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Eat to Fight your Disease (Ruanda)

Gynäkologie - SCOPH (Public-Health Austausch)
Anonym

Motivation

Ich habe mich im Herbst 2018 über die Restplätze auf das „Eat to fight your disease“-Projekt in Huye (Butare) beworben. Zu dem Zeitpunkt habe ich alles relativ spontan entschieden nach dem eine Freundin mich auf das Projekt hingewiesen hatte. Was mich faszinierte, war besonders die Kombination aus einen Public Health Austausch und eine Famulatur, wo man die Möglichkeit hat sowohl in einer gesundheitlichen Institution Einblick zu kriegen als auch Erfahrung von einem Public Health Projekt zu sammeln.

Vorbereitung

Die Bewerbung zu schreiben und die Kommunikation mit Eat to fight your disease lief reibungslos und als die Zusage kam war die Vorfreunde reell. Flüge habe ich zusammen mit meiner Freundin, die auch eine Zusage erhalten hatte, vor Weihnachten gebucht, die Preise sind aber relativ stabil geblieben also braucht man sich da keinen großen Stress zu machen.
Auf die Zusage vom Krankenhaus in Huye lässte es sich warten. Wir haben über Wochen versucht Mr. Elias zu erreichen um das „invitation Letter“ zu bekommen, ohne die man theoretisch nicht das Praktikum durchführen darf. Also die Aussage „Keine Antwort bedeutet ja“ ist nicht zutreffend und man braucht definitiv eine schriftliche Zusage. Mit Hilfe von den Leuten vor Ort und viel Geduld haben wir 2 Wochen vor Praktikumsanfang die Zusage erhalten.

Visum

Am Flughafen in Kigali habe ich ein Ostafrika-Visum für 100 dollar erhalten. Dafür braucht man sein Resiepass und sonst keine Unterlagen. Dollar habe ich am Flughafen in Brüssel noch abgehoben.

Gesundheit

Nach Weihnachten habe ich mich um meinen Impsstatus gekümmert und kurz vor Abreise noch entschlossen eine Malariaprohylaxe zu machen. Im Krankenhaus hat man schon immer wieder Malariafälle gesehen, und ein paar mal wurden wir schon gestochen. Ansonsten habe ich nicht viel an praktischen Vorbereitungen gemacht.

Sicherheit

Ich habe keine spezielle Vorkehrungen hinsichtlich der Sicherheit getroffen. Ich habe mich natürlich vor meinem Aufenthalt über die Sicheheilage informiert. In den Grenzgebieten gibt es ja Spannungen, vor allem die Grenze zu Burundi und Kongo sind immer wieder in den Nachrichten und wir waren tatsächlich ein bisschen gespannt auf der Reise nach den Nyungwe forest, aber alles ist gut gegangen.

Geld

Ich habe 300 Dollar in Brüssel am Flughafen abgehoben. 100 Dollar habe ich gleich am Flughafen gebraucht und sonst hbe ich die Dollars bei Eintritte in Nationalparks ausgegeben, dort kann man in den meisten Fällen aber auch in Ruandan Francs zahlen. Es gibt genügend Banautomaten in Butare, also man kommt auch ohne Dollar gut zurecht, vielleicht sogar besser. Auf dem Markt kann man super gut einaufen und es ist sehr günstig gewesen.

Sprache

Mit Englisch kommt man in Ruanda gut zurecht. Französisch zu können schadet aber auch nicht, da viele von den älteren eher französisch gesprochen haben. Es lohnt sich auf jeden Fall ein Paar Wörter und Sätze auf Kinyarwanda zu lernen, vor allem in Krankenhaus macht das eine schöne Stimmung.

Verkehrsbindungen

Man kommt gut mit den Bussen überall hin. Sie sind günstig und fahren sogar nach Zeitplan. Manchmal lohnt es sich allerdings im Voraus die Ticket zu besorgen, da es teilweise ziemlich voll wird. In den Städten kann man mit den Motos fahren.

Kommunikation

Ich habe mich in Kigali eine Airtel-Simkarte geholt, man kann sie aber auch direkt in Huye kaufen. Sie hat ungefähr 10 Dollar gekostet und mit der hat man genügend mobile Daten für einen Monat, ich meine es waren 10 Gb.

Unterkunft

Ich habe in eins von den RVCP Häusern mit zwei anderen gewohnt. Schön war es, dadurch das RVCP Projekt unterstützen zu konnen, die anderen Famulanten/Praktikanten kennenzulernen, eine eigene Küche zu haben und im Gangabstand zum Krankenhaus zu wohnen. Die Häuser sind sauber und haben Mückennetze.

Literatur

Ich habe ein paar Artikel über Ruanda bei Aljazeera und Nytimes gelesen, ansonsten habe ich auch viel in dem Reiseführer gelesen. Für die Famulatur habe ich mein Herold mitgenommen, das war völlig unnötig. Ich würde eher empfehlen Mediscape runterzuladen als app.

Mitzunehmen

Ich habe ein paar Sachen für die Famulatur mitgenommen, zum Beispiel Handschuhe, Desinfektionsmittel usw., das hat sich auf jeden Fall gelohnt, da man die Sachen am Ende gut verschenken kann. Reiseführer gab es in dem RVCP Haus genügend, die hätte ich zu Hause lassen können. Mein Mückennetz habe ich auch nicht benutzt, da es in den Unterkunften wo ich war immer Netze gab.

Reise und Ankunft

Ich bin ein paar Tage vor Praktikumsbeginn angereist. Dadurch konnte ich Kigali erkunden bevor die Reise weiter in den Süden ging. Das lief alles Problemlos, ich bin am Flughafen angekommen, habe ein Taxi zum Hostel genommen und bin dann zwei tage später mit dem Bus weiter nach Huye gereist.

Tätigkeitsbeschreibung und fachliche Eindrücke

Da es dieses Jahr ein doppelter Jahrgang ruandische Student_innen gab, wegen Verkürzung des Medizinstudiums von 6 auf 5 Jahren, sah unser Alltag wahrscheinlich anders aus als sonst. 30 PJ’ler_innen plus 3 Austauschfamulant_innen hat es ein bisschen komplizierter gemacht. Ich habe mich an einem ruandischen Studenten angehängt und bin mit ihm rotiert, immer 3 Tage auf einer Station und dann wechsel. Für mich hat das ganz gut funktioniert und er hat mich sehr viel geholfen und erklärt. Leider gab es an manchen Tagen sehr wenig zu tun, weil einfach zu viele Studenten da waren. Nichtdestotrotz habe ich sehr viel gesehen; viele Krankheitsbilder, die bei uns selten vorkommen ist in Huye Alltag und natürlich im Kreissaal war es sehr interessant und spannend teilzunehmen. Dort war man als Student_in immer willkommen und wurde schnell miteinbezogen in dem was gerade los war. Die Hebammen waren sehr freundlich und Hilfsbereit gegenüber den Student_innen.

Der Krankenhausalltag in der Gynäkologie und Geburtshilfe hat um 7 Uhr angefangen. Normalerweise machen die ruandische Studenten Stationsrunden vor der Besprechung, die oft 1,5-2 Stunden gedauert hat. Danach sind wir auf Station gegangen und haben uns auf die Visite vorbereitet. Wir durften mituntersuchen und Anamnesen machen, die teilweise mithilfe von den ruandischen Studierenden nur möglich war, da viele Patient_innen kein Englisch bzw. Französich gesprochen haben. Deshalb empfielt es sich auf jeden Fall ein paar Wörte auf Kinyarwanda zu lernen, da freuen sich alle und es entsteht eine schöne Stimmung. Nachmittags gab es oft Unterricht, dadurch sind die Tage teilweise lang und ich hatte das Gefühl an manchen Tagen viel zu „Rumzusitzen“, was mich ein bisschen gestört hat, worauf ich mich besser vorbereitet hätte können.
Ich war auf jeden Fall von den ruandischen Student_innen sehr beendruckt, sie waren sehr kompetent und selbstständig. Sie hatten auf Station ziemlich viel Verantwortung, sie müssen immen bis 17 Uhr da sein und arbeiten eigentlich schon als Assistentärtz_innen. Da sie nach dem Studium direkt in einem District Hospital anfangen und dort von Anfang an sehr viel Verantwortung tragen wird vieles von den Erwartet und sie stehen unter viel Druck. Für mich war es am Anfang schwierig es deutlich zu machen auf welchen Level man selber ist, aber nach ein Paar mal erklären haben die meisten es verstanden unn nicht das gleiche von einem erwarten wie von den ruandischen Student_innen. Man durfte immer dabei sein und mituntersuchen.

Land und Leute

Das Leben in Huye haben wir sehr genossen. Fasst jeden Tag sind wir auf dem Markt gegangen und haben uns frische Mangos, Marakujas, Bananen, Ananasse und Avokados geholt. Ruanda ist sehr grün und fruchtbar und deshalb konnte man mit einem guten Gewissen die Avokados geniessen. Da Huye eine Kleinstadt ist kriegt man schnell einen guten Überblick und hat schnell die meisten Sachen ausprobiert. Oft haben wir uns ins Café Connexion gesetzt und den sehr leckeren Cappuccino getrunken. Abends gab es Yoga-und Aerobicskurse und jeden Donnerstag Karaokeabend in einem lokalen Bar.

An den Wochenenden sind wir ein bisschen rumgereist, was in Ruanda sehr einfach geht. Die Busse fahren sogar zum richtigen Zeitpunkt ab und die Strassen sind sehr gut und dadurch, dass das Land klein ist kommt man überall hin wo man möchte an einem Wochenende. Von eigener Erfahrung würde ich Horizon als Busunternehmen empfehlen, manchmal lohnt es sich am Vortag schon Tickets zu kaufen, dann ist man einen Platz gesichert. Wir waren in den schönen Regenwald „Nyungwe forest“ wandern und auf dem Mount Bisoke in den Norden. Man muss sich darauf einstellen, dass die meisten Wanderungen bzw. die Parkeintritte relativ teuer sind. Man kann Kaffee- und Teeplatagen besuchen, die wirklich wunderschön sind und im vergleich zu den Wanderungen relativ billig sind.

Die Ruander sind sehr hilfsbereit und nett. Ich habe fasst nur positive Erfahrungen gemacht, vor allem ist uns aufgefallen, dass wir fasst immer den normalen Preis zum Beispiel auf dem Markt und bei den Motoradfahrern zahlen müssten. Ich habe mich außerdem immer sehr sicher gefühlt.

Das ruandische Essen hat mich nicht so sehr Beeidruckt, vielleicht waren wir aber einfach nicht an den richtigen Orten. Buffetangebote sind in den meisten Orten, sie sind sehr günstig und ganz lecker. An Essen hat mich eher das große Angebot an Obst und Gemüse an den Märkten beeindruckt, das haben wir sehr genossen! Was mir aber auch postiv überrascht hat war, dass man in Ruanda relativ wenig fleisch isst, also kommt man als Vegetarier sehr gut klar!

Das Wetter war optimal, obwohl wir in der Regenzeit da waren hatten wir ein sehr angenehmes Wetter. Viel Sonne, kurz Regenschauer und angenehme Temperaturen zum Schlafen. Wie schon gesagt ist Ruanda sehr grün und fruchtbar, was mich sehr beeindruckt hat. Es ist überall sehr schön und es verstärkt sich natürlich durch das erfolgreiche Plastikverbot, es ist überall so sauber! Ein unglaublich schönes Gefühl, zu sehen wie so eine Maßnahme funktioniert und die Natur ohne Plastikmüll genießen zu können.

Fazit

Insgesamt war die Zeit in Ruanda eine sehr gute Erfahrung. Ich habe sehr viel gelernt, ich habe einen guten ersten Einblick in einem Public Health Project bekommen und habe einfach schöne Erlebnisse in ein neues Land gehabt. Ich würde definitiv jedem, der offen und reflektiert über so einen Austausch ist, empfehlen nach Huye zu gehen.

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