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Italy (SISM)

Innere - SCOPE (Famulaturaustausch)
von Verena, Regensburg

Motivation

Ich wusste schon seit Beginn des Studiums, dass ich Erfahrungen im Ausland machen will und das am besten auch im späteren Berufsleben. Dafür erschien mir ein Austausch mit der bvmd als optimaler Einstieg. Da ich seit der Schule italienisch gelernt habe und dort auch ein paar Freunde habe, fiel die Wahl relativ schnell auf Italien, auch weil ich das Land und die Leute dort einfach sehr gern habe. Erwartet habe ich ehrlichgesagt gar nicht so viel, ich habe mich einfach gefreut neue Erfahrungen sowohl in der Medizin als auch im Umgang mit Menschen sammeln zu können.

Vorbereitung

An unserer Uni gab es ein Infotreffen der bvmd an dem der Ablauf generell vorgestellt wurde. Über die Bewerbungsunterlagen im Speziellen habe ich mich dann über die Website der bvmd informiert, da steht eigentlich auch alles sehr genau und übersichtlich. Als Tipp würde ich mich frühzeitig um Sprachnachweise kümmern, da gibt’s ab und zu Verzögerungen durch Prüfungstermine etc. Ich habe dann im Vorfeld des Austausches versucht mein Italienisch besonders bezüglich des medizinischen Fachvokabulars aufzubessern, ansonsten habe ich eigentlich keine besonderen Vorbereitungen getroffen :)

Visum

Da Italien ein Land der EU ist und der Austausch nicht länger als drei Monate ging brauchte ich natürlich kein Visum.

Gesundheit

Im Vorfeld des Austausches habe ich eine Reisekrankenversicherung abgeschlossen und eine neue betriebsärztliche Untersuchung am Uniklinikum in Deutschland durchführen lassen. Die wurde offiziell zwar gefordert, interessierte den Chefarzt vor Ort dann aber letztendlich doch nicht. Italien ist natürlich vergleichbar mit Deutschland, ebenso die Krankheitsbilder - Wohlstandskrankheiten. Besondere Impfungen außer den Standardimpfungen braucht man demnach nicht.

Sicherheit

In Genua gibt es Stadtteile die man abends nicht alleine besuchen sollte, ansonsten ist die Stadt sehr sicher. Speziell sind das die Viccoli, die kleinen mittelalterlichen Gässchen in der Altstadt nahe dem Hafen. Da kann man sich schnell mal verirren und sieht auch bei Tageslicht Prostitution und Drogendealer. Bleibt man allerdings auf den etwas größeren Wegen gibt es keine Probleme :) Natürlich sollte man nicht Touri-like mit Kamera um den Hals rumlaufen, aber das sollte ja klar sein. Auch das Wohnheim war gut gelegen und es war sogar immer, auch nachts, ein Portier anwesend, der kontrollierte wer ins Wohnheim wollte.

Geld

Italien als der Teil der EU verwendet den Euro, was die Vorbereitungen natürlich sehr vereinfacht. Ich habe nicht allzu viel Geld in bar mitgenommen und vor Ort Geldautomaten benutzt, da muss man je nach Bankinstitut 5€ Bearbeitungsgebühr fürs Geldabheben zahlen. Es empfiehlt sich eine Kreditkarte zu verwenden, die wird überall angenommen wenn nicht sogar bevorzugt (außer vielleicht an kleinen Kiosken). Die Preise unterscheiden sich nicht stark von den in Deutschland üblichen Preisen. Sachen wie Schokolade, Kosmetik, Drogerieartikel etc. sind im Vergleich etwas teurer, allerdings sind Obst und Gemüse beim Gemüsehändler um die Ecke viel günstiger (und frischer und leckerer!!)

Sprache

Landessprache ist natürlich italienisch und es empfiehlt sich auch wenigstens Grundkenntnisse darin zu haben. Die Ärzte sprachen auch mehr oder weniger gut Englisch und waren immer sehr bemüht mir Sachverhalte auf Englisch zu erklären, wenn ich etwas auf Italienisch mal nicht verstand. Mit den Patienten sprach ich nur auf Italienisch, die hatten zum Glück auch keinen starken Dialekt wie im Süden Italiens. Man kann auch ohne Italienischkenntnisse die Famulatur dort machen, wird allerdings wenig mitnehmen, was dann natürlich schade ist. Bezüglich der medizinischen Fachtermini ist Italienisch sehr dankbar, da dafür auch in der Umgangssprache die Wörter mit lateinischen Wurzeln verwendet werden, die man auch in Deutschland verwendet. Die Leute, sowohl Patienten als auch Ärzte, waren unglaublich hilfsbereit und motivierend bzgl. der Sprache und gaben immer positive Rückmeldung alla „du sprichst wie ein geborener Italiener“, obwohl man gerade irgendeinen grammatikalisch inkorrekten Satz gestammelt hat. Ich empfehle mit mind. B1-Kentnissen hinzufahren und dann ist die Lernkurve auch sehr steil und man wird schnell bemerken, wie flüssig die Sprache wird.

Verkehrsbindungen

Angereist bin ich mit meinen Eltern im Auto, da wir das als kurzen Wochenendtrip nutzten. Es gibt aber auch gute Angebote von Flixbus, per Bahn oder Flug. Vor Ort habe ich mir ein Monatsticket für ca 45€ gekauft, das gilt für die Züge, Busse und Metro im Stadtgebiet. Man kauft das an einem Kiosk und dort muss man bar bezahlen. Für Reisen innerhalb Italiens bietet sich Flixbus an. Ich bin über ein verlängertes Wochenende damit für insgesamt 18€ nach Rom und wieder zurück nach Genua gefahren. Die ca 6-stüdige Fahrt dafür empfiehlt sich auch, da man den ersten Teil nur am Meer entlang fährt und das wirklich sehr schön ist! Aber auch TrenItalia hat gute Verbindungen und Angebote fürs ganze Land. Für die Bus/Metroverbindungen in der Stadt sollte man einfach Google Maps verwenden, da es nicht wirklich Buspläne gibt. Auf die Zeiten in Google Maps ist aber gut Verlass.

Kommunikation

Im Wohnheim gab es offiziell Wifi, das war aber eigentlich immer überlastet und ging nicht. Man sollte sich im Vorfeld überlegen ein Modem anzuschaffen bzw. einen guten Mobilfunkvertrag mit genügend Datenvolumen abzuschließen. Die Mobilfunkverbindung ist überall super und schneller als in vielen Teilen Deutschlands. Ich habe also hauptsächlich mein mobiles Datenvolumen verbraucht, es gibt aber auch in der Stadt viele Hotspots bzw auch in der Klinik Wlan.

Unterkunft

Von der italienischen Organisation wurde ein Wohnheimzimmer gestellt. Dort waren auch viele internationale Studenten und man kann sich sehr schnell eingewöhnen. Es ist auch 24h ein Portier anwesend, den man zu allem befragen kann. Das Zimmer ist sehr einfach gehalten, man hat ein eigenes Bad mit Dusche und WC. Es gibt keine Küche oder Kühlschrank, nur eine Mikrowelle und eine Waschmaschine im gesamten Wohnheim. Zusätzlich gibt es eine Kantine, in der man allerdings mit den Essenskarten, die man von der Organisation bekommt nicht essen kann (man kann damit nur in der Unikantine 1x pro Tag essen). Kissen und Decke gab es, die waren allerdings ziemlich… benutzt, deshalb nahm ich mein eigenes Bettzeug mit. Es empfiehlt sich auch alles – besonders die Dusche - zu Beginn mal gut durchzuschrubben.

Literatur

Ich habe im Vorfeld versucht mein Italienisch aufzubessern und die kardiologische Terminologie zu lernen. Besondere Lektüre über Italien habe ich nicht gelesen, das Land und die Leute waren mir so auch schon bekannt genug. Was mir im Nachhinein sehr geholfen hat, war grundlegende Sätze des Patientenkontakts im Vorherein zu übersetzen und aufzuschreiben.

Mitzunehmen

Was man nicht vergessen sollte mitzunehmen ist ein Kittel und Stethoskop für die Klinik, Handtücher, Bettzeug und vielleicht Geschirr und einen Teller, da es das im Wohnheim alles nicht gab und ich mir das dann vor Ort kaufen musste. Im März war es die meiste Zeit schon ca 25°C warm, ich persönlich hatte zu viele warme Sachen eingepackt, da ich von zuhause noch mit Schnee losgefahren bin. Als Tipp würde ich für die Dusche Badelatschen mitnehmen, man weiß ja nie. Natürlich so Sachen wie Perso, Versicherten- und Kreditkarte, Impfausweiß, etwas Bargeld. Als sehr nützlich erweist sich auch die App Offline-Maps, die habe ich vermutlich am öftesten während meines Aufenthaltes benutzt. Ich hatte noch ein paar Bücher zum Italienisch üben dabei, die ich allerdings nie benutzt habe, weil man ja eh den ganzen Tag mit Leuten spricht und das besser als jedes Buch ist :)

Reise und Ankunft

Ich habe mich am Freitag, also zwei Tage vor Praktikumsbeginn, mit meiner Contact Person getroffen. Sie hat mir beim Check-In in das Wohnheim geholfen, mich kurz rumgeführt und mir manche Sachen bzgl. der Organisation erklärt. Am Montag sind wir dann morgens zusammen mit dem Bus in die Klinik gefahren und sie hat mich dem Chefarzt der Station vorgestellt, ab da war ich dann alleine. der Chefarzt hatte sich erst mal 10 min mit mir unterhalten und gefragt, welche Bereiche mich denn besonders interessieren würden. Dann hat er mich in Arztzimmer gebracht, wo ich gleich super freundlich aufgenommen wurde. Das war wirklich erstaunlich, ich war praktisch 5 min später komplett ins Team integriert, alle waren total motiviert und interessiert und haben sich trotz des morgendlichen Stress viel Zeit genommen mir Fragen zu stellen, die Station zu zeigen und alles zu erklären. Wirklich top Team!

Tätigkeitsbeschreibung und fachliche Eindrücke

Mein Praktikum war auf der kardiologischen Station der Uniklinik. Die Klinik ist generell nahe am Meer gelegen und da die Kardio im 8. Stock ist hat man eine super Aussicht auf das Mittelmeer. Ich war jeden Tag um ca 8 Uhr morgens da, hätte aber auch später kommen können. Morgens wurden die Visiten vorbereitet und die Patienten kurz durchgesprochen. Um ca 9 kam dann der Oberarzt und es wurde Visite gegangen. Auffallend war, dass alles im Patientenzimmer besprochen wurde, also auch Therapiepläne etc. Der Oberarzt und auch die Assistenten haben sich dabei viel Zeit auch für mich und die anderen Studenten genommen um alles zu erklären und wir mussten auch immer wieder EKGs auswerten und durften bei der körperlichen Untersuchung jedes Patienten mitmachen. Zwischendurch wurden auch Koronarangiographien beurteilt, ZVKs gelegt, die Notaufnahme betreut etc, auch hier wurde alles super erklärt. Nach der Visite wurden Briefe getippt und die Therapien umgesetzt, EKGs geschrieben, Echos gemacht, Belastungstests etc. Theoretisch hätte ich jeden Tag wie die italienischen Studenten um 12 oder sogar früher gehen können, ich bin aber bis auf wenige Tage bis abends geblieben. Nachmittags waren dann noch die Aufnahmen, auch hier sehr ausführliche körperliche Untersuchungen und Anamnesen. Einmal pro Woche war abends noch eine intere Fortbildung zu verschiedenen Themen, die echt gut und empfehlenswert war, sehr interaktiv und man kann viel lernen. Ich konnte auch die Stationen wechseln und war mal ein paar Tage auf Intensiv, in der interventionellen Kardio und bei der HTC. Was überall auffällt ist dass die Ärzte und auch das Pflegepersonal IMMER total freundlich waren und sehr bemüht wirklich alles bis ins Detail zu erklären. Ich hätte vermutlich 1000 Fragen fragen können und sie wären mir nicht beleidigt gewesen, etwas das man von den meisten Unikliniken in Deutschland nicht kennt.
Die Arbeitsbelastung der Ärzte ist auch in Italien sehr hoch, sie arbeiten meistens 12h und auch am Wochenende. Allerdings gibt es eine deutlich flachere Hierarchie, was mich persönlich überrascht hatte und auch der Umgang mit den Pflegekräften ist mehr teamorientiert und sehr freundlich. Es wird auch gemeinsam jeden Tag nach der Visite erstmal kurz gemeinsam Kaffee getrunken, bei dem der Oberarzt auch oft das landestypische Foccaccia mitbrachte.
In Italien unterscheidet sich die Behandlung nicht sehr stark von Deutschland; das Krankenhaus ist generell etwas weniger technisch ausgestattet und das Legen von ZVKs entsprach nicht zu 100% den hygienischen Vorschriften, aber alles nicht dramatisch. Dafür wird hier viel mehr Wert auf die körperliche Untersuchung gelegt, dem Oberarzt war z.B. auch wirklich wichtig, dass wir die verschiedenen Herzgeräusche auch sicher hören und unterscheiden können. Auch "musste" ich bis Ende des Monats sicher in der Echokardiographie sein und ich durfte daher gerade in den Aufnahmeuntersuchungen viele selbstständig unter Aufsicht durchführen.
Jeden Vormittag war auch noch ein Student für ca 3-4 Stunden dabei, in Italien ist das vergleichbar mit unserem PJ, im Umfang aber natürlich viel geringer. Auch die waren immer sehr nett und hilfsbereit, wenn mal was nicht so gut verstanden hat.
Generell war ich sehr frei in dem was ich sehen/machen wollte, bei ein bisschen Engagement darf man wirklich viel machen und die Ärzte hatten tatsächlich sehr viel Freude daran alles mögliche zu erklären.

Land und Leute

Genua liegt im Norden Italiens in der Region Ligurien und ist eine Hafenstadt am Mittelmeer. Aufgrund der Lage bietet es sich an an den Wochenenden die Region etwas zu erkunden (man kann auch problemlos ein verlängertes Wochenende nehmen). Was man unbedingt sehen sollte sind die Cinque Terre, 5 kleine sehr idyllisch am Meer gelegene Dörfer die über einen Wanderweg verbunden sind. Der Beginn dieses Weges ist sehr einfach per Zug zu erreichen, man sollte sich nur im Vorfeld informieren, weil immer wieder Streckenabschnitte aufgrund von Renovierungsarbeiten geschlossen sind. Auch Camoglie und Portofino sind einen Besuch wert, man kann sich auch überlegen von Hafen Genuas via Schifffahrt die Küste zu erkunden. Im weiteren Umfeld lässt sich Mailand sehr einfach und schnell mit dem Zug bzw. Flixbus erreichen oder wenn man etwas mehr Zeit hat, kann man auch in die Toscana oder bis nach Rom etc fahren. Flixbus bietet sich hier wirklich als günstiger Reiseanbieter an, die Buse waren auch immer super pünktlich. Ich bin über ein verlängertes Wochenende nach Rom gefahren, das ist natürlich immer eine Reise wert. Falls man allerdings noc nie dort war sollte man sich mehr Zeit dafür nehmen. Auch Monaco oder Nizza sind nicht weit weg, das habe ich persönlich aber nicht mehr geschafft.
Auch Genua selbst bietet einiges: natürlich gibt es den Hafen mit dem größten Aquarium Europas, die Altstadt mit den vielen kleinen Gässchen und die zahlreichen berühmten Dogenpaläste und Parks der Stadt. Shoppen kann man auch super in Genua und man sollte auf keinen Fall verpassen das berühmte Pesto Genovese und frischen Fisch zu genießen. Aber über die italienische Küche muss man ja nicht viel sagen :)
An meinen freien Nachmittagen bin ich gerne mit der Buslinie 17 nach Nervi gefahren. Das ist offiziell noch Teil Genuas, ehemals aber ein kleines Fischerdörfchen direkt am Meer. Dort gibt es den Passeggiata di Anita Garibaldi, ein kurzer schöner Wanderweg der direkt an der Küste entlang geht und einen tollen Blick aufs Meer bieten. An manchen Stellen könnte man auch reingehen, allerdings war es dazu im März noch zu kalt. Ich empfehle wirklich jedem dort zumindest einmal hinzufahren, entlang der Promenade sind viele Restaurants und Eisdielen die zum Ausblick genießen einladen. Nahe der Klinik ist der Stadtteil Boccadasse, ebenfalls ein ehemaliges Fischerdorf direkt am Meer. Auch hier gibt es eine gut besuchte Strandpromenade, super Eis und ein paar Bars die super sind für einen Aperol mit Freunden.
Meine Contact Person war von Anfang an sehr bemüht und hat mir gleich ihren Freundeskreis vorgestellt, wir haben viel zusammen gemacht und ich konnte dadurch einige neue Freunde gewinnen. Das war natürlich super, aber auch ansonsten sind mir eigentlich nur total freundliche und aufgeschlossene Menschen begegnet, es gab fast keinen Tag an dem ich nicht im Bus von irgendeinem Opi oder einer Omi angesprochen wurde und wilde Geschichten aus deren Leben erfahren habe.
Auch der Umgangston in der Klinik war sehr anders als zuhause. Zwar war es generell gegenüber den Patienten paternalistischer aber gleichzeitig auch herzlicher. Der Oberarzt hat zum Beispiel gerne den etwas dickeren Patienten (nicht sehr sanft) auf den Bauch gehauen und meinte, dass man sich mit so einer Kugel auch nicht über einen Herzinfarkt wundern muss, aber das wurde immer lustig aufgenommen und keiner hatte beleidigt gewirkt. Generell wurde viel gelacht und die Ärzte nahmen sich wirklich viel Zeit auch mit den Patienten über fachfremde Themen zu reden bzw. Ihnen Sachverhalte genau zu erklären.

Fazit

Ich kann jedem, der Interesse an Italien und deren Leuten hat, empfehlen eine Famulatur dort zu machen. Dott. Secchi der Kardiologie in Genua ist ein wunderbarer, sehr motivierter Mensch von dem man wirklich viel lernen kann, fachlich als auch menschlich. Ich würde die Famulatur genauso wieder machen, das Ärzteteam war wirklich bemüht und hat einen gleich ins Team aufgenommen, es herrschte generell eine sehr familiäre Atmosphäre. Kardio war zwar noch nie mein Wunschfach, aber der Aufenthalt hat mir gezeigt wie wichtig das Team der Station wirklich ist um sich wohl zu fühlen und auch wie der Umgangston mit den Kollegen und Patienten die gesamte Atmosphäre beeinflusst. Die Famulatur war wirklich eine Erfahrung die ich auf keinen Fall missen will, würde dort sofort wieder hinfahren :)

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