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FiMSIC(Finland);FinnBrain Birth Cohort Study ? Neurodevelopment and Vulnerability to Stress

Verschiedene - SCORE (Forschungsaustausch)
Anonym

Motivation

Mich zog es schon immer für Famulaturen ins Ausland, zum Einen weil ich seh reisebegeistert bin, zum Anderen weil es wohl kaum eine bessere Möglichkeit zum Reisen gibt, als während des Studiums. Ich wollte unbedingt nochmal die Möglichkeit nutzen, dieses Mal für einen Forschungsaufenthalt. Ich habe mich für Finnland entschieden, da man mit der englischen Sprache sehr weit kommt, aber auch da mich dieses Land - als Natur- und wanderbegeisterte Person- sehr gereizt hat. Ich war neugierig ob mein Bild im Kopf (Rentiere, Weihnachtsmann, etliche Saunen, viele Seen) der Realität entspricht.

Vorbereitung

Ich habe mich ehrlich gesagt nicht großartig auf den Aufenthalt vorbereitet, sondern mich nur etwas vorher über Land und Leute informiert, zum Beispiel im Gespräch mit Freunden/Freundinnen, die schon dort waren, aber auch einfach durch Internet Recherche. Die Unterlagen, die man benötigt, waren übersichtlich auf der Seite der bvmd aufgelistet, außerdem konnte ich mich bei Fragen immer an die zuständigen NOREs wenden.

Visum

Da Finnland Teil der EU ist, braucht man kein Visum. Für die Einreise reicht der normale Personalausweis aus.

Gesundheit

Der einzige erforderliche Test war ein MRSA-Test vor dem Aufenthalt in Finnland sowie vor Ort. In Finnland selbst, sollte man , wenn man Lust hat nach Lappland zu reisen und während der entsprechenden Jahreszeit dort ist, Mückensprays oder ähnliches dabei haben.

Sicherheit

Für den Aufenthalt war eine Auslandskrankenversicherung notwendig, diese hatte ich aber schon vor meinem Aufenthalt. Ansonsten ist die Sicherheitslage in Finnland vergleichbar mit derjenigen in Deutschland.

Geld

In Finnland gibt es auch den Euro. Man kann überall und immer - auch an jedem noch so kleinen Obst- oder Eisstand- mit der Visa-Karte problemlos bezahlen. Lebensmittel im Supermarkt sind etwas teurer als in Deutschland, wobei es stark davon abhängt, was man kauft. So sind dunkles Brot und Haferflocken günstig, frisches Obst natürlich teurer, ebenso wie Essen gehen. Alkohol ist wegen der hohen Steuern darauf sehr teuer!

Sprache

Die Hauptsprache ist Finnisch, die zweite offizielle Sprache Schwedisch und so gut wie jeder Finne/jede Finnin sprich fließend Englisch, sodass es nie Kommunikationsprobleme gab. Ein paar finnische Wörter habe ich natürlich trotzdem vorher gelernt!

Verkehrsbindungen

Man kann bequem mit dem Flugzeug nach Helsinki oder sogar nach Turku selbst fliegen. Innerhalb des Landes gibt es ein gutes Bahn- sowie Busnetz, sodass Reisen in Städte gar kein Problem ist. Für Ausflüge mehr in die Natur ist ein Auto von Vorteil.

Kommunikation

Ich konnte meinen ganz normalen Handyvertrag inklusive des Datenvolumens in Finnland nutzen, auch Telefonate innerhalb des Landes und nach Deutschland waren kostenlos. Ansonsten gibt es im Krankenhaus selbst und in der Mensa etc auch Eduroam.

Unterkunft

Ich habe in einer wunderschönen Wohnung einer finnische Medizinstudentin gewohnt, teilweise sogar zeitgleich, das war super und wie richtiges WG-Leben. Die Wohnung war super gut gelegen und voll möbliert. Die Unterkunft wurde mir von der FiMSIC organisiert (vielen Dank!).

Literatur

Ich habe lediglich Amboss auf Englisch benutzt und im Krankenhaus gab es natürlich englische Fachliteratur, was sinnvoll war, wenn man sich nochmal über bestimmte Krankheitsbilder informieren wollte. Ansonsten gab es an meinem Tisch auch einen Computer.

Mitzunehmen

Ich habe ganz normale Klamotten mitgenommen, letztendlich hatte ich sogar zu viele warme Sachen, weil ich den wärmsten Mai der Geschichte Finnlands miterleben durfte. Ansonsten sind Kosmetika in Finnland relativ teuer und lohnen sich evtl einzupacken.

Reise und Ankunft

Die Anreise verlief problemlos, ich wurde direkt am Busbahnhof von meiner FiMSIC Kontaktperson abgeholt und zur Wohnung gebracht. Auch meinen Studierendesausweis für die Mensa sowie das Verpflegungsgeld habe ich direkt bekommen. Ich kam zwei Tage vor Praktikumsbeginn an, was gut war, um den erforderlichen MRSA-Test vor Ort direkt zu machen, mich im Krankenhaus bei der Professorin vorzustellen und mich etwas einzuleben.

Tätigkeitsbeschreibung und fachliche Eindrücke

Das Turku PET-Center ist eines der besten Zentren für die Bildgebung mit PET , da dort die Tracer direkt hergestellt werden, können auch solche mit sehr kurzen Halbwertszeiten verwendet werden. Diese kamen sowohl in klinischen Fragestellungen (zum Beispiel Metastasensuche, relevante Koronarstenosen?), als auch für Studienzwecke zum Einsatz. Die Studien reichen dabei von kardiologischen, über onkologische bis hin neurologischen Studien mit ganz unterschiedlichen Zielen. In der Studie, bei der ich hauptsächlich dabei war, ging es darum herauszufinden ob SGLT-2-Hemmer, die zur Therapie des Diabetes Typ II genutzt werden, das kardiovaskuläre Outcome der Patienten/innen positiv beeinflussen. Ein normaler Tag ging dabei meist von 8:00/8:30 bis 15:00 Uhr.
Alle Leute im PET-Center waren super nett und immer hilfsbereit mir Dinge zu erklären und zu zeigen.
Dabei ging die Hauptinitiative aber auch immer von mir aus, man muss eifrig alle ansprechen und sich vorstellen, um am Ende möglichst viel mitzunehmen. Wenn man das tut, kann man sowohl von Radiologen/innen als auch den Ärzten/innen unterschiedlicher Fachrichtungen viel lernen. Mir haben besonders viel die PhDler beigebracht, bei denen ich auch einen Schreibtischplatz hatte. Die Leiterin der kardiovaskulären und metabolischen Arbeitsgruppe war gleichzeitig die Leiterin der Endokrinologie, sodass ich zweimal die Woche mit ihr die Visite dort gemacht habe, wobei sie sich sehr viel Zeit genommen und viel erklärt hat. Bei den Gesprächen selbst mit den Patienten/innen konnte ich zwar nicht viel machen, aber davor und danach sind wir alles durchgegangen und Untersuchungen waren auch möglich. Das war super!
Bei den Studien im PET Center selbst handelt es sich um super spannende, allerdings kann man natürlich während der PET-CTs/MRTs nicht so viel aktiv mitmachen sondern schaut eher zu. Hier ist also auch wieder Eigeninitiative gefragt. Das Auswerten der Bilder allerdings zusammen mit den Radiologen hat mir viel Spass gemacht, zumal ich mich davor in der Bildgebung mit PET nicht wirklich gut auskannte. Auch die klinischen Fälle waren sehr spannend und es war interessant zu sehen, für was man alles PET-CTs verwenden kann.
In der Zeit, wo ich da war, werden allerdings weniger Tracer produziert, sodass es etwas weniger Studien und klinische Bildgebung gibt als normalerweise und in meiner letzten Woche hatte ich kaum Aufgaben, was für mich zunächst schade, dann allerdings insofern gut war, als dass die Leiterin mit erlaubt hat einen Tag zu fehlen , um nach Lappland fahren zu können.

Land und Leute

Das Land ist einfach traumhaft schön, die Natur ist ein Traum für alle, die das Grüne und die Weite und endlose Seenlandschaften gerne haben. Ich habe es genossen nach Lappland zu reisen, Rentiere zu sehen, zu wandern und keinem Menschen zu begegnen, in einer Hütte im Wald zu übernachten...Ich hatte dabei das große Glück Finnen und Finninnen kennengelernt zu haben, die diese Ausflüge mit mir unternommen und mir ihr Land gezeigt haben. So war ich zum Beispiel auch mit einer Freundin in deren Summer Cottage mitten auf einer kleinen Insel im Meer...unglaublich schön!
Turku selbst ist eine ideale Stadt für einen Forschungsaufenthalt, da es super viele Studenten gibt und man sehr schnell und gut Leute kennen lernen kann und es sehr viel Freizeitaktivitäten (viele Bars, Cafés, Bibliotheken, Shoppingangebote) gibt.
Zudem war es für mich als Berlinerin auch mal gut in einer kleinen Stadt zu wohnen, in der man alles super bequem per Fahrrad oder Fuß erreichen konntest.
Ich kann es auch nur wärmstens empfehlen in das Archipel vor Turku zu fahren, auch Helsinki lohnt einen Besuch. Man kann dort super gut mit dem Bus für 5 Euro hin fahren und so auch einen Tagesausflug machen und ein bisschen Großstadtfeeling auf dich wirken lassen. Überall gibt es auch diese Bike-Sharing Systeme sodass man easy immer ein Fahrrad mieten kann (in Turku für 30 Min kostenlos).
Und natürlich sollte man das Saunieren nicht vergessen (es gibt in Finnland halb so viele Saunen wie Menschen) - von Saunen am Meer, am See, mit echtem Holz und vielen Aufgüssen kann man dort nicht genug kriegen. Man geht dort übrigens mit Badesachen in die Sauna.
Generell fand ich die Menschen sehr, sehr nett und immer hilfsbereit. Meistens muss man zwar den ersten Schritt tun, aber dann sind alle ganz offen. Meine Mitbewohnerin war richtig lieb und wir haben echt viel zusammen unternommen und die Stadt zusammen erkundet. Auch die ganzen FiMSIC Leute war einfach spitze und haben sich um alles gekümmert und mir das Leben dort super viel einfacher gemacht. Ich habe mich von Anfang an zu Hause gefühlt, das war einfach großartig!
Als Porridge- und Lakritz-Liebhaberin und dunkles-Brot-Esserin, war das Essen natürlich auch sehr lecker, es ist gar nicht so unterschiedlich von dem Essen in Deutschland, als Vegetarierin war es für mich gar kein Problem, mich zu ernähren. Auch die Mensa für Studenten ist zu empfehlen, wo es ein Gericht inklusive Salat, Brot, Obst und Getränk (Wasser, Saft oder Milch) für 2,60 Euro gibt - und das sogar an Samstagen.

Fazit

Es war eine wundervolle Erfahrung, in der meine Erwartungen insbesondere was die Schönheit des Lande Sund die Stadt Turku selbst, sogar übertroffen wurden. Auch die Arbeitsbedingungen in Finnland sind ,so wie ich es erlebt habe, sowohl für Studenten/innen als auch für Ärzte/innen sind angenehmer (früher Schluss, weniger Dienste bessere Bezahlung beosnders in ländlicheren Regionen, mehr Unterstützung für Forschung, Bezahlung während klinischer Rotationen als Student/in) als in Deutschland. Würde ich jederzeit wieder machen!

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