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Eat to Fight your Disease (Ruanda)

Gynäkologie - SCOPH (Public-Health Austausch)
Anonym

Motivation

Ich hatte schon ein Monat Pflegepraktikum in Südamerika gemacht und es war immer klar für mich, dass ich auch für eine Famulatur die Chance nutzen möchte, ins Ausland zu gehen. Für Ruanda habe ich mich entschieden, weil es als sehr sicheres Land gilt und man in Huye (früher Butare) die Möglichkeit hat, eine Famulatur zu machen und gleichzeitig Einblicke in ein Public Health Projekt zu bekommen.

Vorbereitung

Ich habe mich über die bvmd auf einen Restplatz für den Public Health Austausch beworben. Nach der Zusage durch die bvmd habe ich zuerst eine Mail von Saskia mit allen weiteren Informationen bekommen. Im Prinzip muss man sich dann nochmal extra bei Elias am CHUB bewerben und dafür ein paar Dokumente ausfüllen. Eine Bestätigung lässt allerdings meist auf sich warten. Netterweise sind dann ein paar andere Deutsche, die gerade vor Ort waren, zu Elias gegangen und haben nochmal nachgefragt. Denen hat er zunächst gesagt, es würde auf jeden Fall funktionieren, hat mir dann aber nochmal geschrieben, es wären im März so viele Studenten da und ob ich nicht wann anders kommen könnte. Ich hatte zum Glück noch keinen Flug gebucht und habe ihm die genaue Dauer meiner Semesterferien mitgeteilt und dann letztendlich im Januar die Zusage bekommen, dass ich zwei Wochen später als ursprünglich geplant meine Famulatur machen kann.
Außerdem lohnt es sich, sich für einen Fahrtkostenzuschuss zu bewerben und rechtzeitig eine Mail an RVCP zwecks der Unterkunft zu schreiben.

Visum

Ich habe mir bei der Einreise am Flughafen ein single entry Touristenvisum geholt, das dann 30 Tage gültig war. Man kann das Visum straffrei 5 Tage überziehen, was ich auch gemacht habe, dann wird einem bei der Ausreise gesagt, man sollte das nächste Mal das Ablaufdatum respektieren, sonst hat das Ganze keine Konsequenzen. Wer länger bleiben und vor allem auch noch in andere Länder reisen möchte, kann sich alternativ das East Africa Visum holen. Ursprünglich hatte ich geplant, dann in Huye noch das N2 Studentenvisum zu beantragen, das nochmal ca. 50€ gekostet hätte. Das kann man aber erst vor Ort machen, wenn man einen recommendation letter vom Krankenhaus hat, den man am ersten Tag von Elias bekommt. Dann muss man zum immigration office und dort eine Reihe von Dokumenten abgeben, eine Liste ist online (https://www.migration.gov.rw/index.php?id=180). Besonders wichtig ist, sich frühzeitig um ein polizeiliches Führungszeugnis zu kümmern. Nach einer Woche kann man den Reisepass dann wieder abholen. Ich hatte alle Dokumente auch schon dabei, habe mich dann aber doch dagegen entschieden, weil es niemand kontrolliert hat und es doch zusätzliche Kosten und Aufwand gewesen wären und mir das Touristenvisum zeitlich gereicht hat. Wenn man länger als ein Monat bleibt, z.B. für das PJ, sollte man es sich aber wahrscheinlich trotzdem holen.

Gesundheit

An Impfungen sollte natürlich der Impfschutz der Standardimpfungen aktuell sein. Wenn man im Krankenhaus anfängt wird der Hepatitis B Schutz kontrolliert, da sollte man eine Kopie vom Impfpass dabei haben. Sonst war ich gegen Hepatitis A, Tollwut und Gelbfieber eh schon geimpft und habe mich dann noch gegen Typhus und Meningokokken ACWY impfen lassen. Außerdem habe ich als Malariaprophylaxe Malarone genommen, jedoch gab es dann zu der Zeit, als ich da war, viel weniger Mücken als erwartet und man wurde wirklich kaum gestochen. Ich glaube also eigentlich nicht, dass die Prophylaxe wirklich nötig gewesen wäre, jedoch gibt es im Krankenhaus natürlich schon einige Malariafälle und man fühlt sich so einfach sicherer. Außerdem hatte ich an Reiseapotheke natürlich einige Medikamente für Durchfallerkrankungen dabei, die ich aber auch nicht gebraucht habe und auch von anderen habe ich diesbezüglich nichts mitbekommen und wir haben alle das Essen relativ gut vertragen. In der Gyn hatte ich eigentlich auch keine Angst, mich mit irgendwelchen Infektionskrankheiten anzustecken. Die HIV Prävalenz im Land beträgt 2,9% und in der Gyn wurde auch bei jeder Aufnahme ein HIV Test veranlasst und das Ergebnis ist in der Akte vermerkt, aber man macht als Famulant eigentlich auch keine Blutabnahmen o.Ä. Es gab ein paar Patienten mit Tb-Verdacht, die dann natürlich nicht sofort isoliert wurden, aber soweit ich weiß hat sich der Verdacht auch nicht bestätigt.

Sicherheit

Ruanda gilt ja als eines der sichersten Länder Afrikas und ich muss sagen, dieser Eindruck hat sich auch wirklich total bestätigt. Ich bin auch als Frau alleine angereist und hab mir dann vor dem Rückflug noch 2 Tage alleine Kigali angeschaut und das war auch wirklich gar kein Problem. Manchmal habe ich mich, gerade wenn ich alleine unterwegs war, ein bisschen unwohl gefühlt, weil man schon bemerkt, wie man angeschaut wird und sich die Einheimischen über einen unterhalten, aber nicht in dem Sinne, dass man sich unsicher fühlt. Außerdem haben die Ruander auf mich einen sehr ehrlichen Eindruck gemacht und ich habe auch nie Fälle von Taschendiebstahl oder Ähnlichem mitbekommen. Trotzdem sollte man wahrscheinlich Wertsachen nicht zu offensichtlich mit sich herumtragen, weil wir für viele Ruander einfach doch extrem reich sind und man von den Kindern doch auch öfters angebettelt wird. Die RVCP Häuser sind von einer Mauer umgeben, jedoch ist das Tor nicht immer zugesperrt, sodass es wohl schon vorgekommen ist, dass Fremde auf das Gelände gekommen sind. Man sollte wohl nachts keine Schuhe oder Wäsche draußen lassen. Jedoch kann man natürlich das Haus und auch das Zimmer nochmal extra absperren, sodass ich mir keine Sorgen um Wertgegenstände in meinem Zimmer gemacht habe.

Geld

Die offizielle Währung sind ruandische Franc, wobei 1.000 RWF ca. 1€ entspricht. Ich habe vor Abreise extra noch ein Konto bei der Apo-Bank eröffnet, um mit der Kreditkarte kostenlos Geld abheben zu können. Zur Sicherheit hatte ich noch eine zweite Kreditkarte dabei. Ich habe dann direkt am Flughafen das erste Mal Geld abgehoben, weil ich das auch direkt fürs Taxi gebraucht habe, und auch in Huye gibt es genügend ATMs. Außerdem hatte ich noch ca. 400$ dabei. In Dollar muss man das Visum am Flughafen bezahlen (30$ für das Touristenvisum). Außerdem werden Dollar i.d.R. von Hostels, Hotels, vom RVCP House (200$ für 4 Wochen) und von den Nationalparks bevorzugt angenommen, jedoch kann man das alles auch in RWF bezahlen, wodurch man natürlich flexibler ist und auch bessere Chancen hat, dass man Wechselgeld bekommt. Die Gebühr für das Krankenhaus habe ich auch in RWF bezahlt, da habe ich die 100$ nach dem aktuellen Wechselkurs umgerechnet. Also würde ich im Nachhinein hauptsächlich für das Visum und die Miete Dollar einplanen. Was die Preise für Lebensmittel angeht, sind im Vergleich zu Deutschland vor allem Obst und Gemüse auf dem Markt extrem billig, auch beim Bäcker zahlt man pro Gebäck oft nur umgerechnet 10ct. Geht man in Huye essen, kommt man für umgerechnet unter 5€ schon recht weit. Kauft man jedoch im Supermarkt die meist importierten Sachen ein, zahlt man für Kekse, Müsli, Taschentücher, Seife etc. oft mehr als in Deutschland. Auch die Eintritte in die Nationalparks sind relativ teuer. Fahrten mit dem Bus oder Moto hingegen sind wieder ziemlich billig (pro Busfahrt umgerechnet ca. 2,50€, Motos innerhalb von Huye ca. 30ct). Trinkgeld zu geben ist allgemein nicht üblich.

Sprache

In Ruanda wird hauptsächlich Kinyarwanda gesprochen. Auf dem Markt oder an der Busstation kommt man auch mit Englisch ganz gut durch. Wie es mit Französisch ist, kann ich nicht wirklich beurteilen, weil mein Französisch auch nicht so gut ist, aber zum Beispiel wurde auf dem Markt mal ein Preis auf Französisch genannt. Im Krankenhaus hat man leider sehr schlechte Chancen, sich mit den Patienten zu unterhalten, weil Patienten, die Englisch oder Französisch sprechen, wirklich die Ausnahme sind. Man kann versuchen, ein bisschen Kinyarwanda zu lernen und auch die Studenten bringen einem gerne ein paar Wörter bei, aber um ein Gespräch mit den Patienten zu führen reicht das natürlich nicht aus. Das Medizinstudium in Ruanda ist seit 2008 auf Englisch und nicht mehr auf Französisch, deshalb sprechen auch alle Studenten ganz gut Englisch und sind trotz des afrikanischen Akzents gut verständlich. Ansonsten sind die Frühbesprechung und die Visite theoretisch immer auf Englisch, jedoch wird bei Diskussionen über Patienten dann doch teilweise auf Kinyarwanda gewechselt. Die Studenten übersetzen bei Nachfragen aber in der Regel immer gerne für einen. Bei den Ärzten ist es ganz unterschiedlich, von den älteren sprechen ein paar noch besser Französisch, obwohl sie natürlich alle auch ein bisschen Englisch sprechen.

Verkehrsbindungen

Ich bin mit KLM über Amsterdam nach Kigali geflogen und habe dafür 560€ bezahlt, obwohl ich weniger als 2 Monate vorher den Flug gebucht habe, das heißt der Fahrtkostenzuschuss von 625€ deckt den Flug auf jeden Fall ab. Soweit ich weiß, gibt es von Europa nach Kigali Flüge ab Amsterdam, Brüssel und Istanbul. Innerhalb des Landes fährt man weitere Strecken mit dem Bus. Von Kigali nach Huye sind es ca. 130km, dauert je nach Anbieter ca. 2,5 bis 3 Stunden und kostet ca. 2,50€. Die Busse fahren nach einem festen Fahrplan immer ziemlich pünktlich ab und man kann das Ticket auch schon einen Tag früher kaufen. Die größten Anbieter sind z.B. Ritco, Volcano oder Horizon. Der Komfort der Fahrt hängt ganz davon ab, wie voll der Bus ist, denn manchmal fahren mehr Leute mit als der Bus Sitze hat und dann kann es schon mal sehr eng und stickig werden. Innerhalb einer Stadt fährt man am besten mit dem Moto weiter, das ist viel billiger als Taxi fahren und man findet im Gegensatz zu Taxis auch an jeder Ecke eines, jedoch ist es wahrscheinlich auch nicht ganz ungefährlich. Von der Busstation in Huye zum RVCP House zahlt man ca. 300 RWF, innerhalb von Kigali auch nicht mehr als 1.000 RWF.

Kommunikation

WLAN findet man eher selten in Ruanda, daher lohnt es sich, am besten gleich in Kigali eine ruandische SIM-Karte zu kaufen, damit man dann gleich jemandem von RVCP schreiben kann, der einen dann vom Busbahnhof in Huye abholt. Ich war leider ein bisschen überfordert an meinem ersten Tag in Kigali und habe mir dort eine SIM Karte von MTN geholt, da war das Netz schon auch ganz gut, aber ich glaube airtel ist billiger. Also am besten geht man zu airtel und kauft sich die 10GB im Monat für 10.000 RWF. Zu beachten ist noch, dass man beim Kauf einer SIM Karte eine Kopie des Reisepasses mit abgeben muss. Außerdem gibt es in der Nähe vom RVCP house mehrere Shops, in denen man am Computer ins Internet kann und sich auch Sachen ausdrucken kann.

Unterkunft

Ich habe im RVCP House gewohnt. Dazu habe ich dem RVCP Koordinator geschrieben, sobald ich alle Zusagen hatte, die E-Mail Adresse bekommt man auch direkt mit der Zusage von etfyd. RVCP steht für Rwanda Village Community Promotors und ist eine Organisation ruandischer Studenten, die verschiedene Projekte haben. Zum Beispiel durften wir sie begleiten, als sie an einer Schule Uniformen und Taschen mit Schulsachen an bedürftige Kinder verteilt haben oder sie haben ein Projekt, bei dem alleinerziehende Mütter zu Schneiderinnen ausgebildet werden, da kann man sich auch Kleidung und Taschen schneidern lassen. Mit der Miete von 200$ für 4 Wochen unterstützt man die Organisation. Außerdem wohnt ein Student von RVCP mit im Haus, der einem auch immer weiterhilft. Ansonsten sind meistens v.a. deutsche Studenten da. Ich denke, es ist in den Semesterferien deutlich voller, als ich angekommen bin waren wir ca. zehn Leute, am Ende nur noch drei. Insgesamt ist die Unterkunft sehr zu empfehlen, man findet über die anderen schnell Anschluss und kann z.B. zusammen kochen und am Wochenende gemeinsam Ausflüge unternehmen. Es sind drei Häuser mit jeweils einer Küche und einem Bad. Normalerweise teilen sich zwei Leute ein Zimmer, aber da zu meiner Zeit nicht so viele da waren, war ich die meiste Zeit alleine im Zimmer.

Literatur

Ich habe mich vor allem im Internet über das Land erkundigt, aber im Endeffekt habe ich mich vor allem vor Ort mit der Geschichte und Kultur des Landes beschäftigt, da ich auch in mehreren Museen war. In der Mail von etfyd, die ich ein paar Wochen vor Abflug bekommen habe, war auch die Broschüre „Mit kolonialen Grüßen“ angehängt, die ich sehr empfehlen kann, wenn man sich mit Rassismus und Kolonialismus beschäftigen möchte. Ich habe dann vor Ort noch „Kuchen backen in Kigali“ und „Hundert Tage“ von Lukas Bärfuss gelesen, wobei Letzteres etwas anspruchsvoller ist und während des Genozids handelt. Außerdem habe ich den Film „Hotel Ruanda“ gesehen, da gibt es wohl auch ein Buch dazu. Reiseführer hatte ich keinen dabei, aber im RVCP House waren mehrere da und man sollte Ausflüge auch am besten mit einem Reiseführer planen, da man im Internet oft nicht allzu viele Informationen findet.

Mitzunehmen

Ich bin mit Koffer angereist, würde aber ich Nachhinein eher einen Rucksack empfehlen, da man dann problemlos ein Moto nehmen kann und das RVCP House auch an einer nicht asphaltierten Seitenstraße liegt. Außerdem empfiehlt es sich, noch einen kleineren Rucksack für Wochenendausflüge mitzunehmen. Ein Moskitonetz hatte ich nicht dabei und habe es auch nirgends gebraucht, da im RVCP House und auch in allen anderen Unterkünften eines vorhanden war. Einen Hüttenschlafsack kann man mitnehmen, braucht man aber nicht unbedingt. Adapter für die Steckdose sind nicht notwendig. Eine Powerbank ist schon sinnvoll, da es hin und wieder auch mal einen Stromausfall gibt. Man sollte natürlich Sonnencreme und Moskitospray einpacken und auch Kosmetikartikel wie Shampoo und Duschgel lieber von zuhause mitnehmen, da sie vor Ort viel teurer sind. Wenn noch Platz ist, kann man auch ein bisschen Waschmittel einpacken, da man die Wäsche mit der Hand wäscht. Wanderschuhe hatte ich nicht dabei, ich war allerdings auch nicht im Volcano Nationalpark wandern und für Nyungwe Forest usw. haben normale Turnschuhe gereicht. Wichtig ist auch eine Regenjacke und evtl. ein Regenschirm, da es während ich da war (März/April) fast jeden Tag mal geregnet hat. An Kleidung sind ansonsten Sportsachen gut, wenn man in Huye auch zum Aerobic oder Yoga gehen mag, und Badesachen, weil es in der Stadt auch ein Schwimmbad gibt. Gut sind ansonsten vor allem lange, dünne Stoffhosen. Shorts und kurze Kleider sollte man nur zuhause tragen, weil das allgemein eher unüblich ist. Für das Krankenhaus braucht man einen Kittel, darunter trägt eigentlich niemand Kasack und Klinikhose, sondern eher Jeans oder Stoffhose. In der Gyn kann man auch in den OP, dann sollte man OP-Kleidung und evtl. auch Schuhe mitnehmen. Ich hatte außerdem eine Packung Handschuhe und 0,5l Desinfektionsmittel dabei und das hat beides locker gereicht. Außerdem hatte ich noch das Englisch-Wörterbuch „Medizinisches Englisch pocket“ vom Börm Bruckmeier Verlag dabei, das braucht man aber nicht unbedingt.

Reise und Ankunft

Ich bin mit KLM über Amsterdam nach Kigali geflogen und dann vom Flughafen mit dem Taxi zum Mijo Hostel, das auch sehr zu empfehlen ist. Eigentlich wollte mich dann ein Student von RVCP abholen und mich zur Busstation bringen, jedoch hat er dann eine halbe Stunde, bevor er mich abholen wollte, wegen eines Notfalls abgesagt und mir ein Taxi geschickt. Das hat mich dann zur Busstation Nyabugogo gebracht, von wo aus die Busse losfahren. Ich habe mir dort dann noch eine SIM-Karte gekauft, da ich noch dem RVCP Studenten schreiben wollte, der mich in Huye von der Busstation hätte abholen können. Jedoch funktionierte dann bei der Ankunft leider mein Internet nicht mehr. Zum Glück hatte ich dann einen Screenshot mit der Lage des RVCP House auf Google Maps, sodass ich einen Taxifahrer gefunden habe, der es kannte und mich hingebracht hat. Im Nachhinein denke ich ist die Anreise auch alleine, ohne dass man abgeholt wird, gut möglich, man sollte einfach wissen, dass man sich an der Busstation in Huye ein Moto nehmen kann, sagt man will zum Hotel Mont Huye (das ist ganz in der Nähe) und es ca. 300 RWF kostet. Ich hatte Glück, dass dann im RVCP House mehrere Studenten da waren, die sich schon gut auskannten und die mir dann alles gezeigt haben. Ich bin dann an meinem ersten Praktikumstag einfach mit den anderen zum Krankenhaus gelaufen, das dauert ca. 15-20 Minuten. Man muss sich als Erstes bei Elias melden, mit dem man alle organisatorischen Dinge klärt, und muss dann die Gebühr fürs Krankenhaus einzahlen (100$ für 1 Monat).

Tätigkeitsbeschreibung und fachliche Eindrücke

Ich habe einen Monat Famulatur in der Gynäkologie/ Geburtshilfe gemacht. Der Tag startet um 7:30 Uhr mit der Morgenbesprechung, wo die ruandischen Studenten alle Patienten vorstellen müssen und diese besprochen werden. Das kann auch mal bis zu zwei Stunden dauern. Während meiner Zeit waren allgemein sehr viele einheimische Studenten da, da das Medizinstudium von sechs auf fünf Jahre verkürzt wurde und somit doppelt so viele Studenten in ihrem letzten Jahr waren. Die Studenten rotieren ca. alle drei Tage durch verschiedene Bereiche (z.B. admission, delivery room, waiting room, post-c-section, infected wounds, OP etc.). Man kann sich eigentlich aussuchen, wo man hin will, z.B. kann man sich auch einem Studenten anschließen und „mitrotieren“. Meist entspricht ein Bereich einem Raum mit ca. zwei bis acht Patienten, für die die Studenten dann zuständig sind, d.h. sie machen selbstständig die Visite, untersuchen, führen die Patientenakte und stellen den Patienten dann dem Arzt vor. Somit arbeiten die Studenten in Ruanda schon deutlich selbstständiger als in Deutschland. Aufgrund der kleineren Anzahl an Patienten pro Student ist man aber doch relativ schnell fertig und hat dann auf Station eigentlich nicht mehr viel zu tun, in der Aufnahme und im OP ist natürlich mehr los. Dann sind wir meistens zum Mittagessen in die Cafeteria auf dem Krankenhausgelände gelaufen, wo es immer African Buffet gibt. Das schmeckt eigentlich ganz gut, auch wenn es mit der Zeit ein bisschen eintönig wird. Die Studenten müssen dann normalerweise bis um 17 Uhr arbeiten, jedoch ist am Nachmittag auf Station eigentlich nichts mehr zu tun. Anfangs bin ich dann nach dem Mittagessen wieder zurück auf Station gegangen, aber da saßen die Studenten auch nur gemeinsam in einem Art Aufenthaltsraum und haben teilweise gelernt, sodass ich dann nach ein paar Mal auch einfach nach dem Mittagessen heim gegangen bin. Manchmal gibt es am Nachmittag ein Teaching. Das kann wirklich sehr interessant sein, z.B. haben wir einmal Saugkürettagen an Papayas geübt. Die Teacher sind auch wirklich immer sehr bemüht, den Studenten viel beizubringen. Allerdings finden die Teachings nicht sehr regelmäßig und pünktlich statt, z.B. kam der Teacher auch mal 1,5 Stunden zu spät und dann dauerte das Teaching dafür bis nach 18 Uhr. Die Studenten waren aber alle total geduldig und man muss sich erst mal daran gewöhnen, dass nicht alles so schnell und stressig abläuft wie in Deutschland.
Man muss wissen, dass das Gesundheitssystem so aufgebaut ist, dass die Patienten in der Regel zuerst zu einem Health Center gehen, wo Krankenschwestern und Hebammen, aber keine Ärzte arbeiten, dann ins District Hospital, wo Ärzte, aber keine Fachärzte arbeiten und von dort in ein Universitätskrankenhaus geschickt werden können. Deswegen gibt es deutlich weniger Geburten, als man in einem Land erwarten würde, in dem viele Frauen sechs und mehr Kinder bekommen. An manchen Vormittagen war keine einzige natürliche Geburt. Viele Frauen kommen zur Einleitung oder einer geplanten Sectio, andere werden nach der Geburt aufgrund von Komplikationen aus dem D.H. überwiesen, z.B. mit infizierten Wunden oder sogar Uterusrupturen bis hin zur Peritonitis. Allgemein finde ich die medizinische Versorgung besser als erwartet und entsprechend ihrer Möglichkeit geben die Ärzte ihr Bestes. Gerade in der Geburtshilfe bin ich es von zu Hause aber gewohnt gewesen, dass mehr Wert auf Privatsphäre und die Gefühle der Mutter gelegt werden, z.B. wird das Kind nicht direkt der Mutter gegeben, sondern wird erst mal zur Seite gelegt, wo die Mutter es gar nicht richtig sehen kann. Außerdem sind auch während der Geburt die Betten nur durch Vorhänge bzw. Aufstellwände getrennt.
Im OP finden mit Abstand am häufigsten Sectios statt, oder eben die Behandlung von Komplikationen wie z.B. Hysterektomien. Andere gynäkologische OPs sind selten und Mamma-OPs machen z.B. die Chirurgen. Man darf jederzeit auch in den OP gehen, dafür sollte man möglichst eigene Kleidung dabei haben. Die ruandischen Studenten dürfen sehr viel machen, wenn sie assistieren, oft machen sie eigentlich die Sectio und der Arzt assistiert. Es ist aber auch sehr wichtig für die Studenten, das zu beherrschen, da sie nach Abschluss des Studiums zwei Jahre an einem District Hospital arbeiten müssen und dort die Sectios alleine machen müssen. Mir wurde auch angeboten, mich einzuwaschen, aber ich wollte den einheimischen Studenten dann lieber den Vortritt lassen, da ja wie gesagt eh sehr viele Studenten da waren.
Projekt
Das Projekt „eat to fight your disease“ ist vor Ort v.a. unter dem Namen „KU” bzw. „Kuzamura ubuzima“ bekannt. An sich läuft das auch ganz gut von selber bzw. wenn man wirklich helfen möchte, braucht man wahrscheinlich mehr Zeit um sich einzuarbeiten etc. und kann das schlecht neben der Famulatur her machen. Man bekommt vor der Abreise einige Kontakte zugeschickt und wir haben uns dann mit Elias und Alexis getroffen, die uns viel erklärt haben und uns über die Felder geführt haben. Dort bauen sie die meisten Lebensmittel selbst an und versorgen momentan ca. 110 Patienten am CHUB und 15 am District Hospital. Außerdem bin ich einmal gleich morgens zum Projekt und habe erst bei der Frühstücksausgabe geholfen und dann beim Kochen und der Mittagsausgabe.

Land und Leute

Ruanda wird auch Land der tausend Hügel genannt, und das stimmt auch wirklich total! Es ist sehr grün und obwohl es relativ klein ist, ist es doch auch sehr vielfältig und extrem beeindruckend. Durch die Größe ist es auch gut an den Wochenenden zu bereisen. Ich habe Ausflüge zum Lake Kivu, in den Akagera-Park und zum Nyungwe-Forrest gemacht.
Huye (früher Butare) ist eine eher kleinere, übersichtliche Stadt. Dadurch kann man sich aber relativ schnell orientieren und man findet alles, was man braucht. Es gibt z.B. ein nettes Café, eine Eisdiele, eine Karaoke-Bar und man kann auch Aerobic- oder Yoga-Kurse besuchen. Außerdem gibt es ein ethnographisches Museum und man kann in der Nähe eine Kaffee-Plantagen-Tour besuchen.
Man fällt als „Weißer“ natürlich überall auf und hört auch öfters das Wort „Mzungo“, was "Weißer" bedeutet, dann weiß man, dass über einen geredet wird. Meistens sind die Ruander aber extrem offen und hilfsbereit, dann macht das auch nicht so viel aus. Wenn man z.B. an einem Busbahnhof ankommt, kommen sofort Leute auf einen zu und fragen, wo man hin will und versuchen, einem zu helfen. Auch laufen oft Kinder auf einen zu und wollen sich mit ein paar Wörtern Englisch unterhalten. Ich hatte eigentlich nur eine unangenehme Situation, da wollten wir mit dem Bus von einem Ausflug zurück fahren und kannten uns nicht aus, dann hatten wir das Gefühl, dass über uns gelacht wird und wir haben uns ein bisschen unwohl gefühlt.
Im Krankenhaus hatte ich das Gefühl, dass die Ärzte und Studenten Deutschland gegenüber sehr positiv eingestellt waren und hatte teilweise das Gefühl, überschätzt zu werden, da die Studenten ja praktisch viel besser ausgebildet waren als ich. Alle waren sehr freundlich und man konnte sich auch privat gut unterhalten, jedoch hat man auch hier gespürt, dass man für die Leute vor Ort einfach unglaublich wohlhabend ist, was es manchmal ein bisschen schwierig macht. Auch muss man sich dem Tempo ein bisschen anpassen, vieles geht einfach viel langsamer, aber dafür beschwert sich auch keiner, wenn man mal warten muss.
Außerdem war zufällig der 25. Jahrestag des Beginnes des Genozids. Eine Woche lang durfte deswegen keine Musik gespielt werden, überall waren Gedenkveranstaltungen, Plakate und soweit man es verstanden hat wurde auch im Radio und Fernsehen den ganzen Tag darüber diskutiert. Außerdem ist z.B. auch Aerobic die ganze Woche ausgefallen. Während dieser Zeit hat man sehr deutlich gespürt, wie präsent die Vergangenheit doch noch ist, denn praktisch jeder war irgendwie beteiligt oder hat irgendjemanden verloren. Umso beeindruckender ist es, wie das Land seit dem entwickelt hat.

Fazit

Ruanda ist definitiv ein sehr beeindruckendes Land und eignet sich meiner Meinung nach sehr gut, wenn man das erste Mal nach Afrika reist und Erfahrungen in einem Krankenhaus sammeln möchte. In der Famulatur hat man oft nicht sehr viel zu tun, aber man bekommt trotzdem einen ganz guten Einblick. Außerhalb der Famulatur kann man das Land gut an den Wochenenden erkunden und es gibt genügend tolle Ausflugsziele für einen Monat. Ich habe mich dort immer sehr wohl gefühlt und wäre am Ende, nachdem ich mich eingewöhnt hatte, auch gerne noch ein bisschen länger geblieben.

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