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Australia (AMSA)

Urologie - SCOPE (Famulaturaustausch)
Anonym

Motivation

Ich wollte unbedingt nach Australien, da mir die englische Sprache so wichtig war. Erstens wollte ich mein Englisch verbessern, zweitens habe ich die Erfahrung gemacht, dass die Qualität der Famulatur stark darunter leidet, wenn man nicht die Sprache des Landes spricht. Ich wollte das Gesundheitssystem von Australien kennenlernen vorallem im Vergleich zu Deutschland.

Vorbereitung

Ich habe versucht unter meinen Kommilitonen zu erfahren wer schon alles in Australien war, um mir Tipps zu geben. Ich habe weiterhin versucht so früh wie möglich Kontakt mit den NEOs und LEOs aufzunehmen: Redet so früh es geht mit der Lokalvertretung, denn die machen euren Austausch! Leider habe ich keine Outgoing-Gruppe für Australien im facebook gefunden. Es gab jedoch viele Backpacker-Videos im Internet. Da habe ich mich durch Packlisten, Tutorials und Empfehlungen gestöbert.

Visum

Für Australien gibt es verschiedene Visen online zu beantragen. Das bekannteste ist wahrscheinlich das work + holiday-Visum für 1 Jahr mit Arbeitsberechtigung. Für Studienaufenthalte inklusive Praktika reicht jedoch auch das eVisitor-Visum bis 90 Tage. https://immi.homeaffairs.gov.au/visas/getting-a-visa/visa-listing/evisitor-651

Gesundheit

Die AMSA-Australia hat sehr viele Gesundheitstest verlangt: Unteranderem Tuberkulose Bluttest + MRSA Rachenabstrich. Versucht da am besten über eure Uni anzufragen. Vielleicht bekommt ihr die Tests vergünstigt im Rahmen von Studien. Ansonsten habe ich keine speziellen Impfungen benötigt.

Sicherheit

Australien gilt als sehr sicheres Land und ich habe mich auch so sicher wie in Deutschland gefühlt. Eine schmale Bauchtasche für Geld und Handy habe ich immer bei mir.
In Australien wird mit australischen Dollar bezahlt. Der Umrechnungskurs Frühjahr 2019 betrug 0,6 EUR = 1 AUD.

Geld

Für Reisen empfehle ich sehr die Kreditkarte der ApoBank oder der Santander-Bank. International überall kostenlos Bargeld abheben. Automatengebühren werden auf Nachfrage rückerstattet. Falls Ihr plant länger als 2 Monate zu bleiben lohnt es sich vielleicht sogar eine Kreditkarte in Australien zu beantragen ANZ oder Westpac sind da zu empfehlen. Damit könnt ihr so bequem überall bargeldlos ohne Gebühren bezahlen. Vergesst nicht euren Kreditrahmen zu erhöhen, um die Anleihe abzudecken falls ihr ein Auto in Australien mieten wollt. Ich empfand Australien im Vergleich zu Deutschland sehr teuer, in jeder Hinsicht.

Sprache

In Australien wird sehr gut Englisch gesprochen. Auch wenn der australische Akzent sehr anspruchsvoll sein kann. Ich habe Australien ausgewählt, um mein Sprachniveau zu verbessern. Ich halte ein professionelles Sprachniveau für notwendig, um im Klinikalltag ohne Probleme zurechtzukommen.

Verkehrsbindungen

Die öffentlichen Verkehrsmittel sind in Australien sehr gut ausgebaut vor allem an der Ostküste. Vorzugsweise reist man preiswert mit Bus. Für Langstrecken sind Flugzeuge zu empfehlen. Falls ihr das Glück habt mit Freunden zu reisen, kann ich euch nur empfehlen ein Auto oder einen Campervan zu mieten. In Melbourne hatten 2 Decathlon-Stores eröffnet bei denen ich günstig an ein Fahrrad gekommen bin. Ansonsten ist ein gebrauchtes Rad zu empfehlen, da Melbourne (sowie Brisbane) eine wunderschöne Stadt zum Radfahren ist.

Kommunikation

In Australien kommt ihr am besten zurecht wenn wir offen auf die Leute zugeht. Am Besten besorgt ihr euch eine australische Simkarte. Haltet Ausschau nach Seiten wie mydealz / ozbargain. Dort könnt ihr 40GB Tarife für 5 Dollar/30 Tagen (Kogan Mobile) ergattern. https://www.ozbargain.com.au/node/394895

Unterkunft

Untergekommen bin ich in der Wohnung des LEOs in Melbourne. Es war eher eine Notlösung weil kurzfristig die ursprüngliche Wohnung abgesprungen ist, doch die Wohnung lag in günstiger Lage zum Bahnhof, einem Aldi-Supermarkt und der Straßenbahn. 20 min mit dem Fahrrad vom Central Business District Melbourne entfernt. Wie eure Gegebenheiten bezüglich Bettzeug + Kühlschrank vor Ort sind, erfragt ihr am besten beim LEO und den Locals.

Literatur

Für Australien kann ich nur die ganzen Backpacker-Blogs und Australien-Backpacker-facebook-Gruppen empfehlen. Ich hatte einen Minireiseführer von Baedecker für den groben Überblick. Für die Famulatur hatte ich mein Smartphone mit Amboss-App dabei.

Mitzunehmen

Mitzunehmen ist nicht allzuviel. Obwohl Australien teurer ist, werdet ihr sicher vom der Einkaufsvielfalt begeistert sein und euch die Sachen dort zulegen. Also lasst viel Platz in eurem Koffer damit ihr viel mit zurücknehmen könnt. Kmart, Big W, Target, Aldi und vielleicht auch bald Kaufland werden eure besten Freunde!

Reise und Ankunft

Die Anreise war sehr lang von Frankfurt nach Singapore und weiter nach Melbourne. Insgesamt reine 20h Flugzeit. Am Flughafen in Melbourne wurde ich vom LEO mit dem Auto abgeholt, wofür ich sehr dankbar war. Bis zu meinem ersten Arbeitstag hatte ich noch 4 Tage Zeit. Nach meiner Ankunft musste mein großer Hunger gestillt werden und dann wollte ich nur noch schlafen.

Tätigkeitsbeschreibung und fachliche Eindrücke

Obwohl mir zuerst ein Famulaturplatz in der Anästhesie zugesichert wurde, war dieser kurzfristig nicht mehr verfügbar und ich musste mich zwischen Onkologie und Urologie entscheiden. Auch die Auswahl der Krankenhäuser war sehr limitiert, da die AMSA Australia maximal eine Studiengebühr von 400 australischen Dollar AUD übernimmt. Verlangen Krankenhäuser eine höhere Studiengebühr, ist die Differenz selbst zu tragen. Ich entschied mich für die Urologie im Austin Health Hospital im Stadtbezirk Heidelberg, Melbourne. Ich benötigte 20 Minuten mit der Bahn und 30 Minuten mit dem Fahrrad zur Arbeit von meiner Unterkunft in Abbotsford.
Am ersten Tag wurde ich herzlich vom Personalmanagement empfangen. Es wurden die Formalitäten geklärt und ich wurde auf Station geführt. Leider war mein zuständiger Arzt genau am ersten Tag nicht da, aber ein anderer Assistenzarzt hat ihn wunderbar vertreten. Das Team war sehr angenehm und es wurde sich oft nach mir erkundigt. Trotzdem durfte ich leider nur sehr wenig machen. Das war vielleicht dem Umstand geschuldet, dass die Weiterbildungen sehr begehrt sind und jeder gerne so viel wie möglich operieren möchte. Ich wollte zumindest Katheter legen auf der Urologie üben, aber auch das kam leider viel zu kurz. Einen bestimmten Fall werde ich nie vergessen: Eine Harnblasenauswaschung mit mehr als 10 Liter Kochsalzlösung. Die urologischen Sprechstunden hingegen waren sehr interessant und ich versuchte denen so oft wie möglich beizuwohnen. In Zukunft kann ich es nur empfehlen sich in der Notaufnahme einzubringen, um dort Patienten aufzunehmen und unterschiedlichste Krankheitsbilder zu sehen. Mit meinem Englisch bin ich ganz gut zurechtgekommen auch wenn man das ein oder andere Mal beim Aussie-Slang nachfragen musste. Australien ist ein sehr multikulturelles Land. Das merkt man bei den Patienten: viele sind aus Europa, Asien sowie Indien.
Das Gesundheitssystem lässt sich leider nur schwer überblicken und ich habe keine bürokratischen Kontaktpunkte gehabt. Wenn ich aber über die Abläufe, Wartezeiten und Prozeduren denke, dann finde ich das australischen Gesundheitssystem dem deutschen sehr ähnlich. Mir ist aufgefallen, dass die postuniversitäre Ausbildung sich von der deutschen unterscheidet. Während ich mir keine Sorgen machen eine bestimmte Facharztausbildung nicht absolvieren zu dürfen so waren die australischen Ärzte doch etwas begrenzter und es scheint schwierig zu sein in die Trainingsprogramme für zum Beispiel Augenheilkunde oder Kinderchirurgie zu kommen. Ich habe mich einige Male mit australischen Medizinstudenten unterhalten können. Im klinischen Alltag bin ich jedoch keinen Studenten begegnet. Wenn ich jedoch von meinem Mitbewohner sprechen kann, so haben die Studenten dort aber anscheinend mehr Freizeit ;-) Die australische Mentalität, die vielen netten Medizinstudenten, Schwestern und Ärzte sowie die unzähligen vollverpflegten Meetings haben die Famulatur zu einer angenehmen Zeit werden lassen.

Land und Leute

Bei dem vielen schönen Wetter in Australien durfte ich oft eher gehen und habe mich außerhalb der Krankenhauses oft mit Freunden getroffen. Glücklicherweise war ein Freund aus der Heimat als Backpacker in Australien unterwegs und gleichzeitig mit mir in Melbourne. Melbourne ist wirklich eine großartige Stadt und sehr zu empfehlen. Ich bin begeisterter Radfreund und habe mich durch die gut integrierten Radwege sehr wohl gefunden. Um einen ersten Überblick von der Stadt zu bekommen, habe ich mich einer Free-Walking-Tour angeschlossen. In so vielen Städten ist das ein toller Start für jedes Budget. Auch mit den Kollegen im Krankenhaus haben wir oft über die Freizeit gesprochen und ich habe mir viele Tipps zum Ausgehen und Sehenswürdigkeiten anschauen geholt. Die Highlights rund um Melbourne waren für mich eine zweitägige Bustour entlang der Great-Ocean-Road und die Hotsprings auf der Mornington Peninsula. Auf der Great-Ocean-Road kann man Koalas, Kängurus und die vielen Küstenformationen entlang der Südküste sehen. Die Hotsprings sind heiße Poolanlagen entlang eines Hügels von dem aus man den Sonnenuntergang im 40°C warmen Wasser genießen kann. In Melbourne selbst gibt es einen Pink Lake der durch hohen Salzgehalt pinkes Wasser besitzt. Im Central Business District CBD werden die unzähligen Wolkenkratzer von vielen Rooftop-Bars gekrönt, die zu Drinks, Party und Kinofilmen einladen. Weiterhin gibt es ein Moonlight-Cinema mitten im Royal Botanic Garden, bei dem man im eigenen Schlafsack unter Sternenhimmel die neuesten Blockbuster bestaunen kann. Auch am Tag bietet der Botanische Garten riesige Grünflächen zum Picknick, Sport machen oder spazieren gehen. Die Tram fährt innerhalb des CBD in Melbourne kostenlos. Vom Eureka Skydeck kann man über ganz Melbourne blicken. Ein weiteres Highlight war der Queen Victoria Market der am Tag zum shoppen und Abends zum Street-Food einläd.
Mit den Menschen in Australien bin ich super klar gekommen. Mir wurde vorher oft erzählt Australier wären sehr offen und nett und genauso ist es auch. Jeder Begrüßung folgt ein ‘wie geht es dir’, es wird einem sehr gerne geholfen wenn man den Weg nicht kennt oder nachfragt. Allerdings empfand ich die Nettigkeit ab einem bestimmten Punkt etwas aufgespielt und war mir nicht sicher ob es auch ehrlich gemeint ist. Man ist das als Deutscher einfach nicht gewohnt^^
Leider gab es nur sehr wenige Outgoings in Melbourne sowie in Perth, da hätte ich mir gerne mehr Partner zum Austausch gewünscht.
Nach meiner Famulatur habe ich zuerst die Ostküste erkundet. Sie erstreckt sich von Cairns bis nach Sydney. Die Ostküste ist der touristischste Teil Australiens und die meisten Backpacker sind hier zu finden. Allen voran die Deutschen. Genau deshalb ist die Ostküste aber super gut mit einem Hop On Hop Off Bus wie Greyhound oder Premier zu erkunden. Meine Favoriten waren Jeep fahren am Strand von Fraser Island fahren, die idyllische küstenstadt Byron Bay sowie Brisbane und Sydney. Anschließend bin ich von Sydney nach Perth geflogen um mit einem Freund und einem gemieteten Campervan die Westküste von Perth bis zum Karijini National Park zu entdecken. Hier waren meine Highlights Whale Shark Tauchen in Coral Bay und die Natural Pools im Karijini National Park zu erklimmen.

Fazit

Ich bin von Australien echt begeistert, es ist zwar sehr preisintensiv und es sind leider zu wenig andere incomings da gewesen.
Das haben aber die landschaftliche Vielfalt, die Backpacker, die freundlichen Australier und das gute Wetter mehr als übertroffen!

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