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Verschiedene - SCORE (Forschungsaustausch)
von Carlotta, Erlangen

Motivation

Den Entschluss, über die ifmsa ins Ausland zu reisen, fasste ich sehr spontan. Ich bewarb mich im Frühjahr 2018 über die Restplatzvergabe für die Austauschsaison im Sommer desselben Jahres. Daher fiel meine Entscheidung für den Oman eher ungeplant, ohne viel Vorwissen und ohne große Erwartungen. Aber ich kann zu Beginn dieses Erfahrungsberichtes schon einmal vorwegnehmen, dass ich diese Entscheidung in keiner Weise bereue und meine Erwartungen bei Weitem übertroffen wurden!

Vorbereitung

Dadurch, dass mein Austausch sehr kurzfristig zustande kam, traf ich keine großen Vorbereitungen. Etwas schwierig war der Bewerbungsprozess über die ifmsa-Homepage, da meine Dokumente teilweise nicht gespeichert wurden und die Seite manchmal abstürzte. Nora Drees als NORE-Out war dabei aber sehr hilfsbereit und kümmerte sich um die Formalitäten der Bewerbung. Das Englisch-Zertifikat bekam ich über das Spracheninstitut unserer Uni.
Etwas Schwierigkeiten hatte ich dabei im Voraus Informationen über den Austausch zu erhalten, da ich meine Kontaktperson nur schlecht und erst kurzfristig vor Reisebeginn erreichen konnte. Daher wusste ich nicht, wo ich übernachten und ob mich jemand vom Flughafen abholen würde, welchem Projekt ich zugeteilt wurden und ob es ein social program geben würde. Das machte mich vor der Abreise zwar etwas nervös, aber im Endeffekt klappte alles sehr gut.

Visum

Das Visum beantragte ich im Vorfeld über die Homepage der Royal Oman Police. Ich wählte ein 30 Tage Touristenvisum und zahlte 20 Rial = 44 €. Die Bewerbung für das Visum gestaltete sich sehr einfach und ich brauchte an Dokumenten nur meinen Pass und ein aktuelles biometrisches Passbild. Die Bestätigung bekam ich nach einem Tag und ich konnte ohne Probleme einreisen. Es wäre auch kein Problem gewesen das Visum vor Ort am Flughafen zu beantragen. Das Visum kann für weitere 30 Tage an einer Polizeistation oder am Flughafen Maskat verlängert werden.

Gesundheit

Während meines Aufenthaltes hatte ich keine größeren gesundheitlichen Probleme. Ich musste für die Universität im Vorfeld eine Impfbescheinigung von meinem Hausarzt ausfüllen lassen, in der auch nach einer BCG-Impfung gegen Tuberkulose gefragt wurde. Diese hatte ich nicht und konnte sie auch nicht nachholen lassen, da sie in Deutschland mittlerweile nicht mehr durchgeführt wird. Das war aber kein Problem für die Universität. Im Vorfeld musste ich ein Schreiben meiner Krankenkasse vorweisen, aus dem hervorging, dass Versicherungsschutz im Ausland besteht.

Sicherheit

Während meines Aufenthaltes habe ich mich in keinem Moment unsicher gefühlt. Obwohl wir in einem sehr lebendigen Viertel gewohnt haben, war es kein Problem auch noch spät abends als Frau alleine durch die Straßen zu laufen.

Geld

Die Währung im Oman ist der Rial, wobei 1 Rial etwa 2,2€ entspricht. Ich würde empfehlen Geld im Oman mit einer Kreditkarte abzuheben. Zudem besteht in Supermärkten, Restaurants und Geschäften sehr oft die Möglichkeit mit Kreditkarte zu bezahlen. Wenn du keine Kreditkarte hast, ist es auch kein Problem das Geld zu tauschen, da es hierfür viele Exchange offices gibt. Das Preisniveau im Oman ist dem deutschen relativ ähnlich, wobei Taxifahren und Essen im Restaurant eher billig und Alkohol sehr schwierig zu kaufen und teuer ist. Da wir meistens in der Kantine gegessen haben, mussten wir wenig einkaufen und haben nur abends manchmal im nahegelegenen Coffee Shop Sharwama oder Salat gegessen und Milkshakes getrunken.

Sprache

Im Oman wird Arabisch, aber auch sehr gut Englisch gesprochen. Der Großteil der Arzt-Patienten-Kommunikation findet in Arabisch statt, unter den Ärzten wird aber Englisch gesprochen und die Lehre ist auch auf Englisch. In meinem Forschungsprojekt und im Alltag war es kein Problem sich in Englisch zu verständigen. Über die SCOPE-Austauschstudierenden und meine zwei Tage in der primary care des Krankenhauses habe ich mitbekommen, dass die Kommunikation zwischen Ärzten und Patienten meist in Arabisch stattfindet, von den Ärzten aber bereitwillig für die Nicht-Arabisch-Sprechenden übersetzt wird. Natürlich ist es von Vorteil etwas Arabisch sprechen zu können, aber absolut keine Voraussetzung.

Verkehrsbindungen

Das Auto ist das Verkehrsmittel schlechthin im Oman. In Maskat gibt es nur eine Hauptbuslinie, die wir aber nie nutzten, da die Station relativ weit von unserer Unterkunft entfernt lag. Die omanischen Studenten waren aber unglaublich hilfsbereit und fuhren uns neben den vielen Ausflügen des social programs zu verschiedenen Orten, zu denen wir wollten /mussten. Ansonsten gibt es zahlreiche Taxis, die relativ billig sind. Die Fahrer sind vertrauenswürdig, man sollte aber immer den Preis verhandeln.

Kommunikation

In unserer Unterkunft gab es kein WLAN. Daher kauften wir uns alle eine omanische SIM-Karte von Omantel oder Ooredoo, bei der man pro GB etwa 2 Rial bezahlt. Auch gibt es einige Restaurants und Cafés, in denen WLAN angeboten wird. Um Whatsapp-Anrufe zu tätigen, muss man sich eine VPN-App herunterladen. Die Verbindung generell ist gut und man hat nur an wenigen Orten außerhalb von Maskat keinen Empfang.

Unterkunft

Unsere Unterkunft lag in Al Khoud 6, einem lebhaften Bezirk mit vielen Einkaufs- und Essensmöglichkeiten. Das war sehr praktisch, da die wichtigsten Geschäfte wie Supermarkt, Gemüseladen, Schreibwarenladen, Schuhladen, Internetcafe, Schneider in Laufnähe entfernt lagen. Die Uni war nur etwa 5 Kilometer entfernt. Das Haus, in dem wir wohnten, war ein Studentenhaus mit einzelnen Wohnungen und Zweibettzimmern. Es gab eine Küche mit der nötigsten Ausstattung, eine Waschmachine, Kühlschrank und Dusche. Obwohl die Wohnungen nicht sehr sauber waren, mochte ich diese Unterkunft sehr, da man abends auf dem Dach sehr schön sitzen und den Ausblick über Maskat genießen konnte. Außerdem nutzten wir einen Raum als Gemeinschaftsraum, in dem wir uns oft trafen und wunderbare Stunden mit der ganzen Gruppe verbrachten. Bettwäsche gab es, Handtücher musste man aber selbst mitbringen. Da ich mitbekommen habe, dass Studierende nach uns in ein anderes Gebäude umgezogen sind, weiß ich nicht, in welchem Gebäude die nächsten Austauschgruppen untergebracht sein werden. Die neuen Appartments sollen sehr neu und modern sein, sich allerdings in einer ruhigen Wohngegend mit weniger Einkaufsmöglichkeiten befinden.

Literatur

Informativ ist die Homepage des Auswärtigen Amtes. Sie gibt einen guten Überblick über verschiedene Themen. Dadurch, dass ich meinen Austausch eher spontan geplant habe und meine Eindrücke über das Land vor allem vor Ort sammeln wollte, habe ich im Vorfeld eher wenig über das Land und zur Reisevorbereitung gelesen. Ein Reiseführer ist sicherlich hilfreich und gut, um sich über Orte zu informieren, die man durch das social program besichtigt. Die omanischen Studenten kennen sich aber gut aus und erzählen gerne etwas über die Geschichte des Landes oder Interessantes zu verschiedenen Orten.

Mitzunehmen

Man sollte mindestens Schultern und Knie bedecken, wenn man in der Öffentlichkeit unterwegs ist. Bei unseren Ausflügen in die Natur beispielsweise zu den Wadis ist es aber auch kein Problem gewesen kürzere Kleidung zu tragen. Wir haben an zwei Wochenenden im Freien geschlafen und es wurde nachts relativ kalt. Deshalb ist es auf jedem Fall gut, eine warme Jacke mitzunehmen. Ich machte meinen Austausch im September und obwohl es immer noch sehr heiß (35 °C) und die Luftfeuchtigkeit in Maskat hoch war, empfand ich das Wetter nicht als schlimm und die durch Klimaanlagen sehr kalten Innenräume machten mir mehr Probleme.
Obwohl wenige Leute dort tagsüber an öffentlichen Stränden im Meer baden gehen, waren wir doch öfter in einem Beach Club oder an einem privaten Strand, wo man problemlos Bikini / Badehose tragen und ins Wasser gehen kann. Deshalb auch unbedingt mitnehmen!

Reise und Ankunft

Obwohl ich im Voraus nicht wusste, wie meine Reise nach der Landung am Flughafen weitergehen würde, klappte alles sehr gut. Ich wurde von meiner Kontaktperson am Flughafen abgeholt und zur Unterkunft gebracht. Ich reiste drei Tage vor Praktikumsbeginn an und war eine der ersten. Dadurch lernte ich noch einen Teil der Austauschgruppe kennen, die einen Monat vorher den Austausch machte. Sie nahmen mich sehr nett auf und zeigten mir alles Nötige. Die Arbeitswoche im Oman beginnt am Sonntag. Deshalb war unser erster Tag an der Uni / im Krankenhaus ein Sonntag, an dem wir unsere Namensschilder und die Coupons für die Kantine bekamen. Von den omanischen Studierenden wurden wir zu unseren Abteilungen geführt und alle unsere Fragen beantwortet.

Tätigkeitsbeschreibung und fachliche Eindrücke

Mein Forschungspraktikum machte ich in der Immunologie/ Mikrobiologie des medizinischen Colleges der Sultan Qaboos Universität. In dem Projekt ging es um den Zusammenhang zwischen Helicobacter-pylori-Infektionen und Autoimmunkrankheiten und ich wurde von Dr. Mohammed Al-Balushi betreut. Obwohl dieses Projekt zuvor nicht in der Liste der verfügbaren Forschungsprojekte stand und ich daher drei andere Projekte in meiner Bewerbung ausgewählt hatte, hätte mein Praktikum nicht besser sein können. Dr. Mohammed gab sich sehr viel Mühe mir Basisfähigkeiten der Forschung im Labor zu vermitteln und zeigte mir verschiedene Analysemethoden und Experimente wie ELISA, Hämagglutinationstest und Immunofluoreszenztest. Dabei war er sehr geduldig und ließ mich Vieles selbstständig erledigen. Außerdem legten wir Zellkulturen an und wechselten regelmäßig die Medien. Für mich persönlich war es sehr interessant und lehrreich, da ich zuvor keinerlei Erfahrungen in der Forschung gesammelt hatte und ich durch das Praktikum einen ersten Einblick bekommen konnte. Zudem erklärte mir sowohl Dr. Mohammed als auch andere Mitarbeiter des Departments geduldig und ausführlich deren Forschungsschwerpunkte. Da eine Masterstudentin während meines Aufenthalts gerade an ihrem Forschungsprojekt arbeitete und ein Oberflächenprotein von Monozyten isolierte, hatte ich die Möglichkeit ihr über die Schulter zu schauen und auch zu helfen. Das war für mich fast der interessanteste Teil des Praktikums, weil ich dadurch neben praktischen Laborfähigkeiten auch etwas über die Planung eines Forschungsprojektes lernen konnte. Interessant war auch, einen Einblick in die medizinische Lehre der Sultan Qaboos Universität zu erhalten. Vermittelt durch Dr. Mohammed konnte ich am medizinischen Mikrobiologie-Praktikum teilnehmen und Vorlesungen besuchen, die mich interessierten. Weil ich auch einmal in den klinischen Alltag im Oman hinein schnuppern wollte, verbrachte ich zwei Tage in der primary care des Krankenhauses und bekam dort etwas von der Patientenerstuntersuchung und -versorgung mit.
Unsere gesamte Austauschgruppe wurde morgens um 7:30 Uhr von einem Bus von der Unterkunft abgeholt. Da ich zu keiner bestimmten Uhrzeit im Department anfangen musste, konnte ich mit anderen Austauschstudierenden noch in der Kantine frühstücken. Wir erhielten Coupons für den gesamten Monat, mit denen wir reichlich Essen für den gesamten Tag bekommen konnten. Da ich meistens schon um 12 oder 13 Uhr mit meiner Arbeit fertig war, ging ich meist danach in die Kantine zum Mittagessen und teilte mir dann mit Anderen ein Taxi zurück zur Unterkunft oder wartete bis 15:30 Uhr bis der Bus uns zurückbrachte. Generell habe ich also sehr positive Erfahrungen in meinem Forschungspraktikum gemacht und kann das Projekt / Department sehr weiterempfehlen!
Die Universität ist groß und modern. Es gibt eine medizinische Bibliothek und auch einen Sportbereich. Ich habe den Eindruck gewonnen, dass die Qualität der medizinischen Lehre sehr gut und anspruchsvoll ist. Die Studierenden sind aufgeschlossen und hilfsbereit. Ungewohnt war für mich die starke Trennung von männlichen und weiblichen Studierenden z. B. während Vorlesungen und Praktika.

Land und Leute

Das Praktikum in der Universität war sehr interessant, aber das mit Abstand Beste war das social program! Die omanischen Studenten und deren Freunde gaben sich sehr viel Mühe uns eine unvergessliche Zeit zu ermöglichen. An den Wochenenden unternahmen wir größere Ausflüge in die Berge, zu den Wadis, in die Wüste und ans Meer. Am ersten Wochenende fuhren wir zum Jebel Shams und schauten uns kleine Orte an. Wir campten auf einem schönen, einsamen Campingplatz, grillten Mischkak-Spieße und saßen lange am Feuer und schauten den Sternenhimmel an. Am nächsten Tag besichtigten wir die Burg und den Markt von Nizwa. Das folgende Wochenende badeten wir im Sinkhole und wanderten zum Wadi Shab, wo wir uns von der Hitze im Wasser der kühlen Grotte erholten. Wir sahen die Wüste, ritten auf Kamelen und gingen in traditionellen Restaurants essen. Die Nacht verbrachten wir am Strand. Das dritte Wochenende war das Meer-Wochenende. Wir wurden von einem Boot zu einer kleinen Insel gebracht, verbrachten dort den Tag und schauten uns den Sonnenuntergang von dem Dach eines alten Leuchtturms an. Am nächsten Tag mieteten wir ein Boot, beobachteten Delfine und gingen Schnorcheln. An diesem Tag hatten wir auch das für mich leckerste Essen der ganzen Reise in einem türkischen Fischrestaurant. Unterwegs waren wir immer mit mehreren Autos, die die Omanis fuhren. Auch wenn wir pro Wochenende etwa 25 Rial zahlten, in denen aber alle Kosten eingeschlossen waren, war es das aus jeden Fall wert!
Unter der Woche besichtigten wir Orte in Maskat (die große Moschee, das Opernhaus, den Matrah Souq, den Sultanspalast), fuhren Quad und gingen abends gemeinsam weg.
Wir sahen in diesen vier Wochen also sehr viele verschiedene Orte im Oman und hatten viele gemeinsame Erlebnisse. Dadurch, dass wir die Möglichkeit hatten zumindest einfache Gerichte in unseren Appartments zu kochen, nutzten wir auch öfters die Gelegenheit internationales Essen zu kochen und gemeinsam zu essen.
Wir waren 12 Austauschstudierende aus Romänien, Deutschland, Österreich, Irak, Estland, Italien und Polen. Außerdem waren zu dem Zeitpunkt auch noch andere Studierende aus verschiedenen Ländern für Praktika in unserer Unterkunft, mit denen wir viele Dinge gemeinsam unternahmen. Wir hatten viel Kontakt zu den omanischen Medizinstudierenden und deren Freunden, die über den gesamten Monat trotz Unialltag viele Dinge mit uns unternahmen und wie alle Leute, die uns im Oman begegneten, sehr hilfsbereit waren. Sie und alle anderen ermöglichten mir einen unvergesslichen Monat!

Fazit

Meine Erwartungen wurden mehr als erfüllt und ich denke immer wieder mit Wehmut und Fernweh an diesen tollen Monat im Oman zurück. Ich würde es jedem weiterempfehlen! Für mich war es die erste Reise in ein arabisches Land und ich denke, dass ich in diesem Monat nicht nur in meinem Praktikum etwas gelernt, sondern auch viele Erfahrungen für mich persönlich gemacht habe und einen ersten Einblick in das Land und die Kultur erhalten konnte. Ich würde gerne noch einmal in den Oman reisen und bin auch sehr motiviert einen weiteren Austausch über die ifmsa zu machen.
Wenn du Fragen hast, kannst du mir gerne schreiben: carlotta.schoenau(at)gmx.de

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