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Verschiedene - SCORE (Forschungsaustausch)
von Rebekka, Dresden

Motivation

Eigentlich hatte ich für diesen Sommer etwas anderes geplant. Da das nicht so funktionierte, wie ich mir das gedacht hatte, musste ich mich nach etwas anderem umsehen. Dabei fiel mir auf, dass es einen Restplatz für den Forschungsaustausch nach Israel gab. Es erschien mir unlogisch, dass sich niemand für einen Platz in diesem sehr fortschrittlichen Land beworben hatte. Ich dachte mir, wenn sonst niemand dahin fahren möchte, fahre eben ich.
Da das ganze eher spontan entschieden war, hatte ich keine großen Erwartungen. Unser curriculum sieht ein Forschungspraktikum gar nicht vor. Deshalb habe ich mich darauf gefreut, einen Arbeitsbereich kennen zu lernen, der mir im Rahmen meines Studiums eher selten begegnet.
Ich bin dann auch nicht in dem Projekt gelandet, für das ich mich beworben hatte, aber das war nicht weiter schlimm.

Vorbereitung

Vorbereitungsseminare oder einen Sprachkurs habe ich nicht besucht. Hätte es einen Hebräisch-Kurs an der Uni gegeben, hätte ich den besucht. Die Kurse an der Volkshochschule waren auch ausgebucht. Es ist nicht zwingend nötig, die Landessprache zu lernen, bevor man an einem Austausch teilnimmt, aber es erleichtert das Ganze ungemein, wenn man ein paar Worte versteht. Ich kann bis heute kein Hebräisch, aber während des Austauschs habe ich mich mindestens täglich darüber geärgert, dass ich mit diesen Buchstaben nichts anfangen kann. Beispiel: Wie soll man Butter von Margarine unterscheiden, wenn keine Bildchen auf der Packung sind, und der Verkäufer kein Englisch spricht?

Visum

Irgendwelche Schwierigkeiten mit Formalitäten für die Einreise sind nicht aufgetreten.
Für Israel braucht man kein Visum. Am Flughafen in Tel Aviv werden auch die Reisepässe nicht gestempelt. Stattdessen bekommt man einen kleinen blauen Zettel, der als Aufenthaltsgenehmigung gilt. Den muss man unbedingt gut aufheben, sonst bekommt man später ein großes Problem bei der Ausreise, wie ich von anderen gehört habe.
Befragungen durch den Sicherheitsdienst zum Grund der Reise, Inhalt des Koffers, Bekannten im Land und ähnlichem sind normal. Man gibt einfach kurze, ehrliche Antworten.

Gesundheit

Die israelische Organisation verlangte ein spezielles Formular als Impfnachweis, das sie mir zugesendet haben. Ich hatte nicht alle dort aufgefürten Impfungen. Polio und Keuchhusten waren bei mir schon älter als 10 Jahre. Der Hausarzt weigerte sich aber, mir eine Vierfachimpfung zu geben, weil ich gegen Tetanus geimpft war, und er eine Artus-Reaktion fürchtete. Und die fehlenden Impfungen einzeln zu geben, ist nicht möglich, weil die Impfstoffe nicht als Einzeldosis verfügbar sind. Die Impfstelle des Gesundheitsamtes war am Ende bereit mich zu impfen.
Das nächste Problem war der Tuberkulose-Test. Vom Hausarzt wurde ich zum Gesundheitsamt geschickt, von dort zum Pulmologen und von dort wieder zum Hausarzt. Ich habe mit sehr vielen Arzthelferinnen in Pulmologischen Praxen gesprochen, bis ich eine gefunden habe, die bereit war einen Tuberkulin-Hauttest zu machen. Da der falsch positiv war, wurden eine ganze Reihe weiterer Untersuchungen durchgeführt. Fazit: viel Zeit für die Impfungen und Tests einplanen.
Zum Thema Reiseapotheke: Das einzige Medikament, das ich genommen habe, war Ibuprofen gegen Zahnschmerzen. Alles andere hab ich ungeöffnet wieder mitgebracht. In Israel gibt es auch gut ausgestattete Apotheken, sodass man nicht unbedingt prophylaktisch Medikamente mitbringen muss. Der Apotheker sprach auch gut Englisch. Was in Israel sehr teuer ist, ist die Sonnencreme. Und davon braucht man reichlich. Wer beim Busfahren Probleme mit Übelkeit hat, sollte auch dagegen etwas mitnehmen, denn der öffentliche Verkehr besteht hauptsächlich aus Bussen. Und der Fahrstil der Busfahrer entspricht ihrer Mentalität.

Sicherheit

Sicherheit ist in Israel ein großes Thema. In Deutschland scheint die Ansicht verbreitet zu sein, dass es gefährlich ist, nach Israel zu reisen, weil man nie weiß, wann der nächste Terroranschlag verübt wird. Das weiß man auch nicht, aber mir fällt kein Land auf dieser Welt ein, dass so gute Sicherheitsvorkehrungen dagegen hat. Wir sollten uns ein Beispiel daran nehmen.
Natürlich ist auch die Gefahr eines erneuten Krieges in der Region immer wieder ein Thema. Alle Israelis, mit denen ich mich darüber unterhalten habe, waren der Meinung, dass es keine Frage ist, ob es einen erneuten Krieg mit den Palästinensern geben wird. Die Frage heißt: wann? Man wartet auf einen Angriff. Auch der Iran und die Hisbollah im Libanon werden als Bedrohung angesehen.
Bei der Führung durch das Labor am ersten Tag wurde mir auch der Eingang zum Bunker gezeigt. Ich war nie drinnen. Es ist Pflicht für jedes neu zu errichtende Gebäude, einen Bunker/ Sicherheitsraum einzuplanen. Für die Menschen in Israel ist die Bedrohung durch einen eventuell kommenden Krieg Realität. Sie haben aber entsprechende Vorkehrungen getroffen. Im Fall eines Krieges gäbe es für uns eine Reisewarnung des deutschen auswärtigen Amtes und dann ist von einer Reise nach Israel natürlich abzuraten. Bis dahin sollte man die Chance nutzen, dieses Land kennen zu lernen.
Man wird im Alltag immer wieder Sicherheitskontrollen treffen. Am Eingang zu Einkaufszentren oder Touristenattraktionen werden die Taschen kontrolliert. Oft muss man durch Metalldetektoren gehen. In den Straßen trifft man viel mehr Polizei als bei uns. Seinen Pass sollte man immer dabei haben.
Auch Soldaten gehören zum normalen Stadtbild. Man fährt mit denen im selben Bus, weil sie genauso zur Arbeit gehen, wie jeder andere. Sie tragen nur eine Uniform und oft auch eine Waffe. Die Waffen wirken nicht bedrohlich sondern eher beruhigend, weil sie dazu da sind uns zu beschützen.
Mache Touristen lassen sich gern mit Soldaten fotografieren. Man kann sie fragen und bekommt meistens auch eine positive Antwort, aber wenn einer genervt ist von so vielen Touristen, ist das auch verständlich.
Mein persönliches Verhalten war weniger von Sicherheitsüberlegungen geprägt als von dem Wunsch, die Menschen mit ihren unterschiedlichen religiösen Vorstellungen nicht vor den Kopf zu stoßen.

Geld

Die Währung in Israel heißt New Israeli Shekel. Der Wechselkurs zum Euro lag bei ungefähr 4:1. In Hotels, Pensionen, Restaurants und Touristenattraktionen in Jerusalem kann man auch oft mit Dollar bezahlen. Auf dem arabischen Markt sind Dollar wohl auch gern gesehen. Ich habe mit der Kreditkarte an Geldautomaten der Bank hapoalim Bargeld (Shekel) abgehoben und meistens bar bezahlt. Das Bezahlen mit Kreditkarte ist aber in Israel auch weit verbreitet. Man kann auch Bargeld (Euro) mitbringen und am Flughafen oder im Wechselstuben in Jerusalem umtauschen. In Tzfat, wo ich mein Praktikum gemacht habe, habe ich keine Wechselstube gesehen. Vermutlich hätte man auf der Bank das Geld tauschen können. Die hatte aber unpraktische Öffnungszeiten.
Die Lebenshaltungskosten in Israel sind höher als in Deutschland. Das fällt besonders bei Lebensmitteln auf. Wir beschweren uns, wenn ein Stück Butter mehr als einen Euro kostet. In Israel kostet ein Butterstück auch einen Euro, aber es ist nur 100g groß im Gegensatz zu unserem, dass üblicherweise 250g hat.

Sprache

Offizielle Sprachen sind Hebräisch und Arabisch. Vieles ist auch in Englisch beschriftet. Aber besonders in Tzfat ist vieles nur Hebräisch. Ich weiß jetzt, wie Analphabeten sich fühlen. Ein besonderes Problem stellten Mikrowellen dar. Es gibt simple Modelle mit einem Drehknopf für die Temperatur und einem für die Zeit. Aber die neueren Modelle mit digitaler Anzeige und sieben verschiedenen hebräisch beschrifteten Knöpfen waren eine Überforderung. Ich war darauf angewiesen, weil das für mich organisierte Mittagessen immer als aufzuwärmende lunchbox kam.
Auch Einkaufen im Supermarkt war schwierig, weil man die Butter nicht von der Margarine unterscheiden konnte, und wenn man mit Hilfe von google Übersetzer das Wort für Quark gefunden hatte, war der salzig. Ich habe natürlich nicht die ganze Beschriftung auf der Quarkpackung übersetzt und entsprechend war mein Frühstück am nächsten Morgen ungenießbar.
Ich habe vor dem Austausch kein Hebräisch gelernt. Hinterher denke ich, dass es sehr hilfreich gewesen wäre, ein paar Wörter und einfache Sätze zu kennen. Ich habe mich mindestens täglich über mich selbst geärgert, weil ich mit den hebräischen Buchstaben nichts anfangen konnte. Jede Beschriftung, die nicht aus Piktogrammen bestand, war für mich ein unlösbares Rätsel.
Für das Praktikum selbst waren meine Englisch-Kenntnisse völlig ausreichend. Meine aus der Ukraine stammende Tutorin im Labor bedankte sich am Schluss dafür, dass ich ihr ein gutes Vorbild in der Anwendung der englischen Sprache gewesen sei. Die meisten Mitarbeiter dort sprachen fließend Englisch. Arbeitsanleitungen und Beschriftungen waren, abgesehen von denen auf Mikrowellen, auch in Englisch.
Außerhalb des Labors trifft man auf Menschen, die die unterschiedlichsten Sprachen sprechen. Manche sprechen nur hebräisch. Arabisch sprechende Menschen sind in Tzfat selten, aber in anderen Landesteilen verbreitet. Viele sprechen auch Russisch oder Englisch. Manchmal trifft man auch Jiddisch sprechende Menschen, die man recht gut versteht, die aber Deutsch nicht verstehen. Grundsätzlich sind die Israelis sehr freundlich, und wenn sie dich nicht verstehen, fragen sie einen anderen, ob er kurz übersetzen kann.

Verkehrsbindungen

Nach Israel reist man am besten mit dem Flugzeug. Es gibt Direktverbindungen von Frankfurt und von Berlin. Für die Sicherheitskontrollen am Flughafen sollte man reichlich Zeit einplanen. In Frankfurt gibt es eine zusätzliche Kontrolle kurz vor dem Gate. Flüge im September sind relativ teuer, weil das der Feiertagsmonat ist, und viele Menschen wegen der Feste nach Israel reisen.
Im Land ist das normale Verkehrsmittel der Bus. Die Fahrpreise sind ähnlich wie in Deutschland. Man kauft am Busbahnhof eine Karte (ravkav), auf die man Geld auflädt. Bei jeder Fahrt wird etwas davon abgebucht. Es gibt Stadtbusse und Überlandbusse, die, abgesehen vom shabbat, regelmäßig in jede gewünschte Richtung fahren.
Der shabbat ist das jüdische Wochenende. Er beginnt Freitag bei Sonnenuntergang und endet Samstag bei Sonnenuntergang. Da dieser Tag dem Gebet und der Erholung gewidmet ist, tun religiöse Juden nichts, was irgendwie nach Arbeit aussieht. Entsprechend steht der gesamte öffentliche Personennahverkehr still. An der Küste gibt es auch (deutsch aussehende) Züge und in Jerusalem eine Straßenbahn. Aber auch die stehen während des shabbat still. In manchen Städten gibt es arabische Busunternehmen, die auch am shabbat mit ihren Minibussen fahren.
An Bahnhöfen und Busbahnhöfen gibt es die überall üblichen Metalldetektoren und stichprobenartige Taschenkontrollen, gelegentlich auch Röntgen für alle Taschen. Man sollte rechtzeitig zum Bus gehen, für den Fall dass man an der Sicherheitskontrolle kurz anstehen muss. Busse warten grundsätzlich nicht, halten sich aber manchmal nicht so exakt an der Fahrplan, wie man das vielleicht von Deutschland gewohnt ist.

Kommunikation

WhatsApp ist ubiquitär. Das ist auch unter Medizinstudenten in Israel die hauptsächliche Kommunikationsplattform. Da ich einen Laptop dabei hatte, konnte ich auch recht einfach auf das Internet zugreifen. Im Labor und in der Wohnung hatte ich WLAN. Um unterwegs Internetzugang zu haben und auch mit nicht-WhatsApp-Nutzern kommunizieren zu können, habe ich eine Prepaid-SIM mit israelischer Nummer gekauft. Die Preise dafür sind ähnlich wie in Deutschland, man muss sich aber nicht umständlich anmelden.

Unterkunft

Die Unterkunft hat meine contact person für mich organisiert. Ich habe in einer Studenten-WG gewohnt, wo normalerweise drei junge Männer leben, die zu der Zeit aber alle Ferien hatten. Sie kamen gelegentlich mal, um für eine Nacht da zu schlafen. Das störte nicht weiter. Jeder hatte ja sein eigenes Zimmer. Was mich gestört hat, war die mangelhafte Sauberkeit. Einer von den Jungs stellte mal fest, dass sich noch nie jemand so gut um die Wohnung gekümmrt hätte wie ich. Ich war der Meinung, dass ich nur das nötigste getan hab.
Die Küche war gar nicht so schlecht eingerichtet. Man musste nur alles erstmal vom Schmutz befreien, bevor man es nutzen konnte. Aber es gab einen Kühlschrank, einen Herd mit Backofen, eine Mikrowelle (leider nur mit hebräischer Beschriftung). Mit dem Backofen habe ich mich mit der Zeit auch angefreundet. Man konnte leider die Beschriftung des Temperaturreglers nicht mehr lesen, aber nach einigem Experimentieren ist mir das Kuchenbacken gelungen.
Mit der Bettwäsche gab es einige Missverständnisse. Ich hatte gesagt bekommen, ich solle “sheets” mitbringen. Das Bettlaken, was ich dabei hatte, war viel zu klein. Und eine Decke, über die ich meinen Bettbezug hätte ziehen können, gab es nicht. Ich war froh, dass ich zusätzlich einen Schlafsack und ein kleines Kissen dabei hatte.

Literatur

Mit hebräischsprachiger medizinischer Literatur hätte ich nichts anfangen können, also war das einzige, was ich vorher gelesen habe, ein paar Artikel über CRISPR/Cas9. Und selbst das wäre nicht nötig gewesen. Meine Tutorin versorgte mich mit zum Froschungsprojekt passenden Artikeln für die Wartezeiten zwischen den Versuchen.
Für touristische Unternehmungen habe ich eine Reiseführer von lonely planet gekauft. Der erschien mir sehr aktuell und war besonders in Jerusalem echt hilfreich.

Mitzunehmen

Offenbar hatte ich recht gut gepackt, denn das einzige, was wirklich überflüssig war, war das Dirndl. Ich wollte mir für das international dinner besonders Mühe geben und habe ein Dirndl genäht, um mich “typisch deutsch” verkleiden zu können. Es gab aber kein international dinner für mich, denn alle anderen Austauschstudenten waren in TelAviv oder Haifa und für mich allein in Tzfat etwas zu veranstalten, machte keinen Sinn.
Es gab keinen Grund, etwas groß zu vermissen, denn in Tzfat konnte man abgesehen von Postkarten alles einkaufen. Was praktisch ist, wenn man es mitbringt, ist Sonnencreme, weil die sehr teuer ist. Außerdem ist ein Adapter für die Steckdosen sinnvoll. Viele Stecker passen auch in die israelischen Dosen, aber es klappt nicht immer.

Reise und Ankunft

Meine Anreise verlief ohne Zwischenfälle. Ich bin von Frankfurt nach TelAviv geflogen, wo mich meine contact person mit dem Auto abgeholt hat. Das fand ich sehr freundlich von ihr, denn es gibt zwar Bahnen und Busse, mit denen ich auch bis nach Tzfat gekomne wäre, aber mit dem großen Gepäck war es im Auto eindeutig einfacher.
Wir sind dann abends bei Sonnenuntergang angekommen. Meine contact person hat mir die Wohnung gezeigt, mir den WLAN-Schlüssel eingegeben, mich zum Supermarkt gebracht, damit ich etwas für das Frühstück am nächsten Morgen kaufen kann, und mich dann noch dem Sicherheitsdienst am Eingang zum Uni-Gelände vorgestellt, damit die mich am nächsten Tag auch rein lassen. Eigentlich wollte sie mir auch zeigen, wo ich das Labor finde, aber da sie es nicht finden konnte, musste ich es am nächsten Morgen selbst suchen gehen. Zufälligerweise habe ich eine Mitarbeiterin des Labors auf dem Gelände angesprochen, um nach dem Weg zu fragen, sodass das kein größeres Problem war.

Tätigkeitsbeschreibung und fachliche Eindrücke

Das Projekt, wo ich mitgearbeitet habe, hieß “functional characterization of musculoskeletal genes by CRISPR/Cas9 mediated genome editing in zebrafish” und meine Aufgabe darin “genotyping of adamtsl3 cristants”. Ich habe also untersucht, ob mit der “Genschere” manipulierte Fische wirklich die gewünschte Mutation tragen.
Am ersten Vormittag habe ich die Mitarbeiter und den Professor kennen gelernt, Sicherheitsbelehrungen gehört und gelesen und mit meiner Tutorin einen kleinen Rundgang durch das Gebäude gemacht. Ich bekam eine Computerarbeitsplatz zur Verfügung gestellt. Am Nachmittag haben wir mit der praktischen Arbeit begonnen. Ich habe gelernt, wie man die Fische fängt, betäubt und ein Stück der Schwanzflosse abschneidet. Das kann man ohne größere Bedenken tun, weil es wieder nach wächst.
Die folgenden Tage begannen um 8 Uhr mit einer kurzen Ansage meiner Tutorin, was für den Tag geplant ist und endeten mit Fische füttern um 4 Uhr oder auch mal etwas später, wenn ich meine Auswertung noch nicht fertig hatte.
Anfangs haben wir alle Aufgaben gemeinsam erledigt. Ich bekam sehr genau erklärt, wie die einzelnen Schritte meines Versuchs durchzuführen sind. Ich war aber sehr froh, dass wir im 3. Semester mal Biochemie-Praktikum gehabt hatten, denn im Labor wurde vorausgesetzt, dass ich mit Pipetten umgehen kann und so grundlegende Prozeduren wie PCR oder Gelelektrophorese im Prinzip erklären kann. Die genaue Bedienung der Geräte wurde mir natürlich erklärt.
Da sich diese Aufgaben immer wieder wiederholten, konnte ich mit der Zeit auch vieles selbstständig erledigen. Dann kam meine Tutorin nur hin und wieder vorbei, um zu fragen, ob ich zurecht komme. Und natürlich wollte sie meine Ergebnisse und meine Beurteilung derselben sehen. In der letzten Woche gab es dann eine geringfügige Änderung im Ablauf, weil wir damit beginnen konnten, die Nachkommen der von mir als genetisch verändert beschriebenen Fische zu untersuchen. Das haben wir wieder gemeinsam gemacht.
Für die Zeiten, wo es nichts Praktisches zu tun gab, weil ich darauf warten musste, dass die PCR oder irgendein anderes Gerät fertig wird, hat mich meine Tutorin mit wissenschaftlichen Artikeln zum Thema versorgt.
Eigentlich war auch noch geplant gewesen, dass ich die “Genschere” mal selbst anwenden kann, um Fisch-Embryos zu verändern. So weit sind wir aber nicht gekommen. Zum Ende der vier Wochen konnte ich zwar von den Fischen in unseren Tanks sagen, dass sie die gewünschte Mutation trugen, und wir hatten auch schon die ersten Nachkommen getestet. Ob das, was wir da gefunden hatten, aber wirklich die gewünschte Mutation im richtigen Gen war, konnte erst die Sequenzierung belegen. Deswegen haben wir am letzten Tag meines Praktikums Proben für die Sequenzierung in einem anderen Labor vorbereitet. Ich hätte gern noch das Ergebnis erfahren.
Ob meine Erfahrungen im Labor irgendeinen Einfluss auf meine zukünftige Arbeit als Ärztin haben werden, kann ich schlecht sagen. Ich weiß jetzt auf jeden Fall, wie mühsam Grundlagenforschung ist. Und wie schön es ist, wenn man sich über kleine Erfolge auf dem Weg zum Ziel freuen kann. Ich habe ja nur einen kleinen Ausschnitt (Untersuchung eines Gens) aus dem großen Projekt über die Muskelgene gesehen, und wir haben uns über jeden mutierten Fisch gefreut.
Verständnisschwierigkeiten gab es keine. Meine Tutorin stammte aus der Ukraine und meinte von sich selbst, sie würde schlecht Englisch sprechen. Für unsere Kommunikation war es aber völlig ausreichend. Auch die anderen Mitarbeiterinnen sprachen gut Englisch. Und wenn jemandem ein Wort beim besten Willen nicht einfiel, hatte man ja immer noch google translater.

Land und Leute

Mit dem social pogram durch die gastgebenden Studenten lief so ziemlich alles schief, was schief gehen kann. Ich war die einzige Studentin in Tzfat. Alle anderen Austauschstudenten waren in Tel Aviv oder Haifa und alle israelischen Studenten hatten Ferien. Der einzige Teil des Programms, zu dem ich eingeladen wurde, wurde abgesagt als ich schon unterwegs nach Tel Aviv war.
Ich war also auf mich allein gestellt und da ich kein hebräisch spreche, war jeder Versuch irgendwo hin zu fahren ein Abenteuer. Ich habe vieles verkehrt gemacht, aber es gab unterwegs immer wieder nette Menschen, die mir halfen, z.B. wenn ich die Bushaltestelle verpasst hatte, an der ich hätte aussteigen sollen.
In Tzfat selbst gibt es nicht so viele Sehenswürdigkeiten. Im Stadtzentrum um die Zitadelle gibt es einen Park, in dem man sich gut aufhalten und das Verhalten orthodoxer Juden beobachten kann. In der Künstlerkolonie kann man die Schaufenster bewundern und einkaufen, falls man so viel Geld hat. Am letzten Shabbat, den ich in Tzfat verbracht habe, hat mir jemand gezeigt, wo das Museum ist. Es muss so eine Art Heimatkundemuseum sein, aber, ob es gut ist, kann ich nicht sagen.
Tzfat hat einen Busbahnhof, von wo man in verschiedenste Richtungen fahren kann. An einem Tag bin ich z.B. mit meiner Tutorin vom Labor ans Mittelmeer gefahren, um den Strand zu genießen. In Israel ist alles nicht weit weg. Man hätte genauso gut an den See Genezareth oder auf die Golan-Höhen fahren können.
Auch eine Reise in Palästinenser-Gebiete (außer Gaza) wäre möglich gewesen. Es kann aber auch ganz kurzfristig vorkommen, dass Kontrollposten abgeriegelt werden und weder Araber noch Touristen durch kommen. Auf dem Weg ans Tote Meer sind wir durch die westbank gefahren. Sonst bin ich in der Gegend nicht gewesen.
Viele touristisch interessante Orte kannte ich schon von früheren Reisen. Es gab für mich keinen Grund nochmals nach Bethlehem oder Jericho zu fahren. Ich hatte die Jordan-Quellen schon gesehen und war im See Genezareth schwimmen gewesen. Um den See herum gibt es viele Kirchen zu besichtigen, man kann den sogenannten Petrus-Fisch probieren, wandern gehen, sich im Boot über den See fahren lassen, sich die Ausgrabungen an der früheren Synogoge von Magdala erklären lassen…
Haifa kannte ich noch nicht und eine israelische Medizinstudentin, die ich in Tschechien kennen gelernt hatte, wohnte dort. Bei ihr habe ich ein Wochenende verbracht. Dort sollte man die Bahai-Gärten angucken gehen, auch wenn man da viele Treppen steigen muss. Auch die Wanderung auf den Mount Karmel habe ich genossen.
Im Anschluss an das Praktikum habe ich noch ein paar Tage in Jerusalem verbracht. Dort gibt es unzählige Orte zu besuchen. Wer vor hat, in die Grabeskirche zu gehen, sollte das vor 7 Uhr morgens tun. Ich war überrascht, wie wenig Besucher morgens dort waren. Tagsüber herrscht dort großes Gedränge. Ein Besuch auf dem Ölberg bei Sonnenuntergang ist geeignet, um tolle Fotos von der Altstadt zu machen. Der arabische Markt ist mir nicht so sympathisch, aber Menschen, die gern feilschen kommen da auf ihre Kosten. Auf dem jüdischen Markt kann man dagegen nicht feilschen, findet aber die unterschiedlichsten Früchte, Gewürze und Tees. Die Datteln sollte man unbedingt probieren. Wer ins Israel-Museum geht, muss eine Auswahl treffen, denn alle Ausstellungen kann man nicht angucken, selbst wenn man sich einen ganzen Tag Zeit nimmt. Das Modell von Jerusalem vor 2000 Jahren ist beeindruckend.

Fazit

Zusammenfassend würde ich meine Reise als gelungen bezeichnen. Meine Erwartungen an die Austauschorganisation vor Ort wurden nicht erfüllt. Es gab kein social program und mir fehlte der persönliche Kontakt mit den israelischen Studenten vor Ort. Aber der Praktikumsplatz war super. Die Kleinigkeiten, die nicht wie erwartet liefen, werden mich nicht davon abhalten weiterhin gern zu reisen und Praktika auch im Ausland zu machen.
Meine Antwort auf die Frage, ob ich mir vorstellen könnte in Israel zu arbeiten: Vorher müsste ich Hebräisch und Russisch lernen.

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