwei anderen heimischen Studenten Unterricht.
Der Alltag bestand hauptsächlich darin, dass man verschiedenen Ärzten in der Ambulanz bei ihrer Arbeit beisitzt. Der Unterricht fand für mich auf Chinesisch statt, als mein Freund in Woche 3 und 4 dazu kam, wurde auch manchmal auf Englisch ergänzt. Das Teaching hing vom jeweiligen Arzt ab, war aber oft eher passiv. Von meinen Kommilitonen habe ich erfahren, dass die Dermarotation von allen Fächern am meisten Anwesenheitpflicht hat. Zu meiner Zeit war Freitag komplett und montags und dienstags vormittags fakultativ. Ansonsten ist man morgens von 8-12 und nachmittags von 2 bis 5.30-7 in der Ambulanz oder Fallbesprechungen. Positiv hervorzuheben ist, dass man durch die hohe Anzahl an Patienten, die tagtäglich durch die Ambulanz geschleust werden, viele verschiedene Krankheitsbilder zu Gesicht bekommt und sein Auge schulen kann.
Innerhalb der Rotation gab es jeweils ein Meeting, bei dem die Studenten entweder Patienten oder ein Paper vorstellen mussten. Uns wurde erlaubt ein Paper auf englisch vorzustellen.
Interessant fand ich wie gering der Anteil an Hautkrebspatienten tatsächlich war. In Taiwan gibt es keine standardisierten Hautkrebsscreenings. Weiterhin wird fortgeschrittener Hautkrebs auch nicht in der Dermatologie sondern in der Onkologie behandelt. Ebenfalls spannend fand ich wie anders verschieden Hautpathologien auf dunkleren Hauttypen aussehen können.
Private Niederlassungen sind in Taiwan nicht sehr typisch, wodurch das Krankenhaus eine der ersten Anlaufstellen für die Patienten wird. Dies hatte zur Ursache, dass auch viele Patienten mit einfachen Krankheiten wie Warzen und Fußpilz in die Ambulanz kamen.
Eine weitere nennenswerte Erfahrung war mit einem der Ärzte. Er war 84 Jahre alt und konnte auch keinen Computer bedienen, weswegen immer ein Assistenzarzt für ihn dokumentiert hat. Ganz im Sinne der alten Schule mussten die Studenten bei ihm stehen, während Patienten anwesend waren, um Respekt zu zeigen. Die Ärzte und Krankenschwestern durften sitzen. Bis zu drei Stunden Stehzeit konnten schonmal vorkommen. Das hab ich so auf jeden Fall zum ersten Mal erlebt.

Land und Leute

Fast alle Taiwanesen, die wir getroffen haben waren sehr freundlich und offen. Grundsätzlich sind die Erfahrungen, die man mit Leuten macht natürlich sehr individuell abhängig. Bei meiner ersten zweiwöchigen Rotation hatte ich eher Pech, da meine Mitstudenten sehr für sich blieben und anfangs fast kein Wort mit mir wechselten, wenn ich nicht gerade eine Frage hatte. Begrüßungen und Verabschiedungen meinerseits wurden anfangs auch komplett ignoriert. Ich glaube, dass dieses Verhalten auch auf Schüchternheit beruht hat, besonders angenehm war es aber nicht. Solche Erfahrungen kann es ja natürlich immer mal geben. Da ich aber auch ähnliche Geschichten von anderen Austauschstudenten gehört habe, wollte ich es nicht außen vor lassen. Auf der anderen Seite waren die Kommilitonen der zweiten Rotation wirklich sehr nett und haben mich und meinen Freund auch mal zum Essen eingeladen.
Ansonsten waren unsere contact persons ganz großartig und haben sich wirklich viel Mühe mit uns gegeben. Sie sind oft mit uns Essen gegangen und haben uns unterschiedliche Landesspezialitäten gezeigt. Am Anfang und am Ende wurde ein größeres Willkommens- und Abschiedsessen für uns organisiert.
Die politische Situation mit Festland-China ist natürlich sehr komplex und angespannt. Ich habe mich in dieser Hinsicht sehr zurück gehalten mit Fragen, da ich nicht ganz sicher war, wie man zu mir stehen würde, aufgrund meiner chinesischen Wurzeln. Bis auf ein kleineres seltsames Erlebnis habe ich aber keine schlechten Erfahrungen machen müssen deswegen.
Taiwan als Land empfinde ich als gutes Einstiegsland für Leute die zum ersten Mal nach Asien reisen möchten, da der Kulturschock hier glaube ich nicht ganz so groß ist. Beispielsweise ist es weniger voll und unruhig, als ich es von China gewohnt bin.
Kulinarisch gesehen ist Taiwan wirklich ein Traum. Das Essen ist unglaublich günstig und gut, wodurch man wirklich aus dem Vollen schöpfen kann. Viele Wohnungen haben in Taiwan keine Küchen, da es so gang und gäbe ist auswärts essen zu gehen. Dem günstigen Essen werde ich auf jeden Fall noch sehr lange hinterher trauern. Probiert euch unbedingt durch!
Ich kann jedem empfehlen zusätzliche Zeit vor oder nach der Famulatur einzuplanen, um das Land zu bereisen, Taiwan ist wunderschön und hat vieles zu bieten. Einer meiner Lieblingsausflüge war zum Sun-Moon-Lake. Ansonsten ist Taipei natürlich sehr sehenswert. Guckt euch auf jeden Fall das Chiang-Kai-Shek Memorial und das Taiwan National Palace Museum an. Mein liebster Tempel war der Long-Shan Tempel. Grundsätzlich gibt es aber überall Tempel wie Sand am Meer in ganz Taiwan. In vielen, die ich besucht habe herrschte sehr viel Betrieb mit ganz bunt durchmischten, betenden Menschen. Man merkt, dass Spiritualität in Taiwan noch viel gelebt wird und einen Teil des Alltags für die Menschen bildet. Zusätzlich zu den Tempeln gibt es auch öfters kleine Schreine an denen man beten und Opfer geben kann.

Fazit

Ich kann es jedem, der sich überlegt eine Famulatur in Taiwan zu machen wirklich wärmstens ans Herz legen. Besonders viel gelernt habe ich ehrlich gesagt nicht, das lag allerdings auch nicht in meinen Erwartungen. Ich plane auf jeden Fall nochmal wieder zu kommen und mehr von diesem Land zu erkunden.

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