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Ethiopia (EMSA)

Innere - SCOPE (Famulaturaustausch)
von Dario, Freiburg

Motivation

Ich habe bereits drei andere Famulaturen im Ausland gemacht, war aber noch nie im subsaharischen Raum. Das Interesse an etwas völlig Neuem hat mich auf Äthiopien gebracht. Daneben rein praktische Gründe wie das noch relativ angenehme Klima in den Trockenzeiten und die Malaria-Freiheit waren große Gründe für mich. Auch die Tatsache des größten Wirtschaftswachstums Afrikas, die politische Stabilität (neue Regierung mit Abiy Ahmed, keine politisch Inhaftierten mehr, enormer Sprung bei Pressefreiheit s. Reporter ohne Grenzen) und die oft dargestellte Gastfreundlichkeit der Äthiopier ließ mich auf das Land stoßen.
Mein Erstwunsch war Ghana, der Zweitwunsch Äthiopien wurde erfüllt, allerdings wollte ich gern in kleinere Städte wie Gonder oder Bahir Dar. Im Nachhinein erfuhr ich, dass sie garnicht mehr dorthin aussenden aus sicherheitspolitischen Gründen (ich war dann beide Städte bereisen und habe dort von Unruhen o.ä. rein gar nichts mitbekommen; auch das auswärtige Amt erwähnt dahingehend nichts). Das fand ich etwas enttäuschend von der Organisation. Angeboten werden bis zu 8 Städte, entsendet aber nur ins St. Paul und Black Lion beide in Addis. Das sollte informationstechnisch besser geregelt sein.

Vorbereitung

Ich habe mir von Freunden und Kommilitonen wie auch den vorherigen Exchanges des bvmds, die bereits in Äthiopien oder anderen ostafrikanischen Ländern waren, Tipps geben lassen. Zudem habe ich mir einen Reiseführer gekauft (lonely planet) und während der ersten Tage die wichtigsten Worte auf amharisch gelernt. (Wenn man nicht ständig zu viel zahlen will auf jeden Fall auch die Zahlen lernen!) Außerdem las ich einige Reiseblogs.
Die Vorbereitung war also generell recht unkompliziert.
Leider habe ich anstatt den versprochenen spätestens 8 Wochen vor Famulaturbeginn erst eine offzielle BVMD Zusage 6 Wochen vorher bekommen. Anschließend durfte ich sogar feststellen, dass das Land Äthiopien aus der offziellen Länderliste rausgenommen wurde, was meine Vorbereitung und Vorfreude etwas dämmte. Ich ging das Risiko ein und buchte meinen Flug bereits 3 Monate vorher, sonst wären die Preise enorm hoch gewesen. (Die Bestätigung meines Fahrtkostenantrags kam letzendlich auch erst als ich wieder zurück in Deutschland war.)
Eine Unsicherheit, die nicht hätte nötig sein müssen, von äthiopische Seite, bei der es so lange dauerte bis die Bestätigung kam sowie deutscher mit der Nicht Information, warum Äthiopien aus dem Programm genommen wurde und die ewige Prozedur des Fahrkostenzuschuss (FKZ). Reicht den FKZ sofort ein, wenn ihr das Land bekommen habt. Es wurde berichtet, dass diejenigen, die den FKZ nicht bis 3 Monate vor Famulatur Beginn eingereicht hatten, nicht berücksichtigt werden konnten, da insgesamt nicht für jeden ein Zuschuss bewilligt werden kann.

Visum

Auch die Beantragung des Visums lief recht glatt. Seit einiger Zeit gibt es ein E-Visum online zu beantragen, was gut klappt wenn man nicht auf die vielen Fake-Visa-Websides reinfällt, die entweder nicht funktionieren oder überteuert sind. - Muss in jedem Fall folgende sein: https://www.evisa.gov.et/#/home )
Ich habe dann ein single entry Besucher-Visum für 3 Monate beantragt - das Arbeitsvisum ist teurer. Und es ist egal, welches genutzt wird. Es wurde nirgends nochmal danach gefragt.

Gesundheit

Vorher einen Termin beim Tropenmediziner machen und den Impfstatus checken. Obwohl als Mediziner wir das eigentlich auch selber können. Tollwut ist wichtig, da es vorort keine Immunglobuline für den Fall der Fälle gibt und es doch einige Fälle von Tollwut auch in der Hauptstadt gibt...Sonst raten sie einem neben den bereits vorhandenen (Hep A+B etc..) noch Meningokokken ACWY, Typhus, Gelbfieber und evtl Cholera Schluckimpfung.
Außerdem habe ich Antimalariamittel (Malarone) als Stand-By-Medikation mitgenommen, was man in der Haupstadt und den meisten Reisezielen nicht braucht.
In Äthiopien war ich mit vielen Fällen von Tuberkulose konfrontiert. Es gab keinerlei Vorkehrungen oder Isolation für diese Patienten. Man ist für seinen Schutz also selbst verantwortlich.
Insgesamt eine gute Reiseapotheke ist sinnvoll. Ich hatte neben Durchfallmedikamenten und einigen Antibiotika auch eine Postexpositions Prophylaxe von HIV dabei (gibt es gratis bei HIV Praxen oder in der Infektio). Zum Glück brauchte ich bis auf die Durchfallmedikamente nichts weiteres.

Sicherheit

Ich habe mich in Addis meist recht sicher gefühlt. Der Campus wurde rund um die Uhr von bewaffneten Sicherheitsbeamten bewacht. Äthiopien zählt als eines der sichersten afrikanischen Länder, was wahrscheinlich auch etwas mit der hohen Religiösität der meisten Menschen zu tun hat. (Übrigens ist quasi das gesamte Land Nichtraucher) Wir hatten zwar oftmals ein komisches Gefühl – vor allem in der Dunkelheit (also ab 18:30), wurden aber abgesehen von Teenagern in Addis, die immer auf gleiche Weise versuchen an das Handy in der Hose zu gelangen, niemals ernsthaft bedroht. (Auch wenn einem viele Äthiopier verklickern wollen, dass überall Raubüberfalle passieren und man aufpassen soll.) Taxi, oder vergleichbare Appswie uber sind aber auch nach Einbruch der Dunkelheit recht sicher. Immer darauf achten, dass die Scheinwerfer im Dunkeln eingeschaltet werden.
Man wird lediglich ständig von Bettlern belagert; das ist aber eher nervig als gefährlich. Außerdem muss man sich an das Gefühl gewöhnen, sich immer und überall als echter Ferenji (so rufen sie Ausländer) zu fühlen. Ständig wird man angequatscht, teilweise unangenehm um Geld oder Essen gebeten, berührt oder an einem gezerrt.

Geld

Die Währung in Äthiopien sind Birr. Man kann sehr leicht Dollar oder Euro in Birr umtauschen, andersherum ist es allerdings fast unmöglich.
Es wird fast überall nur Bargeld akzeptiert. Das Abheben mit Kreditkarte geht an den meisten Geldautomaten im gesamten Land aber ohne Probleme (teilweise hat die Kredikarte aber ein Limit wie viel insgesamt abgehoben werden muss).
Ich habe mir in Deutschland keine Birr besorgt, sondern direkt am Flughafen in Äthiopien Geld abgehoben. Das ging problemlos.
Die Lebenshaltungskosten sind deutlich günstiger als in Deutschland. Für eine Mahlzeit im Restaurant hat man selten mehr als 2,5€ gezahlt. Auch öffentliche Verkehrsmittel sind wahnsinnig günstig. Taxis hingegen relativ teuer. Blaue Ladas arbeiten privat, hier muss gehandelt werden, Gelbe haben ein Taximeter. Lieber mit den Uber Äquivalenten wie „Zayride“ oder „Ride“ fahren, da muss zumindest nicht beim Preis gehandelt werden. Nachts ist es immer teurer. Nachts fahren wird insgesamt wenig gemacht. Zu schlechte Ausleuchtung der Sraßen, fragwürdige Fahrstile und Tiere auf der Fahrbahn sind einige der Gründe.
Unterkünfte sind auch vergleichsweise teuer. 8 -15 Euro pro Person/pro Nacht in basic Hotels und sobald es etwas mehr sein soll 50 Euro pro Nacht.
Touristische Sachen sind direkt enorm teuer.

Sprache

In Äthiopien werden viele Sprachen gesprochen. Die offizielle Landessprache ist aber amharisch, was auch in Addis gesprochen wird.
Das Studium ist für die Medizinstudenten auf Englisch. Grundkenntnisse sind also sowohl bei Studenten, als auch bei Ärzten vorhanden. Die beiden Sprachen werden viel gemischt. Der starke Akzent und vor allem das leise Reden machen die Kommunikation trotzdem teilweise sehr schwierig. Gerade während der Visite wird sehr leise geredet. Patienten sprechen meist nur amharisch oder eine lokale Sprache; man ist also immer auf einen Übersetzer angewiesen.

Verkehrsbindungen

Ich war insgesant 6 Wochen da, bin die ersten zwei Wochen in den Norden gereist (Gonder, Bahir Dar, Simien Montains – für mich das Highlight – und Lalibela) und habe mehrere Wochenendtrips (Debre Zeyit, Awash Nationalpark, Lake Langano) gemacht.
Wenn man mit Ethiopian Airways ins Land fliegt oder Resident ist, bekommt man alle Inlandsflüge für die Hälfte des Preises. Am Ende waren die Busfahrten teilweise so lang, kompliziert, unkomfortabel und unsicher, dass ich einmal fliegen musste. Bedenkt das also bei eurer Flugauswahl! Die Flüge sind sicher und sehr schnell.
Es gibt keine Nachtbusse, da es nachts verboten ist zu fahren und auch zu gefährlich ist.

Kommunikation

Viel wird in Äthiopien noch telefoniert. Das mobile Internet ist vergleichsweise teuer und wird von vielen nur ab und zu tagsüber angeschaltet. Als Messenger wird meist Telegram, aber auch Whatsapp genutzt.
Ich hatte eine Simkarte von ethiotelecom (es gibt nur einen staatlichen Anbieter und nur bei offiziellen Verkaufsstellen, wo mit Reisepass erschienen werden muss). Hier gibt es verschiedene Pakete, monatlich können verschiedene GB Mengen drauf geladen werden. Meist funktioniert das Internet recht gut und ich hatte 3G bis 4G.
Wlan ist häufig Mangelware. Ich war vielleicht in drei oder vier Cafes, die welches hatten, ebenso in Unterkünften. Und im Krankenhaus hatten nur die Senior Residents den Zugang.

Unterkunft

Über die Unterkünfte könnt ihr euch bei den anderen Erfahrungsberichten informieren, ich empfand es als zu rudimentär um im unisex Dorm auf dem Campus 4 Wochen zu bleiben und habe in zwei AirBnB's, einem Hotel und bei einem Studenten gewohnt, was gut geklappt hat. Als ich in Addis war, gab es im gesamten Krankenhaus und dementsprechend auch in den Dorms der Studenten kein Wasser, was unter anderem den Geruch erklärte... Zudem gab es keine Möglichkeit seine Wertsachen wegzuschließen und die Tür des Dorms war immer offen. Zudem brannte immer das Licht und mit der Rücksichtsnahme nachts war es nicht so gut bestellt. Außerdem musste Bettzeug selbst mitgebracht werden. Sich auf 100m dem Dorm der Frauen zu nähern wird mit einem Jahr Ausschluss aus der Universität bestraft.
Man bekommt anscheinend drei Mahlzeiten finanziert, ich habe allerdings erst auf mehrfacher Nachfrage meiner Kontaktperson Geld für ein Mittagessen täglich bekommen. (20€ im Monat)
Außerdem fällt 2-3 mal die Woche in Addis der Strom aus. Teilweise hat man auch mal einen Tag lang kein fließendes Wasser. Genauso übrigens im Krankenhaus.

Literatur

Es gibt ein empfehlenswertes Buch „Der Mann, der den Tod auslacht“ von einem deutschen Journalsiten, der für längere Zeit in Äthiopien lebte und von seinen dortigen Erlebnissen berichtet.
Außerdem hatte ich den Lonley Planet Ethiopia. Der "Bradt" wurde auch von vielen Reisenden benutzt und erwies sich häufiger als noch genauer und informativer als der Lonley Planet. Ein zweites Mal würde ich eher zum Bradt tendieren.

Mitzunehmen

Mitzunehmen
Ich kann nur jedem empfehlen, sich umfangreich mit Handschuhen, Mundschutz (ggf. FFP3 Masken, Tuberkulose Fälle sind nicht hinreichend isoliert) Desinfektionsmittel (ich hatte 1 Litter dabei und habe dann in die kleinen Flaschen für unterwegs abgefüllt) und allem, was man sonst im Krankenhaus brauchen könnte, auszustatten. Im Krankenhaus fehlt es an vielem.
Kittel ist ein Muss. Arbeitskleidung wird dort nicht gestellt. Thermometer, Stethoskop, Reflexhammer, Maßband, Pupillenleuchte usw. können auch mitgenommen werden und werden auch je nach Fach häufig gebraucht.
Da ich eine Woche mit einer Lebensmittelvergiftung flach lag, ist mein wichtigster Tipp Elektrolyt Pulver (Elotrans aus der Apotheke).
Deckt euch genügend mit Süßigkeiten, Salz, Pfeffer, evtl Haferflocken oder ähnlichem ein. (Zumindest wenn man keine Lust hat, dreimal täglich Injera zu essen).

Reise und Ankunft

Mit meiner einen Kontaktperson habe ich mich direkt am ersten Tag getroffen. Eventuelle Flughafen-Abholung wurde nicht erwähnt. Bemüht war er, allerdings hätte ich mir generell eine bessere Organisation gewünscht. Beispielsweise hat er an meinem ersten Arbeitstag vier Stunden auf sich warten lassen. Von dem auf der bvmd Seite erwähnten social program war leider rein gar nichts zu spüren. Wenn man sich getroffen hat, war es meist meiner Initiative geschuldet. Ich wurde zwar einer Station zugeordnet, habe aber nie einen wirklich Verantwotlichen an meiner Seite gehabt. Offizielle Begrüßungen o.ä. gab es leider auch nicht.
Nach dreieinhalb Wochen traf ich erst zum ersten mal den Head of Department.

Tätigkeitsbeschreibung und fachliche Eindrücke

Meine eigentliche Kontaktperson leitete mich über eine andere Person zu einer dritten, die mich auf eine der Inneren Station bringen sollte. Groß vorgestellt wurde ich nicht. Die große Verantwortungsfrage blieb eigentlich bis zum Ende ungeklärt, sodass ich mich eher jeden Morgen nach dem doch sehr interessanten Morningtalk (eine Stunde morgens, Fortbildung und Fallvorstellungen- hier unbedingt in die ersten Reihen setzen, sonst kann man sie nicht verstehen) erneut fragte, was ich heute zu tun habe. Letztendlich stelle ich für mich fest, dass es das Beste ist, für mich selbst zu entscheiden wem ich mich anschloss, weil ich nirgendwo fehlte und ich so doch einiges mitnehmen konnte.
Einige Ärzte sind wahnsinnig nett, fachlich höchst kompetent und bereit, einem Dinge zu erklären. An diese sollte man sich so schnell wie möglich hängen.
Leider sind die meisten Studenten und Ärzte aber eher skeptisch als offen, entweder ignorierten sie mich oder starrten mich argwöhnisch an. Das Gefühl des Aliens habe ich leider auch über die vier Wochen nicht ablegen können obwohl ich sehr bemüht war, immer wieder auf sie zuzugehen.
Das war für mich eine der ernüchternsten Sachen, was ich so niemals erwartet habe und ich bis zum Ende nicht mal annährend in einen kollegialen Kreis aufgenommen wurde.

Die Fälle dort sind meistens extrem spannend, da viele Leute leider erst ins Krankenhaus kommen wenn es bereits stark vorangeschritten ist und sie die Schmerzen nicht mehr aushalten. (Vorher wird häufig noch auf traditionelle Medizin und heiliges Wasser vertraut) Aus dieser Perspektive gesehen war es also sehr interessant über die Station zu laufen und sich die verschiedenen Fälle anzuschauen. Wenn man allerdings gerne möglichst viel praktisch lernen und machen will, ist man zumindest auf der Inneren am falschen Fleck. Ich habe nach 3 Wochen den ersten Ptatienten untersucht. Dadurch, dass es die größte und renommierteste Uni des Landes ist, sind wahnsinnig viele Ärzte, Studenten und Pjler auf Station, sodass die Visite meistens mit 30 Leuten stattfindet. Hier wird so leise gesprochen, dass man sich in die erste Reihe drängeln muss um annähernd etwas zu verstehen.
Dazu kommt die Sprachbarriere, da die Patienten kein Englisch sprechen und sowieso die Kommunikation nicht groß geschrieben wird zwischen Arzt und Patient...Genausowenig ist es leider um die Zwischenmenschlichkeit und Empathie gestellt. Häufig war ich geschockt wie mit den Patienten und Angehörigen umgegangen wird.

Ich habe mich am Ende an Professoren gehängt, die größtenteils Nordamerikander sind und einige Zeit nach Äthiopien kommen um Lehre zu betreiben. Hier konnte ich den Regel am meisten mitnehmen.
Generell ist es frustrierend zu sehen, wie viel die Studenten und Ärzte wissen und dass es dann häufig an den nicht vorhandenen Ressourcen scheitert.

Land und Leute

Leider habe ich während meines Aufenthalts viele Leute kennengelernt, die mir eher skeptisch als offen gegenüberstanden. Das Reisen war häufig enorm schwierig, weil die Menschen so etwas wie Backpacking nicht kennen. Alles auf eigene Faust zu organisieren kann auf Dauer sehr anstrengend sein. Trotzdem würde ich jedem empfehlen, die Reise vor allem in den Norden zu machen. Die Städte Gonder und Bahir Dar sind interessant und vor allem die Simien Mountains sind die Anstrengung wert. Man sollte sich vorher überlegen, ob man bereit ist einige Strecken zu fliegen. Das erleichtert Vieles.
Als Kurztrips aus Addis Abeba bietet sich Debre Zeyit (Vulkanseen 2h entfernt) oder campen am Lake Langano. In beiden Seen darf geschwommen werden, was an der bestimmten Mineralien Mischung liegt, die die Vermehrung der Bilharziose nicht möglich macht. Außerdem ist der Awash Nationalpark gut zu erreichen. Am einfachsten ist es jedoch mit einem eigenen Auto. Da sonst auch kurze Strecken sehr viel Zeit in Anspruch nehmen oder sich für den Awash tatsächlich eine Tour zu buchen.
In Addis probierte ich die Wochen so gut es geht herum zu bekommen. Schöne Plätze zu finden war leider gar nicht so einfach. Es lohnt sich eine kleine Wanderung auf den Entoto Berg. Die Besichtigung der vielen Museen gehört auch dazu, obwohl teilweise doch eher nur mäßig aufbereitet. Eine traditionelle Tanzshow ist ein Muss. Als Streetfood war ich sehr von den Pommes (frisch und selbst gemacht) begeistert und auch noch sicher.
Insgesamt ist alles gut selber organisierbar, jedoch ist es teilweise sehr schwierig die adäquate Information zu erhalten und eigenständiges Reisen ist auch körperlich anstrengend (keine richtigen Sitzplätze im Bus, schlechte Straßen und herumgehuppele, (nennt sich auch die African Massage, wenn mal wieder der Kopf im Minibus gegen die Decke schlägt), laute und überfüllte Busbahnhöfe)
Viele Äthiopier sind sehr stolz auf ihr Land und berichten einem gerne spannende Anekdoten über die lange Geschichte des Landes. Die orthodoxe christliche Kirche und Religionsausübung bietet viele interessante Aspekte, die mir vorher nicht so bewusst waren. Zum Beispiel werden neben der Bibel 82 andere religiöse Bücher mit anderen Geschichten genutzt. Mittwochs und Freitags ist Feiertag. An diesen Tagen wird gefastet und morgens wird wie von einem Muezzin zum Gebet gerufen.
Gleichzeitig leben Christen und Muslime friedlich miteinander. Auf einer Hochzeit war nach Religionszugehörigkeit getrennt (Christen dürfen Alkohol und Schweinefleisch) und dann ab einer bestimmten Uhrzeit der Vorhang gelüftet und zusammen gefeiert. Die Religion spielt eine große Rolle im Land.
Spannungen gibt es eher Ethnien abhängig. Wir wurden von Angehörigen der Amhara (herrschende Ethnie) auch zur Vorsicht gegenüber den "wirklich Schwarzen" angehalten. Konflikte zwischen Amhara und Oromia (bevölkerungsreichste Ethnie) gibt es immer wieder.

Fazit

Wie kann ich es gut ausdrücken?!
Ich würde es, würde ich vor der Reise stehen wiedermachen, aber nun im Nachhinein würde ich nicht nochmal nach Äthiopien fahren. Ich bin froh über die Erlebnisse und Eindrücke, die mich sicher auch lange begleiten werden. Leider war vieles vor Ort, sagen wir, nicht nach meinem Geschmack. Mit einem so kompliziertem und super anstrengendem Reisen habe ich nicht gerechnet. Viele Äthiopier waren unaufgeschlossen, abwehrend und teilweise mir gegenüber xenophob eingestellt. Ich fühlte mich häufig nicht willkommen. Die viele betitelte Gastfreundlichkeit erfuhr ich nur 1-2 mal. Man sollte sich auf ständige Action am Tag einstellen.
Teilweise wird Äthiopien als „Einsteiger“ Afrika Reiseland beschrieben. Da kann ich mir beim besten Willen nicht vorstellen, woher dieser Eindruck kommt. Auch nach vielen Gesprächen mit anderen subsahara Reisenden wurde dieser Eindruck nicht revidiert und der Gedanke, dass ich häufig Pech oder es an mir liegt wurde widerlegt. Für viele Reisende ist es schwer vor Ort.
Sicherlich ist es durch gute Connection vor Ort einfacher und der Aufenthalt könnte anders verlaufen. Daher kommt womöglich auch mein Unmut gegenüber der dortigen Organisation, die sich nicht darum kümmerte mir das Leben vor Ort zu vereinfachen, sondern teilweise es noch unnötig durch irgendwelche blöden Formalien erschwerte.
Eine gute Sache zum Schluss. Abgesehen von ein paar Taschendieben fühlte ich mich allermeistens sehr sicher was Gewalttaten angeht. Gefühlt ist das ganze Land Nichtraucher, es gibt viel veganes Essen (fastenbedingt) und es wird häufig gefastet.

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