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Atahualpa (Ecuador)

Intensivmedizin - SCOPH (Public-Health Austausch)
Anonym

Motivation

Ich wollte seit meinem Auslandsjahr in der 10. Klasse immer wieder ins Ausland und als ich von dem Programm der BVMD erfuhr, erschien es mir die perfekte Gelegenheit. Mich sprach vor allem an, dass es meinen Wunsch nach Auslandserfahrungen und das Studium vereint und man sozusagen zwei Fliegen mit einer Klappe schlägt.

Vorbereitung

Von der BVMD habe ich durch eine Auslandsmesse meiner Uni erfahren, bei der die BVMD einen Stand hatte und über Famulaturen im Ausland berichtete. Allerdings war ich dann schon zu spät dran, um mich noch auf einen regulären Platz zu bewerben und auch für die Restplätze blieb nicht mehr viel Zeit. Doch die Uni war super schnell was die Ausstellung des Sprachzertifikats anging, sodass ich mich zügig bewerben konnte und den Platz noch bekommen habe.
Speziell auf den Auslandsaufenthalt habe ich mich nicht vorbereitet, da ich schon relativ gut Spanisch konnte (durch mein Jahr in Argentinien) und zudem eine ungefähre Vorstellung davon hatte, was mich in Lateinamerika erwartet.

Visum

Für Ecuador selber braucht man kein Visum. Allerdings bin ich über die USA geflogen und dafür braucht man, auch wenn man nur im Transit ist, das ESTA Visum. Das Visum kann einfach online beantragt werden und kostet 14 US Dollar.

Gesundheit

Für Ecuador habe ich mich nicht speziell impfen lassen. Man braucht für die Einreise aus Gelbfieberländern wohl eine Gelbfieber-Impfung, aber da ich diese schon hatte, habe ich mich damit nicht weiter beschäftigt. Zudem habe ich eine Standby Malaria-Prophylaxe mitgenommen. Man muss allerdings sagen, dass Quito aufgrund der Höhe überhaupt kein Malaria-Gebiet ist. Sollte man allerdings Ausflüge in den Dschungel machen, sieht es schon wieder anders aus.
Zudem kann man überlegen, sich gegen Tollwut zu impfen. Ich selber habe es nicht gemacht, habe es aber von einigem anderen Famulanten gehört.

Sicherheit

Die einzige Versicherung die ich vorher abgeschlossen habe, war eine Auslands-Krankenversicherung (die man angeblich auch für die Einreise braucht, ich musste aber nichts vorzeigen). Sonst ist Quito halt eine Millionenstadt, d.h. man muss mit Taschendieben und dergleichen rechnen. Es ist nicht so, dass man sich super unsicher fühlt, aber ich hatte definitiv ein genaueres Auge auf meine Sachen. Nachts sollte man generell nicht mehr die öffentlichen Verkehrsmittel benutzen oder laufen, sondern stattdessen ein Taxi nehmen. Die sind zum Glück super günstig, solange man sich nur in der Innenstadt bewegt, zahlt man selten über 3 Dollar.

Geld

Gezahlt wird in Ecuador mit dem US Dollar. Ich hatte eine Kreditkarte von der DKB und konnte damit problemlos überall kostenlos Geld abheben. Das einzige Problem ist, dass die Leute hier selten viel Wechselgeld haben. D.h. alles was über den 20 Dollarschein geht, wird meistens nicht akzeptiert. Generell bietet es sich an, immer genug Kleingeld dabei zu haben – vor allem auch für Bus und Taxi.
Sonst lässt sich noch sagen, dass das Essen im Vergleich günstiger ist als in Deutschland. In den Restaurants kriegt man schon ab 2,50 ein Menü mit Suppe, Hauptspeise und Getränk. Dafür sind alle Markensachen, die importiert werden müssen – wie zum Beispiel Kosmetika – deutlich teurer als in Deutschland. Und auch Sonnencreme sollte unbedingt mitgebracht werden! Erstens wird Sonnenschutz in der unbarmherzigen Äquatorsonne dringend benötigt, zweitens kostet eine Tube Sonnencreme in Ecuador 15 Dollar.

Sprache

In Ecuador wird Spanisch gesprochen und zwar mit einem relativ klaren Akzent, der für uns Deutsche gut zu verstehen ist. Für Anfänger ist das Spanisch hier bestimmt besser zum Einstieg geeignet als in anderen Ländern Lateinamerikas.
Ich persönlich habe mich nicht speziell auf den Auslandsaufenthalt vorbereitet, da ich durch mein Auslandsjahr in Argentinien genug Spanisch konnte um mich verständigen zu können. Zudem ist das Programm in Quito auch mit einer Sprachschule gekoppelt, sodass man einen sanften Einstieg in das Land und die Sprache hat.
Man kann unter Umständen Glück haben, dass die Einheimischen Englisch beherrschen. Es ist aber auf keinen Fall davon auszugehen und auf Spanisch ist die Verständigung deutlich einfacher.

Verkehrsbindungen

In Quito selber sind die Busverbindungen etwas unübersichtlich, da es nirgendwo einen Plan der Buslinien gibt. Um zu wissen, wohin ein Bus fährt, fragt man am besten die Gastfamilie oder direkt im Bus. Derzeit wird eine Metro gebaut, die Dezember 2019 fertig gestellt werden soll. Das würde die ganze Sache deutlich vereinfachen.
Falls man total verloren ist, kann man immer ein Taxi nehmen. Das kostet nicht viel und bringt einen sicher ans Ziel.
Der Fernverkehr läuft nur über Busse (oder Flugzeug). Das ist allerdings super geregelt. Es gibt drei Busbahnhöfe in Quito, von denen aus man nach ganz Ecuador kommt.

Kommunikation

In der Gastfamilie gab es Internet, sodass ich problemlos über WhatsApp nach Hause telefonieren konnte. Zudem besaß die Gastfamilie auch noch ein Internetcafé mit Festnetztelefonen. Eine SIM-Karte vor Ort habe ich mir nicht gekauft, vor allem aus dem Grund, dass man in allen Hostals und in vielen Cafés eh kostenloses W-LAN hat. Zudem war ich nie alleine unterwegs, sodass ich auch nicht die Notwendigkeit sah, immer und überall erreichbar zu sein.

Unterkunft

Ich habe direkt in der Sprachschule gelebt, mit der Familie. Martha und Vicente waren beide super nett, haben sich gut um eine gekümmert, gekocht, Wäsche gewaschen etc. Ich kann den Aufenthalt bei ihnen nur empfehlen!
Wem mehr der Sinn nach Selbstständigkeit steht, der kann auch im Apartment wohnen. Das ist direkt im Haus, d.h. wenn Fragen sind, können die sofort persönlich geklärt werden.

Literatur

Ich muss ganz ehrlich sagen, dass ich mich fast gar nicht auf den Austausch vorbereitet habe. Da ich schon einmal in Lateinamerika gelebt hatte, hatte ich eine relativ klare Vorstellung davon, wie das Leben in Ecuador sein würde.
Was Information über Reiseziele in Ecuador sowie Unterbringung in Hostels angeht, kann ich den "Lonely Planet" empfehlen.

Mitzunehmen

Wie gesagt, Sonnencreme sollte man unbedingt mitnehmen. Sonst noch Mückenspray (obwohl man das auch relativ günstig vor Ort kaufen kann) und generell Kosmetikartikel, wenn man auf bestimmte Marken Wert legt. Zudem sollte man nicht unterschätzen, dass die Sonne einen in Quito zwar schnell verbrennt, aber dass es durch die hohe Lage doch relativ kühl werden kann, sobald die Sonne mal nicht da ist. Ich hatte zwar vorher den Wetterbericht angeschaut, aber dennoch deutlich zu optimistisch eingepackt und musste mir vor Ort noch einen Pulli kaufen. Also warme Sache sind wirklich essenziell, wenn man etwas länger in Quito bleibt oder auch Ausflüge in die umgebenden Berge plant.

Reise und Ankunft

Abgeholt wurde ich vom Flughafen von der Gastfamilie. Das lief problemlos, obwohl ich ziemlich spät abends abgekommen bin. Vor dem Praktikumsbeginn hatte ich dann zwei Wochen Zeit, anzukommen und mich einzugewöhnen, da ich in der Zeit nur Sprachschule hatte. Es ist allerdings auch möglich das Praktikum parallel zur Sprachschule zu machen.
Im Krankenhaus wird man normalerweise von der Sprachlehrerin vorgestellt, da aber in der Woche, in der ich anfing, noch zwei weitere Famulanten da waren, haben diese die Begrüßung übernommen.

Tätigkeitsbeschreibung und fachliche Eindrücke

Ich war auf der Intensivstation in einem relativ kleinen Krankenhaus (nur ca. 80 Betten). Auf der Station waren meistens um die fünf oder sechs Patienten, manchmal aber auch nur drei. Generell lässt sich sagen, dass es meistens nicht wirklich viel zu tun gab. Man hatte also definitiv relativ viel Leerlauf während der Famulatur. Darauf muss man eingestellt sein, falls man diesen Austausch in Erwägung zieht.
Das Team auf der Station und der betreuende Arzt sind super nett. Es sind immer drei bis vier Schwestern auf der Station und zusätzlich ein Assistenzarzt. Dr. Miguel Llano ist Chefarzt und kümmert sich um die Famulanten. Man merkt auf jeden Fall, dass Dr. Llano gerne Famulanten aufnimmt und ihnen die Tricke und Kniffe der Medizin erklärt. Er hat sich bei mir immer viel Zeit genommen, um mir alles zu erklären, und wenn man ihm Fragen stellt, antwortet er ausführlich.
Die Tätigkeiten der Famulatur sind relativ beschränkt. Da es ein Blutabnahmedienst gibt, fällt diese Tätigkeit schon mal weg. Zudem werden sämtliche Zugänge und Katheter von den Assistenzärzten gelegt, meistens wenn ich gerade nicht auf Station war. D.h. an praktischen Sachen gibt es wenig zu tun. Nur in Ausnahmefällen kommt es dazu, dass man mal einen ZVK oder Tracheostoma annähen darf. Und einmal durfte ich auch bei einem neurochirurgischen Eingriff dabei sein, da Dr. Llano auch der Anästhesist des Krankenhauses ist.
Definitiv ist die Famulatur eher theoretischer Natur. Man lernt echt viel über die Auswertung von CTs, MRTs und Röntgenbildern und über die Behandlungsmöglichkeiten, wie auch die Diagnostik. Dr. Llano hat mir viele Tipps verraten, bestimmte Krankheitsbilder zu diagnostizieren oder zu überprüfen. Zudem ist es auch sehr interessant dabei zu sehen, wie er mit den einfachsten Diagnostikmethoden zu den gleichen Resultaten kommt wie in Arzt in Deutschland mit deutlich mehr Möglichkeiten.
Die Ausstattung des Krankenhauses ist eher einfach, aber auf der Intensivstation gab es genug Atemgeräte und Monitore für alle Patienten. Man hatte also nicht den Eindruck, dass es überhaupt nicht den europäischen Standards entsprechen würde. Aber die Sono- und Röntgengeräte waren zum Teil sehr veraltet. Außerdem werden im Krankenhaus die CTs, MRTs und Röntgenbilder nicht online gespeichert, sondern tatsächlich noch ausgedruckt.

Über die Assistenzärzte habe ich relativ viel über das Bildungssystem in Ecuador erfahren. Die Ausbildung ähnelt dem deutschen Studium. Es sind zunächst fünf Jahre theoretisches Studium, gefolgt von einem praktischen Jahr, das aber irgendwo auf dem Land abgeleistet werden muss. Allerdings sind die Arbeitsbedingungen in Ecuador deutlich schlechter. Die meisten Ärzte haben gleich zwei Anstellungen in verschieden Krankenhäusern, um sich so ein gutes Einkommen zu sichern. Zudem ist es meist so, dass man nicht einen Arbeitsvertrag hat, sondern auf Honorarbasis arbeitet. D.h. einem stehen keine Urlaubstage zu. Will man mal verreisen, muss man einen anderen Arzt bezahlen, dass der einen während dieser Zeit ersetzt.

Land und Leute

Die Leute in Ecuador sind sehr aufgeschlossen, freundlich und immer bereit zu helfen. Das reicht vom Taxifahrer bis zur Verkäuferin in der Bäckerei. Hatte ich mal nicht genug Kleingeld dabei, war es in der Bäckerei kein Problem, die Schulden später zu begleichen.
Es ist wichtig zu wissen, dass man in Ecuador vor allem mit Münzen bezahlt und wenn man es nicht klein dabeihat, ist es immer ein Problem, das passende Wechselgeld wieder zu kriegen. Größere Scheine als 20 Dollar werden in den meisten Fällen nicht akzeptiert, außer in Ausnahmefällen wie z.B. im Supermarkt.
Um auf die Taxifahrer zurückzukommen, die waren durch die Bank weg super nett. Ich hatte nie die Situation, dass ich mich während einer Taxifahrt unwohl gefühlt habe und Angst hatte, ausgeraubt zu werden. Die meisten Taxifahrer haben sich sehr nett mit mir unterhalten.
Mir wurde gesagt, man soll nur die registrierten Taxis mit der blauen Plakette nehmen, aber ich muss sagen, dass die nicht registrierten Taxis auch immer vertrauenswürdig waren und eher noch als die registrierten Taxis das Taximeter angeschaltet haben. Das ist nämlich so eine Sache hier, nachts wird das Taximeter häufig nicht eingeschaltet, sondern man muss auf den Preis des Taxifahrers vertrauen. Daher ist es gut eine ungefähre Vorstellung vom Preis zu haben.
Das Essen beruht in Ecuador auf Mais in allen Farben und Formen, Reis und viel Fleisch, meistens noch frittiert. Ich muss sagen, dass Martha und Vicente versucht habe, sich relativ gesund und ausgewogen zu ernähren, sodass das Essen bei ihnen zum Glück nicht so fettig war. Trotzdem ist es schon anders als in Deutschland und ich habe zum Beispiel Pasta vermisst, die es nur sehr selten gab. Allerdings war das Frühstück total nach meinem Geschmack, es gab immer Obst mit Joghurt und Müsli, sowie Brot mit Marmelade und dazu Tee. Diese Art von Frühstück gab es auch in den meistens Hostels, wo ich war. Generell ist interessant zu wissen, dass Essen in Ecuador unglaublich günstig ist. In fast allen Restaurants gab es zusätzlich zu den „Platos especiales“ noch ein Menü für 2,50 oder 3 Dollar. Das Menü beinhaltet einen Saft, eine Suppe und einen Hauptgang. Manchmal gab es auch noch Nachtisch dazu. Für wenig Geld wird man mit einem Menü auf alle Fälle satt!
Wichtig ist noch zu wissen, dass man in Ecuador (und generell in Südamerika) nur in sehr selten Fällen das Klopapier in die Toilette werfen darf. Meistens muss es in den Mülleimer geworfen werden, sonst verstopft die Toilette!
Außerdem gibt es viele Hunde, die einen auch gerne ankläffen, wenn man an ihrem Haus vorbei geht, und manchmal auch herausgeschossen kommen und einem folgen. Mir ist nicht bekannt, dass jemand gebissen wurde oder ähnliches, trotzdem wäre vielleicht eine Tollwutimpfung nicht verkehrt.

Fazit

Es war eine unglaubliche Erfahrung! Ich kann es nur jedem empfehlen. Kann vielleicht sein, dass man sich in anderen Ländern noch ein bisschen mehr an medizinischem Wissen aneignet, aber es war definitiv ein interessanter Einblick in ein anderes Gesundheitssystem. Zudem ist Ecuador ein unheimlich spannendes und landschaftlich wunderschönes Land! Mit jeder Reise habe ich mich mehr in das Land verliebt.

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