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India (MSAI-India)

Dermatologie - SCOPE (Famulaturaustausch)
von Katharina, München

Motivation

Nach drei Famulaturen in Deutschland wollte ich meine letzte Famulatur gerne im Ausland verbringen, um im Anschluss daran noch ein bisschen zu reisen. Ich habe mich für Indien entschieden, da mich das Land und die vielseitige Kultur schon lange fasziniert. Über einen Austausch bekommt man natürlich einen ganz anderen Einblick in die Kultur und das Leben vor Ort, als auf eigene Faust das Land zu bereisen, deshalb hat es mich sehr gefreut, als die Zusage für kam.

Vorbereitung

Ich hatte bereits mehrere bvmd-Infoabende besucht, hatte aber nie wirklich viele Bewerbungspunkte, weswegen ich mich erst für die letzte Famulatur beworben habe. Eine Auslandfamulatur über den bvmd zu organisieren ist verglichen damit, alles selbst zu organisieren, wirklich leicht und angenehm. Trotzdem muss man natürlich das ein oder andere organisieren, einen Sprachtest machen und Bewerbungsschreiben für die erste Präferenz verfassen. Wenn die Zusage kommt, wird man zur internationalen IFMSA Plattform weitergeleitet und lädt dort alle Unterlagen hoch, wählt Fachrichtung- und Ortspräferenzen und muss dann noch für jede gewählte Fachrichtung ein Bewerbungsschreiben hochladen. Ich habe keine Kurse oder Seminare zur Vorbereitung besucht und auch sonst nichts spezielles zur Vorbereitung gemacht.

Visum

Für Indien benötigt man ein Visum, das man schon vor der Einreise (spätestens wohl vier Tage laut der Website) beantragen muss. Meine Kontaktperson hat mir geraten, das normale Touristenvisum zu beantragen, was ich auch getan habe. Dazu lädt man alle benötigten Unterlagen auf der indischen Visumswebsite hoch und erhält dann innerhalb von ein paar Tagen die Bestätigung. Für das Beantragen sollte man sich ein wenig Zeit nehmen, da die Website nicht immer so gut funktioniert und man einige Fragen beantworten muss. Das Visum ist dann 60 Tage ab der Einreise gültig.

Gesundheit

Vor meiner Reise war ich im Tropeninstitut und habe alle nötigen Impfungen dort bekommen. Dort wurde ich auch bezüglich Malaria (sehr selten in Indien, weshalb keine Prophlaxe oder Standby-Medikation nötig ist) und Dengue-Fieber, was in Indien durchaus vorkommt, beraten. Wichtig ist, einen guten Mückenschutz (z.B. NoBite) und gegebenenfalls auch ein Moskitonetz dabei zu haben, und bei Fieber gleich zum Arzt zu gehen. Sinnvoll ist es deshalb auch, ein Thermometer dabei zu haben. Im Allgemeinen gibt es in Indien aber sehr gute Ärzte und auch alle Medikamente bekommt man dort. In meiner Reiseapotheke hatte ich deswegen vor allem verschiedenes gegen Durchfall dabei, der in Indien doch häufiger vorkommt, und Standartmedikamete gegen Schmerzen, Erkältung usw. dabei. Auch Vomex hätte mir im Nachhinein sehr geholfen, da z.B. unser Ausflug nach Goa über eine sehr holprige und kurvige Straße führte.
Zusätzlich habe ich über die apobank eine Reisekrankenversicherung für meinen Reisezeitraum abgeschlossen.

Sicherheit

Indien wurde 2018 als gefährlichstes Land der Welt für Frauen gewertet, weshalb ich schon etwas Respekt vor der Reise hatte.
Während meines Aufenthalts haben sich meine Sorgen aber schnell gelegt, ich bin während meines gesamten Aufenthalts nie in gefährliche Situationen gekommen. Man sollte allerdings darauf achten, vor allem außerhalb des Campus keine knappe Kleidung zu tragen und am besten auch, nicht alleine, sondern immer mindestens zu zweit unterwegs zu sein.
Wir waren auch als zwei Mädels oft zu zweit in Belgaum auch nach
Sonnenuntergang unterwegs und haben uns nie unsicher gefühlt.
Die Universität selbst achtet wirklich sehr auf die Sicherheit der Studenten, was zum Teil auch recht einschränkend sein kann. So muss man z.B. jeden Abend spätestens um 21h im Hostel sein und ab 21:30 muss jeder mit Unterschrift seine Anwesenheit bestätigen. Vor dem Hostel gibt es Wachmänner und der gesamte Campus wird auch bewacht.

Geld

In Indien zahlt man mit Indischen Rupien. Diese kann man erst vor Ort abheben. Geld abheben klappt gut per Kreditkarte, allerdings funktioniert nicht jeder ATM mit ausländischen Kreditkarten. Am Campus selbst gibt es aber einen ATM an dem das Abheben problemlos funktioniert. Geld wechseln kann man überteuert an den großen Flughäfen, ob es in Belgaum auch funktionert weiß ich leider nicht. Wir haben meistens bar gezahlt, aber in größeren Geschäften und Supermärkten konnte man auch problemlos mit Kreditkarte bezahlen.

Sprache

In Indien werden sehr viele Sprachen gesprochen. Allein in Belgaum wird Marathi, Kannada, Hindi und Englisch gesprochen. Mit Englisch kommt man aber eigentlich überall weiter, an der Uni ist die Lehrsprache auch Englisch. Manchmal hatte ich Probleme mit dem starken indischen Akzent, aber nach einer Weile gewöhnt man sich daran.
Die Patienten sprechen aber meistens kein Englisch, weshalb man selbst in der Regel keine Anamnese erheben kann und die Ärzte oder Studenten zu Infos befragen muss.

Verkehrsbindungen

Belgaum ist keine besonders große Stadt, weshalb es nur Flüge von Bangalore aus dorthin gibt. Ich bin von Delhi über Bangalore nach Belgaum geflogen, was etwa 440 Euro gekostet hat. Bei indischen Inlandsflügen sind Verspätungen normal, meine beiden Inlandflüge waren beide 1-2h zu spät. Die zweite Option nach Belgaum zu kommen ist mit dem Bus zu fahren. Man kann den Sleeper z.B. von Mumbai aus nehmen. Da das Buchen allerdings recht kompliziert ist, sollte man sich dabei an seine Kontaktperson wenden.
Im Allgemeinen haben die indischen Studenten uns aber eher empfohlen, mit dem Flugzeug zu kommen, da es wohl etwas zuverlässiger und auch angenehmer ist.

Kommunikation

Ich habe mir am Flughafen in Delhi eine Simkarte für ca. 10 Euro gekauft, da das Wifi nicht mit meiner deutschen Karte funktioniert hat, ich aber gern mit meiner Kontaktperson schreiben wollte, falls meine Flüge Verspätung haben. Sonst bekommt man von den Studenten vor Ort eine Karte. Mit der Simkarte hat man täglich ein Datenvolumen von 1,4GB über 84 Tage, man ist also nicht auf Wifi angewiesen.

Unterkunft

Ich habe zusammen mit den anderen Austauschstudenten in einem Girls-Hostel auf dem Campus gewohnt, ca. 10 Minuten Fußweg vom Krankenhaus entfernt. Die Zimmer waren jeweils für zwei Studenten und ich habe meines mit einer anderen SCOPE-Studentin geteilt. Auch die indischen Studentinnen wohnen in den Hostels, weshalb man bei allen Belagen eine Ansprechpartnerin findet. Die Hostels sind streng nach Geschlecht getrennt. Organisiert wurde alles von der indischen Organisation vor Ort. Die Zimmer waren sauber und wurden täglich gereinigt, pro Zimmer gibt es ein eigenes Bad.

Literatur

Ich habe nicht wirklich Literatur gelesen, auch weil Belgaum in keinem Reiseführer erwähnt wird. Andere Studenten hatten den Lonely Planet Reiseführer für Karnataka/Kerala, der ganz gut geeignet ist um Ausflüge zu planen.

Mitzunehmen

Mitnehmen sollte man einen Kittel, denn diesen trägt man jeden Tag im Krankenhaus, und je nach Abteilung ein Stethoskop. In der Derma habe ich keines gebraucht. Studentinnen tragen im Krankenhaus Kurtis, also indische Kleider, die man sich am besten vor Ort besorgt. Studenten sollten ein paar schickere lange Hosen, Hemden und Schuhe fürs Krankenhaus einpacken. Es ist auch sinnvoll, eine oder mehrere Rollen Klopapier mitzunehmen, denn das gibt es im Hostel nicht. Man kann sich aber auch welches verhältnismäßig teuer im Shop auf dem Campus besorgen. Adapter benötigt man nicht unbedingt, wir haben außerdem einen in unserer Welcome-Bag bekommen.

Reise und Ankunft

Ich wurde direkt am Flughafen von meiner Kontaktperson abgeholt. Man kann vom Flughafen auch ein Tuktuk nehmen, da jeder Fahrer dort das KLE kennt, aber für den ersten Tag war ich sehr froh darüber. Ich kam abends an und hatte noch einen Tag frei, bevor ich im Krankenhaus angefangen habe. Die Studenten von MSAI haben sich um alles gekümmert und mir alles Wichtige gezeigt. Mein Fachbereich wurde dann kurzfristig auf Dermatologie geändert, da es in der Gynäkologie, wo schon eine Studentin war, einige Probleme gegeben hatte.

Tätigkeitsbeschreibung und fachliche Eindrücke

An meinem ersten Prakikumstag hat mich der LEO in Belgaum ins Krankenhaus begleitet und mich vorgestellt. Dort wurde ich schon vom Head of Department erwartet und nach meinen Wünschen und Erwartungen gefragt. Ich wurde einer Fachärztin zugeteilt, mit der ich immer mitlaufen sollte und bei Fragen ansprechen konnte.
Das Team besteht aus mehreren Fachärzten sowie Assistenzärzten, die aber, im Gegensatz zu unserem System, noch studiert haben und zumindest in der Derma weniger Verantwortung hatten als ich es aus Deutschland kannte. Abwechselnd waren die Fachärzte immer für die Visite und Stationen beziehungsweise für die Ambulanz zuständig. Ich bin morgens meistens mit zur Visite gegangen, bei der zwei Fachärzte die Assistenzärzte und Studenten zu den Patienten und ihren Krankheitsbildern befragt und auch einiges erklärt haben. Das war eigentlich immer sehr interessant, da die Patienten oft Krankheiten haben, die man in Deutschland kaum sieht oder auch viel schwerere Ausprägungen von Erkrankungen haben, weil sie oft erst viel später einen Arzt aufsuchen. Die Visiten haben sich durch die langen Besprechungen ziemlich hingezogen, zwei Stunden waren es eigentlich immer. Danach bin ich in die Ambulanz gegangen, wo man zusammen mit einem Facharzt und zwei Assistenärzten in einem Zimmer sitzt und verschiedenste Fälle sieht. Die meisten Ärzte haben immer wenn Zeit war versucht, etwas zu den verschiedenen Fällen zu erklären oder zu übersetzen, da leider die wenigsten Patienten Englisch gesprochen haben. Es war ihnen auch wichtig, dass wir Austauschstudenten die gesehenen Fälle nochmal am Nachmittag nachlesen, aber wirklich streng waren sie dabei nicht.
Bei der Untersuchung durfte ich immer dabei sein, was in der Derma aber meistens aber Blickdiagnosen bedeutet. Wenn eine Probe genommen wurde oder ein anderer Test gemacht wurde, konnte ich aber auch mal etwas praktisch machen. Auch gefärbt und mirkoskopiert wurde meist direkt in der Ambulanz. Im Großen und Ganzen kann und darf man selbst aber in der Derma nicht besonders viel machen, da viele Fälle Blickdiagnosen sind und Studenten in Indien generell wenig selbst machen durften.
Ein Tag beginnt offiziell um 9h und geht bis zu Mittagspause um13h, hat dann zwei Stunden Pause, und kommt dann nochmal von 13h bis 15h zurück. Es ging allerdings es oft erst um 9:30h oder noch später wirklich los und oft konnte ich auch schon früher wieder gehen, war also sehr entspannt. Dienstags und Donnerstags finden nachmittags statt Sprechstunde Seminare statt, in denen die Assistenzärzte verschiedene Themen vorgestellt haben. Gut zu wissen ist auch, dass es in Indien eine Sechs-Tage-Woche gibt, man also von Montag bis Samstag in die Uni geht. Samstag geht es aber immerhin nur bis Mittags. Es gibt aber viele Feiertage, an denen man dann meistens auch den halben Tag frei hatte.

Land und Leute

Außerhalb des Krankenhauses war ich viel mit den anderen Austauschstudenten und, wenn Zeit war, auch den indischen Studenten vom SCOPE und SCORE Programm unterwegs. In Belgaum gibt es touristisch nicht wirklich viel zu sehen, aber man kann super auswärts essen, da es sehr viel Auswahl gibt. Ungünstig war nur, dass alle weiblichen Studenten immer schon um neun wieder im Hostel sein mussten, man musste also immer schon früh losgehen um entspannt essen zu können.
Die Studenten haben an zwei Wochenenden Social Program für uns organisiert, was je 1 1/2 Tage ging. Das erste Wochenende sind wir nach Dandeli gefahren, einem Ort direkt an einem Fluss, wo man gut Raften gehen kann. Dort haben wir in einem superschönen Resort im Zelt direkt am Fluss übernachtet und waren Raften, schwimmen und wandern.
Das nächste Wochenende ging es nach Goa, was ca. 100km von Belgaum entfernt ist. Die Fahrt dorthin dauert aber trotzdem ca. 3-4 Stunden. Leider ist unser Auto auf dem Weg kaputt gegangen, weshalb wir erst spät abends ankamen, nur noch essen waren und den eigentlich geplanten Saturday Night Market verpasst haben. Am nächsten Tag haben wir ein Wassersportpaket gebucht und haben verschiedenes, wie zum Beispiel Parasailing oder Jetski, ausprobiert. Dieser Ausflug war im großen und Ganzen auch schön, aber leider hatten die indischen Studenten, die uns begleitet haben, nicht wirklich Interesse daran mit uns zu reden und haben meistens auch auf Nachfrage ohne uns entschieden was als nächstes gemacht wird. Am letzen Wochenende bin ich dann noch mit zwei anderen Austauschstudentinnen nach Badami gefahren, wo man schöne Tempel besichtigen kann. Es war allerdings ziemlich schwierig dafür eine Erlaubnis zu bekommen, da das College eigentlich sehr steng mit Ausflügen von Studenten ist und man ohne Erlaubnis nicht fahren darf oder eine hohe Strafe zahlen muss.
Die indischen Studenten vom SCOPE-Team waren am Anfang sehr hilfsbereit und immer sehr besorgt um uns, was sich aber im Laufe des Austauschs gelegt hat. Meine Kontaktperson selbst habe ich nur zweimal wirklich gesehen, eigentlich musste die Kontaktperson meiner Zimmernachbarin alle seine Aufgaben übernehmen. Am Ende wurde ich auch nicht mehr verabschiedet als ich gefahren bin, was mich ein wenig enttäuscht hat. Im Großen und Ganzen habe ich aber auch außerhalb des Austauschteams viele nette Studenten getroffen die auch immer gerne bei allen Belangen weitergeholfen haben.
Allgemein ist es auf jeden Fall ein großer Kontrast, an die Uni in Indien zu kommen. Es war sehr wichtig, den Professoren immer Respekt zu zeigen und auch Studenten in höheren Semestern mussten mit Sir oder Madame angesprochen werden. Auch hat man für alle Ausflüge die Erlaubnis von den Eltern und vom College benötigt und wurde auch immer darauf kontrolliert.
Es ist auch auf jeden Fall ein ziemlicher Kulturschock, das erste Mal nach Indien zu kommen. Es gibt viele arme Menschen , und im Kontrast dazu auch sehr reiche Menschen. Es ist meistens sehr dreckig und überall in den Straßen liegt Müll. An jeder Straßenecke entdeckt man etwas Neues und es ist immer was los.

Fazit

Mein Austausch hat mir auf jeden Fall trotz einiger Kleinigkeiten sehr gut gefallen und es war unheimlich spannend, die indische Kultur kennenzulernen und zu erleben. Medizinisch gesehen hätte wahrscheinlich anderswo mehr lernen können, aber ich habe dafür einen spannenden und vielseitigen Monat erlebt. Indien ist ein unglaublich vielseitiges Land, in das ich bestimmt nochmal reisen werde.

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