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Eat to Fight your Disease (Ruanda)

Pädiatrie - SCOPH (Public-Health Austausch)
von Freyja, Göttingen

Motivation

Der Bereich Public Health interessiert mich schon seit Studiumsbeginn, leider kommt dieser Teilbereich der Medizin oft etwas zu kurz im Studium. Des Weiteren fand ich es spannend ein anderes Gesundheitssystem kennenzulernen. Ich habe mich explizit auf einen Restplatz für das Projekt in Ruanda beworben, da ich die Kombination auf Public Health Projekt und Famulatur ansprechend fand. Außerdem war ich neugierig auf Ruanda, das mit seiner Geschichte und den aktuellen politischen Entwicklungen wie der hohen Frauenquote im Parlament und als erstes Land mit Plastiktütenverbot immer wieder in den Fokus der europäischen Medien rückt.

Vorbereitung

Die Bewerbung auf den Restplatz war total unkompliziert und ich habe auch ziemlich schnell meine Zusage per Mail von ETFYD erhalten. Falls man, so wie ich, gleichzeitig eine Famulatur im Universitätsklinikum machen möchte, muss man sich selbst um die Bewerbung im Krankenhaus kümmern. Diese Bewerbung war insgesamt ziemlich kompliziert, sodass ich erst zwei Wochen vor Abreise eine endgültige Bestätigung bekommen habe. Zu dem Zeitpunkt hatte ich meine Flüge schon gebucht, man hat nämlich auch immer die Möglichkeit nur am Public Health Projekt teilzunehmen und keine Famulatur zu machen.

Visum

Offiziell benötigt man ein N2 Praktikumsvisum, für das man allerdings einige Unterlagen braucht, die man erst vor Ort von Elias bekommt. Normalerweise reist man einfach mit einem Touristenvisum ein und beantragt das Visum vor Ort. Unter anderem sollte man aber an das englische Führungszeugnis aus Deutschland denken. Problematisch kann es allerdings werden, wenn man länger als das Praktikum in Ruanda bleiben möchte. Wir haben uns einfach das East-Africa-Visum am Flughafen geholt, mit dem man insgesamt 3 Monate in Ruanda, Kenya und Uganda reisen kann, und hatten damit absolut keine Probleme.

Gesundheit

Ich hatte sowohl eine Auslandsreise- sowie eine Famulaturversicherung meiner Krankenkasse.
Außerdem hatte ich eine typische Reiseapotheke mit Mückenspray, Durchfallmedikamenten, Allergietabletten, Schmerztabletten, Verbandszeug etc. dabei. Abgesehen von den Durchfallmedikamenten und dem Mückenspray habe ich allerdings nichts gebraucht.
Zum Glück brauchte ich nicht mehr viele Reiseimpfungen, ein paar Sachen wurden allerdings nochmal aufgefrischt (habe mich an die Impfempfehlungen des Robert-Koch-Instituts gehalten). Für die Famulatur braucht man einen Hep-B-Titer, bei mir hat allerdings mein Impfpass mit regelrecht durchgeführten Impfungen gereicht.
Nach längerem hin und her und Rücksprache mit Freiwilligen vor Ort habe ich mich für eine Malariaprophylaxe entschieden, was ich auch nicht bereut habe.

Sicherheit

Huye ist ein ruhiges Universitätsstädtchen - ich habe mich dort immer sicher gefühlt!
In Ruanda sieht man generell viel Militär und in einigen Grenzregionen (zum Kongo und Burundi) gibt es vermehrte Polizei- und Militärstreifen, in Huye bemerkt man aber außer ein paar Soldaten nicht viel davon. Im März war die Grenze zum Kongo wegen Ebola geschlossen, sodass es in der Vulkanregion im Nordwesten und am Kivusee vermehrte Sicherheitsvorkehrungen gab, genauso wie im Nyungweforest (Grenze zu Burundi).

Während des Praktikums war es nie ein Problem alleine in die Stadt oder auf den Markt zu gehen und im Dunkeln als Gruppe unterwegs zu sein.

Geld

Die Währung in Ruanda ist der Ruandische Franc, in Nationalparks und manchen Touristenregionen wird auch der amerikanische Dollar akzeptiert. Ich hatte eine Kreditkarte dabei und konnte damit auch an manchen Automaten kostenlos abheben, in Huye gibt es auf jeden Fall genügend Banken - wenn ein Automat mal leer ist kann man einfach zum nächsten gehen :)
Dollar habe ich allerdings aus Deutschland mitgenommen, die kann man dort nicht abheben.
Die Lebenserhaltungskosten sind auf dem Markt und beim Essen gehen deutlich geringer als in Deutschland, Luxusprodukte im Supermarkt wie Kaffee, Müsli, Käse etc. jedoch verhältnismäßig teuer.

Sprache

Kinyarwanda ist die meistgesprochene Sprache in Ruanda. Basics kann man relativ schnell lernen, die Grammatik ist allerdings im Vergleich zu anderen ostafrikanischen Sprachen wie Suaheli relativ komplex.
Im Projekt sprechen alle Mitarbeiter*innen super Englisch und im Krankenhaus sprechen die älteren Ärzt*innen hauptsächlich Französisch und die Jüngeren sehr gutes Englisch. Unterrichtssprache in der Universität und während der Visiten ist fast ausschließlich Englisch, bei der Anamnese und im Patientenkontakt haben mir meist ruandische Studierende beim Übersetzen geholfen.

Verkehrsbindungen

Huye ist klein, daher können die meisten Strecken zu Fuß gegangen werden. Außerdem gibt es innerhalb der Stadt immer Mototaxis für wenig Geld. Huye ist gut an das Bussystem angeschlossen und es verkehren mehrmals täglich sowohl kleine als auch große Busse zu verschiedenen Städten und Nationalparks. Das Land ist sehr hügelig und so kann eine Busfahrt schon auch mal zu einem Abenteuer werden.

Kommunikation

Im Gegensatz zu den größeren Hotels und Hostels in Kigali gibt es in Huye nur zwei Restaurants mit Wlan. Wir haben uns einfach eine Aufladbare Simkarte geholt und mit Datenvolumen aufgeladen, was definitiv gereicht hat. In unserer Unterkunft und im Krankenhaus/Projekt gab es kein Wlan.

Unterkunft

Es gibt mehrere Möglichkeiten in Huye zu wohnen. Zum einen kann man im Studentenwohnheim wohnen, dort hat man allerdings keine Kochmöglichkeiten. Dafür wohnt man mit vielen ruandischen Studierenden zusammen und findet somit leicht Anschluss. Essen gibt es in der Kantine.
ETFYD hat, als ich in Huye war, gerade ein eigenes Haus für Praktikant*innen aufgebaut, leider wusste ich vorher nichts davon, ich würde Euch diese Unterkunft jedoch zur Unterstützung des Projekts wärmstens empfehlen.
Außerdem gibt es das RVCP-Haus von einer ortsansässigen NGO, welches fußläufig vom Krankenhaus aus erreichbar ist. Hier habe ich gewohnt – es ist zwar verhältnismäßig teuer, aber 40 % der Einnahmen gehen an die NGO und es gibt mehrere kleine Häuschen mit Bad, Küche, Gemeinschaftsraum. Man teilt sich sein Zimmer zu zweit bis zu viert. Es wohnt normalerweise immer ein*e ruandische*r Studen*in mit auf dem Gelände und mehrere Famulant*innen / ETFYD Praktikant*innen.

Literatur

Ich habe vor der Abreise einige Artikel von Reporter ohne Grenzen und das Buch „Ruanda Inc.“ sowie „ Pakt mit dem Teufel“ gelesen. Außerdem habe ich einige Dokus der ARD-Mediathekt und den Film Hotel Ruanda angeguckt. Zusätzlich hatte ich das Sprachbuch Kinyarwanda von Kauderwelsch in meiner Kitteltasche und einen Reiseführer von Iwanowski’s, den ich soweit auch empfehlen kann.
Ich habe mich im Vorraus ein wenig mit ETFYD auseinandergesetzt (Internetauftritt, andere Erfahrungsberichte).

Mitzunehmen

Für die Famulatur muss man auf jeden Fall seinen eigenen Kittel und ein Stethoskop aus Deutschland mitbringen. Empfehlenswert sind außerdem genug Desinfektionsmittel und Handschuhe für den Monat. Bei PJ/Famulatur in der Chirurgie muss man außerdem seine eigenen Kasaks und OP-Schuhe mitbringen.
Insgesamt sind lange, luftige Sachen (eher knie- und schulterbedeckend) zu empfehlen. Für März sind außerdem Sportklamotten, feste Schuhe zum Wandern und eine Regenjacke sinnvoll. Im RVCP-Haus und in vielen Unterkünften gibt es zwar Moskitonetze, ich hatte trotzdem mein eigenes, feinmaschigeres dabei. Viele hatten noch ein Endspurtskript für ihr jeweiliges Fach mitgebracht, den Herold gibt es aber im RVCP-Haus und ich habe die meisten Sachen einfach bei Amboss nachgeguckt.

Reise und Ankunft

Ich bin nach Kigali geflogen und habe das erste Wochenende erstmal in einem Hostel übernachtet, bevor es ohne Probleme mit dem Kleinbus nach Huye ging. Ich würde euch empfehlen einfach nochmal den Verantwortlichen vor Ort einen Tag vorher Bescheid sagen. Auf Anfrage können Euch ruandische Studierende auch in Kigali vom Flughafen und zum Bus bringen – wir wurden aber aufgrund eines Zwischenstopps in Kigali erst in Huye am Busbahnhof abgeholt (RVCP-Studierende).

Tätigkeitsbeschreibung und fachliche Eindrücke

Ich habe in der Pädiatrie famuliert und in verschiedene Bereiche rotiert (Notaufnahme, Neonatologie und Normalstation). Der Praktikumsalltag begann um 7 Uhr. Pro Station waren jeweils ca. 5- 10 „PJ-Studierende“ eingeteilt, die jeden Morgen Patientenaufnahmen, Untersuchungen und Anamnesen durchführten, um diese dann mit dem/der Stationsärzt*in zu besprechen. Gegen 7.30 Uhr gibt es die Morgenbesprechung, in der alle Neuaufnahmen vorgestellt werden und jeden zweiten Tag außerdem Unterricht am Krankenbett. Anschließend ist große Visite mit eine*r Oberärzt*in, bei der man selbst Patient*innen vorstellt und dazu auch abgefragt wird. Von mir wurde erwartet, dass ich meine Aufgaben wie alle anderen Studierenden erledige, allerdings sind die Studierenden sehr hilfsbereit. Ich habe trotz etwas Druck wirklich super viel gelernt.
Nicht alle Visiten finden rein auf Englisch statt, oft ergibt sich eine Mischung aus Englisch, Französisch und Kinyarwanda, was anfangs etwas verwirrend ist. Auf Nachfrage und beim Nachlesen in den Patientenakten bekommt man aber das Wesentliche mit.
Nach einer Mittagspause gab es nachmittags meist Lehrveranstaltungen und/oder Vorträge von Studierenden zu verschiedenen Themen. Nach einem kurzen Blick und letzten Kleinigkeiten auf Station war der Tag meist zwischen 16 und 18 Uhr zu Ende.
Die Teilnahme am Public Health Projekt lässt sich sehr individuell gestalten. Wir sind in den ersten Tagen einfach mal ins Büro gegangen und haben uns vorgestellt. Vor Ort arbeitet ETFYD eng mit der amerikanischen Organisation „KU“ zusammen. Die Hauptamtlichen haben uns das wirklich beeindruckende Projekt auf dem Gelände des Krankenhauses mit großer Anbaufläche und eigenen Küchen gezeigt. Die gesamte Landwirtschaft ist ökologisch und nachhaltig! Man kann außerdem mal bei der Essensausgabe (jeden Morgen und Mittag) dabei sein oder auf dem Feld mitarbeiten und viel von allen Beteiligten lernen. Je nach Motivation ist das Projekt sehr offen für kleine Teilprojekte, so hat ein Praktikant z. B. bei einem Werbevideo geholfen. Insgesamt geht es aber hauptsächlich darum ETFYD in Deutschland auf den neuesten Stand zu bringen und sich zu überlegen wie am besten Gelder und Unterstützer*innen generiert werden können. Es gibt außerdem ein Teilprojekt, bei dem Familien in „urban gardening“ unterrichtet werden, um die begrenzte Anbaufläche in dem überbevölkerten Land zu nutzen. Die Mitarbeiter*innen machen außerdem Workshops mit Patient*innen und Angehörigen zu verschiedenen Public Health Themen.

Land und Leute

Ruanda ist das Land der 1000 Hügel – im wahrsten Sinne des Wortes! Landschaftlich ist es ein zwar dicht besiedeltes, aber sehr buntes und wunderschönes Land.
Der Volcano National Park im Nordwesten des Landes eignet sich super zum Wandern und bestaunen der Landschaft. Ich war selbst nicht im Akagera National Park für eine Safari, habe aber Gutes von Tagestrips gehört. Der Nyungwe Forest ist einer der ältesten tropischen Regenwälder der Welt und lädt zum Wandern und Zelten mitten im Nationalpark ein. Ich war wirklich beeindruckt von den Wanderungen und die Guides bringen einem die verschiedenen Pflanzen und Tierarten näher. Am Eingang des Nationalparks befindet sich außerdem eine Ecolodge mit Teeanbau als Übernachtungsalternative.
Am riesigen Kivusee kann man super ein Wochenende abschalten und entspannen sowie Bootstouren machen. Alles sind gute Ziele für Wochenendtrips und lassen sich verhältnismäßig recht zügig erreichen, allerdings neigt man dazu die Entfernungen etwas zu unterschätzen. In Kigali gibt es außerdem ein vielfältiges kulturelles Angebot: von Museen über Konzerte hin zu Märkten und Künstlerszenen sowie hippen Restaurants, Cafés und Bars ist hier alles vertreten.

Ich habe mich immer sehr wohl gefühlt, egal ob alleine oder in der Gruppe. Die Menschen sind ausgesprochen aufgeschlossen und freundlich und freuen sich immer über ein paar Sätze in Kinyarwanda. Auf dem Markt in Huye findet man eigentlich alles für die Selbstversorgung und besonders den Obstbereich kann ich nur empfehlen. Grundsätzlich gibt es überall leckeres, vegetarisches Essen (im Krankenhaus z. B. ausschließlich) – oft in Form von Buffets mit Kochbananen, Ugali (eine Art Polenta), Bohnen, Wasserspinat, Gemüse, Pommes und scharfen Soßen. Fleisch scheint im Alltag eher die Ausnahme zu sein. In Huye gibt es außerdem noch das Café Connexion mit frisch geröstetem Kaffee aus der Region und eine Eisdiele, beides sehr empfehlenswert für einen Ausklang eines anstrengendes Krankenhaus oder Projekttages!

Zur Politik und Geschichte des Landes gibt es vor Ort einige Museen – besonders das Genocide Memorial Museum in Kigali ist empfehlenswert.

In Huye ist außerdem das ethnologische Museum, das zwar sehr interessant aber etwas trocken gestaltet ist. Bei Bedarf gibt es Guides, die eine detaillreiche Tour des Museums anbieten. In der Region um Huye gibt es viel Kaffee-, Tee- und Reisanbau und nicht weit entfernt liegt die Stadt Nyanza. Das ehemalige kulturelle Zentrum und Hauptstadt des Königreichs Ruandas beherbergt den Königspalast.

Fazit

Ingesamt hatte ich eine wunderschöne, sehr lehrreiche Zeit mit vielen neuen Eindrücken, Bekanntschaften und Perspektiven in Ruanda. Im Projekt und während der Famulatur habe ich wahnsinnig viel gelernt! Trotzdem oder gerade deshalb würde ich empfehlen, erst in höheren Fachsemestern die Famulatur in der Pädiatrie zu machen.

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