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Atahualpa (Ecuador)

Intensivmedizin - SCOPH (Public-Health Austausch)
von Miriam, Homburg

Motivation

Nach einem Auslandssemester auf Teneriffa und der unglaublichen Zeit dort hatte ich direkt den Entschluss gefasst, auch außerhalb von Europa die spanischsprachige Kultur näher kennenzulernen.
Mein Ziel war es bereits vor meiner Zeit auf Teneriffa fließend spanisch zu sprechen, sodass ich diesen Wunsch mit meinem generellen Interesse an Südamerika und dem außereuropäischen Gesundheitssystem verbunden habe und einen Auslandsaufenthalt in Ecuador geplant habe.
Ecuador selbst gehört zu den Ländern, die die höchste Bio- und Geodiversität der Welt bieten. Da ich sehr an Natur und Tieren interessiert bin, war es für mich ein Traum dieses Land zu bereisen, da es innerhalb dieses Landes möglich ist, sowohl tropischen Dschungel als auch Schneegipfel und schwüle Küstenstrände kennenzulernen. Aufgrund dieser Vielfalt bietet die wunderschöne Landschaft auch einer extrem hohen Artenvielfalt an Tieren und Pflanzen ein Zuhause.
Zusätzlich ist das Gesundheitssystem in vielen Bereichen deutlich von unseren deutschen Standards entfernt, weshalb es gerade als Medizinstudent eine unglaubliche Chance ist in eine andere Welt einzutauchen.
Letztendlich ist es für ein südamerikanisches Land sehr gut möglich als Frau alleine oder zu zweit zu reisen, was ebenfalls ausschlaggebend für die Auswahl gewesen ist.

Vorbereitung

Die Kosten des Sprachkurses und der Unterkunft müssen übernommen werden, die Famulatur im Krankenhaus ist dagegen kostenfrei.
Neben der Flugbuchung und vielen Reiseimpfungen (siehe auswärtiges Amt) war die Organisation sehr pflegeleicht.
Sehr zu empfehlen ist eine Auslandsreisekrankenversicherung
(Als Medizinstudent gibt es spezielle kostenlose Versicherungen des Marburger Bunds, es gibt auch kostenfreie Haftpflichtversicherungen für die Famulatur!). Ein Visum ist nicht nötig. Man sollte sich darüber im Klaren sein, dass die Sicherheitslage in Ecuador etwas durchwachsen ist, es also viel geklaut sowie überfallen wird. Ich war sehr froh über eine Bauchtasche unter der Kleidung (und bin eine der Wenigen, die viel gereist sind und ihr Handy nach Ecuador noch in der Hand halten) und ein paar allgemeine Vorsichtsmaßnahmen (Wertsachen nicht im Rucksack, Rucksack ab und an nach vorne nehmen, das Übliche).

Visum

Es ist für diesen Zeitraum kein Visum nötig gewesen.

Gesundheit

Man sollte sich unbedingt über Reiseimpfungen beim auswärtigen Amt informieren und seinen allgemeinen Impfschutz überprüfen.
Ebenfalls ist eine gute Reiseapotheke absolut Gold wert!
Über welche Mitbringsel ich im Nachhinein extrem froh war:
- Kohletabletten,
- Iberogast,
- Schmerzmittel,
- Malariamittel (für die Küste),
- Mückenspray tropical, Mückennetz (Küste und Dschungel),
- Immodium (extrem lange Busfahrten),
- Desinfektionsmittel,
- Sonnencreme (Quito liegt extrem hoch, in den ersten Tagen haben ca 20min bewölkte Sonne mir einen Sonnenbrand beschert)
- Blasenpflaster/allg Pflaster
- Kompressionsstrümpfe (lange Flug- und Busreisen)
… und weiteres zur Reiseapotheke

Sicherheit

Neben viel Diebstahl und Überfällen sind Naturkatastrophen keine Seltenheit.
Wir haben viele Erdbeben mitbekommen, wobei diese meistens nicht sehr stark waren. Nachts wurden wir durch das Wackeln der Betten geweckt, andernorts sind jedoch gleichzeitig Straßen aufgerissen. Alles halb so wild, solange man sich ein wenig informiert und weiß wie man im Fall der Fälle handeln muss.
Außerdem sollte man sich darüber im Klaren sein, dass es in Ecuador durchaus zu Vulkanausbrüchen kommt.
Da Quito im Vergleich zu Deutschland in ungewohnter Höhe liegt, habe ich anfangs ein paar Tage zur Anpassung gebraucht, leichte Kopfschmerzen und Schwindel nach ein paar Treppenstufen sind da keine Seltenheit.

Geld

In Ecuador wird in Dollar bezahlt. An einigen Ecken sind Bankautomaten zu finden, wir hatten aber keinerlei Probleme auch ab und an mit Kreditkarte zu bezahlen.
Im Vergleich zu Deutschland sind die Kosten in Ecuador sehr gering, beispielsweise kostet ein Mittagessen mit Suppe, Hauptspeise, Saft und ggf Nachtisch ca. 3 Dollar.

Sprache

Die Ecuadorianer sprechen ein sehr verständliches Spanisch, trotzdem ist es für das Krankenhaus empfehlenswert schon Spanisch zu können (ca. B1), da kaum Englisch gesprochen wird. Mit dem begleitenden Spanischkurs waren aber auch ein paar Deutsche ohne Vorkenntnisse dort.

Verkehrsbindungen

Vor Ort in Quito gibt es die Möglichkeit, sich von der Sprachschule am Flughafen abholen zu lassen, alternativ kann man auch kostengünstigere Taxis oder Uber verwenden.
Achtung! Unregistrierte Taxis führen dort öfters mal zu Diebstahl und Vergewaltigung, man sollte möglichst auf ein gelbes Nummernschild achten (offizielles Taxi mit Kameras im Innenraum), vor Allem nachts!
Wir sind fast ausschließlich mit Uber gefahren, das ist in der Regel am günstigsten, zuverlässig und sicher – auch nachts.
Für lange Reisen kann man Busfahrten empfehlen, super günstig aber langwierig. Außerdem wird dort ebenfalls sehr viel geklaut.

Kommunikation

Zur Kommunikation unterwegs bietet es sich ebenfalls an eine Sim-Karte vor Ort zu kaufen! Wir haben claro verwendet und hatten eine gute Netzabdeckung. Für 4 Dollar kann man die Simkarte kaufen, für 10 Dollar je 200min + 2GB Internet und freie Nachrichten, was absolut ausreichend ist bei vielen Cafés mit freiem WLAN.

Unterkunft

Die Kosten des Sprachkurses und der Unterkunft müssen übernommen werden, die Famulatur im Krankenhaus ist dagegen kostenfrei. Es gibt die Möglichkeit in geteilten Apartments der Sprachschule oder aber Gastfamilien zu leben. Da ich mit einer Freundin gereist bin, haben wir eine Unterkunft der Sprachschule gebucht, diese war recht spartanisch, aber ausreichend.
Alternativ bei gleichem Preis bieten sich auch unzählige Hostels an!

Literatur

Eine Übersetzer-App oder ein kleines Wörterbuch sind nie verkehrt. Ansonsten schadet ein Reiseführer nicht, ich persönlich habe hauptsächlich gegoogelt. Super hilfsbereit waren die Sprachlehrerinnen, die öfters mit uns gekocht, etwas mit uns unternommen oder einfach nur gute Tipps gegeben haben.

Mitzunehmen

Sinnvoll ist es, Kleidung für kalte und warme Gegenden einzupacken, da es in der Dschungel und Küstenregion extrem schwül und heiß werden kann, auf dem Cotopaxi und in Quito dagegen sehr regnerisch mit Minusgraden. Regenschirme sind ebenfalls eine gute Investition.

Reise und Ankunft

Die Anreise verlief sehr problemlos, da wir von der Sprachschule abgeholt wurden. Wir hatten noch ein Wochenende Zeit bevor unser Praktikum begonnen hat, das war durchaus empfehlenswert um die ersten Tage ankommen und die Stadt ein wenig erkunden zu können.

Tätigkeitsbeschreibung und fachliche Eindrücke

Die folgenden Wochen haben sich als super lehrreich herausgestellt, da der Sprachkurs der Sprachschule unglaublich gut und hilfreich ist, wirklich eine Empfehlung wenn man viel Spanisch lernen möchte!
Parallel habe ich meine Famulatur auf der Intensivstation bei Dr Llano verbracht, die im Hospital del Ingles circa 12 Betten umfasst. Leider gab es meistens wenig Patienten, da sich der Großteil der Quitenos ein Privatkrankenhaus nicht leisten kann. Die vorhandenen Patienten waren größtenteils komatös und schwer krank, da viele sich durch mangelnde Hygienestandards nach Operationen schwere Infektionen zuzogen und diesen leider auch oft erlegen sind. Ab und an hat man die Möglichkeit, mal bei einer neurologischen OP oder auf einer der anderen Stationen vorbeizuschauen, ansonsten verbringt man seine Zeit auf der Intensivstation mit Dr. Llano, der sich jedoch sehr viel Mühe gibt und vieles erklärt.
Zum praktischen Arbeiten gab es leider kaum Möglichkeit, ab und an konnte man jedoch einen Ultraschall der Hirngefäße oder eine Anamnese übernehmen. Alle 3 bis 4 Tage waren wir zusätzlich im Hospital Militar, dem Militärkrankenhaus von Quito. Dort waren aber teilweise garkeine Patienten, sodass wir die Zeit abgesessen haben. Auch hier hat Dr. Llano trotzdem versucht uns etwas zu zeigen oder beizubringen, wir haben CT's und Röntgenbilder von Patienten angeschaut oder uns über Politik, Wissenschaft oder andere aktuelle Themen in Ecuador unterhalten.
Der theoretische medizinische Standard der Krankenhäuser ist gut, die Umsetzung nur leider nicht. Auch gab es in diesem Krankenhaus viel moderne Technik, was der Art des Krankenhauses (Privat) und der Lage in der Hauptstadt Ecuadors geschuldet war, aber in der Peripherie leider nicht der Fall war.
Es existiert außerdem kein Desinfektionsmittel wie man es in Deutschland kennt, lediglich eine Art Gel und das Personal wäscht sich hauptsächlich die Hände, wodurch resistente Keime wie bereits erwähnt ein sehr großes Problem in vielen der Krankenhäuser spielen.
Auch bei OP's ist der Hygienestandard etwas "anders", da die Sachen fast immer wiederverwendet werden und in desinfektionsgetränkte Tüchern eingewickelt (und scheinbar somit mehr oder weniger steril) sind.
Im Nachhinein würde ich für einen tieferen Einblick eher ein peripheres öffentliches Krankenhaus empfehlen, durch meinen Unfall habe ich einige dieser Krankenhäuser in der Gegend von Ambato von innen erlebt. Aus Studentensicht sicherlich sehr lehrreich, aus Patientensicht leider weniger empfehlenswert, da der Standard deutlich niedriger ist und weit weniger Mittel zur Verfügung stehen.

Land und Leute

Nach und neben der Famulatur blieb natürlich auch Zeit zum Reisen.
Ecuador bietet eine faszinierende Natur, weshalb sich Ausflüge in den Nebelwald des süßen Dörfchens Mindo, zum Rafting nach Banos und auf den bekannten Stoffe- und Kleidungsmarkt Otavalos auf jeden Fall lohnen!
In Quito selbst kann man ebenfalls einiges besichtigen. Es lohnt sich die Kirchen von innen zu anzuschauen, manche sind komplett golden ausgekleidet. Außerdem kann man eine Seilbahn zum Vulkan Pichincha nehmen und dort die Aussicht über ganz Quito genießen und Richtung Krater wandern. Ebenfalls sind der bekannte Vulkan Cotopaxi und die Küste mit ihren kleinen Inseln wie der Isla de la Plata (Galapagos für Arme) auf jeden Fall einen Trip wert.
Es gibt überall unglaublich viel zu entdecken, sehr zu empfehlen sind auch die Schmetterlingshäuser und Vogelbeobachtungstouren in Mindo. Wir haben das Canoping ausgelassen, da dort viele Unfälle (auch tödlich) passiert sind.
In Otavalo kann man die besten Mitbringsel kaufen und die schönen Peguche Wasserfälle besichtigen! Vor Allem samstags ist der Markt am größten und es werden super viele verschiedene Sachen angeboten. Lasst euch unterwegs jedoch nicht hinters Licht führen und handelt immer! Allein durch mein europäisches Aussehen habe ich meistens direkt den doppelten Preis angeboten bekommen, was sich aber mit etwas Geschick wieder sehr gut drücken lässt.
Die Agentur Euro Family Trip (https://www.facebook.com/eurofamilytrip/ WhatsApp +593 99 023 6160 ) bietet am Wochenende viele Ausflüge an, die sehr viel billiger sind als bei vielen anderen Unternehmen! Man reist hauptsächlich mit Ecuadorianern und kommt somit auch super in Kontakt!
Wir haben damals die Touren für Quilotoa und den Cotopaxi mit dieser Agentur gebucht und waren begeistert.
Zu guter Letzt kann ich jedem ans Herz legen über Karneval zu reisen! Wir haben in Sangolqui und an den Peguche Wasserfällen in Otavalo Karneval der südamerikanischen Art gefeiert. Neben Karnevalsumzügen, Musik und Tanzen heißt das man besprüht und überschüttet sich mit Schaum, Eimern von Wasser, Blumen, Mehl, Farbe, Eiern und und und…, wirklich ein Erlebnis, das man nicht verpassen sollte!
Letztendlich ist es jedoch egal in welchem Teil von Ecuador man sich befindet, eins ist überall gleich: Die extrem aufgeschlossene Freundlichkeit und Fröhlichkeit der Ecuadorianer. Ich habe die Lateinamerikaner nach den ersten Tagen direkt ins Herz geschlossen. Der Großteil der Menschen lebt in Armut, was sie jedoch nicht davon abbringt ihre Lebensfreude zu teilen und das Leben zu genießen!
Innerhalb der Zeit, die ich in Ecuador verbracht habe, habe ich dort durch all die Unternehmungen und Touren sehr viele gute Freunde gewonnen.

Fazit

Zusammenfassend hat sich der weite Weg auf jeden Fall gelohnt. Auch wenn die praktische Arbeit im Krankenhaus kürzer kam als erhofft, haben der Einblick in das südamerikanische Gesundheitssystem sowie der Sprackkurs dies wieder übertroffen. Im Nachhinein würde ich gegebenenfalls ein anderes Krankenhaus in diesem Land wählen, jedoch sind die Kultur und Landschaft so eindrücklich, dass ich Ecuador jederzeit als Zielland für einen Auslandsaufenthalt empfehlen würde! Insgesamt kann ich das Projekt der Sprachschule Atahualpa empfehlen, da man jederzeit über einen Ansprechpartner verfügt, vor Allem anfangs Hilfestellung bekommt und durch den Sprachkurs samt gemeinsamer Aktivitäten gut integriert wird.

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