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Eat to Fight your Disease (Ruanda)

Innere - SCOPH (Public-Health Austausch)
von Theresa, Rückholz

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Motivation

Im Zuge der Restplatzvergabe bewarb ich mich für den Public Health Austausch in Ruanda, der von der bvmd zusammen mit dem Verein „Eat to fight your disease“ organisiert wird. Meine Wahl fiel auf diesen SCOPH-Austausch in Ruanda, da es für mich nach einer sehr guten Gelegenheit klang, um eine Famulatur in einer Klinik im Ausland zu machen und dabei ein anderes Gesundheitssystem kennenzulernen. Gleichzeitig kann man während der Famulatur aber auch ein soziales Projekt vor Ort kennenlernen und unterstützen.

Vorbereitung

Nachdem ich die Zusage von Saskia erhielt, musste ich den Platz bei der bvmd noch verbindlich annehmen und die Bewerbungsgebühr überweisen, die bei Restplätzen erst nach der Zusage fällig ist. Den Einzahlungsnachweis und die unterschriebenen Bewerbungsbedingungen habe ich dann per Mail und Post an die bvmd geschickt. Gleich im Anschluss kann man sich auch für einen Fahrtkostenzuschuss bewerben. Die Bewerbung dafür war unkompliziert und deckte bei mir die Kosten für den Flug. Von Saskia erhielt ich zusammen mit der Zusage noch eine Reihe von Informationen und Aufgaben, die dann zu erledigen waren. So müssen noch zwei Formulare ausgefüllt werden und zusammen mit einer Immatrikulationsbescheinigung, einem Foto und einem Empfehlungsschreiben der Heimatuniversität (konnte ich online beim Studiendekanat beantragen) nach Butare geschickt werden. Als Ansprechpartner wurde Alexis, der akademische Sekretär, angegeben, der aber für PJler als Kontaktperson wichtig ist, für Famulanten eher weniger. Da ein Acceptance Letter der Klinik benötigt wird um die Famulatur machen zu dürfen, hatten wir Alexis im Vorfeld viele Mails geschrieben und nie eine Antwort bekommen außer dass er gerade sehr beschäftigt sei. So sind wir ohne Acceptance Letter angereist, was auf keinen Fall zu empfehlen ist. Am Tag vor Beginn der Famulatur sind wir dann zu Elias, dem Zuständigen in der Klinik, der uns eine halbe Stunde erklärte, dass es ohne Acceptance Letter unmöglich sei anzufangen. Schließlich durften wir doch, allerdings mit der Drohung, dass es für Studenten von unseren Heimatuniversitäten definitiv nicht mehr möglich sei. Was ich damit sagen will ist, dass ihr auf jeden Fall so lange nachhaken müsst, bis ihr einen Acceptance Letter habt. Keine Antwort heißt nicht, dass ihr eine Zusage habt. PJler können bei Alexis nachfragen, Famulanten sollten ihre Bewerbung auf jeden Fall zu Elias schicken und solange per Mail und WhatsApp (Nummer gibt es in der Facebook-Gruppe) nerven, bis man den Letter bekommt. Daneben gibt es noch weitere Zuständige in Kigali, Antoinette und ihre Assistentin Laurence, die man auch mal mit seiner Bewerbung kontaktieren kann, auch per Mail und WhatsApp, wenn man sonst noch keine Antwort bekommen hat. Für alle Fragen und Probleme gibt es die sehr nützliche Facebook-Gruppe „Eat to fight your disease – Exchange“, dort habe ich dann gesehen, dass eine andere Studentin gleichzeitig ihre Famulatur in Butare macht. Wir sind zusammen hingeflogen und weiter nach Butare gefahren und konnten auch die Formalitäten mit Elias etc. zusammen erledigen, was wirklich angenehm war. Ansonsten ist es natürlich auch möglich, die Anreise auch als Frau allein zu machen, die Ruander sind sehr hilfsbereit, wenn es Schwierigkeiten geben sollte. Ansonsten muss man eigentlich nichts weiter machen, außer einen Flug zu buchen, sich die notwendigen Impfungen und Malariaprophylaxe zu besorgen, eine Unterkunft zu suchen und eventuell die notwendigen Dokumente für das N2 Visum mitzunehmen.

Visum

Für die Einreise wird ein Reisepass benötigt, der noch 6 Monate über die Reise hinaus gültig sein muss. Am Flughafen in Kigali müssen dann 30 Dollar für das single-entry visum bezahlt werden, es ist wohl aber auch möglich in Euro oder mit Kreditkarte zu bezahlen. Dieses Visum ist 30 Tage gültig und kann problemlos 5 Tage überzogen werden, also 35 Tage, was eine einmonatige Famulatur ganz gut abdeckt. Vom Krankenhaus wird gewollt, dass man ein N2 – occupational trainee visum beantragt. Dafür benötigt man ein Empfehlungsschreiben vom Krankenhaus und noch ein paar Sachen wie application form (am besten vorher schon ausdrucken), Führungszeugnis (musste bei mir nicht übersetzt sein) und Passfoto, die genaue Liste kann man hier nachlesen: https://www.migration.gov.rw/index.php?id=180 Mit den Unterlagen geht man dann zum Immigration Office, zahlt 50 000 rwf (etwa 50 Euro) bei der Bank ein, dann wird der Reisepass nach Kigali schicken. Im Idealfall kann man den Reisepass mit N2 Visum dann nach einer Woche wieder abholen, manchmal dauert es aber auch länger.

Gesundheit

Vom Krankenhaus wird der Nachweis einer Auslandskrankenversicherung gefordert. Ein paar Monate vor Abreise wechselte ich noch zur Techniker Krankenkasse, da diese die kompletten Kosten für Impfberatung, Impfungen und Malariaprophylaxe übernimmt. An Reiseimpfungen werden mir Meningokokken ACWY, Tollwut, Gelbfieber, Cholera und Typhus empfohlen. Ich ließ auch alles außer Cholera impfen, obwohl Gelbfieber bei Einreise aus Deutschland keine Pflicht ist und auch Tollwut nicht unbedingt nötig ist. Zur Malariaprophylaxe nahm ich Malarone, was ich ohne Probleme vertrug und nach der Reise auch nur 7 Tage weitergenommen werden muss, im Gegensatz zu Doxycyclin. Allerdings ist Malarone auch am teuersten. Im Krankenhaus in der Inneren gibt es sehr viele Fälle von HIV, Hepatitiden und Tuberkulose. Es gibt zwar eine Tuberkulose-Abteilung in der Klinik, aber in der Inneren gibt es viele Fälle, die nicht isoliert werden. Auf Nachfrage bei den Ärzten scheint Tuberkulose aber nicht sehr ansteckend zu sein. An Reiseapotheke hatte ich einiges dabei, wie Fieberthermometer, Paracetamol etc., habe im Endeffekt aber nichts davon gebraucht. Es gibt vor Ort auch viele Apotheken.

Sicherheit

In Ruanda herrscht eine unglaublich hohe Präsenz an Militär, Polizei und privaten Sicherheitsdiensten. Da in Ruanda immer von 18 Uhr bis 6 Uhr Nacht ist, ist man zwangsweise im Dunklen unterwegs, aber ich habe mich auch allein zu Fuß nie unsicher gefühlt.

Geld

Vor Abreise habe ich Euro in Dollar umwechseln lassen, was aber nicht nötig gewesen wäre. Direkt am Flughafen in Kigali sind Geldautomaten, um Ruanda-Franc abzuheben. Dafür empfiehlt sich eine Kreditkarte, mit der man im Ausland kostenlos Geld abheben kann, ich habe eine von der DKB verwendet. Mit Dollar kann man eigentlich nur das Taxi vom Flughafen, manche Hostels und Nationalparks bezahlen. 1000 rwf entsprachen im September 2018 1€, der größte Schein, den es gibt sind 5000 rwf, also 5€. Auch in Butare gibt es viele Geldautomaten. Ansonsten kann man auch Euro problemlos vor Ort in rwf wechseln lassen. Auf dem Markt kann man sehr günstig (ab 10 ct) lokales Obst und Gemüse einkaufen, importierte Waren wie Porridge-Haferflocken sind deutlich teurer. Die Auswahl an Nahrungsmitteln, vor allem Milchprodukten, ist deutlich kleiner, als man es von Deutschland gewohnt ist. Essen gehen ist dafür sehr günstig, mittags und abends gibt es Restaurants mit African Buffet, also meistens Reis, Kartoffel-Wedges, Kochbananen-Eintopf etc., ab 1200 rwf (1,20€). Oder man geht zum Chinesen oder in eines der eher westlichen Restaurants, wo man aber mitunter sehr lange auf sein Essen warten muss.

Sprache

In Ruanda wird Kinyarwanda, Französisch und Englisch gesprochen. Die Patienten im Krankenhaus sprechen fast ausschließlich Kinyarwanda, die Ärzte sprechen alle Englisch und auch die morgendlichen staff meetings finden auf Englisch statt, in das man sich aber vor allem wegen der Abkürzungen erst reinfinden muss. Manche Menschen im Alltag können auch kein Englisch, aber sehr gut Französisch, aber man kommt mit Englisch und ein paar Brocken Kinyarwanda gut durch. Und die Ruander freuen sich immer sehr, wenn man sie auf Kinyarwanda begrüßt und fragen auch regelmäßig, welche Wörter man schon kann.

Verkehrsbindungen

Von Deutschland aus gibt es keinen Direktflug nach Kigali, je nach Airline muss man in unterschiedlichen Städten nochmal umsteigen. Zur Hauptsaison im Sommer sind die Flüge etwas teurer. In Ruanda gibt es sehr viele verschiedene Minibusunternehmen, um von einer Stadt in die nächste zu kommen. Manche Anbieter wie Ritco haben auch große Busse, die deutlich komfortabler sind. Von Kigali liegen die meisten anderen Städte wie Huye und Kibuye in dreistündiger Entfernung, man bezahlt meistens weniger als 3 Euro pro Fahrt und es fahren pro Stunde meist mehrere Busse, die alle überraschend pünktlich waren. In den Städten gibt es Taxis und auch eine unendliche Schar von Moto-Taxis, die sehr günstig und praktisch sind, aber nicht ganz ungefährlich im dichten Verkehr.

Kommunikation

Wir haben direkt am Tag nach unserer Ankunft am Busbahnhof Nyabugogo im Airtel-Shop eine SIM-Karte gekauft und für 10 000 rwf 30 Gigabyte Datenvolumen erhalten. Im Shop wird einem direkt geholfen die SIM-Karte und alles zu aktivieren. WLAN gibt es in Hostels vereinzelt, aber nicht in Huye. Wenn man mit der SIM-Karte auch telefonieren möchte in Ruanda, muss man noch etwas Geld aufladen.

Unterkunft

In den Unterlagen, die Saskia zusammen mit der Zusage verschickt hatte, waren die Kontaktdaten von RCVP angegeben, an die ich eine Mail schickte und prompt die Antwort bekam, dass ich dort wohnen könnte. Die Miete für einen Monat war 200 Dollar, die man vor Ort am besten in Ruanda-Franc bezahlt. Das ist vergleichsweise teuer, aber dafür geht ein Teil der Miete an soziale Projekte wie zum Beispiel eine Näherinnen-Schule. Dorthin kann man auch mal hinlaufen und sich Kleidungsstücke oder Taschen aus Stoff nähen lassen, den man vorher auf dem Markt gekauft hat. Im RCVP House wohnt man zusammen mit ein paar Ruandern und einigen anderen, größtenteils deutschen und belgischen Medizinstudenten, in einem Compound. Darin befinden sich 3 Häuser für die Studenten und Volunteers, wir haben immer zu viert in einem Haus gewohnt, jeweils mit Küche und Bad, und man hat sich zu zweit ein Zimmer geteilt. Die Duschen hatten Warmwasser und man hatte einen Gasherd und Strom, also alles sehr luxuriös. Moskitonetze, Bettdecken und vereinzelt Kopfkissen waren vorhanden, zusammen mit einer Basisküchenausstattung. Um Kaffee zu kochen muss man eine French Press oder einen Filter kaufen oder mitbringen. Kaffeepulver kann man in jedem Supermarkt kaufen. Man kann zusammen kochen und die Abende gemütlich auf dem Sofa mit Bier und Kartenspielen verbringen. Das Deckenlicht in unserem Haus war nicht ganz so hell, wenn man abends noch lesen möchte oder für Stromausfälle kann eine Stirnlampe ganz nützlich sein. Das RCVP Haus ist circa 20 Minuten Fußweg vom Krankenhaus entfernt.

Literatur

Vor Abreise habe ich „Ein gewöhnlicher Mensch“ von Paul Rusesabagina gelesen. Das Buch kann ich sehr empfehlen, die Zeit vor und während des Genozids wird sehr eindrücklich beschrieben. Und im Reiseführer steht ja auch immer einiges.

Mitzunehmen

Auf jeden Fall sollte man eine Regenjacke einpacken. Als wir im September dort waren, hat es an einigen Tagen nachmittags schon einen ziemlichen Regenschauer gegeben und auch für Ausflüge in den Nyungwe Forest kann sie ganz nützlich sein. Wanderschuhe kann man mitnehmen, wenn man zum Beispiel auf den Mount Bisoke im Volcanoes Nationalpark möchte, braucht man ansonsten aber nicht dringend. Schlafsack und Moskitonetz können nützlich sein, wäre aber auch ohne gegangen für unsere Ausflüge innerhalb Ruandas. Adapter für Steckdosen braucht man in Ruanda auch nicht. Fürs Krankenhaus benötigt man Handschuhe, Kittel, Desinfektionsmittel, eventuell OP-Kleidung, es sind aber auch schon ein paar Sachen in den RVCP-Häusern. An Kleidung leichte Hosen, die lang sein sollten, wenn man nicht noch mehr Aufmerksamkeit erregen möchte, an heißen Tagen kann man sich aber auch in kurzen Sachen im Compound sonnen. Für abends empfiehlt sich auch wärmere Kleidung. Bei der Auswahl der Kleidung ist zu berücksichtigen, dass die Erde sehr staubig und rot ist und man alles mit der Hand waschen muss, weiße Socken also am Ende nicht mehr weiß sind. Außerdem noch Mückenschutz, Sonnencreme, Stofftaschen zum Einkaufen (Plastiktüten sind größtenteils verboten), Badekleidung für Swimming Pools (davon gibt es ein paar) und alles was man sonst so braucht.

Reise und Ankunft

Wir haben 3-4 Monate unseren Hinflug für Ende August hin und Anfang Oktober zurück gebucht. Die schnellste und günstigste Verbindung war mit Brussels Airlines von München über Brüssel nach Kigali. Dort sind wir abends gelandet und für 15 Dollar mit dem Taxi zum Mijo Hostel gefahren, wo wir eine Nacht verbracht haben. Am nächsten Tag wurden wir von Simeon, einem ruandischen Medizinstudenten, im Hostel abgeholt und sind zusammen zum Busbahnhof Nyabugogo gefahren, wo er uns zunächst geholfen hat eine SIM-Karte mit Internetzugang zu kaufen und danach ein Busticket nach Huye. Nach dreistündiger Fahrt im Minibus wurden wir dann in Huye von Brandon abgeholt und sind mit dem Taxi zum RCVP Haus gefahren. Am nächsten Tag sind wir dann auch gleich ins Krankenhaus um die Formalitäten mit Elias zu regeln und die 100 Dollar an das Krankenhaus zu bezahlen.

Tätigkeitsbeschreibung und fachliche Eindrücke

Meine Famulatur habe ich einen Monat in der Inneren gemacht. Im September waren Ferien, also keine regulären ruandischen Studenten da, aber die meiste Zeit waren glücklicherweise doch ein paar da, die freiwillig ein Praktikum absolvierten. Das war sehr hilfreich, da sie übersetzen konnten, Sachen nochmal erklären und auch einfach um mehr Kontakt mit Einheimischen zu haben. Wegen der Ferien fanden nachmittags meistens auch keine teachings statt. Der Tag begann jeden Tag um halb 8 mit dem mindestens einstündigen staff meeting, wo immer ein short case und ein long case vorgestellt wurden und Differentialdiagnosen besprochen wurden. Dabei wurden auch die Studenten miteinbezogen. Danach war Frühstückspause und im Anschluss daran starteten die ward rounds, das heißt ein Resident (Assistenzarzt) ist für einen ward mit meist 6-12 Patienten zuständig. Dort machte man dann Visite mit Anamnese, körperlicher Untersuchung, manchmal Ultraschall und EKG, hauptsächlich aber viel Schreibarbeit. Das Klima in der Inneren Medizin war sehr angenehm, die Residents sehr nett und mal mehr mal weniger motiviert, uns etwas beizubringen. An manchen Tagen war noch Visite der Oberärzte (specialists). Man bekam an einigen Tagen Themen zum Nachlesen, die man am nächsten Tag kurz zusammengefasst vorstellen sollte, aber alles im kleinen Rahmen. Außer der physical examination habe ich in dieser Zeit nicht viel selbst gemacht, die ruandischen Studenten haben immer noch medical reports in die Patientenakte geschrieben. Dafür gab es wirklich sehr viel zu sehen, was man in Deutschland nicht sieht. Angefangen von Krankheiten wie Tollwut, über drastische Krankheitsverläufe, bis hin zur allgegenwärtigen Ressourcenknappheit. So mussten Patienten öfter mal 2 Wochen auf einen CT-Termin in Kigali warten und anschließend noch einmal 2 Wochen auf die Auswertung. Es gibt zwar eine öffentliche Krankenversicherung, die für den Großteil der Kosten aufkommt, einen Restbetrag müssen die Patienten aber abhängig von ihrer Klasse selbst zahlen, den sie in manchen Fällen nicht bezahlen können, weswegen Medikamente nicht verschrieben werden können und Diagnostik wie Röntgen nicht gemacht wird. In Ruanda erfolgt eine Einteilung in vier Klassen von reich bis sehr arm, aber diese Einteilung geschieht abhängig von den Nachbarn und ist nicht immer ganz zutreffend. Ein weiteres Problem ist, dass viele Ruander erstmal abwarten, dann gehen sie zunächst zum Naturheiler in ihrem Dorf, dann zum Health Center, dann zum District Hospital und erst danach kommen sie vielleicht in die Uniklinik. Und auch erst in der Uniklinik gibt es specialists, also Internisten, Chirurgen, Gynäkologen, usw. während es in den District Hospitals nur general practitioner gibt. Schlaganfälle sind dann schon in der Regel drei Tage her, bevor der Patient in der Uniklinik auftaucht. Zusammengefasst macht die Lehre in der Inneren Medizin einen Großteil der täglichen Arbeit der residents und specialists aus und sie sind wirklich motiviert den Studenten etwas beizubringen und ich habe dabei auch einiges gelernt.
Neben der Famulatur kann man auch Eat to fight your disease (etfyd) vor Ort unterstützen, beispielweise in dem man mittags bei der Essensausgabe oder auf den Feldern beim Unkraut jäten hilft. Das ist alles keine Pflicht, aber man freut sich dort über Hilfe. Wichtiger ist es aber eigentlich noch fundraising zu machen, das kann über Spenden sammeln erfolgen oder indem man regelmäßig neue Beiträge auf Facebook postet und sich dafür mit verschiedenen Leuten des Projekts trifft. Etfyd ist inzwischen auch stark gewachsen und arbeitet jetzt mit „Kuzamura ubuzima“ (Growing Health), einer anderen NGO, zusammen. Mit Gemüseanbau auf eigenen Feldern und dem Zukauf von Reis, Fisch etc. können jeden Tag 110 Patienten mit 2 Mahlzeiten versorgt werden. Diese Patienten würden sonst kein Essen bekommen, da sie zu arm oder ihre Familien zu weit weg sind. Das Projekt soll demnächst auch auf 10 Patienten der anderen Klinik Kabutare in Huye ausgeweitet werden.

Land und Leute

Die Menschen in Ruanda sind unglaublich freundlich, hilfsbereit und auch neugierig. Außer den Medizinstudenten habe ich aber auch niemand näher kennengelernt. Als Europäer ist man sehr privilegiert in Ruanda, ob man es möchte oder nicht. Man wird automatisch für wohlhabend gehalten und ist es im Vergleich ja auch. Huye, auch Butare genannt, ist eine Kleinstadt, man kann aber trotzdem sehr viel machen: kleines Fitnessstudio, Karaoke, Swimming Pools, Yoga, Aerobic, Kaffee trinken, Eis essen, usw. Wir haben oft Spaziergänge gemacht, die Umgebung ist sehr schön. Wenn man am Wochenende dableibt, kann man ins Ethnographische Museum, eine Coffee tour machen, eine Fahrradtour unternehmen usw. Zwei Wochenenden haben wir in Kigali verbracht, waren im Genocide-Memorial, bei einem Fußballspiel im Nyamirambo-Stadion, auf dem Kimironko-Market (lohnt sich sehr für Stoffe und Genähtes), im Inema Arts Center, im Ikirezi Bookstore mit Rooftop Café. Ein anderes Wochenende fuhren wir in den Nyungwe Forest National Park und übernachteten im E.R.A Gisakura Visitor Guesthouse. Von dort kann man mit einem Guide zum Tropical Waterfall, zu mehreren kleineren Wasserfällen, zu Schimpansen oder Colopus Monkeys wandern kann oder zwischen den Teeplantagen spazieren gehen kann. Und ein anderes Wochenende waren wir im Akagera-Nationalpark, wofür wir ein Auto mit Fahrer gemietet haben und um 4:30 vom Hostel in Kigali abgeholt und anschließend durch den Nationalpark gefahren wurden. Es scheint im Akagera-Nationalpark nicht so viele Tiere zu geben wie Safaris in anderen Nationalparks, aber wir haben trotzdem Zebras, Giraffen, Antilopen, Nilpferde, Krokodile und (mit sehr viel Glück) auch Löwen gesehen. Ein Ausflug zum Lake Kivu nach Kibuye oder Gisenyi lohnt sich sehr für den beeindruckenden Sonnenaufgang, Spaziergänge und um etwas zu entspannen, in Gisenyi gibt es einen schönen Strand zum Baden. Nyungwe Forest, Akagera Nationalpark und Lake Kivu sind alle an einem Wochenende gut machbar, außer für den Nyungwe Forest ist es aber eine kürzere Busfahrt, wenn man von Kigali aus startet. Den dritten Nationalpark in Ruanda, den Volcanoes Nationalpark, haben wir leider nicht mehr geschafft. Dort kann man aber außer dem berühmten Gorilla-Trekking auch Mount Bisoke besteigen, was aber bei Regen zu einer schlammigen und rutschigen und damit auch nicht ganz ungefährlichen Angelegenheit werden kann. Bei passendem Wetter sei es aber ein beeindruckendes Erlebnis gewesen. Dort kann man auch eine Wanderung zu Diane Fossey´s Grab machen oder Höhlen besichtigen.

Fazit

Zusammenfassend kann ich sagen, dass Ruanda ein landschaftlich beeindruckendes Land mit bemerkenswerten Menschen ist, vor allem wenn man bedenkt, dass der Genozid noch nicht so lange her ist. Dennoch könnte ich mir nicht vorstellen dort dauerhaft in der Klinik zu arbeiten. Es war aber eine wichtige und schöne Erfahrung für mich und für eine Famulatur oder ein PJ-Tertial würde ich jederzeit wieder dorthin.

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