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Indonesia (CIMSA-ISMKI)

Notfallmedizin - SCOPE (Famulaturaustausch)
von Katharina , München

Motivation

Ich bin immer schon gerne gereist, und die Möglichkeit, das mit einer Famulatur zu verbinden, ist natürlich toll. Ich denke, es ist eine wichtige Erfahrung, ein wenig über den Tellerrand zu blicken und das Gesundheitssystem anderer Länder - insbesondere weniger weit entwickelter - kennenzulernen.

Vorbereitung

Die Entscheidung, mich für eine BVMD-Famulatur zu bewerben, habe ich ziemlich kurzfristig getroffen, weshalb dann viel auf einmal zu erledigen war. Insbesondere für die erforderlichen Sprachzertifikate gibt es nur bestimmte Termine an den Unis, es empfiehlt sich also, früh genug zu beginnen. Ansonsten ist auf der BVMD-Website alles sehr gut beschrieben, alle erforderlichen Dokumente sind übersichtlich hinterlegt, und wenn man die Liste der Reihe nach abarbeitet, können sich eigentlich keine Probleme ergeben.

Visum

Wenn man vorhat, länger als 30 Tage in Indonesien zu bleiben, kann man bei der Einreise am Flughafen ein "Visa on Arrival" beantragen, das geht schnell und unkompliziert. Diese läuft nach 30 Tagen ab, vor Ablauf der Frist muss man es an einer zuständigen Stelle (in meinem Fall die Immigration am Flughafen von Yogyakarta) verlängern, das kostet, jeweils soweit ich mich erinnere um die 35USD. Es ist nicht möglich, direkt ein Visum für mehr als 30 Tage zu beantragen.
Auch hier lohnt es sich, das nicht auf den letzten Drücker zu beantragen, ich musste nämlich an 3 aufeinanderfolgenden Tagen 3 Mal zum Amt, bevor ich das neue Visum in der Hand hatte. Man braucht eine Kopie des Reisepasses und des Rückflugtickets und viel Geduld. Die indonesische Bürokratie ist kompliziert und langsam. Also früh genug drum kümmern!

Gesundheit

Typische Reiseimpfungen gegen Hep A und Gelbfieber hatte ich ohnehin. Zudem habe ich vor der Abreise eine Typhus-Schluckimpfung genommen und eine Malaria-Prophylaxe eingepackt. Ansonsten gab es keine landesspezifischen Schwierigkeiten, natürlich ist auf Mückenschutz zu achten, aber das kennt man ja aus tropischen Gebieten.

Sicherheit

Ich habe mich in Indonesien zu keinem Zeitpunkt unsicher gefühlt. Ich persönlich hielt es nicht für notwendig, zusätzliche Versicherungen abzuschließen, aber das ist natürlich Geschmackssache. Natürlich habe ich versucht, mein Verhalten den kulturellen und religiösen Standards anzupassen, das war für mich aber keine Frage der Sicherheit, sondern mehr des Respekts.

Geld

Die Währung in Indonesien ist die Indonesische Rupiah, die extrem wenig wert ist (16.000 IDR entsprechen 1€). Die Städte sind übersäht mit Geldautomaten, auch wenn viele davon nicht funktionieren, findet man immer schnell eine Alternative. Für mich war also eine Kreditkarte mit der ich international kostenlos abheben kann, die beste Alternative, so muss man nie viel Bargeld mit sich herumtragen.
An touristischen Orten kann man auch mit USD bezahlen, generell empfiehlt es sich aber, Rupiah dabei zu haben.
Indonesien ist für deutsche Geldbeutel unglaublich günstig, insbesondere Yogyakarta, die unter anderem wegen der geringen Lebenshaltungskosten die beliebteste Studentenstadt des Landes ist. Ein Essen auf der Straße mit Getränkt kostet umgerechnet zwischen 80ct und 1€, übernachten kann man in Hostels für 3-5€, Lebensmittelpreise am Markt sind sehr günstig, im Supermarkt haben sie allerdings fast europäisches Niveau.

Sprache

Indonesien hat tausende verschiedene Kulturen und Sprachen. Die Hauptsprache "bahasa indonesia" wird von den meisten Leuten gesprochen, manche älteren Menschen sprechen allerdings nur die regionale Sprache, in Yogyakarta z.B. Javanisch. Indonesisch ist eine sehr einfache Sprache, mit ein bisschen Vorbereitung kann man sich schnell zumindest grundlegen verständigen. Ich habe allerdings erst vor Ort begonnen, ein bisschen zu lernen. Die meisten jungen Leute, zumindest die Studenten in den Städten sprechen passables Englisch, außerhalb der Städte oder mit älteren Menschen wird es da schon schwierig. Im Krankenhaus haben die Ärzte bei mir gut Englisch gesprochen, von den Pflegern allerdings leider kaum jemand.

Im Nachhinein bereue ich ein bisschen, nicht früher damit begonnen zu haben, die Sprache zu lernen, ich denke, ich hätte aus dem Praktikum viel mehr mitnehmen können, hätte ich die Möglichkeit gehabt, mit Patienten zu sprechen.
Außerhalb davon kommt man aber auch überall mit Händen und Füßen durch, die Indonesier sind ein unglaublich aufgeschlossenes und freundliches Volk und es wird einem immer weitergeholfen, auch wenn man kein Wort des anderen versteht.

Verkehrsbindungen

Nach Indonesien geht´s natürlich nur per Flugzeug, meine Flüge haben ca. 550€ (MUC-Jakarta und zurück) gekostet. Innerhalb des Landes kann man zwischen den großen Städten mit Bus und Bahn fahren, die Distanzen sind allerdings sehr groß, so dass ich mich für die sehr günstigen Inlandsflüge entschieden habe. Mir wurde von Einheimischen empfohlen, dabei eine der größeren indonesischen Airlines (z.B. Garuda) zu wählen, da man bei den kleinen - die dafür natürlich noch günstiger sind - sehr oft mit Verspätungen und Ausfällen rechnen muss.
Innerhalb der Städte ist der öffentliche Nahverkehr ziemlich schlecht ausgebaut. Das Hauptverkehrsmittel der Indonesier ist das Motorrad, und die Vorstellung, ein paar hundert Meter zu Fuß zu gehen ist für die Einheimischen sehr amüsant. Mein von der BVMD organisiertes Hostel war nur 5 Minuten vom Krankenhaus entfernt, so dass ich zu Fuß kommen konnte. Ansonsten besteht die Möglichkeit, sich ein Motorrad auszuleihen oder einen der Online-Taxi-Dienste (GoJek oder Grab) zu nutzen. Mit einem Motorradtaxi kann man für ca. 50ct-1€ quer durch die Stadt fahren, und das ist mit Sicherheit die günstigste und zuverlässigste Möglichkeit von A nach B zu kommen.

Kommunikation

Ich habe mir direkt bei der Ankunft eine indonesische SIM-Karte gekauft, für ca. 10€ bekam ich, soweit ich mich erinnere, 8 oder 10GB. Das Netz ist meistens gut genug um das Internet nutzen zu können und die Kommunikation via WhatsApp ist in Indonesien noch viel verbreiterer als in Deutschland, auch für offizielle Zwecke (mit dem Supervisor im Krankenhaus, um Reservierungen zu tätigen, etc.)

Unterkunft

Von der BVMD wurde die Unterkunft in einem Hostel für mich organisiert. Bettwäsche, Kühlschrank, Herd und Waschmaschine waren vorhanden. Natürlich kann man den indonesischen Standard in einem Hostel nicht mit dem europäischen vergleichen, insbesondere was die Sauberkeit betrifft, damit hatte ich aber auch gerechnet, so dass das kein Problem war. Das Hostel lag sehr zentral, ich konnte also sowohl das Krankenhaus als auch das Stadtzentrum gut erreichen.

Literatur

Ich habe verschiedene Reise-Websites und einen Reiseführer überflogen, um mich ein wenig über die indonesische Kultur zu informieren. Das ist auf jeden Fall empfehlenswert. Es gibt, wie in jedem Land einige Dinge, die man besser lassen sollte und Gesten oder Ausdrücke, die man erkennen und verstehen sollte, vor allem wenn man nicht als einer der arroganten westlichen Touristen abgestempelt werden möchte.
Medizinisch habe ich mich nicht landesspezifisch vorbereitet, da die Sprache im Praktikum ohnehin Englisch war.

Mitzunehmen

Natürlich die übliche Reiseausstattung (Medikamente, Hüttenschlafsack, Dokumente, etc.). Adapter für die Steckdose braucht man keinen! Ansonsten bekommt man alles was man braucht auch vor Ort, die Drogeriemärkte sind ausgestattet wie in Deutschland, und in den großen Städten gibt es fast alle westlichen Ketten die man so kennt.
Ich hatte vor allem lange, weite Kleidung dabei, gerade in den muslimisch geprägten Teilen Indonesiens finde ich es extrem respektlos, in Hotpants und schulterfrei durch die Straßen zu spazieren. Da ich in einem muslimischen Krankenhaus gearbeitet habe, wurde ich auch gebeten, Kopftuch zu tragen. Das bekommt man bei Bedarf aber natürlich überall vor Ort.

Reise und Ankunft

Die Anreise ist problemlos verlaufen. Leider hatte meine Kontaktperson vor Ort keine Zeit, mich vom Flughafen abzuholen, ich hatte aber die Adresse des Hostels und mit Online-Taxis ist es dann auch kein Problem, das zu finden. Im Hostel wusste man schon Bescheid und alles war super organisiert. Zwei Tage nach meiner Ankunft hat die Kontaktperson, eine Medizinstudentin aus Yogyakarta mich am Hostel abgeholt und mich zum Krankenhaus begleitet um mich beim Verwaltungspersonal und meinem Supervisor vorzustellen. Am ersten Tag wurde mir dann alles erklärt und gezeigt im Krankenhaus und einen Tag später habe ich mit dem Praktikum in der Notaufnahme begonnen.

Tätigkeitsbeschreibung und fachliche Eindrücke

Ich habe in der Notaufnahme des PKU Muhammadiyah Krankenhauses in Yogyakarta gearbeitet. Das Krankenhaus ist recht klein und kein Schwerpunkt der Notfallversorgung in der Stadt. Deswegen war es in der Notaufnahme sehr ruhig. Hauptsächlich kamen "grün" eingestufte Patienten mit allgemeinärztlichen Beschwerden. Die betreuenden Ärzte waren sehr aufgeschlossen und ich hätte eine Menge machen dürfen, allerdings fehlten leider schlichtweg die Fälle. So beschränkten sich meine Tätigkeiten darauf, hin und wieder einen Zugang zu legen, Vitalparameter zu erheben, manchmal eine körperliche Untersuchung und ansonsten zuzusehen. Ein Großteil des Tages wird mit warten und Dokumentation verbracht, allerdings blieb dadurch auch immer wieder Zeit für meinen Betreuer, mit mir theoretische Grundlagen durchzusprechen.
Einige sehr interessante Fälle gab es aber, die man in Deutschland wohl nicht so leicht zu sehen bekommt, z.B. viele Dengue-Fieber-Fälle und eine ausgeprägte Tetanie.
Wie bereits weiter oben erwähnt, war hier die Sprachbarriere durchaus ein Problem, da ich mich zwar mit den Ärzten auf Englisch unterhalten konnte, es aber kaum die Möglichkeit gab, eigenständig mit Patienten zu sprechen um z.B. eine Anamnese erheben zu können oder eine Untersuchung anzukündigen.

Gerne hätte ich mehr über die ersten Maßnahmen und das Management in der Aufnahme bei akuten Notfällen gelernt, wer sich dafür interessiert, dem würde ich eher ein anderes Krankenhaus empfehlen.

Das Gesundheitssystem ist in verschiedenen Versorgungsstufen organisiert, in die die Krankenhäuser eingeteilt werden. Theoretisch beginnt dann jeder Patient bei der niedrigsten Versorgungsstufe und wird je nach Komplexität an eine höhere weiter verwiesen. In der Praxis funktioniert das natürlich nicht genau so. Wie auch in vielen anderen Ländern ist es schwer, einen Arzttermin zu bekommen, weswegen viele Menschen mit geringen Beschwerden die Notaufnahmen aufsuchen um schneller behandelt zu werden. Auch die Krankenversicherungspflicht existiert nur in der Theorie, praktisch gibt es viele arme Menschen, die durch dieses System rutschen und keine Versicherung haben.
Ich hatte das Gefühl, dass das Gesundheitssystem auf einer guten Theorie basiert, die Umsetzung allerdings nicht so gut gelingt, man merkt, dass Indonesien ein Entwicklungsland ist. Allerdings funktioniert die Versorgung - zumindest in den Städten - besser als ich erwartet hatte!

Ein weiterer großer Unterschied war die Arbeitsweise im Krankenhaus selbst. Das hat mich z.T. positiv überrascht (es gibt sehr flache Hierarchien, ein respektvolles Miteinander, man lässt sich nicht stressen und bleibt in jeder Situation freundlich zu Kollegen und Patienten), z.T. negativ, insbesondere was die Hygiene betrifft, sind die Standards sehr viel niedriger als man es aus Deutschland gewohnt ist.

Alles in allem hatte ich das Glück, in einem tollen Team arbeiten zu dürfen, medizinisch habe ich aber leider nicht so viel gelernt wie ich es mir erhofft hatte. Das lag allerdings einfach an den fehlenden Fallzahlen in der Notaufnahme. Mein Betreuer war motiviert und immer offen für Fragen und ich bin sicher, ich hätte viel praktisch üben dürfen, hätte sich die Gelegenheit ergeben.
Ich würde aber nicht nochmal Notfallmedizin in diesem Krankenhaus wählen.

Land und Leute

Die Kultur und die Menschen in Indonesien haben mich absolut begeistert. Noch nirgendwo auf der Welt habe ich so offene, interessierte, hilfsbereits und unvoreingenommene Menschen getroffen. Es wird immer gelacht, egal in welcher Situation man sich befindet. Das macht es einem als Gast sehr einfach, neue Freunde zu finden, und Neues zu lernen, sei es die Sprache, Tipps für gutes Essen oder für Ausflüge.
In einem muslimischen Land zu leben war für mich eine neue und spannende Erfahrung, der Islam in Indonesien ist aber sehr gemäßigt, so dass die Religion zwar allgegenwärtig ist, man als Außenstehender davon aber nicht eingeschränkt ist. Ausgenommen davon war die Pflicht, im Krankenhaus Kopftuch zu tragen. Für mich war das in Ordnung, es war aber eine besondere Erfahrung, über die ich auch viel nachgedacht habe, und ich hätte mich wahrscheinlich in einem nicht-religiös geleiteten Krankenhaus rückblickend wohler gefühlt.

Um die javanische Umgebund zu erkunden und gleichzeitig auch das studentische, moderne Leben in der Stadt zu erleben, ist Yogyakarta die perfekte Stadt. Hier findet man vom Sultanspalast (Yogyakarta ist eine autonome, monarchisch regierte Region, eingebettet in den demokratischen Staat Indonesien, eine sehr interessante Kombination) über Luxushotels bis zu hippen veganen Restaurants und Studentenbars alles. Das Leben findet auf der Straße statt, man sitzt gemeinsam an einem der unzähligen Straßenstände auf dem Boden beim Essen, kauft auf der Straße ein und trifft sich abends auf dem großen Platz vor dem Palast. Die Indonesier sind sehr stolz auf ihre Küche, jede neue Bekanntschaft beginnt mit der Frage, welche Gerichte man denn schon probiert hat und welches das aktuell Liebste ist. Dadurch war ich immer ausgestattet mit Tipps und Adressen für leckeres indonesisches Essen. Ähnliches gilt für Sehenswürdigkeiten: die Indonesier lieben ihr Land und wollen es allen zeigen. Es ist nicht ungewöhnlich, dass einer der Einheimischen, die man z.B. an einem beliebten Strand trifft, dich stundenlang begleiten und von einem Aussichtspunkt zum nächsten führen oder dich zum Essen einladen. Am Besten nie nein sagen, so macht man sehr viele Erfahrungen, die man niemals hätte planen können.

Natürlich hätte ich gerne noch mehr von Indonesien gesehen, man hat ja nie genug Zeit auf einer Reise und ich habe viele freie Tage auch einfach in der Stadt verbracht und nicht mit Ausflügen verplant. Genau das fand ich aber eine tolle Erfahrung: nicht nur als Tourist im Land zu sein, sondern das ganz normale Leben der Studenten von dort "mitzuleben".

Fazit

Medizinisch gesehen hätte ich mit Sicherheit in 4 Wochen in einer deutschen Notaufnahme mehr gelernt. Meine Motivation für den Auslandsaufenthalt war aber nicht die Hoffnung auf fachliche, sondern auf menschliche und kulturelle Erfahrungen. Und diese Erwartungen wurden zu hundert Prozent erfüllt. Die Möglichkeit ein Land und eine Kultur auf die Art und Weise kennen und lieben zu lernen wie ich Indonesien kennenlernen durfte, hat man mit einem Urlaub oder einer Rucksackreise nicht. Mit den Menschen zu leben und zu arbeiten, die Alltagsprobleme und Bräuche kennenzulernen, eine neue Sprache zu lernen versuchen, das sind Erfahrungen, die ich nicht missen möchte. Ich habe viel von den Menschen dort gelernt, die positive indonesische Lebenseinstellung ist eine, von der sich die Deutschen gerne ein bisschen mehr abschauen dürfen. Ich würde jederzeit wieder so einen Austausch machen!

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