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Paraguay (IFMSA-Paraguay)

Verschiedene - SCOPE (Famulaturaustausch)
von Simone, München

Motivation

Schon seit meiner Schulzeit wollte ich unbedingt einmal nach Südamerika reisen.
Zum Bewerbungszeitpunkt waren meine Spanischkenntnisse noch nicht auf B1-Level, wodurch meine Länderauswahl etwas eingeschränkt war. Meine Wahl fiel dann letztendlich auf Panama (1), Paraguay (2) und die Philippinen (3).
Als ich dann die Zusage für Paraguay bekommen habe, wusste ich ehrlich gesagt, nicht besonders viel über Land und Leute. Dadurch hatte ich mir nicht so ein genaues Bild gemacht. Viele Erwartungen hatte ich auch nicht, ich wollte mich einfach überraschen lassen. Sicher ist aber trotzdem, dass ich mir das Land eindeutig anders vorgestellt habe.

Vorbereitung

Zum einen habe ich mein Spanisch verbessert und bin bis zum Level B1.1 gekommen.
Das war auch wirklich wichtig, da die meisten Paraguayer kein oder nur ein bisschen Englisch sprechen können.
Vom BVMD und dem Austauschprogramm habe ich an einem Infoabend erfahren und bin
seitdem selbst Mitglied im AK-Austausch in München.
Ich habe keine Seminare besucht.

Visum

Man muss kein Visum beantragen, wenn man unter 90 Tage in Paraguay bleibt.
Da ich nur 6 Wochen in Paraguay war, kann ich leider keinerlei Tipps zum Beantragen eines Visums geben.

Gesundheit

Ich war vor meinem Aufenthalt im Tropeninstitut und habe mich dort beraten lassen. Danach habe ich die dort empfohlenen Impfungen bekommen. Hierfür ist es ratsam, früh genug anzufangen, da einige Impfungen aus mehreren Dosen bestehen.
Als Reiseapotheke hatte ich einige Medikamente dabei. Das war aber im Nachhinein überflüssig, da es, jedenfalls in Asunción, fast überall Apotheken gibt, in denen man die gleichen Sachen bekommt wie in Deutschland.
Das einzige, was ich auf jeden Fall mitnehmen würde, ist etwas gegen Durchfall. Ich hatte dafür auch immer ein paar Tabletten zur Sicherheit dabei, sollte man überrascht werden.

Sicherheit

Vor der Reise habe ich mich nur um Versicherungen gekümmert, wie Auslandskranken- versicherung und Haftpflichtversicherung. Kleiner Tipp spart nicht beim letzten Tag: Ich bin leider am meinen letzten Tag in Paraguay gestürzt und musste genäht werden. In diesem Moment war ich wahnsinnig froh, dass ich mich um die gesamte Krankenversicherung etc. nicht kümmern musste, sondern einfach in das nächstgelegene private Krankenhaus fahren konnte.
Zur Sicherheit im Land sollte man wissen, dass Paraguay ein armes Land ist. Es gibt dort verschiedene Klassen. Die superreiche Oberschicht, die Mittelschicht und die Unterschicht mit wirklich armen Leuten.
Es kommt dadurch recht oft vor, dass einem das Handy oder auch Geld geraubt wird. Hierbei wird man leider teilweise auch mit Messer oder auch Pistole bedroht. Ich habe aber von keinem einzigen Fall gehört, bei dem das Opfer verletzt wurde. Grundsätzlich gilt,
dass das meistens passiert, wenn wenig auf den Straßen los ist, zum Beispiel nachts. Mir selbst ist nie etwas passiert, ich war aber auch nach 21.00 Uhr nie mit öffentlichen Verkehrsmitteln unterwegs oder bin allein durch Straßen spaziert. Es ist aber trotzdem ohne Probleme möglich mal länger wegzugehen und dann einfach ein Taxi (teuer) oder mit UBER oder MUV (das paraguayanische UBER) nach Hause zu fahren. Das ist dann sicher.
In Asunción gibt es ein Armenviertel, die Chacaritas, hier sollte man auf gar keinen Fall hingehen.
Aber ich denke das gilt für alle Städte, die eine Art Slum haben.

Geld

In Paraguay wird mit Guarani gezahlt, bei mir stand der Wechselkurs 1:6 700.
Ich selbst hatte ein Problem mit meiner Kreditkarte und hatte deswegen Bargeld in Euro und meine EC-Karte dabei. Es gibt zahlreiche Wechselstuben, in denen man montags bis freitags zwischen 8.00 und 18.30 Uhr, einzelne auch bis 20.00 Uhr wechseln kann. Hierfür braucht man immer seinen Reisepass und muss teilweise zahlreiche Fragen, nach Wohnort, Grund des Aufenthalts etc. beantworten (mehr als bei meiner Einreise nach Paraguay :D). Es bietet sich an kein Geld in Deutschland zu wechseln, da die erste Wechselstube direkt im Flughafen ist und man selbst dort einen besseren Kurs bekommt.
Grundsätzlich ist ein Aufenthalt sowohl mit Kreditkarte als auch nur mit Bargeld möglich, spontaner ist man aber eindeutig mit Kreditkarte.
Die Lebenshaltenskosten sind geringer als in Deutschland, gerade (Rind-)Fleisch ist super
billig. Im Vergleich teuer sind importiertes Obst und Eis, das kostet genauso viel wie in
Deutschland.

Sprache

Paraguay hat 2 Amtssprachen Spanisch (Castalano) und Guarani. Hier zeichnet sich auch
wieder die Klassengesellschaft ab: Während die arme oder die Landbevölkerung teilweise
nur Guarani spricht, kann die Mittel- und Oberschicht oft nur ganz grobe Basics in Guarani
aus der Schule. Es verstehen aber alle Leute Spanisch.
Ich war für meine Famulatur im Hospital de Clinicas, einem öffentlichen Uniklinkum, das vor
allem arme Patienten behandelt. In der Traumatologie musste ich nicht so viel mit Patienten, sondern mehr mit den Ärzten kommunizieren, wodurch der Arbeitsalltag mit Spanisch absolut gut zu meistern war.
Sollte man sich aber für innere Medizin interessieren, muss man sich bewusst sein, dass sich die Kommunikation mit Patienten schwierig gestalten kann.

Verkehrsbindungen

Zur Anreise empfiehlt es sich zu fliegen. Der Flughafen in Asuncion wird von Deutschland
bisher nicht direkt angeflogen, weshalb ich jeweils einen kurzen Aufenthalt in Madrid hatte.
In Paraguay selber habe ich mich vor allem mit dem Bus (Colectivo) fortbewegt. Das ist auf
jeden Fall ein Abenteuer, weil es keinen Bus Plan gibt, wo man nachschauen kann, wo und wann welcher Bus fährt. Das heißt, man muss sich durchfragen. Das klappt aber super gut, weil die Leute in Paraguay immer nett und hilfsbereit sind und auch teilweise sogar kurz jemanden anrufen, wenn sie selbst nicht wissen, wo der gesuchte Bus abfährt. Wann genau ein Bus abfährt oder hält, kann dir aber wirklich keiner sagen, weil der Verkehr in Asunción einfach unberechenbar ist!
Es gibt auch 2 Apps, von denen ich leider erst am Ende erfahren hab.
„Topa“ zeigt dir von ein paar Bussen via GPS an, wo sie sich gerade befinden, aber auch nicht bei allen Linien.

Kommunikation

Ich habe mir vor Ort eine Simkarte gekauft mit Datenvolumen pro Tag und Whatsapp-Flaterate, weil in Paraguay alles über Whatsapp läuft. Damit konnte ich problemlos mit meinen Lieben in Kontakt bleiben. Sonst habe ich ab und zu etwas auf Instagram hochgestellt, auch hier gilt Paraguayaner lieben Instagram und es wird nahezu alles dokumentiert.

Unterkunft

Ich habe in einer wundervollen Gastfamilie gelebt. Leider war es ein bisschen ein Hin und
Her, weil der NEO während meines Aufenthalts leider eine Katastrophe war. Keine Angst,
dieser hat mittlerweile sein Amt niedergelegt. Gott sei Dank hat meine Gastfamilie mich aber spontan aufgenommen.
Meine Gastfamilie lebt in einem kleinen Haus in Asunción. Ich habe mir ein Zimmer mit
meiner Gastschwester, einer Medizinstudentin, geteilt.

Literatur

Ich hatte einen Reiseführer „Paraguay- Tourenvorschläge und praktische Tipps für Individualreisende” von Kerstin Teicher. Dieser ist einer, der wenigen in Deutsch und ist auch ganz gut. Die Tipps von meiner Gastschwester und anderen Einheimischen waren aber natürlich besser.

Mitzunehmen

Für mein Praktikum habe ich Handschuhe und Desinfektionsmittel mitgenommen. Ersteres habe ich in der Chirurgie nicht wirklich gebraucht, eine Bekannte, die in der Inneren PJ gemacht hat, hat aber ihre eigenen von zu Hause mitgenommen, das heißt für die Innere ist es wahrscheinlich schon ratsam. Die Ärzte und Krankenschwestern in Paraguay desinfizieren sich die Hände mit Alkohol und machen das aber selten. Man wäscht sich die Hände mit Jodseife. Ich selbst fand es aber ganz angenehm mir die Hände zu desinfizieren.
Ich habe eigentlich nichts Materielles vermisst. Ich war ein bisschen spärlich ausgerüstet mit
Make up und Klamotten zum Weggehen, mich selbst hat es aber auch nicht gestört, etwas
underdressed gegenüber den Latinas zu sein.

Reise und Ankunft

Meine Anreise verlief eigentlich ohne Probleme, ich wurde von einem sehr netten Mädchen mit dem Auto vom Flughafen abgeholt und hab dann auch den Tag mit ihr verbracht. Am Abend wurde ich dann vom NEO zu meiner Gastfamilie gefahren, die zuerst als Zwischenlösung gedacht war, bei der ich dann aber auch die gesamte Zeit gewohnt habe.
Nachdem ich etwas früher angereist bin hatte ich zwei Tage frei, bevor mein Praktikum begonnen hat.

Tätigkeitsbeschreibung und fachliche Eindrücke

Meine Famulatur war im „Hospital de Clinicas“, dem Lehrkrankenhaus der einzigen staatlichen Universität in Asuncion. Das Klinikum ist eines der wenigen staatlich finanzierten, wodurch die Patienten „nur“ für Materialkosten aufkommen müssen. Das Klinikum wurde deshalb auch das Klinikum der Armen genannt. Viele Patienten sprechen kaum Spanisch, sondern nur Guarani.
Die Patienten kamen oft von weit her mit vielen Familienmitgliedern, was aber auch notwendig war, da diese viele Aufgaben übernehmen müssen, die in Deutschland von verschiedensten Diensten übernommen werden. Zum Beispiel müssen die Angehörigen die Patienten zu sämtlichen Untersuchungen bringen und Medikamente und Materialen, auch für die OPs, besorgen.
Leider fehlt das Geld für vieles in diesem Krankenhaus, wodurch das Personal ziemlich erfinderisch wird.
Mein department war die Traumatologie. Dort habe ich hauptsächlich bei verschiedenen Operationen zugeschaut, zum größten Teil allerdings orthopädische Fälle, da das Krankenhaus kein Traumazentrum war.
Unser Tag begann immer um 8.00 Uhr und ging offiziell bis 15.00 Uhr, wobei wir eigentlich immer länger geblieben sind, weil einige interessante Operationen erst gegen 14.00 Uhr begonnen haben. Im Klinikum gab es einen relativ strengen Operationsplan, nach welchem jeder Wochentag eine Gelenkgruppe schwerpunktmäßig operiert wurde, beispielsweise donnerstags Hand- und Fingergelenke. Zusätzlich hatten wir die Möglichkeit bei den Sprechstunden in der Kinderorthopädie dabei zu sein. Diese waren für mich am beeindruckendsten, da man viele Fehlstellungen zu sehen bekam, die man in Deutschland in diesen späten Stadien kaum noch sieht.
Insgesamt waren alle Ärzte wahnsinnig nett und bemüht uns etwas beizubringen und auch sehr geduldig, nachdem unser Spanisch oft etwas mau war und ihr Englisch ebenso.
Wir durften leider nur selten an den Tisch, weil einfach sehr viele Ärzte pro Operation anwesend waren. Für eine Hüftoperation zum Beispiel 5-6 Ärzte von denen mindestens einer nur als Springer da ist und zuschaut. Wir waren während unseres Praktikums eigentlich kein einziges Mal auf Station. Ich glaube es hätte uns aber auch nicht viel gebracht, da die Patienten teilweise kein Spanisch sprechen und unser Spanisch zum Beispiel für die Erhebung einer Anamnese etc. doch zu schlecht war.
Als wahnsinnigen „Vorteil“ würde ich die ruhige Stimmung betrachten, ob es in der Lehre ist, wo den Assistenzärzten mit Engelsgeduld erklärt wird, wie sie etwas besser machen können oder auch bei Notfällen, wo keine Nervosität aufkommt, sondern alles in Ruhe gemacht wird.
Das Studium ist an den meisten Universitäten in Paraguay genauso aufgebaut wie in Deutschland, 5 Jahre Theorie und dann ein Praktisches Jahr. Danach folgt der Facharzt, der aber nur 2-4 Jahre dauert. In der Traumatologie- Orthopädie kann man dann noch ein fellowship machen, um sich auf ein Gelenk besonders zu spezialisieren, hierbei arbeitet man mindestens einen Tag pro Woche in einem Krankenhaus als Weiterbildung, ohne etwas zu verdienen.
Die Arbeitsverträge in Paraguay sind auf 6 Tage- Wochen mit 2 bis 3 Nachtdiensten pro Woche ausgelegt. Hier ist zu erwähnen, dass ein Nachtdienst eine 32-Stunden- Schicht bedeutet. Für mich ist es etwas seltsam, dass sehr viele Ärzte nebenbei noch in ein oder zwei Privatpraxen arbeiten, und das dann teilweise während ihrer Arbeitszeit in ihrem regulären Krankenhaus.

Land und Leute

Ich habe sehr viel unternommen, war aber, bis auf einen Tag in Argentinien und einen in Brasilien, um die Wasserfälle anzuschauen, nur in Paraguay unterwegs.
Unter der Woche haben wir meistens abends noch etwas mit einer unserer Gastschwestern in Asunción unternommen oder sind zu zweit einen Kaffee trinken gegangen. Meine Gastschwester hat sich echt immer darum gekümmert, dass mir nicht langweilig wird und hat mich teilweise einfach mit ihren Freunden mitgeschickt, wenn sie selbst zu viel Stress in der Uni hatte. An den Wochenenden haben wir eigentlich meistens Kurztrips mit Übernachtungen gemacht: Zum einen nach Encarnacion, um die Jesuiten-Ruinen zu besichtigen. Die Stadt ist bekannt als Urlaubsziel für Strandurlaub und für Carneval. Als wir aber dort waren, war es wie ausgestorben, weil Nebensaison war. Ein anderes Wochenende sind wir nach „Ciudad del este“ gefahren, eine Stadt im 3 Länder Dreieck. Von dort aus haben wir die weltberühmten Iguazú-Wasserfälle besucht. Hier lohnt es sich auf jeden Fall die argentinische und die brasilianische Seite anzuschauen. Ein anderes Mal waren wir mit der Gastschwester von dem anderen deutschen Mädchen in einem kleinen Hotel Chololo und haben an einem kleineren Wasserfall einen Badetag eingelegt.
Ich bin eine Woche länger in Asunción geblieben und habe dann noch zahlreiche Tagesausflüge gemacht. Auf jeden Fall empfehlenswert ist es einen der zahlreichen Cerros zu besteigen, die Hügel sind zwar alle nicht besonders hoch, man sollte aber unbedingt feste Schuhe anziehen, da die Wege oft nicht befestigt sind. Die Aussicht ist trotz der geringen Höhe wirklich sehr schön.
Paraguay ist ein Land mit viel Geschichte und Kultur. Leider hat das Land den Tourismus noch nicht so wirklich für sich entdeckt, was einerseits schön ist, man wird niemals in „Touristenfallen“ tappen, aber andererseits auch sehr mühsam. Das Bussystem ist wie oben schon erwähnt echt schrecklich. Bis auf wenige Ausnahmen sind Museen oder auch Naturereignisse schlecht oder gar nicht ausgeschildert. Auch hier gilt, einfach fragen, dann findet sich eigentlich immer jemand, der dir das erzählt, was er weiß. Leider war mein Spanisch aber oft zu schlecht, um zum Beispiel die alten Mythen zu verstehen. Ist man eher im ländlichen Bereich unterwegs, kann es auch passieren, dass die Menschen kein Spanisch sprechen und dann muss man einfach die optischen Eindrücke genießen.
Über den Staat und die Politik ist zu sagen, dass Korruption leider nach wie vor an der Tagesordnung steht. Es ist meistens kein Problem einen Polizisten mit einer kleinen Spende, zum Beispiel einer Cola, davon abzubringen, einen Strafzettel zu schreiben.
Trotzdem waren viele Sachen für mein Verständnis wieder sehr europäisch, so muss man zum Beispiel für sein Auto jährlich den „TÜV“ abnehmen lassen.

Fazit

Ich denke eine Sache hat meine Erwartung vollkommen übertroffen und das sind die Paraguayaner. Ich war noch nie in einem Land, wo die Menschen so nett, hilfsbereit und herzlich waren. Es haben sich alle um uns gekümmert, ob es um Reiseplanungen oder medizinische Sachen ging. Unsere Gastschwestern haben uns wahnsinnig in ihren jeweiligen Freundeskreis miteingebunden, sodass ich sagen kann, ich habe wirklich Freundschaften geschlossen.
Deshalb möchte ich auf jeden Fall nochmal nach Paraguay reisen, um meine Gastfamilie und meine neu gewonnenen Freunde zu besuchen. Dort arbeiten möchte ich aber auf gar keinen Fall. Ärzte müssen routinemäßig circa 80 Stunden pro Woche arbeiten. Zusätzlich werden sie gerade an öffentlichen Kliniken oft so schlecht bezahlt, dass sie parallel 2 oder mehr Jobs haben.
Wenn es sich zeitlich ausgeht, will ich auf jeden Fall nochmal über die bvmd in’s Ausland! Sonst würde ich gerne einen Teil meines PJs im Ausland absolvieren.

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