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Fundacion Omar Mosquera (Ecuador)

Verschiedene - SCOPH (Public-Health Austausch)
von Johanna-Susanne, Berlin

Motivation

Nach meinem Auslandssemester in Spanien wollte ich gerne mein Spanisch weiter vertiefen und zusätzlich einen Einblick in das Gesundheitssystem anderer Länder gewinnen.

Vorbereitung

Mein Spanisch hätte ich selbst als solides B2 beschrieben, weniger empfehle ich keinem, da v.a. die Landbevölkerung manchmal schwer zu verstehen ist.
Ich habe an einem Pre-Departure-Training des Bvmd teilgenommen und kann dies wärmstens weiterempfehlen.

Visum

Ein Touristenvisum für drei Monate bekommen Deutsche automatisch bei der Einreise.

Gesundheit

Ich war in der Tropenmedizinischen Ambulanz meiner Uni und habe mich über die nötigen Impfungen (z.B. Gelbfieber, Tollwut, Meningokokken, Typhus) und Malaria-Prophylaxe (ich habe keine gemacht) beraten lassen, insgesamt habe ich circa 150€ für Impfungen ausgegeben, wahrscheinlich hätte man jedoch auch auf einige verzichten können. Standartimpfungen (Hep B, ...) nicht vergessen!
In meiner Reiseapotheke war das Wichtigste wahrscheinlich das Mückenspray und die Sonnencreme, aber auch normale Kosmetikprodukte sind in Ecuador sehr teuer und sollten daher mitgebracht werden,

Sicherheit

Zusätzlich zur Famulatur bin ich beinahe einen Monat in Ecuador herumgereist. Spannend ist, dass die Menschen an Küste und im Hochland sehr unterschiedlich sind, in der Sierra eher etwas reservierter und zurückhaltender als an der Küste. Im Allgemeinen sind die Menschen allerdings überall sehr hilfsbereit und freundlich. Die Menschen wirken im Allgemeinen sehr „vorsichtig“, sobald man erzählt, dass man als Frau alleine unterwegs ist, blickt man in sehr ungläubige Gesichter. Auch wird man häufig vor Stadtvierteln gewarnt, die einem im Nachhinein nicht als allzu gefährlich vorkommen. Aber: „better safe than sorry“. Ich hatte in zwei Monaten nur ein einziges unangenehmes Erlebnis mit einem sehr aufdringlichen „touchy“ Typen, der sich verbal nur schlecht auf Abstand halten ließ. Das war aber eher unangenehm als bedrohlich.
Insgesamt habe ich habe mich in Ecuador immer sicher gefühlt. Es gibt viele „Taxis seguros“, die ich vor allem in der Nacht genutzt habe. Außerdem habe ich immer in den Hostels/Unterkünften nachgefragt, ob es Gegenden gibt, die man meiden sollte, etc. Auch die Website des Auswärtigen Amtes ist eine gute Infoquelle.

Geld

Gezahlt wird in Ecuador mit US-amerikanischen Dollar, ich empfehle allen, die noch keine haben, die kostenlose Studentenkreditkarte der Apobank.
Gemüse und Obst sind sehr günstig, meist kann man für unter 5$ ein Mittagsmenü bekommen. Große Ausnahme hiervon sind natürlich die Galapagos Inseln!
Leitungswasser ist im Allgemeinen nicht trinkbar, Flaschen aber recht günstig.

Sprache

Gerade die Landbevölkerung hat häufig einen starken Dialekt im Spanischen, daran muss man sich erst gewöhnen. An der Küste wird sehr schnell gesprochen, was die Verständigung zusätzlich erschwert. Einen Kurs "medizinisches Spanisch" kann ich jedem nur empfehlen!

Verkehrsbindungen

Das Busnetz in Ecuador ist günstig und zuverlässig, ich habe auch Nachtbusse genutzt und hatte keine Probleme, man muss seine Wertsachen eben am Körper tragen. Innerhalb der Stadt nach Einbruch der Dunkelheit sollte man "Taxis seguros" nützen.

Kommunikation

Ich habe mir eine "Touristen-Simkarte" von Tuenti geholt, diese wird direkt im Ankunftsbereich des Flughafen in Quito verkauft. Wenn ihr den Flughafen verlasst und die Straße überquert, findet ihr dort ein Einkaufszentrum, in dem ihr garantiert günstigere Angebote findet.
An vielen öffentlichen Plätzen gibt es kostenloses Wlan.

Unterkunft

Mit Omar habe ich mich nach meiner Zusage in Verbindung gesetzt, um eine Unterkunft müssen sich Freiwillige nicht kümmern, weil sie bei ihm in zwei Wohnungen (mit Kühlschrank und Wohnzimmer) untergebracht werden. Es macht Sinn, sich vor der Flugbuchung (vor allem, falls einer von zwei Flughäfen deutlich billiger sein sollte) nochmal mit Omar zu schreiben, wohin man zu Praktikumsbeginn kommen soll. Der Hauptstandort ist zwar in Riobamba, aber das Projekt „wandert“, sodass man zeitweise auch in Hotels untergebracht ist.
Omar holt die Freiwilligen in Riobamba normalerweise vom Busbahnhof ab.

Literatur

Ansonsten habe ich nicht viel geplant, sondern den Rest auf mich zukommen lassen. Ich hatte mir den Lonely Planet Reiseführer gekauft, darauf hätte ich allerdings verzichten können, weil ich so viele Tipps von anderen Reisenden bekommen habe.

Mitzunehmen

Die Standartreiseapotheke sollte immer dabei sein, denkt v.a. auch an Kosmetikartikel, Sonnencreme und Mückenspray. Nehmt euch gerne zusätzliches Desi und Handschuhe mit, diese Dinge können im Projekt knapp werden. Arbeitskleidung alias TShirt wird gestellt.

Reise und Ankunft

Mit KLM kann man über Amsterdam sowohl nach Quito als auch nach Guayaquil fliegen, nicht wirklich billig, dafür aber zuverlässig. Alternative ist Iberia über Madrid. Achtung: vom Flughafen in die Innenstadt braucht man in Quito 2h mit dem Bus!

Tätigkeitsbeschreibung und fachliche Eindrücke

Je nachdem, wann man im Projekt ist, kann der Alltag sehr unterschiedlich sein. Vor allem im Februar und März sind viele Freiwillige aus Spanien im Projekt, die die Zeit nach dem MIR (spanisches Äquivalent zum 3. Staatsexamen) ausnutzen. So ist man nicht alleine und hat so immer einen zusätzlichen Ansprechpartner, allerdings hatten die spanischen Ärzt*innen in meinem Fall wenig bis keine Berufserfahrung.
Finanziert wird das Projekt zur Hälfte mit Geldern der Fundación und zur Hälfte von Partnern (dies kann das Gesundheitsministerium aber auch eine Partei sein). Daher finden die Einsätze überall im Land statt, das Hauptquartier ist allerdings in Riobamba.
Nach Abreise der spanischen Gruppe waren ich und eine zweite deutsche Praktikantin mit ecuadorianischen Ärtzt*innen unterwegs. Im Projekt werden zu Beginn Aufklärungsgespräche zu verschiedenen Themen angeboten (z.B. Hypertonus, Diabetes, gesunde Ernährung, STIs), danach findet eine meist kostenlose „Sprechstunde“ von circa 9 in der früh (Abfahrt in der Unterkunft gegen 8:15 Uhr) bis zum frühen Nachmittag angeboten. Typische Krankheitsbilder sind: Arthrosen (v.a. Knie und Fingergelenke, Gastritis und Reflux, Infekte und Parasiten. Angeblich wird in Ecuador empfohlen, alle Kinder alle 6 Monate zu entwurmen, diese Medikamente wurden bei uns ausgegeben. Eine häufige Frage war auch die nach Vitaminen und es war beinahe unmöglich Eltern klar zu machen, dass Vitamintabletten unnötig sind, wenn die Kinder Obst, Gemüse und alle anderen Nahrungsmittel essen.
A propos Essen: Mittagessen gibt es meist im Projekt und wird dort von den Ansprechpartner*innen vor Ort gestellt, was für mich als Vegetarierin meist mit Reis mit Ei/Ketchup endete.
Typische Probleme: An manchen Tagen habe ich die Supervision vermisst, aufgrund meiner fehlenden Erfahrung fiel es häufig schwer zu entscheiden, ob die von Patientinnen geschilderten Symptome „harmlos“ sind oder einer weiteren Abklärung bedürfen. Auch die diagnostischen Möglichkeiten sind sehr begrenzt. Außerdem hatten auch wir das Problem, dass Patient*innen in den Ankündigungen der Sprechstunden teilweise „Spezialist*innen beziehungsweise Fachärzt*innen“ versprochen, welche dann nicht vor Ort waren.
Auch empfiehlt man Patienten, bei denen man einen Blutdrucktherapie eingeleitet hat, natürlich eine Kontrolle in ihrem „Centro de Salud“, allerdings hatte ich häufig den Eindruck, dass dies aus verschiedenen Gründen (finanzieller Natur aber auch Motivationsprobleme) nicht passieren würde.
Omar und seine Familie sind sehr nett, er wirkt sehr engagiert im Projekt. Allerdings sind viele Abläufe im Projekt nicht optimal, häufig muss in letzter Sekunde umorganisiert werden. Einmal haben wir zum Beispiel 8h auf den privat organisierten Transport gewartet, der uns in eine, mit öffentlichen Bussen in 4h zu erreichende Stadt bringen sollte. Informationen bekommt man nur auf explizite Nachfrage, so wusste ich bis zur Ankunft nicht, dass wir zunächst gar nicht in Riobamba arbeiten sollten, sondern in Naranjal, in einem laut locals recht „gefährlichen“ Städtchen (auch wenn es sich nicht so angefühlt hat).

Land und Leute

Ecuador machte auf mich einen stabilen und und sicheren Eindruck. Als ich dort war, fanden gerade Wahlen statt. Interessanterweise gibt es in Ecuador eine allgemeine Wahlpflicht, dank derer man recht leicht über politische Themen ins Gespräch kommt. Die Menschen in Ecuador waren mir gegenüber sehr freundlich und hilfsbereit, eventuell ein wenig zu besorgt. Vor allem junge Leute sprechen etwas Englisch.
Die Straßen sind im Allgemeinen etwas vermüllter als die in Deutschland, hin und wieder ist Straße auch ein großer Ausdruck für die steile Schotterpiste vor dir.
Gundsätzlich alles (auch Suppen und Soßen) wird in Plastiktüten verkauft. V.a. auf dem Markt gibt es eine Vielzahl von Früchten und Säften, welche aber ausnahmslos gezuckert werden und so zumindest in Teilen Ecuadors Problem mit dem Übergewicht erklärt.
Zu Essen gibt es vor allem Reis mit Hühnchen. PUNKT. Keine Gemüsebeilage, keine Soße. Daher muss man als Vegetarier recht kreativ werden, v.a. wenn man mit dem Projekt kleinere Dörfer besucht. Nationalgericht in Ecuador ist das "Cuy" (Meerschweinchen).
Eine Krankenversicherung wie in Deutschland gibt es nicht, nur Kinder und Senioren bekommen eine kostenlose medizinische Grundversorgung, alle anderen können sich optional (zu meiner Meinung nach recht hohen Preisen, v.a. für Selbstständige Bauern, etc... ) versichern lassen.
V.a. für Naturbegeisterte ist Ecuador ein lohnenswertes Ziel. Obwohl das Land eine überschaubare Größe hat, gibt es 4 verschiedene Klimazonen mit jeweils eigener Flora und Fauna.Ich war viel wandern, z.B. am Cotopaxi (Hostelempfehlung: Secret Garden Cotopaxi) oder am Chimborazo. Für besonders Sportliche: Beide Vulkane kann man mit Guide besteigen, zwischen dir und dem Gipfel liegen nur 6h Gletscher. Ein großes Highlight für mich war auch mein Ausflug in den Cuyabeno Nationalpark, in dem ich eine Vielzahl an Tieren (Anakondas, Totenkopfäffchen, ...) gesehen habe.
Insgesamt habe ich habe mich in Ecuador immer sicher gefühlt. Es gibt viele „Taxis seguros“, die ich vor allem in der Nacht genutzt habe. Außerdem habe ich immer in den Hostels/Unterkünften nachgefragt, ob es Gegenden gibt, die man meiden sollte, etc...
Meine Lieblingsstadt ist Cuenca - sicher, sauber und mit einem großen kulturellen Angebot. Wer das Geld aufbringen kann (in einer Woche Galapagos Inseln mit Touren habe ich ungefähr soviel ausgegeben wie in einem Monat auf dem Festland) , sollte sich auf keinen Fall die Galapagos Inseln entgehen lassen, besonders gut gefallen hat mit „Isla Isabella“.

Fazit

Nach zwei Monaten in Ecuador habe ich das Gefühl, das Land recht gut kennengelernt zu haben und war immer wieder von der wunderschönen Natur dort überwältigt. Im Projekt habe ich v.a. das Land kennengelernt, allerdings nicht so viel Fachwissen dazugewonnen. Frustriert haben mich immer wieder die begrenzten Möglichkeiten, sodass ich heilfroh bin, dass in Deutschland so gut wie alle Menschen Zugang zu qualitativ hochwertiger medizinischer Versorgung haben.

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