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Spain (IFMSA-Spain)

Gynäkologie - SCOPE (Famulaturaustausch)
Anonym

Motivation

Ich war zuvor bereits für zwei ERASMUS Semester in Spanien gewesen und wollte den Austausch als Gelegenheit nutzen meine Sprachkenntnisse zu verbessern und gleichzeitig einen Einblick in das Fachgebiet der Gynäkologie und Geburtshilfe zu bekommen. Natürlich freute ich mich auf die Aussicht den Norden von Spanien und seine wundervollen Landschaften entdecken zu können.

Vorbereitung

Nach der Bewerbung bekam ich im Dezember eine vorläufige Zusage und die Information ich müsse alle notwendigen Unterlagen (unter anderem ein Führungzeugnis) innerhalb von 15 Tagen einreichen. Letztendlich habe ich einige Unterlagen erst etwas später eingereicht, was allerdings kein Problem darstellte.
Da die Suche nach einer Unterkunft von der Gastorganisation in Spanien übernommen wurde, beschränkte sich meine Vorbereitung auf das Buchen von Flug und Zugtickets. Sprachlich fühlte ich mich nach vorheriger Aufenthalte in Spanien und einem Semesterkurs an meiner Uni sehr gut vorbereitet.
Kurz bevor es los ging habe ich noch einen genauen Treffpunkt mit meiner „contact person“ ausgemacht und mich versichert, dass alle notwendigen Dokumente angekommen sind.

Visum

Ich musste keines beantragen.

Gesundheit

Mit der europäischen Krankenversicherungskarte wird man in Spanien behandelt.

Sicherheit

Santiago de Compostela ist eine niedliche, kleine Stadt, in der man sich um Sicherheit eigentlich keine großen Sorgen machen muss.

Geld

In Spanien zahlt man mit dem Euro, die Lebenshaltungskosten sind etwa vergleichbar mit denen in Deutschland. Wir hatten leider keine Küche, sodass ich schließlich doch um einiges mehr ausgegeben habe, als ich es in einem Monat in Deutschland getan hätte.
Man kann überall Geld abheben, meistens kostet das eine Gebühr von 5-6 Euro mit einem deutschen Girokonto, Kartenzahlung ist auch überall üblich und möglich.

Sprache

Im Krankenhaus und auch in der Stadt wurde zum Großteil Spanisch gesprochen, sodass ich eigentlich keine Verständigungsschwierigkeiten hatte.
Zwar sprechen die meisten Menschen auch galizisch, im Krankenhaus und in der Stadt hört man allerdings überwiegend Spanisch.
Meine spanische „contact person“ hat mich einmal in das Dorf eingeladen aus dem sie kommt, wo ich die Gelegenheit hatte ihr Großeltern kennen zu lernen, die tatsächlich ausschließlich galizisch sprachen. Es klingt ein bisschen wie eine Mischung aus Spanisch und portugiesisch und gefällt mir persönlich sehr gut.
Insgesamt findet aber der Alltag auf Spanisch statt.
Während ich in Santiago war, waren noch 2 weitere Austauschstudierende da, die ausschließlich Englisch sprachen. Sie kamen ebenfalls gut zurecht, auch wenn sie erzählt haben, dass viele Spanier das Gefühl haben ihr Englisch sei schlecht und sich ein wenig genieren zu sprechen.

Verkehrsbindungen

Es gibt einen Flughafen in der Nähe von Santiago. Busse fahren aus der Stadtmitte mehrmals täglich dorthin, es dauert etwa 20-30 Minuten den Flughafen zu erreichen. Da der Flughafen recht klein ist und ich keinen halbwegs bezahlbaren Flughafen gefunden habe, bin ich schließlich nach Madrid geflogen, habe die Stadt besucht und bin einen Tag später mit dem Zug in 4 Std. nach Santiago gefahren.
In Santiago selbst kann man eigentlich überallhin laufen. Ansonsten kommt man mit Zug oder Bus überall gut und bezahlbar hin.

Kommunikation

Wir hatten Wlan in der Unterkunft, außerdem wurde das Roaming in der EU abgeschafft, also alles problemlos möglich.

Unterkunft

Ich habe mir ein Zimmer in einem Hostal geteilt. Meine Mitbewohnerin war Holländerin und machte zu selben Zeit einen Forschungsaustausch in Santiago. Wie haben uns gut verstanden, sodass es nicht schlimm war für einen Monat ein Zimmer zu teilen.
Leider hatten wir keinen Aufenthaltsraum und keine Küche oder Kühlschrank, sodass wir immer auswärts essen mussten. Wir haben dafür eine freie Mahlzeit in einer Art Cafeteria bekommen. Das Bad haben wir mit den anderen Bewohner des Hostals geteilt. Die anderen Bewohner waren Pilge und meist nur wenige Nächte da, insgesamt war es die ganze Zeit aber ziemlich ruhig und wir haben wenig von ihnen mitbekommen.
Unsere Unterkunft war direkt am zentralen Platz der Stadt, sodass wir das Krankenhaus, die Altstadt und die studentischen Bars gut fußläufig erreichen konnten.

Literatur

Ich habe mir keine spezifische Literatur vor der Reise besorgt. Wen man möchte kann man sich natürlich einen Reise oder Wanderführer über die Region besorgen, ich hielt es allerdings nicht für notwendig.

Mitzunehmen

Im Krankenhaus muss man sein eigenes Stethoskop und einen weißen Kittel mitbringen.

Reise und Ankunft

Bei der An- und Abreise hat alles problemlos geklappt. Ich wurde sogar von meiner Kontaktperson am Bahnhof abgeholt und zur Unterkunft gebracht. Am ersten Tag wurde ich zum Krankenhaus begleitet und mir wurde alles gezeigt und erklärt.

Tätigkeitsbeschreibung und fachliche Eindrücke

Ich habe mein Praktikum im Krankenhaus von Santiago de Compostela in der Gynäkologie und Geburtshilfe gemacht.
Am ersten Tag habe ich einen Spintschlüssel bekommen und wurde der Ärztin vorgestellt, die für mich während des Aufenthalts verantwortlich war. Sie erklärte mir, dass sie die Austauschstudierenden normalerweise fest einem Arzt/Ärztin zuteilen würden, da ich ja aber gut Spanisch spräche, teilte sie mich mit in den Plan der Spanischen Studierenden ein. Dadurch war ich fast jeden Tag an einem unterscheidlichen Ort mit jewils einem anderen Arzt/Ärztin.
Das war ein bisschen schade, da die Motivation der Ärzte/Ärztinnen sich um Studierende zu kümmern sehr unterschiedlich war.
Normalerweise kam ich um etwas 9.00 Uhr ins Krankenhaus und ging dann entweder auf Station, in den OP oder in einer der ambulanten Sprechstunden. Die meiste Zeit habe ich nur zugehört und zugeschaut. Insgesamt ist es in Spanien weniger üblich den Studierenden eigenständige Aufgaben zu geben.
Die meisten Ärzte/Ärztinnen waren sehr nett, einige schienen jedoch auch genervt von Studierenden. Das Pflegepersonal war sehr freundlich und ich hatte das Gefühl, dass das Klima zwischen Pflege und Ärzteschaft insgesamt deutlich besser ist, als in vielen Krankenhäusern in Deutschland. Die Hierarchien sind auch etwas flacher, sodass die Oberärzte/Oberärztinnen meist noch recht jung sind und eine gute Beziehung zu ihren Assistenten pflegen. Die spanischen Studierenden waren immer sehr hilfsbereit und haben sich bemüht mich bestmöglich mit einzubinden.
Am Besten hat es mir im Kreißsaal gefallen, und bei zwei Kaiserschnitten durfte ich mich auch einwaschen und mithelfen.
Auffällig war, dass besonders in der Geburtshilfe eine sehr klinische Herangehensweise an die Geburt üblich war. Die Einrichtung des Kreißsaals ähnelte einem OP-Saal und der Umgang mit den Gebärenden war recht anonym. In Spanien gibt es keine Geburtshäuser oder Ähnliches, die Geburt im Krankenhaus ist die Regel.
Interessant fand ich außerdem, dass die gynäkologischen Vorsorgeuntersuchungen normalerweise im "Centro de Salud" von Hebammen druchgeführt werden (Abstriche nehmen, Tastuntersuchung...) und die spanischen Frauen nur in komplizierteren Fällen zum Gynäkologen/Gynäkologin überwiesen werden.
Das Medizinstudium in Spanien ist sehr anspruchsvoll und die Studierenden werden sehr darauf getrimmt Fakten zu lernen. Nach Abschluss des Studiums müssen sie eine Prüfung machen (MIR - médico interno residente) und bekommen entsprechend ihrer Punktzahl einen Platz in der Facharztausbildung (residente). Da es mehr Studierende als Stellen gibt, ist es sehr wichtig eine gute Punktzahl in dieser Prüfung zu bekommen.

Land und Leute

Obwohl Santiago nur etwa 96.000 Einwohnern hat, ist die Stadt während des Semesters dank vieler Studierender recht belebt. An den Feiertagen und Wochenenden trifft man besonders in der Altstadt auch viele Pilger.
Das bekannteste Monument der Stadt ist natürlich die Kathedrale mit der Krypta in der der Legende nach die Gebeine des heiligen Apostels Jakobus beigesetzt worden sind. Um die Kathedrale herum befindet sich die Altstadt, in der sich die wichtigsten Sehenswürdigkeiten befinden.
Erwähnenswert ist auf jeden Fall das "museo do pobo gelego", ein kleines aber sehr interessantes Museum über die traditionelle Lebensweise und Kultur Galiziens. Dort kann man mehr erfahren z.B. über das traditionelle Musikinistrument "Gaita", das ein wenig an den schottischen Dudelsack erinnert, oder über traditionellen Fischfang.
Besonders schön sind auch die vielen Parks der Stadt, der "parque de la Alameda" oder der "Parque de Bonaval", in denen man sich wunderbar die Zeit vertreiben kann, wenn es einmal nicht regnet.
Obwohl der Regen natürlich zur galizischen Kultur dazu gehört. So war die Redensart "En abril, aguas mil", was in etwa heißt wie "im April viel, viel Wasser" zumindest in der ersten Hälfte meines Aufenthaltes sehr treffend, in der zweiten Hälfte des Aprils gab es dann aber auch viele freundliche Tage. Außerdem ist die Landschaft nur dank der ergiebigen Regenfälle so grün, üppig und fruchtbar.

Am Wochenende haben wir viele Ausflüge gemacht, wir waren in A Coruña, auf den Islas Cíes bei Vigo, in Finisterre und in der Osterwoche bin ich sogar mit dem Bus innerhalb von ca. 4 1/2 Stunden nach Porto gefahren, was auch definitiv die Reise wert war.
Meine "contact person" war großartig und hat sich gefreut mir die Stadt und die Besonderheiten der galizischen Kultur näher zu bringen. So hat sie mich sogar zu sich auf den Bauernhof eingeladen, wo wir die Kühe auf die Weide getrieben haben, mit ihrer Familie gegessen und mir (dem Stadtkind schlechthin) gezeigt wurde, wie man Kühe mit der Hand melkt. Definitiv eines meiner Highlights des Monats.
Während meines Praktikums gab es Parlamentswahlen in Spanien, die Anlass zu vielen spannenden Gesprächen gegeben haben und letzendlich zur großen Erleichterung vieler, keine Mehrheit für das rechts-konservative Lager aus PP, Ciudadanos und VOX ergeben haben.
Leider bin ich nicht mehr dazu gekommen eine längere Wanderung zu machen, hätte ich noch ein paar Tage mit beständigem Wetter gehabt, wäre das auf jeden Fall auf der Liste meiner Vorhaben gewesen.

Fazit

Meine Erwartungen wurden weitgehend erfüllt. Im Krankenhaus hätte ich mir an manchen Stellen gewünscht ein bisschen mehr eingebunden worden zu sein und auch selbstständig Aufgaben übernehmen zu dürfen. Dennoch habe ich viele Dinge gesehen und erklärt bekommen und einige Neues dazugelernt.
Ich werde definitiv wieder nach Spanien reisen und kann mir trotz teilweise widriger Bedingungen in der Assistenzartzeit (schlechtere Bezahlung, schwierigere Stellensuch) durchaus vorstellen dort zu arbeiten.

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